Dienstag, 7. Oktober MO
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Nr. 234 Zweites Blatt
Der Stahlhelmtag in Koblenz.
Der zweite Bundesführer Düsterberg nimmt die Weihe der neuen Fahnen vor. Oben links: S e l d t e, der erste Bundesvorsitzende des Stahlhelms.
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Oer Fronisoldaten-Appelt.
Der Sonntag brachte den großen Frontsoldatenappell in Koblenz. 3n buntbewimpelten Flottillen, auf den blitzenden Schienensträngen rechts und links des deutschen Stromes, in endlosen Fußvolkkolonnen zog es heran - grau und stolz von Bingen und Büdesheim, von Ehrenbreitstein, Andernach, von Caub, von Lorch von St. Goar - hin zu der Stadt, wo Mosel und Rhein die grünen Arme schlingen um oas quadergetürmte Deutsche Eck — hinauf zur K a r t h a u s e.
Hoch über der Stadt und hoch über dem Rhein stützt punkt ll Mr vormittags dort die waffenlose, friedens reiwillige Armee der alten Frontsoldaten und neuen Staatsbürge in eherner Parade, elf Kanonenfchläge künden Zeit und Beginn. Brausender Fron heil.us mel et die Ankunft der Dundesführer, die sich vom Flügel her zu dem freien Platz in der Mitte bei der Rednerkanzel begeben. Boe ihnen dicht stehen die Fernsten: die aus Venedig und aus Tientsin, aus Windhuk und Buenos Aires, aus Memel und Tilsit und Königsberg, und die von der Saar.
Ter Aufmarsch der Fahnen lei et die Kundgebung ein. Weit hinten, a n linken Flügel, sieht man schon lange chre Spitzen leuchten. Jetzt rücken sie an. Fe.erlich Zu Vieren. 3n eng- geschlossenen Marschkolonnen.
Die Geistlichen sprechen. Huader tausend Häupter entblößen sich zu stillem Gedenken derer, die nicht weit von dieser Statte in den Ma sen- gräbern Frankreichs schlafen und fleisch und Blut und Geist einst waren von dem Fleisch und Blut und Geist dieser Hunderttausend grauen Friedenssoldaten. Aus der hohen Ka zel erscheint
die Dundesstandarte. Franz Seldte spricht zu der Gefolgschaft, die sein Gründerruf gefunden hat in den zwölf Kampfjahren seit dem Novern- ber 1918.
Fahnenweihe.
Danach weiht der 2. Bundesführer, Oberstl. Due st erber g, mit kemhafter Ansprache 100 Stahlhelmfahnen, deren Tuch an diesem 5. Oktober 1930 zum erstenmal im Winde flattert. Oberstleutnant Duesterberg hielt dabei folgende Ansprache:
Bier schwere Jahre standen die deutschen Soldaten erfolgreich im Kampfe gegen die gan^e Welt, elf schwere Jahre kämpft der Stahlhelm nicht nur gegen die Unterdrückungsmaßnahinen der äußeren Feinde, sondern auch gegen alles Undeutsche im eigenen L an de, gegen Kleinmut und Verzagtheit, gegen Feigheit und Knechtsinnl Tod, Krankheit, Alter und wirtschaftliche Rot haben manche Kameraden hinweggerafft oder ausscheiden lassen und trotzdem ist unsere Stärke stetig gewachsen.
Der Stahlhelm ist der Kern der zukünftigen deutschen Volksgemeinschaft, die sich nur bilden kann, wenn gleiche heiße Liebe zu Volk, Heimat und Vaterland, wenn selbstverständliche Wehrbereitschaft in den Herzen lebt Der Opfertod unserer zwei Millionen gefallenen Kameraden bestimmte unseren Weg und setzte uns das Ziel Deutschlands Freiheit!
Im Hamen des Stahlhelms weihe ich diese neuen, reinen Fahnen, die wie alle Stahlhelmfahnen, den Trauerflor, aber auch das lebende Grün als Zeichen der Hoffnung tragen im festen Glauben an unseren Gott, der sein deutsches Volk nach Jahren schwerster Prüfung in die
Höhe führen wird, wenn es innerlich gereinigt sich selbst wieder gefunden hat! Ich gebe diesen neuen Fahnen den gemeinsamen Spruch:
.Rimmer wird das Reich zerstört. Wenn ihr einig seid und treu!“
Oie Bundesführer schre ten die Front ab.
Immer wieder, unaufhörlich schmettert der Präsentiermarsch. Immer wieder jubelt helles abertausendstimmiges Frontheil ... Cs klingt hinüber über den Rhein und das Reich und den — Korridor bis an die Dünen des Kurischen Haffs, bis in die Erzschächte der schlesischen Berge... Es klingt in die müden deutschen Herzen ... Es ist, gerufen von Sachsen und Bayern, Hessen und Mecklenburgern, Ostfriesen und Pommern, wie ein Symbol, das sagen wollte: Allüberall in Deutschland wo der Stahlhelm steht, steht auch die Wacht am Rhein.
Der Vorbeimarsch vor dem Schloß bildet den grandiosen Ausklang des Tages, mittags um 1 ilfjr eröffnet ihn die Reichskraftfahrstaffel des Stahlhelm mit ihren 3000 Fahrzeugen. Die Uhr zeigt die dritte Stunde, da hat erst die Parade der Landesverbände begonnen. Endlos ziehen sie vorbei: Ostpreußen. Mitteldeutschland, Groh-Berlin, Pommern, Baden, Württemberg, Harzgau. Mecklenburg, Westmark Niedersachsen-Oldenburg, Westfalen, Anhalt, Bayern, Nordmark-Schlesien, Magdeburg, Brandenburg, Ostmark, Altmark, Hannover, Sachsen. Hessen, Braunschweig das ganze Deutsch- I land soll es fein.
Die Dunkelheit ist längst hereingebrochen, alÄ die letzte Kolonne vor Seldte und Duesterberg defiliert, als der stundenlang hämmernde Parademarsch abreiht, als die stundenlang winkenden, rufenden, jubelnden Zuschauermengen sich langsam verlaufen.
Oas Ergebnis von Genf.
CurtiuS berichtet — Die Auffassung der Wilhclmstratze
Berlin, 5. Oft. (TU. Amtlich.) Reichsauhen- minifter Dr. Curtius erstattete am Samstag dem Reichskabinett eingehenden Bericht über die Genfer Völkerbundsversammlung. Reichskanzler Dr. Brüning sprach dem Reichsauhenminister und der deutschen Delegation den Dank der Reichsregierung für die diesmal u n ter ganz besonders schwierigen Verhältnissen geleistete Arbeit aus. Ein». Aussprache über das erstattete Referat wird im Laufe der Woche im Reichskabinett erfolgen.
Von zuständiger Stelle wird darauf verwiesen, dah die Beratungen in Genf keineswegs ergebnislos geblieben seien. Deutsch- lanb könne eben seine Politik nur s ch r ist t - weise vortragen und habe diesmal mit besonders großen Schwierigkeiten z u kämpfen gehabt. Doch sei es gelungen, in der Saarbahnschutz- Frage den deutschen Standpunkt durchzusetzen, ohne dah man hierfür irgendein Opfer habe bringen müssen und auch die Regelung der Memelbeschwerden sei zufriedenstellend, wenn Litauen — das die deutsche Regierung hofse — den Vereinbarungen im Memellande entspreche. Auch habe man die Möglichkeit gehabt, eine Reihe wichtiger Besprechungen vorzubereiten, wie zum Beispiel die Agrarreformbeschwerde der Minderheiten in Polen, die im Januar behandelt werden solle, die Behandlung der M i n- bereiten durch den Völkerbund, die Z o l l - konferenz im kommenden Rovember und anderes mehr. In der Minderheitenfrage sei es zwar zu keinem Beschluß gekommen, der Bericht Mottas in der 6. Kommission bedeute aber doch tatsächlich einen wichtigen Fortschritt in der Behandlung der Minderheitenfrage, weil Motta ausdrücklich auf die Verpflichtung des Völkerbundes, sich um die Minderheiten zu flimmern, hingewiesen habe. Hingegen sei nicht zu leugnen, dah die Ablehnung des deutschen Antrages, die Abrüstungskonferenz bereits für 1931 einzuberufen, und die Rede Briands eine gewisse Versteifung In der Abrüstungsfrage mit sich gebracht hätten. Offenbar hätten die früheren Alliierten sich von der Befürchtung leiten lassen, dah ein Scheitern der Abrüstungskonferenz dem Ansehen des Völkerbundes einen starken Stoß versetzen würde. Doch habe man deutscherseits darauf Hinweisen können, welche Gefahren die ständige Hinauszögerung der Abrüstungen mit sich bringe. Durch Richterfüllung der Abrüstungsverpflichtung werde jedenfalls die in Europa herrschende Unruhe nicht beseitigt. Bei der Paneuropafrage könne man nicht davon sprechen, dah diesem Plan ein Begräbnis erster Klasse bereitet worden sei. Der Plan werde vielmehr durchaus ernsthaft beraten werden. Deutschland habe hieran ein großes Interesse. Es müsse auch diese polifische Plattform benutzen, um sich Gehör zu verschaffen.
Die Wahlen in Deutschland hätten im übrigen der Welt gegenüber eine völlig neue Lage geschaffen. Der Auhenminister habe es aber für richtig gehalten, die Rerven zu bewahren und der Welt auseinanderzusehen, daß in Deutschland nicht allei örunter und drüber gehe, und dah Deutschland nicht daran denke, in seiner Außenpolitik eine Abenteuerpolitik zu beginnen. Er habe nachdrücklich darauf hingewiesen, dah in den Wahlen vor allem auch d i e Enttäuschung über d i e mihliche a u h e n p o 1 i t i s ch e Lage Deutschlands zum Ausdruck komme. Deutschland müsse sein
Bei den Schatzgräbern im Blätterwald.
Snforma ion en gros — aus der Zeitung geschnitten.
Bon Georg Siefenthai.
Eines Vormittags geschah es, dah mir das Herz um ein paar Zentimeter höher schlug. Die Ursache bliebe allen Dienern am Werke der Zeitung unvergeßlich. Seit jenen Stunden komme ich mir ungeheuer wichtig vor. Und das kam so.
Drei Dutzend Mädchen sahen in einem Saal, an Hellen langen Tischen und schnitten aus — wühlten mit Scheren in Zeitungsbergen, die sich auftürmten zu ihren Füßen. Ueber sie nieder gingen Zeitungsregen, Zeitungsgewitter, ganze Zeitungsherbstorkane — sie aber schnitten aus. Sie schnitten aus, was eine andere Abteilung vor ihnen gelesen und mit Kreuzen und Zeichen versehen hatte — dann versahen sie selbst chre Ausschnitte mit Ramen und Datum der Zeitung und schickten sie hinaus in die Welt. Das war das Bureau, das für einige tausend Menschen Zeitung liest.
Wieso und warum? Was tut eine Filmschauspielerin, die sämtliche Kritiken, sämtliche Erwähnungen ihres Namens lesen und sammeln will? Ich weih nicht, wieviel tausend Zeitungen und Zeitschriften, wieviel „Illustrierte", Magazine. Witzblätter in Europa täglich erscheinen — offensichtlich auch ohne Zahlennennung, dah es für den einzelnen ganz unmöglich ist, nur einen Bruchteil davon zu verfolgen. Jedoch müssen alle, die öffentlich wirken, die Stimme der Zeitung hören, nolens volens. Und um bei der Filmschauspielerin zu bleiben: so ist es nicht Sache der Eitelkeit, alles zu lesen, was über sie er- sche.nt — es ist Sache ihres gesamten künstlerischen Schaffens, Spiegel der Wirkung, die sie auf die Masse ausübt.
Aus solchen Gründen entstand: das Zei- tungs-Ausschnittbureau. Mit dem Zweck, die gesamte Presse auf bestimmte Namenserwähnungen oder Interessengebiete zu kontrollieren, die betreffende Erwähnung dann aus der Zeitung auszuschneiden und sie den Kunden au- zustellen. In Paris gab es vor vielen Jahrzehnten das erste Unternehmen dieser Art, ein deutsches folgte 1891. Heute gibt es Ausschnitt- bureaus in fast allen Ländern der Welt — sie
stehen untereinander in Wechselbezi hung und arbeiten gemeinsam an jenen Ausgaben, die ein Studium auch der internationalen Presse notwendig machen. Um Wichfigkeit und Umfang des Geschäfts zu illustrieren, genügt nur eine Zahl das gröhte deutsche Ausschnittbureau versendet täglich 20 00C Ausschnitte, aus allen Interessengebieten.
Ausmarschicrt in den Kundenlisten, das Konversationslexikon von A bis Z. Das Museum in Kolberg ist abonniert aus sämtliche Artikel über den Wisent und über Walfischfang - und eine bekannte Reichstagsabgeordnete auf solche über Cheresorm Sechs Zündholzfabriken wollen alles lesen, was über Zündhölzer erscheint, und zweiundzwanzig Margarinesabriten alles über Margarine. Ein Professor der Zoologie verlangt sämtliche Erwähnungen des Kamels in der Tagespresse, und ein bekannter Dompteur sämtliche Erwähnungen des Löwen. M. Henri) Huntington, Neuyork - er ist ferne Erfindung! - ist abonniert aus alles, was in deutschen Zeitungen über Wilfried Monod, den Erzbischof Soederblom, die Nacktkultur und die „Lieh tbeweg ung“ erscheint - und em Okkulttst auf alles über .,£ i f d) r ü d e n‘. Verleger erhalten Buchbesprechungen, die Berliner Kriminalpolizei verlangt sämtliche Berichte über Kriminalfälle aus allen Gegenden und allen Zeitungen des Reiches - und eine Gas» anstatt sämtliche Meldungen über Gasvergiftungen. Ja, es gibt eigentlich kein Gebiet, das, von der Zeitung behandelt, keinen Liebhaber findet - die Jnteressengebiets-Liste des Ausschnittbureaus umfaßt allein 150 Hauptgruppen mit je drei bis fünf Untergruppen, die entferntesten und ungewöhnlichsten Dinge werden gewünscht - und tatsächlich: man findet sie in den Zeitungen. Allerdings: wie es gemacht wird, daß nichts übersehen, sondern jede Erwähnung jedem Interessenten richtig zugestellt wird - das ist ein Geheimnis, das man nicht preis- gibt, ein komplizierter Vorgang.
Interessant ist, sestzustellen, welcher Volks- t ü m l i ch k e i t die einzelne Behörde, diese oder jene Persönlichkeit, die aktuellen Probleme sich erfreuen — die Statistik des Ausschnittbureaus gibt davon ein Spiegelbild. Das preußische Kultusministerium z. D. erhält täglich 50 Ausschnitte — und das sind nur die größeren Referate übet Schul- und Unterrichtsfragen. Eine Behörde wie die „Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr" wird ebenfalls 50maI täglich in größerem Umfange erwähnt — ein sehr bekannter
Schauspieler bringt es demgegenüber nur auf täglich fünf, ein populärer Strafprozeßverteidiger auf täglich sechs Erwähnungen in der deutschen Presse
Der Zeitungsstoff wird zerpflückt, zerlegt in Urteil, Angriff, Ratschlag. Cs bleibt: die Information, auf die heute keiner verzichten kann. Dieses Interesse geht weit hinaus über die Landesgrenze. Ein paar Beispiele: Aus die Artikel. die in der deutschen Presse über Eisenbahnwesen erscheinen, sind u. a. abonniert die Japanische Staatsbahn, die Schwedische Staatsbahn, die Canadian Pacific Railvyay, die Budapester Straßenbahn, aus Artikel über Landwirtschaft das Internationale Agrarinsfitut in Moskau, auf bestimmte Artikel über Politik der französische Industrielle und Zeitungsbesiher Coty. und. natürlich, sämtliche ausländische Botschafter auf Artikel über ihr Heimatlanb. Das Nobel-Komitee will wissen, was die deutsche Presse über seine Kandidaten und Preisträger sagt - und der größte schwedische Konsumgenossenschafts-Verband wünscht deutsche Presse- stimmen über Kunstdünger.
Bleibt noch etwas ausgeschnittene Inserate. Die werden selbst von solchen Lesern beachtet, die den übrigen Teil der Zeitung gar nicht kennen! Hier nämlich sieht man, wie die Inserate wandern. Für Stellungsuchende, die sich Angebote im Ausschnitt zuschicken lassen — bis zum Großinserenten der Industrie, der den Reklamefeldzug des Konkurrenten überwacht —. ist hier ein Markt, der Anzeigen „unter die Leute" bringt. Verteilung der Information für alles und jeden, Auswertung eines Blattes bis zum letzten Wort, Zergliederung eines ungeheuren Nachrichtenmaterials für jeden Bedarf: die Welt in Zeitungsausschnitten.
Kunst und Wiffenschaft.
Die Brautbriefe der Jürftin Johanna von Bismarck.
Seit dem Erscheinen der berühmten Briefe Bismarcks an Braut und Gattin hat die Oeffent- lichkeit auf die Publikation der Briefe der Fürstin gewartet. Wie wir hören, steht nunmehr ihr Erscheinen (bei der Deutschen Verlags-Anstalt) unmittelbar bevor. Die Herausgabe des Bandes, der außer den Brautbriefen noch Briefe Bismarcks an feine Tochter, Gräfin Marie zu Rantzau, und eine Aufzeichnung Herbert von Bismarcks über letzte Krankheit und Tod des Altreichskanzlers enthält, besorgt die Fürsfin Herbert von Bismarck.
„Oer Greifer" — ein Ulm.
Nach dem ..Hexer", dem „Zinker", dem „Tiger“ — „Der Greiser". Das ist eine wilde Sache. Immer dieselbe mit immer andern Variationen und Pointen: Scotland Bard gegen die Unterwelt von London. Wer geglaubt hätte, daß es seit Wallace keine Möglichkeiten mehr gäbe aus dem weiten Felde des Kriminalfilms, der wird sich hier angenehm überrascht finden. Es gibt noch welche, und es ist noch immer nicht ganz leicht, vorauszusagen, wie alles ausgehen wird unö wer der Täter eigentlich ist. Hier lautet die gruselige Frage, auf deren Beantwortung eine hohe Belohnung ausgesetzt ist —: wer ist der Messer-Jack? Wer ist der Mann, der seit Wochen die Sensationen von London macht, der eine ganze Abendgesellschaft ausplündert, der seins Gegner mit heimtückisch aus dem Hinterhalt geworfenem Messer ums Leben bringt — bis der „Greiser" chm und seinem Anhang endgültig das Handwerk legt. Mehr darf natürlich hier vvn den Vorgängen nicht erzählt werden. Richard E i ch b e r g hat diesen Tonfilm mit intensiver Spannung, mit vielen Überraschungen und übrigens in einem Tempo inszeniert, das gelegentlich des Guten etwas zuviel tut und dem normalen Zuschauer stellenweise mehr Kombinationsgabe zu- mutet, als man voraussehen darf: auch bleiben etliche Fragen in diesem unterweltlichen Gesellschaftsspiel unbeantwortet, so daß man auf dem Heimweg allerlei Vermutungen anstellen kann. Die Tonübertragung ist ungleich, stellenweise sehr Har, stellenweise aber undeutlich, was man gerade hier, wo man keins der wenigen Worte verlieren möchte, als Mangel empfindet. Gespielt wird sehr anständig — selbst kleine Chargenrollen sind geschickt und treffsicher besetzt. Der Greifer ist Sergeant Harry Croß von Scotland Bard: den macht Hans Alhers famos, mit trockenem Humor und mit jener überlegenen Haltung, die den „guten“ Ausgang dieser Äri- minalaffäre von vornherein garantiert. (Die Kriminalgeschichte, die, von Scotland D^rb aus gesehen, schlecht abläuft, muß erst noch geschrieben oder gedreht werden.) Charlotte Susa (Dolly Mooreland) ist schon aus dem „Tiger"-Film bekannt, wo sie eine ähnliche Rolle mit gleicher Raffinesse verführte. Von den übrigen Mit- wirkenden: Harry Hardt, Karl Ludw. Diehl, Hermann Blaß. — Der neue Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus: wer für Kri- minalaffären was übrig hat, sollte die Gelegenheit wahrnehmen. —r —


