Ausgabe 
9.10.1930
 
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Per-

Man muh gestehen, das; das Ga esem Endergebnis, das schließlich ni

Aus aller Welt.

Das Erdbeben In Süddeutschland.

Australien müsse gewisse Snbuftrien entwickeln, wozu die Zusammenarbeit australischer und eng­lischer Industrieller notwendig sei. Er verlangte ferner einen Ausgleich zwischen den Preisen der Rohproduktion und denjenigen der Kertigsabri- kate. Durch die Preisspannen verdiene England einseitig.

Ter neuseeländische Ministerpräsident For­des sprach sich für weitere Zollgeständnisse durch Abkommen aus. Er lehnte den Gedanken deSMasseneinkaufeswie er in englischen Re- gierungskreisen erwogen wird, ab, da der Staat sich nicht mehr als unbedingt notwendig in den Handel einmischen dürfe.

Oie Revolution in Brasilien.

Widersprechende Meldungen vom Kriegsschauplatz. Jede Partei veröffentlicht Siegesbulletins.

Kabinettskrisis in Litauen.

Heftiger Protest gegen die Memel- Vereinbarung. Der Außenminister zurückgetrcten

fi o ro n o , 8. Okl. (TU.) Roch der Rückkehr des litauischen Außenministers Dr. Z a u n i u s aus Genf fand beim Staatspräsidenten ein außerordent­licher Ministerrat statt. Rach Schluß der Sitzung reichte Dr. Zaunius sein Rücktrittsgesuch ein, das angenommen wurde. Man spricht jedoch dar­über hinaus von einer Krise des Gesamt- k a b i n c t t s. Der Rücktritt des Außenministers kommt nach dem Ergebnis der Memelbe- f ch w e r d e und dem Verlauf der deutsch-litauischen und litauisch-polnischen Verhandlungen in Gens nicht überraschend. Rach dem Bekanntwerden der Genfer Ergebnisse, die in litauischen politischen Kreisen als eine ungeheure Riederlage der litauischen Außen­politik bzeichnel wurde, galt die Stellung von Zau­nius als unhaltbar. Man wird nun abwarten müssen, ob sich die maßgebenden Herren in Kowno mit dieser Demonstration begnügen oder ob sie auch weiterhin die Genfer Entscheidungen zu sabotie­ren gedenken. Die weitere Entwicklung der litau­ischen Kabinettskrise wird in dieser Hinsicht einige Aufschlüsse ausgeben. Die weiter verlautet, soll auch der litauische Gesandte in Berlin, Sid; ikaus - kos, der der stellvertretende Vorsitzende der litau­ischen Delegation in Genf war, nach Kowno be­rufen werden und nicht mehr auf seinen Po st en zurückkehren. Als Kandidaten für die Rochsolge von Zaunluv werden zunächst genannt der litauische Gesandte in Paris, Klimas, und der litauische Gesandte in Washington, B a l u t i s. 3n den Kommentaren der Blätter, die sich mit den Genfer Verhandlungen und Vereinbarungen beschöf- ligen, wird Deutschland heftig angegrif­fen mit der Behauptung, es habe die litauischen 3ugeflän>* in Sachen der memelländischen Be­schwerde erzwungen.

Oie Iollfragen auf der britischen Reichskonferenz.

London, 8. Oft. (WTB.) Die zweite Voll­sitzung der britischen Reichskonferenz sand heute im Auswärtigen Amt unter Vorsitz des Premier­ministers Macdonald statt. Sie beschäftigte sich mit den wirtschaftlichen Fragen des britischen Reichs. Der Minister für die Dominions Tho­mas gab einen Lieberblick über den Umfang des Handels innerhalb des Reiches. Großbritannien importiere jährlich Rahrungsmittel und Roh­materialien im Werte von 467 Millionen Pfund auS fremden Ländern. Ein großer Teil davon könne auch in Ländern des briti- schenReichsverbandes produziert werden. Andererseits würden von den Ländern des briti­schen Reichs Fertigwaren im Werte von 235 Millionen aus fremden Ländern eingeführt, die ebensogut auch in Großbritannien b e r g c st e l l t werden könnten. Es werde natür­lich niemand so töricht sein, sich einzubilden, daß man sich von der übrigen Welt einfach loS- schnüren könne, jedenfalls seien aber das harte - wirtschaftliche Tatsachen.

Der Vertreter von Kanada, "Bennett, schlug vor, daß sich das britische Reich zu dem Regime der Vorzugszölle im Verkehr zwi­schen den Reichsländern bekenne und daß

01 eut) ort, 8. Oft. (WTV.) Wi? Associated Preß aus Rio de Janeiro meldet, hat die bra­silianische Regierung Kriegsschiffe mit Truppenverstärkungen nach Per­na m b u c o entsandt. Desgleichen sind nach F l o - rianopolis Verstärkungen abgegangen. Ein genauer strategischer Plan zur energischen Be­kämpfung der Rebellen im Staate Rio Grande do Sul ist ausgearbeitet worden. Die Massierung starker Truppenteile in S a n t a

nmnbuco organisieren revolutionäre Junten.

Oie Gegenoffensive der Regierung.

Das übrige Personal hat im wesentlichen da- ÄUfem und gut auszufehen: eine märchenhafte Komparserie. Wer, wie Linkmann in einer heiteren Charge, mehr als drei Worte vor­bringen darf, kann von Glück sagen.

Es gab einen wohltemperierten PublikumS- erfolg. hth.

Das Erdbeben ist in der vergangenen Nacht i n zahlreichen Orten des bayerischen Allgäus verspürt worden. Aus Jmmenstodt wird gemeldet, daß die Erschütterungen ziemlich heftig waren und die Gegenstände in den Wohnungen i n s Wanken gerieten. Möbel und Bilder schwank­ten, die Uhren blieben vielfach st ehe n. Die Einwohner Füssens und Umgebung wurden in der Nacht zum Mittwoch kurz von 0.30 Uhr durch zwei starke Erdstöße ausdemSchlafer- sch reckt. Den Erdstößen ging ein schweres, donnerähnliches Rollen voraus. Das erste Beben dauerte etwa 3 Sekunden, während der zweite Erdstoß von kürzerer Dauer war. Verschie­dentlich find im Mauerwerk der Häuser R i s s e u n d Sprünge entstanden. Ziegel sind von den Dächern

del Norte fiel die Stadt Natal ohne einen einzigen Schuß in die Hände der Aufständischen. Einige Ko­lonnen der Truppen aus Parahyba drangen in das Innere des Bundesstaates Eeara ein. Andere Kolonnen von Polizei und Soldaten bereiten den Vormarsch in das Innere von Pernambuco vor, um Alagoas und Bahia anzugreifen. Die Regie­rung von Parahyba requirierte alle privaten Trans- portmittel, darunter 400 Lastkraftwagen, um die aus Polizei, Soldaten und Zivilisten bestehenden Streitkräfte dorthin zu werfen. Bei der Einnahme von Pernambuco beschlagnahmten Streitkräfte der Rebellen 2 0 0 0 0 Bankkonten in Höhe von 2 Millionen Dollar sowie Waffen und Mu­nition. Auch San vi ncen te ist in den Händen der Aufständischen. Andere Orte des Staates ""

Ms Herr Schm als sich das zweite Brötchen strich, kam Hanna, die zehnjährige, auf seinen Schoß gehüpft.Pappi", sagte sie, und während ihre blauen Augen ihn anstrahlten, legte sie den kleinen weißen Arm um seinen Racken,zeichne mir mal eben ganz fix ein Kastanienblatt auf.

Herr Schmalf sah das Papier auf dem Tisch. Und den Kohlestift daneben. Herr Schmalf strich sich über den Kopf, schnaubte sich die Rase, schob die Unterlippe vor und zurück. Dann nahm er den Kohlestift und zeichnete in zehn Sekunden ein Kastanienblatt.

mthcbung clngclcltct. Begründet wird diese Maß­nahme mit der Zugehörigkeit der Betreffenden zur Kommunistischen Partei und damit, daß sie zur Steuerverweigerung, zum Steuer st reikundzurSteuersabotage aufges ordert haben. Ebenso hat der Re­gierungspräsident den kommunistischen Stadtrat Lehnert aus Merseburg aus denselben Grün­den vorläufig vom QImtc suspendiert: auch gegen diesen Beamten ist ein Disziplinarverfahren ein­geleitet worden.

Eine Siegesdepesche der Aufständischen.

Pernambuco von den Rebellen erobert.

Buenos Aires, 8. Oft. (WTB.) Nach einer Meldung derAssociated Preß" behaupten die Re- bellensührer. sie hätten ihre Positionen in Nord­brasilien besonders in der Gegend der Stadt Per- nambuco und im Staate Parahyba gestärkt. In einem in Porto Alegre von dm Rebellen aus­gegebenen Communiqus wird erklärt, die Rebellen hätten nach 24stündigem Kamps Pernambuco eingenommen. In dein Communiquö über die Eroberung Pernambucos, heißt es weiter: An der Spitze von 8000 Mann eroberte General Tavora die Stadt Pernambuco, unterstützt von der tapferen Bevölkerung von Parahyba. Eine Abteilung be­stehend aus hundert Automobilen und Lastwagen verließ Parahyba mit dem Leiter der Polizei. Der Kamps selbst war sehr heftig und währte 24 Stunden und endete mit dem Siege der Rebel­len. Die Bevölkerung durchzieht singend und jubelnd die Straßen. Dr. Carlos Lima C a o a l c a n t i hat die Regierung in Pernambuco übernommen. Die ZeitungenIornal" und das AmtsorganPro- vincia" sowie die Fabriken und Wohnhäuser der Familien der Deputierten Pessoa und Queiroz, des Besitzers desIornal", wurden n i e bc r ge­brannt. Der bisherige Präsident des Staates Pernambuco, Estacio Coimbra floh auf dem DampferItanage" nach Norden. Infolge der eili­gen Flucht des Präsidenten des Staates Rio Grande

Alan muß gestehen, daß das Ganze bei diesem Endergebnis, das schließlich nicht von Originalität strotzt, ein bißchen mager ist. Das hätte man früher und einfacher und ohne den großen Aufwand und Aufputz dieser kleinen Affäre bequemer haben können.

Und man muß bedenken, daß der Zuschauer im Parkett fast von Anfang an viel weniger ahnungslos ist als die beiden Hauptpersonen. Er weih Bescheid und er siebt es kommen: und es ist der Spannung im Lustspiel niemals för­derlich, wenn man die Verlobung zu zeitig aus der Kulisse winken sieht...

Zum Glück ist den beiden Märchenerzählern im fünften Bild und kurz vor Torschluß noch die kleine pikante Anekdote eingefallen, die sich an den Hamen der Monna Vanna knüpft und bereits bei Maeterlinck eine Rolle spielte,... mit ihrer Hilfe wird die schon im vierten Bilde gelockerte Spannung noch einmal ein wenig be­lebt. Dann kommt die Verlobung, und dann ist das Märchen aus.

reitet, die sich nun gegen den noch amtierenten Präsidenten Dr. Pereira richtet. Ihm wird der Vorwurf gemacht, die von Minas Geraes aus ungerecht empfundene Entwicklung unter­stütz t zu haben. Dabei wird auch behauptet, daß der Wahlvorgang nicht reell durchge­führt worden sei. Der Grund der Revolution liegt also in der Rivalität der beiden wichtigsten und dichtbevölkertsten Staaten. Die Revolutio­näre haben sich dabei auch die schlech te W iri­sch a f t s l a g e zunutze gemacht, die vor allem in dem Rückgang der Ausfuhr und dem Fallen der Kaffeepreise zu suchen ist. Das hat seinen Grund nicht zuletzt in der Verminderung der Konsum-und Kaufkraft Europas. So wirft schließ­lich die europäische Krise ihre Schatten bis nach Südamerika.

MricAnloinette und ihre granligeMma.

Wien, Oesterreich/ Deutschland feiert im Ro- vember dieses Jahres das Andenken der großen Kaiserin Maria Theresia. Das besonders anziehende Verhältnis der Mutter zu ihren Töchtern behandelt der Wiener Geschichtsforscher Professor Dr. Heinrich K r e t s ch m a y r In einem mit vielen seltenen farbigen Abbildungen ge­schmückten Aufsatz des Olt-berhes tes von Vel- hagen & Klasings Monatsheften. Die berühmteste ihrer sechs Töchter war Marie An­toinette. Maria Theresia hat mit ganz beson­derer Sorgfalt und Aufmerksamkeit den Mei­nungsaustausch mit dem so überfrüh hinaus­gegebenen Kinde gepflegt, ihr den österreichi­schen Botschafter, Grafen Mercy d'Argenteau, zum besonderen Pfleger und Hüter bestellt. Sie hatte ein klares Gefühl für die Gefahren, denen die Tochter entgegenging: Sie sollte sich ja nicht gehen lassen und nicht in die Fehler der franzö­sischen Königsfamilie verfallen, die zwar . gut und recht tugendhaft", aber doch nicht fähig" sei sich tn anständiger Weise zu unterhalten". Sie solle die Gottesgeschenke ihrer Anmut, Sanftmut und Fügsamkeit.sich sorgsam bewahren, solle ihr Leben, dieses Lebenauf der Schaubühne der großen "Welt , ernst und nicht leicht nehmen, auf oab nicht das Chaos über sie und ihre Lieben komme. Richt immer ist die Mutter erfolgreich, nicht immer die Tochter gelehrig, nicht immer besonnen. Aber sie wußte immer wieder, einmal OJenerung verheißend, einmal beschönigend, ein­mal kahchenhaft freundlich diegrantige Mama au versöhnen. Und sie ist endlich nicht nur in Liebenswürdigkeit und Lebensfreude das Kind ihrer Mutter in den Sonnentagen des Lebens 6^wesen, sondern auch, Märtyrerin wahrlich mehr ^.Ochuldige, in Gehaltenheit und Würde Im fürchterlichen Ernst, Am 16. Oktober 1793 ist sie gestorben.

Sprünge entstanden. Ziegel sind von den Dächern gefallen. Die Tiere wurden unruhig. Beim zweiten Stoß konnte genau die wellenförmige Bc- wegung des Bebens in Richtung Ostwest fest-

Catharina deutet darauf hin, daß die Regie­rung beabsichtigt, ihre Aktion zunächst auf den äußersten Süden zu konzentrieren. Inzwischen werden die Fliegerangriffe auf Minas Geraes fortgesetzt. Die Bundestruppen sollen auch die Stadt Palmyra in Minas Geraes erobert haben und rücken auf Darbacena vor, die sie bald ebenfalls zu entsetzen hoffen. Die Aufständischen sollen sich in R i ch t u n g P o r t o Alegre zurückziehen. 'Der Eisenbahnver­kehr auf der Strecke Parana-Santa Catharina sei eingestellt. Ein Kreuzergeschwader sei heute nachmittag mit unbekanntem Ziel in See ge­gangen. Bedeutende Bundesstreitkräfte in Sao Paolo bereiteten sich auf den Widerstand vor. Die Regierung von Rio habe 400 000 Reser­visten aufgerufen, von denen 100 000 in 14 Tagen feldmarschmäßig ausgerüstet fein würden. Bun­destruppen hätten die Stadt Bello Horizonte bombardiert und die Aufständischen auseinander- getrieben. Die Revolutionäre von Rio Grande

Sul planten die Schaffung einer autonomen Republik, wenn Rio de Janeiro sich nicht der Be­wegung anschließen sollte. Der größte Teil der brasilianischen Truppen halte zur Bundesregie­rung. Weiter wird behauptet, daß durch die Einnahme des Bundesstaates Rio Grande do Sul die Bundesregierung das ganze Land beherrsche. Cs würden freiwillige Bataillone für den Regierungsdienst gebildet, be­sonders im Staate Sao Paulo, wo die regulären Truppen und die Polizei zurückgezogen worden seien, um im Felde benutzt zu werden. Die Trup­pen der Bundesregierung machten rasche Fort­schritte. In den Staaten Minas Geraes und Rio de Janeiro sei alles ruhig.

DieSmtergrijnde der Revolution

Rivalität der Bundesstaaten. Wirtschaftskrisis.

Der Grund der brasilianischen Revolution liegt m der Präsidentschaft. Rach der bisherigen Ge­pflogenheit stellten die Staaten Sao Paulo und Minas Geraes abwechselnd den Präsidenten. Don diesem ungeschriebenen Ge­setz ist bei der Kandidatenaufstellung für die letzte Wahl im Frühjahr d. I. abgewichen worden. Obwohl der jetzige Präsident Dr. Pe- r e i,r a , Repräsentant und früherer Staats- präliöent von Sao Paulo war, wurde von dieser veite wieder ein Kandidat nominiert namlicb der bisherige Staatspräsident von Saö Paulo, Julio P re st es. Der Staat Minas Geraes hatte unter heftigem Protest auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet. Prestes wurde gewählt. Er müßte im Rovem- ber fein Amt antreten. Schon während des mit außerordentlicher Erbitterung geführten Wahl­kampfes hatte die Partei von Minas Geraes angekündigt, daß es zu einer Revolution kommen werde, wenn Prestes gewählt werde

Nachdem die Erregung des Wahlkampfes vor­bei war schienen ernsthafte Folgen auszubleiben. In dieser Zeit haben die Unterlegenen aber offenbar unter der Hand die Revolution vorbe-

Diese harmloS-heitere Abendunterhaltung wurde vom ersten Spielleiter Peter F a s s o t t appetitlich und in geschmackvoller Aufmachung serviert. Löffler hatte vornehme Hotel- interieurs und sogar eine ganz naturalistisch schaukelnde Flugzeugkabine mit allen neuzeit­lichen Bequemlichkeiten für die fünf Bilder auf­gebaut.

Der leichtsinnige Lord und blonde Casanova wurde von Wesener im Stil des jugend- lichen Liebhabers gegeben und mit liebens­würdigem Humor ausgestattet: der Gigolofrack saß ihm vorzüglich. - Lony L e u t h o l f, als die Prinzessin, gab ihr Debüt mit dem spru- öelnben Temperament ihres Fachs: aus der Monna Banna-Episode iin Schluhbild machte sie eine effektvolle Theaterszene. - Bäuerle (Lord Hamson) wirkte sehr distinguiert mit weißer Perücke und dem imaginären Flügel» ipaar ft^er märchenhaften Schuhengelrolle. - Maria Koch (Lady Hartley) machte, wie stets, angenehm Konversation (was bei dem fatalen

diese» Lustspieldialog« bestimmt nicht ein­fach war).

Oas Kastanienblatt.

Don Hans Rlebau.

Wilhelm", sagte Frau Schmalf,du mußt heute abend noch ein Kastanieiiblatt zeichnen"

Herr Schmalf ließ die Zeitung sinken.Wie?" fragte er.

.-Du muht heute abend noch ein Kastanienblatt zeichnen", wiederholte Frau Schmalf.

Herr Schmalf machte die Augen zweimal auf und zu, strich sich über den Kopf und atmete tief durch.Was hast du gesagt?" flüsterte er.

Tu hast es doch gehört", wurde Frau Schmalf ärgerlich.Hanna muß für die Schule ein Kasta- nicnblatt zeichnen. Hanna hat sich eine Stunde lang gemüht. Aber sie kann es nicht."

Liebes Kind", sagte Herr Schmalf,wenn Hanna es nicht kann, dann muß sie es lernen Dafür ist doch die Schule da. Und nicht dafür' daß die Eltern die Hausaufgaben ihrer Kinder machen.

^Tu ihr schon den Gefallen", bat Frau Schmalf. _.Da legte Herr Schmalf die Zeitung auf den Disch. ..Wie kannst du nur so etwas Unsinniges verlangen!" sagte er.Ich kann doch nicht die Schule hintergehen. Ich kann doch nicht meinem Kind den Auftrag geben, seine Zeichenlehrerin zu belügen!"

Wie du wieder übertreibst..." murmelte Frau Schmalf.

»2ch übertreibe nicht", fuhr Herr Schmalf fort, und fein Gesicht fing an, sich zu röten.Ich nenne die Sache beim richtigen Ramen. Du bist irn Begriff, Hanna, deine Tochter, zur Betrü­gerin zu erziehen."

Frau Schmalf zuckte die Achsel.Du kannst doch Mt zeichnen" fügte sie.In zchn Sekunden hast du so ein Kastanienblatt fertig.

Da schlug Herr Schmalf mit der Faust auf oen, Tisch.Kastanienblatt hin, Kastanienblatt der , schrie er,das ist vollkommen gleichgültig. Cs geht hier um ein Prinzip: ehrlich ober un­ehrlich. Betrug oder nicht Betrug. DaS Kind wird das Kastanienblatt zeichnen, so gut oder so schlecht es das lann Und dam-t basta."

und in allen Ehren, und Im fünften Bild haben wir die ganz gewöhnliche, wohlbekannte, alter­tümliche Verlobung, mit der schon zu Groß­vaters Zeiten die besseren Lustspiele freundlich und unweigerlich beschlossen wurden.

Oie Opfer des R 101.

Totenschau in Westminster Ein Noti;, block unter den Trümmern gesunden.

Son do n, 8. Oft. (TU.) In der Totenhalle von Westmmster hat Lady Brancker das Monokel ihres Mannes, des Luftmarschalls Sir Seftan er, wiedererkannt. Ferner konnten zwölf weitere Leichen von einigen ihrer Angehörigen fest gestellt toeefceu, meistens ^urch das Wiedererkennen von Crinnerungsgegen- ständen. Identifiziert wurden auf diese Weise u a. ber Kommandant des Luftschiffes, Irwin, der Konstrukteur Oberleutnant Richmond und der Meteorologe Gebleit. Die Ueberführung der Särge nach der Westminsterhalle ist für die Rächt -um Freitag angesetzt. Die Stadt Bedford hat für Samstag einen allgemeinen Trauertag angeord- net. Beim Luftministerium liegt eine ungeheure Alenge von Anfragen nach Zutrittskarten zu der Trauerfeier in der St. Pauls-Kathedrale vor. Die Trauermefse wird durch Rundfunk in ganz Eng­land und den Dominien verbreitet werden Der Segelmacher Church ist inzwischen in Beauvais gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 48. Die drei Leichtverletzten, die die Ueberfahrt nach England mit dem Kreuzer Tempest" mitgemacht haben, sind in Cardlngton eingetroffen. Im Befinden der übrigen drei Vor­letzten sind gute Fortschritte zur Besserung zu verzeichnen.

In der Trümmern desR 101" sind Auf- oC iun gen de r Ingenien re über die Unglucksfahrt und die boraufgegangenen Probe­fahrten aufgefunden worden, nach denen Mo- tore und Oelung nicht einwandfrei funktioniert haben, sondern vor allem bei den Probefahrten am 1., 2. und 3. Oktober ver­schiedentlich H e i h l ä u f e der Motoren mit Ent­geh u n g kleinerer Brä n de festgestellt worden seien. Der Rotizblock ist seltsamerweise von den Flammen verschont geblieben. Auf den Blättern befindet sich u. a. folgende Aufzeichnung: -Es sieht so aus, als ob etwas in Brand geraten ist. Alles rauch t." Worauf sich diese Rotiz bezieht und von wem sie herrührt, ist noch un­bekannt.

Gießener Gtavttheater.

Engel und Grttnbaum:

Die Prinzessin und der Eintänzer".

Variationen über das tn der letzten Saison sehr populäre, heute schon ein wenig veraltete ThemaSchöner Gigolo, armer Gigolo.. Die beiden Autoren nennen es Lustspiel in fünf Bildern oder ein modernes Märchen aus dem Jahre 1930.

Reckische Märchenerzähler, die beiden, Alexan­der Engel und Qfifreb Grünbaum: an die Brüber Grimm barf man nicht benfen, nicht einmal anTausenb unb eine Rächt": aber das war ja beides erheblich vor 1930. Dieses Mär- ^en klingt eher wie eine Magazingeschichte mit Illustrationen. Dabei ist es gar nicht mal so schrecklich modern, wie es sich einbildet. Gin Bubikopf ist schließlich heutzutage keine Sensa­tion mehr. Und mit derVollkommenen Ehe" von Dan de Delde kann man längst keinen Staat mehr machen auf der Bühne. Ra, und das moderne junge Mädchen mit der altfränkischen Mama, - das Pärchen hat man auch schon uuf dem sogenannten Zeittheater über Welt­anschauung und zeitgemäße Erziehung diskutieren Horen.

Alsdann: bleibt noch der schöne Gigolo. Aber hier denkt er nichtvergangener Zeiten", fon- Dcrn,^Ju bloß so, denn er ist gar keiner: sondern em leibhaftiger junger Lord, der es nicht nötig pdtte. Eintänzer zu spielen. Er ist ein leicht- fmntger und lebesüchtiger Jüngling, den sein ehrbarer Onkel, nachdem er sowohl die Schulden als auch die galanten Verpflichtungen des präch­tigen Ressenliquidiert" hat, mit einer jungen Dame aus der englischen Hocharistokratie zu verheiraten wünscht. Der Junge will sie aber nicht heiraten, sondern er will die untadelige Lady - so sagt ererobern". (Der Wüstling!) Und zwar in der zeitgemäßen Verpuppung als Eintänzer.

Sie können sich doch wohl denken, wie das ausgeht? Stellt sich heraus: der junge Mann ist gar nicht so ein greulicher Casanova . und die kleine Lady ist gar nicht so ein zeitgenössisches Schreckenskind mit lauter Sport und lauter Kom­plexen unb so...

WaS geschieht also? Don Eroberung natürlich feine Spur Der Lord al» Eintänzer verliert daS Rennen, verliebt sich bis über die Ohren

ohne Aufschub die nötigen Schritte getan würden, um diesem Prinzip zur praktische. . Durchführung zu verhelfen. Dagegen halte er einen Freihandel innerhalb des britischen Reichsverbandes weder für wünschenswert, noch für möglich. Der Premierminister von Australien, S c u 111 n , sagte u. a Australiens Politik sei es in erster Linie, b le australischen Fabrikanten organisch unb praktisch zu unterstützen und der britischen Industrie den Lowenan teil an der Einfuhr nach Australien zu sichern. England führe nach Australien mehr aus als nach Dänemark, Argentinien unb Holland, kaufe aber von diesen Ländern viel mehr als von Australien.