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cs kaum noch der zweiten Meinungsverschieden­heit, um ein Zusammenkommen, wenigstens im Augenblick, höchst unwahrscheinlich zu machen. Die Staatspartei schlug einen Zusammenschluß beider auf gleichberechtigter Grund­lage unter vorläufiger Führung des greisen verchrungswürdigen Geheimrats Kahl vor. Die BoWpartei verlangte dagegen ein A u f ge h e n der Staatspartei in der Dolkspartei unter der neuen FirmaDeutsche Volkspartei (Staatspartei)". Scholz mochte dabei den Ge­danken gehabt haben, durch die Aufrechterhal­tung des Parteinamens und der Organisation die Dolkspartei als solche intakt zu erhalten und nach dem Zusammenschluß mit den Demokraten immer­hin mögliche Abschwenkungen nach rechts ver­meiden zu können. Das ist begreiflich. Be­greiflich aber auch, daß die Staatspartei dieses Aufgehen" in der Volkspartei aus Prestige­gründen ablehnte, es hätte sie mit einiger Sicher­heit den ohnehin von der Nürnberger Neugrün­dung Quiddcs bedrohten linken Flügel um Lem- mer und die Jungdemokraten gekostet.

So stehen die Dinge für das Bürgertum zwar unerfreulich, aber noch nicht tröst los. Die Sammlung der bürgerlichen Front von Westarp bis Koch ist gescheitert, der Zusammenschluß des bürgerlichen Liberalismus ist mißglückt, gewiß, aber noch ist nicht alles verloren. Gut wäve es allerdings, ja dringend notwendig, daß alle an den mißglückten Sammlungsbestrebungen direkt oder indirekt Beteiligten alles Peinliche, lln- erfreuliche, Trennende dieser letzten Wochen unter den Tisch fallen liehen und sich mit allem Ernst und dem vollen Berantwortungsbewuhtsein, das jetzt doppelt schwer auf ihnen lastet, des Ge­meinsamen bewußt würden. Das gilt es her­auszustellen in Wahlaufrufen und in Wähler­versammlungen. Keine verletzende, abstoßende und in diesem Wahlkampf besonders schädliche Polemik ge_gen den politischen Nachbar, der in der gleichen Front kämpft. Sammlung des Bürgertums, wenn nun auch in verschiedenen Marschkolonnen und unter verschiedenen Feld­zeichen, b l e ibt die Parole für diesen Wahl­kampfl Eine starke Mehrheit für das Hindenburg- Programm der großen Reformen durch eine starke Staatsautorität bleibt das Ziel!

Evangelische Wählerwünsche an die Parteien.

Die geistigenZiele irnRcichstagswahlkamPf

Berlin, 8.Aug. (TU.) Eine Reihe führender evangelischer Verbände, die Millionen wahlberech­tigter Mitglieder umfassen, haben an die Partei­leitungen ein Schreiben gerichtet. Sie weisen darauf hin, daß bei allem Verständnis für die drängenden wirtschaftlichen Aufgaben es sie doch mit großer Sorge erfüllen nlüsse, wie in dem beginnenden Reichstagswahlkampf die wirtschaftlichen Gesichtspunkte und Interessen ganz und gar in den Vordergrund träten. Demgegenüber halte die evangelische Wählerschaft es für erforder- lick, daß neben den Fragen der äußeren Daseins­sicherung unseres Volkes die g e i ft i g e n Ziele in ihrem verpflichtenden Ernst klar herausgestellt werden. Es müsse deutlich werden, daß es auch in der Politik um letzte Fragen und Höch st e Ziele gehe. Unter diesem Gesichtspunkt wird die Forderung erhoben, daß die seit Jahren in Angriff oder in Aussicht genommenen Ku lturgesetze insonderheit, soweit sie den Wiederaufbau der deutschen Familie und der Zukunft un­serer Jugend gelten, endlich ihrer Vollendung entgegengeführt werden. Hierfür sei Voraussetzung, daß neben den Vertretern wirtschaftlicher Kräfte­gruppierungen in unserem Volk die Anwälte d.er kulturellen Interessen, besonders solche Männer und Frauen, die mit dem evangelisck- kkrchlichen Leben verwachsen sind und über arüno- liche Sachkunde in kulturellen wie in kirchlichen Fragen verfügen, an sicherer Stelle aufgestellt wer­den. Die Parteien werden gebeten, die hierfür in Betracht kommenden Kandidaten den Verbänden mitzuteilen.

Das Schreiben ist unterzeichnet von den folgenden Verbänden: Zentralausschuß für innere Mission, Evangelische Frauenhilfe, Evangelischer Reichsaus­schuß für kommunale Arbeit, Evangelischer Reichs­elternbund, kirchlich-sozialer Bund, Reichsverband evangelischer Arbeitnehmerverbände, Vereinigung evangelischer Frauenverbände Deutschlands.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Neichspräsident empfing an­läßlich der zur Zeit in Berlin stattfindenden Weltbundtagung des Zugendbundes für entschie­denes Christentum die Herren D. Pvling, D. Kelly und Pfarrer Schürmann.

General a. D. Walther Reinhardt, der letzte preußische Kriegsminister und der erste Chef der Heeresleitung der Reichs­wehr, ist im 59. Lebensjahre gestorben. General Reinhardt war zuletzt Befehlshaber des Wehrkreises V in Stuttgart und Oberbefehlshaber der Reichswehrgruppe II in Kassel.

Am 10. August begeht der frühere Chef der Ma­rineleitung, Admiral Zenker, seinen 60. Geburts­tag. Zenker gebührt das Verdienst, die Reichsmarine aufgebaut und trotz der Versailler Diktaturbestim- mungen der deutschen Wasserstreitkraft eine aner­kannte Verteidigungstüchtigkeit verliehen zu haben.

Die nachstehenden bisherigen Mitglieder der deutschnationalen Landtags frak- t i o n des Preußischen Landtags Paul B a e ck e r (Berlin), Dundtzen (Schleswig-Holstein), Fi­scher (Frankfurt a. d. Oder), Sauger (Pots­dam I), Hecken (Merseburg), I usti (Hessen- Nassau), Querengässer (Erfurt) haben ihren Austritt aus der Deutschnationalen Bolkspar­tei erklärt.

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Der Hauptbeschuldigte in dem großen Bom­be n l e g e r p r o z e ß, der am 26. August in Altona beginnen soll, Herbert B o l ck, ist aus der Haft entlassen worden. Die Haftentlas­sung, die unmittelbar vor dem Prozeß von der Verteidigung Volcks durchgesetzt wurde, wird mit Haftunfähigkeit begründet.

Auf eine Anfrage der volksparteilichen Land­tagsfraktion, in der Beschwerde darüber geführt worden war, daß die preußische Regie­rung bei der 4O0-Jahrfeier der Augsburgi» schen Konfession eine Teilnahme und Be­grüßung unterlassen habe, hat der preußische Kultusminister folgende Antwort erteilt: Dem preußischen Staatsministerium ist eine Gelegen-

Das Wohnungsbauprogramm der Relchsregiemng

Billige Wohnungen. - Oie Aufgaben der Gemeinden.

Berlin, 8. Aug. (ERB.) 3n einer Unter­redung mit einem Vertreter derVossischen Zei­tung" führte der vom Reichsarbeitsminister zur Ueberwachung des Wohnungsbauprogramms des Reichs nach Berlin berufene Ministerialrat Im­hoff aus: Das Programm soll die Woh­nungsnot und die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn die Bauten so billig hergestellt werden, daß die Mieteauch für Arbeiter und An­ge stellte erschwinglich wird, und wenn das Programm ein zusätzliches ist, so daß neue Arbeitskräfte Beschäftigung finden. Es wird dafür gesorgt werden, daß nicht etwa Gemeinde und Bauherren durch die Verwendung von Mitteln aus dem 100-Millio- nen-Fonds gewissermaßen Ersparnisse machen. Die Wohnungen von 32 bis 45 Quadratmeter, die 40 Mk. Miete kosten sollen, sind in erster Linie für kinderlose Ehepaare, die von 60 Qua­dratmeter, die bis zu 50 Mk. kosten sollen, sind für Ehepaare mit Kindern bestimmt. Alle gesund­heitlichen Momente sollen beachtet werden un­ter Verzicht auf Komfort, wie Warm­wasser, Zentralheizung, doch soll, wo möglich, statt eines Bades eine Dusche eingerichtet werden. Man erwartet eine gewisse Vereinheitlichung der Grundlinien für die Durchführung der Bauten.

Von den verfügbaren 100 Millionen Mark wurden zunächst 85 Millionen an die Länder ver­teilt. Die verbleibenden 15 Millionen sollen dort eingesetzt werden, wo besonders gute Pro­jekte vorliegen oder besondere Notlage herrscht. Die Mittel, die für das Wohnungsbau­programm zur Verfügung stehen, gehen über 100 Millionen weit hinaus. Zunächst geben die L a n - desversicherungsan st alten weitere 150 Millionen in Form von ersten Hypotheken und Zusatzhypotheken zu 4,5 bis 5,5 Prozent. Weitere Gelder wird die Bau- und Bodenbank zu niedrigem Zinssatz beschaffen, so daß zunächst mindestens 300 Millionen zur Verfügung stehen.

Den Gemeinden wird empfohlen werden, die Aufschliehungsarbeiten für Wasser, Kanalisation, Straßenbau usw. möglichst

niedrig zu berechnen. Die Straßen sollen in den reinen Wohnvierteln schmäler gehalten und das Straßenpflaster möglichst einfach hergestellt werden. Durch das gute Beispiel erhofft man eine allgemeine Verbilligung der Her­stellung auch der Wohnungen, die aus Stadt- anleihen errichtet werden.

Preisabbauaktion und Handwerk.

B e r l i n 8. Aug. (Priv.-Tel.) Zu der schwierigen Frage der Preissenkungsaktion hat kürzlich auch der Vorsitzende des Reichsoerbandes des deutschen Handwerks bei einer Zusammen­kunft führender Persönlichkeiten aus diesem Gebiet Stellung genommen. Grundsätzlich wurde zunächst festgestellt, daß das Handwerk dem Sinken oder Steigen der Preise der Rohstoffe oder der Halb­erzeugnisse, an die es gebunden sei, folgen müsse. Die Notwendigkeit einer solchen Beweglichkeit wurde stark betont und dabei festgestellt, daß unter keinen Umständen auf vorhandeneLagerbestände Rücksicht genommen werden könne, dies führe nur zu Halbheiten. Auch zur schwierigen Frage der Lohnsenkung wurde die grundsätzliche Einstel­lung des Handwerks besprochen und dabei die Auf­fassung vertreten, daß mit einer Senkung der Löhne nicht eher gerechnet werden könne, als bis durch eine entsprechende allgemeine Preiser­mäßigung ein Ausgleich der Kaufkraft erreicht wird. Im übrigen war man der Ansicht, daß eine Minderung der Geschäftsunkosten nicht zu erwarten sei, eher das Gegenteil. Es ergab sich die Festellung, daß der handwerk­liche Unternehmer nur noch einen aller« bescheidensten Verdien st anteil erhalte und daß viele Handwerksmeister heute schlechter ständen als vollbeschäftigte Gesellen. Uebrig bliebe schließlich nur noch die Hoffnung auf eine Sen- tung derEinkaufspreise für Rohstoffe und Halberzeugnisse. Die Führer des Handwerks erk­lärten es für selbstverständlich, daß das Handwerk einer Preissenkung in jeher Weise Vorschub leiste.

Siegst,ed Wagners Beisetzung in Bayreuth

Bayreuth, 8. Aug. (TU.) Die Stadt Bay­reuth war am Freitag eine einzige große Trauer­gemeinde. Große Menschenmengen zogen zur Stadtlirche, wo Siegfried Wagner unter Lorbeer und duftenden Blumen aufgebahrt lag, die ihm aus dem ganzen Reiche in überwältigender Menge als letzte Gabe dargebracht wurden. Auch von vielen Fürstenhäusern sind Kranzspenden eingegangen. Unter den Festgästen in der Kirche scch man die Gattin mit ihren vier unmündigen Kindern, den König Ferdinand von Bul­garien, Fürst Hohenlohe, Graf du Mou - lin-Eckard, der ehemalige Vormund des Ver­storbenen, Geheimrat v. Groß, sämtliche Fest­spielleiter, viele Abordnungen mit ihren Fahnen hatten im Mittelgang Aufstellung genommen. Gegen 11 Uhr begann die Feierlichkeit mit dem unter Leitung von Prof. Rüdel vom gesamten Chor und den Solisten des Festspielhauses ge­sungenen ChorAch, wie nichtig, ach, wie flüch­tig, ist des Menschen Streben". Dann hielt Dekan W o h l f a r t die Trauerrede. Ein weiterer Chor von Johann Sebastian Bach folgte unter Leitung von Prof. Kittel. Unter Orgelklängen trugen die Hauptdarsteller Lauritz, Melchior, Spring, Scheidt, Braun, Böck, Habich, Wolf, Bockelmann, Graarud und Schorr den Sarg zu dem Wagen. Ein unübersehbarer Zug bewegte sich zum Friedhof. Die Schuljugend bildete Spalier. Ueber der Stadt kreiste ein Flugzeug mit Trauer­flor, das einen Kranz abwarf. Auf dem Friedhof wurde die Einsegnungsfeierlichkeit mit einem Po­saunenchor von Künstlern des Festspielhauses ein­geleitet. Darauf folgte eine Reihe von Ansprachen. Oberbürgermeister Dr. Preu würdigte die Ver­dienste des großen Meisters und gelobte an seinem

Grabe, daß die Stadt Bayreuth stets Treue zum Hause Wahnfried und zu seinem Werke halten werde.

Trauerfeier im Festspielhaus.

Die Mitglieder der Bühnenfestspiele erwiesen ihrem toten Meister am Freitagabend eine letzte Ehrung in Form einer großen Trauerkundgebung. Die Plätze waren an Ehrengäste, Festspielmit­wirkende und die Presse vergeben worden. Auf der Bühne hatte das gesamte Orchester Platz genommen, vor einem Hintergrund aus Palmen und Lorbeer. Das Siegfried-Idyll, daß Richard Wganer zur Geburt seines Sohnes Sieg­fried komponierte, wurde unter der Lei­tung Toscaninis zu einer Offenbarung. Atemlose Stille hielt das Haus umfangen, bis der letzte Akkord entschwunden war. Kammer­sänger Karl Braun widmete dem Berstorbenen zu Herzen gehende Worte. Er knüpfte an die Trauerrede des Geistlichen bei der Aussegnung an:Was sichtbar ist, ist zeitlich, was aber un­sichtbar ist, ist ewig". Er sprach weiter über das in derGötterdämmerung" von Richard Wagner versinnbildlichte Werden, Schaffen und Vergehen im großen Weltgeschehen, die sich in dem Sohne erfüllt hätten. Dann dankte er dem 'Hause Wahn­fried im Namen aller Mitwirkenden für das, was es an ihnen allen getan habe. Cs folgte dann unter der Leitung Karl Elmendorffs das Vorspiel zuDer Friedensengel" undGlaube" ausDer Heidekönig", beides Werke Siegfried Wagners. Das Weltvergehen wurde verkörpert durchSiegfrieds Tod" aus derGötterdämme­rung" unter KarlMucks Leitung, der von der großen Trauergemeinde stehend angehört wurde.

heit, sich an der Feier der Augsburgischen Kon­fession zu beteiligen, zu feinem Bedauern nicht geboten worden, da ihm eine Einladung zu der Veranstaltung nicht zugegangen ist.

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Die polnische Parzellierungsbehörde des Kreises Graudenz übernahm im Jahre 1929 insgesamt 15 deutsche Güter mit einer Gesamtboden- släche von 2917,8 Hektar auf dem Wege Des Zwangskaufes. Es handelt sich durchweg um Objekte mit einer Gröhe von 100 bis 400 Hektar, aus denen 14 6 selbständige polnische Wirtschaften, 34 Anteils- und 21 Hand­werks- bzw. Arbeitersiedlungen geschaffen wer­den. 2m laufenden Jahre soll die Zwangs­parzellierung von 16 deutschen Gütern mit einer Fläche von etwa 4475 Hektar erfolgen.

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Echo de Paris" berichtet, daß die großen Sep­tembermanöver in Lothringen infolge der Ausbreitung der spinalen Kinderlähmung, die auch die unterelsässischen Garnisonen betroffen hat, in Frage gestellt sein dürften. Jedenfalls werde der Umfang der Manöver von dem Gesund­heitszustand in Lothringen abhängen, zumindest würden sie demnach so eine Einschränkung erfahren.

Oer König ans dem Morgenland.

Besuch König Feisals vom Jrack in Berlin.

König Feisal vom Irak ist zu einem kurzen Besuch in Berlin eingetroffen. In­kognito, vielleicht weil ihn das Schicksal früherer exotischer Gäste der deutschen Hauptstadt schreckte: A m a n u l l a h, unser erster Gast, ist längst in der Verbannung, und der Thron König Fuads von Aegypten zittert bedenklich. Also ist der König unter dem Namen eines Prinzen von ilfama in einem Berliner Hotel abgestiegen. Er wird von der Reichsregierung offiziell nicht begrüßt, dagegen vom Reichspräsidenten emp­fangen.

König Feisal ist zweifellos eine der interessan­testen Figuren auf dem vorderasiatischen Schach­brett. Sein Königreich ist sehr jungen Datums, aber er hat sich ehrlich Mühe gegeben, die Ent­wicklung des Landes durch Förderung der Technik zu heben und gleichzeitig die verschiedenen Inter­

essenten, die sich um ihn bemühen, gegeneinander auszuspielen. So ist es ihm gelungen, das Man­datsverhältnis, in dem er formell noch- zu Eng­land steht, in eine Art Bündnisvertrag umzu­wandeln, der ihm den Eintritt in den Völ­kerbund ermöglicht und vermutlich auch starke Subventionen bringt. Gleichzeitig hat er sich mit seinem gefährlichsten Gegner, dem Emir Ibn Saud, der ihm vom Süden her auf dem Nacken sitzt, geeinigt und dadurch die Möglichkeit ge­wonnen, sich zu einem wichtigen politischen Macht­faktor auf dem Wege nach Indien zu machen. Er kommt von England, wo er erst die ersten Ver­suche gemacht hat, die Petroleum quellen seines Landes zu erschließen, und man spricht davon, daß sein Berliner Besuch hauptsächlich der Absicht gelte, auch die deutsche In­dustrie an der Erschließung seines Landes zu beteiligen.

Aus aller Welt.

Das Wrack des Poslflugzeugs D 1826.

Taucher sind in das Wrack des verunglückten deutschen Postflugzeugs der Linie Stockholm Stralsund eingedrungen. Post und Gepäck tonnten geborgen werden, während die Leichen der beiden Flieger nicht gefunden wurden. Die Maschine zeigte Beschädigungen an der linken Tragfläche, auch der linke Schwimmer ist ab­geschlagen und fortgetrieben. Das Flugzeug liegt in zwölf Meter Wassertiefe, 200Metervoneinem Felsen entfernt, an dem Berührungsspuren durch das Flugzeug festgestellt wurden. Man nimmt daher an, daß der Flugzeugführer Langanke bei schlechtem Wetter sehr niedrig flog, und die Maschine daher den Felsen berührte, wo­durch der Absturz verursacht wurde.

Ein französischer Spion in Berlin verhaftet.

Die Politische Abteilung des Berliner Polizei­präsidiums hat den Studenten Eugen G a n t n e r, der im Jahre 1925 unter dem Verdacht des Mor­des an der Hausangestellten Elisabeth Sten- gierski längere Zeit unschuldig in Haft gesessen hatte, unter dem dringenden Verdacht verhaftet, Spionage zugunsten Frankreichs ge­trieben zu haben. Gantner legte ein Gestand- n i s ab und gab zu, von einer französischen Nach­richtenstelle Spionageaufträge ent» gegengenommen und ausgeführt zu

haben. Es konnte ihm nachgewiesen werden, daß er als Gegenleistung erhebliche Geldbeträge emp- pfangen hat. Dor etwa drei Monaten tauchte Gantner in einer Pension auf, deren Inhaber, der Russe Tschernow, vor einigen Tagen von Einbrechern niedergeschossen worden ist, und mietete ein Zimmer. Tschernow hatte von Anbeginn ein Mißtrauen gegen seinen Gast, der keinen geregelten Beruf hatte, dafür aber über reichliche Geldmittel verfügte. Vor etwa drei Wochen kam es zwischen Tschernow und Gantner zu einer Auseinandersetzung, in der Tschernow anscheinend zu deutlich zu verstehen gab, daß er gegen Gantner Verdacht habe. Im Verlauf der Auseinandersetzung setzte Tschernow Gantner an die Luft. Gantner wurde in seinem neuen Quartier verhaftet. Eine Haussuchung för­derte zahlreichen Schriftwechsel zutage, aus dem die Spionagetätigkeit Gantners hervorging.

Zweite Stahlhelm-Reichsfahrt.

Entsprechend einem Beschluß des Stahlhelm- Bundesvorstandes hinsichtlich Zeit und Ort des 11. Reichs-Frontsoldatentages hat der Reichs- Staffelführer des Stahlhelm die diesjährige Zweite Reichsfahrt der Stahlhelm-Kraftfahr- Staffeln ebenfalls auf den 4. und 5. Oktober 1930 nach Koblenz festgelegt. Weit über 100 §00 Mann aus allen Teilen Deutschlands werden^n Son­derzügen und durch Kraftfahrzeuge herangebracht werden und im Raume zwischen Andernach und Bingen in allen Orten beiderseits des Rheins untergebracht. Samstag, 4. Oktober, nach Ein­bruch der Dunkelheit lodern auf allen Höhen des Rheins zwischen Niederwalddenkmal und Ehrenbreitstein Feuer auf und dann versammeln sich über 5000 Stahlhelmfahnen zur Kundgebung am deutschen Eck. A m frühen Sonntag­morgen werden sänMche Landesverbände mit Cisenbahü, Kraftfahrstaffeln und Dampf­schiffen nach Koblenz herangeführt und sammeln sich zur Aufstellung und anschließendem Marsch durch die Stadt auf dem früheren Koblenzer Exerzierplatz, der Karthause. Ein Vorbeimarsch vor dem Schloß vor beiden Bundesführern be­schließt den 11. R. F. T.

verbrechen im FD-5ug BerlinHamburg?

Die Berliner Kriminalpolizei beschäftigt sich mit d-er Aufklärung eines rätselhaften Todes­falles. Auf der Bahnstrecke BerlinHamburg, unweit der Bahnstrecke Breddin, bei Havelberg, wurde der Berliner Großindustrielle Arthur Nathan aus Charlottenburg tot zwischen den Gleisen liegend aufgefunden. Direktor Nathan, der in einem Abteil 2. Klasse des nach Hamburg fahrenden F0-Zuges Platz genommen hatte, stürzte bei Breddin auf bisher noch völlig ungeklärte Art aus dem fahrenden Zuge und wurde von dem aus entgegengesetzter Rich­tung kommenden O-Zug HamburgBerlin über­fahren. Die Polizei untersucht zur Zeit, ob Direktor Nathan einem älnglücksfall oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Mil 600 000 Mark nach Paris verschwunden.

Der Generaldirektor derGeschäftsfinan- zierungs-A G." in Berlin - Pankow, Willi F r o st, wird feit einigen Tagen vonderPolizei gesucht. Nach den bisherigen Feststellungen hat er durch betrügerische Transaktionen seine Kunden, meist kleine Sparer, um große Beträge man spricht von 600 000 Mark geschädigt. Geschäfts­leute in mehreren ostpreußischen Städten sollen be-, sonders empfindlich getroffen sein. Vor 14 Tagen reifte Frost nach Paris und ist seitdem ver­schwunden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Unter Barometeranstieg breitet sich das Hoch­druckgebiet nordöstlich nach dem Festlande aus. Trotzdem hat sich heute morgen in unserem Gebiet durch die immer noch zugeführte Kaltluft wie­der eine Wolkenschicht gebildet. Das Barometer steigt weiter, ein Zeichen dafür, daß sich der hohe Druck mehr durchsetzen wird. In seinem Bereich dürfte daher die Bewölkung wieder ab- nehmen und schöneres Wetter eintreten. Die Temperaturen sind der Ein- und Ausstrahlung unterworfen, so daß sich die Luft tagsüber erwärmt, aber nachts wieder abkühlt .

Aussichten für Sonntag: Vielfach hei­teres und trockenes Wetter; tagsüber wärmer.

Aussichten fürMvntag: Wenig Aende- rung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 8. August: mittags 20.04 Grad Celsius, abends 13,7 Grad; am 9. August: morgens 14,5 Grad. Maximum 20,3 Grad, Mini­mum 6,5 Grad.

Reisewetlerdienst.

Garmisch-Partenkirchen: 8 Grad, Windstille, halb bis ganz bedeckt.

Baden-Baden: 14 Grab, Südostwind, halb bis ganz bedeckt.

Westerland auf Sylt: 16 Grad, Südwest­wind, mäßiger Regen.

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