Aus dem Reiche der Krau.
Mütter und Töchter.
-Von Nelly Wolffheim.
Wenn auch Gegensätze zwischen den Generationen schon immer bestanden, so kommen sie doch fraglos in unserer Zeit mehr zur Auswirkung als früher. Besonders hat heute aber das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter unter Gegensätzlichkeiten zu leiden, die geeignet sind, zu schweren, das Familienleben zerstörenden ÄonfUften zu führen.
Jede Mutter tut gut daran, mit den gegebenen Tatsachen zu rechnen und ihnen offen ins Ange zu sehen. Also: Schwierigkeiten sind da, wie begegnet man ihnen am besten? Selbst wenn eine Mutter der Tochter Verständnis entgegenzubringen sucht, wenn sie mit der Zeit mitgegangen ist und der veränderten Lebensauffassung der jüngeren Generation Rechnung trägt, werden Meinungsverschiedenheiten und ein Gegeneinander stehen nicht ausbleiben. Denn jeder ist innerlich an seine Zeit gebunden und an die Einflüsse, die seinen Werdegang begleiten. Kein Mensch, besonders wohl aber keine Frau, wird sich ganz davon frei machen können, und die Mütter leiden meist stark darunter, wenn sie ihre eigenen ideale von ihren Töchtern mißachtet, ja vielleicht lächerlich gemacht sehen.
Selbst bei einer gewissen Rücksichtnahme der Tochter — die doch aber durchaus nicht immer vorhanden ist — kann es nicht ausbleiben, daß die Mutter in schroffer Weise die Veränderung der Einstellung zu spüren bekommt. Versucht es die Mutter aber zu sehr, ihrer eigenen Meinung, sei es auf Grund ihrer natürlichen Autorität oder in freundschaftlicher Beratung, Rachdruck zu geben, wird sie sicherlich eine Scheidewand zwischen sich und die Tochter stellen. Denn sind die Töchter selbst einmal erwachsen unb berufstätig, versucht das Selbstbestimmungs- recht sich fühlbar durchzusehen. Hart gegen hart heißt es dann, und sicherlich sind es Ausnahmen, die sich gefügig unterordnen.
Darum muh jede Mutter einige Resignation aufzubringen wissen. Aber — das sei den Müttern eindringlich gesagt! — nicht gar zu viel Resignation! Denn die Mutter hat ja noch selbst zu leben, soll sich nicht etwa zu früh hintenanstellen. Sie und die Tochter sollen leben, jede ihr Leben, wie es ihnen und ihrer Art entspricht. Dcxh bevor wir Vorschläge machen, wie den Konflikten des Gegeneinandergestelltseins am besten aus dem Wege gegangen werden kann, sei noch ein Hinweis gegeben, der vielleicht mancher Mutter Trost geben, manche andere zum Rachdenken führen wird.
Cs soll nämlich darauf aufmerksam gemacht werden, dah die Loslösung der jüngeren Generation von der älteren etwas Raturgegebenes ist. Wo die Bindung an dos Elternhaus, besonders aber die der Tochter an die Mutter, zu stark ist, wo die Tochter in ihrem Handeln, ihrem Geschmack, ihren Wünschen absolut unselbständig bleibt, obgleich sie schon über die Zwanzig hinaus ist und beruflich auf eigenen Füßen steht, nun, da sollte man aufmerksam werden. Meist liegen dieser Abhängigkeit — den Müttern als erwünschte töchterliche Fügsamkeit erscheinend — entwicklungshemmende Momente zugrunde, die das Leben des Mädchens in unerwünschter Weise beeinflussen können.
Zur wirklichen Entfaltung der Persönlichkeit ist seelische Selbständigkeit notwendig: wo die rechtzeitige Selbständigkeit nicht erkämpft wurde (denn ohne innere Kämpfe geht es nie ab), muh es zu Konflikten kommen, die zum mindesten Reizbarkeit und — oft unbewußten — Groll mit sich bringen.
Um diese Schwierigkeiten zu vermindern und die Freundschaft zwischen Mutter und Tochter zu erhalten (oder wo sie in den Zähren der
Hausfrau und Maschine.
Von Or. Erna Meyer, München.
Wenn von Technik die Rede ist, denkt der Laie an Maschinen. Technik und Maschinentechnik sind für ihn gleichbedeutend: der nicht minder wichtige Begriff Detriebstechnik liegt ihm fern. Was Wunder, daß auch die Hausfrauen zunächst glauben, man brauche nur ein paar Haushaltmaschinen anzuschaffen, um die ganze „Rationalisierung" in der Tasche zu haben! Das ist aber ein Trugschluß: auch im Besitz der schönsten technischen Hilfsmittel kann man untechnisch, unwirtschaftlich, unrationell arbeiten, es kommt darauf an, wie man diese Hilfsmittel verwendet. Fede Maschine ist ein Organismus, der Pflege braucht und vorzeitig zugrunde geht, wenn er schlecht behandelt wird.
Reinigt man blanke Metallteile nach dem Gebrauch unsorgfältig, so daß Rostbildung eintritt oder wirst man z. D. die Messer eines Fleischwolfes unachtsam umher und verletzt die feinen Schneiden, so darf man sich über vorzeitigen Verschleiß nicht wundem. Wenn in die Reibern aschine einzelne besonders harte Teile geraten und der größere Widerstand mit Gewalt überwunden wird, so läßt sich das die Maschine nicht allzuoft gefallen und versagt bald den Dienst. Wenn ich einen harten Bodenansatz in einem Aluminiumkochgeschirr durch Hineinstoßen mit einem Stemmeisen entferne, so wird der Doden ballig, läßt sich schwer oder gar nicht mehr gründlich reinigen, erhält unter Umständen Köcher und macht den ganzen Topf unbrauchbar. Wenn ich eine Bohnermaschine beim Aufbewah- ren stets auf die Dürsten stelle, dann drücken sich P16 Dorsten zusammen, und der Apparat ist unbrauchbar.
Schadhaftigkeit und Hnvrauchbarkeit finb in» benen keineswegs immer die erste Folge unsachgemäßer Behandlung: diese wirkt sich oft vorher dahin aus, dah der Zweck des Apparats nicht erreicht oder gar in fein ®egenteu verkehrt wird. Wenn man beispiels- ütttfe ote Polster der „Mops" zu selten reinigt, M mischen sich der haftengebliebene Staub und Schmutz mit dem Del, so dah die Fußböden beim Werterbenuyen des Mops nicht sauberer werden, tm Gegenteil! Zur besseren Ausnutzung der von unseren Herden, insbesondere den Gasherden, erzeugten Wärme arbeitet man heute immer mehr nut übereinandergestellten Töpfen oder mit Hauben, die eine weitgehende Ausnutzung des Dampfes und der sonst abstrahlenden Hitze für das Kochen ermöglichen und dadurch mit kleinerer Gasflamme auskommen, d. h Gas sparen lassen.
problemreichen Entwicklungszeit verlorenging, neu zu begründen), muß die Tochter das elterliche Haus verlassen, ehe es zu spät ist. Das berufstätige Mädchen, das sich selbst erhalten kann, darf nicht länger das Anhängsel des elterlichen Haushaltes bleiben. Das Verhältnis zu den Eltern wird sich unstreitig verbessern, wenn nicht mehr die kleinen Reibereien des All- tags zwischen ihnen stehen. Die Tochter wird als gern gesehener Besuch im Elternhaus geschätzter sein, als wenn sie immer dort ist: sie wird auch lieber helfend zugreifen, wenn sie es freiwillig tun kann, als wenn sie, die beruflich voll Belastete, stets als selbstverständliche Helferin in allen Röten des Haushalts angesehen wird.
älnd die Tochter wird, außer dem Hause wohnend, ihr eigenes Zimmer haben, ihren eigenen Verkehr, die ihrer Art entsprechend Form des Feiertagsgenusses, Alleinseins, wenn sie es noch der Arbeit braucht, kurz, jene Unabhängigkeit, die mit dem Aelterwerden für den Menschen das Gegebene ist. Unb die Desuchstochter wird ihr Elternhaus mehr lieben, weil sie es nicht mehr als Beengung ihrer Eigenentwickelung empfinden muh.
Wie aber wird es für die Mütter sein, wenn sie ihre Töchter nicht mehr daheim behalten? Eine Entbehrung? Vielleicht, mehr aber — wenn sie es sich selbst und anderen auch nicht eingestehen werden — eine seelische Befreiung.
Wenn nämlich die äußere Trennung früh vorgenommen wird, zu einer Zeit, da die Mutter noch fähig ist, ein eigenes Leben zu leben, ist es immer auch für sie zweckmäßiger, die herangewachsene Tochter nicht neben sich zu haben. Eine natürliche, wenn auch unbewußte Eifer
sucht wird von jeder Frau empfunden, die Töchter neben sich heranwachsen sieht. Das an sich naturgemäße Zurücktretenmüssen der alternden Frau wird schärfer empfunden, wenn sie aufstrebende Fugend neben sich hat, die das genießt, auf das fic_ nun verzichten muß. Das Gefühl des Der- drängtwerdrns erbittert viele Frauen, und die .Alte" im Hause zu werden, empfindet manche Frau als schweres Geschick.
So erscheint es für beide Teile zweckmäßiger, die Heimgenossenschaft aufzugeben. Zu starke Gebundenheit ist eine schlechte Vorbereitung für die Anforderungen, die das heutige Leben an uns stellt.
Krauen als Erfinder.
Don Karl Graf von Klinckowstroem.
Auch zu den Zeiten, als es noch keine „berufstätigen Frauen" gab, hat es schon Erfinderinnen gegeben, die sich einen Ramen gemacht haben. Bekannt ist Frau Barbara Uttmann, die in Annaberg als erste deutsche Bürgersfrau ein Denkmal erhielt und als Erfinderin des Dpihenklöppelns gilt (1561). Das stimmt allerdings nicht ganz. Denn die Klöppelspitzen waren in den Riederlanden schon lange bekannt, als Frau ilttmann zu Nürnberg das Licht der Welt erblickte. Quentin M e s s y s hat schon 1495 ein spihenklöppelnbes Mädchen gemalt. Das Denkmal hat aber seine Berechtigung, wenn man diese Frau als Begründerin der erzgebir- gischen Spitzenindustrie gelten läßt.
3m Fahre 1823 erhielt Madame Benoist ein französisches Patent auf das Sförmige Rohr
Reisekleidung der modernen Krau.
Von Alice Flechtner-Löbach.
Die Reisekleidung der modernen Frau besteht eigentlich nur aus drei Rotwendigkeiten: 1. dem Kostüm mit diversen Blusen, 2. dem bunten, leichten Sommerkleid, 3. dem wollenen Sportdreß.
Mit diesen drei Unentbehrlichkeiten kann die heutige Frau während jeder Reise auskommen (sofern die Reise für sie eine Erholung und nicht Toilettenschau bedeutet).
Wir wollen vor allem die Frauen beraten, die zur Erholung fahren, stets und bei jeder Gelegenheit gut aussehen möchten und doch nicht viel Geld und Zeit auf ihre Reisekleidung antoenben können. Das Kostüm, das jahrhundertelang zum eifernenDestand der schlicht und vornehm angezogenen Frau gehörte, ist zu neuem Leben erwacht und beherrscht das Straßenbild. Mit langer Facke als Complet für ältere, mit kürzerem Fackett für die mittlere, mit flotter kurzer Sportjacke für die ganz junge Dame bietet es eine Fülle von Anregungen, von differenzierter Ausgestaltung und erscheint durch die wechselbare Bluse immer neu und immer anders.
Die Bluse wieder gibt trotz schlichter Oberhemd- form schon durch Farbe und Form der Schlipse, die als Selbstoinder, als Fliege oder flotter Lavalier auftreten, die Möglichkeit der Abwechselung. Auch ist durch die moderne Ergänzung der Weste ein weiteres Moment gegeben, verschiedene Wirkungen zu erzielen. Als allerneuestes werden schmale «Streifen über die Bluse gelegt, die zum Rock herabfallen und so die Querteilung der Figur mildern, auch eine Verbindung von Rock und Bluse Herstellen: ein neues Gebiet für geschmackvolle Handarbeit in Weberei, Stickerei ober farbiger Durchbrucharbeit. Wit diesen Variationen kann das Kostüm nicht nur auf Reisen, beim Lunch, oder auf Spaziergängen, sondern in dunklen Tagen auch beim Rachmittagstee unb auf der Terrasse zum Abend getragen werden.
Für Sonnentage und kleine gesellschaftliche Ereignisse tritt dann das leichte Sommerkleid in Aktion, das Blütenkleid, wie ich es nennen möchte. Denn überreich beschert uns die heutige Saison geblümte Kleider in allen Farben und «Schattierungen, vom kleinen Meißner Blümchen bis zu jenen geheimnisvollen großen Fabelblüten, die wie schillernde Schmetterlinge den Körper umflattern.
Hier heißt es nun, vorsichtig in der Wahl der Muster sein für den Fall, daß die Kleider- kaffe nur ein solches Kleid gestattet. Zu stark ausgeprägte Muster sieht man sich leicht über. Ruch hier hilft die Mode der Dame, die sich einschränken muß. Lose zarte Facken in uni, abgepaßt zur vorherrschenden Farbe der Blüten, geben dem Kleid einen neuen Charakter. Auswechselbare Aermel und Fichus bieten gleichfalls verschiedene Roten — die Phantasie und «Geschicklichkeit der Frau findet ungeahnte Möglichkeiten, um aus Wenig V i e l zu machen.
Als letztes sei der Sportdrez genannt, gewissermaßen der solide Grundton der Reisekleibung, ohne den eine Fahrt, sei es in bie Berge ober an bie See nicht zu denken ist. Hier herrscht immer noch der alte, oft erprobte Strickanzug und erfüllt seine Pflicht im Winter wie im «Sommer. Leichte ärmellose Pullover und vielleicht ein_ kurzes blaues Sportjackett mit goldenen Knöpfen sind hübsche Ergänzungen. Wer besonders dem Segelsport huldigt, kann noch einen modernen Marineanzug mit weißen Hosen und Matrosenkragen an der Bluse mitnehmen. Doch geht das schon über den „Dreiklang" des Rot- wendigen hinaus. Ebenso wie die reizvoll bunten Etranbanzüge, bie »arten Kimono und manches andere. Es geht auch ohne das.
Wenn man die Flamme trotzdem ganz groß stellt, macht man den Vorteil des Kochens mit jenen Hilfsmitteln mehr oder weniger hinfällig. Daraus ergeben sich dann jene unberechtigten Klagen über Apparate, die als ausgezeichnet erprobt und oft auch von einer technischen Stelle geprüft worden sind, während manche Hausfrau sie als unvorteilhaft ablehnt. Die Hrfache Cann nur in falscher Behandlung liegen, wofür allerdings weniger die Frauen verantwortlich zu machen sind, als die bisher in der Mädchenschulbildung fehlende Vorbereitung und Schulung für diese Dinge.
So ist es kein Wunder, wenn die Arbeit mit der Maschine heute noch vielfach langsamer unb schlechter von statten geht als mit der Hand. Als die «Schreibmaschine aufkam, war es ebenso: und noch heute kann jeder Anfänger erleben, wieviel schneller er vorerst mit der Hand schreibt. Der Umgang mit Maschinen will eben wie alles gelernt sein.
Wie ein Apparat zu benutzen ist, haben wir aus der Gebrauchsanweisung au lernen. Run läßt diese allerdings noch häufig zu wünschen übrig. Das wird in dem Maße immer weniger der Fall fein, wie wir Frauen uns unserer Macht als Käuferinnen bewußt werden und dahin arbeiten, daß die erzeugende Fndustrie sich auch dieser Seite der Sache mit der nötigen Sorgfalt annimmt. Auf jeden Fall müssen wir, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, die Vorzüge auch der besten Maschine in ihr Gegenteil zu verkehren, die Gebrauchsanweisung genau lesen, uns klarmachen, was sie besagt, und dann mit peinlicher Genauigkeit entsprechend handeln ...
Roch ein wichtiger Grundsatz sei betont, der auch sonst im täglichen Leben Anwendung findet unb in die Worte gekleidet zu werden pflegt: Richt mit Kanonen auf Spatzen schießen! Wenn ich für einen Kranken eine kleine Menge Spinat zubereiten will, dann hieße es allen technisch- wirtschaftlichen Rücksichten ins Gesicht schlagen, wollte ich dafür meinen Fleischwolf in Tätigkeit treten lassen. Fn der Zeit, die ich zum Anschrauben und vor allem nachher zum Reinigen brauche, habe ich die Arbeit mit dem Wiegemesser zehnmal erledigt. Die Maschine würde in solchem Falle die Arbeit erschweren, statt sie au erleichtern. Fede Maschine muh ausgenuht d. h. so gebraucht werden, daß ihre Bedienungsarbeit sich lohnt, daß sie überwogen wird von den erzielten Ersparnissen an Zeit unb Kraft. Sind die einzelnen Vorrichtungen dafür zu Bein, so lege man mehrere zusammen oder lasse die Maschine auf Vorrat arbeiten, damit sich die Dedienungsarbeit auf eine größere Zahl von Mahlzeiten verteilt, ein Verfahren, bad in der
Technik heute weitgehend herrscht und auch im Haushalt sich viel öfter, als man denkt, mit Vorteil anwenden läßt.
Diese paar Beispiele mögen genügen: jede Hausfrau kann sie bei einiger Aufmerksamkeit aus eigener Erfahrung vermehren und selbst eine wichtige Folgerung ziehen, die zum Schluß als kurze Regel ausgesprochen sei: Man behandle seine Maschinen mit ileberlegung und «Sorgfalt, der Erfolg wird nicht ausbleiben.
Das Kind bei Tische.
Don Hans Kalischec.
„Was mache ich nur mit meinem Fungen? Er ißt so schlecht, er wird und wird nicht fertig damit!"
Das ist so einer von den vielen Stoßseufzern ungeduldiger Mütter, bie ihnen den Umgang mit ihren Kindern unnötig erschweren. Denn das langsame Essen, ebenso das Trödeln beim Ankleiden ober auf ben Spazier- und «Schulwegen, und ähnliches gehört zu den alltäglichen Unregelmäßigkeiten, bie eigentlich bei keinem ge- funben Kinbe fehlen. Verlangsamungen im Tätig- keitsrhtzthmus. Haltepunkte erholsamen Verweilens finb eben für bie kinbliche Erlebnisturve burchaus charakteristisch.
Rehmen wir einmal an, der 3unge hätte eben feine «Schulstunden „abgesessen", nun soll er schon wieder gehorsam und artig bei Tische sitzen. Der natürliche Drang des Kindes nach Abwechslung und sein altersgemäher Wunsch nach Bewegungsfreiheit lehnen sich gegen die Fortdauer künstlichen Zwanges auf. Entweder springt er zwischendurch umher, erzählt, kramt in der Schulmappe oder Spielzeug, oder aber, wenn ihm das unterlagt ist, beschränkt er sich darauf, im stillen feinen Gedanken nachzuhängen, wobei er natürlich zuweilen das Essen vergißt. Und beim Abendessen, ehe er ins Bett muh, da wollen auch noch einmal die Rachmittagserlebnisse mit den Spielkameraden in ihm Raum gewinnen. Der 3unge ist dann zum Verdruß der müden Eltern im wahren Sinne „zerstreut".
Schelten, Klagen und Mahnen haben dabei höchstens den Erfolg, daß die Aufmerksamkeit des Kindes daraus hingelenkt wird, wie wichtig seinen Erziehern der vorschriftsmäßige und schnelle Ablauf der Mahlzeit ist. So wird oft zwischen sensiblen Kindern und nervös gereizten Ettern aus der Belanglosigkeit eine siir beide Teile peinliche Affäre geschaffen. Die harmlose, vorübergehende Erscheinung wächst sich zum chronischen Hebel aus. Gerade den ängstlichen, braven Kindern, die sonst wenig aufzubegehren wagen,
an Küchenausgüssen unb Klosetts, durch welches das Aussteigen übler Gerüche verhindert wird. Frau Denoist ist ohne Zweifel selbständig auf diese nützliche Erfindung gekommen, aber 1773 bildete bas Sförmig gekrümmte Abfallrvhr bereits in Englanb einen Bestandteil des Wasserklosetts mit Trichter, das der Uhrmacher Alexander C u m m i g sich dort patentieren ließ. — Dine Berlinerin, Marie Trenn, ist bte Erfinderin einer Taxameteruhr zur Kontrolle von Droschkenkutschern. 3hre Erfindung wurde 1847 in Preußen patentiert.
Tragisch war das Schicksal einer anderen Berliner Erfinderin, der Karoline Magdalene E i ch - ler (geb. 1809), die sich als sehr geschickte 'Ser- fertige rin patentierter Prothesen, 0. h. künstlicher Arme und Deine, die durch Schnurzüge bewegt wurden, einen Ramen gemacht hat. Sie heiratete einen Mechaniker namens Krause, von dem sie 1842 geschieden wurde. Dieser eifersüchtige Mann besuchte bie fleißige Frau trotzdem häufig und bezog sogar von ihr Unterstützungen, da er arbeitslos war. Am 6. September 1843 traf er bei einer solchen Gelegenheit in der Wohnung feiner geschiedenen Frau einen Mann an, gegen den er grimmigen Haß im Herzen trug, weil er ihn für die Ursache seiner Scheidung hielt. Mit diesem geriet er zuerst in Streit, und als er mit Hilfe der herbeigerufenen Rachbarn aus der Wohnung entfernt werden sollte, zog er plötzlich aus der Rocktasche einen sogenannten Schaber, ein dreikantiges, scharfes und spitzes 3nstrument, wie Mechaniker es oft brauchen, unb erstach damit feine Frau.
3n England haben sich die Frauen besonders eifrig mit technischen Problemen beschäftigt. Um 1910 wurden dort weiblichen Ersindern jährlich gegen 1500 Patente erteilt. «Sie betätigten sich dabei auf den verschiedensten Gebieten: sie erfanden Verbesserungen und Vervollkommnungen von Dampfmaschinen, Dampfkesseln, Automobilen, lenkbaren Luftschiffen usw. Eine Dame hat sich eine wesentliche Verbesserung der Schiffs- Panzer patentieren lassen, und im 3ahre 1908 haben nicht weniger als fünf englische Frauen Patente auf neuartige Sicherheitsrasiermesser genommen!
Während des Weltkrieges haben zwei Erfindungen englischer Frauen Bedeutung erlangt: Mrs. Herta Hyrton erfand eine Vorrichtung, um erstickende Gase zu vertreiben, unb Mrs. Ernestine Hart erbachte ein von ber Qlbmirali» tät, dem Kriegsamt unb den Cisenbahngesell- schasten Großbritanniens erworbenes Verfahren. Gewebe so zu imprägnieren, paß sie keinerlei Flüssigkeit mehr durchlassen.
Wäschelegen.
Don Else Eharl.
Wenn bie Wäsche nach den Wünschen der Hausfrau ausfallen sott, fo hängt bas zum Teil von ber Art des Wäschelegens ab. DaS Wäschelegen ist eine Arbeit, bie viel Sorgfalt erfordert; auch bei biefer Arbeit macht Ucbung bie Meisterin. Die richtige Behandlung muß sofort beginnen, wenn bie Wäsche von ber Leine genommen wirb. Die einzelnen Stücke müssen ganz glatt in ben Wäschekorb hineingelegt werden. Dadurch vermeidet man überflüssige Falten und Brüche, die mit Mühe wieder entfernt werden müssen. Vor dem Wäschelegen wird jedes Stück eingesprengt. Die großen Stücke kann man nicht allein legen, man braucht dafür eine geschickte Hilfe. Diese Arbeit läßt man am besten bis zuletzt und beginnt mit den kleinen Sachen, die hintereinander gelegt werden. Alle Bänder und Rähte werden mit einem sauberen Falzbein oder Messerrücken glattgestrichen. Die moderne Tischwäsche wird kaum noch mit Fransen gearbeitet; wer indessen noch derartige Wäscheverzierungen berücksichtigen muß, löse zunächst mit den Fingern
drückt man hier die Waffe heimlichen Trotzes in die Hand. Denn welches noch so folgsame Kind wollte nicht irgendwo seinen Eigenwillen behaupten! Auch manche von ber zärtlichen Heber» forgfalt ber Ettern geradezu bedrängte Kinder wollen sich durch diesen gelegentlichen „Hungerstreik" auch einmal gegen das Zuviel an Liebe wehren. Ganz zu schweigen von den übersättigten, verwöhnten Kindern, denen durch die stete Auswahl der Speisekarte das Gefühl gesunden Hungers verlorengegangen ist, bie höchstens zeitweilig noch ..Appetit" verspüren.
3n all diesen Fällen ist das Mittel dev Richtbeachtung das am meisten wirksame. Lieber das Kind einmal leer ousgehen lassen! Es regelt seinen Bedarf schon von selbst und holt das Versäumte nach. Versagt diese Hilfe, so ist die vorübergehende Unterbringung des Kindes in einer anderen Umgebung zu empfehlen, die weniger stark mit ihrem Gefühl auf die (Schwäche des Kindes reagiert. Besonders heilsam für das geschwisterlose Kind ist das gemeinsame Speisen mit anderen Kindern, da der natürliche Wetteifer den Mangel oft schnell ausgleicht. Ganz verfehlt wäre es. etwa jene bedrohlichen Prophezeiungen anzuwenden, mit denen der sittenstrenge „Struwelpeter" feinen „Suppenkaspar" schreckt. Der „Struwelpeter" ist gewiß ein guter Kenner aller Kinderstubenplagen, aber seine Cinschüchterungs» rezepte dagegen sind oft recht bedenklich und sollten keine Freunde mehr finden.
Anders liegt cs dort, wo pathologische Momente in den Vordergrund treten. So gibt es Kinder, die sich äußerst schwer von einer Ve' friebigungäform trennen können, bie vornehmlich dem Säuglings- unb Kleinkinderalter eigen ist. Diese halten über die Zeit hinaus an der sogenannten „Mundlust" fest. Die angenehmen 2e- rührungsempsindungen, die das Herumschieben des Speisebreis im Munde verursacht, sind bei ihnen so stark, daß der die Rahrungsaufnahme nur vorbereitende Vorgang des Kauens zum Selbstzweck wird. Werden diese Reigungen durch die erwähnten Erziehungsmihgriffe gefördert, fo ergeben sich daraus manchmal krankhafte Eß- ftörungen nervöser Art. deren Beseitigung erst der Kunst des Arztes und Pädagogen gelingt. Solche Schwierigkeiten sind dann besonders störend. wenn sie unbetoufjt dem Ausdnvj heftige» Abwehr dienen.
Ansatzpunkte für derartige Hemmungserschei- nungen finden wir auch im normalen Seelen- leben. «Es ist bekannt, daß uns eine Mißstimmung nicht fetten das Essen verleidet, daß und vor einer unliebsamen Zumutung „übel“ wird ober, derber gesagt, daß uns eine Sache zum „Brechen* über ist.


