Ausgabe 
8.7.1930
 
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Nr. 157 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 8. Juli 1930

Oie Sünde

der Senate Mercandin.

ZRomnn von Fred Nelius

14 ^ortlehunu Wadjörud verboten

Um Gottes willen ..stöhnte sie.Nicht dos ... nicht das."

Er zitterte. Schauer überliefen ihn. Eine Welle glühte durch ihn hin. Sein Schicksal.

Er kühle wild ihre Hand und trank ihren Duft, ihre Sühigkeit. Prehte seine Sehnsucht, seine Sinne, seine Sünde in die zarte Haut.

Ich habe Sie so lieb. Bis zum Wahnsinn hab' ich Sie lieb."

Sie rih sich los und hielt beide Hände an die Ohren, um nichts mehr zu hören. Sie wollte gehen, aocr ihre Fühe versagten. Da nahm er wieder ihre beiden Hände.

Haben Sie Erbarmen", sagte er.Ich weih, ich durfte das nicht sagen, und Sie dürfen das nicht hören. Dennoch es ist stärker als ich selost. Es nimmt die Vernunft aus dem Gehirn. Und ich kann nicht anders. Liebe, liebe gnädige Frau--

Seine Lippen waren dicht an ihrem Ohr. Er empfand den Duft der Haut, des Haares ... fühlte ihren Atem dicht an sich vorüberstreifen.

Vergeben Sie mir meine Worte und und"

Plötzlich prehte er die Lippen auf das duftige Gewirr der Haare, auf die Wangen und den Mund.

Schwindlig und taumelnd stand sie an die Tür gelehnt. Ihre Augen schlossen sich. Ihr Kopf fiel hintenüber. Sie fühlte ihre Knie zittern. Sekundenlang war alle Sicherung und Selbst­beherrschung in ihr ausgeschaltet. Dann kam sie zur Vernunft.

Sie stich ihn hart zurück. Die Spannung löste sich in trockenem Schluchzen und in einem Strom von Tränen. Der Atem stieß, und ihre Brust hob und senkte sich.

Wortlos drehte sic sich ab. Sie ging.

Griebenow hob nochmals seine Hand und streckte sie ins Leere. Seine Finger spreizten und verkrampften sich in irrem, wirrem Spiel.

Er blieb stehen. Wie im Traum. Er wollte etwas sagen. Setzte an.

Liebe gnädige Frau--

Seine Stimme zerbrach

Der Mai und Iuni gingen dahin. Die Hitze lag bedrückend in den Straßen. Säfte kochten in den Bäumen. Früh stieg die Sonne an dem Himmel und trieb die Morgcnnebel auseinander. Ter Mittag flammte. Endlos dämmerten die Abendstunden.

Die langen Tage, die nicht sterben wollten, quälten Griebenow. Abends sah er oft beim Wein. Er versuchte seinen Qualen dadurch zu entrinnen, daß er andere Frauen suchte. Es gelang ihm nicht. Das Verlangen wurde kraft­los und erstarb, wenn er die Nähe einer an­dern fühlte.

Am schlimmsten aber war es in der Nacht ... in diesen langen, duftend schwülen Sommer­nächten.

Der Mond schlich an sein Bett und bedeckte ihn mit seinem Silbermantel. Diese Nächte, die unendlich reich an Silber und an Blumten- düften waren, flüsterten und raunten. Sie seufzten oft. Die Sehnsucht schrie im Blut. Die Pulse sangen, und die Schläfen dröhnten vor Verlangen nach Frau Mercandin.

Er sah sie überall. Er empfand ihren Duft und ihren Atem, die Seligkeit und Süße ihrer Lippen.

Wenn er seine Augen schloß, erstand sie vor ihm ... die florverhangenen, weitgeschnittenen Augen, das Goldgespinst der Haare und der schlanke, mädchcnzarte Körper.

Wie ein Wahnbild war das um ihn. Tag und Nacht ... *

Im Iuni war Frau Mercandin aus Baden- Baden heimgckehrt. Ein paar Tage blieb sie in Berlin. Griebenow bemühte sich vergeblich, sie in dieser Zeit zu sehen oder gar zu sprechen. Es gelang ihm nicht. Einmal sah er flüchtig ihre blonden Haare und den lichten Schimmer ihres Kleides, als sie in das Auto stieg. Er wollte nach ... sie begrüßen ... einen Blick von ihr erhaschen. Es war zu spät. Die Tür des Wagens fiel bereits ins Schloß. Der Motor sprang an.

Nun waren Mercandins in Bruckenberg. Beide! Der Prosessor hatte Griebenow die Lei­tung und Vertretung in der Klinik übergeben. Cs war stille Zeit. Der von wildem Wein um­sponnene Gartenbau der Klinik stand fast leer. Ein paar Herren und zwei Damen lagen täglich in den langen Liege st üh len unterhalb des Laub- gcwindes hoher Bäume ausgestreckt. Auch die Fürstin Tschaidsc war nocb da. Häufig sah sie abends spät bis in die Nacht mit Griebenow zusammen. Dann erzählte sie. Sie wußte viel. Eie verstand die seinste Schwingung in der Seele eines andern. Manchmal schwiegen sie und träumten in den Silbermond hinaus. Der Springbrunnen im Garten rauschte. Zeit ver­floß in Nichts.

Renate Mercandin ...! Eines Tages war ein kurzer Kartengruh aus Drückenberg gekommen. Er trug die Handschrift des Professors Mer­candin. Unter dessen Namen stand der ihre. Die Bäume rauschten, und die Sonne flirrte, und die Vögel sangen: Rena ... Rena ... Frau Renate Mercandin--

Die Zeit ging hin. Berlin lag ausgestorben. Wer der Hiheglut entrinnen konnte, tat es. Auch die Klinik war fast leer. Eines Tages verschwand die Fürstin Tschaidse aus der Klinik. Sie hatte alle ihre Sachen dort gelassen. Als das Zim­mermädchen morgens bei ihr eintrat, war das Bett noch unberührt. Die Kleider hingen in den Schränken, und die Wäsche lag in der Kom­mode. Nur die Fürstin Tschaidse war und blieb verschwunden.

Griebenow befürchtete ein Unglück. Er setzte die Polizei in Kenntnis und Heß sich telepho­nisch mit Professor Mercandin verbinden. Mer­candin bat Griebenow, sofort nach Brückenberg zu kommen. Er müsse ihn persönlich sprechen.

Der nächste Zug nach Hirschberg ging am Spätnachmittag. Ob er dann noch Anschluß an die Kleinbahn nach Krummhübel hinauf erlangen konnte, war sehr zweifelhaft. Aber das war gleich. Er packte einen kleinen Koster und fuhr persönlich nach der Polizei. Man hatte dort noch immer keine Ahnung vom Verbleib der Fürstin. Tie Sache war und blieb ein Rätsel.

Um fünf Uhr führte Griebenow der Zug Frau Mercandin entgegen.

Langsam klomm der Wagen die Straße über Krummhübel nach Vrückenberg hinauf. Weit bog sich Griebenow hinaus und atmete die Mor­genlust. Erwartung spannte seine Brust. Dies war die Heimat. Drüben - greifbar fast die Koppe. Das Observatorium und die Kapelle rechts. Die deutsche Baude links, -.cngsherum, weit, weit und hoch der Kamm mit seinen schrun­digen Hängen und dem Firn der Gipfel. Vor ihm auf den grünen Matten hingestreut lagen die Gebirgshäuser von Brückenberg. Weiter unten, malerisch gelagert, Krummhübel. Rechts im Tal der Pfasfcnberg. Tie Ortschaft Steinseif­fen daneben, dann Arnsberg und ganz hinten wenn man seine Blicke wandte Schmiedeberg, die kleine heimatliche Bergstadt.

Musik erklang. Die Fenster an demGol­denen Frieden" waren weit geöffnet. Touristen standen am Portal. Lachend winkte Griebenow hinüber. 2llle Müdigkeit siel ab. Ter Wagen rollte durch das Lomnihtal. Vorbei an Walo- haus. Nun grenzte die Gemeinde Gebirgsbau­den. Höher, immer höher ging es. Endlich war man da. Der Wagen hielt.

InSanssouci" fand Griebenow ein Zimmer reserviert. Dom Pförtner erfuhr er, daß Pro­fessor Mercandin den Früh^ug über Hirschberg nach (Berlin genommen habe. Was soll das? dachte Griebenow. Warum ruft er mich denn her? Er fragte nach Frau Mercandin.Die gnädige Frau ist nach dem Frühstück in den Wald gegangen", sagte der Pförtner.

Sollte er sie suchen? Er entschloß sich, im Hotel zu warten. Er begab sicht in fein Zimmer,

Turnen, Sport und Spiel.

Gaulunisest des Gaues Hessen D.T. in Kirchhain.

o Die Einleitung des 57. Gauturnfestes fand am Samstagabend bei großer (Beteiligung der Einwohnerschaft auf dem altertümlichen Marktplatz statt. Landrat Beaucamp sprach zugleich im Auftrag des Regierungspräsidenten Dr. Frledensburg, Bürgermeister Metzler im Namen der Feststadt und Dr. Drücke für den Turnverein. Der erste Gauvertreter Artur Pfeiffer (Wetzlar) würdigte die anerkennen­den Ausführungen der Vorredner und wies auf die Hindenburgstaffel der mittelrheinischen Tur­ner am 20. Iuli hin. Unter stürmischem Beifall überreichte er dem altbewährten und weithin bekannten Turner Altbürgermeister Heinrich Grün den Ehrenbrief der Deutschen Turner­schaft. Auf dem Festplah standen die Meister- schastskämpfc an den Geräten im Mittelpunkt der turnerischen und geselligen Veranstaltungen des Abends. Nach einem Feldgottesdienst durch den Kreisjugendpsarrcr Fischer (Kirchhain) brachte der Sonntag zunächst die Wettkämpfe in den verschiedenen Stufen unter Leitung des Gauobertumwarts Wilh. Will (Gießen), am Nachmittag einen eindrucksvollen Festzug und wohlgelungene allgemeine Freiübungen in einem Felde von 550 Turnern, zugleich mit einer feier­lichen Ehrung der Gefallenen. Die Sieger­verkündigung wurde erstmals auf die ersten drei Siegcr jeder Gruppe beschränkt. Dem ersten Sieger des Gauwettkampses, Paul G ö t s ch (Marburg), wurde eine besondere Ehre zuerkannt, bei der Hindenburgstaffel als Schlußläufer des Hauptlaufes Marburg über Gießen nach Wies­baden mitzuwirken. Etwa 50 Musterriegen aus Gauvereinen und ein Sondervolkstumen brach­ten die turnerische Festsolge zum Abschluß. Der Montag gehörte der Feststadt und ihren Schulen. Nachstehend geben wir einen

Auszug aus der Siegerliste.

Meisterschaftskämpse: 15 Teilnehmer. (Die erste Hebung am Reck, (Barren und Pferd des Zwölfkampfes der Oberstufe, dazu eine Kür­übung. Körperschule, eine Kür-, Frei- oder Handgeräteübung.) (Red, 8 Meldungen, 1. Sie­ger Richard Seth, Tv. Grohen-Linden, 76 P. 2. Adoii Fink, T. u. Spv. Marburg, 75 P. 3. A. Ahrenz, Tgde. Marburg, 58 P. B a r - ren, 11 Meldungen, 1. Sieger Adolf Fink, T. u. Spv. Marburg, 76 P. 2. Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 73 P. 3. Paul Götsch, T. u. Spv. Marburg, 69 P Pferd, 7 Mel­dungen, 1. Sieger Gotthard Kühn, T. u. Spv. Marburg, 69 P. 2. Adolf Fink, T. u. Spv. Mar­burg, 68 P. 3. Walter Siegmann, Tv. Alsfeld, 57 P. - Körperschule, 5 Meldungen, 1. Sieger Paul Götsch. T. u. Spv. Marburg, 74 P. 2. Adolf Fink, T. u. Spv. Marburg, 70 P.

- Sondervorführung: Tv. Grünberg, eine Riege in Körperschule, 50'/» P-, sehr gut.

Oberstufe Zwölfkampf: (je zwei Pflicht- unö eine Kürübung am Reck und Barren, eine Pflicht- und Kürübung am Pferd, eine Frei­übung, Hochsvrung, Kugelstoßen. 100-Meter- Lauf). 240 bis 160 Punkte. 30 Teilnehmer, 26 Sieger, l. Sieger Paul Götsch, T. u. Spv. Marburg, 224 P. 2. Fritz Wcitershaus, Tv. Großen-Linden, 216 P. 3. Karl Schick, Tv. 1846 Gießen, 206 P. 8. Wilhelm Weiß und Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 198 P.

11. Ernst Köhne, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 185 P. 13. Heinrich Schaaf, Tv. Treis a. d. Lda., 178 P. 14. Albert Leun, Tv. Großen-Linden, 177 P. 15. Wilhelm Hofmann, Tv. Krofdorf, 174 P. 17. Otto Bcpler, Tv. Heuchelheim, 170 P. 18. Karl Würtz, Tv. Krofdorf, 167 P. 19. Heinrich Zammcrt, M t v. G i e ß e n, 165 P. 20. Wilhelm Röhrsheim, Tv. Krofdorf, 164 P. Zehnkampf (die Geräteübungen des Zwölf­kampfes mit einer zusätzlichen Hebung am Pferd und eine Freiübung) 200 bis 140 Punkte. Ehren­sieger Adolf Fink, T. u. Spv. Marburg, 180 P. 1. Sieger Adolf Ahrenz, Tgde. Marburg, 171 P. 2. Franz Reufchling, Tv. Heuchelheim, und Walter Siegmann, Tv. Alsfeld, 156 P. 3. Willi Strauch, M t v. Gießen, 151 P.

Mittelstufe Zwölfkampf (je zwei Pflicht- und eine Kürübung am Reck und Pferd, eine Pflichl- und eine Kurübung am Barren, eine Freiübung, Hochsprung, Kugelstoßen, 100°Meter-Laus). 240160 Punkte, 45 Teilnehmer, 41 Sieger. 1. Sieger Hch. Stein, To. Lauterbach, 208 P. 2. Peter Becker, T v. 1 8 4 6 G i e n , 195 P. 3. Otto Textor, T.- u. Sp.-B. 1860 Marburg, 193 P. 4. Wilh. Stühler, Tv. Hungen, 190 P. 5. Willi Dem und Wilh. Dreier, To. Lang-Göns, Hch. Hettche, Tv. Treis a. d. Lda., 184 P. 12. Hermann Werner, Tv. Ober-Widders­heim und Richard Frank, To. Grünberg, 175 P. 14. Hch. Falk, Tv. Hungen, und Karl Bolz, Tv. Lich, 173 P. 16. Friedrich Wenderoth, Id. 1846 Gießen , 170 P. 22. Richard Laux, Tv. Leihgestern, 161 Punkte.

Unterstufe Zwölfkampf (wie Mittelstufe in entsprechender Abwandlung, gleiche Punktgren- den). 302 Teilnehmer, 225 Sieger. 1. Sieger Karl Gehringer, To. Grünberg, und Ferdinand Sprengel, To. 1846 Bad-Nauheim, 213 P. 2. Karl Schlicht, Tv. Wetzlar-Niedergirmes, 211 P. 3. Albert Reeh, Tv. Krofdorf, 210 P. 5. Otto S t a h l, T v. 1846 Gie­ßen, 207 P. 7. Hch. Jung, To. Lützellinden, 205 P. 8. Ernst Rinn, Tv. Krofdorf, 204 P. 9. Otto Kern, T v. 1 8 4 6 Gießen, Wilh. Hofmann, Tv. Hun­gen, und Richard Dreier, To. Lang-Göns, 203 P. 10. Wilh. Straub, Tv. 1846 Gießen, und Heinrich Marten, Tv. .Klein-Linden, 202 P. 11. Ernst Stengel, Tv. Großen-Linden, 201 P. 15. Karl Reitz- schmidt, Tv. Eberstadt, 197 P. 17. Richard Belten, Tv. Leihgestern, 195 P. 19. Matthies, Tv. Grünberg, Hermann Walter, Tv. Lich, und Erwin Müll, Tv. Lang-Göns, 193 P. 20. Adolf Leib, Tv. Krofdorf, und Hch. Trutig, Tv. Hungen, 192 P. 23. Rudolf Jung II, Tv. Klein-Linden, und Wilhelm Kehr, To. Treis a. d. Lda., 189 P. 25. Hch. Rinn, Tv. Heuchel­heim, und Georg Schwan, Mtv. Gießen, 186 P. 26. Richard Steinmüller, Tv. Klein-Linden, und Karl Jung, To. Großen-Linden, 185 P. 27. Wilh. Weller und Otto Rinn, To. Heuchelheim, Karl Ullen- berger, Tv. Hungen, 184 P. 29. Richard R i tz , M t v. Gießen, Hans Bogt, Hermann Dinges und Hch. Herbert, Tv. 1 8 4 6 Gießen, Ernst Em­merich, Tv. Hungen, Ernst Engel, Tv. Grüningen, 182 P. 31. Ludwig Herbert, T o. 1 846 Gie­ßen, und Gustav Rausch, Tv. Langsdorf, 180 P. 32. Erich Ploch, T v. 1 84 6 Gießen, 179 P. 33. Max Hardt, Tv. 1846 Gießen, Adolf Ninnemann, To. Lich, Albert Heyer, Tv. Krofdorf, 178 P. 34. Walter Schimmel, Tv. Heuchelheim, 177 P. 35. Kurt Drescher, Tv. Klein-Linden, und Erwin Katz, Tv. Münzenberg, 176 P. 36. Wilh. Schäfer, To. Treis a. d. Lda., 175 P. 37. Wilh. Müller, Tv. Klein-

Linden, Paul Werle, To. Nidda, Wilh. Gerhard, Tv. Hungen, 174 P. 38. Willi Junker, To. Lich, Kurt Faber, Tv. Großen-Linden, 173 P. 39. Adolf Rühl, Tv. Echzell, Fritz Hermann, Tv. Lich, Karl Schön­dorf, Tv. 1 8 4 6 Gießen, Paul Kuhl, To. Langsdorf, 172 P. 40. Rudolf Jung I, To. Klein-Lin­den, 171 P. 41. Karl Weber, Tv Heuchelheim, Karl Hahn, To. Großen-Buseck, Ernst Block, To. Betten­hausen, 170 P. 42. Willi Koch, To. Grünberg, 169 P. 43. Friedr. Brünk, To. 1 8 4 6 Gießen, Karl Steuernagel, To. Lich, 163 P. 44. Ludwig Lotz, Id. 1846 Gießen, Wilh. Fey, To. Klein-Linden, 167 P. 45. Willi Menges, To. Lich, Hch. Merz, Tv. 1859 Nidda, 166 P. 46. Karl H a p p i ch t, T v. 1 8 4 6 Gießen, 165 P. 47. Karl Schäfer, T v. 1 8 46 Gießen, 164 P. 48. Hch Reitz, Tv. Eber­stadt, Albert Jäger, Tv. Grüningen, 163 P. 49. Au- gust Müller, To. Klein-Linden, 162 P. 50. Hch. Dap. per, To. Grünberg, 161 Punkte.

Wettkämpse der Aeltcren. 1. Al­tersklasse, 3545 Iahre alt (je eine Pflicht» und Kürübung am Reck, Barren und Pferd, eine Freiübung, Hochsprung und Kugelstoßen): Höchst­leistung 180 Punkte, Mindestleistung 120 P. 26 Teilnehmer, 25 Sieger. 1. Sieg Hans Thöt,

Tv. Alsseld. 172 P 2. Otto Meier, Tv. 1860 Bad-Nauhcim, 166 P. 3 Hch. Post. Tv. AlS- seld, 161 P. 8. Wilh. Keßler, Tv. Lang-GönL, 149 P. 10. Emil Wagner, Tv. Krosdorf, 144 P 12. Kaspar Euler, Tv. Treis a. d. Lda., 141 P. 13. Wilhelm Volk, Tv. Großen-Linden. 139 P. 14. Georg Bellos, Tv. 1 846 Gie­ßen, 136 P. 15. Ernst Bender, Tv. Krosdorf. 135 P. 19. Gustav Pfeiffer. T v. 1846 Gießen, 124 P. 2. Altersklasse, übet 45 Iahre alt (wie oben in entsprechender Ab­wandlung), 180120 Punkte. 1. Sieger Ernst Iung, Tv. 1 846 Gießen, 149 P. 2. Hch. Amend, Tv. Krosdorf, 146 P. 3. Bernhard Pfeffer, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 143 P. 5. An­dreas Gaßmann, Tgde. Marburg, und Willi Heues, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 138 P. 7. Mar­tin Lorenz, Tv. Bad-Nauheim, 132 P

Fechten der Altmannen: 15 Teilneh­mer, 8 Sieger. 1. Sieger Peter Pfeffer, Tv. 1860 Bad-Nauheim. 2. Rudolf Malehkc. T. u. Spv. 1846 Butzbach. 3. Hans Mulch, Tv. Wetzlar. 4. Robert Schauh, Tv. Wetzlar. 5. Arthur Sei­bert, Tv. Wetzlar.

Gau-Sommerfest des Bundes Deutscher Radfahrer Lahngau.

£ Wieseck, 8. Juli. Born Samstag bis Montag stand unser Dorf im Zeichen des Radsportes. Der Radfahreroer ein 19 0 0 feierte sein 3 0 - jähriges Stiftungsfest und verband damit dasGau-SommerfestdesBundesDeut- scher Radfahrer (Lahngau). Samstagabend begannen die Borwcttbewerbe und Radballspiele. Leider verzögerte sich die Festeröffnung durch ein schweres Gewitter, das am Spätnachmittag nieder- gmg. Der von der Gemeinde neuhergerichtete Fest­platz hat die Probe bestanden und er war trotz des starken Regens benutzbar. Dann bewegte sich ein Festzug durch den Ort. Nach Eintreffen auf dem Festplatz begrüßte der Vorsitzende Friedr. Kling die Sportsfreunde, Ortsvereine und Einwohner. Herr Häßler vom RadfahrervereinTeutonia" Krof­dorf übergab dem Radfahrerverein 1900 Wiefeck das Gaubanner und verband damit den Wunsch, daß das Banner in Wiefeck einen würdigen Platz finden möge. Ihm dankte der Vorsitzende Kling und er versprach dem Banner den ersten Platz im 'Verein einzuräumen. Fräulein Kaiser überreichte im Namen der Damen des Vereins eine Fahnenschleife. Mit Konzert der Kapelle M a n k und Gesangsvor- trägen der einheimischen Gesangvereine, wobei schöne Chöre gut vorgetragen wurden, schloß der Samstag­abend. Am Sonntagmorgen wurden die Dorwett­bewerbe fortgesetzt, die sich bis mittags hinzogen. Gegen 14 Uhr bewegte sich der Festzug durch den Ort. Es war ein farbenfrohes Bild. Einzelne Ver­eine zeigten wirklich das Beste, besonders war es der Radfahrerverein Aschaffenburg, der als einziger Verein im Schmuckkorso fuhr. Auch fehlte das histo­rische Fahrrad nicht. Der Nachmittag brachte nun die Entscheidungen, und es wurden wie am Bormittag schöne Leistungen geboten. Alles zu erwähnen ist nicht möglich, jedoch sollen die Kunstfahrer mit ihren ganz vorzüglichen Leistungen nicht unerwähnt blei­ben. Das Motorradgeschicklichkeitsfahren auf dem Festplatz kam nicht voll zur Entwicklung, da das Festplatzgelände durch die Unebenheiten sich für

derartige Borführungen noch nicht eignet. Abends fand die Preisverteilung statt: hierbei wurden wert­volle Gegenstände verteilt. Die Ergebnisse der einzelnen Wettbewerbe sind: P r e i s k o r s o : Gruppe A: 1. Preis Radfahrerverein 1885 Gießen: 2. Preis Radfahrerverein 1890 Alsfeld. Gruppe C: 1. Preis RadklubTeutonia" Krofdorf: 2. Preis Radfahreroerin 1926 Alsfeld: 3. Preis Radfahrer- vereinSchwalbe" Aßlar. Gruppe D (Jugend): 1. Preis Radfahrerverein 1887 Wetzlar: 2. Preis Rad­fahrerverein 1900 Wiefeck: 3. Preis Radfahrerverein Schwalbe" Aßlar: 4. Preis Radfahrerverein 1885 Gießen. Gruppe E: 1. Preis RadfahrervereinAll- Heil" Alten-Bufeck. Schmuckkorso: 1. Preis Radfahrerverein Aschaffenburg. Sechser Schul- reigen: 1. Preis Radfahrerverein 1885 Gießen; 2. Preis Radfahrerverein 1900 Wiefeck Achter Schulreigen: 1. Preis zweite Mannschaft Gie- ßen 1885 ; 2. Preis erste Mannschaft Gießen 1885; 3. Preis Radfahrerverein 1890 Alsfeld. Achter Schmuckreigen.- 1. Preis erste Mannschaft Rad­fahrerverein Aschaffenburg; 2. Preis zweite Mann­schaft Aschaffenburg: 3. Preis Radfahrerverein 1885 Gießen. Sechser Jugendreigen: 1. Preis Radfahrerverein 1885 Gießen, 2. Preis Radfahrer­verein 1900 Wiefeck. Sechser K u n st r e i g e n: 1. Preis Radklub 1885 Marburg, 10,7 Punkte. Einer Kun st fahren : 1. Preis Walter Göbel, Wetzlar, 260,1 Punkte: 2. Preis Reinhold Schmidt, Wetzlar, 245 Punkte. Zweier Kunstfahren: 1. Preis Radfahrerverein 1887 Wetzlar (Noack und Schmidt), 213,4 Punkte. Zweier Radball: Klasse A: 1. Preis RadklubGermania" Gießen; 2. Preis Radfahrerverein 1885 Gießen. Klasse B: 1. Preis zweite Mannschaft Radfahrerverein 1885 Gießen, 2. Preis dritte Mannschaft 1885 Gießen; 3. Preis RadklubTeutonia" Krofdorf. Dreier Radball: 1. Preis erste Mannschaft Radfahrer- verein 1885 Gießen; 2. Preis zweite Mannschaft 1885 Gießen: 3. Preis RadklubGermania" Gießen. Zweier Jugendradball: 1. Preis Radfoh-

um den Anzug herzurichten. Danach setzte er sich in die Halle, mit dem Blick zum Tal.

Die große Halle war fast leer. Kellner räum­ten Kaffeetassen und Schokoladekannen ab, tru­gen Honignäpfe oder Marmelade ich ölen. Ein Ehepaar las illustrierte Blätter. Kinder mit frisierten Köpfen sahen noch mit ihren Bonnen an dem Nebentisch.

Griebenow bestellte Kaffee. Frühstückte und wollte rauchen. Indes er spielte mit dem Streich­holz, ohne es in Brand zu sehen.

Lange saß er so. Manchmal glitt sein Blick nach draußen, seltsam fahrig, losgelöst von kon­zentriertem Denken.

Wie ein Schleier wob sich goldner Duft da unten durch die Täler. Weit, schier ohne Grenzen ging von hier der Blick. In dem Sonnenglast versank er wie in träumcgoldner Ferne. Zwerg­haft klein erschienen Dörfer und die Häuser.

Eine Stunde war vergangen ... Frau Mer­candin noch nicht gekommen. Griebenow erhob sich und ging auf die Straße. Er blieb stehen und fah sich um. Aus der Straße wimmelten Touristen, Gelvanne fuhren bergwärts. Autos surrten huvenkreischend nach dem Tal. Iodler, Lautenllänge und Gesang ertönten. Dann er­wachte jäh das Sonntagsgtöckchen von der Kirche Wang bim ... bam ... bim ... bam. 2a ... nein ...

Ia ... durchfuhr es Griebenow. Er wandte sich um und stieg den'Waldpfad nach der Kirche Wang hinauf.

Es war märchcnstill und schweigsam in dem Hochwald. Nur die Amsel schlug betörend. Zwi­schen dem Cestämme glitzerte die Sonne. Griebe­now blieb sichen und schloß die A^gen. Er fühlte unbegreifliches Verlangen, sich in Farn und Moos zu werten und die Stirn an die kühle Rinde eines Baumes zu pressen. Hnrast trieb ihn weiter. Langsam stieg er wieder auf dem Hochpsad bergwärts. Endlich war er da.

Der Stolz von Brückenberg ist die Kirche Wang. Eine fromme Frau, die Gräfin Reden, Witwe des Staatsministers Graf von Reden in Duchwald bei Fischbach, hatte das Kirchlein, ein Prachtstück nordisch-romanischen Holzbaustils aus aschgrauer Vorzeit, in seiner nordischen« Heimat gesehen und in die schlesischen Berge verpflanzt. Auf Vorschlag der Gräsin lieh König Friedrich Wilhelm IV. im Iahre 1841 die ganz aus Kiefernholz gefertigte Kirche zu Wong am kleinen Mjösen in Valdres in Norwegen an» kaufen und hoch oben im Riefengebirge als evangelische Pfarrkirche Brückenbergs aut bauen. Hnd nun träumte die Dergtirche hier oben im Hochwaldschatten von ferner nordischer Heimat. Zwei hohe, wundervoll geschnitzte Drachenköpfe oben am Giebel schauten weithin in das deutsche Gebirgstal. (Fortsetzung folgt)