Ausgabe 
6.11.1930
 
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Vornan von Hans Friedrich.

Llrheber-Rechtss^uh durch Verlag Oskar Meister, Werdau L 6a.

24 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Der Gedanke blieb unvollendet; als Gutenberg auf die Veranda trat, fiel sein Mick auf Mute Hansen, die den steinigen Pfad zwischen den Almen heraufkam. Sie war ohne Gepäck, nur im Dirndlkostüm und mit dem Bergstock versehen. Gutenberg trat auf sie zu.

GruftGott, Mutei"

GrüftGott, Heinz!"

Lind sie lachten sich gegenseitig die Wieder­sehensfreude ins Gesicht.

3ft es nicht, als hätten wir uns seit Tagen nicht gesehen?" fragte Gutenberg.

Sie gab seine Hand frei, sagte schmollend:Du bist mir einer! Hast dich nicht um mich bekümmert, während ich mit Fieber das Bett hüten muftte!"

Er lieft den Kopf hängen. Ihr Vorwurf, so scherzhaft er gemeint war, traf ihn. 3a, es stimmte: Gestern hatte er sich den ganzen Tag reicht in derPost" blicken lassen.

3ch war noch so müde von derHohen Oed" und bin nur für zwei Stunden in Fiegls Gasthaus gewesen..." gestand er kleinlaut.

Ohne ein Wort über das Ziel ihrer Wanderung zu wechseln, gingen sie den Zickzackpfad zur Höhe weiter, langsam, Schritt um Schritt. Sie hatten das Glück, keine Weggenossen in unmittelbarer Vähe zu haben. Die Stille der 2500 Meter Höhen­lage war wie ein köstlicher Mantel um sie. Diese große Einsamkeit glich einer Isolierschicht, einer luftleeren Hülle, die wie ein Filter alle Misere und Not be5 Erdendaseins aufsaugte und ver­schluckte. Der Mensch war ein Vichts aus der Adlerperspektive.

Wohl hundert Meter über dem Falknerhaus sprang die Quelle, die der Miedl den Stoff zur kühlen Limonade für die Gäste spendete, aus dem Fels. Mute und Heinz bückten sich und schöpften das köstliche Vaft mit hohler Hand. Lind weil sie abseits vom Pfad waren, setzten sie sich auf einen *Lrümmerblock, der ihnen beiden Platz gab. Von hier aus bot sich ihnen ein schmales Blickfeld auf das Dörfchen tief unten im Tal. Wie durch einen ungeheuren in das Felsmassiv des Berges ge­sprengten Keil sahen sie die winzigen Häuschen von Sölden längs dem weiften Faden der Oetz- taler Ache. Das Kirchlein spießte sein schlankes Türmchen vorwitzig zum Firmament auf und war doch ein Vichts gegen die überwältigende Wucht und Steilheit der Berge rechts und links. Aus den

Luftigen, sanft verschleierten Farben der Tiefe slotz das kräftiger entwickelte Braun und Violett der Hänge und Wände des Brunnen- und Söldner- kogels. Das schwere, saftige Grün der bis an die Ache drängenden Dergwälder ging bei zweitau­send Meter Höhe in die helle, reich mit Gelb ge­mischte Tönung der Almen über.

Sehen wir den Himmel an!" bat die Malerin. Diese seidige Mischung von Kobalt, Ultramarin und Pariser Blau, die mit Oelfarbe nie ganz rein zu erzielen ist und durch das zähe Zinkweiß immer den Duft der Ferne verliert..

Ganz im Vörden, vermutlich im Wetterstein- Gebirge, stand eine Wolkenmauer, kaum als schmaler, grauer Streifen sichtbar.

Vielleicht gibt es heute noch Gewitter..." sagte Gutenberg, ohne selbst an diese Möglichkeit zu glauben. Wer denkt an Vegen, so lange die Sonne scheint?

Mute dehnte die Arme, als wollte sie die Herr­lichkeit des jungen Tages einfangen und an die Brust drücken.

Mich hat es heute nicht mehr im Tal gelitten. Ich muftte herauf, muhte wieder Höhenluft atmen!" bekannte sie, mit zurückgeworfenem Kopf in den unwahrscheinlichen Glanz dieser Bergstunde hineinsprechend.

Als ihre Hände herabsanken, griff sie ihr Ge­fährte auf. Sie lagen fest und kühl in den seinigen.

Du Mute wir müßten hier bleiben dür­fen ganz mit dieser wilden Erhabenheit ver­wachsen ..

Llm ihren Mund zitterte ein schmerzliches Lä­cheln, als sie erwiderte:Wünsche werden geboren, uni eingesargt zu werden..."

Er wußte nicht, daß sie sich ihm. mit diesem Wort viel inniger verband, als er je zu hoffen wagte.

Weit nach Mittag erreichten sie die Brunnen- kogelhütte auf dem Gipfel des Berges. Die Sonne hatte sie ausgedörrt und hungrig gemacht. 3n zweitausendsiebenhunderttmdeinundvierzig Meter Höhe mundete der Schmarren und der Tiroler Veathel" noch einmal so gut wie drunten im Tal. Llnd hernach träumte es sich auf der Dank neben der Tür so weltvergessen. Cs war so schön, einmal ohne den leisesten Gedanken an Pflicht und Arbeit nur dem Glück eines durch sonnten Tages zu leben.

Menschen kamen und gingen wie die Stunden, die auf eine geheimnisvolle Weise aus dem Glet- schermeer im Osten auftauchten und dann mit der Sonne jenseits der herüber grüßenden Pihtaler Gipfel verglühten. Llnd die Worte tropften wie die Vicselwässer der Felsen, so leicht und unbe­wußt.

Seitdem sie dem Tod imHohen Oed" entgin­gen, waren sich die beiden Freunde nahe wie Ge­

schwister. Gutenberg sagte nicht mehrmein gnädi­ges Fräulein", sondern nur noch kurzMute", was aus seinem Munde sehr hübsch und gefällig klang.

Sie hatten von materieller Vot gesprochen und vom Reichtum, wie sie ihn in Garmisch-Parten- kirchen sahen: Schwere Reisewagen, gepflegte Menschen, geschmückte Frauen, wohlgenährte Her­ren, die gefüllte Brieftaschen bei sich trugen. Mute, die selber nie Vot ums tägliche Brot gelitten hatte, lächelte auf eine begütigende und ver­söhnliche Art.

Du kannst überzeugt fein, Heinz, daß jeder dieser Menschen sein Kreuz trägt. Llnd jeder leidet auf irgendeine versteckte und verborgene Weise Vot. Die Sorge um Salz und Brot ist noch die geringste. Es gibt Vöte, die quälender sind: Ehrgeiz Haß Liebe" 3hre Augen hingen mit einem starren Ausdruck am Pfaffen­ferner und waren doch nicht dort im ewigen Schnee und Eis, sondern sahen das väterliche Haus in Dresden. Dort wohnte die Vot um Liebe. Llnd sie alle trugen Schuld: 3rma und Peter Hansen und sie, Erdmute.

Gutenberg hatte den Kopf gegen die Hütten-- mauer zurückgelehnt. Er verwob die Worte dieses Gesprächs mit den Gedanken seines künftigen Romans, sagte in die entstandene Stille hinein: Der Querschnitt ergibt: Menschen im 3och oder treffender, tiefer aufgefaßt: Menschen ohne Gott."

Llnd dann mit jäh exwachter Kraft:Vein so darf es nicht weitergehen! Wir müssen dem Himmelreich Gewalt antun, um es auf die Erde herabzureihen!"

Es ergaben sich Berührungspunkte zwischen Heinz und Mute, die mehr garantiert hätten, als nur diese Freundschaft auf Zeit. 3hre Ziele und Sorgen flössen ineinander über, waren im Grunde ein- und dieselben. Llnd sie wußten nicht, daß dies die letzte gemeinsame Feierstunde war, die sie ihren gleichgestimmten Seelen widmen durften.

21.

Als der Mietwagen schon ein tüchtiges Stück aus 3nnsbruck heraus war, fiel es Ludwig Schwaihofer ein, daß er vergessen hatte, für Erdmute Hansen Farben und Lltensilien zu be­sorgen. Verwünscht er hatte es ihr fest zugesagt und nun kam er mit leeren Händen! Aber der junge Leichtfuß pflegte Vergeßlichkeiten nicht lange nachzutrauern. Das Fest in der 3agd- hütte war tausendmal wichtiger, als die Wünsche Erdmutes. Eigentlich war sie dazu ausersehen, die Rolle der Blonden zu spielen, doch so fügte es sich besser. Erdmute gab sich nicht so impulsiv, wie diese reife Frau. Einen alten Wein hatte er bisher stets einem jungen Iahrgang vor­gezogen.

,,3ch werde meine Festgenossen morgen zurück­begleiten und dann die Farben besorgen", sagte er sich, diesen kleinen lästigen Gedanken als unwesentlich beiseite schiebend.

Schauen S' nur, tote uns die Sonne nach dem Gewitter von gestern entgegenlacht!

Die Blondine nickte lachend mit dem Kopfe und fühlte mit seltsamem Prickeln im Blut die warme Vähe dieses lustigen Draufgängers. Der Schwaihofer, das war ein Lebens künstlerl Der verstand es, das ganze Dasein als Improvi- sation zu nehmen.

Vor ihnen, auf den Votsitzen der Limousine, hatten Strobl und Trude Gutenberg Platz ge­funden. Der Geiger kniff das linke Auge ein, wenn er, von dieser Fahrt ins Llngewisse merk­würdig erregt, seiner Partnerin billige Kompli­mente zuflüsterte.

Du Trude so möchte ich mit dir bis ans Ende der Welt rollen!"

Sie schwieg auf eine verstockte,. aufreizende Art, mußte daran denken, daß sie dieser Mensch zerpflücken würde, wie er droben auf der Berg­station das Steinbrechblümchen gedankenlos zerriß und dem Winde überlieh. Aber vielleicht hatte dies alles nun keinen Zweck mehr, der Wider­stand, der stete heimliche Kampf gegen die Zu­dringlichkeit dieses Mannes; denn nun kam sie auf eine ebenso schöne wie unvorhergesehene Weise in die Vähe von Heinz. Lind damit war alles gut. So groß war ihr Sehnen, dah sie nicht weiter hinaus dachte. Als ob dann, nach dem Wiedersehen, der Schlutzakkord hinter der Melodie der Vergangenheit verklungen wäre.

Franz Strobl aber fuhr mit einer schwellenden Hoffnung in diesen Tag. Für ihn sollte er der Auf­takt zu einem Furioso werden, zu einer Rhapsodie, gespielt von zwei Menschen auf dem volltönigen 3nftrument des Lebens.

So fuhr jeder dieser auf eine andere Art Glücklichen feiner Zukunft entgegen. Lind alle waren sie wie Kinder, geladen mit freudigen Erwartungen und dicht vor der Erfüllung stehen­den Wünschen.

Vur Taver Weißkugl sah geduckt und demütig vorn neben dem Chauffeur. Auf seinem ängst­lichen 3ungengesicht spiegelte sich unverhohlener Pessimismus. Lind das mit Recht; denn bei der Abfahrt in Innsbruck hatte ein schwarzer Kater die Strahe von links nach rechts überquert und war nur mit knapper Tlot* den unbarmherzigen flinken Pneus dieses Benzin-Vehikels entronnen.

Dös nimmt ka gutes End'!" hatte der brave Cellist, der heute die Obligatgeige spielen sollte, gesagt. Ein solches böses Omen bringt stets Llnglück. Darin hatte Weihkugl Erfahrung, und daran glaubte er so fest wie an feinen Herrgott.

Fortsetzung folgt.)

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Beltershain, den 4. November 1930.

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ferer Vereinigung auf unser am Lams- tag, dem 8. November, abends 8 Ubr, im Cafs Leib stattfindendes [06862 10. Stiftungsfest aufmerksam. Gleichzeitig weisen wix noch besonders auf den habet stattfindenden Vortrag des Herrn Major a. 5). von Eisen- hart-Bothe über:Die Kämpfe des 2. Hess. lufant.-Begls. Nr. 116 nm Fresnoy und Le Quesnoy im Santerre von Mitte September bis Anlang November 1914 bin.

Der Vorstand.

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Sonntag, den 9. November, abends 8.15 Uhr im Caf6 Leib

ausgeführt von der Kapelle des I. Bat. Inf.-Regts. Nr.15

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T -I Win MI Bereinigung ehern. £onöro. 3.-1116. li 11 lUil lÜTU I Wir machen hiermit nochmals die Miliiürvereine, sowie die Kameraden un»