kann. Ich kann mich dem heute weitgehenden Ausgabendefaitismus nicht anfchließen. Die Aus- gabendrosfelung ist eine Frage des Mutes des Parlaments und setzt allerdings voraus, daß die Parteien für sich darauf verzichten, diesen oder jenen Etat für unantastbar zu erklären und die Möglichkeit einer Ausgabensenkung immer nur bei den Etats au sehen, die ihnen und den hinter ihnen stehenden Wählerschichten weniger am Herzen liegen. Ich gebe allerdings 311,_ daß zahlreiche Abstriche für 1930 noch nicht möglich sein werden, weil sie zur Zeit noch durch gesetzliche Bindungen zwangsläufig sind. Eine energische Finanzreform in der aufgezeigten Richtung wird deshalb nicht möglich sein, wenn sich jetzt der Reichstag schnellstens dazu entschließt, diese sogenannten Zwangsläufigkeiten unserer Gesetze, die heute noch der Ausgabenminderung in zahlreichen Positionen des Etats entgegen» standen, erheblich aufzulockern.
Oie Flottenkonserenz.
Außenpolitische Umschau.
Äon Dr. Otto Hoehsch, 0. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. Ä.
So sehr uns nun im Innern der Kampf um den Voungplan beschäftigt, für die andere Seite ist die Frage der endgültigen finanziellen Regelung abgeschlossen, sie will zunächst davon nichts mehr hören. Denn alle drei Hauptmächte sind jetzt auf Wochen hinaus neben den inneren Aufgaben aufs stärkste durch die Flottenkonferenz in Anspruch genommen. Rach der Pariser Auffassung ist da jetzt eine „erste Etappe" erreicht. Das ist richtig, und richtig ist auch, daß darin Frankreich Boden erobert und es durch das Geschick seiner Delegation verstanden hat, aus der Isolierung herauszukommen. Richtig ist, daß das durch Zugeständnisse Englands möglich wurde, mit denen sich England vom englisch-amerikanischen Gesamtplan entfernte und also seinerseits die Bereinigten Staaten isolierte. Obwohl viele Mühe auf die Vorbereitung der Konferenz verwandt wurde, sind die von ihr berührten Interessen doch so groß, so vielgestaltig und so verwickelt, daß die Vorbereitung gar nicht für alles vorsorgen konnte. Dazu kommt die weite Entfernung der amerikanischen Delegation von Washington (es zeigt sich, daß Telegraph und Telephon eben doch nicht alles leisten können) und dah sie — worauf wir öfter hinwiesen — unter Gesamtmängeln der amerikanischen Diplomatie überhaupt leidet. Diese sieht die Dinge und die Linien immer zu ein* * f a ch und sie verfügt nicht über genügend geschulte Kräfte, die sich Männern wie Briand und dem immer größeres Format annehmenden Tardieu gegenüber behaupten können.
Von Krisen und dergleichen aber zu sprechen ist noch viel zu früh. Die Konferenz wird lange dauern, und beide Initiatoren, Mac Donald und Hoover, wissen, was für sie auf dem Spiel steht. Für beide ist die Lage in der inneren Politik so schwierig, dah sie beide unbedingt einen wirklich grohen sinnfälligen Erfolg in der Auhen- politck brauchen.
In Kürze nur sei das herausgehoben, was die „erste Etappe" bedeuten soll. Amerika will die Herabsetzung des Programms der Schlachtschiffersatzbauten, die Abschaffung des U-Tootes und vor allem ein Abkommen zur Beendigung des Wettrüstens bei Kreuzern und Torbedobootszer- störern. Für den letzten, den wichtigen Punkt, hatten Amerika und England miteinander das sogenannte Kategorienprinzip verabredet, d. h. die Festsetzung einer Gesamttonnage für die einzelnen Schiffsklafsen, über die nicht hinausgegangcn werden dürfe. Mühselig war dafür die Einigung zwischen England und Amerika in dem Punkte der 10 000-Tonnen-Kreu- zer erreicht worden. Frankreich dagegen ging nach London mit der Forderung der so- genannbten „G l 0 b a l t 0 n n a g c“ , d. h. der Festsetzung einer für alle Schiffsklassen einheitlichen Tonnenzahl, die nicht überschritten werden darf, innerhalb deren aber die einzelnen Staaten das Recht haben, für die einzelnen Kategorien frei zu verfügen. Das ist die sogenannte Transferklausel, eine Formel, die von Paul Boncour stammt.
Gießener Giaditheaier.
Frank Wedekind: „Musik".
Der Kampf, der heute politisch und literarisch mit Heftigkeit und Erbitterung gegen den Ab rei- bungsparographen Les Stra ge.e.chuches ge,ührt wird, ist schon vor fast einem Vierteljahrhundert von Wedekind gelochten worden.
Allerdings, wie es dec damaligen Zeit entsprach, mit anderen Mitteln und- in anderem Etil: heute nennt man das Ding beim Ramen und bei der Rümmer: damals umschrieb man es noch und verstellte die ominösen Ziffern.
Heute stellen die Zeitdramatiker sachlich und mit entschiedener Tendenz ihr Zweck-Stück auf die Bühne; Wede.ind jcyrieo ein halbromantisches. von Pathos geschwelltes, in Satire. Ironie und Groteske umschlagendes „Sittengemälde" in vier Bildern.
Er konnte nicht aus seiner Haut heraus, er verleugnete nie seinen Ton und die ihm eigentümliche Ausdrucksweise, und ec ist auch mit diesem Stück nur zur Hälfte noch aktuell, ... zur Hälfte doch Schon historisch geworden, in die Entwicklung der Literatur unseres Iahrhunderls einbezogen, als der Mittler und Verbindungsmann zwischen dem Raturalismus und dem Expressionismus, den wir heute ja auch schon hinter uns haben.
Das liegt vor allem daran, dah Wedekind von dem speziellen ..Fall", der den Anlaß gab (es handelte sich wohl um eine Münchener Skandalaffare) im Grunde nicht los kommt. Das lähmt heutigentags die aktuelle Stohkraft des Dramas. Das Stück ist — als Zeit- und Tendenz'chauspiel — eigentlich nach dem zweiten Bild erledigt. Was nachher noch kommt, hat mit den in gleicher Richtung laufenden modernen Bestrebungen nicht mehr viel oder sehr wenig zu tun: es geschieht noch Wedekinds Willen und es geschieht nicht immer verständlich notwendig und mit psychologischer Begründung.
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Dah das Mädchen nach der Entlassung aus dem Gefängnis abermals zu seinem Verführer zurückkehrt, mag noch angehen und ist auch Halb-
England hat nun diese prinzipielle Forderung Frankreichs angenommen und damit die amerikanische Vertretung sehr überrascht. Für die Unsicherheit der amerikanischen Vertretung ist bezeichnend, dah das Mitglied in ihr, das am meisten in diesen Dingen Bescheid weih und immer schon bei solchen Verhandlungen dabei war, der Brüsseler Botschafter Amerikas, G ibson, schon erflärte, nach dem Cinlenken Englands könne Amerika auf seinem Standpunkt auch nicht mehr bestehen. Das erinnert unangenehm an ähnliche überraschende Erklärungen Amerikas bei früheren Abrüstungsrerhandlungen, die praktisch auf Zuge st ändnissean Frankreich hinaus kamen.
Allerdings ist nun diese Liebertragung innerhalb der einzelnen Kategorien beweglicher ge- faht und zugleich auch mehr gebunden worden, als Frankreicy das wollte. Rur für einen gewissen Prozentsatz der Tonnage ist Frecheit der Liebertragung in eine andere Schiffsklasse erlaubt, nur für die kleineren Schiffseinheiten, und außer» dem nur nach vorhergehender Mitteilung an die Vertragsmächte, die sich so in ihrem Rüstungsprogramm auf derartige Veränderungen einrih- ten können. Ein Ihr vor der Reuverteilung vor dem neuen Bauauftrag hat die betreffende Macht den anderen Vertragsmächten die beabsichtigte Aenderung mitzuteilen, und sie ist auherdem aus
drücklich verpflichtet, dafür zu sorgen, dah die Erhöhung der Tonnage in einer Kategorie eine entsprechende Kürzung bei einer anderen einschließt.
Das ist die „erste Etappe" auf dem rein technischen, dem Rüstungsgebiete. Viele Einzelheiten sind hier noch festzustellen. Die Hauptfrage wird sein, ob es England gelingt, die Schlachtschiffe und die großen Kreuzer besonders zu stellen und die Liebertragung von Tonnage zwischen diesen Typen einerseits und allen anderen andererseits auszuschließen. Gelingt das, so wäre durchgesetzt, was England braucht, und es wäre der französische Erfolg sehr entwertet.
Man sieht: ein sehr heißes Ringen, bei dem der Schein mehr als das Tatsächliche für den Erfolg Frankreichs spricht. Ein Ringen um so schwieriger, weil dabei ja noch um große politische Fragen gekämpft wird: Das Pazific- abkommen (zwischen England, Amerika und Ia- pan), das franzosisch-itackenische Verhältnis, das Verhältnis Englands zum französischen Programm der Sicherheit für das Mittelmeer, den Kanal und die französischen Kolonien. In jedem Falle hält die Londoner Konferenz jetzt wochenlang die drei Großmächte in Ollem; für andere Fragen der Außenpolitik haben sie kein Interesse.
MetzeeressachschiilesmDemMngiindMWast
Äon Fachstudiendirektor Bouchholh, Truppenunterrichtsleiter in (Sieben.
In Rr. 214 vom 12. September 1929 des „Gießener Anzeigers" wurde über die Heeres- sachschule für Landwirtschaft berichtet. Diese Zeilen sollen nun über die Heeresfa ch- schule für Verwaltung und Wirtschaft orientieren, da immer noch weiten Kreisen die für die Wehrmacht so bedeutsame Einrichtung dieser Schulart mehr oder weniger unbekannt ist.
Olls nach dem unseligen Kriegsende unser 100 000-Mann-Heer ausgestellt wurde, in dem sich der Soldat vertraglich auf 12 Iahre zur Dienstleistung dem Staate gegenüber verpflichtet, ergab sich auch die Schaffung der Heeresfachsa)ule aus mehreren zwingenden Gründen fast von selbst Denn wer sich von seinem 18. bis 30. Lebensjahre mit bedingungsloser Hingabe an den Staat, unter Aufgabe persönlicher Freihetm und staatsbürgerlicher Rechte diesem Staate verpflichtet, hat gewiß Anspruch darauf, nach dem erzwungenen Ausscheiden nach 12 Iahren im zivilen Staatsdienste weiter verwendet zu werden. Erprobt und besonders befähigt dürfte der ehemalige Reichswehrsoldat, der sog. „DerSor- gungsanwärter", für den zivilen Staatsdienst deshalb sein, weil er eben während seiner Militärdienstzeit unter dem sittlichsten aller Gesetze, dem Gesetze der Dienstverpflichtung für die Gemeinschaft, gestanden hat; weil sich in ihm während dieser Zeit wertvolle Charaktereigenschaften ausbilden und vertiefen konnten. Di:se Existenzsicherung nach 12 Iahren muß aber vom Staate auch gewährleistet werden, da sonst der Ersatz für unsere. Wehrmacht entweder sehr schwer zu erlangen sein wird ober die Qualität dieses Ersatzes erh:blich sinkt.
Reben dieser ersten Aufgabe, dem Soldaten die Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, die er nach zwölfjähriger Dienstzeit beim älcber- tritt in einen bürgerlichen Beruf braucht, erleichtert die Heeresfachschule dem Manne aber auch sein militärisches Vorwärtskommen, indem sie ihn durch geistige Weiterbildung zu Führer- Posten geeignet macht, neben der rein militärischen Ausbildung.
Rach vorläufigen Versuchen in den ersten Iahren nach dem Kriege unterscheidet man seit 1922 Heeres- und Marinefachschulen. An Hecres- fachschulen gibt es solche für Verwaltung und Wirtschaft, für Landwirtschaft, für Gewerbe und Technik und für Forstwirtscha't. Während sich von den drei letztginamrien OI.ten nur einig: in ledern Wehrkreise befinden, besitzt jede Gar.sifon eine Heeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft, die, wie aus dem Ramen ersichtlich, die Leute für den Verwaltungsdienst oder den fr ei en Beruf im Wirtschaftsleben vorbereitet.
Rach dem vom Reichswehrminister'um im Einverständnis mit den Behörden aufgestellten Lehrplan und nach der Prüfungsordnung wird eine Olbschlußprüfung I und h unterschieden. Die Abschlußprüfung I für Beamtenanwärter berechtigt zum Eintritt in die frühere Besoldungsgruppe V, die Olbschlußprüfung II für Beamtenanwärter zum Eintritt in die frühere Besoldungsgruppe VH. Die Olbschlußprüfung für Kaufleute fordert die Kenntnisse und Fertigkeiten, die von einem tüchtigen Kaufmann zu verlangen sind.
Die Heeresfachschule umfaßt die Klassen VIII bis 1; dazu tritt noch die Wiederholungsklasse. Die Klassen VIII bis VI werden Unterstufe genannt, dre Klassen V bis 1 Oberstufe. Rach vollendetem vierten Dienstjahre tritt der Soldat nach einer Vorprüfung in der Regel in die Klasse VIII ein. Die Versetzung in die nächsthöhere Klasse im Herbst erfolgt nur bann, wenn der Heeresfachschüler in jedem Fache mindestens genügende Leistungen aufweist. Richt g nügende Leistungen in Deutsch oder Rechnen (Mathematik) können nicht ausgeglichen werden, wohl aber in den übrigen Fächern. Der Besuch der Unterstufe ist für jeden Soldaten Pflicht, sofern er nicht mindestens eine höhere Schule bis Ober- Sekundareife befucht hat. Hat ein Soldat nach fünfjährigem Schulbcfuch die Unterstufe nicht mit Erfolg bcfucht und durchlaufen, fo muß er aus dem Unterricht ausfcheiden. Zeigt et aber Schon nach dreijährigem Schulbesuch keine wesentlichen Forlfchritte, fp kann er auf Beschluß der Lehrer- konferenz vom weiteren Besuch ausgrSchte Sen werden. Von der Unter- zur Oberstufe findet eine Versehungsprüfung statt. Diese entscheidet darüber, ob ein Schüler für die Spätere Abschlußprüfung I ober II in Frage kommt, ober ob er ganz aus dem Unterricht ausScheiden muß. Witt «.in Schüler nach drei Iahren freiwillig aus dem Unterricht ausscheiben, fo hat er eine schriftliche Erklärung abzugeben, daß er allen Ansprüchen, die er etwa auf Grund weiter genossenen Unterrichts erheben könnte, entsagt. Wer für die Abschlußprüfung I vorgesehen ist, scheidet nach der Klasse VI aus dem Unterricht aus, kann im vorletzten Dienstjahre als Gastschüler wieder eintreten und besucht im letzten Tienstjahre die Wiederholungsllasse. Wer für die Abschlußprüfung II vorgesehen ist, durchläuft die Klaffen V bis I. Hierbei darf keine Klaffe verdoppelt werden, da der Soldat fönst die Prüfung während feiner Militärzeit nicht mehr ablegen kann. Da die Forderungen des Lehrplans sehr hoch find und von den Lehrern bei der Beurteilung der Schüler ein strenger Maßstab gefordert und angelegt wird, kann nur derjenige die Olbschlußprüfung h erreichen (etwa Abiturientenreife), der gut begabt, Sehr fleißig
Wegs motiviert. Daß es nicht viel Später ein zweites Kind von ihm bekommt, daß das Kind bald nach der Geburt stirbt und die Mutter der Lächerlichkeit anheimfällt ... weil der Haupt- moralift des Stückes zuletzt als der Vater und Urheber allen Unglückes angesehen wird —: das ist Wedekinds Sache; es dient zur Illustrierung des Titels und des Untertitels, es mag auch traurig sein, aber es intcreffiert uns heute nicht mehr. Hier ilt das Drama nicht mehr aktuell, sondern längst historisch geworden.
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Der Titel „Musik" ift bittere Ironie; das Stück ist nicht aus Harmonien, Sondern aus Schrillen Mißklängen zusammengesetzt; eine infernalische Romanze, ein Bänkelfang, ein Trauermarfch. Beginnend, im echten Wedekindstil, „bei Rächt und Rebel" mit der Flucht der verführten Privatschülerin Klara Hühnerwadei vor dem Staatsanwalt. Die zweite Station ift die Gefängniszelle, „hinter schwedischen Gardinen". Rach der Begnadigung kommt sie „vom Regen in die Traufe — es wurde schon angedeutet —, und der Weg endet mit dem „Flucy der Lächerlichkeit" in einer ländlichen Dachkammer an der Wiege des toten Kindes ... mit dem ausbrechenden Wahnsinn, und nicht im Glanz der gefeierten Wagnersängerin, um die Sich die größten Theater, nach der Prophe^iung des Meisters, „die Hälfe brechen" sollten. Und ganz zuletzt ruft der Dichter aus der Bühne ihr nach, wie der armen Rose Bernd der Schlesische Gendarm —: „Die kann ein Lied fingen.“
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Man sieht: Wedekind bleibt bis zum letzten Wort im Bilde. Und wie Klara das echte Kind chres Schöpfers toar. und irgendwie verwandt mit dem unseligen Professor Dühring im „Kammersänger", — so geistert er, der Dichter, selber hier durch sein Stück in der Gestalt des Literaten Lindckuh (mit dem die Leute meift nichts an- zufangen wifsen), als der hilflose und ewig mißverstandene Moralist, der es gut meint und danebengreift, als der Ethiker und Weltverbesserer. der als Zyniker und Erotiker verschrieen, verlacht, bekämpft und von der Zensur verboten wurde.
Seine Rachsolger heute treten ohne Maske, ohne Mummenschanz, ohne Romantik und mit offenem Visier auf den Plan: ob sie auf ihrs
Weise den Kampf gewinnen werden, den er begann, steht dahin. —
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Der Regisseur, Peter Fassott, bemühte sich, das Stück fo aktuell wie möglich zu spielen. Er setzte die Paragraphenziffer ein, die heute umkämpft wird; er inszenierte in modernem Kostüm und er machte aus der OBagnetfängerin im Heroinenstil, die uns heute kaum noch liegt, eine simple kleine Defangselevin. Ueber das zweite Bild hinaus vermochte er allerdings das Stück — im Sinne des oben Gesagten — auch nicht aus seiner Zeitgebundenheit zu lösen. Im übrigen war die Aufführung korrekt; es konnte aber wohl noch einiges gestrichen und vor allem etliche allzu stürmische Ausbrüche (im zweiten und letzten Bild) gedämpft werden; je sachlicher, desto besser.
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Dies gilt vor allem für die an sich sehr tüchtige Leiftung von Trude Heß. die die große und aufreibende Partie der Klara mit einer inbrünstigen Hingegebenheit zu bewältigen trachtete. Aeußerlich eine gar nicht Heroinenhafte, dem modernen Empfinden durchaus angepaßte Erscheinung, wirkte sie am stärksten im dritten Akt; sympathisch auch im ersten und in der ersten HÄfte des zweiten. Doch ließ sie sich hier gegen Ende und dann auch im letzten Bild von der (allerdings verführerisch angelegten) Rolle zu theatralischen Steigerungen hinreißen, die die menschliche Ausstrahlung der Vorgänge beeinträchtigten. (Oln diesen Stellen hätte die Regie ausgleichend eingreifen sollen.)
Das Ehepaar Reißner wurde von Hans Hais und Maria Koch sicher, sparsam und mit angenehmer Zurückhaltung gegeben. Arzdorf (Lindekuh) traf nicht ganz den Ton dieser Figur; auch Luise Schubert-Jüngling (als Aufseherin) wirkte stellenweise mehr komisch als aufreizend, und Komik hat Wedekind mindestens hier entschieden ferngelegen. Gut war V o Ick als der Arzt Dr. Schwarzkopf. —
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Im Hause herrschte ziemliche Llnruhe, so daß man mehrfach Mühe hatte, den Text au verstehen; vielleicht kann auch im ersten Bild etwas lauter gesprochen werden. Dr. Th.
und regelmäßig bn Unterricht erschienen lst. Teilnehmer der Prüfungsklasfen werden in der Regel im letzten Dienstjahre vom militärische« Dienst befreit.
Die Prüfungen werden von einem Prüfungsausschuß abgehalten, dem der Wehrkreis-Llnt:r- richtslciter als Vorsitzender, der Truppenunterrichtsleiter und die an der Prüfung beteiligten Fachlehrer, ein älterer Offizier des Truppenteils und die Vertreter der Olnstellungsbchilrden angehören. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teile.
Für den jährlichen Llnterricht find 30 Schulwochen angesetzt. Die Klassen VIII bis Hl erhalten 8 Stunden Llnterricht. die Klasse II 23. die Klasse I 28 und die WiederholungsllaSse 14 Stunden pro Woche. Die Unterstufe umfaßt die Fächer: Deutsch, Rechnen. Gefchichte, Erdkunde, Kultur- und Lebenslunde. Maschinen chreiben und Kurzfchrift. In der Oberstufe treten folgende Fächer hinzu: Volkswirtschaftllehre, Cefetzes- kunde, Fremdsprache (Englisch), Staats- und Vec- waltungslunde. Physik und Chemie. In der kaufmännischen Abteilung treten hinzu: fgufrännifdje Buchführung, kaufmännischer Schriftverkehr und Handelskunde.
Die Heeresfachschule für Verwaltung und Wirtschaft (VW.) in Gießen hat neben dem hauptamtlichen Trupprnuntcr- richtsleiter noch zwei hauptamtliche und 18 nebenamtliche (akademische und seminaristische) Lehrer. Die über 300 Schüler verteilen sich auf 17 Klassen.
Der Hauptunterfchied des Unterrichts in den Wehrmachtschulen im Vergleich zu den höheren Schulen besteht — abgesehen davon, daß die Schüler erwachsene Männer find — auf der einen Seite im Fehlen der zweiten Fremdsprache, auf der anderen Seite ist der Llnterricht ergänzt durch die oben angeführten staatsbürgerkund- lichen Fächer. Es ift einleuchtend, daß diese Ergänzung im Hinblick auf die Spätere Tätigkeit im öffentlichen Dienst sehr wertvoll ist.
Wer daher von den DerSorgungsanwärtenr ein gutes militärisches Führungszeugnis besitzt und dazu die Abschlußprüfung I oder gar II der Hecresfachschulc für Verwaltung und Wirtschaft bestanden hat. wird Sich im Verwaltungsdienst ober im kaufmännischen Berufe aufs beste bewähren.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Sonntag, 9. Febr., von 1530 bis nach 18 Llhr: „Die verkaufte Braut": von 20 bis nach 22.30 Llhr: „Das Land des LächelnS". Montag, 10. Febr.. von 2) bis gegen 22 Llhr: „Der getreue Musikmeister"; „Von heute auf morgen“. Dienstag, 11. Febr., von 20 b.s 22.30 Llhr: „Fra Diavoio". Mittwoch, 12. Febr., von 20 bis 22.30 Llhr: ..Tiefland". Donnerstag, 13. Febr., von 19.30 bis 22.30 Llhr: „Die Afrika- nerin“. Freitag, 14. Febr., geschlossen. Samstag, 15. Febr., von 20 bis 22.30 Llhr: „Martha. Sonntag, 16. Febr., von 15.30 bis 18 Llhr: Schüler-Vorstellung „Der Freifchüh"; von 19.'0 bis nach 22 ilbr: „Das Land des Lächelns". Montag, 17. Febr., von 20 bis nach 22.30 Llhr: „Madame Butterfly".
Schauspielhaus. Sonntag, 9. Febr., von 15.30 bis gegen 17.45 Llhr: „Cyankali"; von 20 bis nach 22.15 Llhr: „Iulius Caesar". Montag, 10. Februar, von 20 bis nach 22.15 Uhr: „Iulius Caesar". Dienstag. 11. Febr., von 23 bis gegen 22.30 Llhr: „Straße“. Mittwoch, 12. Febr., feg 15.30 bis nach 17.30 Uhr: „Wilhelm Teil“: von 20 bis gegen 22.30 Uhr: „Straße". Donnerstag, 13. Febr., von 20 bis nach 22.15 Uhr: „Julius Caesar“. Freitag, 14. Febr., von 20 bis nach 22.15 Uhr: „Iusius Caesar“. Samstag, 15. A.bc^ von 19 bis gegen 21.30 Uhr: „Straße"; Anfang 22 Uhr: Kabarett der Frankfurter Rachtkomiker. Sonntag, 16. Febr., von 15.30 bis 17.45 Uhr: „Chankali"; von 20 bis gegen 22.30 Uyr: „Straße". Montag, 17. Febr., von 20 bis gegen 22 Uhr: „Brülle China".
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
• Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 10 vom 7. Febr. enthält: Schlachthausanlage des Metzgers Rudolf Dietz zu Watzel bom-Gtcinberg. — Poli'eiverordnung über den Fuhrwerks- und Kraftfahrzeugverkehr in der Gemeinde Grünberg. — Dienstnachrichten.
Zucker aus Lust.
Im vergangenen Iahre berichtete Profesior Dr. B e r g i u s auf der Hauptverfammlung Deutscher Chemiker von seinen erfolgreichen Versuchen, aus der Zellulose des Holzes durch geeignete Behandlung mit starker Salzsäure für den Diehmagen verdaulichen Zucker herzustellen. Zellulose und Zucker gehören zu der Gruppe der Kohlehydrate, das heißt der Verbindungen, in denen außer Kohlenstoff auch Wasserstoff und Sauerstoff vorhanden sind, und zwar Waffer- ftoff und Sauerstoff im gleichen Verhältnis toie im Wasser. Die Griechen nannten nämlich „Verbindungen des Wasferö" Hydrate, daher der Rame Kohlehydrate. Salsiäure bewirkt eine chemische Veränderung dec für den Magenfaft des Tiere- unlöslichen und daher unverdaulichen Zellulose, so daß eine lösliche Zuckerart entsteht. Die Zellulose des Hol-es, die aus den Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff besteht, ist in der recht verwickelten, aber äußerst fachgemäß geleiteten „chemischen Fabrik" des Baumes entstanden, und zwar aus den Rohstoffen Kohlensäure — Kohlenstoff und Sauerstoff — und Wasser — Wasserstoff und Sauerstoff — unter dem Einfluß des Lichtes, besonders der ultravioletten Strahlen. Das Wasser liefern die Wurzeln, die Kohlensäure wird aus der Lust durch die Blätter zugeführt, und die Verein!« gung bewirkt der grüne Blattfarbstofs, das Blatt? grün ober Chlorophyll. Seit langem bemühe» sich nun die Chemiker mit mehr oder weniger großem Erfolg, der Pflanze diesen Vorgang nachAurnachen. Die Lust enthält ja nicht nur Kohlensäure, sondern auch Wasser. Warum sollte man nicht einen Stoff, ähnlich dem Blattgrün, finden, der nicht wie diefes an das Zellengehäuse der Pflanze gebannt ist. Sondern frei im Tiegel oder im Großbottich Kohlensäure und Wasfer zu Zucker vereint? Professor Baly von der Universität Liverpool scheint es, den neuesten Berichten zufolge, nach langjährigen Versuchen endlich geglückt zu fein, dieses Ziel zu erreichen. Er fand verschiedene Stoffe, die die Rolle des Blattgrün übernehmen können, z.B. Aluminiumhydrooxyd. Er läßt -um Beispiel über eine wässrige Auffchlemmung dieser Derbin- Ibimg unter dem Einfluß ultravioletten Lichtes Kohlensäure streichen unb erhält so tatsächlich Zucker.


