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Protest des Alsfelder Kreistages

.Der Kreistag des Kreises Alsfeld begrüßt die Ubiicgt der Regierung, Spar­maßnahmen zu treffen, bittet aber, unter allen Umständen nur solche Maßnahmen zu ergreifen, welche tatsächlich für die Allgemein­heit, insbesondere die Steuerzahler, eine Ersparnis bedeuten. In der Aufteilung des Kreises Alsfeld erblickt der Kreistag keine Ersparnis, weder für den Staat, noch für die Einwohner des Kreises Alsfeld, für welche die Aufteilung eine bedeutende Mehrbelastung bringt. Es wird, wie bereits in anderen Eingaben erwähnt, die Steuerkraft der Kreisstadt Alsseld durch die Aufhebung des Kreises Alsfeld derartig geschwächt, daß der da­durch entstehende Ausfall an Kreis- st e u e r n von der Landbevölkerung in Zukunft auch noch getragen werden muß. Dazu kommen die bedeutenden Mehrausgaben, welche der Be­völkerung für den Fall der Aufteilung des räumlich größten Teiles der Provinz durch wei­tere Reifen zur neuen Kreisstadt entstehen. Don der Absicht der Regierung, bei der Einsparung von Remtern auf die wirtschaftliche, ge­schichtliche und kulturelle Bedeu­tung Rücksicht zu nehmen, hat der Kreistag mit Freude Kenntnis genommen. Er knüpft an diese Absicht die Hoffnung, daß seitens der Re- §ierung dem Umstand Rechnung getragen wird, ah der KreiS Alsfeld schon solange Der- waltungsbezir! und die Stadt Alsfeld schon solange Kreisstadt ist, als die Ge'chichtsschreibung in der Lage ist, darüber zu berichten. Zur Kreis­stadt Alsfeld gehören die jetzigen Gemeinden des Kreises Alsfeld seit ewigen Zeiten. Diese enge Zusammengehörigkeit kann nur mit großen Opfern für alle Beteiligten zer­schlagen werden. Unter Berücksichtigung die­ser Umstände legt der Kreistag des Kreises Als­feld gegen die Aufhebung des Kreis­amts Alsfeld und gegen die Auf­teilung des Kreises Alsfeld einmü­tig und entschieden schärf steVerwah- rung ein."

Werter wurde beschlossen, eine Abordnung nach Darmstadt au entsenden, welche ge­meinsam mit der von der Stadt Alsfeld zu ent­sendenden Deputation dem Herrn Minister des Innern mündlich nochmals die schwerwiegenden Gründe der gesamten Kreisbevölkerung gegen die Aufhebung des Kreises Alsfeld darlegen soll.

k* 211 s f e l b, 6. Febr. Zu der heutigen außer­ordentlichen Sitzung des Kreistages des Kreises Alsfeld, die als einzigen Punkt der Tagesordnung enthielt: Die Aufteilung des Kreises Alsfeld, waren sämtliche Ab­geordnete des Kreises erschienen.

Der Vorsitzende des Kreistags, Kreisdirektor Dr. Stammler, erläuterte zunächst di« Hauptgrund­züge des von der hessischen Regierung bekonntgege- benen Sparprogramms, welches auch die Ankündigung eines recht bedeutsamen Abbaues von Behörden enthält. Im Zusammenhang mit dem geplanten Behördenabbau sei auch der Kreis Alsfeld genannt worden. Wenn auch die hessische Staatsregierung voraussichtlich nicht so weit gehen werde wie der Vorschlag des Reichssparkom­missars, der für O b e r h e s s e n die Aufhebung von drei Kreisen vorgeschlagen hat, so sei doch damit zu rechnen, daß bei dem Abbau von Be- Hörden in Oberhessen ein Kreis zur Aufteilung vor­gesehen werde. Angesichts dieses Umstandes sei es Pflicht der Vertreter des Kreises Alsfeld, zu dieser in Aussicht stehenden Maßnahme nicht zu schweigen, da man sonst an den maßgebenden Stellen zu der falschen Auffassung gelangen könne, als ob der Kreis Alsfeld an einer evtl. Auflösung kein besonderes Interesse habe. Es handele sich hier um eine Kreis­angelegenheit, wozu die Stellungnahme des Kreis­tages gesetzlich zulässig sei. Es hätten zu der Frage bereits mehrere Kundgebungen stattgefundsn, und zwar von den wirtschaftlichen Organisat'onen der Stadt Alsfeld, der Stadioertretung von Alsfeld und dem Bürgermeifteroerein des Kreises, welche ein­mütig mit aller Entschiedenheit gegen «ine Auftei­lung des Kreises Alsfeld Verwahrung eingelegt hät­ten. Der Kreisausschuß habe eine Ent­schließung vorbereitet, welche dem Kreistag zur Annahme vorgeschlagen werde.

In der anschließenden Aussprache gaben die Vertreter aller Parteien im Kreistag die übereinstimmende Erklärung ab, daß sie sich unter Zurückstellung aller trennen­den Parteiunterschiede mit aller Entschie­denheit gegen eine Aufteilung des Kreises Alsfeld verwahren. Es wurde dar­auf die vom Kreisausschuh vorgeschlagene

Entsch ießung

einstimmig angenommen, welche fol­genden Wortlaut hat:

Bismarck und die Amerikaner.

Unbekannte Gefpräche mit Bismarck

Bismarcks Dorliebe für die Angelsachsen (nicht aber für die englische Politik) ist bekannt. Mensch­lich bedeutsamer aber sind Bismarcks Deziehun- gen zu Amerikanern gewesen. Hier fällt im all­gemeinen das politische Moment weg, so daß Bismarck sich ungezwungener als sonst geben kann. Die Süddeutschen Monatshefte (München) behandeln in ihrem neuesten Heft unter dem TitelUnbekannte Gespräche mit Bismarck" dieses heute besonders interessante Thema aus Bismarcks Geben. Dr. Otto Graf zu Stoll^rg-Wernigerode, welcher in der Einleitung des Heftes ein knappes, zusammenfassendes Bild über Bismarck und die Amerikaner gibt, geht aus von der Iugendfreundschaft Bismarcks mit dem Historiker Motleh, von dem er behauptet daß Bismarck für keinen anderen Mann so viel menschliche Wärme aufbrachte, obwohl er den Grafen Alexander Keyserling seinen ältesten und liebsten Freund nannte. Motley war auch 1872 bei der silbernen Hochzeit Bismarcks in Darzm. Er wird dort ganz als naher Freund des Hauses aufgenommen, ist entzückt über die Einfachheit, mit der sich der große 'Staatsmann gibt, und stellt wehmütig und prophetisch fest, daß er ihn so bald wohl nicht Wiedersehen werde. Sie haben sich nicht wiedergesehen. 1874 starb Motley.

Stolberg bringt zuerst die Gespräche Bismarcks mit dem bedeutenden amerikanischen Diplomaten Bancroft, der von 1837 bis 1874 Gesandter in Berlin war, aus den Jahren 1867 bis 1839, wo die persönliche Berührung der beiden zweifel­los am stärksten war. Bancroft war ein beson­derer Freund Deutschlands. Er tat in den Ber­einigten Staaten viel, um der deutschen Sprache zu größerer Geltung zu verhelfen. Er gründete eine Schule in Reu-England, in der zum ersten- mal Deutsch Unterrichtsfach war. und hat sich auch an ilebersehungen Goethescher Dichtungen gewagt. Bancroft sprach fast a^entlos deutsch, so daß, als einmal jemand einen Posten nach Dancrofts Ramen fragte, der das Auswärtige Amt gerade verließ, dieser antwortete, das sei ein alter deutscher Herr mit Ramen Bancroft. Es tarn nicht selten vor, daß Bancroft mit Bis­marck im Tiergarten spazieren ritt oder daß ihn dieser zu einer Spazierfahrt abholte.

Zum ersten Male werden die Gespräche Bis­marcks mit dem englischen Maler William D. Richmond in Friedrichsruh 1887 bis 1890 in geschlossener Form vorgelegt. Sie enthalten _biel Reues, besonders Aeuherungen Bismarcks über Kunst, Literatur und Wissenschaft. Cs folgen Gespräche mit dem amerikanischen Journalisten James Pemberton Ground Wt vielen gleichfalls in Deutschland ganz unbekannten Aeußerungen Bismarcks. Das Gespräch des amerikanischen Gesandten George Bancroft mit ter Kronprinzessin in Reubabelsberg, das uns Graf Stolberg gleichfalls übermittelt, lag für uns und die Welt unbekannt bei den Bismarck-Aufzeichnungen in Reuyork. Cs zeigt fcen lebhaften, sich für alles interessierenden Geist der späteren Kaiserin Friedrich.

Wenn auch die Vereinigten Staaten damals keine Macht waren, auf die Bismarck im Falle eines Konflikts ernstlich rechnen konnte, so zeigen doch auch alle diese neu erschlossenen Gespräche, tote sehr er die Freundschaft eines anderen Landes bei der schwierigen außenpolitischen Lage für wertvoll und willkommen hielt. Und man weiß aus einem früher veröffentlichten Gespräch Bismarcks mit Karl Schurz, wie sehr ihm darauf ankam. die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten und besonders die D e u t sch­äm e r i k a n e r für die deutsche Sache zu ge­winnen. So bilden diese neuen Veröffentlichungen mit ihren wertvollen Erläuterungen einen ebenso interessanten wie wichtigen Beitrag zur Ge­schichte Bismarcks.

Rom kündigt der Straßenbahn.

Von unserem römischen ^.-Korrespondenten.

Rom, Januar 1930.

Den ersten Tag des neuen Jahres hat schon immer ein tiefes Solidaritätsgefühl ausgezeich­net alle Völker vereinigt er unter dem Zei­chen der Kündigungen und der Tariferhöhungen. Die Straßenbahn geht gewöhnlich mit gutem Beispiel voran. Da sie immer vollbesetzt ist, müssen die Fahrpreise erhöht werden, so ver­langt es das ungeschriebene Wirtschaftsgeseh. Während sich aber in einer so modernen Stadt wie Berlin der rote Rat mit einer einfachen Preisheraufsetzung begnügt, hat der weise Rat einer alten Stadt gleich der ganzen Stra­ßenbahn gekündigt, soweit sie bislang im Innern der römischen Mauern angestellt und beschäftigt war. Sie darf hier überhaupt nicht mehr verkehren, denn sie ist ein Verkehrs­hindernis. Womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß für die verminderte Fahrstrecke nicht doch eine Preiserhöhung oorgenommen werden könnte.

Rom hat, wie man weih, keinen Stadtrat, keinen ©emeinberat, keinen Magistrat und wie die überlebten parlamentarischen Einrichtungen alle hießen. In den italienischen Städten re­giert unumschränkt der Podesta, und in der Hauptstadt, die ein ©oubernatorat ist, der © o - bernatore. Er kann Alleen umlegen und Häuserzeilen herausreihen lassen, wie es ihm gefällt. Diesmal kam die Straßenbahn an die Reih^ Der Duce meinte eines Tages, sie sei die Wurzei des Hebels, an dem das alte Rom krankt, sie müsse verschwinden. Unö folglich gab der ©ouberneur dieser Meinung Ausdruck. Da gibt es keine Debatten im Rate, da brauchen die hochwohllöblichen Stadtbäter nicht erst bei ihrer Partei anzufragen, wie sie darüber zu denken haben, da kommt einfach eines Abends der Be­fehl: Raus mit den Schienen! Und am nächsten Morgen werden sie rausgerissen. Sogar die Haltetafeln hat man schon abgebrochen, ob­wohl die große Reuerung erst mit dem ersten Tag des neuen Jahrzehnts einsetzt.

Rom seht also wieder einmal ein neues ©c- sicht auf. Cs sieht folgendermahen aus: Rings um die Altstadt läuft ein Sirahenbahnring, der sich zum Teil genau an die alte Ringmauer hält, und bon ihm aus gehenRadien" in die Vor­städte oder, richtiger gesagt, in die neueren Quartiere. Innerhalb des Rings oder der cir- conballazione berkehren nur noch Auto­busse. (Der Harne ist schrecklich, hat sich aber auch im Italienischen eingebürgert.) ES ergibt sich also mit einer Einfachheit, die auch ein Mann vom Lande verstehen kann, daß jeder, der in die Stadt hinein will, zwei Verkehrsmittel gebrau­chen muh: Gr fährt zunächst mit der Straßen­

bahn bis zum Ring und besteigt dort den Auto­bus. Der Fahrschein, der zu zweimaligem Um- steigen berechtigt und zeitlich auf eine Stunde beschränkt ist, kostet 50 Centesimi. Das ist über­haucht die geringste Gebühr, die auch für eine einfache Fahrt im Tram oder Bus berechnet wird. Immerhin kann man dafür also zum Bei­spiel vom Monte Sacro, dem historischen Mons Sacer aus bis an die Tore fahren und dann um ganz Rom herum. Eine wirklich ebenso bil­lige wie ausgedehnte und interessante Reise.

Mit dem llmfteigen auf einen Autobus, dem Eintritt in die Stadt also, erhöht sich der Preis auf 60 Cent. Der gleiche Fahrschein gilt auch eine Stunde lang innerhalb der Stadt, berechtigt bon Bus zu Bus, ebenso zum Austritt aus der City. Für 70 Cent, kann man über das Weichbild der Stadt hinausfahren und die Ultra- cheriferische benützen, das sind die Sonderlinien der Vorstädte, die bisher ihren eigenen Tarif hatten. Für 80 Cent, kann man beliebig aus Tram und Kraftwagen herumspringen, soweit man eine gerade Linie einhält, und wer diese Beschränkung nicht annehmen, sondern ganz Rom zur Verfügung haben will, der nimmt einen Stundenschein (oratio) für 1 Lira. Dis 8.30 mor­gens zahlt man übrigens nur halbe Preise, so daß also die obenerwähnte ReiseRund um Rom" als Morgenfahrt nur 25 Cent, kostet. Die Monatsabonnements bewegen sich zwischen 35 und 56 Lire.

Alles in allem: die Römer haben feinen Grund, sich zu beklagen. Sie bekommen etwas für ihre Batzen. Rur müssen sie dafür schrecklich fleißig sein und die komplizierten neuen Fahrscheine, auf denen die Strecken ein- §ezeichnet sind, die Radien und die Innenlinien, ie Rundfahrten und die ultra-periferischen ge­nau studieren. Es soll sogar Leute geben, die sich bor dem ersten praktischen Examen fürchten.

Dr. Bode in Gießen.

Am Dienstag weilte Dr.Rudolf Bode aus München, der bekannte Begründer des nach ihm benannten Gymnastiksystems, in Gießen, um seine Ideen theoretisch und praktisch vorzu­führen. Durch diese vom Institut für Leibes­übungen der hiesigen Universität in die Wege geleitete Veranstaltung wurde einem größeren interessierten Kreise der Studenten und Be­völkerung Gießens ein guter Einblick in ein bekanntes Gymnastikshstem gegeben.

In einem Vortrag im Hörsaal des Kunst­wissenschaftlichen Instituts gab Bode das theo­retische Fundament feiner Gymnastik. Er wandte sich gegen die Mißstände, die sich nach dem Aufschwung unserer Leibesübungen nach dem Kriege eingestellt haben. Das Leistungsprinzip steht zu sehr im Vordergrund, es herrscht ein Jagen nach Platz und Ziffer. In gänzlicher Ab­kehr hiervon tritt die Gymnastik auf den Plan. Das Leistungsprinzip findet bei ihr kein Gehör. Sie will Leibesübungen aus dem lebendigen Spiel der Kräfte. Der Mensch kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern nur in Verbindung mit seiner Umgebung. Infolge dieser Wechsel­beziehung verlangt Bode reaküves Bewegen, Be­wegungen als Reaktionen auf Eindrücke von außen her; denn nur bann ist der Mensch wirklich naturhaft, triebhaft tätig. Einige weitere For­derungen, die er aufstellt, sind:

1. Das Prinzip der Oekonomie der Bewegung. Es darf nur so viel Kraft angeseht und an» gewandt werden, wie für den Bewegungs­ablauf erforderlich ist.

2- Das Prinzip der Totalität der Bewegung. Keine isolierte Bewegung, der ganze Körper muh beteiligt sein und mitschwingen.

3. Das Prinzip des Wechsels zwischen Span­nung und Entspannung.

Im Anschluß an die Theorie folgte in der Turnhalle des Realgymnasiums die Praxis. Drei Damen brachten unter Bo des Leitung, auf die Klänge eines Klaviers reagierend, in eindrucksvoller Weise die Ideen Bodes zum Ausdruck in Gang-, Lauf-, Druck-, Zug- und einer Anzahl von Schwingbewegungen. Wohl jeder war erfreut über den rhythmischen Ablauf

der Bewegungsfolgen, über das Drehen und Wenden und das Wiegen in den Gelenken. Riemand dürfte ohne irgendeinen Gewinn diese Veranstaltung besucht haben.

Wenn man auch im großen und ganzen die A^s'üh u gen Bodes unterstreichen muh, so konn man sich doch nicht des Eindrucks gelegentlicher Uebertreibung in feinen Forderungen erwehren. In seinem Streben, alles naturhaft zu gestalten, geht er oft so weit, daß manches doch den Stem­pel der Unnatur und der Künstelei trägt. Gewiß sind die unangenehmen Begleiterscheinungen des Wettkampfes, die Ueberbetonung des Leistungs­prinzips in unseren Leibesübungen ein Uebel- stand. Aber wir werden nie auf den Wettstreit als solchen verzichten können; er entspricht eben zu sehr dem Charakter des Mannes und birgt hohe ethische Werte in sich. ES kann nur einen Streit über die Form geben. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum die Gymnastik, wie sie Bode und andere fordern,, vornehmlich eine Domäne der Frau bleiben wird. Im übrigen wird sie in bezug auf unsere anderen Formen der Leibesübungen stets nur ergänzenden Charak­ter in Anspruch nehmen können. Zweifel erheben sich auch hinsichtlich Bodes Forderung, daß jede Bewegung im Körperschwerpunkt anzusehen habe. Könnte man nicht eher eine Bewegung als richtig ansprechen, wenn sie ihrem Zweck entsprechend richtig ausgeführt wird?

Als großes Verdienst muß aber der Gymnastik, und besonders der Dodeschen, angerechnet werden, daß sie befruchtend auf unsere gesammten Leibes­übungen eingewirkt hat. Ihre Prinzipien sind zum großen Teil heute schon in den Leibesübung treibenden Verbänden verwirklicht. Und wenn sich die körperliche Erziehung heute in einem ganz anderen Lichte zeigt, als noch vor einem Jahr­zehnt, so muß man gestehen, daß die Gymnastik in diesem erfreulichen Aufschwung in beträcht­lichem Maße beteiligt gewesen ist.

Georg König, Turn- und Sportlehrer, Gießen.

Oderheffen.

Lumdaial'Sängerbund.

J Nordeck, 4. Febr. Der Lumdatal- Sängerbund, Mitglied des Hessischen und Deutschen Sängerbundes, hielt in der Gastwirtschaft von Stelzenbacy, dahier, einen gut besuchten San- gertag ab. Nach dem gemeinsamen Gesang des Deutschen Sängeigiußes^ und dem wohlgelunge- nen Vortrag zweier Chöre durch den hiesigen Ge­sangvereinTeutonia" eröffnete der 1. Voisitzende, Berufsschullehrer Eberle aus Lollar, die Tagung m.t herzlichen Worten der Begrüßung.

Zunächst verlas der 1. Schriftführer, Lehrer Walther aus Winnen, die Protokolle des vori­gen Sängertags und der letztenDolstandsfitzung.

Der nächste Punkt der Tagesordnurg betraf den diesjährigen Liedertag, mit dem in altgewohn­ter Weise ein Wertungssingen der Gau­oerei ne verbunden sein wird. Der 15. Juni wurde hierfür bestimmt. Als Ort war auf dem Herbst- Sängertag bereits Nordeck gewählt worden. Der VereinTeutonia", Nordeck, wird die Vorbereitung des Festes übernehmen. Wie der Vorsitzende dieses Vereins, Grebe, mitteilte, wird damit ein alther­gebrachtes Nordecker Volksfest, das sogKirschen- tänzchen", verbunden werden. Jeder Verein hat einen selbstgewählten Chor und einen Pflichtchor, der ein Volkslied sein soll, vorzutragen. Letzterer wird von der Dirigentenoersammlung bestimmt und wird den Vereinen alsbald zugehen. Zwei Parti- turen des Wahlchores sind bis spätestens 15. Mai an den Gauoorsitzenden Eberle in Lollar einzu- senden. An das Singen wird sich eine allgemeine Besprechung anschließen. während eine eingehende Kritik den Vereinen später zugcstellt werden soll. Die Bestellung des Sachverständigen wird dem Vorsitzenden überlasten. Ein Antrag Roth (Daub- ringen), das Singen an Orten, wo ein genügend großer Saal nicht zur Verfügung steht, zukünftig in einem Sängerzelt abzuhalten, fand Annahme. Hier in Nordeck ist jedoch in der Stelzenbachschen Wirtschaft ein geeigneter Saal vorhanden.

Weiter beschäftigte sich die Versammlung mit der Aufteilung des ehemaligen Lahn­gaues. Nachdem der Vorsitzende über den Sänger­tag in Gießen eingehend berichtet, di« Vorschläge des Vorstandes des ehemaligen Lahngaues nochmals vorgetragen und das Für und Wider sorgfältig er­wogen hatte, entspann sich eine außerordentlich leb­hafte Aussprache, an der sich Sänger aller ver­tretenen Vereine beteiligten, und die in der allge­meinen Forderung gipfelte, bei dem alten Beschluß zu beharren, der besagt, daß nur eine Gaueintei­lung, die nach geographischen Gesichtspunkten vor- genommen wird, als richtig anzuerkcnnen ist. Wenn bei allen in Betracht Kommenden der gut« Will« hierzu vorhanden sei, ließe sich dieser Grundsatz auch durchführen. Der .Lahntalsängerbund", der im letzten Jahre eine ganze erhebliche Zunahme seines Sangerbestandes zu verzeichnen hat, löst sich auf und bildet nach dein Beitritt weiterer Vereine einen selbständigen Gau im Hessischen Sän­gerbund. Im Verlaufe der Aussprach« wurde noch fcftgcftellt, daß der Bericht imGießener Anzeiger" und in derHessischen Sängerwarte" über den Sän­gertag zu Gießen im Dezember v. I. die irrige Mei­nung auffomemn lassen könnte, als hätten verschie­dene erwähnte Redner gegen die von den Vertretern desLumdatal-Sängerbundes" verfochtenen Vor­schläge gesprochen, das Gegenteil wäre doch aber der Fall gewesen.

Der Vorsitzende bat dann noch um möglichst bal­dige Einsendung der Bcstandserhebungen, sowie der Vorschläge zur Ehrung von Sän­gern und Dirigenten, ferner teilte er mit, daß im Februar eine Dorstandssitzung in Lollar fein soll, und erinnerte an denDeutschen Lieder­tag".

Ein Zusatz zur Satzung bestimmt, daß Feste von sog.wilden" Vereinen von den Gauvereinen nicht besucht werden dürfen.

Nach der Erledigung einiger interner Angelegen- beiten konnte der Vorsitzende nach 18 Uhr die Ver­sammlung schließen.

Horloff Wetierial-Sängerbund.

H Hungen. 4. Febr. In gemeinsamer Sitzung tagten am Sonntag imSolmscr Hof" dahier der Borstand und die Dirigenten deS Horloff -Wettertal -Sängerbundes. Der neugewählte erste Vorsitzende K. Dender. Hungen leitete die gut besuchte Versammlung. Hauptpunkt der Tagesordnung war die Stellung­nahme zu der Frage des Zusammen­schlusses mit dem Chattiasänger- bund. Die Ansicht aller Anwesenden ging da­hin, daß grundsätzlich dem Zusammenfassen der beiden Bünde nichts im Wege stünde, aber der damit verbunden« Eintritt in den Hessischen bzw. Deutschen Sängerbund wegen der sehr hohen Beiträge in der wirtschaftlichen Geg:nwart5not, die gerade auf unseren kleinen Landpereinen lastet, nicht möglich sei. Als Massenchor für das in diesem Jahre in Hungen stattfindende Dun- desfest wurden von der Dirigentenkonfer.nz di« ausführungsfreien LiederWer recht in Freuden wandern will" undDie Sonn' erwacht" be­stimmt. Empfohlen wurde weiterhin recht zahl­reiche Deteiligung an den Festen in Hungen, das mit einem Reform Wettstreit verbunden tot» den soll, und in Rodheim a. d. Horloff. Mit Dank an die Versammlung schloß der Vorsitzende Dender, nachdem noch einige mit der kommen­den Jahresarbeit in Verbindung stehende Fragen (Festsetzung des Eintrittspreises für das Dundessest usw.) erledigt worden waren, die arbeitsreiche Tagung.

Landkreis Gießen.

X Klein-Linden, 4. Februar. Am Sams­tagabend veranstaltete der hiesige Krieger- verein im SaaleZur Deutschen Eiche ein Wohldätigkeitskonzert, das sehr gut besucht war. Das Konzert wurde au i geführt von der Musikkapelle des l.Datl. Inf.-Regt .15 in Gießen unter Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r. Das sehr reichhaltige Programm war in Streich- und Blasmusik eingeteilt. Zu Beginn des Konzerts hielt der erste Vorsitzende des Ver­eins, Fr. Schimmel, eine Ansprache, in der er nach Begrühungsworten unserer Gefallenen gedachte, deren Vorbild der Treue, des Pflicht­gefühls und der Einigkeit in der jetzigen Zeit mehr denn je nötig sei. Stehend hörten die Anwe­senden dem von der Kapelle gespielten LiedIch hatt' einen Kameraden" zu. Im weiteren Ver­laufe des Konzerts wechselten ernste und heitere Musikstücke ab. In einer Pause sprach der De- zirksvorsteher Professor Dr. K r a e m c r (Gie­ßen), der seine Freude über den vollbesetzten Saal zum Ausdruck brachte, ti>a3 der beste Beweis dafür sei, daß viele Derständnis dafür hätten, eine Sache fördern zu helfen, die alte deutsche Tugenden pflegen wolle: Einigkeit und Recht und Freiheit. Das gute Alte ehren und in Erinnerung behalten, sei wert, beherzigt zu werden. Dank zollte er dem verstorbenen Reichs­präsidenten Ebert, daß er das Deutschlandlied zur Rationalhymne bestimmt habe, die im An­schluß an die Rede stehend gelungen wurde. Hierauf erfolgte die Ehrung derjenigen Mit­glieder, die dem Kriegerverein 25, 40 und mehr Jahre angehörien. Prof. Dr. K r a e m c r Über­reichte mit herzlichen Worten der Anerkennung das Chrenkreuz der Hassia dem Polizeidiener i. R. Fr. Jung und dem Dereinsdienrr Karl Lang; das Ehrendiplom für 40,artige Mit­gliedschaft dem Gastwirt Fr. Rinn; das Ehren­zeichen für 25jährige Mitgliedschaft den Mit­gliedern W. 111 m W.lh. Klein II., Lehrer Möller, W. Volk, Fr. Klein, Wilhelm S ck a u m , Aug. Sieger II. und W. D e i b e L Leyrer Möller sprach im Ramen der Aus­gezeichneten Dank für die Ehrungen aus mit der Versicherung, daß sie auch weiter der guten Sache die Treue halten toürben. Die weiteren Darbietungen der Militärkapelle fanden ebenso wie im ersten Teil des Abeirds stärksten Beifall, den die Kapelle mit einer Anzahl Zugaben quittierte. In dem Schlußwort des Vorsitzenden Schimmel kam der Dank der Besucher an die Kapelle für die vorzüglichen musikalischen Darbietungen zum Ausdruck. Der Reinertrag des Konzerts ist zur Unterstützung der Kriegs­beschädigten und der Krieger-Hrnterbliebenen bestimmt.

Lang-GönS, 7. Febr. Am morgigen 8. F .bruar tan.x d:r Leijrer an ter h esigen Vol.s- schule Philipp Hofmann auf eine 25- jährige Tätigkeit als Lehrer in unserem Orte zurückblicken. Der Jubilar kam vor 25 Jahren direkt vom Seminar als Jung­lehrer hierher und ist seitdem immer mehr mit unserer Gemeinde verwachsen. Reben einer reich­gesegneten Tätigkeit als Schulmann und 3u» genderzieher hat er sich in uneigennütziger Weise für unseren Ort auch als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins bemüht, ferner ist ec 1 ehrenamtlich als Obmann des LehrerveveinS Die-