Ausgabe 
10.2.1930
 
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ventionisten, des Quadrumvirn, der mit drei an­deren Männern den Marsch auf Rom geleitet hatte. Einige Stunden später stand der Oe.terrei- cher vor dem Italiener, Schober vor dem Duce, WieninR 0 m. Und dies im PalazzoBe- nezia, der bis zum Kriege dir römische Hoch­burg Habsburgs war, und wenn der Nachfol­ger des Grafen Berchtold scharfe Augen hat, so wird er gegenüber eine Marmorplatte ge­sehen haben zum Gedächtnis des von Oesterreich gehängten und folglich von Italien verherrlich­ten Verräters oder Märtyrers, wie man's nimmt, eine Inschrift, deren Ton nicht einmal parla­mentarisch sein will.

Aber das ist noch nicht alles. Herr Schober hatte schöne Orden mitgebracht und überreichte sie persönlich Mussolini. Ec huldigte dem un­bekannten Soldaten vor dem Altar des Vater­lands und legte Kränze und Blumen nieder im Pantheon, auf die Sarkophage König Humberts und König Viktor E nanuels und auch der Köni­ginmutter, deren erklärter Lebenswunsch die Er­lösung von Oesterreich war.

Unö Mussolini revanchierte sich. So ist noch kein fremder Staatsmann geehrt worden wie der Oesterreicher, geehrt von dem Duce, zu dem alle kommen, der zu niemand geht. (Aur Chamberlain macht immer einige Stationen vor Rom halt und bespricht sich symb lischerweise mit Mussolini an Dord eines Schiffes.) Als Waffen und Wehr des Staates aufgeboten wurden, Salven der Infanterie knallten, und Dutzende von Flugzeug­geschwadern den Himmel durchdröhnten, als die Soldaten des Königs und die Soldaten des Duce die Straßen sperrten für den grandio'enTr.auer- zug des Quadrumvirn, a's der Sag, getragen von den Männern des Direktoriums, am Pa­lazzo Venezia hielt und der Duce in strahlender sadistischer Uniform heraustrat, da sah man zu seiner Linken den Vertreter des Königs und zu seiner Rechten Oe st erreich, verkörpert durch den Bundeskanzler Schober. Die drei Män­ner traten hinter den Sarg und marschierten mit Herr Schober marschierte mit, immer mit, immer zur Rechten des Duce...

Den Donner der über hundert Bombenflug­zeuge in den Ohren, trat er eine Stunde später vor seine Landsleute in der Gesandtschaft und freute sich mit ihnen und feierte die wieder­gewonnene Freundschaft Italiens. Und tiefbewegt stand irgendeiner auf und dankte dem Sendboten Wiens, daß er die Ration befreit habe von der asiatischen Geißel des Kommunismus. Und ge­meinsam sang man die alte Rationalhymne, nur mit verändertem Text...

Zwischen Ehrungen ohne Zahl, zwischen Lor­beer und Retten, zwischen Huldigungsartikeln der fa'zistischen Presse und blendenden Banketten unterzeichnete Bundeskanzler Schober den Freundschaftsvertrag mit demErbfeind". Und Mussolini setzte seinen gewichtigen Ramen dar­unter. Und der König sein Siegel.

Eine nahe Vergangenheit ist begraben. Aeutzer- lichkeiten, Zufälle, diese Vorgänge in Rom, in Wien, in Sarajevo? Mag sein, darm find es aber sehr bezeichnende Aeußerlichkeiten. Und der. Zufall, das; nun Italien das strategische Auf­marschgebiet gegen Jugoslawien offensteht und der Ring um Ungarn gesprengt und Italiens östlicher Interessenkreis geschlossen ist, wird viel­leicht eines Tages so laut in die Weltgeschichte hineinspielen, daß er eine Gedenktafel verdient wie das zufällige Geknall in Sarajevo.

Die Leute, die erst ihre innenpolitische Brilk aussehen müssen, wenn sie die Außenpolitik feien wollen, wollen die Ursache der großen Wand­lung nicht sehen: die Abkehr Oesterreichs von dem Zustand, der zum Beispiel Deutschland noch beherrscht, das Bekenntnis zu einem neuen nationalen Lebenswillen. Wer in Rom lebt, der weiß, daß es ausschließlich dem durch die Heimwehren zum Ausdruck ge­brachten Erstarken zu danken ist, wenn Oester­reich im Haag die Tributketten abgenvmmen wur-

Die blonde Sklavin.

Vornan von Hermann Weick.

2 Fortsetzung. Na.-druck verboten

Auf Schulhoffs Fragen berichtete sie dann von ihrem Aufenthalt auf dem Fe.'dberg. Es waren nur wenig Gäste dagewesen, so daß man sich un­gestört der Schönheit und Ruhe der Wälder habe hingeben können.

Cs war anfangs etwas Scheues Zurückhalten­des in ihrem Sprechen. Mehr und mehr aber schwand es, auch das Schwermütige wich aus ihren Zügen und machte einem heiteren Ausdruck Platz.

Die Zeit verging, die meisten Mitreisenden hat­ten bereits den Speisewagen verlassen. Roch immer saßen die beiden einander gegenüber und unterhielten sich, als seien sie alte Freunde.

Fahren Sie noch weit, gnädiges Fräulein?" fragte Schulhofs.

Bis Berlin."

Dahin will ich auch! ... Ist es sehr neu­gierig von mir. wenn ich frage, ob Sie in Berlin zu Hause sind?"

Die Dame zögerte.

Ich wohne in Berlin ..."

..Dann sind wir ja Landsleute! Ich bin auch Berliner!"

Etwas wie ein Erschrecken ging blitzschnell über die Züge der Fremden. Sie wurde schweig­sam.

Ich will nun wieder in mein Kupee gehen," sagte sie gleich darauf unvermittelt

Sie stand schnell auf, nickte Schulhofs grüßend zu und ging hinweg.

Betroffen sah Schulhofs der schlanken Erschei- nung nach. Diesen raschen Abschied hatte er nicht erwartet! Das sah fast so ans, als habe die Fremde ihm bedeuten wollen, daß sie keine weiteren Annäherungsversuche von seiner Seite wünsche.

Er wollte es sich nicht eingestehen, daß er verstimmt war.

Auch als er nachher wieder in seinem Kupee sah, kreisten seine Gedanken um die Fremde. Er war ärgerlich auf sie. Warum war sie, die vor­her so freundlich und herzlich mit ihm geredet hatte, mit einem Male so unfreundlich, ja ab­weisend gewesen?

Schulhofs raffte sich auf.

Es war zu töricht, sich mit solchen Grübeleien abzugcben! Wie kannte er eine Reisebekanntschaft so wichtig nehmen!

Da die Rächt inzwischen hereingebrochen war, begab sich Schulboff in den Schlafwagen. Er legte sich sogleich nieder und versank in einen leichten Schlummer.

den, wenn die Servituten gestrichen tourten, wenn es die Freundschaftshand einer Großmacht fand.

Es fragt sich nur, was Wien wird geben muffen. Denn nur um ter schönen weißen Haare Schobers willen läßt sich Mussolini nicht mit österreichischen Orten schmücken. Cs muß klar sein, daß er Wien um so mehr entgegenkommt, je weiter es sich vom Anschluß und vom Brenner entfernt. Auch mit Iugo- slawien hatte ja Mussolini einen Freundschafts- pakt geschlossen. Rach Ablauf von fünf Jahren geriet er jedoch, zufällig, in den Papierkorb. Richt einmal eine Gedenktafel hat er, beiläufig, erhalten.

Schulrat Süß-FNedberg achtzig Jahre alt.

WSN. Friedberg, 9. Febr. Am 11. Februar begeht Schulrat i. R. S ü ß (Friedberg) seinen acht- zigsten Geburtstag. Schulrat Süß wurde am 11. Februar 1850 zu Partenheim in Rheinhessen geboren. Er besuchte von 1867 bis 1869 das frühere Lehrerseminar in Partenheim und war bani\, als Hilfslehrer für Musik an der gleichen Anstalt tätig. Im Jahre 1874 wurde er zum Seminarlehrer er­nannt. Qm Friedberger Seminar entwickelte Süß eine überaus segensreiche Tätigkeit, aus der er bei seiner Ernennung zum Kreisschulinspektor im Fahre 1895 ausschied. 26 Zähre lang hat er dieses Amt bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand in vorbild­licher Weise versehen. Vielen Lehrergenerationen ist er während seiner Tätigkeit im Seminar ein mit seltener Geistesgabe ausgerüsteter Führer gewesen. Schulrat Süß bat mit großem Erfolg auch an der Schaffung günstiger äußerer Bedingungen für die Erteilung eines fruchtbringenden Unterrichts gewirkt. Seine reichgesegnete Wirksamkeit findet in weitesten hessischen Lehrerkreisen reiche Anerkennung.

Eine große Eborvereinigung in Bad-Nauheim

WSR. Dad-Rauheim. 9. Febr. Die bei­den hiesigen gemischten Chöre Evangelischer Kirchenchor und Singakademie haben sich unter dem RamenChorvereinigung D a n k e s k ir ch e n ch o r und Sing­akademie" vereinigt, um die bisher erstrebten Ziele jetzt gemeinsam zu verfolgen. Der Chor zählt heute schon 130 Mitglieder und dürste durch seine Arbeitsgemeinschaft mit den beiden ge­mischten Chören in Butzbach in der Lage sein, auch große Chorwerke (Passionen, Messer usw.) zur Aufführung zu bringen. Wie wir hören, ist die Aufführung eines Hänöelschen Oratoriums im Rahmen der diessommerlichen großen Kon­zerte in Dad-Rauheim in Gemeinschaft mit dem Kurorchester in Aussicht genommen. Dirigent der neuen Chorvereinigung und auch der beiden Butz­bacher Chöre ist Musikdirektor Rosenmeher, Bad-Rauheim.

Landkreis Gießen.

r. Klein-Linden, 7. Febr. Unter Be­teiligung einer großen Zahl von Kindern, Enkeln und Urenkeln feierten am Donnerstag die Ehe­leute Konrad Lotz und Marie, 'geb. Faber, da sseltene Fest der diamantenen Hoch- ?e i t Beide Iubilarc erfreuen sich einer guten örperlichen und geistigen Gesundheit. Die kirch­liche Feier fand am Rachmittag im Hause statt. Rach Verlesung des Protokolls aus dem Trau- register vom Jahre 1870 sprach Pfarrer Brem­mer über die Bedeutung des Trautages und des Iubeltagcs. Rach einem gemeinsam gelunge­nen Loblied folgte eine Ansprache des Ortsgeist­lichen auf Grund des 103. Psalmes mit anschlie­ßender Einsegnung des Jubelpaares. Am Schluß der Feier überreichte Pfarrer Bremmer dem Jubelpaar ein künstlerisches Gedenlblatt des Lan- desllrchenamtcs mit einem Glückwunschschreiben für die treuen Dienste des Jubilars als Kirchen­gemeindevertreter. Von den weiteren Glückwün­schen seien erwähnt die Glückwünsche des Kreis-

Als in einer Station ter Zug rasch hielt, erwachte er. Die Bremsen knirschten, im Gang wurden Stimmen laut, Wagentüren schlugen zu, nun fuhr der Zug wieder an.

In Felix Schuthosf war aber eine Unrast, die er sich nicht erklären konnte. Die Stimme der fremden Dame, mit ter er im Speisewagen ge­sessen hatte, klang an fein Ohr, ihr Bild stand vor ihm. Er wollte es verscheuchen, aber es wich nicht.

Wie eine Flamme erhellte es den dunklen Daum.

Schulhofs richtete sich auf und schaltete das ßkfjt ein. Er griff nach einer Zeitung, legte sie aber nach wenigen Minuten wieder zur Seite.

Die Stille, die ringsum herrschte, bedrängte ihn. Es wurde ihm zu eng in dem schmalen Ge­mach. Er beschloß, sich für eine Weile im Gang aufzuhalten, und kleidete sich an.

Als er auf den nur matt beleuchteten Gang hinaustrat, stockte er jäh. Das Blut strömte ihm zum Herzen.

Wenige Schritte entfernt, an das Fenster ge­lehnt, stand die Fremde ...

Beim Geräusch der sich öffnenden Türe hatte sie sich Schulhofs zugewandt. Es schien, als wolle sie- zurückweichen ... dann drehte sie ihr Ge­sicht wieder dem Fenster zu.

Schulhofs trat an ihre Seite.

Sie blickten einander nicht an. Schweigend ver­harrten sie wenige Sekunden.

Felix Schulhofs fragte leise:

Können Sie auch nicht schlafen? ..."

Rein ...," antwortete die Fremde kaum hör­bar.

Mieter war ein langes Schweigen.

Sie blickten beite in die Rächt hinaus. An Lichtern brauste der Zug vorüber, die aufblihten und im gleichen Augenblick verlöschten. Die Räder dröhnten im gleichen Takt: es war wie eine laute, aufpeitschente Melodie.

Lauter aber noch regten sich die Stimmen in den zwei Menschen, die, von einer unerllärlichen Macht zueinander hingezogen, im fahlen, däm­merigen Licht des Wagenganges standen. Rings­um schliefen die Passagiere: nur sie beide wach­ten, aufgejagt von ahnungsschwerer Unruhe ...

Ich ertrage heute die enge Schlafkabine nicht," sagte Schulhofs dann, um das bange Schweigen zu brechen.Ich komme mir wie ein Gefangener vor! Da ist es besser, hier draußen zu stehen und in die Dacht hinauszuschauen!"

Die Fremde sagte nichts darauf. Mit lang­samer, etwas müder Geste fuhr sie sich über die blonden Haare, die im Licht ter fernen Lampe matt schimmerten.

Eine Frag« drängte sich Schulhofs auf die Lippen.

»Warum sind Sie heute abend fo rasch von

direktors des Kreises Gießen und ein Schreiben des hessischen Innenministers. Auch von dem Reichspräsidenten von Hindenburg war eine Glückwunschehrenurkunte eingegangen. Am Abend brachte ter Mädchenchor der evang. Iu- gendvereinigung dem Jubelpaar ein Ständchen und fang mehrere passende Chorlieder. Der Ju­bilar dankte gerührt für die Ehrung.

L. W i e s e ck, 10. Febr. Samstagabend fand bei Gastwirt Braun eine außerordentliche Gene­ralversammlung des Landwirtschaftlichen Konsumvereins statt, die sehr stark besucht war. Der Einspruch zur Vergebung des Fuhr­werkes wurde zurückgewiesen, da durch den Vor­stand und Aufsichtsrat die Vergebung bereits geschehen war. Die geschäftliche Aussprache brachte manche Aufklärung. Es wurde von Vor­stand und Aufsichtsrat versprochen, bei weiteren wichtigen Entscheidungen erst die Generalver- sammlung zu befragen. Für das vom Vorstand Aurüdgetretcnc Mitglied Erb wurde Karl Ro­denhausen gewählt. In den Aufsichtsrat wurden Wilh. Erb und Karl D a m p e r t gc- wählt.

z. Rödgen, 7. Febr. Missionar G o h, ter erst im Oktober von seiner Missionsarbeit in China zurückkehrte, zeigte am Dienstagabend in Annerod und am Mittwochabend hier in Rodgen im Auftrag der Basler Missionsge­sellschaft te.t zweiten IndienfilmDas Licht scheint in der Finsternis" und gab dazu die notwendigen Erläuterungen. Pfar­rer Bönning dankte am Schluß für die inter» effante Vorführung.

0 Holzheim, 8. Febr. Am 6. Februar feierte eine unserer ältesten Einwohnerinnen Wilhelm Laux, Witwe, im Kreise ihrer 3 Kinder, 8 En­kel und ebensoviel Urenkel ihren 8 6. Geburts­tag. Die Jubilarin erfreut sich noch in außer­gewöhnlichem Maße körperlicher Rüstigkeit und gei­stiger Frische.

. Rieder-Bessingen, 8. Febr. Gestern feierte unser evangelischer Jung- mädchenverern im Saale des Herrn Lotz sein Iahresfest. Der gefüllte Saal war ein Zei­chen, wie die ganze Gemeinde, nicht nur am Iah­resfest, sondern auch an den Zielen und am Le­ben des Vereines innigen Anteil nimmt. Es war dem Verein unter der bewährten Leitung seiner Führerin, ter Frau Prinzessin Auguste Eleonore zu Solms-Lich, ge­lungen, allen Besuchern einen schönen Abend zu schenken. Der Abend war einem alten, wertvollen Gut unseres Volkes geweiht: dem deutschen Volksmärchen. Mit großem Geschick spielten Mit­glieder des Vereins die beiden Märchenspiele: Das Mädchen ohne Hände" undKönig Drossel­bart". Reicher Beifall belohnte die Spielerinnen. Der Ortsgeistliche wies auf Grund von Ps. 31 V. 16 auf die große Ausgabe eines evangelischen Iungmädchenveremes hin. Gedichte und Gesänge vervollständigten das Programm, das nach allen Seiten hin lebendig und anschaulich zeigte, was das Mesen eines rechten kirchlichen Iungmädchen- vereins ist.

Kreis Friedberg.

WSR. Dad-Rauheim, 9. Febr. Die hiesige evangelische Kirchengemeinde wird am diesjährigen Dolkstrauertag (16. Marz) in der Dankeskirche zwei Kriegergedächt­nistafeln füt ihre während tes Wellkrieges gefallenen Gemeindeglieder weihen. Die beiden Tafeln, die in der Vorhalle ter Kirche ihren Platz erhalten werten, sind ein Werk tes be­kannten Kirchrmnallrs Veite, ter in ständiger Fühlungnahme mit dem Denkmalp I ger in Ober­hessen, Geheimrat Wa 1 be, arte.t t. Durch zwei schlanke Lichtträger, die in der Vorhalle auf- gestellt werten und bei besonderen Gelegen­heiten brennen sollen, erhält der dreiteilige Raum den Charakter einer Gedächtnishalle.

Kreis Büdingen.

!! Düdingen. 5. Febr. Der Gemeinde- r a t beschäftigte sich in seiner Sitzung von Ende

mir weggegangen? ... Habe ich Sie irgendwie gekränkt? ..."

Rein ..."

Dann bin ich beruhigt! Ich habe mir schon Gedanken deswegen gemacht!"

Ein Lächeln kam in das Gesicht der.Fremden. Meinetwegen? ... Wir kennen uns ja kaum!" Kommt es immer auf die Dauer des Bekannt» seins an? ... Ich meine nicht! Cs wäre mir jedenfalls schmerzlich gewesen, wenn Sie mit einer Mißstimmung von mir gegangen wären!"

Sie unterhielten sich dann von gleichgültigen Dingen, von den Reisenden, die nebenan in ihren Betten schliefen, von der nächtlichen Landschaft, durch die der Zug jagte.

Aber in ihren Stimmen, dje sie geflissentlich dämpften, war ein seltsam heißer, verhaltener Unterton, und immer wieder begegneten sich ihre Augen in stummem, leidenschaftlichem Fragen.

In der Ferne tauchten die Lichter eines großen Bahnhofs auf. Der Schlafwagenschaffner kam aus seiner Kabine; mit kurzem Blick streifte er die beiden, dann ging er zum anderen Ende des Wagens.

Die Fremde sagte, und es war, als erwache sie aus einem Traume:

Ich will jetzt schlafen gehen ..."

Schulhofs griff nach ihrer Hand.

Ich danke Ihnen für dieses Beisammensein! Cs war sehr schön ... ich werde diese. Stunde nicht vergessen!"

Sie sah ihn lange an; Schmerz verdunkelte plötzlich ihre Blicke

Ja ... es war schön ..."

Werden wir uns in Berlin Wiedersehen?"

Die Fremde senkte das Haupt.

Sie antwortete nicht.

Ich möchte Sie Wiedersehen!" fuhr Schulhofs bittend fort.Dieses Zusammentreffen kann doch nicht einfach so zu Ende sein!"

Es muß zu Ende sein!" erwiderte die Fremde daraus mit seltsam harter Stimme

Bestürzt sah sie Schulhofs an.

Warum? ..." Dann zögernd:Sind Sie ver­heiratet? ..."

Die Fremde schüttelte das Haupt.

Also nicht! Dann besteht doch keine Ursache, daß wir uns nicht treffen 1

Ein fröhlicher Uebermut ergriff ihn. Er nahm die schmale Han- der Fremden zwischen seine beiden Hände.

Ich lasse Sie nicht so einfach verschwinden!" sagte er und suchte ihre Augen, die ihm auS- wichen.Und wenn es nicht anders geht, so werde ich Sie eben in Berlin suchen, bis ich Sie finde ..."

Die Fremde riß ihre Hand zurück. ES war eine Gebärde angstvollen Schrecks.

Sie sotten nicht nach mir forschen!" stieß sie erregt hervor.Sie dürfen es nicht tun!"

f Januar mit dem Ergebnis ter Brunnen- bohrung in S a l i n e n g r u n d, wo man bei der Erbohrung eines neuen SüßwasserbrunnenS jur Behebung tes Wassermangels in unserer Stadt in geringer Tiefe auf Salzwasser gestoßen war. Der Leiter ter Bohrarbeiten, Ingenieur Farr, Fulda, erstattete Bericht über die Bohr­arbeiten, anschließend gab Bürgermeister H i l d- ner das Ergebnis der Wasseruntersuchung durch das Chemische Unter,uchungsamt Gieren bekannt und berichtete gleichzeitig über die mit der Fürstll Büdingischen Verwaltung geführlen Verhand­lungen und über die Rechtslage bei einer etwai­gen Ausbeutung tes zutage getretenen Mineral­wassers. Der Sachverständige empfahl, das Er­gebnis der ganzen Sache zu den Akten zu neh­men und das Bohrloch, soweit Mineralwasser in Betracht kommt, wieder zuzusüllen. Der Ge­meinderat beschloß diesem Vorschlag entsprechend, daß die Verhandlungen mit ter Fürstl. Verwal­tung geschlossen werden. Sodann tour )e ter Bür­germeister beauftragt, mit den Besitzern eines Hauses am Pferdsaacher Weg toegen Erwerb dieses Grundstückes zu verhandeln, da die Stadt dieses Haus erwerben teilt, um durch dessen Ab­bruch eine Verbreiterung der 'Straße herbeizuführen. DaS in Tetracht kommende Grundstücksobjekt bildet gegenwärtig für Lang­holzfuhrwerke ein starkes Hindernis. Im übri­gen beschäftigte man sich mit einigen kleineren Angelegenheiten. Der Zweigverein Bü­dingen des V. H. C. veranstalte.e im Saale des HotelsZum Fürstenhof" bei regem Besuch sein diesjähriges Auszeichnungsfest. Der musikalische Teil des Abends wurde von ter Kapelle Knaf in ausgezeichneter Weise bestrit­ten. Rach einem Prolog von Frb Hertha H i 1 d - ner sprach ter stellv. Vorsitzende Hugo Schnei­der feine Worte ter Tegrüßung, in der er ten hohen Wert des Wanderns prieZ. Rach dem Gesang tes Vogelsberglietes wurde durch Wan­dermeister Schwarzhaupt die Auszeichnung derjenigen Mitglieder vorgenommen, die sich im letzten Jahre an ten Wanderungen des Zweig­vereins rege beteiligt haben. Es konnten über 30 Auszeichnungen verliehen werden. Rach der Mitteilung des Wandermeisters waren die letzt- jährigen Wanderungen durchschnittlich von je 50 Mitgliedern besucht, eine im Büdinger D.H.C. bisher unerreichte Zahl. Diesen erfreulichen Auf­schwung des Vereins verdankt man in erster Linie der eifrigen Arbeit des derzeitigen Vor­standes. Die Mitglieder Karl W a 11 b r a ch und Fritz R u 11 m a n n wurden im Hinblick auf ihre besonderen Verdienste um den Verein und die Wandersache zu Ehrenmitgliedern tes Zweig­vereins Büdingen ernannt. Im weiteren Ver­lause des Abends konnte man sich an mancherlei geselligen Darbietungen erfreuen, die ten leb­haften Beifall ter Besucher sanden. 2m Rah­men der dieswinterlichen Vorträge des D ü - dinger Geschichtsvereins h elt Studien­rat Dr. 'S e cf e r von hier einen intereifanteni Vortrag über Büdinger Flurnamen. Der Vortragende, der den ersten' Teil seiner For­schungen bereits in einem Vortrage am Ente des verflossenen Jahres dargelegt hatte, fand auch bei feinem jetzigen Vortragsabend ein sehr zahlreiches und stark interessiertes Publikum. Der Vereinsvorsitzende, Geh. Schulrat Dr. Mohr, sprach zu Beginn des Abends herzliche Te- grüßungsworte und teilte dabei u. a. mit, daß das Vorstandsmitglied des Vereins Studienrat Dr. Lade als Leiter dec Realschule nach Schütz verseht Worten sei und infolgetef en dem Verein zu seinem lebhaften Bedauern verloren gehe. Als Rachfolger des Herrn Dr. Lade sei Kustos i. R. Welker, Christinenhof, in den Vorstand be­rufen worden. Weiter erstattete Geheimrat Dr. Mohr Bericht über den Ankauf von Fund- stücken, die Unterbringung ter Sammlungen u'w. Anschließend hielt Studienrat Dr. Becker feinen etwa einstündigen Vortrag, der die Zuhörer in hohem Maße fesselte und von ihnen mit lebhaf-

Warum nicht?"

Ich kann Ihnen nichts sagen ... Fragen Sie nicht! ..."

Wie ein qualvolles Stöhnen hatten die Worte geklungen. Eine Scheidewand hatte sich zwischen ihnen aufgerichtet. Schulhofs trat einen Schritt zurück.

Leben Sie wohl!" sprach er, Trauer in der Stimme.

Wie angewurzelt standen sie an der Stelle; es schien, als könnten sie sich nicht voneinander trennen.

Sie dürfen mir nicht dös esein ...", sprach die Fremde. Und dann leise, mit überströmender Innigkeit:Ich werde ... immer ... an diesen Tag zurückdenken ..."

Ihre Hände faßten sich; sie fühlten beide da- Rauschen ihres Blutes.

Ihre Blicke griffen sehnend ineinanoer.

Dann riß die Fremde sich los und verschwand in ihrer Kabine.

IV.

Am Anhalter Bahnhof sah Schulhosf noch­mals die Fremde. Sie schien geflissentlich in ihrem Kupee geblieben zu sein, bis alle Fahr­gäste, auch er, den Wagen verlassen hatten.

Schulhofs blieb auf dem Bahnsteig stehen.

Er gewahrte, wie die Fremde ans Wagen­fenster trat und einem livrierten Chauffeur ihr Gepäck herausreichte.

Dann kam sie und ging an der Seite deS Chauffeurs dem Ausgang zu.

Als sie Schulhofs bemerkte, huschte ein sreu- diger Schein über ihr Gesicht. Ihre Augen grüß­ten ihn.

Schulhoss zog den Sjut Aber die Fremde tat, als gelte dieser Gruß nicht ihr. Den Blick ge­senkt, schritt sie an ihm vorder

Sonderbar! ... dachte Schulhofs, der sich ihr Verhalten nicht ertlären konnte.

Unauffällig folgte er ihr.

Er sah von weitem, wie die Dame eine große, elegante Limousine, die vor dem Bahnhof hielt, bestieg und davonfuhr.

Gedankenverloren starrte Schulhofs dem Ge­fährt nach.

Wer mochte die Fremde fein? ... Etwas Ge­heimnisvolles wob um sie, in das er sich ver­strickt fühlte.

Gewaltsam zwang er sich zur Wirklichkeit zu­rück. Dieses Erlebnis war zu Ende. Er hatte nun Wichtigeres zu tun, als hier zu stehen und über ein Reiseabenteuer nach >ügrubeln.

Er beschloß, zunächst in das Geschäft zu fahren. Während er im Wagen sah, ter nur langsam den Weg durch die vom Lärm tes Verkehrs er­füllten Straßen fand, überwog mehr und mehr in ihm die Gewißheit, den Vater im Bureau an- zuttefsen. (Fortsetzung folgt)