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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 7. März 1930.

Louis Emmelius.

Am heutigen Freitag. 7. März, feiert unser ge­schätzter Mitbürger Geheimer Kommerzienrat LouiS Emmelius seinen 8 0. Geburts - t a g. Als ein Pionier der Pflicht im besten Sinne des Wortes tritt der Jubilar über die Schwelle eines neuen Lebensjahrzehnts. Er hat das Alter des Psalmtsten erreicht, und es war, wie dieser sagt, köstlich, denn es ist Mühe und Arbeit gewesen. .

Louis Emmelius wurde am 7. März 18d0 im benachbarten Aßlar im Kreise Wetzlar geboren, besuchte das Gymnasium zu Gießen und eine Handel.schule, um darauf eine dreijährige Aus­bildung in einem Rohtabalgeschäst zu genießen. Seiner Militärpflicht genügte er als Einjahrig- Freiwilliger im 2. Grohherzoglich Hessischen In- fanterie-Regiment Nr 116 in Gießen. Im deut­schen Einigungslriege 1870/71 stand der Zwanzig­jährige unter den ruhmreichen Fahnen dieses Regiments und wurde am 18. Januar 1871, am Tage der deutschen Kaiserproklamation und der Einigung Deutschlands, zum Offizier befördert. Geschmüclt mit dem Hessischen Mllitärverdienst- kreuz kehrte er, der in so manchem Gefecht unverwundet geblieben war, ins Vaterhaus zurück.

Hier, im Hause an der Marburger Straße, stellte nunmehr der junge strebsame Kaufmann seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der väterlichen Firma..Carl Emmelius". Neun Jahre lang hatte sein Vater mit dem Zigarrenfachmann Scheidt die Zigarrensabrilation unter der Firma Emmelius S Scheidt betrieben. Am 1. Januar 1871 schieden die beiden Teilhaber durch fried­liches Uebereinlommen. Die schon seit einem halben Jahrhundert in Gießen bestehende Tabak­industrie erlebte in der Folgezeit ein neues Auf­blühen. Ihre Fabrikate, die zum Teil über das Weltmeer wanderten, waren berühmt. Sie wur­den ausschließlich mit der Hand verfertigt, konn­ten darum auch auf dem Lande hergestcllt werden und brachten deshalb Arbeit und Verdienst in die damals noch mehr als heute unter den Röten der Zeiten lebenden Dörfer. Don den Filialen, die deshalb die Firma Carl Emmelius gründete, bestehen heute noch die zu Grohen- Buseck und Frankenbach. Im besten Sinne ver­stand LouiS Emmelius das, was er ererbt von seinen Vgtern hatte, auch zu besitzen, d. h. es nicht nur zu erhalten, sondern auch auszubauen. Seine Erfolge in geschäftlicher Beziehung sind bekannt.

Aber auch als guter Bürger tat er seine Schul­digkeit und stellte pflichtbewußt stets seine Kräfte in den Dienst der Allgemeinheit. Seit dem Jahre 1893 gehörte er als Mitglied der Rationalliberalen Partei der Stadtverordneten­versammlung, dem heutigen Stadtrat, an, wurde im Jahre 1911 zum unbesoldeten ehrenamt­lichen Beigeordneten gewählt und im Jahre 1917 einstimmig wiedergewählt. Das Hauptfeld feiner Tätigkeit war die städtische Finanzverwaltung, der er sich mit hervor­ragendem Fleiß und größter Gewissenhaftigkeit widmete. Die Stadtverwaltung hatte in ihm auf diesem Gebiete einen hervorragenden Berater und Mitarbeiter von großer Erfahrung. Seine Verdienste um das Allgemeinwohl werden un­vergessen bleiben.

Im Kreise der Fachgenossen, im Verein der Tabakindustriellcn von Gießen und ilmgegenb, dessen zeitweiliger zweiter Vorsitzender und Schatzmeister er war. und in dessen Kommissionen wirkte er lange Jahre gleichfalls erfolgreich. Der Verein zeichnete ihn durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft aus. Unvergeßlich ist ferner auch das Wirken des Jubi'ars als Kirchen­vorsteher der evang.I schen Gern inde, sowie seine Tätigleit im Kreistage und im Schulvorstand. Er ist Mitbegründer des Kriegervereins Gießen. Vieles hat er für die Gießener Hochschulgesell- fchast getan und hat auch sonst im stillen viel Gutes gestiftet. Er gehörte zu jenem Kreise vorbildlicher Gießener Bürger, die vor der Ver­armung unseres Vaterlandes die Linke nicht wissen ließen, was die Rechte tat, die so manches Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns schufen, um das andere Städte unser Gießen beneiden dürsten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Louis Emmelius, der auch dem Städtischen Museum stets ein eif­riger Förderer war, durch die Gründung des besonders reichausgestatteten Kriegsmuseums ge­setzt, von dessen Wänden fein Bild herabblickt neben dem seines verdienstvollen unvergeßlichen treuen Freundes, Museumsdirektors Professors Dr. h. c Karl Kramer.

Mit dem siebzigsten Lebensjahre legte der Jubilar seine zahlreichen Ehrenämter nieder. Allezeit war Louis Emmelius, der heute noch wie vor langen Jahrzehnten trotz der Fülle der Jahre alltäglich seine Schritte zum Geschäft lenkt, auch ein Freund edlen geselligen Lebens. Als einstiger langjähriger Präsident des Gesellschaltsvereins, des Klubs, ist er heute dessen einziges noch lebendes Ehrenmitglied und spendet dort heute noch aus seinem guten Gedächtnis den jüngeren Generationen manche Gabe der Erinnerung aus vergangenen schöneren Zeiten. Die Hoffnung au eine bessere Zukunft hält ihn aufrecht. Im Welt­krieg verlor er schon Ende 1914 feinen ältesten Sohn und geschäftlichen Teilhaber, der als Ar­tillerie-Oberleutnant der Reserve in Rußland sein hoffnungsvolles Leben ließ. So brachte er dem von ihm geliebten Daterlande den schwersten Tribut seines Lebens dar.

An äußeren Ehren hat es dem Jubilar nicht gefehlt. Im Dezember 1917 wurde er Geheimer Kommerzienrat, und es schmückt ihn das Visierkreuz 1. Klasse des hessischen Philipps- ordens mit Oer Krone. Die Stadt und der einstige Landesherr ehrten seinen Fleiß und

sein Wirken. Und wenn Louis ErnmeliuS scheute an der Seite feiner Gattin Antonie geb. Droost feinen 80. Geburtstag in voller Gesundheit und geistiger Frische im Kreise seiner Familie be­geht, so darf er das in der Gewißheit, daß j^>m alte die ihm im öffentlichen Leben, im Berufe und in Freundeskreisen nahestanden, von Herzen einen weiteren gesegneten Lebensabend wünsche»«

Stiftung einer Ehrenplakette der Stadi Gießen.

Don der Stadtverwaltung wird uns mitgeteilt: Der Stadtrat hat in seiner nichtöffentlichen Sitzung am 3. März d. I. beschlossen, eine Ehrenplatette der Stadt Gießen zu stiften, die an Personen verliehen werden soll, die sich um unsere Stadt besondere Derdienste er­worben haben.

In der gleichen Sitzung beschloß der Stadt- rat, die Ehrenplakette der Stadt Gießen Herrn Geh. Kommerzienrat Louis Emmelius aus Anlaß seines 80. Geburtstages zu verleihen.

Fünfzig Jahre Mitglied der Hessischen Landessynode.

Am 2. März waren es 50 Jahre, daß Geh. Justizrat Wahl in Schlitz als Abgeordneter des Dekanats Alsfeld in der Hesiischen Evangelischen Landessynode verpflichtet wurde Seit dieser Zeit gehörte er ununterbrochen als weltlicher Abge­ordneter dieses Dekanats und später des Dekanats Lauterbach der Landessynode bzw dem Landes- kirchentag an. Er hat «ich an den Arbeiten des kirchlichen Parlaments hervorragend beteiligt und der Landeskirche vorzügliche Dienste geleistet. Die Glückwünsche und den Dank des Landes- kirchentags sprach dessen Präsident Archivdirek- kor D. Sjerrmann dem Jubilar persönlich un­ter Aleberreidjung eines Blumenarrangements aus. Ebenso Prälat v. 0r. D i e h l namens der Kirchenregierung und des Landeskirchenamts, ferner Oberkirchenrat Wagner als Superinten­dent der Provinz Oberhessen und Dekan Schlös- s e r namens des Dekanats und des Dekanats­ausschusses Lauterbach.

Fahrplanverbeffernngen.

Gestern fand in Frankfurt a. M. auf Einladung der Reichsbahndirektion Frankfurt die zu Fahrplan­wechseln übliche Besprechung mit den beteiligten Han­delskammern über den Iahressahrplan 1 930/3 1, der am 15. Mai in Kraft tritt, statt. Aus der Besprechung ist als besonders bedeutsam für Oberhessen hervorzuheben, daß im Sommer 1930 das bl)-Zug-Paar 153/ 154 Frank- für tKasselHamburg wieder verkehren wird. Das fl)-Zug-Paar 191/19 2, das bisher schon Aufenthalt in Gießen in den Nachtstunden hatte, wird im Sommer auch den erstrebten Auf­enthalt in Bad-Nauheim bekommen.

Der Derkehrsbund Oberhessen, Sitz in Gießen, hat ferner von der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M die Mitteilung erhalten, daß vom 15. Mai ab (Fahrplanwechsel) der Personenzug 7 8 4 versuchsweise während des Sommerfahr­planabschnittes von Marburg bis Gießen durchgeführt wird. Der Zug wird in Mar­burg um 23.30 Uhr abfahren und in Gießen um 0.05 Uhr eintreffen. Mit diesem Zuglauf wird eine vom Derkehrsbund Oberhessen und dem Ser» kehrsverein Gießen wiederholt bei der Reichsbahn- direktion Frankfurt beantragte Spätabendver- bindung zwischen Marburg und Gie­ßen hergestellt. Das Entgegenkommen der Reichs­bahndirektion bei der Erfüllung der Berkehrswünfche der Interessenten an der Strecke MarburgGießen ist mit Dank zu begrüßen. Es ist nunmehr Sache der Bevölkerung, durch entsprechende Be­nutzung dieser Spätverbindung dazu beizutragen, daß sie auch über den Sommerfahrplan- abschnitt hinaus für den Winter erhalten bleibt.

Sie Landwirtschaft wirbt für ihre Produtte.

Würde jeder deutsche Derbraucher zu seiner Ernährung in erster Linie deutsche Waren benutzen, dann wäre nicht nur der Landwirt­schaft viel geholfen, sondern mit ihr der ge­samten deutschen Wirtschaft. Vieles Geld, das so ins Ausland flieht, würde im Lande bleiben und der Allgemeinheit zugute kommen. Die Rot der Landwirtschaft ist aber derart groß, daß sie nicht mehr in der Lage ist, zur Förderung des Verkaufs ihrer Ware Ne heute in jedem Ge­schäftsbetrieb so notwendige Reklame zu entfalten. Für sie hat es begrüßenswerter Weise das Deut­sche Kalisyndikat, Berlin, übernommen, die Ver­braucher aufzurütteln und ihnen durch Brief- verschluß marken die Rotwendigkeit, nur deutsche Waren zur Ernährung zu verwenden, täglich vor Augen zu führen. Der einzelne Landwirt wird gerne die Gelegenheit ergreifen, die für ihn geschaffenen Werbemarken richtig zu benutzen. Es ist zu hoffen, daß sich dadurch auch der letzte Verbraucher seiner volks­wirtschaftlichen Pflicht erinnert und der Mah­nung der auf den Briefen in fein Haus ge­tragenen Marken folgt.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater:Weekend im Paradies", 20 bis 22.15 Uhr. Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege: Hauptversammlung, 18 Uhr, Evangelisches Schwesternhaus. Realgymnasium Gießen: Schulfeier und Ausstellung von Schüler­zeichnungen, beginnend 16.30 Uhr. Lichtspiel­haus Bahnhofstraße:Pat und Patachon als Kannibalen" undLupino Lane im Sanatorium". Astoria-Lichtspiele:Der Schrecken der Post- räuber" undDolores, die Pantherkatze".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr wird der

erfolgreiche Fasching'schwank .Weekend im Pa­radies" gegeben. - Am Samstag, 8. März, ist eine Schulervorstellung von Shaiespeares hei­terem LustspielWie es euch geiällt. - Sonn­tag, 9. März, findet als Frcmdenvorstellung um 18.30 Uhr als letztes Operettengastspiel des Frankfurter Ensembles eine einmalige Auffüh­rung der au gezeichneten OperetteDer fidele Dauer" von Dictor Leon, Musik von Leo Fall statt. In Vorbereitung ist eine neue Komödie von Edwin Burke: .Die Sache, die sich Liebe nennt." (Für die deutsche Bühne bearbeitet von Karl Lerbs.)

Dom Konzertverein wird uns ge­schrieben: Wie aus der Dornotiz und den Jnie- raten ersichtlich, wird das Döbereiner Trio am kommenden Sonntag das gesamte Programm aus xOriginalinftrumcntcn aus der Barockzeit bringen. X(uf Grund vielfacher Anfragen sei hierzu be­merkt zur Verwendung kommen Cembalo, Viola

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Holst dem deutschen Sauern: W Roggenbrot!

Fremdenvorstellung imGießener Stadttheater. Man schreibt uns: Am Sonn­tag, 9. März, wird als letztes Operetlengastspiel des Frankfurter Operetten EnsemblesDer fi­dele Dauer" gegeben. Diese Operette von Leo Fall gehört zu dem Bestand der leichten melo­diösen Musik, die noch mit Gemüt komponiert ist. Die GesängeHeinerle, Heinerle, hab kein Geld", Der Infanterist, der Kavallerist, der Artillerist". Ist man auch eine Dauer, Dauer, Dauer.." ge­hören zum Besten, was die Bühne an solchen Liedern gebracht hat. Beginn 18.30 Uhr. Er­mäßigte Operettenpreise.

E in Eisenbahnunfall ereignete sich vorgestern abend auf der Strecke GießenLollar dadurch, daß sich an einem Wagen des um 20.06 Uhr in Richtung Marburg hier abfahren- den Perwnenzuges unterwegs plötzlich eine Ab- tciltür öffnete und von dem gerade entgegen­kommenden besch.eunigten Personenzug, der um 20.30 Uhr in Gießen eintrifft, erfaßt wurde. Die Tür wurde stark verbeult und beschädigt, die Fensterscheibe flog in Trümmer und die Glas­splitter wurden in das Abteil geschleudert. Eine Dame wurde durch Splitter am Kopfe ver­letzt: trotz starker Blutung war die Verwundung erfreulicherweise nur leichter Ratur. Zwei wei­tere Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon.

da gaxmba und Viola damore. Beim Cembalo (Klavizsimbel) erfolgt die Tonbildung durch Fe­derkiele, die die Saiten reihen. Es ist der Vor­läufer des Hammerklaviers. Die Violen sind die ersten, künstlerischen Zwecken zur Unterstützung mehrstimxnigen Gesangs dienenden Saiten- Streichinstrumente. Ihre hauptsächlichsten Ver­treter waten die Viola da bracchia (Armgeige) und die Viola da gamoa (Kniegeige). Sie tru­gen im allgemeinen 6 Saiten, nur die Diskant- Viola hatte deren 5 (das Quinten der Franzosen). Aus der Vergrößerung der Viola da gamba (oder ®amfcv) wurden Baßgeige und Violoncell (kleine Baßgeige). Die verkleinerte Armgeige wurde zur Violine. So sind die Violen die Stammeltern unserer heutigen Streichinstru­mente. Die Vipla damore hat 7 Grifssaiten und sieben unterhalb des Stegs und Griffs liegende Resonanzsaiten. Für Freunde häuslicher Kam­mermusik sei darauf hingewiesen, daß zwei Werke des Programms für moderne Instrumente (Geige, Cello und Klavksir) bearbeitet worden sind, und zwar da§ Trio \*>on Buxtehude und das Kon­zert von Teleman. Der Umstand, daß das zweite Orchesterkcnizert aus technischen Grün­den eine Verlegung erfahren muhte, führte be­dauerlicherweise zu einem zeitlich engen Zu­sammentreffen der beiden letzten Konzertveran­staltungen. Dem Ka'mmermusikabend am Sonn­tag folgt am Donnerstag. dem 13., als 10. und letztes Konzert ein Symphoniekonzert im Stadttheater. Unter Lw. Temesvorys (Stab­führung werden wir von Beethoven die Pa­storale und die 3. Lec^norenouvertüre, von Mo­zart eine Konzertaria (Solistin Frl. Condoo K e r d y k , Sopran auS Berlin) Horen.

Eine kirchen. »musikalische Pas- fionsan dacht veranstaltet die Männer- und grauen Bereinigung der '.Matthäusgemeinde am kommenden Sonntag, 20 Uhr. in der Stadtkirche. Mitwirkende sind Frau \9r. Wehl, Giehen, und Frl. Käthe ® ä r t n e >r , Klein-Linden, als Sängerinnen, Frl. Gertrud Reumann, Wetz­lar, und Mufiklehrer Franz Bauer jr., Gießen, als Violinspieler, die Knabe.vichorschule der Stadt­kirche und Stadtorganist Hei.a^ S i m o n , Gießen. Programme zu 30 Pf. berechtigen zum Eintritt. (Siehe gestrige Anzeige.) Die Veranstaltung sei der Beachtung unserer Mitbüv^'er empfohlen.

- Der Goethe-Bund rxeranftaltet seinen nächsten Vortragsabend am konui lenden Sarns- t a g (nicht Sonntag). Dr. Weyer aus Nürn­berg hält einen Lichtbildervortrag überSommer in Südtirol". (Siehe heutige Anzeige.)

Kaufmännischer und Ortsge­werbeverein. Kommenden Montagabend in der Reuen Aula Vortrag von "S>V. Meyer, 'Nürnberg, überSommer in Südtirpl". Näheres in der heutigen Anzeige.

Die Ortsgruppe Gießen- des Ge­werkschaftsbundes der An g-.e st eilten (GDA.) veranstaltet am morgigen Samstag in der Stadt Lich" um 20 Uhr eine Abschlußfeier mit Auszeichnung für die besten Leistungen <der Teil­nehmer in Gießen am Reichsberufswettk«mpf der Angestelltenjugend 1930. (Siehe heutige Anzeige.)

Eine Kultursilmoorführuy^ wird das Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, am tomnienben Sonntag, 11.15 Uhr, wieder veranstalten. Ztsr Auf­führung kommt der FilmDie erwachende Äphinx", bei dem die Beobachtungen und Aufnahmen des bekannten Forschers und Weltreisenden C ty 11 n Roß Verwendung gesunden haben. Der Film wird Aufnahmen aus Ostafrika und anderen ©ebieten des schwarzen Erdteils bringen. Die Vorführung verdient ernste Beachtung.

* Sin Tag des Buches. Der hessische Minister für Kultus und Dildungswesen teVtf mit, daß, wie im Vorjahre, am GoethetaA (22. März) auch in diesem Jahre wieder in den hessischen Volksschulen unter dem ThemaJu­gend und Buch" einTag des Buches' begangen werden soll. Cs sollen daher am 22. März in den Schulen besondere Veranstaltungen stattfin­den, in denen auf die Bedeutung des guten deutschen Buches im allgemeinen und im be­sonderen für die Jugend hingewiesen wird. Außerdem sollen öffentliche Kundgebungen aller unmittelbar und mittelbar am Buch interessierten Kreise unter Hinweis auf die Volksbildung und die Förderung der Jugendbücherei veranlaßt werden.

** Eine Sitzung des Oderhessischen Schwurgerichts wird am 24.März im hiesigen Land.. lichtsgedäude beginnen. Bisher steht eine Anklage wegen Mordversuchs zur Verhandlung.

Große Strafkammer Gießen.

' Gießen/Lauterbach, 4./5. März.

Ein Lauterbacher Geschäftsmann war von dem Schöffengericht in Gießen wegen fahrlässiger Tötung und fahrläs­siger Körperverletzung zu 2 Mona­ten Gefängnis verurteilt worden. Er ver­folgte hiergegen Berufung zum Zwecke der Freisprechung.

In der Verhandlung vom 4. März 1930 in Gießen beschloß die Straskammer, am nächsten Tag in Lauterbach gerichtlichen Augenschein ein­zunehmen und dann dort weiterzuverhandeln. Dieser Beschluß wurde ausgeführt. Nach der umfangreichen Beweisaufnahme ergab sich fol­gender Tatbestand: Der Angeklagte fuhr am 30. September 1929 mit seinem Auto durch die enge Langgasse in die sehr breite Lindenstrahe in Lauterbach. Als ein siebenjähriges Mädchen namens K. die letztere überschreiten wollte, wurde es von dem Auto erfaßt und überfahren; es verstarb nach kurzer Zeit. Der Angeklagte hatte das Auto nach rechts gerissen, um an dem Kind vorbeizukommen; es gelang aber nicht. Dagegen fuhr er, nachdem er noch etwa 10 Meter weiter­gekommen war, noch den Radfahrer L. an, der glücklicherweise nicht sehr schwer verletzt wurde. Erst nach weiteren 10 Meter stellte er das Auto.

Schöffengericht und Strafkammer erblickten in dem Verhalten des Angellagten eine Fahrlässig­keit. Er war als Autoführer verpflichtet, nicht nur die Fahrbahn zu beobachten, sondern sich auch zu vergewissern, ob nicht Personen ins­besondere Kinder diese zu überschreiten sich anschickten. Hätte er das getan, so hätte er das Kind sehen müssen. Wäre er dann langsam ge­fahren. oder hätte gehalten, dann hätte er das Kind nicht überfahren. Nachdem dies aber ge­schehen war. hätte er unbedingt halten müssen, um den Radfahrer nicht zu gefährden; das hätte er bei dessen Entfernung von ihm auch tun können.

Lediglich mit Rücksicht auf Alter und Un- bestraftheit des Angeklagten wandelte das Ge­richt die Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe von 2400 Mk. um.

Hebamme Frau W. genießt überall dort, wohin sie gerufen wird, größtes Vertrauen. Mit der Energie und Ent- schiedenheitihres Wesens verbinden sich Güte und aufopfernde Hilfsbereitschaft. Wie manche Mutter verdankt ihrem erprobten Rat das Gedeihen ihres Lieblings und das eigene Wohlergehen.

Sie wissen nun - sagt sie oft - daß Coffein in die Muttermilch übergeht; das ist wissenschaft­lich festgestellt. Störungen bei Säuglingen sind nicht selten auf starken Kaffeegenuß der Mutter zurückzuführen.

Trinken Sie deshalb Kaffee Hag, der von anderem allerfeinsten Bohnenkaffee in Geschmadc uvd Aroma nicht zu unterscheiden, dabei aber ccAfeinfrei und völlig unschädlich ist

Auch späterhin gibt es für Sie, Ihren Mann und'adie Kinder kein besseres Familiengetränk/'