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Donnerstag, W. April 1950
Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Oberhessen)
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daher ebenso gekrümmt oder gebogen wie diese; hieran und an den häufig eingeschlossenen Lust- blasen können wir die synthetischen Rubine und Saphire von den echten, natürlichen unterscheiden. Die Bitterfelder Rubine und Saphire werden von der „Deutschen Cdelsteingesellschaft" in Idar an der Rahe geschliffen und in den Handel gebracht. Auch in der Schweiz sind Fabriken für synthetische Rubine und Saphire, die besonders als Lager in Uhren, Clektrizitätszäh- lern usw., viel weniger für Schmuckzwecke Der- wendung finden.
schließlich den Kaiserthron sichern. Zauditu ober hielt streng an der alten Tradition fest. Sie war mit dem Ras G u g s a O l i e s verheiratet, der sich ebensowenig wie die Kaiserin damit abfinden konnte, daß Tafari tatsächlich die Macht in Händen hielt. Ohne Zauditu abzuseFen, ließ sich der Regent im Herbst 1928 zum Negus von Abessinien krönen. Es war eine feierliche Zeremonie. 3n der Nähe der Kirche von Addis-Abeba war ein prächtig geschmücktes Zelt aus hellrotem Tuch errichtet, und Tafari schritt, umgeben von einer Ehrenwache weihgekteideter Prie- ster, die Psalmen sangen und Palmwedel schwangen, in feierlichem Zug zu dem Thron, vor dem sich die Grobwürdenträger versammelt hatten. Fast alle Ras des Landes hotten sich eingefunden, um dem neuen Herrscher zu huldigen. Aber Ras Gugsa hatte sich mit dieser Entwicklung nicht obgestmden. Vor wenigen Tagen, am 31. März, übersiel er mit 10 000 Mann und einigen Geschützen die Armee des Negus Tafari, wurde jedoch geschlagen und im Kampf getötet. Bei der Nachricht von seinem Tod soll nun die Kaiserin Zauditu „durch einen Herz- schlag" vor Schreck ums Leben gekommen sein. Dom Abessinischen ins Deutsche übersetzt, bedeutet dies, daß die oierundfünfzigjährige Frau um gebracht worden ist. Nicht immer ist man mit dem abgesetzten Monarchen in Abessinien so schonungslos umgegangen. Denn noch immer lebt Lidsch Jassu, der
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Regierungswechsel im ältesten christlichen Kaiserreich.
Hochschulnackrichten.
Dr. jur. et rer. pol. Hellmut Mayer, Privatdozent in Erlangen und Rechtsanwalt in Würzburg, ist zum ordentlichen Professor für Strafrecht und Strafprozeß an der Universität Rostock ernannt worden.
einbare Sachen sind.
Aber der Frühling siegte. Immer wieder mußten wir daran erinnert werden, daß auf Rufweite von uns in einem anderen Graben andere Soldaten steckten. Der Frühling war stärker. Linser zerzauster Wald wurde grün und die Berge yinter den russischen Stellungen auch. In den Rächten bellten im Dorf drüben die Hunde, krähten die Hähne, rackelten behaglich die Wogen auf den Straßen. Lind die Hunde von Topo- rouc bellten nur ein bißchen näher, die hinter uns krähten morgens nur ein lauter — dafür verschlang der Wald das unserer Wagen. Der Krieg schlief ein.
Madrids erster Wolkenkratzer: Das Haus der Presse, das die spanische Iournalistenvereinigung erbaut hat.
Oberheffen.
Voranschlagsberatung in Alsfeld.
6# Alsfeld, 9. April. In der am Dienstag abgehaltenen Stadtvorstandss itzung gelangte der Boranschlag der Stadt-, Hospital- und Armenkasse für das Rechnungsjahr 1 930 zur Borlage. Er beträgt in Einnahme und Ausgabe 602 159 Mk.; davon entfallen auf den Betrieb 573 660 Mk., der Rest aus die Bermögensrechnung.
In den allgemeinen Ausführungen zur Erläuterung des Voranschlags wies der Vorsitzende darauf hin, daß die Finanznot der Gemeinden sich überall bei Beratung der Voranschläge deutlich zeige, die fast bis herab zu den kleinsten Gemeinden für das neue Rechnungsjahr ein bedeutendes Anwachsen des Fehlbetrags zur Folge habe, der durch Umlagen zu decken sei. Die Ursache liege in den zurückgehenden Steuereinnahmen und in den zwangsläufig stets steigenden Ausgaben der Gemeinden, insbesondere auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge. In der Arbeitslosenversicherung müsse sobald als möglich eine Aenderung in der Betreuung der Ausgesteuerten eintreten, andernfalls das jetzige System zu dem finanziellen Zusammenbruch der mit Ausgesteuerten stark belasteten Industrle- gemeinden führen müsse. Auch im Voranschlag der Stadt Alsfeld für das Rechnungsjahr 1930 wirken sich diese Erscheinungen aus. Man habe die Reichssteuerüberweisungen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer vorsorglich um 10 Proz. geringer angesetzt in Erwartung der kommenden Reichsfinanzreform, die sicherlich den Gemeinden eine Herabsetzung ihrer Steueranteile bringen werde. In den Ausgaben seien viele Posten zwangsläufig. Infolge von zwangslaufl- gen Mehrausgaben im Betrage von 7600 Mk. sei eine Erhöhung der Umlagen von 123 000 Mk. auf 1 30 000 Mk. notwendig geworden. .
Bei der folgenden Einzelberatung wurden bet den Rubriken 13, Elektrizitätswerk, und 22, Allgemeine Verwaltung, kleine Aenderungen vorgenommen; im übrigen wurde der Voranschlag in der von der Finanzkommission beratenen Form 9e£ür Kanal- und Straßenbau sind im neuen Rechnungsjahr 28 499 Mark vorgesehen. Die Beschlußfassung über die Ausschlagssähe für die Gemeindesteuern wurde ausgesetzt, da das endgül-
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Künstliche Edelsteine.
Schon vor Iahrzehnten ist die Darstellung richtiger Diamanten gelungen, doch sind diese Erzeugnisse auch heute noch so winzig, daß ste praktisch bedeutungslos sind. Anders liegt das, wie Professor Dr. Arrien Ivhnsen in einem farbig illustrierten Aufsatz des Aprck- heftes von Delhagen & Klasings Mo- natsheften auseinanderseht, bei Saphiren und Rubinen. Schon um die letzte Jahrhundert- wende hat der Franzose A. Derneuri unter De- Nutzung reiner Schmelzflüsse von über 2000 Grad Celsius rote Rubine und blaue Saphire künstlich aus den Stoffen Tonerde und Chromoxyd bzw. Tonerde, Titanoxyd und Eisenoxyd hergestellt, und heutzutage wird die Synthese dieser beiden Edelsteine in großem Maßstab vom Elektronwerk (I.-G.° Farben) in Bitterfeld betrieben. Die Darstellung erfolgt aus Schmelzfluß, wobei sich große, birnenförmige Kristalle bilden; auch sie sind ähnlich den natürlichen Kristallen aus parallelen Schichten aufgebaut, die oft abwechselnd Heller und dunkler gefärbt sind. Aber diese Schichten find nicht ebenflächig, sondern der birnenförmigen Kristcklloberfläche parallel und
Das glückliche Sroufpaar.
Wenn man an gar nichts denkt, kommt einem oft das Glück ins Haus. Da hatte sich ein junger Mann aus Upsala mit einem jungen Mädchen aus Stockholm verlobt, und da die Hochzeit bereits angesetzt war, die beiden sich aber vorher aus Gründen, die hier nicht interessieren, nicht mehr sehen konnten, beschloß der Bräutigam, der Braut täglich einen Brief zu schreiben. Als ordentlicher Mensch kaufte er aus der Post 35 Briefmarken, klebte sie auf 35 Kuverts und benutzte nun jeden Tag eines davon. Als er schon fast 20 Briefe abgeschickt hatte, kam eines Abends ein Freund der Familie zu den Eltern der Braut, sah eins der Kuverts auf dem Tische liegen und stieß einen Freudenschrei aus. Denn die Marke aus dem Umschlag gehörte zu einer Serie, die versehentlich fehlerhaft gedruckt und sofort aus dem Verkehr gezogen war. Rur ganz wenige Stücke waren verkauft worden. Der Bräutigam aber hatte zu seinem Glück gerade 35 Marken dieser Serie erwischt. Und die Braut hatte zu ihrem Glück nicht nur die Briefe, sondern auch die Umschläge aufgehoben. Der Bekannte, der selber Driefmarkenhändler war, bot der überraschten Braut für jede Marke 200 Kronen, also insgesamt 7800 Mark, einen Betrag, der den Hochzeitern wirklich gelegen kam.
mit sich spaßen. Seine Tante, Meneliks Tochter Zauditu, wurde Kaiserin, ohne fähig zu sein, das Land zu regieren. Lidsch Jassu hatte diese Prinzessin in Ketten legen lassen, und es war ein ungeheurer Triumph, als sie nun aus dem Gefängnis in den Kaiserpalast geführt wurde.
An der Spitze des J)eeres, das Lidsch Jassu besiegt hatte, stand Ras Tafari, ein Sohn des Heerführers M a k o n n e n. Im Triumph zog Ras Tafari, der neben der Kaiserin Zauditu zum Regenten des Landes ernannt wurde, in die Hauptstadt ein. „In ungeordnetem Durcheinander quoll der Heerzug der abessinischen Krieger zu beiden Seiten über die Breite des Wegs", fo beschrieb die Frau des deutschen Gesandten in Addis-Abeba, Hedwig Weiß-Sonnenburg, das Ereignis, das sie miterlebt hatte. „Krieger, um das schwarte Haupt die Löwenmähne, mit Schild und Lanze bewaffnet, auf schöngeschirrten Pferden; andere zu Fuß, das Gewehr im Arm oder auf der Schulter, in beschmutzten Ge- wändern, rotbraun von der nassen Erde des Landes, denn es war Regenzeit. Sie liefen barfuß bin-
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Der neue Aegus von Abessinien.
Don Dr. Georg Häfner.
,Don Gottes Gnaden König der Könige, Statthalter der Gottheit, Löwe aus dem Stamme Juda, Adler der Wüste, Sohn des Himmels, der erhabene Herr der Erde und der Gewässer, der Beherrscher Aechiopiens, der Weiseste, der Würdigste der Größte, der einzige Erbe des Thrones Salomos, Tafari Makonnen, Negus-Sudigutu, der Grimmige und Gerechte, Spiegel der Wahrheit, Beschützer der Abessinier, ßany und Schwert der himmlischen Mächte" — das ist der volle Titel des Mannes, der nun, nach dem überraschenden Tod der Kaiserin Zauditu Alleinherrscher Abessiniens geworden ist. Die Welt kennt ihn noch immer als R a s T a s a r i, aber das Wort Ras, ursprünglich „Kops' oder „Dor- gebirge" bedeutend, bezeichnet nur einen Herzog, den Gouverneur einer abessinischen Provinz, wahrend Tasari schon im Oktober 1928 zu m „K o n i g der Könige" zum Negus, gekrönt worden ist. Mit ihm hat eine neue Dynastie den abesstni- schen Thron erobert — eine Tatsache, die man frei« lid> in der Hauptstad Addis-Abeba nicht laut aus- prechen darf. Denn die Herrscher von Abessinien sollen stets in gerader Linie vom König Salomo und der Königin von Saba abstammen, also zu einer einzigen Familie gehören. Die Priester der koptischen Kirche, die eine kaum zu überschätzens Macht besitzen, haben seinerzeit „nachgewiesen , daß Kaiser Menelik II. tatsächlich ein Urenkel des biblischen Königs Salomo gewesen sei, und damit wurde es auch begründet, daß seine Tochter, die soeben verstorbene Kaiserin Zauditu, im Jahre 1916 den Thron bestieg. Tafari ist es inzwischen gelungen, die koptischen Priester davon zu überzeugen, daß auch in seinen Adern ein Tropfen salornw Nischen Blutes rolle; aber es ist fraglich, ob sie sich jetzt bereiterklären, den neuen Herrscher als, „wahren Sprößling aus dem Geschlecht Salomos" anzu» erkennen. Davei sieht Tafari weit semitischer aus, als dies bei Menelik der Fall war, dem man einen negroiden Einschlag ohne weiteres ansehen konnte.
Ein Thronwechsel ist in Abessinien jedesmal eine gefährliche Angelegenheit, die zu Revolutionen und Staatsstreichen führen kann. Menelik 11. hatte es verstanden, sich eine ungeheure Autorität im Volk zu schaffen, besonders durch seinen Sieg über die Italiener, die er am 1. März 1896 bei Adua entscheidend geschlagen hatte. Noch heute wird dieser Herrscher im ganzen Land wie ein Nationalheiliger verehrt. Aber im Jahre 1909 muhte Menelik die Regierung niederlegen, weil sich eine unheilbare Krankheit bei ihm bemerkbar machte; in geistiger Umnachtung ist er im Dezember 1913 in Addis- Abeba gestorben. Während seiner letzten Lebens- jähre regierte an seiner Stelle die Kaiserin Taitu; aber sie war nur formell das Oberhaupt des abessinischen Staates, dessen Herrscher ein junger Mann werden sollte, der von Menelik selbst zum Thronerben ausersehen worden war. In seinem politischen Testament vom 30. Oktober 1909 hatte Menelik, der „Löwe von Juda", jeden verflucht, der die Thronfolgerschaft seines Neffen Lidsch Jassu nicht anerkenne. „Die Erde möge ihn verschlingen", verkündete der alte Kaiser, „und als Sohn möge ihm ein schwarzer Hund geboren werden." Zunächst führte Ras T a s a m m a , der Vormund dieses Thronerben, für Lidsch Jassu die Regentschaft; aber dieser Regent starb im April 1911, und nun entstanden zwischen den verschiedenen Thrvnprätendenten heftige Streitigkeiten um die Uebernahme der Macht. Schließlich gelang es Lidsch Jassu, den Kaiserthrvn zu besteigen, doch am 27. September 1916 wurde er wieder entthront. Der junge Monarch hatte nämlich große Lust gezeigt, sich in den Weltkrieg einzu- mischen, und zwar auf Seiten Deutschlands, dessen ostafrikanischer Schutztruppe er zu Hilfe kommen wollte. Von englischer und italienischer Seite wurde daraufhin verbreitet, daß Lidsch Jassu insgeheim ein Freund des Islam sei. Dieses Gerücht kostete ihm den Thron; denn in diesen Dingen lassen die Bewohner des ältesten christlichen Kaiserreiches nicht
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ter ihren berittenen Führern her. Ras Tafaris zarte kleine Gestalt war in einem leuchtend blauen Mantel gehüllt, der kraß von dem Schwarzgrau seiner Umgebung abstach. Er ritt auf einem pompös geschmückten Maultier und rings um ihn tänzelten die Kriegspferde der mit Fellen geschmückten Großen des Reiches. Sein semitisch geformtes schmales Gesicht, von einem dichten, schwarzen Bart umrahmt, blickte ernst, beinahe streng unter dem breitfrämpi- gen Hut hervor. Damals wußte ich noch nicht daß ein sehr eigenartiges, ansprechendes Lächeln seine Züge verschönen kann, die all die Schwermut seiner Rasse tragen. Vor ihm ritten die roten Trommler, die nur ein kaiserlicher Prinz das Recht hat, sich zu halten. Ebenholzschwarze Kerle, auf der Kruppe der Maultiere hockend, vor sich eine große oder drei kleinere, mit Rinderhaut bespannte Holztrommeln, die sie mit langen Hölzern bearbeiteten."
Der junge Regent, der in einer französischen Missionsschule erzogen worden ist und daher — eine Seltenheit in seinem Land — fließend französisch spricht, stieß von Anfang an auf große Widerstände. Er wollte das Land modernisieren, und er hat nach einer Europareise, die ihn im Jahre 1924 nach Rom, Paris und London führte, eine Schule nach europäischem Muster eingerichtet, und er wollte sich sie wieder. Zum Dank probierten sie bann jene I infamen Flügelminen gegen uns aus, die man in der Lust in hohem Bogen auf sich zufliegen sah, bis sie Gottseibank yinter uns, in einem kleinen Froschteich, mit schauerlichem Krachen explobierten. „Moskal schießt auf bie Frösche", sagten unsere Leute vergnügt. Uebrigens scheint es auch ben Fröschen verhältnismäßig wenig getan zu haben, berm eine Diertelstunbe nach dem letzten Schuß hob das Quakkonzert wieder an. Und auch das war nur mit dem Gedanken zu ertragen, daß es ja ben Frühling verkünbe.
Der Frühling in ftänbiger Tobesgesahr ist etwas seltsam Ungereimtes. Eben barum genossen wir ihn hoppelt unb vergaßen, oft zu unserem Schaben, vorsichtig zu sein. Ich erinnere mich eines Dieser Frühlingsmorgen; ich hatte von 4 bis 6 Uhr Grabenbienst gehabt, mein Kame- rab, bet Fähnrich Szekeres, betreute gleichzeitig ben gefährlichen rechten Abschnitt ber Kompagnie. Um Sonnenaufgang trafen wir uns unb genossen miteinanber bas köstliche Schauspiel bie* ses Tagwerbens. Er erzählte mir von seiner Vaterstabt, in ber bie älteste magyarische Universität baheim war, kam auf bie ungarische Geschichte unb schien ben ganzen Krieg zu vergessen. Wenn er sich unterbrach unb von mir unterbrechen lieh, war es nur, bie Frühlingssonne zu betounbem, bie glutrot aus bem Frühnebel aufftanb. Es war sein letzter Morgen. Rach einem übermütigen Tage traf ihn in ber nächsten Rächt eine Kugel, an ber er verblutete. Wieber taten wir gleichzeitig Dienst, ich links, er rechts, es war ganz still unb bunkel, ich konnte mich nachher kaum an zwei Schüsse erinnern, bie brüben gefallen waren. Kurz vor ber Ablösung um 2 Uhr zischte rechts eine Leuchtkugel auf; ich achtete ihrer nicht. Die Ablösung verspätete sich um eine Diertelstunbe, bann erfuhr ich von meinem Nachfolger, bah Szekeres, vergnügt auf ber Brustwehr stehenb unb in bie herrlich Rächt schauenb, ben Leuchtschuh abgegeben hatte, ber bem Schützen brüben sein Ziel zeigte. Am Rachmittage hatte er, auf seiner Decke in ber Sonne liegenb, bie russische Artillerie veräppelt, bie wie alltäglich, zu uns herübersunkte; jeben Fehlschuh hatte er, mit der Mütze schwenkend, lachend angezeigt. Es waren nur Fehlschüsse gewesen. Und bie russische Infanterie drüben war wohl ebenso faul wie
Dor fünfzehn Jahren.
Von Hans Hajek
Auch bamals würbe es Frühling. Wir lagen seit ber Winterschlacht bei Toporouc unb Ra- rancze (norböstlich von Czernowitz) in ben Gräben vor Toporouc, am Saum eines großen Wichenwalbes, von welchem Saum freilich nicht mehr übrig war als ein paar zur Hälfte abgeschossene, von Schrapnells unb Gewehrkugeln zerfetzte Stämme. Als wir die Warasbiner vom 16. Infanterieregiment ablösten, lag bicker Rebel über der Lanbschast, unb wir wuhten nur: sechzig Schritte von uns waren bie russischen Schützengräben 2lls ber Rebel über ber bid verschneiten Mulbe sich zum ersten Male hob, kostete es viel Blut, wahrscheinlich auf beiben Seiten. Die Verletzungen unserer Toten unb Verwundeten kämen von gutgezielten Schüssen: also lagen brüben tüchtige Leute. Vielleicht sibirische Säger. Vielleicht anbere. Aber allmählich gewöhnte man sich baran, einanber auf Rufweite gegenüber- zuliegen. Man schoh weniger, es gab weniger Blut, unb ber Krieg galt gemeinsam dem Winter.
Ein rechter Frühling beginnt mit ber Schneeschmelze. Aber bas sagt einer so, wenn er es in der Zeitung liest unb babei an seinem Arbeitstisch sitzt, brei Schritte vom Rabiator ber Zentralheizung, seiner Sekretärin zwischenburch bik- tierenb. Wen, außer bem Ingenieur ber Fluhregulierung, bem Flößer, bem Schiffer, geht bie Schneeschmelze unmittelbar was an? Unb wer von benen watete Wochen lang im Schnee, patschte bann bis über bie Knöchel unb Waden in einer herrlichen Mischung von Ciswasser unb Lehm, bas Rahen bes Frühlings in allen Gebeinen zu spüren? Das taten wir bamaks, vor fünfzehn Iahten. Wir fluchten unb jaulten, wenn wir von einem Wasserloch ins anbere tappten; wir foffen Schnaps, Zahnweh unb Glieberreißen zu verjagen. Aber wir freuten uns bvch, ben Winter los zu werben, unb beobachteten jebes neue Fleckchen Crün, bas irgenbwo aufsproh. Wir leiteten in bie tieferen Gräben ber Russen unser Schmelzwasser hinüber, bah sie ein paar Tage ausreihen mußten, wenn sie nicht elenb ersaufen wollten. Natürlich rissen sie aus unb räumten bie erste Linie; als bie Sonne Misere Liebesgabe ausgetrocknet/ hatte, tarnen
nach seiner Niederlage in die Wildnis flüchtete, schließlich aber verraten wurde, und in irgendeinem Kerker Abessiniens heute noch in Ketten liegen soll. Gerade dieser Mann kann jetzt gefährlich werden, da er als Verwandter Meneliks und damit als Sproß aus dem Hause Salomos die legitimsten Aus- sichten auf die Thronfolge hat.
Andererseits ist Tafari zweifellos der fähigste Politiker seines Landes. Er hat es verstanden, die Kolonialmächte der Nachbarschaft gegeneinander auszu- spielen und so die Unabhängigkeit Abessiniens zu wahren. Denn schon längst sucht England eine Gelegenheit, sich die Quellen des Nils anzueignen, um dadurch im Sudan seine Baumwollzucht zu fordern, während Italien durch Bahnbauten von Eryträa und Somaliland aus gern weiter in das Innere Abessiniens einbringen mochte. Sollten die Kolonialmächte eines Tages das alte Kaiserreich verschlucken, so würde damit der prunkvollste afrikanische Hof verschwinden. Die europäische Kultur bringt allerdings auch auf andere Weise in das Land ein. Die Europäer, bie nach Abdis-Abeba kommen ober einen ber Großwürdenträger im Land besuchen, werben stets sofort mit französisck)«m Sekt bewirtet, wobei Grammophone spielen, bie man für vornehmer als Kapellen hält.____________
wir in ber Sonne gelegen: ba lohnt es sich nicht, auf fünfzig Schritte nach einem einzelnen Mann zu schießen, ber sich frühlingsmäßig unvernünftig benahm. Kein Gewehrschuß schlug herüber. Rachts, beim fatalen Schein einer Leuchtrakete, nahm ein ängstlicher Posten ben Spaß für ®nrft unb jagte eine Kugel nach ber ungewissen Gestalt. Er tat seine Pflicht, barauf aufmerksam zu machen, baß Krieg unb Frühlingsrausch untrer-
Um den Großen Preis von Monaco: In voller Fahrt durch die Straßen Monacos. Sieger blieb in Rekordzeit Dreyfuh auf Bugatti.


