Ausgabe 
8.5.1930
 
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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)

Nr. 107 Zweites Blatt

Donnerstag, 8. Mai 1050

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kühlen Dach. Der (Strauß löste sich auf und die welken Anemonen trieben einzeln und langsam bachab. Er sah ihnen nach und machte im

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stillen jenem Wanderer, den er nicht Dorwürfe.

Da droben stehen ja noch Tausende hörte er ihn in Gedanken antworten.

Da deutete er vorwurfsvoll auf die

Professor Ur. Heinrich Brandt In Aachen hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Mathematik an der Universität Halle al» Nachfolger von H. Hasse an« genommen.

schwimmenden Dlumen und vergaß einen Augen­blick ganz, das; er ja allein war.

dessen zahnloser Mund und haarloser Kopf den Anschein erwecken, als ob cS sich um ein belle- r deS in-

und ost gegangen, und auf allen diesen Matten, allen diesen Mäuerchen hatte er einsame,

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Steuerzahlung. Seine Hoffnung setzte er da- nicht auf einzelne einflustreiche Schichten indischen DolkeS, auf die Kaufleute oder auf Drahmanen, fondern auf die große Masse ___ hungernden Kleinbauern, denen in manchen Provinzen 60 Prozent ihrer Ernte weggesteuert

warme Rasten gehalten. Kein Meierhof, kein Kreuzweg, kein Olivengarten, den er nicht kannte und mit dem ihn nicht irgendeine kleine Er­innerung verband.

Er sah auch die Anemonen, seine Lieblinge. Er dachte daran, wieviele Tausend von ihnen jetzt wieder von seinen Landsleuten gepflückt und zertreten wurden. Er gruhte die Dlumen mit warmem Dlick und nickte ihnen zu.

Als er sich Settignanb näherte, sah er jenen welken Straust aus der staubigen Straste wteder. Er fluchte grimmig.

Bande, elende! Da schwärmen sie für Fra Angelico, die Idioten, und mit den Blumen gehen sie um wie Säue!

Er war schon ein paar Schritte weitergegan­gen. Da kehrte er wieder um, hob die Blumen von der Straste auf und suchte, ob noch un- verwelkte darunter waren. Rein, alle waren verdorben.

Gr wollte den Straust wieder wegwerfen, be­sann sich aber und nahm ihn bis zur naben

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gegen England im blutigen Aufstand nichts auS- richten kann, und er predigte deshalb den pasfi- Wldcrstand, den Boykott, die Verweigerung

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Oer Heilige derHindus.

Äon Or. Klaus Collenberg

Das verächtliche Wortnative, .Eingebo­rener", charakterisiert der Hochmut, den noch der letzte Engländer empfindet, wenn er von den far­bigen Untertanen in den Kolonien spricht. Den­noch hat daS größte Kolonialreich der Welt, ha­ben Minister, Lords und ein Dlzekönlg Monate gezögert, einen solchennative verhaften §u lassen, trotzdem er Aum Widerstand gegen die Staatsgewalt, zum Bruch der Gesetze, zum mil­lionenfachen Zusammenschluß gegen die bestehende britische Herrschaft aufgefordert hat. Für die Tötung eines Inders wird ein englischer Kolo­nialbeamter gewöhnlich au 100 Rupien Geld­strafe verurteilt Aber dieselben Gerichte, die das Leben eines Inders so gering schätzen, wagen sich nicht an jenen besitzlosen Mann, dessen mH Haut überspanntes Knochengerippe, nackt und nur mit einem Lendenschurz bekleidet,

Hessen-NassauischeS Wörterbuch.

Heber die Arbeiten an diesem groben Heimat­werke im Jahre 1929 berichtet In den SihimgS- berichten der Preustischen Akademie der Wlssen- schasten Frau Prosessor Dr. Luise Berthold im Austrag von Prosessor Dr. *23 r e b e:

Don dem Hessen-Rassauischen Dolkswörterbuch wurde im Berichtsjahr die dritte Liefe­rung (lesen bi- luppchen) au-gegeben. 3m übri­gen schritt die Wörterbucharbeit aus den bis­herigen Bahnen weiter. War die Zahl der Eingänge in diesem Jahre geringer al- im vori­gen, so waren anderseits unter ihnen besonder- wertvolle. wie z. B. die Einsendung von Frau Düst er dehn (F. Renting) für Höchst, Lehrer Jacob für WillerSdvrs (ftr. Frankenberg). La- nitätsrat Link für LierShahn (Unterwcsterwald- kreiS). Die Auszettelung gedruckter und un- gedruckter Dlalekiliteratur, unter der ungedruck'.e Dissertationen eine wichtige Rolle spielen, konnte gerade im Berichtsjahr besonder- gefördert wer­den. In der Zahl der revidierten Apparatzettel, die inzwischen 230 000 überschreitet, wird sich dies allerdings erst im nächsten Jahre ausdrücken.

Besonderer Dank gilt auch diesmal den stän- digen Helsern, d. h. den im Bericht über 1926 erwähnten Schülern WredeS und sodann den meist schon im vorjährigen Bericht genannten Herren Hauptlehrer Abel (für Hilde«-), Mit­telschullehrer Kappu- (sür Weisel), Lehrer Risseler (für Hergcs-Dvgtel), Taubstummen­oberlehrer R u p p e l (sür Reulirchen), Lehrer t. R Schäfer (für DenSberg), Studien­assessor Dr Schudt (für Wetterfeld), Schulrat i. R. Schwalm (für ObcrgrenAcbacb), sowie Frau Arndt (für Eitelborn). Autrichtiger Dank gebührt ferner den zahlreichen Lehrern, die uns trotz ihrer Derus-last die vielen von der Au-ar- beitung geforderten Einzelansragen immer wieder beantworteten. Auch in diesem Jahr unter­stützte die Presse die wissenschaftlichen Arbeiten durch Abdruck von Werbeartikcln. durch Bespre­chungen deS Dolk-wörterbuchS und durch kosten­lose Xlcbcrlaflung von Heimatbeilagen.

Ständige Hilssarbeit leistete dem Wörterbuch im abgclaufencn Jahr außer der Berichterstat­terin noch Frl. Dr. B r e t s ch n e i d e r, diese allerdings leider mit verkürzter Arbeit-zeit, die überwiegend durch do« mühsame Borbereiten und Zeichnen der Karten für die Publikation beansprucht wurde. Zeitweise waren sür dos Wörterbuch tätig die Herren Eorvlnus, Bl- bliothekSrat Dr. Martin. Dr. Wenzel, stuck. Bischofs stuck. hrer. stud. D utzmann, stuck. Eckhardt.

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Hochschulnacbrichten.

Der Privatdozent an der Universität Munster, Dr. Wilhelm Pfannen st iel ist beauftragt worden, in der Medizinischen Fakultät der Uni» versität Marburg an der Lohn Im Sommer» semester 1930 die Hygiene In Vorlesungen und Ucbungcn zu vertreten. Es sind ernannt worden: der o. Prosessor Dr. Leo Spitzer von der Uni­versität Marburg zum Ordinarius der roma­nischen Philologie un der Universität Köln als Nachfolger von Professor S. Larck: der nichtbeamtete a. o. Prosessor Dr. iheol. ct jur. Franz Kescher in Köln zum ordentlichen Professor des Kirchenrechts in der katholisch-theologischen Fakultät Breslau als Nachsolger von Prosessor F. Triebs: der o. o. Professor Lr. Walter Hückel in Freiburg i. B. zum ordentlichen Professor der Chemie an der Uni- versität Greifswald als Nachfolger von Prof. B. Helferich. Der Züricher Mathematiker Pro- feffor Dr. Hermann Weyl hot den an ihn ergange­nen Ruf auf den durch den Rücktritt des Geh. Rats David Hilbert an der Universität (Böttingen er­ledigten Lehrstuhl der Mathematik angenommen.

zu gehen. Die Stadt verschwindet, man sicht bald weder Häuser noch Menschen mehr. Rur bunte Rühen, ergrünende Felder, satte Wiesen und ernste, schöne Bergzüge, dazwischen einsam und grau das sonderbare Sch lost Dincigliata in seinem dürren, jungen Radelwald. Dem Wan­derer ward in der Seele wohl,' jeder blühende Baum erfreute ihn, und jede am Hügelkamm auf- tauchende Zypresse entzückte ihn durch ihr herrlich energisches Emporlodern und ihre klassische Sil­houette. DaS Schönste aber sah er zuletzt.

Das waren die Anenmonen. Sie sind sreilich nichts ausschließlich Toskanisches, man findet sic überall, aber sie gedeihen hier besonders üppig und sind hier schöner als der ganze übrige Früh­ling zusammen. Sie sind blau, rot, weih, gelb und violett. Sie haben große runde Blüten und bedecken ganze Fluren. Sie lachen, ohne Spie­lerei, sie lachensieh, eS lacht die Aul" Sie schauen so staunend, offen und selig in die Welt wie Kinder. Sie machen die Wiesen zu frohen, bunt gewirkten Teppick-en, man sieht sie auf zahllosen toskanischen Bildern des Quattro­cento, deren süßen, kindlichen Liebreiz sie cr-

Als der junge Tourist auS Deutschland die Anemonen sah, war er wieder entzückt. Er stürzte sich auf sie und brach ganze Hände voll davon ab. Er freute sich schon, sie in seinem Zimmer zu sehen, in dem Stübchen am Lun- garno, zwischen dem Gipsabguß deS Robbiaschen Bambino und der großen Photographie der Madonna Granduca. Er freute sich, einige da­von zu pressen und näch Hause zu schicken, mit ein paar italienischen Worten als Gruß auS der Eiltä dei flori.

Dann marschierte er weiter, ließ Dincigliata liegen und strebte Settignano zu. Die unge­wohnte Wärme und der erschlasfende Fruh- lingsduft machten ihn schließlich still und müde. Bor Scttiqnano sprang ihm ein Blumenmäd­chen entgegen mit einem großen Anemonenstrauß.

Prcnda, Signore, prenda!

Er hielt ihr lächelnd feinen eigenen Strauß entgegen. Da sah er erst, daß der Straust gaiu verwelkt war. Anemonen sind vergänglich. 11 nb er warf sie bedauernd weg und kaufte dem Mädchen seine frischen Blumen ab.

Eine halbe Stunde später schritt ein zweiter Wanderer denselben Weg. Auch ein Deutscher, nur wenig älter, aber weniger begeistert. Ihn machte die Sonne nicht müde Ihn umtlangen nicht die 21 amen der Medici. Er kannte sie wohl, vom alten Pater patriae bis auf die grostherzogliche Sippschaft herab. Er war auch einmal in ihrem Bann gestanden. Doch waren ihm seither allerlei andere Dinge viel wichtiger geworden.

Den schonen Frühling aber liebte er nicht weniger alö jener Jüngere, der vor ihm die Straße gegangen war. Gr kannte hier jede

biges Exemplar auS dem Millionenhee bischen Proletariats handelt: an Gai . .

Mahatma, den Heiligen, der häßlicher ist, als eS

über, daß die Bestimmungen über den 5-llßr* Ladenschluß am Heiligen Abend nicht überall eingehalten worden seien. Dlelsoch seien die Geschäfte wohl um 5 Uhr geschlossen worden, doch seien die Angestellten noch länger mit Ausräumungsarbeiten beschädigt gewesen.

Dei den Wahlen zum Bezirksvor­stand wurden die seitherigen Rkitgileder durch Zurus wiedergewählt, hinzugewählt wurde Frl. Wittich, Rkarburg. für die Gruppe der weib­lichen Angestellten. Ein Vorschlag, den Vorstand durch Zuwahl der OrtSgruppenvorsitzenden zu erweitern, wurde nicht gutgebeißen. Gaujugend- sührer D r o st, Frankfurt a. M. berichtete über die Ergebnisse deS I u g e n d w e 11 k a m p s e S und sprach der Jugendarbeit im Bezirk seine Anerkennung au-.

ES wurde sodann eine Reihe von Anträ­gen sür den 0qu» und den Bundes- tag besprochen. Ein Antrag Butzbach, die Al­te r S h i l s e bei Vollendung deS 65. Lebens­jahres ohne Rücksicht auf die Höhe der An­gestelltenrente zu gewähren, wurde abgelehnt, dagegen wurde ein weiterer Antrag, die Ein- kommenSgrenze für den Bezug der AlterShilsa zu erhöhen, gutgebeißen. Ebenso wurde einem Antrag Butzbachs zugestimmt, wonach den G. d. A.-Vertretern im Angestelltenan-schuß aus­gegeben werden soll, sich dasür einzusehen, daß die Altersgrenze bei der Ange- st e l l t e n v e r s 1 ch e r u n g auf 60 Jahre herab­gesetzt wird, daß außerdem eine Erhöhung der StelgerungSsähe eintritt. Ein Antrag von Bad-Rauheim, dort aus Anlaß des Aebu- jäßrigen Bestehens de« Verbandes eine größere Bezirks- bzw. Gauseier zu veranstalten, wurde mit Rücksicht auf die ungünstigen wirtschaftlichen Berhältnlsse nicht empfohlen, dagegen sollen lokale Gründungsfeiern möglichst mit WerbungScharakter durchgeführt werden.

Für den Bezirksverband selbst kamen zur Be­sprechung: Drei Anträge von Bad-Rauheim, von denen einer wegen Errichtung einer besonderen GclchäitLstelle für die Krankenkasse zurückgezogen, ein weiterer zur Erweiterung der DezlrkSge- schäftSstellc dem Vorstand zur Bearbeitung über» lassen, während bezüglich der beantragten Ab­haltung von jährlich zwei DezlrkStagungen be­schlossen wurde, neben einer Bezirkstagung noch eine Arbeitstagung abzuhalten. Ein Antrag Marburg aus Erhöhung der Beiträge wurde zu­rückgezogen. Als Ort der nächsten BezirkStagung wurde Butzbach bestimmt.

wird, und auf das entstehende Industrieprole­tariat. Um daS Wort zu finden, das die Herzen dieser Menschen rührt, muß er einer der ihren werden. So verzichtete er auf jeden Besitz und lebte in äußerster Armut. Wie ein Kull nährte er sich nur von einer Handvoll Reis und webte sich sein Gewand und die Matte, auf der er schläft, abends selbst am Webstubl. Seine näch­sten Anhänger müssen ebenso asketisch wie der Meister leben, und eS ist erschütternd, mit welcher Ossenheit er vor der Öffentlichkeit Verfehlungen seines nächsten KrciseS zugibt. Vor einiger Zeit schrieb er über seine eigene Frau: .Ich lebte in dem Glauben, daß ihr Leben keinen Makel aus­weise: sie hatte sich verpflichtet, auf jeden irdi­schen Besitz zu verzichten, aber sie hat dennoch 200 Rupien gespart. Darauf versprach sie reuig Besserung, wurde aber bald wieder rückfällig urio sparte auf« neue. Ich halte ihre Reue für echt, und sie hat mir fest versprochen, sich von mir

europäische Augen ertragen können.

Schweren Herzen« haben sich die Engländer nun doch entschlossen, Gandhi zu verhaften. Sie toiffeit, daß fic dadurch die Unruhen in Indien nicht beilegen, sondern verstärken. IedeSmal. wenn Gandhi eingesperrt wurde, entsachte die« die politischen Leidenschaften seiner Anhänger, und die CBereßrung de« ganzen Volke« für den Märtyrer wuchs. Zuletzt wurde Gandhi im März vorigen IahreS in Kalkutta verhaftet: er hatte dort eine große Volksversammlung clnberufcn, in der er eindringlich zum Boykott aller eng­lischen Textilien auf forderte: am Schluß seiner Rede riet er seinen Anhängern, alle ausländischen Stosse, deren sie in der Stadt Habhast werden könnten, zusammenzutragen und auf einem Schei­terhaufen zu verbrennen. Bald türmten sich Kleidungsstücke und Gewebe aller Art, und ol­der Haufen in Brand gesetzt worden war, eilte die Polizei herbei, um daS Feuer zu löschen. Aber die Polizisten wurden mit wildern Geheul und mit Steinwürfen empfangen: man mußte berittene Truppen einsehen, eße eS gelang, die Flammen zu löschen, die Menge zu zerstreuen und Gandhi mit seinem Sekretär abzufuhren. Die Hast währte nur kurze Zeit, weil die Behörden fürchteten, daß mit jedem Tage, den man Gandhi langer im Gefängnis hielt, der Aufruhr im Lande stei­gen könne. Roch 1922 hatte inan eS gewagt, Gandhi zu einer fecMiäbrigen Gefängnisstrafe zu verurteilen und tatsächlich einzusperren. Wenn er auch nicht die ganze Strafe verbüßte, so mußte er doch zwei Jahre hinter Gefängnismauem ^erbringen, und er wurde dann im Februar 1924 unter dem Dorwand entlassen, daß er sich von den Folgen einer Operation erholen müsse.

Richt immer ist Gandhi ein so erbitterter Feind der Engländer gewesen. Mobamda« Karam- tschand Gandhi stammt auS einer Beamtens a- milie; fein Vater war Ehef der Verwaltung eine- kleinen Fürstentum« an der indischen West­küste, und die Familie bestimmte, daß der Sohn, der am 2. Oktober 1869 geboren worden war, Rechtsanwalt werden sollte. Rach juristischen Studien in Indien ging er an die Londoner Universität und versuchte dort, sich in die Kul­tur des Abendlandes einzuleben. Aber er hatte Grundsätze, die den Derkehr mit Europäern er­schwerten. AIS frommer Hindu verschmähte Gandhi den Genuß von Fleisch, Eiern und Fischen, und er wurde deshalb von englischen Studenten ost verspottet. Um sich in den Rahmen

der englischen Gesellschaft einzusügen, ließ sich der junge Gandhi Anzüge von den vornehmsten Lon­doner Schneidern machen, erlernte die schwere Kunst, Schlipse zu binden, und besuchte einen TanzkursuS. Dald mußte er jedoch die Erfah­rung machen, daß er trotz diesem Entgegenkom- men nicht al« .Gentleman' angesehen wurde. So verzichtete er auf die modische Ausstattung, be­schrankte sich aus da- RechtSstudium und ließ sich nach bestandenem Examen in Bombay als Advokat nieder. Die Praxis war gut und der junge Anwalt schien sich in die bürgerliche Ge­sellschaft eingegliedert zu haben. AuS jener Zeit weiß man nichts, waS auf eine Feindschaft ge­gen die Engländer schließen läßt. Wenn Gandhi von Gewalttätigkeiten der britischen Verwaltung horte, so hielt er das für einzelne Uebergriffa.

Au« dem überfüllten Indien ergießt sich stän­dig ein breiter Strom von Auswanderern in daS südliche und östliche Afrika. Richt nur KuliS suchen dort eine neue Heimat, Kaufleute ziehen ebenfalls hinüber, und als Anwalt feiner Lands­leute wanderte auch Gandhi nach Südafrika au«. .Meine erste Berührung mit britischen Behörden in Südafrika im Jahre 1893 war nicht glück­licher Ratur", erklärte Gandhi dem Gericht, vor das er Im Jahre 1922 gestellt wurde. »Ich mußte die Entdeckung machen, daß ich als Mensch und Inder rechtlos war oder vielmehr, daß mir meine Rechte als Mensch verkürzt wurden, weil ich Inder war. Doch ließ ich mich dadurch nicht abschrecken. Ich hielt fest an dem Glauben, daß eS sich in den Fällen schlechter Behandlung um Auswüchse eines System« handele, da« In seinen Grundzügen richtig war." Zunächst blieb er der treue Untertan der britischen Krone, al« der er nach Afrika gegangen war. Während deS Duren- aufstandcS im Jahre 1899 bot er der britischen Regierung seine Dienste an, organisierte sreiwil- lig eine Sanitätsabteilung und nahm sogar an mehreren Gefechten teil. Im Jahre 1906, al« die ZuluS in Aufruhr gerieten, tat sich der in­dische Rechtsanwalt in der Krankenpflege so her­vor, daß er mit Orden ausgezeichnet und sein Raine sogar in mehreren Kampfberichten genannt wurde. Gandhi glaubte damals noch, daß die Inder Gleichberechtigung mit den Engländern erlangen könnten, ivenn sie sie durch die Tat von ihrer freundlichen Gesinnung zu überzeugen vermochten. Im Jahre 1914 kehrte er nach In­dien heim und bildete auch dort eine Sanitäts­abteilung für die englischen Truppen: selbst im Jahre 1918 setzte er sich noch sür die Engländer ein und warb für die Aufstellung eines indischen Armeekorps, nachdem Lord Chelmsford auf einer Konferenz in Delhi die Rotwendigkeit neuer Hilfstruppen für die britische KricgSsührung bar­gelegt hatte.

Die Engländer, ein sparsame- Volk, wenn eS sich um die Gewährung von Geld zur Linde­rung indischer Hungersnöte oder zur Ausrottung von Pest und Eholcra in dieser Kolonie handelt, waren verschwcndcnlch, wenn man von ihnen Versprechungen verlangte, Verheißungen auf eine schönere Zukunft. Immer wieder wurden größere Freiheiten, politische Rechte, die Dominialver- sassung für die nächsten Jahre in Aussicht gestellt. Aber Gandhi glaubte ihnen nicht mehr und wurde nun vom loyalen Untertanen zum Re­volutionär. Er wußte, daß ein Volk ohne Wafsen

Jrühlinosblumen.

23on Hermann Hesse.

Kennt ihr den Frühling von Florenz? Wenn am Viale die Rosen au knospen beginnen? Wenn die weichen Hügel hinan in lichter Woge die zärtliche Röte der Obstblüte fliegt? Wenn Schlüs­selblumen und gelbe Rarzissen die fröhlichen Wiesen ganz mit Gold überziehen?

Da« ist schönI Diese Tage, da die schwarzen Zypressen sich in den ersten warmen Lüsten wiegen! Diese heißen Mittagstunden, wenn die Mauern de« Hügelpsades leis zu glühen begin­nen und die erste warme Rast auf durchsonnten Zinnen winkt! Wie dann die Erde sich reckt und glänzt: wie da die fernen Berge immer blauer und sehnlicher herüber streben, bis euer Herz voll treibend süßen WandersieberS wird.

Heber Ziesole leuchtete ein Mittag, sonnig beiß, mit blankgefiederter Bläue. Deilchenmäd- dxn lärmten in den Gassen, farbig gekleidete Fremde trieben sich in römischen Theatern herum. In dem warmen, steilen Sträßchen, das von der Piazza zum Kloster führt, faßen Strohslechte- rinnen und arbeiteten im Freien. Auf der AuS- fichtsbank am Mäuerchen droben war allerlei Leben, Kinder viele blonde darunter lagen und spielten int Gras, jeden Augenblick bereit, aufzuspringen, wehmütige Gesichter zu machen und zu betteln. Ein paar Hausierweiber mit Strohwaren für die Touristen standen erwar­tungsvoll dabei, und hart an der Mauer halte ein hübscher Bursche sein Fernrohr aufgeftelli, durch welches man für zwei Soldi jede« Haus von Florenz bis zur Torre del Gallo hinüber sehen kann. Die schöne Zwlllingszypresse um» strömte lei« ein wohlig warmer Wind.

Vom Kloster herab kam ein junger Deutscher gegangen. Alle« an ihm war Freude und Be­geisterung, sein Gang wiegte sich freudig, feine Augen glänzten, seine Arme waren in erregter Dewegung. Es ist nicht anders, wenn ein junger Rordländer zum erstenmal Fiesole im Frühling sicht. Ihr könnt ihm ansehen, daß er an Lorenzo den Prächtigen, an Jakob Durckhardt und an Böcklin und zugleich mit halbem Mitleid an die ferne Heimat denkt. Run tritt er mit beiden Füßen da« Land, von dem er seit Knaben zelten gehört und gelesen und geschwärmt hat! Run liegt zu seinen Füßen Florenz, die Heimat der Kunst, und rings umdrängen ihn Hügel, Dillen, Gärten mit ihrer großen Geschichte und mit ihrer großen Schönheit.

Er fühlt, daß er noch nicht in die Stadt zu­rückkehren und heute überhaupt nichts tun bars als schlendern und wandern, wie der herrliche Tag es verlangt. Also bummelt er durch Fiesole, kauft sich ein paar Orangen und schlägt den Höhenweg nach Settignano ein.

Es lohnt sich Wohl, im Frühjahr diesen Weg

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au trennen, wenn sie sich je wieder einer solchen Jkrirrung schuldig machen sollte"

Rur ein Mann, der so makello« wie Gandhi lebt, konnte es sich erlauben, gegen ba« indisch« Kastenwesen auf au treten, das die Einigung des indischen Volkes hindert, und sich für die 60 Mil­lionen .Unberührbaren" einzusehen, die Paria«, mit denen kein Hindu in Berührung kommen darf. Es gibt heute in Indien viele Gegner Gandhi«, aber niemand wagt die Reinheit sei­nes Strebens anzuzweifeln, und auch seine Feind« wissen, daß dieser Wann, mag er nun offen in Versammlungen reden oder für seine ileberjeu- gung im Gesängni« schmachten, al« anerkannter Führer der indischen Mallen die Seele des Widerstände« gegen die britische Fremdherrschaft ist Seine Ikrbaflung bemcift nur. wie gefähr­lich die Laae für die britische Verwaltung in der letzten Zeit geworden ist.

Am Sonntagvormittag sand tm Restaurant Hopseld dahier eine Tagung de« Bezirk« O b e r h essen -Lahngau -DiNkreiS dc« GewerkschastSbundcS der Ange­stellten statt. Bon den 16 Ortsgruppen deS Bezirk« waren 14 vertreten.

DeAlrkSvorsltzender L. Zecher, Gießen, der die Verhandlungen leitete, begrüßte die Erschie­nenen. InSbcsonocre den Vertreter deS Gau- vorstandeS, Röhre, Frankfurt a. M. und den Gaujugendsekretär D r o st, Zranksurt a. M.

BezirksgeschäslS'citcr M a ck. Gießen, erstattete zunächst Bericht über die Tätigkeit der G c- s ch ä f t « ft c 11 e im Jahre 1929. Er erläuterte dabei die Bestrebungen zur Schaffung einer Ein­heitsorganisation für die Angestellten, berichtete über die Tarifbewegung und die hierbei cr- Alcltcn Erfolge, entwarf ein Bild über die RechtS- schuhtätlgkelt deS Bezirksverbande« und gab Kenntnis von der Mttgliederbewcgung Inner­halb desselben, die einen erfreulichen Auf­schwung zeige. Er schilderte kurz die Forderungen deS G. d. A. auf dem Gebiete bet Angestellten­bewegung und der Sozialgesetzgebung, und trat der Ausfassung entgegen, daß hierdurch eine Knebelung der Wirtschaft zu befürchten fei.

Hieran schloffen fid) die Berichte der Ortsgruppen Biedenkopf, Butzbach, Dillen­burg. Friedberg. Gießen, Lollar, Marburg, Bad- Rauheim, Weilburg, Wetzlar, die durchweg eine rege Tätigkeit erkennen ließen. (Gießen hat bei- fplclsweise, abgesehen von einem wesentlichen Mitgliederzuwach«, gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung der Zahl der Lehrlinge von über 100 Proz. zu verzeichnen.)

Sodann berichtete BezirkSvorsitzender Zecher, Gießen, über die allgemeine DczirkS- arbeit. Ihm wurde in Anerkennung seiner großen Verdienste um den Bezirksverband ein Geschenk überreicht. DezlrkSkassier Schesfler, Wetzlar, erstattete den Kassenbericht. Hiernach betragen die Einnahmen in 1929: 1464,24 Mk., die Ausgaben 1121,08 Mk. DezirkSjugendwart R Matht«, Wetzlar, gab einen ilebcrblid über die rege Tätigkeit der einzelnen Jugend- gruppen, die am 18. Mai aus dem Gleiberg zu einem Bezirksjugendtag zusammentresfen.

In der Aussprache bekundete zunächst Gau- vorstandSmitglied Röhre, Frankfurt a. M. feine Anerkennung für die innerhalb de« BezirkS- verbandeS geleistete Arbeit, die fid) in dem regen Leben der einzelnen Ortsgruppen au«- wirke. Ein Vertreter auS Butzbach klagte dar-