Ausgabe 
8.12.1930
 
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Nr. 287 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, 8. Dezember 1930

Oie beste Lösung.

Die Aufgaben des neuen österreichischen Kabinetts

Don unserem D. ^.-Korrespondenten.

Wien. 5. Dez.

Der Kampf um das neue Kabinett zeigte, daß die letzten Wahlen keine Entscheidung gebracht hoben. So war es den Verhandlungen noch den Wahlen Vorbehalten, die notwendige Klärung in die österreichische Innenpolitik zu bringen. Man mußte daher mtt langen und schwierigen Verhand­lungen rechnen und die Geschichte der letzten Wochen ist reich an dramatischen Momenten.

Zunächst galt es, die Stichtage abzuwarten, die sich das Kabinett Vauaoin-Ltarhemberg für die außerparlamentarische Losung ber Regierungskrise gesetzt hatte. Nachdem diese ereignislos verlaufen waren, begann man den Versuch, das Kabinett V a u g o i n auf parlamentarischer Grundlage der Großen Koalition: der Ehristlich-Sozialeb, des Schoberblocks und des Heimatblocks, zu erhol- t e n. Dieser war aber von Hause aus zum Schei- tern verurteilt, da er dem Wahlergebnis nicht Rech- nuna trug. Die nächste Phase ist gekennzeichnet durch die Bemühungen, ein neues Kabinett Da ugo in auf Grundlage der kleinen Koalition (ohne Hcimatblock) zu bilden. Diese scheiterten an dem Widerstand des Schoberblocks, dessen Forde­rungen sich von Derhandlungsperiode zu Verhand­lungsperiode steigerten. Zwischendurch wurde neben­bei über Kombinationen verhandelt, die einem der christlich-sozialen österreichischen Landeshauptleute die Kanzlerschaft anboten

In der letzten Woche endlich wurde der Vorarl­berger Landeshauptmann Dr. E n d e r , der im Laufe der Verhandlungen bereits einmal abgelehnt hatte, beauftragt, die Verhandlungen mit den bür- Serlichen Parteien für ein Kabinett unter feiner eitung zu führen. Auch diese Verhandlungen ver- liefen außerordentlich zähe, da die Frage, ob Große oder Kleine Koalition, letztere ge­bildet durch die über eine knappe Mehrheit ver­fügende Christlich-Soziale Partei und den Schober­block, zu entscheiden war. Der Heimatblock er- klärte, nur mitmachen zu können, wenn ihm das Innenministerium verbleiben würde Bekanntlich untersteht dem Innenminister das ganze öffentliche Sicherheitswesen, also Polizei und Gendarmerie. Der Heimatblock hatte im Kabinett Vaugoin das Innen­ministerium durchaus als Etappe auf dem Wege zur Ergreifung der Macht angesehen, und die Verände­rungen im Wiener Polizeipräsidium ließen erkennen, daß man gewillt war, seine Absichten konsequent durchzuführen. Auf der anderen Seite war es ge­rade im Hinblick auf die Wiener Polizei eine conditio sine qua non für den Altbundeskanzler Schober, das Innenministerium selbst zu bean- spruchen oder zum mindesten einen Angehörigen seines Blocks übertragen zu wissen. So mußten die Verhandlungen mit dem Heimatblock ergebnislos verlaufen und der Landeshauptmann Dr. Ender bei der Personenwahl sich auf die anderen bürgerlichen Parteien beschränken.

In letzter Minute drohten die bereits so gut wie abgeschlossenen Verhandlungen zu scheitern, und zwar an der Forderung Schobers, ihm persönlich als Außenminister das Sicherheitswesen, losgelöst aus dem Innenministerium, zu unterstellen. Denn diese Forderung bot den auf dem Boden der unbedingten Koalitionsgemeinschaft und dem Hei- matblock stehenden Christlich-Sozialen eine letzte Gelegenheit, gegen die Kabinettsbildung erfolg, reich Sturm zu laufen. Schließlich nahm Schober von seiner Forderung Abstand, so daß am Mittwoch- abend das Kabinett endgültig gebildet werden konnte, das bereits vom Bundespräsidenten in Eid genommen ist.

Das Kabinett enthält durchaus bekannte Persön­lichkeiten. Bei einer Gesamtwertung kann man zu- nächst feststellen, daß SchobersWahlgemein- schaft, der nationale Wirtschastsblock und der Landbund diewichtigstenMinisterienbe- setzt hat. Seine Verhandlungen sind zunächst von Erfolg gekrönt gewesen. Damit trägt aber der Scho­berblock die Hauptverantwortung für die Lösung der Aufgaben der neuen Regierung. Bemerkenswert ist

ferner, daß der rechte Flügel'der Christ­lich - S oz i a l e n , vor allem der Wiener Kreis, unbeteiligt ist. Wohl gehört ihm der Heeres- Minister Vaugoin an, der sich jedoch nach dem Scheitern feiner Politik lediglichalsReffort- Minister betätigen dürfte. Die übrigen Christ­lich-Sozialen gehören mit Ausnahme des Landes- Hauptmanns Ender zum linker glügcl der Partei.

Die Persönlichkeit des Bundeskanzlers Ender ist wiederholt in Krisenzeiten genannt worden. Es ver­bindet sich mit ihm die Vorstellung des korrekten, tatkräftigen Staatsmannes,' der, durchaus auf dem Boden der Verfassung stehend, den konservativen Kräften des österreichischen Deutschtums in ihren demokratischen Formen Rechnung tragen will. Seine Liebe zur konservativ-demokratischen totiatsform hat ihn ja eine Zeitlang sogar für den Anschluß Vorarl­bergs an die Schweiz eintreten lassen, wohl von der Erkenntnis geleitet, daß dem Rumpfstaat Oesterreich ein unabhängiges eigenstaatliches Dasein nicht mög­lich fein dürfte. Seine eigene politische Erkenntnis sowie die realen Tatsachen ließen ihn später von die­sem Gedanken Abstand nehmen. Da jedoch die Be­weggründe seines «trebens wenn man von der außenpolitischen Garantie der Nachbarn Oesterreichs absieht im wesentlichen die gleichen geblieben sind, werden diese ihn bestimmen, im Ausbau des Zusammenschlusses Oesterreichs mit dem Deutschen Reiche, die Sicherung des alpenländischen Deutschtums zu suchen.

Die Persönlichkeit Schobers wieder bietet eine Gewähr, daß ihn dabei die übrigen Mitglieder des Kabinetts unter st ützen werden. Vizekanzler Schober hat als A u ß e n m i n i st e r die Gelegen­heit, das, was er sich als Bundeskanzler zum Ziele gesetzt hatte, die Wirtschaftseinheit zwischen Oester- reich und dem Deutschen Reiche herbeizuführen, so- weit sie bereits heute durch internationale lieberem- kommen durchführbar ist, erfolgreich zu beenden. Es ist zu erwarten, daß der H e i m a t b 1 o d, der sich bei den letzten Wahlen klar zum großdeutschen ®e- danken bekannte, die Regierung gerade in diesem Punkte tatkräftig unterstützen wird. Die Nichttell- nähme an der Negierung wird den österreichischen Heimwehren die Möglichkeit geben, ihre durch die Politik stark aufgelockerten Formationen erneut zu festigen.

Im Reiche sollte man der Regierung Ender- Schober durchaus sympathisch gegenuberstehen. Hinzu kommt, daß die wohlwollende Oppositions- Haltung des Heimatblocks sie gerade darin unter­stützen wird. Denn sie scheint für die jetzige Lage in Oesterreich tatsächlich d i e beste Lösung zu sein. Auf dem Wege nach dem>Reiche mögen ihr keine neuen Schwierigkeiten aus mißverstandener Haltung Berlins ober Wiens erstehen. Es wäre zu wünschen und es ist zu fordern, daß Berlin die Ge- legenheit einer engen Zusammenarbeit im Interesse der deutschen Aufgabe in Mitteleuropa wahrnimmt.

Der Ausbau des brilischeu Weltreichs.

Von unserem ^.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, Dezember 1930.

Verfassungen tonnen nicht hinter dem war­men Ofen gemacht werden. Regiert wird von lebenden Menschen. Verfassungen lassen sich nicht auf Bestellung liefern.

Diese Worte gab M a c d o n>a l d den Vertre­tern Indiens mit aufs Geleit,f als sie zu ihrer Komiteearbeit zusammentraten, um sich über die zukünftige Gestaltung Indiens auszusprechen. Sie sind typisch englisch. Englands Ver­fassung ist lein geschriebenes Doku­ment', in langer Entwicklung hat sich Gesetz an Gesetz gereiht, so wie es gerade der Augenblick erforderte: häufig war auch dieses nicht einmal notwendig, sondern Regierung und Parlament schlugen im gegebenen Falle einen bestimmten praktischen Weg ein und schufen damit einen Bei» sptelsfall, auf den spatere Geschlechter zurück­greifen können, wenn es angebracht erscheint. Kenntnis der Dersassungsjuristen, po ilischer In­stinkt und das Interesse des Landes haben zu- fammengettirft und werden es wieder tun, so­bald die Forderung des Tages an sie heran­tritt. Aber nicht eher. Es ist müßig, über Schwierigkeiten nachzudenken, die einmal in ferner Zukunft akut werden können. Diese Praxis hat das englische Dersassungsleben durch die Jahrhunderte hindurch bei frischem Leben er­halten unb gibt ihm eine beneidenswerte Beweg­lichkeit. Es fehlt ihm das Starre des geschrie­benen Wortes, es fehlen Bestimmungen, die man in anderen Verfassungen sieht, wie z. B. die Klauseln von einer Zweidrittel- oder Drei­viertelmehrheit, um überlebte oder niemals lebensfähige Derfassungsparagraphen zu Grabe zu tragen. Diesem Umstande ist es zum großen Teile zu danken, daß Englands Geschichte vor großen revolutionären Erschütterungen be­wahrt blieb und daß sich Großbritannien ein Weltreich aufbauen konnte, das lebt und sich lebendig weiterentwickelt.

An die protokollarische Festlegung von poli­tischen Prinzipien, wie es in Deutschland bei der Abfassung der Weimarer Verfassung ge­schehen ist, denkt in England kein Mensch. Die Bindungen würden die Hände der Minister und des Parlaments viel zu sehr fesseln, wenn ein­mal die Notwendigkeit einer Aenderung cin- treten sollte. Wir haben den Fall jetzt wieder bei der Weltreichskonferenz erlebt.

Früher hatte das englische Parlament gewissen gesetzgebenden Einfluß auf die Dominions; heute ist dies nicht mehr zeitgemäß, die Dominions Huben sich zu selbständigen Staaten entwickelt: im Parlament wird dasStatut von W e st - m i n st e r eingebracht werden, und es genügt eine einfache Mehrheit, um den Gesamtrahmen der Verfassung des englischen Weltreiches zu ändern. Hätte England ähnlich schwierige Be­stimmungen. wie die deutsche Verfassung, so wäre jedr Entwicklung abgeschnitten: das Weltreich würde erstarren und zerfallen. So aber lebt es.

Es ist natürlich, daß englische Politiker die über­lieferten und ererbten Grundsätze auch auf die an­deren Teile des englischrn Weltreiches übertragen möchten, mit denen sie harmonisch zusammenleben sollen. Auf der Weltreichskonferenz ist ihnen dies durchaus gelungen. Im Jahre 1926 waren die all- gemeinen Prinzipien verkündet, auf denen sich die ritish Commonwealth tiufbauen sollte. 1930 sprach man über Einzelfragen, die nunmehr der Regelung bedurften. Hierbei ist wieder eine Form gefunden, die der zukünftigen Entwicklung viele Möglichkeiten offen läßt. Die Dominions haben das Recht, Gesandte im Auslande zu unterhalten. Ob und wann sie es tun werden, hängt von den Bedürfnissen der Zukunft ab. Die Dominions kön­nen mit den ausländischen Mächten direkt ver­kehren. Von der weiteren Praxis wird es ab­hängen, welche ÄDnfequeruen sich hieraus ergeben. Für die Ernennung der Generalgouverneure sind allgemeine Richtlinien im Sinne des Ausbaus der Selbständigkeit der Dominions gegeben; sie wer­den sicherlich von den Großen verfolgt werden; ob ihre Anwendung im Falle der Kleineren immer praktisch sein wird, das mag die Zukunft lehren. Die Beschlüsse und Empfehlungen der Reichskon- fereng; die juristischen Untersuchungen des Sankey- Komitees, der Bericht vom Jahre 1929 30 geben zusammen eine hinreichende Unterlage ab, auf der man, falls notwendig, toei terba uen kann.

Aehnlichen Grundsätzen wird auch die eng­lisch-indische Konferenz folgen müssen. Es handelt sich hier darum, einem Kontinent, der mehr als 300 Millionen Menschen beherbergt, eine Lebensform zu geben, die auf lange Jahre hinaus das Schicksal Dritisch-Indiens und der indischen Fürstenstaaten, von Hindus und Moslems und unzähligen anderen Religionsgemeinschaften, von Rassen aller Art, von hohen und niedrigen Kasten,

Das neue Röntgen-Denkmal In Lennep (Westfalens wo 1845 der große Physiker das Licht der Welt erblickte, wurde feierlich eingeweiht. Wilhelm Conrad von Röntgen Nobelpreisträger 1901, lehrte von 1879 bis 1885 in Gießen; die Asche des 1923 verstorbene« Gelehrten wurde vor einigen Jahren auf dem hiesigen Allen Friedhof beigesetzt.

von Dauern und Industriearbeitern, kurz und gut von einem bunten Gewirr von Menschen beftimmt, wie wir es in unserem Europa nicht kennen; außerdem soll dieses Gebilde noch in die richtige« Beziehungen zu England und zum e glischen Welt­reiche gesetzt werden. Eine gigantisch erscheinend« Aufgabe! Sie kann im Lause einer Konferenz nun in großen Zügen gelöst werden; es genügt, wen« gewisse allgemeine Grundlagen ge­schaffen werden, aus denen sich dann die weiter« Entwicklung historisch, den jeweiligen Bedürfnissen! folgend, auf bauen kann. Dieses richtig erkannt z« haben, ist unzweifelhaft das Verdienst von Sir John Simon, so sehr auch sein DerfassungS- bericht von den Indem angegriffen wird. Simo« hat, trotz aller Opposition, so nachhaltig gewirkt, daß fein Kemgedanke, nämlich das indische Pro­blem auf dem föderativen Wege zu lösen, allgemein von den Vertretern Drttisch-Inblensl und, zur Ueberraschung aller, auch von den indi­schen Fürsten a n g e n o m m e n ist. Wie es kommt, daß deren Absichten den leitenden Stellen bis zum letzten Augenblicke unbekannt waren, ist eine Sacho für sich; anscheinend hat hier die englische Bureaa- kratie versagt. Sie scheint die psychologische Um­wandlung, die in Indien in den letzten fünf bis! sechs Jahren vor sich gegangen ist, nicht voll ver­standen unb etwas die Fühlung mit dem indisches Volke verloren zu haben.

Die allgemeine Aussprache in der ersten Woche der Konferenz hat viel dazu bei getragen, den Kontakt zwischen Indien und London wieder herzustellen: sie wäre sicherlich noch frucht­barer gewesen, wenn die indischen Na­tionalisten mit nach London gekommen wä­ren: sie hätten sich unter dem Eindruck der Ent­fremdung von England anderweitig entschlossen, scheinen jetzt aber, soweit man den aus Indien kommenden Berichten entnehmen kann, angesichts der veränderten Lage doch ihre Entscheidung selbst zu bedauern. Die auf der Konferenz ge­schaffene Atmosphäre wird England zugute lom* men, und, wenn es weise handelt, letzten Endes auch Indien. Den ersten Erfolg konnte man schon am Ende der ersten Woche sehen. Es bestand dis

Giehener Giadttheaier.

Der Bcttcr aus Dingsda."

Einer der ersten Erfolge des Komponisten Eduard K ü n n e k e , von dem wir am Freitag denTeiwr der Herzogin" hörten, warDer Vetter aus Dingsda", Operette in drei Akten von Haller und Rideamus, cm Werk, das textlich und musikalisch erheblich schlichter und anspruchsloser wirkt als der sehr modern instrumentierte und ausgestatteteTenor". Der Vetter" bevorzugt die romantisch-sentimentale Richtung und bewahrt durch alle drei Akte hin­durch einen volksstückartigen, singspielmähigen Charakter, der allenfalls im Miltelakt einige opernhafte Akzente erhält.

Die fangbare, geschmeidige Partitur, die einige hübsche und verhältnismäßig bekanntgewordene GesangSnummern aufweist, hilft der mit aus­führlichen Sprechszenen und Intermezzi verzier­ten Handlung, welche an sich für eine Operette kaum ausreicht, mit Glück bis zur Vereinigung der beiden jungen Paare und zum letzten Vor­hang.

Der operettenmätzige Konflikt ergibt sich aus der Verwechslung des seit Jahren sehnsüchtig er­warteten Detters aus Dingsda mit einem frem­den Wandervogel, der von ungefähr von der Landstraße weg in den Park des Schlosses de Weert gerät, wo sich die junge Julia in Sehnsucht nach ihrem fernen Geliebten verzehrt. Zum Glück ist noch eine muntere Freundin bei der Hand, damit das uralte, immer wieder auf die Bühne gebrachte Vepwechslungsspiel der bei­den liebenden Paare beginnen kann. Onkel und Tante Kuhbrodt, von denen Julia bis zur Groß­jährigkeit betreut wird, zwei Diener und junger Herr von Wildenhagen, der die undankbare RÄle des fünften Rades am Wagen zu spielen hat, sorgen für die heiteren Episoden.

Die Operette ist für sonntägliche Fremdenvor­stellungen durchaus nicht ungeeignet, verlangt aber eine sorgfällige und liebevolle Einstudierung und ein straffes und belebtes Spiel. Die Auf­führung der Vereinigten Operettenbühnen Dochum- Kamborn Inszenierung. Spielleitung und Tänze:

Direktor Theo Bachenheimer: musikalische Leitung: Kapellmeister Wilhelm Bachenhei- Heimer war indessen eine recht mäßige An­gelegenheit; sie konnte allenfalls musikalisch be­friedigen, ließ aber szenisch und darstellerisch er­heblich zu wünschen ü&rtg. Einsätze und Zu­sammenspiel klappten nicht, der Text kam vielfach holprig und nur mit weithin hörbarer Unter­stützung der Souffleuse heraus.

Man sollte doch gerade bei Fremdenvorstel­lungen, auf deren propagandistische Bedeutung mit Recht hingewiesen wird. Wert darauf legen, anständige und szenisch einwandfreie Ausführun­gen herauszubringen. Derart unfertige und offen­bar im letzten Augenblick arrangierte Gastspiele sind entschieden keine Empfehlung für unser Theater.

Die Julia de Weert fang Erna Wigger recht angenehm; Georg Winter gab den Detter mit gutem Einsatz, aber nicht überall rein in der hohen Lage. Das zweite Pärchen spielten Anne­liese Kerting und Heinz Dirneburg: das Ehepaar Kuhbrodt: Otto Kraatz und Nuschi Wiesner.

Das Haus war schwach besetzt. Den nächsten. Fremdenvorstellungen sind besserer Besuch und bessere Aufführungen dringend zu wünschen.

hth.

Abenteuer mit Elchen.

Es ist bekannt daß sich dank der Schutzmaß­nahmen die Zahl der Elche in der ostpreußischen Memelniederung, besonders in den eigentlichen Elchrevieren Nemonien, Ibenhorst und Tawelling- ken in erfreulicher Weise vermehrt hat. Nicht selten kommt es vor, daß einzelne Elche oder kleine Trupps die eigentlichen Elchreviere verlassen und sich auf Ausflüge" begeben. So lief vor kurzem ein Elch auf der Chaussee Ruß-Hehde- krug vor einem Autobus her, der natürlich mit Rücksicht auf ihn langsamer fuhr, bis mitten in das durch Herrmann Sudermann weitbekannte Städtchen Heydekrug hinein, wo er in gemüt­lichem Trabe durch die Hauptverkehrsstraße strolchte und ihm eine Schar ostpreuhifcher Jun­gens mit Halloh das Geleit gab, bis er im Dun­kel des. Abends freies Feld erreichte. Bei UH--

lofnen im Memelgebiet geriet ein junger Elch­bulle in einen Torfstich, aus dem er sich nicht mehr befreien konnte. Zwei Dorfleute aus Uh- löknen zogen ihn heraus und brachten ihn, da er stark erschöpft war, auf einem Schlitten nach Hause, wo sie ihm in einem Kuhstall so lange Obdach gewährten, bis er sich genügend erholt hatte und wieder in die Freiheit zurückkehren konnte. In der Gartensiedlung Sandlauken im samländischen Kreise Fischhausen setzte ein Elch aus dem nahen Walde mit einem mächtigen Sprung über den Gartenzaun und bedrängte eine im Garten arbeitende Frau. Diese flüchtete schließlich in ein Gasthaus. Der kapitale Elch folgte ihr auf die Gasthausveranda unb versuchte, von dort eben­falls in die Gaststube zu gelangen. Rur sein Ge­weih und seine Gröhe hinderten ihn daran, worauf er friedlich abzog. Die Bewohner des Hauses, sogar die des ersten Stockwerkes, waren inzwischen in den Keller geflüchtet.

Dor einigen Jahren wurde ein Photograph der im Bredschuller Bloor (im Kreise Niederung- Elche auf freier Wildbahn photographieren wollte, von einem mächtigen Elchhirsch angegriffen; der Photograph muhte schließlich auf einen hohen Baum flüchten, worauf der Elch diesen Baum mit seinem Geweih unb mit den Dorderhusen bear­beitete. Da der Baum morsch war, rettete sich ber Photograph auf einen starken Ast des be­nachbarten fräftigen Ahornbaumes. Auch das bekannte Ostseebad Cranz an der Samlandküste, in dessen Nähe sich oft Elche zeigen, hat schon manchmal den Besuch von Elchen erhalten. 1927 kam ein Elch sogar bis in das Stadtgebiet von Königsberg der Hauptstadt Ostpreuhens, in die nächste Nachbarschaft des Neuen Luisenkirchen- Friedhofs. Kurz vorher überschwamm in Cabiau, unmittelbar beim Pregel-Wasserwerl, eine Elch­kuh den Pregel. In den Dörfern des Memel- Deltas sind Clchbesuche nichts Seltenes; sie zei­gen sich hier im allgemeinen sehr zutraulich und jagten in einigen Fällen große Dorfhunde, von denen sie angegriffen wurden, mit erstaunlicher Tapferkeit in die Flucht.

Witze im Wolkenkratzer.

Zwei Freunde find nach Amerika ausgewandert. Da gerade verschiedene Kongresse in Neuyork tag­ten, fanden sie kein Hotelzimmer. Derzweifelt ka­men sie spät nachts zu einem Wvllenkratzer-Hotel.

Entmutigt fragten sie den Portier, ob er noch ein Zimmer frei hätte.

Da haben Sie Glück, ein Zimmer mit zwei Betten ist noch im fünfzigsten Stock frei, aber der Fahrstuhl geht nicht mehr."

Wie werden wir raufkommen? fragt der eine den anderen.

Ich werde dir Witze erzählen, dabei wird schon die Zeit vergehen."

Die Ditze des einen Freundes reichten aber nur bis zum 40. Stockwerk.

Gut, werde ich dir einige Witze erzählen! sprach der andere.

Und so kamen sie zum 48., 49., 50. Stock. Oben angelangt, sagte der eine der Freunde:

Jetzt werde ich dir einen Witz erzählen, da wirst du wirllich lachen: Ich habe die Schlüssel unten liegengelaffen.

(Lust. Bl)

Sochschulnachnchlen.

Der ordentliche Professor Dr. Fedor Schneider in F r a n k f u r t a. M hat einen Ruf auf den Lehr­stuhl der mittleren Geschichte in Freiburg i. B. erhalten. Der durch die Berufung von Professor Pietrusky nach Bonn an der Universität Halle erledigte Lehrstuhl der gerichtlichen Medizin ist beut ordentlichen Professor Dr. Willy Dorkastner in Frankfurt a. M. angeboten worden. Der Berliner Prioatdozent Dr. Heinz Hopf hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Mathematik an der Universität Freiburg i. B. erhalten. Zur Wiederbesetzung des durch Professor von Haderers Weggang erledigten Lehrstuhles der Chirurgie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf ist ein Ruf an Professor Dr. Emil Karl Frey an der Universität Berlin ergangen. Der durch Ab­leben von Professor Jos. Marquart an der Universität Berlin erledigte Lehrstuhl der iranischen Philo­logie ist dem Ordinarius an der Leipziger Uni­versität, Dr. Hans Heinrich S ch a e d e r angeboten worden. Zur Wiederbesetzung des Lehrstuhls der Kirchengeschichte in der evangelisch-theologischen Fa­kultät der Universität Breslau ist ein Ruf an Professor Lic. Dr. Hans fieube in Leipzig er- ?angen. Der in der evangelisch-theologischen Fa- ultät der Universität Bonn erledigte Lehrstuhl der Kirchengeschichte ist dem Prioatdozenten Lic. theol, Ernst Wolf in Rostock angeboten worden.