Ausgabe 
7.7.1930
 
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Nie Antworten auf Briands Paneuropa-Memorandum.

Der Deutsche Beamtenbund gegen den preußischen Beamtenerlaß.

Berlin, 5. Juli. (Tel.-Un.) Die Zeitschrift des Deutschen BecvntenbundesDer Beamten- bund" schreibt zu be,m Erlaß des preußischen StaatLministeriums über die Beteiligung an der Nationalsozialistischen und der Kommunistischen Partei u. a. folgendes:

Der Deutsche Beamtenbund beobachtet seit lan­gem mit wachsender Besorgnis die zuneh­mende Verrohung der politischen Sitten. Besonders muß er verurteilen, daß auch Beamte sich an der Austragung politi­scher Gegensätze in einer Form beteiligt ha­ben, die sich mit der Beamten stellung nicht verträgt. Deniloch kann er den Erlaß der preußischen StaatSregierung nicht b i l l i -

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gen. Die Reichsverfassung gewährleistet allen Beamten die Freiheit ihrer politischen Gesinnung. Dieses verfassungsmäßige Grundrecht gibt nicht nur die Freiheit, eine be­stimmte politische Auffassung zu haben, sondern berechtigt auch, sich zu dieser politischen Auf­fassung zu bekennen. Jede Beeinträchtigung dieses Rechts ist mit der Reichsverfassung nicht vereinbar.

Reichsgcmelnschaft junger volksparleiler.

Die Reichsgemeinschaft junger Dolksparteiler hielt in Frankfurt a. M. eine Tagung ihrer rhein-mainischen Gruppen ab. Zu dem Scheitern der zwischen den Reichstagsfraktionen geführten DammlungSverhandlungen erklärte die Versammlung, daß eine Sammlung der Parteien auf nur organisatorischer Grund-

DieUntersuchung des Gäuglingssterbens in Lübeck.

Aoch keine abschließenden Ergebnisse der Untersuchung durch das ReichSgesundheitsamt.

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läge und durch Vereinbarungen der Partei­maschinerie von vornherein keine Aussichten auf Erfolg bieten konnte und zudem alsParteien­addition" in keiner Weise den Forderungen der jungen Generation entsprochen hätte. Die junge Generation hält fest an dem Gedanken der Deutschen Staatspartei als dem Sammelbecken aller staatsbejähen- den Kräfte. Diese Sammlung läßt sich nicht herbeiführen durch Führerbeschluh, Jo-n dern nur durch eine Bewegung vonunten her, eine Bewegung, die sich geistig unter bestimmten Parolen zusammenfindet, ehe sie sich organisatorisch bindet. Die Hoffnung, daß der Jungdeutsche Orden mit den in den Par­teien lebendig werdenden Kräften zuscrmmen- arbeiten würde, müsse als erledigt gelten. Die Dolksnationale Reichsvereini­gung habe als Partei ihr Schicksal festgelegt. Der Reichsvereinigung junger Bolksparteiler sei unter Ablehnung der Methoden moderner Mas­senbewegungen an der Bildung eines Führer­kreises gelegen.

Aus aller Welt. '

Amerikanischer Flollenbesuch in kiel.

Berlin, 5.Juli. (TU.) Direktor Prof. Haendel vom Reichsgesundheitsamt, Ar sich gemeinsam mit Prof. Dr. Lange vom Rolnrt- Koch-Institut im Auftrage der Lübecker Behör­den längere Zeit in Lübeck aufgehalten hat, um Ermittlungen über das Lübecker Säuglingssterben anzustellen, erklärte vor Vertretern der Presse unter anderem: r , r ,. .

Es längen noch keine abschließen­den Ergebnisse über den Grund des Säug­lingssterbens vor. In Lübeck seien von den in Frage kommenden Aerzten noch von den sonstigen Stellen Vertuschunasversuche gemacht worden. Richtig sei, daß Professor Deycke sogenannte Aufschwemmungen (gebrauchsfertige Impfstoffe) vernichtet habe: Kulturen seien jedoch von ihm nicht beiseite geschafft worden. Am 26. April sei in Lübeck der er ste Säugling g e st o r b e n, bei dem Prof. Deycke Verdacht ge­habt habe, daß der Tod im Zusammenhang nut der Calmette-Fütterung stehen könnte. Er habe aber angenommen, daß es sich um einen ein« zelnenUnglücksfall handele und daß eine Bedrohung sämtlicher mit dem Calmette-Präparat gefütterten Säuglinge nicht in Frage komme. Damit weiter kein Schaden entstehe, habe er die bereits im Laboratorium sertiggemachten Jmps- stvfsmengen vernichten lassen, habe aber ver­gessen, die in P r i v a t h a n d (Privatärzte und Hebammen) befindlichen Jmpfmengen einzuziehen.

Die Untersuchung der beiden Berliner Herren sei nach drei Richtungen Yin gegangen:

1. ob die Calmettekulturen, die in Lübeck schon seit einem Dreivierteljcchr weiter­gezüchtet worden seien, eine Steigerung der Virulenz erfahren hätten. Die Gesundheits­behörde halte eine solche Steigerung immer noch für möglich. Die Untersuchung darüber sei aber noch nicht abgeschlossen:

2. ob Verwechslungen der Kulturen vorgekommen seien. Auch diese Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Es sei zu hoffen, daß dies dann auch die Aufklärung über die bedauerlichen Todesfälle ergeben werde:

3. ob eine eventuelle Verunreinigung der Calmette-Kultur bzw. eine Vermengung der Calmette-Kultur mit virulenten Tuberkel- oder

werde. Vorsitzender Berzeviczy würdigte die großen Verdienste Briands um die Konsolidierung der eu­ropäischen Verhältnisse, betonte jedoch, daß es geradezu eine Ehrenpflicht der Großmächte sei, die allgemeine Abrüstung gerecht durchzufüh« ren. Statt dessen werde auf allen Setten im größten Maße g e r ü st e t. Es sei unumgäng­liche Pflicht Ungarns, auf der kommenden Vollver« sammlung des Völkerbundes den Abrüftungsgedan- ken in den Vordergrund zu rücken.

Die Möglichkeiten deutsch- französischer Zusammenarbeit Die Grundlage für Briands Paneuropa.

Paris, 7. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der Außen- Politiker desMatin", Sauerwein, den seine En­quete über die Aufnahme des B r i a n d s ch e n Memorandums über die föderative Gestal- tung Europas nach Mitteleuropa und nach Skan- dinavien geführt hatte, kommt heute zu dem Ergeb­nis daß nur durch eine Verständigung zwi­schen Frankreich und Deutschland dieser Plan realisierbar sei und daß er realisiert werden müsse, welche Hindernisse sich ihm auch jetzt noch entgegenstellen mögen. Er habe wahrend seines Aufenthaltes in Deutschland festgestellt, daß nir­gendwo ein kriegerischer Gedanke ge­hegt werde, freilich hofften gewisse Leute aus Rußland oder Italien. Auch das könne sich nicht erfüllen, im Gegenteil, die Fortsetzung der Politik Stresemanns bedeute die Zusammen- arbeit Deutschlands mit Frankreich, d. h. mit dem Staat, der gegenwärtig der einzige sei, der Deutschland finanziell helfen könne, wie das auch die deutsche Industrie und die deutschen Landwirte ganz genau wüßten, der einzige Staat, der Deutschland helfen könne, eine bessere Re- gelung der Reparationen durch ein freund- schaftliches Abkommen mit Amerika zu er­langen, der einzige Staat auch, der die Rückkehr zu einem vernünftig aufgefaßten und eines großen Landes würdigen Militär st atus ermöglichen könne, der einzige, der ihm in den Grenzen des Möglichen die Kontinuität seiner Verbindunas- wege mit Ostpreußen wieder verschaffen könne. Deshalb glaube er, Sauerwein, daß Deutsch­land trotz aller Zwischenfälle und Aufreizungen an Frankreichs Seite stehen werde, um Europa neu zu schaffen. Augenblicklich gebe es in Deutschland 2 600 000 Arbeitslose. Das seien keine chronisch de­primierten Arbeitslosen, rose etwa in England, son­dern arbeitswillige Menschen, die wirk- (id) unter ihrer Untätigkeit und ihrer Notlage litten. Wenn die Absatzmärkte und die Aussichten für die Zukunft sich bessern würden, werde seiner Ansicht nach der aesunde Menschenverstand in Deutschland den Sieg daoontragen.

Finnlands Kampf gegen -en Kommunismus.

Ter Aufmarsch der Lappo in Helsingfors.

Heising fors, 6. Juli. (TU.) Die Lage in Finnland spitzt sich mehr und mehr zu. Die Lappo-Bewegung hält ihre Forderungen auf völlige Unterdrückung des Kommunismus gegenüber der neuen Regierung voll aufrecht. Die Lage der Regierung ist außerordentlich un­sicher. da hinter der Lappo-Bewegung das Schuhkorps und wahrscheinlich auch das finnländische Heer stehen. Am Sonntag hat der Aufmarsch zu der großen Lappo-Demon» stration begonnen. Im Hauptquartier der Lappo- Bewegung herrschte fieberhafte Tätigkeit. Die Unterbringung und Verpflegung der 10 000 bis 15 000 Mann war militärisch organisiert. Die russische Gesandtschaft hat einen be­sonders starken Polizeischuh erhalten, um Ausschreitungen zu verhindern. Trotzdem sind Zwischenfälle nicht ausgeschlossen, da, wenn auch die Lappo-Leute unbewaffnet nach Helsing- fors kommen, doch ein langerFinnendolch" zur Bekleidung jedes patriotischen Finnen gehört.

In den Abendstunden des Sonntags zogen von allen Seiten nicht endenwollende Automobil­kolonnen der Lappo-Leute in Helsing- sors ein. Mit finnischen Fahnen und Tannen- reisern geschmückt, fuhren die Kraftwagen­kolonnen, von Motorradfahrern geführt, in die Stadt. In Kompanien und Bataillonen stellten sich die Lappo-Leute auf. Den Zug machen in der Hauptsache nur ältere Leute mit. Unter 24 Jahren ist kein Teilnehmer, um Zusammen­stöße aus jugendlichem Leichtsinn zu vermeiden.

Dauern im Sonntagsrock, zum Teil in hohen Stiefeln, viele mit deutschen Tor­nistern, als einziges Zeichen die blau-schwarze Lavpobinde um, durchzogen die großen Kolonnen uno kleinen Gruppen die Straßen. Sonderpa­trouillen sorgten für Ordnung.

Seit Sonnntagabend hat man das Empfinden, daß neben der offiziellen Regierung eine LapPo-Regierung besteht, in deren Hän­den die tatsächliche Macht liegt. Irgendwelche Zwischenfälle haben sich nicht ereignet, doch ist die Erregung zweifellos sehr groß. Don mancher Seite werden Zweifel ausgedrückt, ob die Lappo- leute nicht auch nach Beendigung der vorgesehe­nen Feiern in Helsingfors fleiben. Die Regierung hat ein Kommunique heraus- gegeben, in dem sie zu dem Marsch der Lappo auf Helsingfors erklärt, diese Demonstration be­weise, daß außerordentliche Maßnah. men notwendig seien. Die Regierung arbeite auf das gleiche Ziel hin wie die Lappo- leute, nämlich den Kommunismus in Finnland zu erdrosseln und verlange deshalb, daß jedes eigenmächtige Vor­gehen unterbleibe. Die Regierung hat Änige kommunistische Gewerkschaftshäuser schlie­ßen lassen.

getrennt vom Mutterlande sich entwickeln: wenn es auch vielleicht vorübergehend einen wirt­schaftlichen Aufschwung erlebe, leben könne es nur im Zusammenhang mit dem deut­schen Mutterlande. Darum zurück zum Rheinland und zum Reich!

Falsche Zahlen und falsche Schlüsse.

Deutschlands und Frankreichs Wirtschafts­beziehungen znm Laargebiet.

Berlin, 5. Juli. (ERD.) Im französischen Denatsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten hat Senator Eccard darauf hingewiefen, daß cs notwendig sein werde, den status quo im Saargebiet aufrechtzuerhalten. Er erklärte, jede Veränderung des status quo sei gicfährlich, nicht nur für die französische Handelsbilanz, sondern auch für das Sgar- gebiet selbst, das unbedingt zusamnien- b rech en müsse, wenn es aus dem fran- zösischen Zollsystem herausgenom­men werde. Aach seiner Darstellung betrug die französische Ausfuhr nach dem Saargebiet zuletzt zwei Milliarden Franken. Diese Zahl ist, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, u n r i ch t i g. Die französische Ausfuhr nach dem Saargebiet betrug im Jahre 1928 1,3 Milliarden Franken. Es ist anzunehmcn, daß sie inzwischen noch wei­ter zurückgegangen ist: denn die deut­sche Ausfuhr nach dem Saargebiet hat sich in der Zwischenzeit erheblich verstärkt.Jn Franken umgcrechnet betrug die deutsche Aus­fuhr im Jahre 1926 325 Millionen, 1927 480 Millionen, 1928 690 Millionen und im Jahre 1929 852 Millionen Franken. Die Wirtschafts­beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und dem Saargebiet haben sich in den letzten Jahren also erheblich verstärkt.

Eupen-Malme-y fordert Revision.

Eine Kundgebung im Provinzialrat von Lüttich.

Lüttich, 5.Juli. (ERB.) Auf der Tagesord- nung der letzten Sitzung des Prooinzialrates stand u. a. ein Antrag Wigny (Katholik) und Genossen auf Gewährung einer Beihilfe an die Waisenhäuser der Provinz, die ihre Pflegebefohlenen zur Lüt- ticher Weltausstellung führen. Die drei Vertreter der Christlichen Dolkspartei Eupen- MalmedysSt. Vieth, Liberi Fatzaun und Dr. Meuderfcheidt, stimmten dem Anträge zu. Zur Begründung führte Abgeordneter Sibert in deut- scher und französischer Sprache aus:Bei unserer Zustimmung leitet uns der Gedanke zu beweisen, daß wir gegen die beiden Völker, die vor hundert Jahren zum belgischen Staat vereinigt wurden, keine feindseligen Gefühle hegen, ihnen vielmehr auch für das zweite Jahrhundert der nationalen Unabhängigkeit Belgiens Glück und Wohlfahrt wünschen. Wir wollen indessen keinen Zweifel darüber lassen, daß unsere Zustimmung keineswegs die Anerkennung des gegenwärtigen Zustandes unserer Ge­biete bedeutet. Wir werden im Gegenteil, getreu dem Programm der Christlichen Volkspartei, in Uebereinftimmung mit unseren Wählern und der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung nicht 'aufhören, für Eupen, Malrnedy und St. Vieth, eine neue, regelrechte Volksbefra­gung zu verlangen.

Ein amerikanisches Geschwader, bestehend aus _ den LinienschiffenArkansas,Florida? undUtah", lief zu einem mehrtägigen Besuch in den Kieler Hafen ein. An den Fördeufern und auf zahlreichen Booten hatten sich viele Schau­lustige eingefunden, die den amerikanischen Gästen einen freundlichen Empfang bereiteten. Die Mannschaft der LinienschiffeSchleswig- Holstein",Hessen",,Königsberg und Köln" hatten Aufstellung an Bord genommen. Rächdem beim Passieren von Friedrichsort nut der dortigen Salutbatterie der Landes- salut ausgetauscht worden war und die Schiffe an den Bojen festgemacht hatten, begab sich der amerikanische Generalkonsul in Hamburg an Bord derArkansas", um dem Geschwader­chef Admiral Cluverius seinen Besuch zu machen, der im Laufe des Vormittags erwidert wurdL Später besuchte Admiral Cluverius auch den Ches der Marinestation der Ostsee Admiral H a n s e n, und den Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein Kürbis. Für den Besuch, den ersten einer größeren Einheit der amerikanischen Flotte in unseren Gewässern, ist ein umfangreiches Pro­gramm aufgestellt, das u. a. auch offizielle Emp­fänge seitens der Städte Hamburg und Bremen Vorsicht.

Schweres ITloforboofunglütf bei Potsdam.

Auf der Havel, unweit Sakrow, geriet der Vergaser eines Motorbootes in Brand und verursachte eine Explosion des Denzin- behälters. Die beiden Insassen, ein Kauf­mann Jahn aus Charlottenburg und dessen Schwager, erlitten schwere Verletzungen. Da Jichns Kleider zu brennen anfingen, sprang er in der Verzweiflung ins Wasser und er­trank, da er des Schwimmens unkundig war.

Schwerer Schiffszusammensloß in der Adria.

Das italienische MotorschiffFrancesco Morosini", das sich auf der Fahrt von Zara nach Spalato befand, stieß in der vergangenen Rächt in der Meerenge von Pas- man mit dem südslawischen DampferKara­ge orgewitsch" zusammen. DieaKrageorge- witsch" wurde schwer beschädigt. Ihre 400 Passagiere wurden von dem italienischen Schiff übernommen und nach Zara gebracht. Vier von ihnen wurden beim Zusammenstoß getötet, 17 waren so schwer verletzt, daß sie nach der Landung ins Krankenhaus ge eracht werden mußten.

Oie Wetterlage.

anderen Kulturen vorgekommen sei. Auch dies werde noch weiter nachgeprüft werden.

Es sei anzunehmen, daß innerhalb von vier Wochen sämtliche Punkte geklärt werden se^n.

Der Reichsgesundheitsrat sowie das Reichs­gesundheitsamt hätten im Jahre 1927 zu der Calmette-Fütterung eine warnende Stel­lung eingenommen, weil zu befürchten gewesen sei, daß die Kulturen wieder virulent werden könnten. In Deutschland sei, außer in Lübeck, in Berlin, Breslau, in der Eifel und tn Ostpreußen Calmette-Präparat ohne schädi­gende Wirkung verfüttert worden, aber nur bei ausgesuchtem Kindermaterial. Auch jetzt nehme das Reichsgesundheitsamt noch einen vorsichti­gen Standpunkt bezüglich des Calmette-Prapa- rats ein, bis es sich über das Ergebnis der Lübecker Untersuchung klar sei.

Was das Präparat des Berliner Arztes Pro­fessor Genter,Antiphti si n", anbetreffe, so sei es vor einigen Jahren im Reichsgesundheits- omt auf Antrag Genters untersucht worden. Genter habe sich jedoch verpflichten müssen, keine Reklame damit zu machen; diese Ver­pflichtung sei nicht eingehalten worden. Die Untersuchung habe ergeben, daß es sich bei demAntiphtisin" um kein wirksames Mittel gegen dieTuberkulose handele. Es fei allerdings völlig unschädlich und bewirke eine gewisse Lebensverlänge­rung. Runmehr sei Professor Genter plötzlich, ohne gerufen zu sein, in Lübeck aufgetaucht und habe einige Kinder mit seinem Präparat be­handelt. Bei einzelnen von ihm behandelten Kin­dern sei eine Besserung festzustellen gewesen; dies sei ober auch bei solchen erkrankten Säug­lingen zu beobachten, die nicht mit Genters Prä­parat behandelt worden seien.

Drei weitere Todesopfer.

Lübeck, 7. Juli. (wTv. Aunkjpruch.) Die Zahl der Todesopfer bei den mil dem Tuberkulofepräparat gefütterten Säuglingen hol fich, wie das Lübecker Gefundheilsaml befanntgibt, vom Samstag bi» Mon­tag um drei weitere To desf alle auf 5 3 erhöht, krank find 66, gebeffert 73, gesund 59 | Kinder!

Italien und Paneuropa.

Sehr skeptisch. Tie FriedcnSverträge das größte Hindernis

Genf, 5. Juli. (TU.) Wie die Telegraphen- Union hört, wird die Antwort der italienischen Regierung aus die Briand-Denkschrift im wesent­lichen einen ablehnenden Charakter tragen. Die italienische Regierung soll, entgegen dem Vorschlag Briands die Unabhängigkeit der wirtschaftlichen Fragen von jeder politischen Einflußnahme for­dern und ferner hervorheben, daß eine euro­päische Staateneinigung kein wirtschaftlich sich selbst genügendes Gebilde dar- stellen könne. Dos außerordentliche Anwachsen der europäischen Industrie in der Nachkriegszeit mache vielmehr einen starken Ausbau und eine engere Verknüpfung der wirtschaft­lichen Beziehungen Europas zu den außereuropäischen Absatzgebieten notweiidig. Die Bildung einer europäischen Staa­tenvereinigung berge die Gefahr eines Gegen­satzes und der Absonderung Europas von den außereuropäischen Staaten m sich.

Die italienische Regierung scheine in gleicher Weise wie die holländische Regierung die Auf­fassung zu vertreten, daß zur Zeit einem euro­päischen Staatenbund noch unübersehbare Hindernisse entgegenstehen, die im wesent­lichen auf europäische Grenzziehun­gen der Rachkriegszeit zurückzufuhren sind Die italienische Regierung bezieht sich dabei auf die Erklärungen Mussolinis in seinem letzten Leitartikel, in dem zum erstenmal öffentlich die Forderung auf Revision der Friedens­verträge erhoben worden ist.

Auch Ungarn macht Vorbehalte.

Budapest, 5. Juli. (WTB.) Im Ausw. Ausschuß des ungarischen Oberhauses berichtet Außenminister W a I k o über Ziele und Aufgaben des Briandschen Memorandums und über die -Gesichtspunkte, die bei dem Eintritt Ungarns in den geplanten Staaten­bund zu beachten wären. In der Aussprache machte Baron Szterenyi darauf aufmerksam, daß Die geplante Staatenorganisation eigentlich eine e nb- gültige Festlegung der heutigen Ge­bietsverteilung, al so der Trianon er Grenzen, bedeute. Die Regierung müsse ledoch auch in Zukunft mit friedlichen Mitteln die W i e - dergutmachung der Ungerechtigkeiten des Friedensvertrages anftreben. Auch andere Redner machten Vorbehalte geltend. Mini­sterpräsident Graf B e t h l e n gab die Versiche­rung ab, daß die Regierung bei der Abfassung ihrer Antwort die politischen und wirtschaftlichen Inter- essen der ungarischen Ration sich vor Augen halten

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Wettervoraussage.

Begünstigt durch den Zustrom kühler Luft bat über Deutschland erneuter Barometeranstieg eingesetzt, der das von den Azoren kommende Hoch nach dem Fest­lande ausbreitet. Somit gelangen wir in den Be- reich hohen Druckes, der eine abermalige sommer- Uche Schönwetterlage in Aussicht stellt. Anfänglich wirkt die mit dem Lause der Isobaren zufließende kühle Luft etwas auf die Temperaturen ein, so daß leichte Auffrischung eintritt. Die Erwärmung wird aber alsbald wieder zur Vorherrschaft gelangen, zu­mal der stärkere Strahlungseinfluß zur Geltung kommt.

Wettervoraussage für Dienstag! Meist heiter, trocken, anfangs etwas kühler, dann wieder wärmer.

Lufttemperaturen am 6. Juli: mittags 26 Grad Celsius, abends 22 Grad; am 7. Juli: morgens 20,1 Grad Maximum 26,7 Grad, Minimum 18,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Juli: morgens 27,4 Grad; am 7. Juli: abends 22,4 Grad. Niederschläge 0,1 mm.

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