notdürftig zu beheben. Wenn man eine annähernde Einschätzung von der Verheerung erhalten will, kann man vielleicht auf Montauban verweisen, wo von 30 000 Personen etwa 7000 obdachlos sind. Dort werden mehr als 10 0 Tote zu be- klagen sein. Ob die Zahl von insgesamt mehr als 700 Toten, von denen gesprochen wird, den Tatsachen entspricht, läßt sich im Augenblick nicht feststellen, doch dürfte diese Zahl, den von überall eintreffenden Nachrichten zufolge, nicht übertrieben sein. Nach einer oberflächlichen Schätzung sollen im gesamten Ueberschwemmungsgebiet mehr als 10 000 Personen obdachlos sein.
Aus aller Welt.
Raubüberfall auf einen Geldtransport.
Ein Lohnge.d.ransporl jroilajen den Zechen Wilhelmsscbacht II und Wilhelmsschacht III bei
Zwickau ist um 22 Uhr von drei bewaffneten Banditen überfallen worden. Die Räuber schossen aus die Begleiter des Geld- transportes. Einer der Begleiter erhielt einen schweren Bauchschuß. ein anderer einen Steckschuß in den linken Oberschenkel, und dem dritten wurde der linke Fuß durchschossen. Einer der Derlchten setzte sich mit dem Stock zur Wehr. Als sein Gegner einen wuchtigen Hieb auf den Kopf erhielt, ergriff er mit den anderen Räubern die Flucht. Trotz seiner Verletzung nahm einer der Begleiter die Verfolgung auf, was zur Folge hatte, daß der Räuber die Kille mit dem Geld, die er an sich gerissen hatte, wieder wegwarf
Ges ngenenaufruhr in einem dänischen Zuchthaus.
3m Zuchthause in Horsens tarn es zu Unruhen. Ein Gefangener war wegen Gehorsamsverweigerung mit Einzelarrest bestraft worden.
worüber sich die anderen Gefangenen erregten und weshalb sie schließlich die Aufsichtsbeamten angriffen. Es entwickelte sich ein heftiger R a h k a m p f, in dem die Gefangenen Ziegelsteine aus dem Fußboden brachen und damit nach den Wärtern warfen. Mehrere von den Beamten wurden am Kopfe verletzt. Die Wärter und die Polizisten wehrten sich mit Knüppeln, und es gelang ihnen schließlich, die Ordnung wieder- herzustellen.
Der Erreger der Papageienkrankheit entdeckt.
Die Aerzle des London-Hospital haben den Erreger der Papageienkrankheit isolieren und feststellen können. Es handelt sich um einen Bazillus ähnlicher Art, wie er bei Pocken, Masern und Maul- und Klauenseuche festgestellt werden kann. Der Bazillus ist sowohl bei menschlichen wie bei tierischen Erkrankungen einwandfrei nachgewiesen worden.
Die Aoung-Gesetze wieder vor dem Plenum des Reichstags.
Berlin, 6. März. (V. D. Z.) Präsident Lobe eröffnet die Sitzung mit der offiziellen Mitteilung von der Mandatsniederlegung des demokratischen Abg. Dr. Hellpach. Auf der Tagesordnung stehen die mit dem Voung-Plan zusammenhängenden Gesetzentwürfe in zweiter Lesung
Abg. Ulitzka (3 )
Ich verhehle nicht die Enttäuschung, die uns das Ergebnis der Haager Verhandlungen bereitet Diese Enttäuschung kommt nicht auf das Konto unserer Delegation, enttäuscht sind wir darüber, daß die Verhandlungen gezeigt haben, wie tief noch immer der Abgrund von Mißtrauen ist, der zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern klafft, lieber das Gutachten der Pariser Sachverständigen hinaus hat man auf Deutschland Lasten gelegt, die anerkanntermaßen die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft uberstei- gen. Die großen politischen Fortschritte des Reuen Planes liegen darin, daß damit die^Ent- Politisierung der Reparatidns- frage. die Befreiung des besetzten Gebietes und eine größere Bewegungsfreiheit für unsere Außenpolitik erreicht ist.
Ob Deutschland die ihm im Voung°Plan auferlegten Verpflichtungen dauernd erfü len kann, das kann he cke kein Mensch sagen. Die Gläubigermächte müssen sich begnügen mit der ehrlichen Erklärung, daß Deutschland bis an die Grenze aller Möglichleiten diese Derpslichtun- gen erfüllen will. Die Gläubigermächte haben die uns auferlegten Verpflichtungen nicht nach der Grenze unserer Leistungsfähigkeit, sondern nach ihren eigenen Bedürfnissen ermessen. So hat auch der Voung-Plan noch immer den Charakter des Diktats, für das die Gläubigermächte die Hauptverantwortung tragen.
Einen Grund für die Verbundenheit des Liquidationsabkommens mit dem Voungplan vermögen wir nicht einzusehen, vor allem deshalb nicht, weil das deutsch-polnische Liquidationsabkommen über den Rahmen der Haager Abmachungen hinausgeht.
Bevor das Zentrum irgendein Votum abgibt, muh die Voraussetzung erfüllt fein, die wir von vornherein gefordert haben, die Sanierung der Finanzen. Wir fordern das nicht aus Eigensinn oder Machtdünkel, sondern weil der Reichstag ohne diese Sanierung nicht die Verantwortung für die außenpolitisch« Entscheidung vor unserem Volle und vor dem Aus- lande tragen kann.
Abg. Or. Reichert (Ont.) erklärt, der TZoungplan enthalte keine Sicherung gegen eine dauernde Untergrabung der deutschen Wirtschafts- und Lebensverhältnisse. Deutschland müsse als Krisenherd Europas mehr und mehr zum Kulturerden bolsch w stischer Ideen werden. 3m Vergleich zur Anpaisungsfähigkeit des Dawesplans sei der Doungplan die starrere Regelung mit endgültiger Festlegung der Tribute in untragbarer Höhe. Rach dem Dawesplan hatte Deutschland bei einer Erhöhung der Goldkaufkraft um mehr als 10 Prozent, gemessen an den sinkenden Warenpreisen, ein ausdrückliches R e v i s i o n s r e ch t auf entsprechende Herabsetzung der deutschen Gesamtlasten. Erstmals im Fahre 1930 hätte diese Herabsetzung der Daweszahlungen für Deutschland praktisch werden müssen. Der Mangel einer solchen Goldklausel im Voungplan werde die Tributslasten im Lause der Jahrzehnte weit über die Dawesplanlasten hinaussteigen lassen. Statt der kostspieligen Liquidationsabkommen hätte die Regierung besser getan, rechtzeitig die Rückgabe des unversehrten Saarlandes sicherzustellen und die offenen Wunden an der deutschen Ostgrenze zu schließen. Das deutsche Volk könne auch nicht länger darauf warten, daß die koloniale Rohstosfwirtschaft in überseeischen Gebieten Deutschland wieder ermöglicht wird.
Reichsaußenminister Or. CurtiuS erklärt, den Vorwurf, Lvbredner des Dawesplanes zu sein, würden die Deutschnationalen wohl nicht von sich weisen können. Sie rühmen jetzt als Vorzug des Dawesplanes, daß er ein Provisorium mar, während der Poungplan ein D e f i n i t i v u m sei. Das Provisorium war für unsere Wirtschaft aber keineswegs ein Vorteil, sondern wuchs sich, je länger je mehr, zu einer schweren Gefahr für unsere Wirtschaft und Industrie aus. Es führte da- zu, daß wegen des Mangels einer festen Endsumme unsere großen Zahlungen abgeschrieben wurden auf die 132 Milliarden, also praktisch in den Schorn- stein geschrieben wurden. (Unruhe rechts.) Der weitere Vorzug des Dawesplanes soll darin liegen, daß dabei Deutschland eine Reichsmarkschuld hatte, wahrend der Youngplan eine Devisenschuld vorsieht. Tatsächlich mar die Transferklausel für unsere Wirtschaft kein Vorteil; denn dabei lag alle Macht in der Hand des Reparationsagenten, während jetzt die Transferierung in unserer ei gen e n S) a n b liegt. Ebenso lag es mit den Reoisionsmöglichkeiten, die dem Dawesplan nachge- rühmt wurden. Wir haben ja gesehen, daß die Transferklausel nicht so funktionierte, wie mir es erhofft hatten, und daß über die. Revisionsmöglichkeiten der Reparationsagent nach eigenem Belieben verfügen konnte. 3eht werden wir den Reparationsagenten, das Transferkomitee und die übrigen aus. ländischen Einflüsse auf unsere Wirtschaft los. Das betrachten wir als einen Vorzug des Poungplans. Bei Ablehnung des Voungplancs märe eine Wirt- schaftskrise mit den furchtbarsten Folgen unvermeid
lich (Abg Graf Westarp (2)ntL): Herr Minister, halten Sie den Houngplan für durchführbar?) Ich habe schon in der ersten Lesung erklärt, daß ich jede Prophezeiung ablehne Das aber kann jeder schon heute sagen, daß wir bei Ablehnung des Houngplanes in eine hoffnungslose Krise hineingeraten Wir wollen dagegen auf neuer außenpolitischer Grundlage unser Volk und unsere Jugend oorwärtsbringen.
Abg. Or David (Soz.j
Es ist sehr leicht, gegen das sehr bedenkliche Kompromitzwcrl des Voungplans anzukämvfen.
Wir haben ja nur die Wahl zwischen Annahme des Poungplans oder Fortbestand des Dawes- plans. Kein Vertreter der Opposition hat uns einen Weg zeigen können, wie wir auf andere Weise vom Dawesp an loskommen könnten. Dem Dawesplan gegenüber besitzt der TZoungp'an aber unleugbare Vorzüge. Er befreit uns von der Sanktionsgefahr, befreit uns von den vielen aus (indischen Vormündern unserer Wirtschaft und bringt uns vor allem die Befreiung des Rheinlandes.
Fortsetzung der Beratung am Freitag.
Die Parteien und das Deckungskompromiß
Sozialdemokratie und Dolkspartei sind von der Vorlage desReichskabinettö nicht befriedigt.—Das ZentrumbeharitaufseinemStandpunkt —Keine Entspannung.
Berlin, 6. Mörz. (CNB.) Die Widerstände der Fraktionen gegen die Einigung in der Finanzfrage, die gestern im Kabinett erfolgt ist, haben sich im Laufe des heutigen Tages verstärkt. Das kommt sichtbar in dem Beschluß der sozial de rnokra- t i e zum Ausdruck, die sich die Stellungnahme vorbehält, ebenso aber auch in dem Ergebnis der Fraktionssitzung der Deutschen Volkspartei, der die Belastungen der Wirtschaft zu stark sind und die Steuersenkungsversprechungen als Zukunftsmusik erscheinen. Sozialdemokratie und Deutsche Volkspartei sind weiter dafür, daß zunächst der Poung- plan erledigt wird. Damit hat sich also an dem Gegensatz dieser beiden Fraktionen zum Standpunkt des Zentrums nichts geändert, und die Situation sieht eigentlich wieder genau so aus, wie vor der Kabinettseinigung. Im Reichstage rechnete man heute damit, daß der Kanzler am Samstag in einer interfraktionellen Besprechung den Versuch machen würde, die Fraktionen aus das Regierungskompromiß zu einigen. In den Abendstunden verlautete aber, daß diese Absicht vorläufig noch nicht besteht. Das würde bedeuten, daß die zweite Lesung der Pounggesetze inmitten der allgemeinen Unklarheit über die Finanzfragen weitergeführt wird. Gelingt es nicht, bis Mitte der nächsten Woche eine Einigung herbeizuführen, so wird die Entscheidung bei der Schlußabstimmung über den $ o u n g • plan fallen. Eine Mehrheit ohne das Zentrum ist nicht denkbar. Unter diesen Umständen blieben dann nur zwei Möglichkeiten, entweder das Zentrum gäbe nach, oder die Pounggesetze würden vom Reichstage abgelehnt. In Zentrumskreisen wird ausdrücklich betont, daß das Zentrum nicht daran denke, seinen Standpunkt aufzugeben. Die Ablehnung der Pounggesetze würde natürlich den Rücktritt der Regierung zur Folge haben. Vorläufig tröstet man sich jedoch noch thimjt, daß man ja noch etwa a ch t Tage Zeit hat, und daß inzwischen noch manches geschehen könne, um die Krise zu vermeiden. Als Antwort auf die gestern
gemeldeten Ausführungen des „Vorwärts" erklärt die „Germania" in Fettdruck: Wir find der Meinung, daß die Sanierung der Finanzen das Mittel ist, um den Weg ins Freie zu finden, und daß ohne Sanierung der Finanzen auch die Ermäßigung des Poungplans ihre Bedeutung verlieren. Was das Volk will, ist eine geordnete Finanzwirtschaft. Das ist der Weg, um Katastrophen zu vermeiden. Wir wiederholen: Es wird jetzt Sache der Reichsregierung sein, eine feste Bindung auf i h r Programm zu fassen und zu verhüten, daß die im Kabinett mit Mühe und Not überwundene Krise nun von den Parteien her droht.
Sin Beschluß der Bolksparlei.
Die Partei hält an ihren Forderungen fest.
Berlin, 6. März. (Ddz.) Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei faßte nach vierstündiger Beratung folgenden Beschluß: Die Fraktion ist der Ansicht, daß die Beschlüsse des Reichskabinetts in wesentlichen Punkten ihrem Beschluß vom 2. März 1930 nicht gerecht werden. Sie wird in den weiteren Verhandlungen auf die Erfüllung ihrer Forderungen im Interesse der Gesundung der Wirtschaft, die die Voraussetzung auch für die Minderung der Arbeitslosigkeit ist, dringen. Wie ernst die parlamentarische Lage ist, zeigt ein Vorfall, der sich in der volksparteilichen Reichstagsfraktion abgespielt haben soll. Die Vorschläge des Kabinetts seien so scharf kritisiert worden, daß der Eindruck entstand, der Reichsfinanz- m i n i st e r werde von seiner Fraktion völlig desavouiert werden. Minister Moldenhauer habe daraufhin erklärt, daß er sich zum Kanzler begeben werde, um ihm sein Rücktritts- g e s u ch zu übermitteln. Erst auf Zureden seiner Parteifreunde habe sich Moldenhauer entschlossen, von seiner Demission Abstand zu nehmen.
Der kommunistische „Wettkampstag".
Zn Berlin.
Tie Polizei bleibt überall Herr der Lage.
Berlin, 6. März. (WTB.) 3m Laufe des Tages haben Erwerbslose und Kommunisten an vielen Stellen der Stadt versucht, Umzüge zu veranstalten. Die Ansammlungen wurden jedoch überall sofort aufgelöst. Auch in der Leipziger Straße, also innerhalb der Bannmeile, versuchten Arbeitslose, sich zusammenzurotten. Zu einem ernsteren Zwischenfall kam es auch in Charlottenburg, wo Polizeibeamte durch 300 bis 400 Demonstranten so hart bedrängt wurden, daß sie in der Rotwehr scharfe Schüsse abgaben. Hierdurch wurden drei Personen verletzt. An anderen Stellen der Stadt wurde den einschreitenden Beamten ebenfalls Widerstand geleistet, wobei bisher insgesamt fünf Beamte verletzt worden sind. 3n Reukölln, also in dem Viertel, in dem sich auch im Mai die Kommunisten sehr rege zeigten, wurde auf eine Straßenbahn ein Sprengstoffanschlag verübt. Der auf die Schienen gelegte Sprengkörper, der anscheinend eine Pulverladung enthielt, explodierte, ohne Schaden anzurichten. Zu gr.h ren Ansammlungen kam es gegen Ge - schäftsschluh an der Friedrich- Ecke Leipziger Straße. Gegen einschreitende Polizeibeamte wurde Widerstand geleistet. Ein Polizeibeamter gab in der Rotwehr einen Schuß ab und verletzte feinen Angreifer schwer. Er wurde mit einem Bauch chuh nach dem Urban-Krankenhaus gebracht. Am Wedding-Platz wurden beim Einschreiten gegen Demonstranten zwei Beamte durch Hiebe mit Schlagringen so verletzt, daß sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden mußten.
Gegen 21 Uhr versuchten Demonstranten i m Zentrum Berlins, an der Münz-Ecke Alte Schönhauser Straße eine Barrikade zu bauen. Sie schafften Müllkästen, Steine und Bretter herbei und löschten die Straßenlaternen aus. "Beim Erscheinen der Polizei flüchteten die Täter. Kurz nach Mitternacht mußte die Polizei noch zu einer SäuberungderMulackstraheund der Schendelgasse schreiten. In den bei- den Straßen hatten die Demonstranten sämtliche Lampen ausgedreht, so daß es stockfinster war und man in der engen Gasse
kaum zehn Schritte weit sehen konnte. Die Beamten riegelten die Straße ab und gaben das Kommando, sofort zu räumen, da geschossen würde. Kurz danach wurden mehrere Salven durch die Straße gefeuert. Beim Eindringen fand die Schupo auf dem Straßen- dämm zahlreiche zerstörte Verkehrsschilder und Bretter vor, die von den Demonstranten auf die Straßen geworfen worden waren. Als die Polizei nach der Säuberungsaktion abrückte, wurden ihr aus dem Dunkel heraus Schüsse nach- gesandt. Um wenigstens einiger Schützen habhaft zu werden, fuhren Patrouillenwagen mit sechs Mann durch die alte Schönhauser Straße und durchsuchten unter Vorhalten der Pistole die Gestalten, die sich in die Hausflure geflüchtet hatten. Gegen 1 Uhr schien cs, als ob endlich Ruhe eintreten sollte.
3m Reich.
Berlin, 6. März. (WTB.) Aach den bisherigen Meldungen aus dem Reiche ist der von den Kommunisten für heute anberaumte „Well- kampftag" im allgemeinen verhältnismäßig ruhig verlaufen. In Düsseldorf kam es zwar beim Arbeitsamt zu Ansammlungen; aber diese wurden von der Polizei mühelos zerstreut. In den Arbeitervierteln ist alles ruhig geblieben. Für Dresden hatte der sächsische Innenminister alle Kundgebungen verboten. Trotzdem scharten sich an mehreren Stellen der Stadt Kommunisten zusammen, zumal in der inneren Altstadt. Es kam zu Zusammenstößen, und Züge wurden aufgelöst, was sich zum Teil nur durch Anwendung des Gummiknüppels bewerkstelligen ließ. Rachdem kleine Ansammlungen in Göttingen am Vormittag mühelos zerstreut worden waren, kam es am Rachmittag wieder zu Zusammenrottungen, insbesondere auf dem Theaterplatz. Die Polizei wurde dieser Kundgebungen Herr. Rach 15 Uhr erhielten die Göttinger Kommunisten aus Hann.-Münden Zuzug durch etwa 130 Genossen.
In Zittau kam es am Rachmittag auf dem Königsplatz im Anschluß an eine Erwerbslosen- berfammlung zu schweren Ausschreitungen. Vorher hatte die Polizei bereits einen Erwerbslosenzug, der von Reichenau her an- marschierte und in Zittau selber eine Ansamm
lung von 300 bis 400 Mann ohne Schwierigkeiten zerstreut. Runmehr aber griffen etwa 100 Erwerbslose eine Polizeistreife von fünf Mann mit Stöcken und Messern an. Drei Beamte wurden schwer verletzt, und erst als ein vierter von seiner Schußwaffe Gebrauch machte, ließen die Angreifer von ihrem Opfer ab. In Halle tarn es nachmittags an verschiedenen Stellen der Stadt zu starken Ansammlungen, die von der Polizei immer wieder zerstreut wurden. In dem benachbarten Industrieort Ammendorf wurde ein Demonstration-zug, der sich zu bilden versuchte, aufgelöst. Als zum zweiten Riale versucht wurde, einen Umzug zu veranstalten und die Polizei einschritt, wurden die Beamten tätlich angegriffen und niedergeschlagen. Ein Beamter, der seinem in höchster Gefahr befindlichen Kameraden beisprang, mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen, wodurch zwei Personen getötet und eine verletzt wurden.
In Leipzig mischten sich kommunistische Demonstranten unter die zahlreichen Mesfebefucher, entfernten sich schnell, sobald die Polizei einschritt, beunruhigten jedoch bald wieder den Messeverkehr, so daß die Polizei unaufhörlich beschäftigt war, die Ruhestörer zu entfernen. An verschiedenen Stellen der Stadt wurden Fensterscheiben eingeworfen, so z.D. am neuen Rathaus, im Park-Hotel und im Parteilokal der Rationalsozialisten. Die besondere Wut der kommunistischen Demonstranten richtete sich gegen das Gebäude der sozialdemokratischen „Leipziger Volkszeitung", deren 5en- sterscheinen restlos zertrümmert wurden.
Kommuniftenunruhen rn U. Cd. A.
Scharfe Zusammenstöße mit der Polizei.
Neuyork, 6. März. (WTB.) Allen außergewöhnlichen polizeilichen Gegenmaßnahmen zum Trotz gelang es den Kommunisten, an verschiedenen großen Orten des Landes Ansammlungen und kleine Unruhen ins Werk zu setzen Die Polizei in Washington sah sich gezwungen, Tränengas zu verwenden, um die Demonstranten, die sich vor dem Weißen Hause angcsammelt hatten, auseinander zu treiben. Es erregte unliebsames Aufsehen, daß eine erhebliche Zahl von 300 Verletzten zu verzeichnen ist. In seitenlangen Schilderungen wird von der Presse festgestellt, daß der Zusammenstoß zwischen Polizei und Demon- ftranten das Schlimmste gewesen ist, was man in dieser Beziehung seit vielen Jahren erlebt hat. Dabei findet das Verhallen der Polizei oder besser ihrer unteren Organe in beiden politischen Lagern s ch a r f e K r i t i k e r. Die demokratische „World", wie das rechtsrepublikanisch eingestellte Blatt „Herold Tribüne e.k.aren, die ^cc.ßii-h...en Let y0.i5cii.ci- tung seien wohlüberlegt und durchaus geeignet, jedes Blutvergießen zu verhindern, wenn nur die Mannschaften der Polizei bessere Disziplin gezeigt hätten. „Herold Tribüne" stellt fest, daß man Kriminalbeamte mit Iournaiistenausweisen versehen hätte. Gerade diefe Kriminalbeamten: hätten sich, so erklärt das Blatt, „wie Irrsinnige im Blutrausch" benommen. Auch aus anderen Städten laufen jetzt Meldungen ein, die erkennen lassen, daß es ziemlich stürmisch hergegangen ist, so in Detroit, wo die Polizei mit Straßenbahnwagen und Omnibu sen rücksichtslos in die Menschenmassen hineingefahren sein soll.
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Wettervoraussage.
Der Hochdruckkern, welcher sich gestern über Deutschland ausbreitete, ist sehr rasch südöstlich nach den Balkanländern abgezogen, und eine Störung über dem Kanal hat bei uns bereits starken Barometer» fall verursacht. Sie wird etwas wechselhaftes Wetter bringen, wobei es zum Auftreten einzelner Niederschläge kommen dürfte. Anfänglich steigen mit dem Herantransport der Warmluft die Temperaturen etwas an, was sich auch nachts bemerkbar machen wird.
Wettervoraussage für Samstag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung und vereinzelten Niederschlägen, zunächst milder.
Witterungsaussichten für Sonntag: Teils bewölkt, teils aufheiternd, meist trocken.
Lufttemperaturen am 6. Marz mittags 10,8 Grad Celsius, abends 0.3 Grad; am 7. März morgens 2,4 Grad. Maximum 12,0 Grad, Minimum — 0,2 Grad. — Crdtempcraturen in 10 cm Tiefe am 6. März abends 6,3 Grad; am 7. März morgens 2,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 7 Stunden.
Amtliche Mnterfportnachrichten.
Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, drei Grad, 30 cm Schnee, gekörnt, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut
Alpen. Berchtesgaden: Klar, 5 Grad. 9 cm Schnee, verharscht, nur stellenweise Sportmöglichkeit vorhanden.


