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photographieren im Herbst.

praktische Winke für den Photo-Amateur.

(Nachdruck verboten.)

Wenn im Herbst graue Nebel die Welt leicht verschleiern oder gar in trübes Dämmerlicht tauchen, wandert bei vielen Liebhabern der Photographie die Kamera in den Schrank, wenigstens bis zum Winter, wo Sonne und weihe Schneefelder wieder günstigere Bedingungen für Aufnahmen zu schaffen scheinen. Der auf künstlerisches Sehen eingestellte Photograph aber begruht den Herbst, denn gerade die Eigen­art der herbstlichen Atmosphäre gibt ihm Gelegen­heit, Bilder von besonderem Neiz zu schaffen.

Solche Aufnahmen ergeben sich, wenn beispiels­weise in der Frühe die Täler von einem dichten Schleier überzogen sind und nur Türme und Berg­luppen gespenstisch daraus aufragen. Oder wenn im Walde die Sonnenstrahlen in Bündeln und einzeln durch dienebelumwobenen Baumstämme und »krönen fallen. Weiter können im Nebel sacht verschwindende Strahenzuge oder Flüsse zu einem sehr wirkungs­vollen künstlerischen Bilde verarbeitet werden.

Aber auch wer Klarheit und Sonne liebt, wird im Herbst auf seine Rechnung kommen. Denn an schönen Tagen ist die Lust so rein wie selten im Sommer und ermöglicht vor allem prächtige Fern- aufnahmen.

In erster Linie jedoch gilt es, das besondere Merkmal der Herbstlandschaft einzufangen und fest­zuholten: buntes, fallendes Laub. Wenig Freude wird allerdings der dabei erleben, der nicht ortho­chromatische Platten und eine Gelbicheibe ver­wendet, denn die ganze Schönheit der farbenpräch­tigen Palette wird in diesem Falle auf dem Bilde in eintöniges Grau und Schwarz verwandelt sein. Uni) auch von den schönen Wolken wird man kine Spur entdecken. OrthochromatischePlatte.r und Gelb­scheibe sind also Doraussetznng für einwandfreie Ausnahmen. Dabei sei bemerkt,dah sämtlicheFilme, die natürlich ebenso wie Platten Verwendung finden können, orthochromatisch sind. Das ist besonders wich­tig für die zahlreichen Besitzer der in den letzten Jahren so stark in Mode gekommenen kleineren und billigeren Apparate, die zumeist lediglich Aufnahmen mit Filmen ermöglichen. Sie brauchen also nur eine Gelbscheibe vor das Objektiv zu sehen. Aus prak- tisä.en Gründen empstehlt sich für denjenigen, der nicht allzu tief in d»e Geheimnisse der Photographie eindrinqen und unnötige Geldausgaben vermeiden will, die Anschaffung einer mittleren Gelbscheibe, denn sie bietet die weitestgehenden Verwendungs­möglichkeiten

Bei Benutzung der Gelbscheibe, die übrigens nur bei orthochromatilchen Platten wirksam ist, mutz aber nun beachtet werden, dah sich die Belichlungszett um das Drei- bis Vierfache verlängert. Das tut ober dem Photographieren keinerlei Abbruch, denn die neuerdings von fast allen Firmen hergestellten hochempfindlichen Platten und Filme (21, 23 und 26 Grad Scheinet) ermöglichen auch dann noch Momentaufnahmen. Um bei der Belichtung nicht fehlzugehen, sei als praktisches Beispiel folgendes angeführt:

Benötigt etwa die Aufnahme mit einer Platte von 17 Grad Scheiner Empfindlichkeit eine Belich­tungszeit von */,ft Sekunde, so braucht man bet einer Platte von 19 Grad Scheiner nur die Hälfte, näm­lich */is (nicht etwa ' 6!) Sekunde. Bei den folgenden Platten- und Filmsorten von 21,23 und 26 Grad Scheiner ist non der einen zur anderen Stufe wieder jeweils nur die Hälfte der Belichtungszeit erforder­

lich, also bei 21 Scheinet in unserem Fallebei 23 Scheiner '/0 und bei 26 Scheiner V?OI) Sekunde. Setzen wir nun vor das Objektiv eine mittlere Gelb­scheibe, die die vierfache Belichtungszeit notwendig macht,so kommen wir bei einerPlatle von 17Scheiner auf viermal Vl0 4/10 S/s Sekunden Belichiungs- zeit. (Man würde in diesem Falle den Momentver- schluh auf Vi Sekunde einstellen.) Bet einer Gmp- sindlichkeitvon 19Scheiner ergibt sich dementsprechend eine Belichtung von 4/ (praktisch */6) Sekunden, bei 21 Scheiner 4/50 Sekunden (Momentverlchluh auf '/><»), bei 23 Scheiner 4/100 V,5 und bei 26 Scheiner 4/100 */sn Sekunde.

Mit diesen kleinen Berechnungen, in die man sich bei mehrfacher Übung schnell hineinfinden wird, muh sich ein jeder vertraut machen, der gute Re­sultate erzielen will. Die Belichtungszeit selbst er­gibt sich ja für jede Aufnahme und für jede Blen­deneinstellung aus einer Belichtungstabelle oder durch einen der modernen Belichtungszeitmeffer.

Jedenfalls ist ersichtlich, dah die neuerdings er­hältlichen hochempfindlichen Platten und Filme Vor­teile bei der Belichtungszeit bieten, die man noch vor wenigen Jahren nicht für möglich geha'ten hatte. Das ist natürlich besonders angenehm, wenn Auf­nahmen wegen einer etwa notwendigen starken Ab­blendung, oder weil sich das Objekt in Bewegung befindet, kurze Belichtungen erfordern. Auch für die im Herbst und Winter stärker in Frage kommenden Zimmeraufnahmen am Tage und bei künstlichem Licht bieten sich ganz überraschende Möglichkeiten, um so mehr, als man bei der Benutzung von elek­trischen Dirnen als Lichtquellen auf den Borsah der Gelbscheibe verzichten kann. Man benötigt also bei einem Material von 26 Scheiner Gmpsindlichkeit bei einer solchen Zimmeraufnahme nur den 2O.Teil der bisher erforderlichen Belichtungszeit!

Es empfiehlt sich aber, diese Möglichkeit niemals voll auszunutzen: denn die angegebene Gmpsind­lichkeit wird nicht immer erreicht- Des weiteren ist zu berücksichtigen, dah die oben ausgeführten Be­rechnungen für die Praxis des Amateurs bestimmt sind. Sie weichen aber von den tatsächlichen wissen- schaftlichen Grgebniffen etwas ab, und oft reicht der jeder Platte eigene Belichtungsspielraum nicht aus, um die Differenz auszugleichen. Wie bisher, so muh allo auch lernet die Parole sein: lieber etwas reichlich als zu knapp belichten! Das rechte Mah wird bald herausgefunden sein, wenn man- was besonders dem Anfänger zu empfehlen ist- bei einer für gut befundenen Platten- oder Filmsorte bleibt.

Wer seine Platten und Filme zum Entwickeln nicht zum Photographen oder Photohändler schafft, sondern an dieser Arbeit seine Freude hat, dem sei noch zum Schluß ein kleiner Tip gegeben: die Ent­wicklung muh zart erfolgen,d.h. mit stark verdünn­tem Entwickler. Das gilt sowohl für Rebel-und Laub-, als auch für Porträt-und Zimmerausnahmen. Wohl dauert die Entwicklung dann etwas länger, dafür aber erhält man Bilder von großer Plastik und mit feinsten Abstufungen. Es ist ferner darauf zu achten, daß die Temperatur des Entwicklers sich zwischen 18 und 20 Grad Celcius bewegt. Ist sie tiefer, so werden die Kontraste leicht zu kräftig, wäh­rend bei höheren Temperaturen Schleierbildung ein- tritt. Auch Fixierbad und Waffer müffen die gleiche Temperatur haben, andernfalls löst sich die Schicht an den Rändern. A. L.

suchen, der die notwendigen Maßnahmen ergreif en wird.

Es dürfte wenig bekannt sein, daß gerade daS gesteigerte ReinlichteitSbedürfnis des Men­schen eine Erkrankung der Ohren veranlassen kann. Bei unzweckmäßigen Säuberungsversuchen, wie z. B. mit dem Handtuchzipfel, wird ein mecha­nischer Reiz auf die Gehörgangswand ausgeübt, der sich den dort befindlichen Drüsen mitteilt und diese zu erhöhter Produktion ihres Sekretes, des Ohrenschmalzes, anregt. Allmählich bilden sich Ansammlungen von Ohrenschmalz, sogenannte Ohrenschmalzpfröpse, die im Gehörgang liegen bleiben, möglicherweise durch ungeschicktes Han­tieren tiefer in den Gehörgang hincingeschoben werden, austrocknen und verhärten. Die durch die Ohrenschmalzpfröpse verursachte Schwerhörig­keit macht sich jedoch erst bemerkbar, wenn beim Waschen oder Baden Wasser in das Ohr binein­gelangt und der eindringende Wassertropfen die letzte, noch vorhandene Oeffnung des Pfropfes, die für das Hörvermögen eben noch ausreichte, vollständig verschließt. Deshalb ist unbedingt davon abzuraten, eine unsachgemäße Säuberung der Ohren mit dem Handtuchzipfel vorzunehmen: es genügt völlig, die Ohrmuschel und den äußeren zugänglichen Teil des Ohres mit einem feuchten Seifenschwamm oder -lappen zu waschen, wobei darauf zu achten ist, daß kein Wasser in die Tiefe des Gehörganges gelangt. Eine Reini­gung der inneren Partien ist überflüssig und schädlich!

Die von dem Laien weitaus am meisten ge­fürchtete Ohrenasfektion ist die Mittelohrentzün- dung, die gewöhnlich im Anschluß an eine Er­kältungskrankheit (Schnupfen, Mandelentzündung) aufzutreten pflegt. Die Hauptsymptome der Er­krankung dokumentieren sich in Schmerzen, Fieber, vermindertem Hörvermögen und bei der eitrigen Form auch in Ohrenlaufen. Um allen Ver­schlimmerungen zu begegnen, die sich aus einer Mittelohrentzündung entwickeln können, ist es wichtig, schon den allerersten Anzeichen der Ent­zündung die größte Beachtung zu schenken, da es nur so noch gelingen kann, die Erkrankung in ihrem Anfangsstadium aufzuhalten. Bei län­gerer Dauer und besonders dann, wenn man sie unbeachtet läßt, besteht die Gefahr, daß die Entzündung und eine nachfolgende (Siterung auf den benachbarten Knochen übergreift und sich eine sog. Warzenfortsahentzündung entwickelt. In bös­artigen Fällen kann es zu einer Beteiligung der Hirnhäute, sowie zu einer Allgemeininfektion kommen

Sin nicht zu seltenes Vorkommnis ist dos Uebergehen einer vernachlässigten akuten Mittel­ohrentzündung in das chronische Stadium. Man muß bedenken, daß bei vielen Menschen eine chronische Mittelohreiterung besteht, ohne dah sie sich infolge der geringen Beschwerden dessen be­wußt find. Erst eine zufällig vorgenommene Ohrenuntersuchung gibt Aufschluß über deck wah­ren Sachverhalt, wobei es sich vielfach zeigt, daß der Beginn der Erkrankung bis in die Kindheit zurückreicht.

llnb doch kann die chronische Mittelohrentzün­dung sehr ernste Folgen nach sich ziehen. Eine allmählich stärker werdende Beeinträchtigung des Gehörs bis zur völligen Taubheit stellt eine, wenigstens für das Leben, noch verhältnismäßig harmlose Folge dar. Viel gefährlicher sind die manchmal ganz plötzlich auftretenden Kompli­kationen von feiten des Gehirns und des inneren Ohres, die einen blutvergiftenden Charakter an­nehmen formen.

Aus diesem Grunde sollte man zunächst dafür folgen, zur Verhütung einer Mittelohrentzündung allgemein die Erkältungsbereitschaft des Körpers durch geeignete Abhärtung zu mindern. Ferner muß darauf gesehen werden, daß jede Mittelohr­entzündung schon im Anfang erkannt und be­handelt wird, und daß auch das geringste Ohren- laufen nicht unbeobachtet bleibt. Bereits den Ohren des Säuglings und des Kindes ist die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden, da die Obr­eiterungen der Kinder der erfolgreichen Behand­lung noch leichter zugänglich sind. Ist eine Mittel­ohrentzündung chronisch geworden, so ist eine regelmäßige fachärztliche Kontrolle unbedingt er­forderlich, um sich vor gefährlichen Zufällig­keiten zu schützen. Das Mesen der Hygiene des Ohres liegt in dem vorbeugenden Wirken. In diesem Sinne zu handeln, sollte das Bestreben eines jeden sein!

Oer neue Gießener Hochbehälter.

Gestern nachmittag besichtigten die Mitglieder des Bauausschusses des Stadtrates in Gegenwart des städtischen Baudezernenten, Beigeordneten Dr. Hamm, den an der Landstraße GießenReis­kirchen in der Nähe der Ganseburg errichteten neuen Hochbehälter unserer Wasser­leitung. Der Bau, der nach den Entwürfen des städtischen Tiefbauamtes unter der Leitung des Vor­stehers des Tiefbauamtes, Stadtbaadirektor Brau­bach, errichtet wurde, hat ein Fassungsvermögen von 5000 Kubikmeter Wasser, wodurch so weit­reichende Möglichkeiten zur Waffervorratshaltung geschaffen sind, daß unsere Stadt, bei normaler Entwicklung, für die nächsten zwei oder drei Jahr­zehnte aller Sorgen um die Bereithaltung genügen­der Wasseroorräte ledig sein wird. Die neue Anlage wird in etwa zwei bis drei Wochen in Betrieb ge­nommen werden. Zur Zeit ist man im Innern des in drei Teile gegliederten Behälterraumes noch mit dem Einbau von Schiebern an den Rohrleitungen unb mit anderen kleineren Arbeiten beschäftigt, während man außen an der Aufbringung der er­forderlichen starken Erddecke auf den Behälter arbeitet. An der Fassade sind schließlich noch einige Steinmetzarbeiten zu erledigen, um auch dort das Werk planmäßig abzuschließen. Die Mitglieder des Bauausschusses, denen Stadtbaudirektor Brau­bach vor Beginn der Besichtigung an Hand der Zeichnungen einen Ueberblitf über die Anlage gab, nahmen das neue Werk in allen Teilen eingehend m Augenschein, wobei ihnen von Stadtbaudirektor Br a u b a ch, Gas- und Wasserwerksdirektor Sie- ding und einigen an dem Bau tätigen Baufach- leuten auf alle Fraaen erschöpfende Aufklärung gegeben wurde. Die Anlage fand in allen Teilen die volle Anerkennung der Besucher.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt- Butter 150 bis 160 Pfennig (Kochbutter von 130 Pfennig an), Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10 (pro Zentner 4 Mk) Weißkraut 5 bis 6 (pro Zentner 3 Mk)' Rotkraut 8 bis 10 (pro Zentner 5 Mk.) gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10* Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 5 bis 6 Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat 80 bis 100 Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12 Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50

Kartoffeln 3,5 bis 4 (pro Ztr. 2,20 bis 2,50 Mk.), I Kürbis 8 bis 10, Aepfel 25 bis 50, Birnen 15 bi; 40, Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 40 bis 60, Honig 40 bis 50, junge Hch: e ICO b s 110, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 100 bis 110 pro Pfund; Tauben 50 bis 70, Eier 16, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 20 bis 30, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 pro Stück; Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund.

Konflikte mit politischem Hintergrund.

Eine Schlägerei entstand in der Nacht zum Mittwoch am Selterstor zwischen jungen Leuten, die zum Teil der Nationalsozialistischen Partei angeboren und teilweise zu den Linksparteien und zum Reichsbanner zählen. Kurz nach 23 Uhr ta­rnen die Nationalsozialisten von einer Mitglieder­versammlung im Hotel Hopfeld die Frankfurter Straße herab, wahrend zur gleichen Zeit von der Westanlage und der Wolkengasse her ihre politi­schen Gegner dem Selterstor zuschritten. Dort kam es dann nach einem kurzen Wortwechsel rasch zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf auch ein S ch u ß abgegeben wurde. Wer den An­laß zu dem Zusammenstoß gab, steht nach den bis­herigen polizeilichen Ermittelungen einwandfrei noch nicht fest, ebensowenig konnte die Polizei bis­her einwandfrei ermitteln, von welcher Seite der Schuß abgefeuert wurde. Dolizeibeamte waren zum Glück rasch zur Stelle und brachten die Kämp­fenden auseinander. Eine Anzahl Personen beider Parteien wurden sistiert und nach dem 2. Poli­zeirevier verbracht, wo sie nach Waffen unter­sucht wurden. Dabei fand man bei einem jungen Manne einen Gummiknüppel, der ihm abgenommen wurde^ weitere Wasfen konnten nicht gefunden wer­den. Bei dem Handgemenge erlitt ein junger Na­tionalsozialist nach seinen Angaben bei der 'Abwehr eines Messerstiches eine leichte Stichverletzung an der linken Hand. Nach dem Abschluß der ersten polizeilichen Feststellungen wurden die Sistierten wieder auf freien Fuß gesetzt. Besonders be­merkenswert ist nach den polizeilichen Feststellun­gen die Tatsache, daß in der fraglichen Nacht kurz nach dem Zusammenstoß die Bewohner an der Margaretenhütte durch Signale alarmiert wurden und ein großer Trupp von Leuten aus der dortigen Gegend sich nach der Stadt be­gab, wobei zahlreiche sich mit Stocken bewaffnet hatten. Ehe sie aber am Selterstor ankamen, war der Zusammenstoß dank des energischen Ein­greifens der Polizei bereits erledigt. 3n diesem Zusammenhänge sei allen Einwohnern dringend im eigensten Interesse angeraten, sich von der­artigen Auseinandersetzungen oder Zusammen­rottungen fernzuhalten, da hieraus unter Hm« ständen ein unangenehmes Nachspiel vor Gericht entstehen kann.

Gestern mittag kam es, anscheinend als weitere Auswirkung der Ereignisse am Selterstor in der vorhergehenden Nacht, in der Lind ^ng a sse zu einer Rempelei zwischen mehreren jungen Leuten, wobei der eine angeblich zur (Abwehr seiner Gegner das Messer zog, glücklicherweise aber, da Polizeibeamte rasch zur Stelle waren, kein Unheil anrichten konnte. Die Polizei brachte auch hier die Streitenden rasch auseinander und

beschlagnahmte das Messer, das als Beweismittel sichergestellt wurde.

Vor und während der nationalsozialistischen Ver­sammlung im Eafs Leib, die gestern abend statt- fand, und über die wir noch berichten werden, hatte sich in der Walltorstraße eine zahlreiche Menschen­menge eingcfunden, die bis zur Stunde des Ver­sammlungsschlusses durch weiteren Zulauf ansehnlich verstärkt worden war. Auffälliaerweise war auch hier wieder zu sehen, daß ein großer Teil von Leuten Stöcke trug. Da die Polizeibehörde umfassende Vor­sichtsmaßnahmen getroffen hatte unb Die Beamten zur Sicherstellung der Ordnung entschieden auftraten, konnten erfreulicherweise Konflikte vermie­den werden. Die Menge verlief sich allmählich vom Walltor aus über den Kirchen, und Marktplatz nach dem Seltersweg, wo bis gegen 24 Uhr ein ansehn­licher Menschenauflauf festzustellen war. Aber auch hier wurde, dank des ausgezeichneten polizeilichen Sicherheitsdienstes, Unheil vermieden, jedoch mußte die Polizei, um endlich Ruhe zu schaffen, gegen 24 Uhr den Seltersweg von den herumstehenden Menschenmassen räumen. Es verdient heroorgehoben zu werden, daß die Leitung des polizeilichen Sicher­heitsdienstes dank ihrer klugen Anordnungen die Wahrung der öffentlichen Ruhe jederzeit vollkommen sicherstellte und die Polizeibeamten in untadeliger Weise ihrer schweren Pflicht entsprachen.

Geh. Klobenms in Gießen.

Die Gesellschaft fürErd- undDölker- kunde hatte für ihren ersten Vortragsabend, der am Montag in der Neuen Aula der Uni­versität stattfand, den bekannten Ethnologen Ge­heimrat Professor Dr. Frobenius, Frankfurt, gewonnen. Der Redner sprach in anderthalb­stündigem, hochinteressanten Vortrag über prä­historische afrikanische Kulturen und schöpfte das Material hierzu aus der Fülle seiner wissenschaftlichen Arbeit, aus seinen Er­fahrungen. Beobachtungen und Studien in Afrika. Er wies zu Beginn seiner Ausführungen darauf hin, daß es unmöglich sei, die Kulturformen Afrikas unter dem Gesichtswinkel unseres euro-. päischen historischen Denkens zu betrachten, und ging zugleich auf einige grundsätzliche Unter­schiede zwischen der Kultur des Abendlandes und Afrikas ein. Er erinnerte an alte Berichte, die aus verschiedenen Quellen, von Seefahrern, Kauf­leuten u. a. aus dem späten Mittelalter über­liefert sind unb die Kunde geben von Heber- resten einer alten Kultur, vom Vorhandensein eigenartiger Ruinen, von einem ebenso eigen­artigen Herrscherkult und seltsamen Gebräuchen. Der Redner zeigte dann an Hand von Karten die Gebiete bestimmter Kulturformen in Afrika und ihrer Verbreitung über die Grenzen ihres Ursprungs hinaus, wie sie sich aus dec wissen­schaftlichen Forschung der letzten Jahrzehnte er­gaben. 3m farbigen Lichtbild zeigte er Tempel- ruinen und Grabstätten, gab eingehende Auf­klärungen über die sakrale, hierarchisch konstruierte Staatsform jener Volkerstämme (der uns als Buschmänner bekannten Vorfahren der Einge­borenen) und deren religiöse Vorstellungswelt. Mit besonderer Aufmerksamkeit folgten die Zu­hörer den Erklärungen über den Stand der Technik in fernen Jahrtausenden,

wobei die Tatsache besonder- ausfallend er­schien, bah jene Völker bereits Eisen, sowie eine Reihe anderer Metalle kannten, bevor man in unserem heutigen Europa nur überhaupt von einer Eisenzeit sprechen konnte. Mit nicht weniger Aufmerksamkeit verfolgten die Zuhörer die Ausführungen unb Lichtbilber des Vortragen­den über dieFormendarstellenderKunst in Felsbildern, die neben der Tierdarstellung in äußerst realistischer Weise auch die Darstellung der Landschaft unb der Pflanzen kennt, eine Tat­sache, die bei den Urvölkern Europas kaum zu finden ist. Darüber hinaus fesselten die Darstel­lungen des Menschen als handelnd Personen in­mitten der Landschaft, die dem Vortragenden die Möglichkeit gaben, den ganzen mystischen Kult einer einzigartigen Epoche vor dem geistigen Auge der Zuhörer zu entwickeln. Anschaulich ging aus diesem Teil des Vortrages die Vorstellungswelt jener Volker über die BegriffeTod" unb Geben, bzw. ihr Glaube an einen Fortbestand des Lebens selbst bei leiblicher Vergänglichkeit hervor. Zum Schlüsse feiner Ausführungen ging der Vortragende noch kurz auf die Einflüsse ein. der die Kultur afrikanischer Volkssta«une von Norden her ausgesetzt war, unb auf die Verän­derungen, die dadurch in besteheirden Sitten und Gebräuchen hervorgerusen wurden.

Der Vortrag des bekannten Afrika-Forschers, der durch seine Arbeiten unb die in feinen Werken, geäußerten kühnen Gedanken die Aufmerksamkeit breiter Kreise der Wissenschaft auf sich lenkte, fand auch in Gießen ein Publikum, das mit außer­ordentlicher Anteilnahme den Darlegungen folgte.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Gießener Konzer(verein: Symphoniekonzert, 19.30 Uhr, im Stadttheater. Akademische Kurse für Kaufleute unb Cewerbetre bende: Thema:Grund­fragen der deutschen Sozialpolitik; Vortragender: Univ.-Prosessor Dr. Günther, 20.15 Uhr, Hor­saal 44. DHV.: Milcrk, der Grönlandjäger, 20.30 Uhr. im Cafä Leib. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Unter den Dächern von Paris. Astor ia°Lichtspiele: LustspielRobert und Ber­tram" (mit Harry Liedtke).

Der Theaterspielplan für b t e näch sten Tage. Man schreibt uns: Am Montag, 10.November, gastiert Konrad Dreher mit seinem Ensemble. Zur AufAbrung gelangt bas VolksstückDer wundertätige Antonius". Dreher, der Altmeister des Humors, hat in diesem Stück in der Rolle des behäbigen Einsiedlers Gelegenheit, seinen kräftigen Humor zur Auswirkung zu drin- aen. Morgen, Freitag, 19.30 Uhr, Wolfgang Goetz:Neidhardt von Gneisenau" unter der Spiel­leitung Walter Bäuerles. Sonntag, 9. November, als Fremdenvorstellung auf vielseitigen Wunsch Carl Zuckmoyers Volksstück:Schinderhannes" un­ter der Spielleitung von Intendant Dr. Prasch.

Mahraun, der Führer des Fungdeutschen Ordens, spricht am Sonntag, 16. November, in Gießen. Wir verweisen auf die Anzeige.

Ein Konzert unserer Militär­kapelle findet am kommenden Sonntagabend im Cafe Leib unter der persönlichen Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r statt. (Näheres siehe Anzeige.)

** Von der Kraftpostlinie Gießen Hochelheim. Das Ertragsergebnis der Kraft­postlinie GießenHochelheim hat sich in dem Vierteljahr Juli bis September derart gestaltet, daß die von den beteiligten Gemeinden geleisteten Garantiesummen nicht in Anspruch genommen wurden.

** Gendarmeriepersonalie. Der Gen­darmeriewachtmeister August Roth zu Homberg wurde mit Wirkung vorn 1. Oktober ab zum Gen- darmeriemeister ernannt.

Eine 75jährige. Fräulein Susanne Jung, Weidengasse 18 wohnhaft, feiert am 7. November in geistiger Frische ihren 75. Ge­burtstag.

* Drehbühne im Stadttheater. Man berichtet uns: Kunst und Wissenschaft sind, wie jedes andere Ding, auch dem Fortschritt der Technik unterworfen. Und gerade an das Theater stellt der moderne Bühnenbetrieb in technischer Hinsicht erhebliche Anforderungen, zu­mal auch die modernen Autoren hinsichtlich der szenischen Bearbeitung ihrer Stücke mit der Technik gleichen Schritt halten. Es ist daher eine Notwendigkeit geworden, um mit dem modernen Spielplan mitzukommen, technische Neuerungen der mittlerweile etwas veralteten Bühne vorzu­nehmen. Dank einer sehr geschickten und kunst­sinnigen Ausarbeitung ist es den beiden techni­schen Bühnenvorständen Keim und Löffler gelungen, aus alten Beständen des Bühnenmate­rials und unter Verwendung der bereits vor­handenen Bühnenwagen eine für unsere Zwecke völlig ausreichende Drehbühne zu konstruieren. Die Vorteile dieser in eigener Werkstatt und vom eigenen Personal hergestellten Bühnenneuerung dürsten sich in der kurzen Zeit der Saison für das Theaterpublikum sicherlich hinreichend ge­macht haben.

** Operetten-Dorftellung imStadt­theater. Aus dem Stadttheaterbureau schreibt man uns: Um den vielen Anfragen des Theater­publikums Rechnung zu tragen, hat die Inten­danz sich entschlossen, die OperetteDas Land des Lächelns" zu wiederholen. Hunderte von Be­suchern mutzten am letzten Sonntag abgewiesen werden. Diesen und allen, denen der Besuch dieser Operette Lehürs bisher nicht möglich war, soll nochmals Gelegenheit geboten werden,Das Land des Lächelns", den größten Operettenerfolg des letzten Jahres, zu besuchen. Die Operette wird noch einmal im Dienstagabonnement und einmal an einem Sonntag als Fremdenvorstellung gegeben.

** Wiederaufnahme der Neubau- tätigkeitinderverlängertenGoethe- str aßö. Fn dem Baublock Goethe-, Gnauth- und Lessingstraße wurden bereits vor dem Jahre 1914 verlängerte Goethestraße zwei Wohngebäude erstellt. Nach 1920 wurde ein weiteres Wohnhaus @cfe Gnauth- und Lessingstraße errichtet, während an der Ecke Goethe- und Lessingstraße das Fi- nanzamtsgebäude vor gut Jahresfrist beendet wurde. Seit dieser Zeit wurde das Baugelände entlang der Gnauthstraße gärtnerisch benutzt, wäh­rend das an der verlängerten Goethestraße lie­gende Stück bisher als Spielplatz diente. Die hie- fifje Wohnungsbaugesellschaft hat die.es Gelände kürzlich erworben und läßt nunmehr durch die Daufirmen Dirkenstock & Schneider, Decker und Weimer vorläufig ein Wohngebäude, bestehend aus drei Vierzimmerwohnungen mit Zubehör, er­richten, dessen Rohbau noch vor Eintritt des Winters unter Dach gebracht werden soll.

** Autozusammenstoß. Auf der Land­straße zwischen Lollar unb Kirchberg, an der Link--