Ausgabe 
7.6.1930
 
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Entwurf: Stadtbaurat Gravert.

Oie Lagt» im Luni

Durchgangsverkehr gestört und ist in sich abge­schlossen. Die beiden Räume für blutige und unblutige Operationen liegen aus dem westlichen Flügel und sind durch einen Sterilisationsrcrum miteinander verbunden. Wenige Schritte ent­fernt liegen die Werkstätten für Bandagisten und Gipsformer, daneben ein besonderes La­boratorium. Diese Werkstätten haben durch eine Wendeltreppe direkte Verbindung mit zwei weiteren Werkstätten im Kellergeschoß, in denen die geräuschvolleren Schmiede- und Schuhmacher­arbeiten ausgeführt werden.

An die Operationsräume schließen sich das Chefarztzimmer mit Bibliothek und Privatsprech­zimmern' an; danach folgt der Röntgenraum mit Dunkelkammer, der so gelegen ist, daß er sowohl von den Operations-, als auch von den Unter- suchungsräumen benutzt werden kann.

Sm Kellergeschoß liegen, den Programmforde­rungen entsprechend, auf der nordöstlichen Ecke die Küchenräume mit Vorratskammern und Kel­lern, daneben, zentral gelegen, die Räume der Heizung und daran anschließend Einzelräume

Blick aus der Vogelschau.

sich abgetrennt und in seinem Organismus für sich abgeschlossen. , w .

Der vorläufige erste Bauabschnitt soll in seiner äußeren Gestaltung einen einfachen und gedie­genen Eindruck machen und, um den Charakter der Sauberkeit und Helligkeit auch nach außen hin zu dokumentieren, in den gelblich weißen Klinkern der hiesigen Garlschen Tonwerke auf­geführt werden. Sm übrigen bildet in erster Linie die Grünbepflanzung, einmal in Form einer das Grundstück ringsum abschließenden Grünhecke, dann in Form von Rasenflächen und Blumenbeeten für die Erholung und schließlich auch in Form von Obstplantagen neben der mög­lichst reichen Verwendung von Glas auf der Sonnenseite der Gebäude das wichtigste Moment für die Erreichung des Zweckes:

die Krüppelkranken nicht allein durch die ope­rative Behandlung, sondern auch durch die Er- holungsmöglichkeit in der frischen, sonnigen Luft des Gartens und in den ruhigen, Hellen und freundlichen Räumen der Krankenzimmer der baldigen Genesung zuzuführen.

wie die Ost grenze einmal die Geschichte Deutschlands beeinflussen würde, und wie stark die Anteilnahme der Frauen am Geschick dieser

für Heizer, Wärter, für Werkstattmaterialien u. a. Heber dem Operationsflügel liegt im ersten Obergeschoß die Wohnung des Chefarztes. Heber dem Hntersuchungsflügel liegen die Wohnräume für die Assistenten und Schwestern und in einem weiteren GeschlH die der Helferinnen und Haus­mädchen.

So liegt der eigentliche Klinikbetrieb voll­ständig auf einer einzigen Geschoßhöhe, und keine Zwischenstufe, kein Aufzug und keine Rampe hin­dert eine schnelle Verbindung zwischen den ein­zelnen Flügeln. Seder ist dabei wieder klar in

Ostgrenze sein müßte.

Die Verleihung des Frauenstimmrechts er­schien mir nicht nur als eine Frage des Rechts. Vielmehr verbunden mit der stärksten Verant­wortung und Verpflichtung für das deutsche Volk wurde die Frage des Rechts zur Lebens­frage Denn nun mußten und dursten auch me Frauen bei all den großen Schicksalsfragen Mit­arbeiten. So leben wir seit der Rationalvea> sammlung in der Spannung zwischen Staat und Volk einerseits und Vaterland und Volk anderer­seits. Die andere große Spannung im deutschen Leben ist die zwischen sozialem Leben und Ein­zelschicksal. Hier einen Ausgleich finden liegt in der Linie meiner Arbeit, die durch sozial« Tätigkeit danach strebt, mit dem gesamten Volks­leben in enger Verbindung zu bleiben. Der po­litische Einfluß, den eine Frau in ihrem Wahl­kreis, in der Fraktion, in den Ausschüssen be­sitzt, ist viel stärker gewesen als man an­nehmen sollte. Vielleicht liegt ein wesentliches Betätigungsfeld in der Schaffung einer neuen politischen Kultur, die ganz an­dere Formen politischer Bildung und politischer Beeinflussung von Menschen sucht. Denn unsere Zeit wird trotz aller Zivilisation, die laut und lärmend ist, in Ihren Tiefen doch von neuen geistigen Werten beeinflußt."

Oer Bau einer orthopädischen Klinik in Gießen

Don Stadtbaurat Graveri.

Mnistenalrätin Or. Gertrud Bäumer

Mitglied der Deutschen Demokrati chen Partei.

Mein Vater, in dem sich aber durch mütterliche Vorfahren rheinisches und tiroler Blut mischte, hatte eine ausgesprochene liberale Richtung. Hr- sprünglich evangelischer Geistlicher, quittierte er unter dem ersten liberalen preußischen Kultur­minister Falk den Kirchendienst und war der erste weltliche Kreisschulinspektor, nachdem er schon immer gegen die geistliche Schulaufsicht gekämpft hatte. Meine Familie mütterlicherseits hingegen war durch jahrhundertealte Tradition streng konservativ gerichtet, noch heute ist der kon­servative Zusammenhalt außerordentlich stark in diesem Familienverbande, der dem Staat eine Reihe hoher Beamter und hoher Offiziere ge­stellt hat.

Da mein Vater starb, als ich neun Sabre alt war, und meine Mutter mit uns Kindern nach Pommern ins großelterliche Haus übersiedelte, kann die demokratische Reigung in mir bewußt nicht auf Vorbild des Vaters oder die Erinne­rung an ihn zurückgeleitet werden. Es muh wohl mehr eine Aehnlichkeit der überkommenen Anlage sein, die es verursachte, daß ich mich von Kindheit an in dem streng konservativen Kreise der Familie irgendwie fremd fühlte. Sch wurde dann, mehr der Reigung, als der wirt­schaftlichen Rötigung folgend, V o l k s s ch u l - lehrerin, kam nach Berlin und faßte sehr bald Wurzel in dem Kreis um Friedrich Rau­mann. Sch studierte und stellte mich sehr bald Helene Lange, der Vorkämpferin für die wissen- schaftlich-staatspolitische Bildung der Frau, zur Verfügung. Als wir Frauen im Sahre 1908 durch das Vereinsrecht endlich die Möglichkeit erhielten, uns politisch zu organisieren, trat ich der damaligen Freisinnigen Vereinigung bei. Sm Sahre 1912 wurde ich Redakteurin der Raumann- schen Hilfe. Sch bin also eine lange Reihe von Sahren schon in der mir vom _ Vater über­kommenen politischen Richtung tätig mein Hauptinteresse gilt den kulturpolitischen Fragen unserer Ration."

Reichsiagsabgeordnete Ciara Bohm-Gchuch

Mitglied der Sozialdemokratischen Partei.

Wie ich in die Politik kam? Eigentlich bin ich hineingeboren worden. Vater und Mutter waren ganz freiheitlich gesinnte Menschen, die zu allen politischen Ereignissen aktiv Stellung nahmen. Vater war Vertrauensmann der Frei­sinnigen Partei in unserem kleinen Dorfe. Wirt­schaftlich hatten die Eltern unter ihrem offenen politischen Bekenntnis schwer zu leiden."

Mit 17 Sahren kam ich nach Berlin; ich wollte in die kaufmännische Berufsbahn. Mittel standen nicht zur Verfügung, so arbeitete ich zunächst tagsüber in einer Bäckerei und besuchte den Abendunterricht bei einem Handelslehrer. Den Abschluß bildete ein dreimonatiger Tagekursus, den ich nur dadurch ermöglichen konnte, daß ich gegen sechs Stunden Hausarbeit früh drei Stunden und abends drei Stunden, manchmal auch mehr Hnterkunft in einer Familie fand. Der damalige kaufmännische Hilfsverein für weib­liche Angestellte, dem ich beitrat, vermittelte mir die erste Stelle bei einer Buchdruckerei- und Verlagsfirma, in der ich vielseitige Möglich­keiten für meine Weiterbildung hatte. Durch meine Arbeit kam ich mit der Gesellschaft für ethische Kultur in Verbindung. Gleichzeitig lernte ich die Kreise kennen, die sich um eine neue Lebens­reform durch Licht, Luft und vegetarische Er­nährung bemühten. Meine Wohnung hatte ich bei einer Heimarbeiterin, einer Witwe mit zwei kleinen Kindern, die täglich im Durchschnitt 18 Stunden Hnterkleidung nähen muhte, um den nötigen Lebensbedarf zu schaffen. Sch ver­diente ein dreiviertel Sahr lang 40 Mark im Monat und bezahlte 9 Mark für meine Schlaf­stelle; die restlichen 31 Mark muhten für Le- bunsunterhalt und Kulturbedürfnisse reichen. Sch sah die sozialen Hnterschiede nicht nur, sondern ich erlebte sie täglich. Das hat mich bewahrt, mich in den lebensreformerischen oder nur ethisch- geistigen Bestrebungen meiner Derufsumgebung zu verlieren. Smmer mehr strebte ich den sozia­listischen Zielen zu, ohne zunächst die Form zu finden. Da lernte ich 1903 in einer sozialdemo­kratischen Wahlversammlung Ottilie Bader ken­nen und sie wies mir den Weg.

Wenn auch die parlamentarische Betätigung oftmals unbefriedigt läht, so hat doch die Ent­wicklung der letzten 10 Sahre gezeigt, dah die Mitarbeit der Frau an der Gesetzgebung im Sntereffe der Völkerverständigung und der sozialen und kulturellen Entwicklung nottoenbig ist. Sn meiner Fraktion ist ein gutes kamerad­schaftliches Zusammenwirken mit den männlichen Kollegen vorhanden, wodurch die Arbeit leichter und erfolgreicher wird. Der politische Kampf bringt viel Widerwärtigkeiten mit sich, doch für jeden, der den Fortschritt der menschlichen Ge­sellschaft will, ist Stellungnahme in diesem Kampf eine Rotwendigkeit."

nach rechts zum Warteraum. Reben ihm liegt ein Schreibzimmer, in dem die Krankheitsakten vorbereitet werden, so dah sie, sobald der Kranke das Hntersuchungszimmer betritt, dem Arzt vor­liegen. Die Hntersuchungszimmer für beide Ge­schlechter haben je drei Hntersuchungskabinen. Wenn der Hntersuchte die Klinik wieder verläht, muh er auf vorbezeichnetem Wege an den Ver­waltungsräumen und am Pförtner Vorbeigehen, o dah jeder Eintritt und Fortgang eines De- uchers beobachtet werden kann.

Der Operationsteil der Klinik wird von keinem

Sn der Privatstation, die vorerst für zehn Betten vorgesehen ist, liegen einzeln oder zu zweit die Kranken in Räumen, die mit dem Hauptflur durch eine Schleuse als gesonderten Wasch- und Garderoberaum verbunden sind. Rach der Auhenseite, ebenfalls Südseite, haben sie einen doppelten Glasabschluh, zwischen dem Blu­men wachsen sollen.

Außerdem sind hinreichend grohe Tagesräume vorhanden, ebenso die erforderlichen Bade-, Dusch- und Waschgelegenheiten und die übrigen Räume für Schwestern, Teeküchen usw.

Diejenigen Kranken, die die, Klinik zu einen Hntersuchung betreten, werden im Haupteingang, der am östlichen Zwischenflügel liegt, vom Pfört­ner in Empfang genommen und wenden sich

Die Sagd im Suni bedeutet für viele deutsche Säger den Höhepunkt des Sagdjahres., Denn Ende Mai Anfang Suni geht in den meisten Ländern die Sagd auf den Rehbock auf, den zu erlegen für sie die Krone des Weidwerks bedeutet, wenn es ihnen nicht vergönnt ist, auf den König des deutschen Waldes, den edlen Hirsch, zu weidwerken. Manche Stunde hat der Säger im April und Mai schon draußen zuge­bracht, um seine Docke zu beobachten und zu be­stätigen. Er hat sich bemüht, abschuhreife und Zukunftsböcke voneinander zu scheiden, und seinen Abschußplan danach gebildet. Run soll ihm der Lohn für seine Hegetätigkeit werden. Der Ab­schuß des Bockes soll planvoll erfolgen. Man kann nicht nur gute Böcke schießen und alles andere laufen lassen. Das geübte Sägerauge gehört dazu, um zu entscheiden, ob dieser oder jener Bock nicht eine Gefahr für die Qualität des Be­standes bedeuten. Solche Böcke, die wirklich schlecht veranlagt sind, die aus irgendeinem Grunde kümmern, gehören hinweg, bevor im 3uli das Rehwild in die Brunst tritt und solche Bocte ihre schlechten Anlagen vererben. Der gute Bock, besonders wenn er im Herzen des Reviers steht, hat Zeit. Shn sollte man erst zur Fortpflanzung kommen lassen. Einen solchen Abschuß wird aber immer nur der durchführen können, der auch zur jagdlosen Zeit immer wieder draußen war und seinen Bestand wirklich kennt. Der milde Win­ter scheint auf die Gehörnbildung günstig ge­wirkt zu haben, so daß berechtigte Aussicht auf gute Beutestücke besteht.

Die Ricken haben gesetzt. Den Kitzen drohen von tierischen Feinden, vor allem von Hunden und Menschen mancherlei Gefahren. Man sehe daher Blumensuchern, Beerenlesern usw. auf die Finger.

Heberall, wo Wald und Feld miteinander ad- wechseln, pflegt ein großer Seil des Rehbestandes im Laufe des Suni in die Getreidefelder auszu­wechseln. Dort herrscht Ruhe, und die Stechmücken und sonstigen Plagegeister aus der Snsektenwelt des Waldes fehlen. Wenn einzelne Wiesen oder Kleeschläge in diese Felder eingesprengt sind, so ist es häufig möglich, den gesuchten, im Walde unsichtbar gewordenen roten Dock dort auf seine Decke zu legen, besonders wenn ein recht ergie­

biges Gewitter hemiederging und die Getreide­felder triefen. _

Alles übrige Ruhwild hat Schonzeit. Das Alttier betreut fein Kalb, die Häsin hat irgendwo im Versteck ihr Restchen voll Sunghäschen. Die Ente hat ihr Gelege meist schon ausgebrütet. Auch unsere Wildhühner führen z. T. schon ihre Sungen oder brüten noch. Sst das Raubzeug in Gestalt von Hunden, Katzen, Krähen, Wieseln einiger­maßen kurz gehalten worden, so verspricht die Riederjagd guten Erfolg. Eine besondere Gefahr stellen leider für alles SungtoUb Sense und Mäh­maschine dar. Wie viele Rehkitze, Sunghasen, brütende Feldhühner und Fasanenhennen fallen ihnen leider zum Opfer! Es ist den Sagdberech- tigten dringend zu empfehlen, alles zu versuchen, um die Verluste herabzumindern, soweit dies möglich ist. Wenn es durch das Ausloben von Belohnungen für den Schuh eines Geleges z. B. gelingt, ein Rest vor dem Dermähen zu ver­wahren und der Henne die Möglichkeit zu geben, das Drutgeschäft ungestört zu Ende zu führen, so ist viel gewonnen.

Wenn Sungfüchse nicht auslaufen sollen, wird es Zeit, sie zu graben. Denn bald werden sie so weit sein, daß die Fähe sie in die Felder entführt, und dann ist es bis zu dem Ausem- anderlaufen des Geheckes nicht mehr weit.

Der Dachs hat in Hessen wieder Schutzzeit. Die Wälder unserer engeren Heimat beherbergen noch manchen alten Mutterbau und überall trifft man Grimbarts Wechsel, die Stellen wo erge­stochen" hat oder wo er in seltener Beharrlich­keit sich zuerleichtern" pflegt. Der Dachs gilt als wichtigster Helfer des Sägers im Kampf gegen die Rachenbremsen, denen alljährlich Rehe und anderes Schalenwild in dachsarmen Revie­ren in größerer Zahl zum Opfer fallen. Ander­seits ist nicht zu verkennen, dah er dort ein nicht gern gesehener Gast ist, wo man Fasanen hvchbnngen will. Denn er ist fein Verächter eines Geleges. Cs ist Sache des Sägers, das rich­tige Maß für fein Revier herauszufinden.

Als gutes Winterfutter für das Wild hat sich in harten Winter immer Laubheu, das im Schat­ten getrocknet war, bewährt. Gegen Ende des Monats ist die rechte Zeit zu seiner Gewinnung gekommen. Hubertus. ,

Dort, wo die Klinikstrahe sich teilt in he i Gaffkystrahe und Hhlandstraße, läuft bis zum Aulweg ein Geländestreifen zwischen Freiligrath- i strotze und Körnerstrahe von etwa 75 Meier Breite. Dis vor wenigen Sahren sollte hier eine neue Kirche für den südlichen Stadtbezirk er­richtet werden. Snzwischen wurde aber für diesen Zweck ein anderes Geländestück festgeleat, um die Geschlossenheit des neuen Klinikviertels nicht zu unterbrechen.

Das Gelände läuft in feiner Längsachse von Rorden nach Süden und hat den großen Rach­teil, daß es nicht nach Süden, sondern nach Rorden abfällt und eine im Verhältnis zur Länge sehr geringe Breite hat. Den nördlichen Teil dieses Geländestreifens in einer Größe von etwa 6200 Quadratmeter hat die Stadt Gießen, das nach Süden anschließende Gelände in einer Größe von etwa 4000 Quadratmeter hat der hessische Staat dem Hessischen Fürsorgeverein für Krüppel geschenkt, so daß für den ersten Bauabschnitt der Klinik einschließlich der erfor­derlichen Sport- und Erholungsflächen etwa 10 000 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Die wichtigsten Gedanken nun, die für die Aus­arbeitung des Entwurfes die Grundlage bil­deten, find folgende:

Sn erster Linie soll eine klare Trennung her- beigeführt werden zwischen den einzelnen Zweck­bauten, um auf diese Weise nicht allein in hygienischer und betriebswirtschaftlicher, sondern auch in baulicher Hinsicht das Beste erreichen zu können. Das heißt mit anderen Worten: die Räume für die Kranken sollen nicht in einem Gebäude liegen mit den Räumen der klinischen und ambulanten Behandlung, der Hauswirt­schaftsräume und der Wohnungen, sondern mit Rücksicht auf die Kranken soll weitestgehend für ruhige und auch für sonnige Räume gesorgt werden. Es soll die Möglichkeit bestehen, auch die bettlägerigen Kranken ins Grüne bringen zu können und nicht auf Terrassen, deren Baukosten in keinem Verhältnis zum Rutzefsekt stehen. Für die bewegungsfähigen Kranken soll die Möglich­keit der sportlichen Betätigung im Freien vor­handen fein, ohne daß sie lange Wege über Flure und Treppenhäuser zurücklegen müssen.

Die eigentlichen Behandlungsräume sollen aber auch wieder so gelegen sein, daß sie mit den Krankenräumen eine schnelle Verbindung Her­stellen, ohne dah für den Transport von Fronten Auszüge nötig werden. Anderseits müssen mit den Behandlungsräumen die Werkstätten in mög­lichst enger Verbindung stehen. Die Derwaltungs- räume sind so anzuorkmen, dah sie zentral liegen für den gesamten Hausbetrieb und eine leichte Heberwachung des Auhenverkehrs ge­statten. Die Küchenwirtschaftsräume sollen gün­stige Lage zur Himmelsrichtung haben, damit eine Belästigung der Baulichkeiten durch Küchen­gerüche t>ermieben wird.

Die Wohnräume für den Chefarzt, die Assi­stenten Schwestern, Helferinnen und Mädchen schließlich sollen ebenfalls nicht vom eigentlichen Klinikverkehr gestört werden und außerdem gute Sonnenlage erhalten. Aus städtebaulichen Grün- ben ist außerdem auf einen günstigen Abschluß der Klinikstrahe Wert zu legen.

Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte hat sich im Laufe der einzelnen Entwurfsstadien eine Lösung ergeben, die in der Hauptsache zwei grohe Baukomplexe vorsieht: in der Achse der Klinikstrahe den Behand­lungsbau mit den Küchenräumen, der Hei­zung, einem Teil der Werkstätten usw. im Kellergeschoh; den VerwaltungsräuMen und den Räumen für klinische oder ambulante Be­handlung im Erdgeschoß und den Wohnungen in den Obergeschossen. Als zweiten Teil einen etwa 70 Meter langen Krankenflügel für etwa 66 Betten.

Tritt ein weiterer Bedarf nach Krankenräumen ein, so sind die Behandlungsräume in ihren Ausmaßen schon jetzt so vorgesehen, daß eine eigentliche Erweiterung nicht mehr in Frage kommt, während an den Krankenslügel zwei wei­tere (immer im Abstand von etwa 20 Meter) mit geringen Baumitteln angeschlossen werden können. Die Verbindung zwischen dem Dehand- lungäflügel und dem Krankenslügel des ersten Bauabschnittes wird zunächst durch einenQuer- flügel hergestellt, in dem der Turnsaal liegt; ein weiterer Querflügel soll später den Hörsaal mit den erforderlichen Rebenräumen aufnehmen. Der so umschlossene Hof von etwa 450 Quadrat­meter Fläche ist der eigentliche Turnhof, in dem in Verbindung mit der Turnhalle Bewegungs- Übungen ausgeführt werden können.

Der Dehandlungsflügel ist unterkellert und hat über sich zwei weitere Geschosse. Außerdem ist der Trakt, der in der Achse der Klinikstrahe liegt, noch um ein weiteres Geschoß erhöht worden, um den geforderten Abschluß besonders zu be­tonen. Alle anderen Baulichkeiten sind einge­schossig und nur so weit unterkellert, als Räum« für die Hnterbringung der Heizungs- und Kana­lisationsrohre notwendig sind.

Sm einzelnen wäre zu den verschiedenen Räu­men folgendes zu sagen: die Krankenräume zei­gen als charakteristisches Merkmal die völlige Oeffnung der Südostwand unter einem weit aus­ladenden Vordach. Die Räume stehen so unter der vollen Wirkung der Sonne vom frühen Mor­gen bis zum Mittag, während die drückende Rachmittagssonne die Gebäude nur noch streift. Große Schiebefensteröffnungen geben die Mög­lichkeit, sich den Außentemperaturen durch ent­sprechende Oeffnung der einzelnen Flügel anzu- passen. Die sechs Meter tiefen Räume der ein­zelnen Stationen schauen direkt ins Grüne, so daß auch den Kranken, die im Zimmer bleiben müssen, jederzeit ein angenehmer Ausblick bleibt.

fi