Ausgabe 
9.4.1930
 
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Mittwoch, 9. April 1930

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

N. 84 Zweitervlatt

unter

Eine hessische M'eieriagung.

B.D.

Wicklungen zu zeigen.

Oie Dottsnationale Reichsvereinigung.

weitige Regel un

von bebautem 1

In der Hauptrolle WädY Christians: sie ist wie man längst wußte eine feine uni) ge­pflegte Schauspielerin, sie sieht auch entzückend aus, aber daß sie überdies auch eine sehr hübsche Singstimme besitzt, werden bisher nur wenige von der Operette her gewußt haben. Von ihren Partnern sind in erster Linie CBoIter

Iankuhn und der männlich-sympathische Hans S t ü w e zu nennen. Die übrigen Mitarbeiter und Mitwir' nden sind so zahlreich, daß man sie nicht ole aufzählen kann. Regie: Wal­ther-Fein: Tonregie: Conradi: Musik: Schmidt-Boelcke: das Schlagerlied, das den Titel gab, stammt von May, Text von Balz.

Verbaichsiag des Landesverbandes Helfen im ReiKsbnnd der ZWdrenWereKWen.

Um zum vorläufig Erreichten zurückzukehren: es schien einem zunächst noch die Maßstäbe zur Be­urteilung, die uns in wenigen Wochen wohl auch hier in Gießen schon reichlicher zur Verfügung ft eben werden. Immerhin hat die technische Leistung 625 vorgeführten Werkes ganz absolut betrach­tet einen sehr beachtlichen Grad der Präzisierung und Verfeinerung erreicht. Man ist aus dem Gröb­sten heraus, man steckt nicht mehr in den Anfängen. Gewiß wird bei einer so neuen Sache technisch und rcgiemüßig noch manches zu verbessern und zu ver- coutor.unnen sein: selbstverständlich. Aber wer sich ctii>a an die Anfänge des Rundfunks erinnert, an die crf'.en Opernübertragungen zum Beispiel, der

Das neue Programm dürfte auch in den spä­teren Ausführungen seine Anziehungskraft nicht verfehlen: man braucht nun nicht mehr nach Frankfurt xu fahren, wenn man einen Tonfllm sehen und hören will. r

Postsekretär Schäfer, Darmstadt, für Deamten- bund und Landeskartell Hessen, Oberpostsekretär Krämer, Darmstadt, für die Postgewertschaft. Das Versorgungsamt Gießen war durch Verwaltungs- obersckretär Rübeling vertreten.

Rach Wahl von Steuerinspektor P l a a g, Bad- Rauheim, zum Verhandlungsleiter der Tagung erstattete der Vorsitzende Dörr, Darmstadt, den sehr beifällig aufgenommenen Iahresbericht, nach dem das abgelaufene Iahr in organisatorischer Hinsicht ein Iahr des Aufstieges gewesen ist. Die <!ahl der Mitglieder des Landesverbandes habe die 2000 nahezu erreicht. Die Festigung der Or­ganisation sei aber ein Zeichen dafür, daß die Krise der Zivilversorgung immer stärker in Er­scheinung trete. Eingehend behandelte der Redner die Lage der Zivilversorgung in Hessen. Vundes- direktor Krüger. Berlin, erstattete ein um­fassendes Referat über die Krise der Zivilversor­gung im Reiche. An beide Referate schloß sich eine ausgedehnte Aussprache.

Den Abschluß des ersten Verhandlungstages bildete ein vom Verein Friedberg-Bad-Rauheim veranstalteter Degrüßungsabend.

Der Gesamtvorstand wurde wiedergewählt.

Das Ergebnis der Verhandlung war die folgende Entschließung, die einstimmig angenommen wurde:

Die 26. Hauptversammlung des Landesverban­des Hessen des Reichsbun^s der Zivildienst­berechtigten stellt mit Besorgnis fest, daß die Durchführung einer geordneten Zivilversorgung immer mehr gefährdet wird. Unter Zivilversor-

Tonfi m-premiere:

Oich hab ich geliebt/'

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Ls war entschieden ein Ereignis für Gießen, die­ser erste richtige, wirkliche Tonfilm. Die gestrige Premiere im Lichtspielhaus hat, wie allerdings vor­auszusehen war. ihre Anziehungskraft nicht verfehlt: sie wurde ein klarer (und auch berechtigter) Erfolg vor vollem Hause.

gestanden hatten.

Zur Gründung der Dolksnationalen Reichsver­einigung schreibt die Kölnische Zeitung u. a.:

,Dis Berliner Gründungsversammlung der Dolksnationalen Reichsoereinigung ist keine Par- tcigründungsvcrsammlung gewesen, doch könnte ihr die Geschichte diesen Charakter einmal spä­ter zusprechcn, wenn die bestehenden Parteien der Mitte nicht sehr bald darangehen, mit dem Zusammenschluß und der Sammlung des Staats­bürgertums Ernst zu machen. Diesen Eindruck ge­

flogen den geplanten Abstrich von 2 Mill. Mark an den Mitteln für Wohnungsbau, sowie Einspruch gegen die durch die Kommunen ge­planten Mietserhöhungen. In der öffent­lichen Versammlung sprach der Dundesvorsitzende Herrmann überWas erwartet die Mieter­schaft vom Reichstag", der Landesverbandsvor- siyende Wolff sprach überD.e Wünsche und Forderungen der hessischen Mieterschaft". Der Geschäftsführer Fuchs behandelte das Thema Die Rechtsprechung im Mietwesen". Aks Dorort des Landesverbandes wurde wieder Mainz be< stimmt. Der hessische Mietertag 1931 findet in Offenbach statt.

Abschied von der bunten König n.

Tie Zukunft der Nofrctetc-Büste.

Berlin, im April.

Iede Zeit hat ihre volkstümlichen Museums- figuren. Einmal war es der Dornauszieher, der in zahllosen Abgüssen verbreitet war. heute ist es die bunte ägyptische Königin Rofretete. Aber wer weiß etwas von ihr, wo steht sie, wie kam sie zu uns? Es gibt sehr viele Berliner, die man darüber aufklären muh, daß sie ein sehr schätzenswertes ägyptisches Museum haben.

Rofretete war die Gemahlin jenes Ameno­phis IV.. der sich später Echnaton nannte und als Pharao den neuen Sonnenkult einführte. Dazu war die alte Hauptstadt Theben, wo alles mit Amon und Die'götterei in Verbindung stand, nicht der rechte Ort, so daß der König seine Residenz nach Amarna verlegte, wo er bis zu seinem Tode blieb: daher heißt diese Periode wissenschaftlich auch die Amarna-Zeit, in der sich ein eigener künstlerischer Stll entwickelte. Die Amarna-Epoche wiederum stellt nur einen Abschnitt jener großen dar, die man alsReues Reich" (1555 bis 712 v. Ehr.) bezeichnet. Dort in Amarna hat man in der Werkstatt des großen Bildhauers Thutmosis die Kalkstein­büste der bunten Königin Rofretete gefunden: und so hat sie der Bildhauer dargestellt: die Königin trägt eine blaue hohe Krone mit bun­tem Bande, an welcher vorne, über der Stirn, die goldene Königsschlange, unten ein gelber Reif befestigt ist, der wie eine Art Stirnband wirkt, aber um den ganzen Kopf herumgeht. Da nur das rechte Auge eingelegt ist, findet man ge­wöhnlich nur Profilbilder dieses schönen ruhig- ausdrucksvollen Kopfes. Die Lippen sind gerötet,

Die Entwicklung überstürzt sich und ist vorläufig da wir noch mitten darin stehen nicht abzu- sehen und in ihren Ausstrahlungen nicht endgültig zu bewerten. Man muß abwarten, den Dingen ihren Lauf lassen und zusehen ... und zuhören. Der stumme Film hat sich in rund einem Vierteljahr­hundert zu seiner jetzigen, durch die Spitzenleistun- geu einer internationalen Produktion festgelegten j)öbe entwickelt. (Und man kann nicht sagen, daß diese Entwicklung nun etwa abgeschlossen oder nach dem heutigen Stande überholt sein müsse.) Der Ton- film Hal Monate gebraucht ... von seinen Anfängen bis zu den letzten Neuigkeiten.

Man muß sich klarmachen, daß ungefähr zur glei­chen Zeit, wo hier bei uns zum ersten^Male ein Tonfilm erscheint, in Berlin bereits ein Farbenfilm herausgekommen ist, und in Amerika, wie es heißt, Versuche mit einem plastischen Film vorgenommcn werden. Was darunter zu verstehen ist, kann man sich vorläufig noch nicht recht oorstellen. Mer es deutet die Richtung einer Gesamtentwicklung an und legt eine gewisse Zurückhaltung in der Beurteilung von Erscheinungen nahe, die man in einigen Jahren vielleicht nur noch als Teilergebnisse oder als cha- rakteristische Stationen auf einem Wege bewerten Cann, dessen Ziel heute noch nicht erkennbar ist.

Der LandesverbandHessischer Mie­terschutzvereine veranstaltete am 5. und 6. April 1930 in Heppenheim a. d.D. seinen diesjährigen hessischen Mietertag. Die Tagung war aus allen Tellen Hessens stark beschickt und satzte nach eingehender Beratung vier Entschlie­ßungen an die Aeichsregierung. Landesregierung und den Landtag. Die Entschließungen verlangen vom Reichstag Schaffung e nes n e u z e i t l i ch e n Wohnrechts auf Grund der mit den Mieter- schutzgesehen gemachten Erfahrungen. Die Ent­schließungen an den Landtag betreffen ander- g der Sonder st euer Grundbesitz, Einspruch

Parteien etwa achllos an ihm vorüber, so hätten sie sich die Folgen selbst zuzuschreiben."

DieFrankfurter Zeitung" meint et­was skeptischer:Von seinem Iungdeutschen Or­den aus hat Herr Mahraun eine neue Partei gegründet. Kampf gegen denParteiismus", das war bisher die stärkste von seinen Künsten. Richt ganz einfach begreift sich von da aus die Ver­mehrung der ein oder zwei Dutzend deutschen Parteien (wer kann sie noch zählen?) um ein weiteres politisches Gebilde, das mit den anderen rivalisiert. Man könnte von Bankrotterklärung der bisherigen Kampfparole reden. Aber man kann auch finden, und das scheint uns angebrach­ter. daß Herr Mahraun politisch gelernt hat. Ehrlich wird er gewiß bemüht sein, von den üblen Düften des Parteiismus seine eigene junge Partei freizuhalten. Reinen Idealismus und spannkräftigen Schwung zeigt seine (Betoegung. Doch brauchte sie bisher ihre Gefühle und Strebungen bloß in schöne Worte umzusetzen, was noch nichts Großes ist. QIUau große und dröhnende Worte laufen sogar Gefahr, nur hohl zu klingen. Leider entgehen Mahraun und seine Leute dieser Gefahr nicht immer. Ihre sachlichen Richtlinien, die sie der neuen Partei mitgeben, enthalten manches Vernünftige und auch man­ches Fragwürdige. Das gilt nun wohl von den meisten Parteien und ihren Programmen. In der politischen Arbeit erst müssen sie sich bewähren. Wünschen mag Herrn Mahraun auch mancher, der vielfach von ihm abweicht, solche Bewährung: denn wir haben keinen ^leberfluß an so anständigen, die Gemeinschaft be­denkenden politischen Bewegungen. Dieser Schwung eines reinen, jugendsrischen Wollens ist es, der den Veranstaltungen Mahrauns heute Zulaus bringt. Wir haben aufrichtige Sorge ob die für ihn begeisterten Menschen den Ent­täuschungen der praktischen Arbeit stand- Ijalten werden."

gung kann nur die lebenslängliche 2lnA^Hung des aus dem Wehr- und Ordnungsdienst aus­scheidenden Staatsdiencrs in einer Beamten­stelle des össentiichen Dienstes verstanden werdei^

Der immer schärser werdende Kampf gegen das Derufsbeamtentum und der Abbau schädigen da­her auch die Zivllversorgung aufs schwerste. 36 000 Dersorgungsanwärter. also Staatsbürger mit einem verbürgten Recht auf Liebern ahme in den zivilen Staatsdienst, warten noch auf An­stellung. Zu diesem Restbestande auS früheren Iahrgängen treten aus den nächsten Iahrgängen jährlich tausende Dersorgungsanwärter aus der Wehrmacht und den Schutzpolizeien der Lander hinzu. Rach einer Denkschrift des ReichSmimstc- riums des Inneren wurden in den beiden letzten Iahren aber nur durchschnittlich 12 500 Der­sorgungsanwärter in Beamtenstellen übernom­men, so daß die Zahl der Zivildienstberechtigten, die auf Einberufung warten, voraussichtlich lävr- lich um 5000 wächst, demnach im Iahre 1933 65 000 betragen wird.

Die Gefährdung der Zivllversorgung muß sich verhängnisvoll auf den Aufbau und die Erhal­tung der Wehrmacht und der Schutzpolizeien und in zwingender Folge auf Ruhe und Ord­nung im Staate auswirken.

Der Verbandstag hält es für seine Pflicht, dar­auf hinzuweisen, daß diejenigen Anstellungsbehör­den, die an der Durchführung der Zivllversor­gung nicht oder nur mangelhaft mitwirken, den Reichs- und Landeshaushalt finanziell schwer belasten, well an die auf Anstellung wartenden Dersorgungsanwärter über etwa 8 0 M i l l i 0 - neu Mark llebergangsgebührnisse jährlich ge­zahlt werden und sich in jedem Iahre erhöhen.

Mit Bedauern stellt der Derbandstag ferner fest, daß cd noch sehr viele 'Behörden und be­sonders Behörden der Selbstverwaltung gibt, die der Zivllversorgung unfreimdlich. ja zum Teil feindlich gegenübersteheri. 3m einfachen und ge­hobenen mittleren Dienst bei den Kommunalver­waltungen sind nur wenige Stellen mit Dersor- gungsanwärtern besetzt, obwohl diese Stellen mindestens zur Hälfte den Dersoraungsanwärtern Vorbehalten sind. Bei den auf Privatdienstver- trag zu besetzenden Stellen des Staats- und Kom- munaldienstes liegen die Derhältnisse im allge­meinen noch wesentlich ungünstiger.

Der Derbandstag richtet daher die dringende Bitte an alle dazu berufenen Stellen, unverzüg­lich Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, eine Besserung der Lage der Zivilversorgung her­beizuführen."

winnt man nicht nur von der Berliner Tagung, er verstärkt fich noch bei der Lektüre der Sonder­nummer. die der Iungdeutsche, das Organ des Iungdeutschen Ordens, am letzten Sonntag her- auSgegeben hat. Hierin spricht der Hochmeister des Ordens. Arthur Mahraun, der jetzt auch zum Führer der Reichsvereinigung gewählt worden ist, in unmißverständlichen Worten über die jung- deutsche Sendung. Sein Aussatz ist in gleicher Weise von Skepsrs gegenüber der Selbstgesundung der bestehenden Parteien und von drängendem Hngeftüm für die Erneuerung durchtränkt und schließt mit den Worten: ,Die Iugend ist bei uns. Die Greise sollen kapitulieren oder resignieren.' Wir können uns vorstellen, daß dieser letzte Sah bei den ,©reifen' gemeint ist damit vermutlich das vergreiste Par- t e i w e s e n nicht gerade begeisterten An­klang findet. Aber ebenso wie Mahraun von den Mittelparteien wohl kaum das bedingungslose Aufgehen in der Reichsvereinigung fordert, soll­ten die Parteien nun auch nicht jede Derstän- digungsmöglichkeit verneinen. Die Richtlinien der Dolksnationalen Vereinigung zeigen eine weise Beschränkung. Sie enthalten lediglich Grundlinien, die unseres Erachtens von den Parteien der Mitte ohne weiteres aner­kannt und im einzelnen noch leicht modifiziert werden könnten. Lieber dieses programmatische Bekenntnis hinaus lebt aber in der Reichsver­einigung ein so reiner Idealismus, ein so aus­geprägtes Staatsverantwortungsgefühl und ein so starker Sinn für das Politische, daß keine Partei, die wirklich das Staatsbürgertum sam­meln will, an diesen Kräften vorübergehen darf. Der Führer der Deutschen Dolkspar- t e i hat erst vor kurzem in Mannheim die Be­reitwilligkeit feiner Partei zum Zusammenschluß bekundet. Den Worten müssen nun auch die Taten folgen. Die Reichsvereinigung hat mit ihrer Berliner Tagung jedenfalls einen star­ken Impuls hierfür gegeben. Gingen die

(Eigener Bericht desGießener Anzeigers".)

Bad-Rauheim, 6. April. Der Lan­desverband Hessen im über 125000 Mit­glieder zählenden Reichsbund der Zivil- dienstberechtigten (früher Bund Deutscher Militäranwärter) hielt gestern und heute im Sprudel-Hotel feinen diesjährigen Derbands- t a g, der aus allen Teilen Hessens sehr zahlreich mit Delegierten beschickt war. In der gestrigen öffentlichen Versammlung konnte der Vorsitzende des Landesverbandes. Ministerialrevisor Dörr, Darmstadt, als Gäste zahlreiche Vertreter der Regierung, der Behörden, der Presse und der Rachbarverbände begrüßen. In herzlichen Er­widerungen dankten die Behördenvertreter für die Einladungen und gaben überzeugend ihre Sympathien für die aus der Schule des alten Heeres, der Reichswehr und der Schutzpolizeien berDorgcgangcncn pflichtbewußten Beamten kund. Cs beglückwünschten den Derbandstag mit der Versicherung, die berechtigten Forderungen der Zivildienstanwärter jederzeit zu vertreten, u. a. Staatsrat v 0 n Ciff für die hessische Regierung. Kreisdirektor R e ch t h i e n für das Kreisamt Friedberg, Beigeordneter Kissel für die Stadt Bad-Äauheim und im besonderen Auftrage von Oberbürgermeister Keller. Gießen, für den hessischen Städte tag: Sladtrat Dickler sür die Stadt Friedberg. Sanitätsrat Dr. Hahn für die Vereinigung der Bad-Rauheimer Aerzte, Postinspektor K r e u d e r. Frankfurt a. M.. für die süddeutschen Landesverbände des ReichLbun- des, Öberftcucrfelrctär Stromberger, Darm­stadt. für den Bund deutscher Reichssteuerbeamten.

Der Iungdeutsche Orden Hot Führung feine- Hochmeister- Arthur Wah- raun mit der Gründung der Dolksnationalen LLfch-vereinigung einen weiteren bedeutsamen Schritt in die praktische Politik getan, der aller­dings insofern vielleicht doch überrascht, als Mahraun und der Iungdeutsche Orden mit dem Kamps ruf.Degen den Parteiismu-s emst dem heutigen politischen System Fehde angesagt halte. Ietzt, wo man darangeht, sich ein politisches Organ zu schaffen, läuft es auch letzten EndeS auf eine Art Partei hinaus, deren Rrchtltnien, die die Gründung-Versammlung in Berlin ein­stimmig billigte, in manchem wenigstens nicht viel ander- au-sehen als die früherer Parteigrun- bungen auch. SS entspricht dem Ursprung der Dolksnationalen Reich-Vereinigung aus dem Iungdeutsche,i Orden, wenn die Richtlinien dem unberechtigten Einfluß des Geldes und wirtschaftlicher Interefsen- tengruppen auf die Auswahl der Dolksver- tretung und DollSführung schärfsten Kampf an- lagen. Zur Derfaffungsreform wird eint ReichSgliederung nach deutschen etam- mcSgebieicn bei Berücksichtigung wirtschastticher Rotwendigkeiten verlangt, zur Wahlrechts­reform gefordert, daß an Stelle des unper­sönlichen Listensystems die Wahl von PAon- lichkeiten tritt, die vom Vertrauen ihrer Wäh­ler getragen werden. Sine (tariere Sta­bilität tn den RegierungSgeschaften sucht die Dolksnationale Reichsvereinigung mit der Forderung zu erreichen, daß der Reichstag die Aeichsregierung für die Dauer der Wahl­periode deS Reichstags bestätigt. Der Bedeutung der Wirtschaft für den Staat soll durch den Ein­bau eines Selbstverwaltunaskörpers der Wirtschaft in dem politischen Staats­aufbau entsprochen werden. Dabei wird dem Staate die Pflicht auferlegt, die bodenständige nattonalbedingte Wirtschaft vor den Machtge- lüsten der Weltplutokratie zu schützen. In den Richtlinien zur Außenpolitik wird beson­derer Wert auf eine Reuregelung der deutschen Ostgrenze, auf den Anschluß Deutsch-Oesterreichs und schließlich auf eine koloniale Siedlungs- Politik gelegt zur Schaffung des für das deutsche Volk notwendigen Lebensraums. Ziel der Volks­nationalen Reichsvereinigung soll der Zusam­menschluß deutscher Staatsbürger zu einer poli­tischen Front im Sinne der Volksgemeinschast fein und durch sie eine parlamentarische Vertretung, die unter Abkehr von den bis­herigen Parteimethoden diese Forderungen ver­tritt und im politischen Leben deutsche Sitte, Ofsenhcit und Reinheit wieder zur Geltung bringt. Soweit aus den bisher vorliegenden Aus­führungen der Presse verschiedener Richtungen ersichtlich ist, hat die Gründung der Volksna­tionalen Reichsvereinigung überall eine durch­aus freundliche Aufnahme gefunden. Man wird tzun abwarten müssen, wie die Führer der neuen Partei, wenn sie sich nun Aufgaben der prak­tischen Tagespolitik zuwenden, mit dem Pfunde wuchern werden, das ihnen das Vertrauen von Hurckierttaufenden bester deutscher Staatsbürger geliehen hat, die, enttäuscht von dem herrschen­den System, dem politischen Leben bisher fern-

die Haut ist dunkelbraun getont, der Hals­schmuck blau und gelb abgeseht. Die Höhe der Büste beträgt 40 Zentimeter. Sie ist um 1360 v. Chr. entstanden.

Sie ruhte in ihrer Vergessenheit, bis kurz vor Kriegsbeginn die Deutsche Orientgesellschaft, von dem Berliner Sammler Iames Simon pekuniär gestützt, in Amarna zu graben begann. Damals war vereinbart worden, daß die gefun­denen Kunstwerke zu künstlerisch gleichen Hälften zwischen Berlin und dem Museum in Kairo auf- geteilt werden sollen, und so kam Rofretete mit ägyptischer Bewilligung nach Berlin. Rach dem Kriege aber entdeckte man in Kairo, daß die dortigen Bestände an Amarna-Kunst kümmerlich wären, und forderte die Königin, die außerdem für Aegypten historisches Interesse habe, zurück. Als sich Berlin weigerte, verhängte man über das Berliner Museum die Ausgrabungssperre. Ietzt sind die Verhandlungen auf neuer Basis wieder ausgenommen worden. Die Grabungs­sperre ist aufgehoben und Kairo bietet als Ersatz für Rofretete zwei Rachfolger an.

Der eine Mann, den wir erhalten sollen, ist der sitzende Amenophis, der Sohn des Hapu: eine 1.30 Meter hohe Plastik, die in der Kunstgeschichte ihren Ruf hat. Der andere ist R a n ü f e r, von dem es zwei ähnliche bemalte Kalksteinplastiken gibt, die beide in Sallara ge­funden wurden. Die eine stellt ihn in Lebens­größe (1,80 Meter hoch) dar. er trägt streng ge­scheiteltes Haar, ist mit einem Lendenschurz be­kleidet und hält das linke Bein ausschreitend vorgesetzt. Die Arme hängen herab und in den geballten Händen stehen die Füllungen, die tote kleine Stäbe aussehen. Die andere Plastik, fünf Zentimeter größer, stellt Ranüfer als älteren Mann mit Perücke dar. Haltung und Gesichts- ausdruck sind bei beiden Werken ähnlich. Da die beiden Statuen aus der Zeit der fünften Dy­nastie stammen (um 2500 v. Chr.), Berlin aber schon viele Zeugnisse aus der Amarnazeit besitzt, sieht die Generaldirektion der Museen hier einen und den einzig möglichen Weg, zu Kunstwerken aus der Zeit desAlten Reichs" (3200 bis 2475 v. Chr.) zu gelangen. So wird man sich also wahrscheinlich von der bunten Königin trennen. Es bleibt uns ihr Gatte, jener Amenophis-Echna- ton, es bleiben uns noch manche Zeugnisse seiner Zeit. Wenn wir für die Königin nun hochwertige Werke einer bei uns noch kaum vertretenen Epoche eintauschen, so kann uns das lieb sein. Denn ein Museum ist dazu da, Stile und Ent-

wird sehr angenehm enttäuscht und vielleicht sogar überrascht sein sofern man sich heute von tech- Nischen Dingen überhaupt noch überraschen läßt einmal durch die Klarheit und Lautstärke der Wie­dergabe. von Sprechton, Gesang, Musik und Ge­räusch ... und dann durch die bemerkenswert ge­naue und zwanglose Ucbcreinftimmung von Klang und Bild.

Dies sind ja b'.e beiden wesentlichen, neuen Ele­mente, auf die es hier ankommt. Und gerade an der erwähnten Uebereinstimmung beider Uebcrtragun- gen, an der sogenannten Synchronisierung wird man den technischen Fortschritt des Tonfilms und die Uebcrwindung der bekannten störenden Mängel des stummen Films am klarsten erkennen und sehr an­genehm empfinden.

Schon das Beiprogramm, das ebenfalls ganz auf die Doppelheit und innere Zusammengehörig­keit von Bild und Ton eingestellt ist, gibt einen interessanten Auftakt und deutet die vielseitigen neuen Möglichkeiten an.

Der TonfilmD ich hab ich geliebt, der bann den größten Teil des Program'.ns in An­spruch nimmt, interessiert nun nicht nur als be­liebiges Beispiel oder nur um der Reuheit toll- len. als etwas, was die meisten noch nicht er­lebt hatten, sondern er erweist sich auch als eine überaus geschickt und wirksam in Szene ge­setzte Schöpfung, die als selbständige Leistung in­teressiert und mehr als das ein großes Publikum in ihren Bann zieht.

Eine Herzcnsgeschichte, die sich aus dem stets beliebten Milieu des Theaters heraus entwickelt, operettenmäßig beginnt, etwas schleppend in Gang kommt, dann aber sich zu dramatischen Konflikten steigert, um in einem mit aufatmen­der Befriedigung erlebten happy end sehr rüh­rend auszuklingen.

Sonny boy" hat entschieden Schule gemacht, und es sind wenn man's auch im Dunkeln nur ahnen konnte sicher an diesem Abend im ganzen Theater viele ehrliche Tränen geweint worden. Ein Film aber ober ein Theaterstück, in dem auch vor dem Vorhang geweint wird, ist immer oder fast immer ein großer Erfolg.