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unter allen Umständen zu ve r mei den wünscht, weil dadurch auch die eingeleiteten Kre- ditverhandlungen gestört würden, kommen für die Lösung der Krise drei Möglichkeiten in in Betracht. Entweder bildet die Olational- zaranistische Partei ohne Maniu, aber mit Außenminister Mironescu, Ackerbauminister Mi­chalaks und Kultusminister Junian eine neue Regierung, in die unter Umständen auch Politiker anderer Parteien eintreten könnten, oder es kommt zur Bildung eines Kabinetts der Persönlichkeiten, dessen Mitglieder p a r te i p o - Ji ti s ch nicht gebunden sind. Die dritte Möglichkeit wäre die sofortige Bildung eines Konzentrationskabinetts

Litauen sabotiert die Genfer Memelabmachung.

Memel. 6. Oft. (LU., Aus Grund der von der litauischen und deutschen Regierung in Gens getroffenen Vereinbarungen sollte die Umge­staltung des aus Litauern zusammengesetzten Direktoriums des Memelgebietes unverzüglich erfolgen. Im Gegensatz hierzu mldrt redoch der Präsident des Direktoriums, Aeysgis, daß niemand das Direktorium zum Rücktritt zwingen könne. Diese Er­klärung ist zweifellos im Einverständnis mit dem litauischen Gouverneur er­folgt, da es ein offenes Geheimnis ist, daß Reysgis feine Schritte unternimmt, ohne sich vorher der Zustimmung des Gouverneurs ver­sichert zu haben. Unter diesen Umständen dürfte die Erklärung der Pressestelle des litauischen Gouvernements, daß die erforderlichen Schritte zur Umbildung des Direktoriums bereits eingeleitet seien, wenig Bedeu­tung haben. Ebenso ist die Aufhebung der Pressezensur bisher noch nicht erfolgt was sich im Wahlkampf sehr zum rf a7»n ^Ct Rkemelländer bemerkbar macht, da alle Reden der Kandidaten der Deutschen Mehr­heitspartei in den Zeitungen zusam menge­st richen werden.

3m übrigen fährt das litauische Direktorium fort, sich in memelfeindlichem Sinne zu betäti­gen. So ist das bekannte Oberhaupt der Me- meler Nationallitauer, Borchert, wiederum zum Mitglied der Memeler Hafendi­rektionernannt, der von den Mehrheits­partelen abgesehte Polizeidirektor Toleikies wie- der auf seinen Posten gesetzt und eine große An- zahl Beamter und Angestellter des Direktoriums entlassen worden.

Auf der TriimmerWe von Beauvais

Eine mcht zerstörte Motorgondel des Luftschiffs. (Photo New York Times.)

Zeuges hatte bereits mehr als 400 000 Flugkilometer zurückgelegt und galt als außerordentlich zuver­lässiger Flieger. In einer etwa sechs THeter breiten seitlich mit Bäumen dicht bestandenen Bodensenkung kam die Maschine herunter. Der Motor hatte s i ch tief in den Boden eingegraben. Der Führersitz war vollkommen zusammengedrückt wor­den, lediglich der Schwanzteil blieb unversehrt. Die Dnglückssiätte war ringsum mit Metallteilen, Pro- pcllerstucken und Motorteilen bestreut. Auch die Sessel der Sabinen waren durch den Aufprall her- ausgeschleudert worden. Eine Explosion oder ein Brand ist nicht entstanden.

Montevideo ist in den südbrasilianischen Staaten I die Revolution gegen die Zenlralregierung von Rio de Janeiro ausgebrochen. Sie scheint im größten Teil des Landes erfolgreich zu sein. In mehreren Staaten sollen d i e Regierungstruppen von den Aus ständischen geschlagen wor­den sein. 3m Hinblick auf den Ernst der Lage hat die Regierung in Rio de Janeiro ihre Bevollmäch­tigten zu den Aufständischen entsandt, um mit den Führern zu verhandeln. Der in Rio Grande do Sui gebildete R e o o l u t i o n s a u s s ch u h hat die Vor­schläge der Regierung strikt abgelehnt wie sich die anderen aufständischen Staaten zu den Regierungs­vorschlägen verhalten werden, ist noch ungewiß, jedoch wird erwartet, daß sie ebenfalls eine ab­lehnende Antwort erteilen werden. Die Revolution Hal weiter auf den Norden des Landes übergegriffen. Die Revolutionäre hoffen, bald in den Besitz der Hauptstadt Rio de Janeiro und anderer wichtiger Städte zu gelangen. Die Regie­rung ist anscheinend noch immer entschlossen, den Aufruhr mit allen Mitteln zu bekämpfen.

3n der Umgebung der Stadt Porto Alegre finden heftige Kämpfe statt. Die geschlagenen Re- gierungstruppen ziehen sich auf San pedrito zu­rück. Die Regierung gibt zu, daß größere Teile der Armee zu den Aufständischen uber- gegangen sind 3m Staate Rio Grande do Sui sind sämtliche öffentlichen Gebäude angeblich in den Händen der Revolutionäre. Ein versuch der Auf- ständischen, sich der Nationalbank in Urugutjana zu bemächtigen, schlug fehl. Ein Teil der brasilanischen Marine ist ebenfalls zu den Revolutionären über­gegangen.

Der Widersinn

-er Reparationen.

Der Deutsche^ergorbeitcrverbanb fordert ein Moratorium

Bochum, 6. Okt. (TU.) Das amtliche Organ des Deutschen Bergarbeiterverban­des,Die Dergbauindustrie", schreibt in einem Leitartikel u. a.:

Bom Standpunkt des gesunden Menschenver­standes aus gesehen muß, falls eine Gefährdung des deutschen Wirtschaftslebens feststellbar ist, die Aufrechterhaltung der Zahlungs­pflicht sinnlos erscheinen. An wirtschaft­lichen Sadismüs grenzt es, wenn die Repara­tionsleistungen den Schuldner zu er­drücken drohen und kein Nachlaß der Zah­lungshöhe erfolgt, obwohl die Empfänger gar kein Dedürfnis und keine Verwen­dung für die Reparationen haben. 3n einer solchen Situation befinden wir uns aber gegenwärtig. Wir erachten deshalb den Zeitpunkt für gekommen, die politische Welt auf diesen wirtschaftlichen Widersinn aufmerffam

Die Aufständischen im Staate Rio Grande do Sui haben angeblich alle Männer zwischen 21 und 45 3atjren zur Teilnahme an dem Kampf gegen die Regierung in Rio de 3aneiro mobilisiert. Ls be­stehe der Plan, Sao Paulo im Sturm zu neh­men. Die hier eintreffenden zensierten Nachrichten, die sehr spärlich sind, geben zu, daß die Aufstands­bewegung großen Umfang angenommen hat Der bisherige Präsident, Washington Luiz, Hal vorn Kongreß 10 Millionen Dollar als Kampffonds für die Niederwerfung des Aufstandes bewilligt be- kommen. Die Revolution richtet sich in erster Linie gegen den neugewählten Präsidenten Presles, der sein Amt Mitte November von Washington Luiz über­nehmen sollte, wieAssociated Preß" von Buenos Aires berichtet, sind die brasilianischen Bunbestruppen an der Grenze des Staates Parana ; u s a m m e n g e z o g e n worden, um den von Süden anrückenden Aufständi­schen den weg zu verlegen 3nRiobe3aneiro finb ble Lebensmittelpreise zum Teil um 300 Pro­zent gestiegen, ba bie Zufuhr aus dem fjlnterlanb Minas Geraes abgeschnitten ist Die Ausstänbischen erklären, bah nunmehr 10 Staaten zu ihnen über­gegangen seien. Ls steht zweifellos fest, bah sie zum minbeffen in 5 Staaten bie Oberhand haben. Poli­tische Kreise in Washington finb bet Ansicht, bah der Aufstanb in Brasilien bie ernffefle der revolutionären Erschütterungen ist, bk in ben letzten Monaten in Sübamerifa stattgefunden haben. Das Staatsdepartement veröffentlicht von den ihm ;u- gegangenen Nachrichten nur die Meldung des ame­rikanischen Konsuls in Porto Alegre, der berichtet, dah die Sicherheit der amerikanischen Bürger und des amerikanischen Eigentums nicht gefährdet fei.

Revolution in Brasilien

Aufstand der südlichen Bundesstaaten gegen die Jeniralregierüng von J^io de Janeiro. Große Erfolge der Aufständischen.

Eine bürgerliche Partei- neugründung in Oesterreich.

Lchober als Parteiführer

Berlin, 6. Oft Nachdem die bürgerliche Ein­heitsfront in Oesterreich durch das Bündnis der Christlich-Sozialen mit den Heimwehren unter Ausschließung des Landbundes und der Groß- deutschen Volkspartei gesprengt worden war, haben nunmehr die bürgerlichen Parteien, die in Opposition zum Kabinett Vaugoin-Seipel-Star- hemberg stehen, den Entschluß gefaßt, sich organi­satorisch zu einem Wahlblock zusammenzu­fügen. Der bisherige Bundeskanzler Schober hat die Führung dieser Liste übernommen, an der tue Grohdeutsche Volkspartei, vielleicht Teile des Landbundes, sowie maß­gebende Kreise von Handel und Industrie, und außerdem die Oesterreichische Gewerbe­pa r t e i beteiligt sind. An deutschen Parteiver­hältnissen gemessen, handelt es sich hier um eine Parteineubildung, die etwa die Deutsche Volks- Partei und die Wirtschaftspartei umfaßt. Die neue Gruppe wird den Wahlkampf in scharfer Opposition gegen die Regierung füh­ren. Die innenpolitischen Verhältnisse in Oester­reich spitzen sich von Tag zu Tag mehr zu, be­sonders da der Gegensatz zwischen dem neuen Innenminister Starhemberg und den So­zialdemokraten sehr groß ist.

Rücktritt des rumänischen Kabinetts.

B u k a r e sl, b. Okt. (WTB.) Ministerpräsident Maniu erschien heute nachmittag inSinaja beim König in Audienz und überreichte ihm sein Rücktrittsgesuch. Maniu berief sich dabei auf Gesundheitsrücksichten. Der König hat in Anerkennung der Gründe Manius die Demission angenommen.

Die Nachricht vorn Rücktritt des Kabinetts hat keine Ueberraschung hervorgerufen. Die Ur- sache der Krise liegt in der Unnachgiebig- teit Manius, die vorn König Gewünschte Konzentrationsregierung zu bilden deren erste und wichtigste Aufgabe die Krö- nungsfeier gewesen wäre. Durch seine Wet- gerung trat Maniu auch in Gegensatz zum Agrar- flugel seiner Partei, wodurch der Ausbruch der an sich unvermeidlichen Krise beschleunigt wurde ,«,?eL?iSnia ?ü-k'!ch> auf die gekannte Wirtschaftslage eine Auflösung des Par- laments und darauf folgende Neuwahlen

Auch Preußen will sparen.

Ltreichungen am Etat

Berlin, 7. Okt. (CNB.) Im Zusammenhang mit dem Finanzprogramm der Reichsregierung ist auch der preußische Finanzminister chöpker- A schoss bemüht, den preußischen Staatshaushalt für 1931 fertigzustellen. Das preußische Staats. Ministerium wird noch darüber zu entscheiden haben, inwiefern die von der Reichsregierung aufgestellten Grundsätze von der preußi­schen Regierung bei der Etataufstellung für 1931 ZU berücksichtigen finb. Volle Uebereinstim- mung besteht darüber, daß auch Preußen im kam- menden Jahr eine Ausgabe nsenkung in großem Maßstabe wird durchführen müssen. In einer Anweisung, die der preußische Finanzminister an die Ressorts hat herausgehen lassen, heißt es: Es ist nicht möglich, die Steuereinnahmen durch weitere Anspansuing der Steuern zu steigern, da iw bereits überspannt sind E s bleibt nurübrig,dieAusgaben zu senken Bei der Haushaltsaufstellung werden deshalb die An- satze der Ministerialzulagen der nicht ruhegehalts- fähigen Aufwandsentschädigungen, der Nebenamt- lichen und nebensächlichen Vergütungen, der Prüfungsvergütungen, der Unterstützungen und Not- standsbeihilfen, herabgesetzt werden Auch die Aufwandsentschädigungen für die Staatsminister, bte Staatssekretäre, die Oberpräsidenten, Regie, rungspräsidenten, ßanbräte sowie der höheren Richter werden herabaesetzt.

Aus den weiter festgestellten Richtlinien ergibt Jid), daß eine Erhöhung der Ansätze für den Betrieb der Dienstkraftwagen nicht in tfrage kommt. Die Fonds für Umzugs- kosten und für Lehrmittel sind um 10 v. H Su kürzen. Alle übrigen sächlichen Aus- gaben sind, soweit sie nicht auf gesetzlichen oder rechtlichen^ Verpflichtungen beruhen, u m 5 H- 3u kürzen. Die Gesamtsumme des L-rrraormnariumä der einzelnen Verwaltungen ist um 10 v. H. geringer zu halten als 1930. Der greupiRbe Finanzminister erstrebt weiter eine i?VJÄeb£n9. DDn Behörden, Anstalten und 3m einzelnen wird darauf hingewiesen, daß für den Haushalt 1931 mit einem Minder­ertrag von 82 Millionen Mark der Ueberschuh- oF%?-rrn9, erhöhten Zuschuß von

23 Millionen Mark für bie Hoheitsverwaltungen gerechnet werden muh, ferner 8 Millionen Mehr- bedarf der Staatsschuld, 17,6 Millionen Mark Fehlbetrag für 1929, insgesamt fehlen also für den Haushalt 1931 rund 130 Millionen Mark.

Auch eine Antwort.

z- °.fL (Bdz.) Aus eine im Preu­ßischen Landtag eingebrachte kleine Anfrage des ^6. K u b e (Rat.-Soz.) hat der preußische Ministerpräsident Braun folgende Antwort er­teilt:Der Ausfall der Reichstagswahlen gibt dem Staatsministerium keinen Anlaß, eine Auflösung des Landtages herbei- z u f ü h r e n. Die Wähler in Preußen, die am 14. September d. 3. für die NSDAP, gestimmt haben, können bei der nach Ablauf der in der Verfassung vorgesehenen vierjährigen Legislaturperiode des Landtages stattfindenden Neuwahl ihr ver­fassungsmäßiges Mitbestimmungsrecht ausüben. DieS entspricht auch den Gesehen der Demo­kratie."

zu machen. Wohl ist der Weg, der zu einer Nachprüfung der ganzen Regelung führen kann, genau vorgeschrieben, und zwar hat die deutsche Regierung den objektiven Nachweis einer zwingenden Notwendigkeit solcher Nachprüfung !ick unt iUle8lELC I "°uy°rk,7.Oft. (121. Junffprud).) Tloch über- Moratoriums -rs^ps-nsönn^un di^ ! Zfietoungcn au» Buenos Aires und

bei der Entwicklung, die wir gegenwärtig wirtschaftlich durchmachen, der Regierung dieser Nachweis nicht allzuschwer fein. Schon un­sere^ heutigen Krisenschwierigkeiten müßten bald genügen, unsere Reparationsgläubiger von der Ehrlichkeit eines solchen offiziellen Schrittes zu überzeugen. Wir zählen doch heute schon drei Millionen Arbeitssuchende. Steigt die Zahl über Winter im gleichen Verhältnis wie früher, dann werden wir bald die doppelte Zahl Arbeitsloser zählen. Das bedeutet doch eigentlich den Bankerott. Reparationen sollen doch Wiedergutmachungszahlungen fein, d. h. sie sollen erlittene Schäden reparieren.

^eute aber bedeuten die Reparationen keine Wiedergutmachung, sondern sie wirken ungeheuer schädigend, nicht nur in Deutschland, sondern gerade auchfür die Empfangsländer. Das Mindeste müßte deshalb sein, daß die Repa­rationen eine zeitliche Einstellung er­fahren.

P

Jena oder Sedan.

Das Problem über Sinn, Weg und Ziel de r d eu tschen Wehrmacht, vor einem Diertelzahrhundert unkaiserlichenDeutsch- land unter dem Schlagwort 3ena oder Sedan in allerdings etwas anöerm Zusammenhang be­reits eingehend behandelt, ist jetzt auch für dieDeutscheRepublik aufgeworfen. Aus­gangspunkt ist dafür der feltfame Prozeß vor dem Reichsgericht, den wir an unserem Auge Dor- überziehen sahen, gegen drei junge Offiziere, die wegen Hochverrats angeklagt und auch zu anderthalb Jahren Festung verurteilt worden sind Ein merkwürdiger Prozeß und ein merk­würdiges Urteil! Eine Aneinanderreihung von Unbegreiflichkeiten, die ein völliges Feh­len leben psychologischen Blicks bei den Veranstaltern des Verfahrens vermuten lassen.

Was ist denn eigentlich geschehen? Da sind drei -^'.b^iere, nur zwei von ihnen noch aktiv, me sich über bie Stellung ber Reichswehr den Sergrübelt haben, die in dem reinen Ga- maschen^enst keine Befriedigung fanden, sondern auch noch ideelle nationale Werte such- ten Sie haben sich an die nationalsozialistische Arbeiterpartei in München um Rat und um Auf­klärung gewandt, haben auch Reisen -gemacht und in anderen Offizierskorps Gesinnungsgenossen ge­sucht, um mit ihnen zu überlegen, wie der nationale Auftrieb in ber Reichswehr gesteigert werden könnte. Die haben damit zweifellos g e - geu bie bestehenden Bestimmungen gehandelt, haben den Gehorsam und die Diszi­plin verletzt und mußten deswegen bestraft werden. Denn das ist ganz selbstverständlich, Gehorsam ist die Grundlage jeder Armee, jedes Rütteln an diesem Gefüge macht die Waffe für den entscheidenden Augenblick stumpf und wertlos. Niemand wird also ernsthaft daran denken, diese lungen Offiziere bis zum letzten zu entschuldigen.

Aber niemand wird es auch verstehen, daß es deswegen notwendig war, ein ganzes Reichsgerichtsverfahren wegenHoch- ber rat mobil zu machen. 3m alten deutschen Heere wäre so etwas im Disziplinarwege durch einen Anpfiff des Vorgesetzten und einen längeren Stubenarrest erledigt worden, ohne daß ein Mensch etwas davon erfuhr. Heute dagegen ?'?^l^bc^on.öcrct Untersuchungsrichter öe$ I^ichsgerichts mobil gemacht, der im ganzen Deutschen Reich herumfährt und Material sam­melt, der mit fünf Automobilen in Augsburg er- scheint, hinter dem Regiment herfährt und die b^oen Offiziere vorversammelterMann-

U verhaftet. Darf man nicht vielleicht auch die Frage anschneiden, wie denn die Diszi- - lm,$ce.cc aufrecht erhalten werden soll, wenn es möglich ist, daß ohne überzeugende Verbachts­grunde Offiziere aus der Front heraus verhaftet werden können? So bedenklich war doch die Lage gewiß nicht, daß der Untersuchungsrichter nicht die paar Stunden hätte warten können, bis die truppe wieder in die Garnison zurückmarschiert war, um bann ohne derartiges Aufsehen ein- zugreifen.

Gerade dieser fabelhafte Apparat, der hier aufgeboten worden ist, um aus einer Mücke e i n e n E I e f a n t e n zu machen, legt zum min­desten die Vermutung nahe, daß in dem Prozeß auch noch politische Untergründe ver­borgen liegen, die darauf abzielten, die National­sozialistische Partei als staatsgefährlich anzu­prangern. Sollte das ber Fall gewesen fein, bann ist das ' wenigstens gründlich miß­lungen. Geradezu das Gegenteil ist e r- e.i A t- Das Duell zwischen dem national­sozialistischen Parteiführer Hitler und dem Reichs­ministerium des 3nnern vor dem Reichsgericht hat mit einem Siege des vereidigten Zeugen Hitler geendet, der hier eine Gelegenheit zu einer glänzenden Propagandarede bekam: der vermut­lich auch in den Verurteilten zwei tüchtige Agi­tatoren gewinnt, die als Offiziere der Reichs­wehr verloren gehen.

Aber das Schicksal ber beiden Verurteilten, diese Offizierstragödie im kleinen, ist ja nicht einmal das ernste Symptom des ganzen Ver­fahrens. Viel bedenklicher ist doch die Stim­mung, bie sich nach Dutzenden von Zeugenaus­sagen offenbar im ganzen O f f iz ier ko r p s unb in ber Reichswehr festgesetzt hat. Der beutfche Offizier hat zum Glück eine sehr hohe Auffassung von seiner Aufgabe. Er wlll kein^ Landsknecht sein, er will als Soldat der Träger des nationalen Gewissens fein. Das ist ein Glück für uns. Denn darin liegt die Seele des Heeres, liegt das Geheimnis, daß aus der Reichswehr über kurz ober lang einmal wieder das Heer ber allgemeinen Wehr­pflicht machen kann. Aber man wirb es dem Offi« zier nicht verargen können, wenn er sich an ber Diskrepanz zwischen seinem Wollen unb den Tatsachen zerreibt. 3st es nicht etwas Un­geheuerlich s, daß nur mit Rücksicht auf kommu­nistische Demonstrationen Soldaten in Zivil in bie Kaserne gehen unb dort erst ihre Uniform anlegen bürsten. 3st es nicht etwas Ungeheuer­liches. daß bie größte deutsche Partei, die toieber* yE in ber Reichsregierung gesessen hat unb seit Sehn Jahren Trägerin ber Regierungsgewalt in Preußen ist, auch heute noch der Wehrmacht im tiefsten ihres Herzens feindlich gegenübersteht und den Offiziersstand bewußt verhöhnt. Die notwendige Folge ist da doch der Haß gegen diese Sozialdemokratie im Heer und ber Haß auch gegen ben knochenerweichenben Pazifismus, wie er von gewissen Kreisen ber Sozialdemokratie gepregt wird. Man muh diese Dinge einmal deutlich beim Namen nennen, wenn man bessern will, und das einzig Gute dieses un­glücklichen Prozesses ist, daß nicht nur die deutsche Oeffentlichkeil, sondern auch hoffentlich das Reichs­wehrministerium darauf gestoßen wird, wie durch diesen inneren Widerspruch die Reichswehr zu­grundegerichtet wird. Der neue Mann in der Obersten Heeresleitung hat in erster Linie dafür zu sorgen, daß ber Geist der Reichswehr in seiner nationalen Zielsetzung nicht zerbricht.

Oie Besprechungen beim Reichskanzler abgeschloffen.

, 6 ?! in , 6. Oft. (TU.) 3m Anschluß an die

ä^a#9t:nr politischen Besprechungen empfing Reichskanzler Dr. Brüning am Montag die Ver­treter ber Deutschnationalen Volks- Karte 1 ^georbnete Dr. Oberfohren und

v- ^».p i b rf e l b. Eine Besprechung mit ..^ktionsfuhrer ber Bayerischen

olkspartei, Abgeorbneten Leicht ist terSndtra9 3m Anschluß hieran'wird Reichskanzler Dr. Brüning dem ReichSprü-