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Sreltag, 7. $cbntarj030

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 32 Zweites Blatt

Telephonspionage in Polen.

Wie die Warschauer Minister von pilsudskis Oberstenclique überwacht werden. Oie »Defensive", Polens gewaltige Spihelorganisation. - O.fiziere und »Patriotinnen" im Auswärtigen Nachrichtendienst.

Don Ferdinand Luck.

Unser Mitarbeiter, ein hervorragender Ken­ner der geheimen internationalen Nachrichten­organisationen und besonders der entspre­chenden polnischen Einrichtungen, klart hier die Arbeitsweise und die politischen Unter­gründe der Warschauer Telephonspionage auf, die vor einiger Zeit lebhaftes Aufsehen erregte.

In fast allen Staaten wird den Inhabern von Fernsprechanschlüssen zugesichert, daß da s -L e ie phongeheimnis unter allen Umstan­den gewahrt bleibt aber diese Zusicherung wird keineswegs regelmäßig gehalten. Praktisch ist das Telephongeheimnis in der überwiegenden Mehr­zahl der Länder schon dadurch ausgehoben, daß so ziemlich alle Postbehörden der Welt die Fernsprech­anschlüsse der diplomatischen Vertretungen im Ge­heimen st r c n g überwachen. Das geschieht aus Gründen der staatlichen Sicherheit; um die ausländische Spionage abzuwehren, wer­den die Telephongespräche der fremden Diplomaten belauscht, und so gelingt es, in verdächtigen Fällen Spitzel abzufangen, die ihre Dienste den fremden Missionen anbieten. Diese inoffizielle Kontrolle der Ferngespräche geht gewöhnlich entweder vom Po- lizeipräsidium oder vom Kriegsministerium aus; man ermöglicht sie durch dos Aufstellen von soge­nannten Klappenschränken, die von sprach­kundigen Beamten und häufig von Offizieren be- dient werden. Liegen gegen einen fremden Diploma­ten oder Militärattache bestimmte Verdachtsgründe dafür vor, daß er mit Spitzeln in Verbindung steht, so werden nicht nur die Fernsprechapparate im Gesandschaftsgebäude sondern auch das Telephon der Privatwohnung überwacht, und selbstverständ­lich sind Detektive mit der Beobachtung der betref­fenden Däuser betraut.

Schon vor dem Krieg wurden Diplomatengesprääi« ® allgemein belauscht. Das geschah aus außenpo-

)en Gründen; die innerpolitische Ueber- wachung von Tclephongesprächen ist jedoch erst in den unruhigen Zeiten nach dem Krieg eingerichtet worden und erfreut sich besonderer Be­liebtheit in den Oststaaten, in Polen und in Ruß­land, wo sie seit langem besteht und konsequent aus­gebaut worden ist. Die Warschauer Meldung über die Belauschung vertraulicher Staatsgespräche zwi­schen dem Ministerpräsidenten Bartel und dem Statspräsidenten M o s z i ck i kann den Kenner der inerpolitischen Verhältnisse Polens durchaus nicht überraschen; erstaunlicher ist es, daß es ein pol­nischer Journalist gewagt hat, den Inhalt dieser Telephongespräche zu veröffentlichen. Aber die Praxis, sogar ministerielle Televhongespräche abzulauschen und unter Umständen publizistisch oder parlamentarisch auszuwerten, ist nicht erst in diesen Tagen entstanden;Zie besteht in Polen seit der Grün­dung der sogenanntenDefensive".

DieDefensive" ist eine Geheimorganisation, die zwar dem polnischen Generalstab unterstellt ist, aber selbständig arbeitet. Ihre Mitglieder sind f a st ausschließlich Offiziere, die in der Regel der Reserve angehören und als Beamte in den ver­schiedenen Ministerien sitzen. Es sind Horchpo- st e n, die an die Zentrale derDefensive" alles be­richten, was in ihren Aemtern den Verdacht des Landesverrates eregt wobei der Tatbestand des versuchten Landesverrats nach polnischen Begriffen schon gegeben ist, wenn eine beamtete Persönlichkeit

pazifistische Neigungen offenbart oder den ewigen Bestand der polnischen Landesgrenzen bezweifelt. Jeder Verdächtige wird nun von derDefensive" auf Schritt und Tritt beobachtet. Selbst wenn er nickt zu überführen ist, gilt er doch in Zukunft als unsicherer Kantonist, dessen Name in eine schwarze Liste eingetragen wird. DieDefensive" hat eigent­lich nur die Aufgabe, für den Schutz der östlichen und westlichen Grenzen zu sorgen; aber sie hat ihr Wirkungsgebiet sehr erweitert und erfaßt vor allen Dingen nicht nur das Inland, sondern ist auch in den Nachbar st aaten als weit ausgedehnte Spionageorganisation tätig.

In einzelnen Fällen gehören die Auslandsmit­glieder derDefensive" sogar dem polnischen diplo­matischen Corps an, bei dem sie offiziell den Posten eines Legationssekretärs oder Attaches inne­haben, aber hinter den Kulissen im Sinne derDe- sensive" tätig sind. Auch in Deutschland wurde ein solcher Fall festgestellt, als der Prozeß des pol­nischen Spitzels Schreck vor dem Reichsgericht in Leipzig die inoffizielle Tätigkeit des Presseatta­ches Paciorkowski von der Berliner Polnischen Gesandtschaft enthüllte. Paciorkowski war polni- scher Offizier und wurde von der Zentrale derDefensive" zu Spi.o nagezwecken nach Deutschland abkommandiert. Noch vor der Aufrollung des Schreck-Prozesses in Leipzig mußte Paciorkowski fluchtartig Berlin verlasien; er suchte eine Zuflucht in Genf, wo er ein kurzes Gast­spiel in den Sälen des Völkerbundes gab, dann aber auch aus der Schweiz verschwand.

Sehr schwierig ist die Arbeit derDefensive" auf de ni Boden der Sowjetunion, wo die polnischen Spione in den verschiedensten Ver- kleidungen auftreten. Erleichtert wird ihnen ihr Kundschafterdienst durch den Umstand, daß sie als gebürtige Kongreßpolen die russische Svrache voll­kommen beherrschen und mit den russischen Sitten und Gebräuchen restlos vertraut sind. Die Mitglie­der derDefensive" üben in der Sowjetunion eine Tätigkeit aus, die auf Leben und Tod geht; denn einer Entlarvung eines Spions auf russischem Bo- den folgt sofort die Erschießung am Ort der Tat, ohne lange gerichtliche Untersuchungen.

Die umfassende und in ihrem Sinne großartige Organisation derDefensive", die im Interesse der Landesverteidigung wirkt, dient nur polnischen Zwecken, und ihre Archive bleiben selbst den französischen Offizieren verschlossen, die der War­schauer Militärmission angehören. Obwohl man zwi­schen Paris und Warschau über militärische Fragen sehr vertrauliche Unterhaltungen führt und die fron- zösische Generalität im franko-polnischen Bündnis Führung besitzt, endet diese Freundschaft doch vor den Archiotüren derDefensive". Diese polnische Nachrichtenorganisation ist mißtrauisch selbst gegen den Pariser Bundesgenossen und läßt seinen Verbündeten stets von einer neutralen Warte aus beobachten. Zu dieser heiklen Mission werden aber nicht Offiziere abkommandiert, sondern polnische Patriotinnen stellen sich in den Dienst der Defensive. Sie wirken in Paris oder Genf, und da sie den ersten Gesellschaftskreisen an­gehören, erhalten diesepolitischen Mannequins" I bald Zutritt zu den Salons und Bureaus, in denen polnische Fragen erörtert werden. Offiziell ist von I dieser Invasionpolitischer Mannequins" aus Po­

len am Quai d' Orsay nichts bekannt, doch war diese Zweigstelle der WarschauerDefensive" in Paris sogar einmal Gegenstand diplomatischer Erörterun­gen zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei; Bcnesch hat sich in seinem eigenen Amt bitter dar­über beklagt, daß der tschechische Nachrichtendienst der Aufklärungsarbeit der polnischen Patriotinnen weit unterlegen sei.

Wer mit dem Aufbau derDefensive" vertraut ist, wird nicht daran zweifeln, daß In Polen der Fern­sprechverkehr zu innerpolitischen Zwecken überwacht wird. Es ist sogar bekannt geworden, wo sich die Abhörstation befindet; sie ist im Hauptfern­sprechamt unter dem großen Saal für Fern­verbindungen angelegt worden, und aroar während der Amtstätigkeit des Postministers Börner, der zur Oberstenclique gehört. DieDefensive" wird nämlich in letzter Zeit offenbar nicht mehr allein nach den Grundsätzen der Landesverteidigung ge­leitet, sondern von politischen Klügeln

beeinflußt. Sie steht unter der Kontrolle der Oberstengruppe, deren Herr und Meister Pilsud- s k i ist, und in der die Freunde des Marschalls, Oberst Beck und General R y c z - S m i g I a , die sührcnde Rolle spielen. Diese Schwenkung derDe- fcnsive" ist auch deshalb sehr bedeutsam, weil da­neben noch ein anderer geheimer Nachrichtendienst besteht, der der Zentralleitung der polnischen Legionäre unterstellt ist und in ganz Polen ar­beitet. General Rycz-Smigla ist der Chef des Le­gionärkorps, ein ergebener Anhänger Pilsudskis, während in derDefensive" ursprünglich auch Geg- uer Pilsudskis, z. B. die Anhänger des Generals Haller mitwirkten. Nun hat die Oberstengruppe in ihrem zähen Kampf um die Macht beide ge­heimen Informationsapparate an sich gerissen, und sie schreckt nicht einmal davor zurück, die erhaltenen Nachrichten zu veröffentlichen und dadurch das Ab- hörsystem im Warschauer Fernsprechwesen vor aller

Welt zu enthüllen.

Der Siaubeckenbruch beim Kraftwerk Jkbbetborn (Grenzmark): An der Unglücksstelle.

w.

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Daten für SamStag, 8. Februar.

Sonnenaufgang 7.28 Uhr, Sonnenuntergang 17.02 Uhr. Mondaufgang 11.04 Uhr, Mond- untergang 3.20 Uhr.

1587: Maria Stuart, Königin von Schottland, in Fotheringhay hingerichtet (geboren 1542); 1725: Zar Peter der Große in St. Petersburg gestorben (geboren 1671); 1795: der Humorist und Sati­riker Moritz Gottlieb Saphir in Looas Bereny in Ungarn geboren (gestorben 1858). 1828: Der französische Schriftsteller Jules Verne in Nantes geboren (gestorben 1905); 1867: der Philosoph Max Dessoir in Berlin geboren; 1871: der Maler Moritz v. Schwind gestorben (geboren 1804). 1906: der Geograph Alfred Hirchhoff in Mockau bei

Leipzig gestorben (geboren 1838); 1920: der Lyriker Richard Dehmel in Blankenese gestorben (geboren 1863).

Erwerbslosen-Oemonstraiion in Darmstadt.

WEN. Darmstadt, 6. Febr. Heute abend demonstrierten mehrere Hundert Erwerbslose erneut vor dem Rathaus, wo der Stadtrat über verschiedene Anträge auf Erwerbslosenhilfe beraten wollte. Als es zu Verkehrs st örungen und Unruhen kam, griff die Schutzpolizei ein und zog eine Bann­meile um das Rathaus. Verhaftungen wurden keine vorgenommen.

Die blonde Sklavin.

Vornan von Hermann Weick.

Nachdruck verboten

I.

Zwei Raketts unter den Arm geklemmt, im weihen, eng anschließenden Sportskleid, betrat Lu Horwitz den Balkon.

Äommft du mit, Felix 7"

Felix Schulhofs lieh die Zeitung, in der er ge­lesen hatte, sinken.

Jetzt schon?... Dein Spiel beginnt doch erst um 11 Ahr, wenn ich nicht irre!"

Lu Horwitz hatte in einem Sessel Platz genom­men. Sie legte die schlanken, sehnigen Beine über­einander und griff nach den Zigaretten, die auf dem kleinen Tische standen.

Felix Schulhofs reichte seiner Verlobten Feuer.

»Danke!... Ich möchte vor dem Spiel noch zu Farrere gehen. Er hat. wie er mir mitteilt, neue Modelle bekommen; die will ich mir an- sehen."

Sie sprach kühl und blickte gleichmütig zur Promenade des Anglais hinab, aus der zahlreiche Kurgäste spazierten.

Das Meer schimmerte in märchenhafter, un­wirklicher Bläue. Ein leuchtender Himmel spannte sich übor Rizza. Die Morgensonne tauchte alles in strahlenden Schein.

Schulhofs hatte sich erhoben.

»Wollen wir gehen?"

Als sie durch die prunkvolle Hotelhalle schritten, folgten bewundernde Blicke Lu Horwitz.

Man kannte die aparte Erscheinung der deut­schen Tennismeisterin, die seit einer Woche in dem Hotel wohnte. Aeberall, wo sie erschien, war sie Gegenstand ungewöhnlicher Aufmerksamkeit.

Lus elegantes, hechtgraues Kabriolett stand vor dem Portal.

»Zu Farrere, Boulevard Victor Hugo!" sagte sie zu dem Chauffeur.

Sie sahen dann in dem stimmungsvollen Raum des berühmten Modehauses; Mannequins, das stereotype Lächeln im puppenhaften Gesicht, führ­ten die neuesten Modeschöpfungen vor; Mon­sieur Edrnond Farrere, der Chef des Hauses, war selbst zur Stelle und pries die einzelnen Modelle mit der Miene eines kennerischen Fein­schmeckers.

Aber Lu Horwitz teilte seine Begeisterung nicht.

»Ganz hübsch, aber nicht das, was ich suche!" sagte sie mit etwas hochmütigem Lächeln.

Monsieur Farrere war untröstlich. Felix Schul­hofs empsond ein leises Mitleid mit dem Manne, der sich verzweifelte Mühe gab und doch nicht zum Ziele kommen konnte. Aber Lu hatte nun

einmal diesen verwöhnten, extravaganten Ge­schmack; da war es nicht leicht, das Rechte zu finden...

»Ich glaube, wir können gehen," sprach Lu Hor­witz zu Schulhofs, »der Mann hat wirklich nichts Vernünftiges!"

Sie dachte nicht daran, ihre Stimme zu dämpfen, so dah die Angestellten, die in der Rähe standen, ihre Worte hören muhten; sie machten betretene Gesichter.

Farrere, der in einem Rebenraume verschwun­den war, kam zurück, an seiner Seite eine der Probierdamen in einem mattgelben Seidenkleid; es war ein auherordentlich kostbares Stück, in Farbe, Form und Verzierung ein kleines Mei­sterwerk

Lu Horwi) lieh den Mannequin einige Male hin und her gehen. Das Kleid schien ihr zu ge­fallen.

»Warum Haden Sie mir dieses Modell nicht gleich gezeigt?" sagte sie vorwurssvoll zu Farrere.

Dieser lächelte zufrieden, er sah den Abschluß eines guten Geschästs näherrücken.

»Ich wollte das Beste bis zuletzt aufheben, Mademoiselle!"

»Kann ich es probieren?"

Dke Direktrice, eine schon etwas ältliche Dame mit stark geschminktem Gesicht, begleitete Lu in den Ankleidesalon. Monsieur Farrere zog Schul­hofs m ein Gespräch, in seiner temperamentvollen Weise schwatzte er von diesem und jenem, Schul­hofs langweilte sich dabei und wünschte, dah diese Kleideraffäre nun bald zu einem Ende tarne.

Lu erschien wieder. Sie trug das mattgelbe Gewand, es schien, als habe das Kleid nur darauf gewartet, von ihr getragen zu werden, so patzte es zu ihrem Körper, zum Ausdruck ihres Gesichts, zur Farbe ihrer Haare.

»Superbe! Superbe!" rief Farrere und tän­zelte aufgeregt um Lu herum.

Auch Felix Schulhoff war von Lus Anblick seltsam gebannt. Er sah ihre schlanke, ebenmäßige Sportsgestalt, er sah das ungewöhnlich schöne, immer etwas hochmütige Gesicht mit den großen, kühlen Augen, er sah den schmalen Mund, die tiefschwarzen Haare, die glatt um ihre hohe Stirne lagen ...

Wie ein fremdes, schönes Bild betrachtete er seine Braut.

And jäh durchzuckte ihn ein Gedanke: dah die­ser Schönheit das Letzte, Entscheidende fehle... die Wärme... das Sonnige... Kühl, unnahbar stand Lu da, herrischen Ausdruck in den Zügen.

»Ich werde dieses Kleid nehmen!" sagte sie zu Farrere.

»Es steht dir sehr gut, Lu!" sprach Schulhoff und lächelte ihr zu.

Aber nachher, auf der Fahrt durch die Stadt, war er nachdenklich. Immer wieder gingen seine

Blicke zu Lu, als sehe er sie heute zum ersten Male.

Als sie über die Place Massena fuhren, winkte ein Herr ihnen zu. Lu Horwitz lieh den Wagen halten.

Mister Loudon!" sagte sie kurz zu Schulhofs, der, über die Unterbrechung der Fahrt verwun­dert, aufgeblickt hatte.

Der Engländer, eine baumlange, hagere Gestalt mit eckigem, ledernem Gesicht, trat an den Wa- genschläg.

Wollen Sie zum Turnier?" fragte Lu Hor­witz

Mr. Loudon küßte ihr die Hand.

Ich bin auf dem Wege dorthinI"

»Dann fahren Sie mit uns, Mr. Loudon!"

Felix Schulhofs war der Engländer nicht son­derlich sympathisch, er hätte es lieber gesehen, wenn dieser nicht so ost in seiner und Lus Gesell­schaft gewesen wäre. Die unverblümte Art, mit der er Lu den Hof machte, hatte ihn schon manch­mal geärgert.

Lu schien aber nichts daran zu finden. Ihr gefiel Loudon, der zu den ständigen Gästen sämt­licher bedeutenden Tennisturniere der Welt ge­hörte. Er reifte von einem Ort zum anderen, wo im Tennissport etwas Besonderes los war, war auch Mr. Loudon zur Stelle. Dies war sein Lebensinhalt...

»Ich glaubte Sie schon längst auf dem Platze, Miß Horwitz!" sagte er und sah auf die Ahr.

Ich muhte vorher noch zu Farrere, um mir ein Kleid zu kaufen."

Loudon lachte; dabei zeigte er seine großen, raubtierartigen Zähne.

Ich bewundere Ihre Rerven, Miß Horwitz! Eine Stunde vor einem so wichtigen und schwe­ren Spiel noch die Ruhe zu haben, ein Kleid zu kaufen, das macht Ihnen so leicht keine andere Dame nach!"

Lu Horwitz zuckte mit den Schultern.

Ich fürchte den Kamps mit ©enorita Muralez nicht!"

»Sind Sie Ihrer Sache so sicher?"

Ich muh dieses Spiel gewinnen! Ich will in die Schluhrunde kommen!"

Klar, hart tarnen diese Worte aus dem Munde der jungen Dame.

Loudon sah sie aus seinen Hellen Augen, die zu dem tiefgebräunten Gesicht seltsam kontra­stierten, durchdringend an.

Sie werden gewinnen, Mih Horwitz! Ich habe noch niemals eine Spielerin getroffen, die neben den selbstverständlichen technischen Fähig­keiten so den eisernen Willen, zu siegen, besah wie Sie!"

Felix Schulhofs hörte dem Gespräch der Beiden nur mit halbem Ohr zu. Er kam sich dabei eigent­lich recht überflüssig vor. Er liebte den Tennis- fport, gewiß! Aber nie war er ihm Selbstzweck

wie diesen Beiden, die kaum für anderes mehr Sinn und Interesse hatten.

Auch nachher, während des Wettspiels zwischen Lu und der Spanierin Muralez, wunderte sich Felix Schulhoff, wie gelassen und gleichmütig er dem spannenden Kampfe gegenüberstand.

Ja, einmal huschte der Wunsch ihm durchs Gehirn: daß Lu dieses wichtige, entscheidungs- volle Spick verlieren möge. Er hätte sich keine Rechenschaft darüber geben können, warum er dies wünsche...es war nur wie ein blitzartiges Verlangen in ihm... dann war es wieder ver­stummt.

Lu gewann aber das Spiel. Ihre Ruhe und Aeberlegenheit hatten das nervöse Temperament der kleinen, glutäugigen Spanierin rasch zermürbt.

11.

Die Zofe, die Lu Horwitz frisierte, konnte es dieser nicht recht machen. Anzufrieden sah Lu in den von gleißenden Lampen erhellten Spiegel.

Sie sind heute nicht bei der Sache, Anna!"

Aber gnädiges Fräulein, ich gebe mir doch alle Mühe!" antwortete das Mädchen, dem Weinen nahe.

Da klopfte es an die Türe des Salons.

»Sehen Sie nach, wer es ist!" befahl Lu Horwitz.

Das Mädchen kam gleich darauf wieder zurück. Es schloß die Türe zum Schlafzimmer hinter sich.

»Herr Schulhoff möchte das gnädige Fräulein sprechen. Er wartet im Salon."

»Ich bin bald fertig, Felix!" rief Lu zum ande­ren Zimmer hinüber.

»Kann ich dich nicht gleich sprechen?" tönte es zurück.

Ich bin noch nicht so weit. Gedulde dich we­nige Minuten!"

Es ist aber sehr dringend, Lu!"

Ein unwilliger Ausdruck kam in Lus Züge. Sie stand auf.

Geben Sie mir den Mantel, Anna!"

Den seidenen Frisiermantel umgelegt, betrat Lu den Salon.

Was ist denn los, Felix?" fragte sie, ärger­lich über die Storung.

Felix Schulhoff war im Frack; sein Gesicht zeigte die Sparen großer Erregtheit.

»Dieses Telegramm habe ich soeben erhalten!" Lu las die Depesche:

Bin erkrankt. Komme sofort zurück.

Vater."

Sie legte das Telegramm auf den Tisch und sah Schulhoff fragend an.

Ich kann mir nicht denken, was an Vater ge­kommen ist!" sprach Schulhoff sorgenvoll.Er war bis jetzt noch nie krank! And einer gering­fügigen Anpäßlichkeit wegen würde er mich nicht zurückrufen!"

(Fortsetzung folgt.)