Ausgabe 
7.6.1930
 
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Nr. 152 Zweites Blatt

Die deutsche pfingstfrage.

Ins voltsbürgerliche Zeitalter.

Don Univ-.prof.Or. Dr. Willy LellpachsHeidel- berg) vorm. Badischem Unterrichtsminister und

Staatspräsidenten.

Hm 1800 war die geistige Welt der Deutschen weltbürgerlich in Gefühl, Gedanke und Ge­sinnung. Dichter und Denker des geistgrohen 18. Jahrhunderts, die Drohten zu allermeist, Leib- nih und Kant, Goethe und Schiller stehen als Kosmopoliten vor uns, teils in Abneigung, teils in Gleichgültigkeit gegen den (in Frankreich sich bereit- vollendenden) Nationalstaat. Schiller, dem die Natur ebenso durchgeistigtes wie volks­tümliches Pathos verliehen, nannte dennoch die Hoffnungvergebens", als Deutsche zur Nation sich zu bilden.

CSrfb als Napoleon über den Erdteil stampfte und die Nolker zertrat, brannte in lohenden Feuergarben auch ein deutsches Nativ- nalbewuhtsein empor. Die Männer der DefreiungSkriege sind seine Entzünder, in ihrem größten, dem rheinfränkischen Freiherrn vom Stein, leuchtet die Vision des deutschen DvlksbürgerS auf, den es zu erziehen gelte, um Dasein und Bestand einer deutschen Nation, eine- Dolkstums-Dtaates zu ermöglichen. Die Mitverantwortung jedes einzelnen am öffent­lichen Leben unter Entfaltungaller physischen, geistigen und moralischen Kräfte" ist der Hr- gedanke der Selbstverwaltung, als der Voraus­setzung jeder Selbstregierung. Ein vielköpsiger Bonaparte, bornierter als der Korse, aber ebenso skrupellos, die heilige Allianz« der Selbstherr­scher von Rußland, Oesterreich und Prcuhen zertrat auch diese Saal. Nur bescheidene Ernte konnte vor dem Zugriff einer 33 Jahre wütenden politischen Reaktion geborgen werden. In diesen .stillen Jahren" (wie Treitschke sic unzulässig verklärend genannt hat) ist an die Stelle des Dolksbürgers der Ichbürger getreten. Zu ihm isolierte sich notgedrungen der Erwerbs­und Besitzbürger, und damit zur politischen Ohnmacht der Bürgerlichkeit überhaupt. Denn nicht der Erwerbs- und Besitzbürger an sich ist der Repräsentant des politischen Unfrucht­baren, Selbstischen und Kleinlichen. England hat bis auf den heutigen Tag ein Bcsihbürgertum (ist doch ein großer Teil seines politischen Adels weiter nichts, als geadelter bürgerlicher Reich­tum), das sich mit stärkster Verantwortung und Hingabe in den Dienst an der Politik gestellt hat. 3n der preußischen Schule ward der Bürger zwar Staatsbürger aber es erwies sich, daß dies nicht ausreicht. Mit dem bloßenGebt dem Kaiser, was des Kaisers ist", vermag eine moderne Nation auf die Dauer nicht zu be­stehen. Diese Art Gehorsam, Staatstreue, Lotxa- lität versagt vor den ganz großen geschicht­lichen Stunden. Die Stein, Bork, Gneisenau, Scharnhorst, Arndt, Jahn hatten allesamt ihre Augenblicke, in denen sie Rebellen, Hochverräter, Unbotmäßige, Abenteurer werden mußten, um rettend handeln zu können. Es ist erquickend tap­fer, daß unser Reichswehrministcr Grvener jüngst von der Marne-Schlacht geschrieben hat, sie hätte nötigenfalls unter offener Hnbotmäßigkeit gegen die oberste Heeresleitung geschlagen wer­den müssen, so aber auch gewonnen werden können. Der Feldherr, der dies Wagnis auf sich lud, hätte sich als wahrhafterBolks- Bürger gefühlt. Er war nicht vorhanden. Die Neuordnung von Weimar hat dann dem deut­schen Volke die Formen des Volksbürgertums gebracht. Es fehlt noch vieles daran, daß es den Inhalt ergriffen und die Formen mit ihm erfüllt hätte. Dies ist die dringlichste, wenn auch nur langsam zu lösende Aufgabe, die in Deutschland vor uns steht.

Sie ist Aufgabe für die riesengroße Partei, in der sich die kleinen, kümmerlichen^ unsicheren und unfreien Existenzen wesentlich gc»

pfingstfahri nach Tirol.

Don Walther Aissen.

Immer so um Pfingsten herum muß ich an diese Geschichte denken:

Wir - mein Freund Fink und ich - lebten da­mals in München.Besuchten" die Hnivcrfität. Wenn auch selten. Etwas Geld schicken uns monatlich un­sere verzweifelten Familien. Wir hatten ein gemein­sames Zimmer, waren eigentlich so gut wie stets zusammen und fielen einander schließlich furchtbar auf die Nerven.

Plötzlich es war strahlender Frühling, und wer irgend nackte Knie halte, fioh aus München in die Umgegend - fiel mir die wahnfinnige Summe von 200 Mark in den Schoß. Ich hatte mir diesen Betrag von meinem Vater zur Anschaffung cmed .Dermatographen", den ich angeblich zu meinem medizinischen Studium gebrauchte, schicken laffen. Unter »Dermatograph" stellt sich der Laie einen pom­pösen Apparat mit Nickelteilen und geschliffenen Glasplatten vor. In Wahrheit handelt es sich um einen ganz harmlosen Stift, mit dem man imstande ist, auf menschliche Haut zu schreiben. Ich weih nicht mehr recht, was ein Arzt auf menschliche Haut zu schreiben hat. Ich glaube, er numeriert vor der Operation die Glieder des Patienten. Jedenfalls kostete solch ein Stift nur 20 Pfennige, so daß ich 199 Mark 80 Pfennige ersparen und zu einer grö­ßeren Pfingsttour verwenden konnte. O Pfingstzeit des Lebens . . .!

Ich stürmte ins Cafe und fand Fink tief über ein Kursbuch gebeugt, das er bei meinem Nahen hastig zuklappte. Auch er hatte irgendwoher Geld bekommen und machte Reisepläne.

Gott sei Dank wir würden also jeder auf eigene Faust nach verschiedenen Zielen in die Welt hinaus fahren und so mit voller Sicherheit eine Zeitlang von einander erlöst sein!

Nach reiflicher Heberlegung entschied ich mich dafür, ins Hochgebirge zu fahren. Ich verband da­mit keine besonders deutliche Vorstellung. Aber ge­rade das reizte mich. Ich habe nie begriffen, warum man ein Erlebnis, von dem man bereits eine völlig deutliche Vorstellung hat, nun noch durchaus wirk­lich erleben muh. Hochgebirge - das schien mir so ein Gemisch von Freiheit, Wagnis, Flanellhemd, Steigeisen und Männergesang.

Vorbereitungen? Wozu! Ich war doch kein Pe­dant. Wesentlich schien mir bloh, eine Gegend zu wählen, in der man mit einer gewißen Wahrschein­

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Samstag, 7. Zuni (950

sammelt haben, für die Sozialdemokra­tie: ihre kosmopolitischen Ideale voUsbürger- lich zu untermauern, ihre klassenkämpferische Taktik volksbürgerlich zu überwölben, ob ihr das gelingt, ja ob sie dazu entschloffen ist, davon wird ihr Segen oder Unsegen für die deutsche Entwicklung abhängen. Aber die Aufgabe ist noch viel ernster für das ..Bürger- t u m" im ursprünglichen Sinne. Hier recht eigent­lich muh der bloße Staatsbürger, der dem Staate gerade nur das unbedingte Pflichtteil gibt, und der große Ichbürger, dem der Staat gerade nur ein Hüter seiner Egoismen, der privaten Er­werbs- und Besitzsicherheit ist, überwunden wer­den durch den Dolksbürger, der sich überall und immer als ein lebendiges Glied der D o l k s g e s a m th e i t weiß, verpflichtet zum Mitgestalten ihrer Schicksale im kleinen und im großen.

Und dies kann freilich nur durch eine ent­schlossene Zusammenfassung aller dazu be­reiten Elemente geleistet werden, unter unge­heurer Selbstüberwindung gewohnter Programme und liebgewordener, längst nicht mehr überprüf­ter gesellschaftlicher Voreingenommenheiten. Es geht auch nicht in der Richtung auf einen wahl­losen Mischmasch derer, die des bisherigen über­drüssig sind. Mit negativen Antrieben macht man keine gute Politik. Ehrliches Bekenntnis zum Bestand und Ausbau der demokratischen Grund- ortmung ist die erste Voraussetzung: von dieser Ebene würde Deutschland nur wieder abgleiten,

um in den Abgrund zu fallen. Viel schwieriger sind die volksbürgerlichen Fragenkreise der Wirt­schaft und des Geistes zu klären und zur gefunden Ueberschneidung mit dem verfafsungSpolitilchen Kreise zu verlagern. Hier müssen tciltocife ganz neue Gedankenwelten gedacht werden, in denen die alten Begriffeliberal" undkonservativ" vielleicht abgetan sein werden: jede- DolkS- bürgertum braucht ein Maß liberaler und ein Maß konservativer Geisteshaltung, um politisch schöpferisch wirken zu können! Der Bür­ger, im verjüngten Sinne, ist der auf eigene Verantwortung und fein Lebenswagnis ge­stellte, gestellt bleiben wollende Mensch: aber angesichts der Vertrustung, Dergewerkschaft- lichung, Verstädterung und Verstaatlichung in Wirtschaft und Gesellschaft ist es nutzlos, die Freiheit" des Wirtschaftslebens und Versorgen- zu predigen, das hat ebensoviel Wert, wie wenn man den heutigen Großstadtmassen, die zwangs­läufig im Häusermeere dahinwimmeln, den Segen Roufsrauschen Landlebens anpriese. Ganz ähnlich sind die Begriffe der Geistesfreiheit überaltert, die dem Liberalismus des 19. Jahrhunderts ge­heiligt waren. Zwischen Geistigkeit und Gläubig­keit ist eine ganz andere Plattform der Auseinandersetzung nötig, auf der beider Ringen miteinander nicht beendet wird (das kann ja nie aufhören), wohl aber feine politischen Befriedungen, man möchte sagen seine Läuterungen zu einem Fair Play durchmacht. Und hierzu muh vornehmlich verhütet wer­

den, daß die Neugruppierung sich nach Ion» fessionellen Gesicht-pu n kten voll­ziehe letzten Endes ist die Ueberwindung de- katholischen Zentrums, und nicht die Aufmachung eines evangelischen der Sinngedanke^ die deutsche protestantische Welt ist durch die Entsürstung ihrer Landeskirchen in einem ungeheuren inneren Gären, mit ganz neuen Antrieben zur wahren Freiheit eines Christenmenschen" hin: eine De­mokratie, die davor die Augen verschlöffe. be­gäbe sich selber für die Füllung ihrer Weimarer Paragraphenschläuche mit volksbürgerlichem Ge­sinnungswein unentbehrlicher Fermente, ohne deren klärende Arbeit vielleicht der deutsche Dolksstaat überhaupt keiner wird bleiben können.

Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun?" Diese große Pfingstfrage (Apvslelgcsch. 2. 37) liegt auch heute und gerade in diesen poli­tisch schmerzdast kreißenden Frühling-wochen wie­der auf Millionen deutscher Lippen. Die Antwort lautet freilich nicht: hingehen und sich irgendeinen Parteitaufschein besorgen. Sie lautet eher: be­faßt euch mit den Dingen, jeder nach feinem Maß an Kräften, möglichst unabhängig von allem, was man euch bisher darüber ge­lehrt, ja eingetrichtert hat. Und seid zu volks­bürgerlichem Verantwortungswillen bereit, wenn etwa schon um die kommende Sommersonnen­wende die politischen Flammenzeichen rauchen und für den Herbst die Schnitter zur Ernte aus­bieten sollten.

Wie kamen Sie zur Politik?

Bedeutende Frauen des Reichstags erzählen von ihrem politischen Werdegang.

Frau Annegrete Lehmann

Mi glicd dcrTeutschnalionalcnVolksPartei

Ich stamme aus dem Milieu einer mittleren Deamtenfamikie, in der natürlich bei einer größe­ren Kinderzahl mit jedem Pfennig gerechnet wer­den mußte. Trotzdessen bestand meine Mutter sie war trotz einfacher Herkunft von einer starken intuitiven Bildung und eine ausge­sprochen moderne Frau darauf, daß wir drei Schwestern die gleiche Schulbildung erhielten wie meine Brüder. Ich wurde Lehrerin und stu­dierte nach zehnjähriger Tätigkeit in diesem Be­rufe dann Philologie. Und nun kam 1914 der Krieg ich sprang mit beiden Füßen in die Kriegsarbeit hinein, für die man Frauenhände und Frauenköpfe genug brauchte. Mit Marie Martin zusammen gründete ich die K u r s e für Frauen, Bräute und Töchter ge­fallener Männer, um diesen verlassenen weiblichen Wesen, soweit sie nicht über eine be­rufliche Ausbildung verfügten, Wege zum selb­ständigen Erwerbsleben zu erschließen und ihnen auch neben dem materiellen einen geistigen Halt xu geben. Ich kam so eigentlich erst richttg in die Frauenbewegung hinein, einzig aus natio­nalem Empfinden und innerem Müssen. Ich habe nie zu denen gehört, die propagandistisch für die Frauenrechte, insbesondere für das Frauenwahlrecht, gearbeitet haben. Ich habe ge­genüber den Stürmern und Drängern immer ge­sagt: Das Frauenwahlrecht kommt, wir brauchen es nicht zu erzwingen, es kommt ganz von selbst mit der fortschreitenden Entwicklung der Frau und ihrer Betätigung im öffentlichen Leben.

Nach dem Zusammenbruch berief der All­gemeine Deutsche Lehrerinnenverein eine Wahl­versammlung ein, um auf überparteilicher Grund­lage zur Wahlbeteiligung und Stellungnahme gegen die fpartakistischen Bestrebungen aufzuru­fen. Damals sprach ich zum ersten Male öffent­lich-unparteilich, wie ich wollte und meinte. Und das Eigentümliche war, daß eine Kollegin

lichkeit auf Bergriesen stoßen mußte. Also sagen wir Tirol. Auf nach Innsbruck I

Sofort nach Ankunft in Innsbruck begab ich mich in ein Reise-AusstattungS-Geschäft und kaufte mir zunächst einmal die allerdringendsten und unent­behrlichsten Hochgebirgs-Utensilien. So zum Beispiel einen Eispickel, ein riesiges Seil, Steigeisen, unge­heure braune Nagelschuhe, ein grünes Hütchen mit Gamsbart, Wadenstrümpfe, gamslederne Hosen, eine Laterne, eine Schneebrille, einen Spirituskocher, eine Dauerwurst von vier Pfund, zwei Liter kondensierte Milch, ein paar Büchsen Konserven, ein zusammen­legbares Zelt, eine Feldflasche und andere Kleinig­keiten. Mein Rucksack wog so schwer, daß ih» der Hausdiener im Hotel nur mit Mühe hochbekam. Ich bängte noch rasch meinen photographischen Ap. parat und mein Fernrohr um und schwankte wohl­gemut zur Dorstadt Igls hinaus auf die lenzlich schimmernde Drennerstraße (eine der besten Chausseen der Welt).

Es fiel mir wohl auf, daß die Leute mich ein bißchen scheu anblickten. Ich schob das aber auf den Volkscharakter.

In ziemlicher Hitze stampfte ich auf der Land­straße vorwärts, den waghalfigen Hochgebirgssport verfluchend, als ich nach kaum einer halben Stunde ein phantastisches Erlebnis hatte. In einem elenden Dorfe, das ich passierte Schupfen hieß es befand sich ein einziges Wirtshaus, und vor diefem Wirtshaus sah wer? Fink! Das ist wörtlich und buchstäblich wahr.

Er erkannte mich, stürzte heran und schrie in offenbarer Freude (die nur noch von der meinigen übertroffen wurde):

.Mensch, bist du irrsinnig geworden? Was in aller Welt soll denn diese furchtbare Tartarin-Aus- rüftung?!'

.Du siehst doch, daß ich in die Berge gehe."

»Aber hier sind doch gar keine Berge. Und das ist gut so. Denn wenn du mit dieser entsetzlichen Last (er wog den Rucksack mit der Hand) auch noch ft eigen mühtest ....!*

.Also hier bist du gelandet, Fink', versuchte ich abzulenken. .Hm-bihchen nah an der Landstraße ..

.Aber ausgezeichnete Verpflegung. Ich bin näm­lich der Meinung, daß es immer noch besser ist, sich an der Landstraße anzufiedeln und anständig zu effen, als sich ungeheure Höhenziele zu stecken und doch von der Chauffee nicht loszukommen . . .

Im Wirtshaus zu Schupfen endigte meine Pfingst­tour. Ich blieb, bis mein Geld zu Ende war, was

hinterher sagte:Merkwürdig, die Rednerin hat fein parteipolitisches Wort gesagt und doch weiß man bei ihr ganz genau, sie kann nicht anders als ganz rechts stehen." Und damit hat diese Kollegin das ausgesprochen, was ich immer gefühlt habe: Ein inneres Müssen, eine natio­nale Verantwortung war es, die mich meine Partei wählen lief).

Oberstudiendirekiorin Or. Elsa Matz

Mitglied der Deutschen ^olkspartei.

Mein politisches Interesse begann schon in der Jugendzeit. Mein Vater war ein alter National­liberaler, und ich hörte schon früh im Hause meiner Eltern politische Fragen lebhaft erörtern. Späterhin bin ich jedoch einer Frauenstimmrechts­organisation nicht beigetreten. Meine Arbeit galt vielmehr meinem Lehrberufe und daneben den entsprechenden Organisationen beruflicher A r t und der Mitarbeit in allgemeinen kultur­fördernden und Schulorganisationen. 3n der starken Schulung, die wir Frauen durch den Beruf und durch die Arbeit in der Berufs­organisation für mich waren dies derAll­gemeine Deutsche Lehrerinnenverein" und der Deutsche Philologinnenverband" erfahren, sehe ich einen außerordentlich förderndes Mo­ment politischer Erziehung.

3ahrelang war ich Herausgeberin des Mit­teilungsblattes des VereinsFrauenbildung Frauenstudium", ebenso längere Zeit Schrift­führerin desDeutschen Vereins für das Mäd­chenschulwesen". Aus Interesse an kirchlichen Fragen habe ich im Deutsch-Evangelischen Frauen­bund mitgearbefitet. Alle Fragen des Frauen- studiums, der Frauenbildung, der körperlichen Erziehung der Frau und die Kulturfragen, die Frauen betreffen, lagen mir sehr am Herzen. 3m Sinne der Frauenbewegung habe ich mich für die weibliche Leitung an Mädchenschulen ein­gesetzt und kam selbst schon in jungen 3ahren in

allerdings, bei meinen riesigen Anschaffungen, nicht sehr lange dauerte Alle Kirfchbäume blühten: drü­ben, jenseits der Chauffee, brauste die Drennerbahn.

Wir tranken Tiroler Landwein und schrieben schneebedeckte Ansichtskarten an unsere Münchener Freunde.

Hält jemand meine Psingsttour für ein verfehltes Unternehmen? Dun, es ist niemals verfehlt, wenn einer seine eigenen Erfahrungen macht. Nichts in der Welt hätte mich mit ähnlicher Eindringlichkeit wie dieser Zusammenbruch lehren können, daß unter gewaltigem Aufwand von Mitteln der Zweck ver­schüttet zu werden pflegt, und daß man Höhenziele kaum mit schwerem Gepäck erreicht. Besonders nicht in der seligen Pfingstzeit des Lebens!

Fink ist noch heute der Ansicht, daß ich ohne den unendlich merkwürdigen Zufall unserer Begeg­nung mitsamt meinem Eispickel, meiner Dauerwurst, meiner Schneebrille und meinem Fernrohr in den Chauffeegraben abgestürzt und elend umgekommen wäre.

Karlomchen.

Don Siegfried von Degesack.

Wie war dein Name? Wer warst du? Wohin bist du entschwunden?

Wir nannten dichKarlomchen". Auch Vater sagte .Karlomchen". Und jeder rief dich so.

Ein jeder rief, und du warst überall: in der Schafferei, am Wäscheschrank, in der Apfel- und in der Rumpelkammer.

Aber du saßest auch vor dem kleinen Sch»ll- pult: zeigtest mit Kastanien, daß zwei und drei stets fünf sind, und erzähltest vom großen und vom kleinen Klaus, wenn wir am Abend daS Garn dir hielten, das du zum Knaul wickeltest.

3edoch noch lieber hörten wir dir zu, wenn sich der Knaul entwirrte: benn wir wußten, daß er ein Schokoladen-Ei verbarg, und folgten, besonders gegen Schluß, mit Spannung jedem Satz und jeder Masche.

Karlomchen! Noch sehe ich dich mit deinem blauen Lämpchen, ein 3rrlicht, durch das weite Haus von Tür zu Tür huschen, und deinen Buckel an den Wänden zu riesengroßen Flügeln wachsen, die dich weit in Märchenländer trugen.

Noch sehe ich deine Augen, aufblidenb über tiefgezogener Drille, besorgt und doch mit kaum bezwungenem Lachen, wenn unser Hebermut selbst dir zu bunt ward.

Und dann: das rote Bänkchen!

Nie liehest du uns im Winkel stehen: dort

das Direktorat einer öffentlichen Schule. Dabei darf ich betonen, daß ich in meiner langjährigen Arbeit als Direktorin nie irgendwelche Schwierig­keiten bei meinen männlichen Kollegen gefunden, sondern stets mit ihnen harmonisch für daS 3nter* esse der Schule zufammengearbeitet habe. Diese gemeinsame Arbeit von Männern und Frauen auf das öffentliche Leben zu übertragen, ist stets eins meiner Ziele gewesen.

3n der Mitarbeit der Frau sehe ich die unent­behrliche Ergänzung der politischen Arbeit des Mannes, um auf Grund der Wesenheit der Frau die Momente in das öffent­liche Leben hineinzutragen, deren es früher ent­behrt hat. Dabei darf fich die Mitarbeit der Frau nicht allein auf Kultur und Sozialpolitik beschränken, sondern muß alle großen Probleme der 3nnen- und Außenpolitik mit erfassen." MinisterialräimHeleneWeber

Mitglied der Zentrnmspartei.

Mein Vater war Vorsitzender der Zentrums- Partei in Elberfeld. So war Politik nicht nur ein wesentliche- Lcbensolement in meinem Eltern­hause, sondern ich kam auch durch Zusammen­hang mit politischen Menschen früh in Beziehung zur Politik, hörte Vorträge, machte Versamm­lungen mit. So wurde ich schon vor dem Kriege Mitglied des Frauenstimmrechtverbandes in Köln. Desgleichen hielt ich schon vor dem Kriege politische Vorträge und Kurse, hauptsächlich vor Arbeiterinnen und 3ugendlichen. Mit dem Aus­bruch des Weltkrieges und der allgemeinen er­höhten Teilnahme am Schicksal Deutschlands, wuchs auch die Erkenntnis von der Notwendigkeit der politischen Einwirkung der Frauen. 3ch ar­beitete von Kriegsbeginn an praktisch-sozial, lei­tete eine soziale Frauenschule und hielt Vorträge über die damals schwebenden politischen Fragen. Kurz vor dem Revolutionsbeginn machte ich eine Vortragsreise nach dem Osten, nach Posen, Schneidemühl, weiterhin Oberschlesien, Bres­lau, Kattowitz, Danzig. Damals wurde mir klar,

stelltest du, durch einen Vorhang fremdem Blick verborgen, das rote Bänkchen hin.

Es sah sich gut.

Unb schnell entwich, durch Weichen Sih gefänf- tigt, der böse Bock.

O Mütter! Fräuleins! Gouvernanten! die ihr das lesen solltet: vergeßt das Bänkchen nicht!

Erbarmt euch der lleinen Sünder!

Wer steht, verharrt in Trotz.

Wer selbst im Winkel zarte Güte spürt, ist nah der Reue!

3edoch das schönste war, Karlomchen, wenn du am Abend mich zum Fenster trugst: dann zeig­test du die Sterne.

Was wußtest du von ihnen zu erzählen?

Wer warst du?

Mutter? Schwester? Engel? Kobold oder Fee?

Wir nannten dich .Karlomchen".

Was kann der Elefant dafür?"

Nämlich: daß der Esel so dumm ist. Er selber zwar ist nicht gerade weise, aber er ist ein guter, gründlicher Schüler. Er lernt nicht leicht, aber was er einmal richtig erfaßt hat, das sitzt fest bis an fein Lebensende. Er ist auch ehrgeizig und gutwillig und gilt sich die allergrößte Mühe, feinen Lehrmeister zu verstehen. Elefanten während ihrer Ausbildungs­zeit sind wie dicke Schulbuben, von denen der Leh­rer lagt: .Der gute Wille ist ja da, aber er lernt eben ein bißchen fchwer. Vielleicht ein paar Nach­hilfestunden dann wird er das Klaffenziel fchon erreichen." Ein allerliebstes Beispiel von Ehrgeiz auf rein künstlerischem Gebiete konnte W. Hans Stosch- 6artafani bei einem feiner Elefanten beobachten. Er erzählt im Iunihett von VelhagenLKlasings Monatsheften: .Das Tier lernte gerade das Ste­hen auf den Hinterbeinen und den fogenannten Hand- stand, also ein Stehen allein auf den Vorderbeinen. Während dieser Lehrzeit, die etwa zweieinhalb Mo­nate dauerte, und auch noch eine ganze Reihe von Monaten darüber hinaus, war es eine Lieblings­beschäftigung für diesen Elefanten, sein Pensum für fich allein im Stalle zu probieren. Niemand, der Tiere kennt, wird nun wohl behaupten wollen, der Elefant habe diese Hebungen aus Furcht vor seine» Lehrer gemacht. Erwiesen sehe ich vielmehr, dem Tiere macht das Kunststück so viel Spaß, daß es auch zu seinem Privatvergnügen lange Zeit im Stall daran probierte. Ich betone ausdrücklich, daß der Elefant diese privaten Proben keineswegs unter­nahm, um eine Belohnung dafür zu bekommen, denn er führte fie mit Vorliebe dann aus, wenn er sich ganz unbeobachtet fühlte und sich langweilte."