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Nr. 260 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverhessen) Donnerstag, 6. November 1030

9er Streit der Toten: Äememea» segen ZoK

im

heraus lesen muh, daß die Mehrheit des deutschen Volkes für sich das Recht in Anspruch nimmt, ebenfalls für seine militärische Sicherheit zu sor­gen, sofern es die anderen Mächte auch weiterhin ablehnen, die im Versailler Vertrag verankerte Gegenleistung zu erfüllen. Verhält sich Frankreich mit seinen Verbündeten nach wie vor jeder Rüstungsbeschränkung gegenüber feindlich, kommen vernünftige "Beschlüsse nicht zustande, dann sollten wir es ruhig einmal versuchen, durch einen Aus­bau unserer militärischen Sicherheit die Fesseln des Versailler Vertrages zu lockern. Mit Reden, Protesten und Roten werden wir die Gegenseite nicht zur Erfüllung ihrer Abrüstungsverpflichtung bringen. Mir müssen schon energischer werden.

zu fein.

Jedenfalls erlebt man hier den pikanten Effekt, das) der ohnehin geistvolle Dialog des ersten Aktes von der durchdringenden Stimme eines allerdings sehr niedlichen Dackelhundes melodisch und ausdauernd begleitet wird.

*

Die beiden Autoren, Paul Frank und Ludwig Hirschfeld, find hier nicht mehr unbekannt: sie kamen bereits zu Worte: Hirschfeld mit der grau, die jeder sucht", Frank mit demGrand- Hotel". r x ,

Sie haben sich jetzt zusammengetan, um das Geschäft mit Amerika" zu tätigen. Es ist ein mäßiges Geschäft geworden, und es ist festzustel­len, daß jeder der beiden für sich allein etwas Besseres zustandegebracht hat.

Hier handelt es sich wieder mal um eines dev zahlreichen Stücke, die mit beneidenswerter Kühn­heit unter falscher Flagge laufen, die vom Ehrgeiz ihrer Erzeuger als Lustspiele bezeichnet wurden, während jedermann schon im ersten Akt unmih- verständlich darüber aufgeklärt wird, daß es sich nur um einen Schwank handeln kann.

Die mehr als magere Komik bezieht dieses Stück aus seinen Situationen. Einem Mann, wel­cher im Begriff steht, mit einem einflußreichen Amerikaner das Gechäft seines Le.ens zu ma­chen, läuft die Frau davon. Eines Hundes we­gen.' Und knapp vor dem festlichen Abendessen, zu dem der große Mann aus Uebersee erwartet wird. Man kann sich denken, wie das ist ... und erinnert sich ähnlicher Situationen auf dem Theater. , _ .

Was liegt näher, als daß die Sekretärin sich verkleidet für die gnädige Frau ausgibt. Diese kommt leider zu ungelegenster Feit zurück, und es bleibt ihr nichts übrig, als die Sekretärin zu spielen. ., _ . , _.

Der Amerikaner verliebt sich erst ins Tipp­fräulein, dann in die Dame des Hauses und ist bis zum dritten Akt glücklich so weit, sich,

Gießener Gtavttheater.

Paul Frank und Ludwig .Hirschfeld: Geschäft mit Amerika'.

Heereswescns auferlegten, damit auch die an­deren Rationen mit einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung folgen können. Aus dem Grunde wird es notwendig sein, eine Taktik zu verfolgen, die die Rüstungsbeschränkung mit einer Beseitigung de r uns auferlegten Abrüstungsverpflichtungen verbindet. Graf Bernstorfs, in dessen Händen auch jetzt wie­der die Derhandlungsleitung liegt, hat verschie­dentlich in Genf energisch eine Aufhebung der militärischen Bestimmungen des Friedensvertrages verlangt. Er kann diesmal wesentlich energischer auf treten, nachdem der Auswärtige Aus­schuß des Reichstages seine bekannte Re­solution gefaßt hat, aus der jeder, der Augen hat,

Wie Nanebojo einen Büffet und e nen Bären erlegte.

(Sine heitere 3nbianergefd)id)te von Hans Rudolf JRieOet.

Ranebojo sah einen großen Düffelbullen auf der Prärie grasen. Er dachte bei sich: ..Der schöne Höcker! Wie der fett und faltig zu essen wäre. Auch das andere Fleisch wäre nicht übel. Man könnte sich Tag für Tag abschneiden, wozu man eben Lust hätte. Der Höcker schmeckt zwar am allerbesten, aber da wären noch die Rücken­stücke, die unteren Rippen und die glanfen. Und die Zunge darf ich nicht vergessen! Manche anderen Teile wären ein wenig zäh. die könnte die Großmutter trocknen und dann nach und nach verzehren." So dachte er. während er im Grase lag und von weitem dem Tiere zusah. Er leckte sich die Lippen, dann wanderte er weiter.

Er kam gar nicht wett, da sah er auf einem Hügel einen Bären. Der Bär faß in den Büschen und fraß Himbeeren, es war ein großer brauner Bär. Ranebojo dachte, während er ihn be­trachtete:Därenfleisch, wie lang hab' ich das

Herr Shakespeare perlön ich.

Inspektionsgang eines neuen Fabrikherrn in Cromwall durch seine Fabrik. Die Arbeiter stel­len sich der Reihe nach vor.Willram Shakespeare", nennt ein altergrauie; Vor­arbeiter seinen Ramen. Der Di e-tor tteut sich, mit dem Alten g eich eine kleine gemütliche Unter* Haltung anknüpfen zu können: Oh. ein ziemlich oekannter Rarne! ..." -Das will ich Sternen, Herr", unterbrach ihn Herr Shakespeare felbjt- Detoufit,ich arbeite auch schon (eit öreiBiff Jahren in dieser Gegend!"

Oie Abrüstung.

Am 6.Rovember tritt die Vorbereitende Abrüstungskonferenz wieder zusammen. Diesmal aber zu ihrer letzten Sitzung, aus Der eigentlich der Entwurf einer in allen Punkten durchgearbeiteten und geklärten A brüst ungS» fonDtntion hervorgehen müßte, die aber |et)r wahrscheinlich ebenso fruchtlos verlaufen wird wie alle ooraufgegangenen Sitzungen . v"6' miüms. Anhaltspunkte dafür liegen bereits vor. Pertinax vomEcho de Paris", derüber ausge­zeichnete Beziehungen zum französischen Außen­ministerium verfügt und stets sehr gut über die Absichten der Pariser Regierung onenhert ift weiß mitzuteilen. daß einfach die 2ltten dieser Konferenz geschlossen und der noch offene Fragenkomplex der endgültigen Abrüstungskon­ferenz zur Erledigung üb erwiesen wer­den würde. Daß Frankreich dieses Ziel ansteuerr, erscheint uns durchaus glaubhaft. Es hat in all den Jahren der Genfer Abrüstungsverhandlungen immer wieder erreicht, daß Entscheidungen auch vollkommen nebensächlicher Bedeutung h in au s- geschoben wurden und die vorbereitende Kon­ferenz mit ihren Arbeiten nicht vom Fleck kam.

Leider liegt es nicht in unserer Hand, den Franzosen einen Strich durch ihre Rechnung zu machen. Wir stehen mit den Ungarn und Oester- reichern im Kampf um die Rüstungsbeschränkung ziemlich allein. Auf die Reutralen ist kein Verlaß, während die Eiegerstaaten und die Ruhnießer des Versailler Vertrages teils mit den Franzosen Hand in Hand arbeiten, teils aber auch aus Angst vor dem bis an die Zähne bewaffneten Frankreich es nicht wagen, auch nur ein Geschütz zu ver­schrotten. Hinzu kommt, daß niemand in Europa von der Dauerhaftigkeit dieses Friedens über­zeugt ist und, wenn einmal die Gewehre losgehen, ood) gut bewaffnet sein möchte, um. Mindestens die eigenen Grenzen schützen zu können. Gerade das deutsche 'Beispiel ist es, das alle vor einer radikalen Abrüstung zurückschrecken laßt. Roer darüber können Zweifel doch auch nicht mehr be­stehen, daß es heute nicht mehr darum geht, in allen Ländern den Rüstungsstand auf das deutsche Riveau zu senken. Es soll nichts anderes erreicht werden, als jede Bewaffnung zu beseitigen, die eine tatsächliche Bedrohung des europäischen <5rie- dens darstellt. Diese Bewaffnung ist aber bei Frankreich am ausgeprägtesten, das an Geschützen, Tanks und Flugzeugen mehr fein eigen nennt, als zur Verteidigung seiner Grenzen notwendig ist. .

Aber Frankreich ich es, das feine überragende militärische Stellung nicht auf geben will und das sich auf der bevorstehenden Genfer Konferenz wieder hinter dem abgedroschenen SchlagwortErst Sicherheit und Schiedsgerichts­barkeit, dann Abrüstung I" verschanzen und das jetzt auch noch den Nottenstreit mit Italien her­vorholen will, um zu erreichen, daß die am 6. Rovember beginnenden Verhandlungen auch diesmal negativ bleiben. Liegt erst einmal ein Beschluß vor, wie ihn Pertinax schon kurz fixiert hat, dann haben die Franzosen für geraume <Jeit wieder freie Hand, dann können sie ungestört die Zahl ihrer Bombengeschwader vermehren und im bisherigen Tempo weiter aufrüsten. Und das des­wegen, weil es auf der letzten Ratstagung in Genf nicht gelang, über dgp Termin der Einberu­fung der endgültigen Abrüstung8- konferenz eine Einigung herbeizufuhren. Dieses Spiel den Franzosen zu erleichtern, ist selbstver­ständlich nicht die Aufgabe unserer Delegierten, die auch jetzt genau wie bei früheren Gelegen» beiten ihre gaiize Kraft aufzuwenden haben wer­den, damit greifbare Ergebnisse erzielt^ und dem Entwurf der Abrüstungskonferenz ein Inhalt ge­geben wird, der tatsächliche und fühlbare Rustungs- erleichterungen vorsieht.

Darüber müssen wir uns natürlich vollkommen klar sein, daß auch auf einer endgültigen Ab­rüstungskonferenz die Bestimmungen des Der- faillcr Vertrages keine Gegenliebe finden werden, die uns Verpflichtungen auf dem Gebiete des

mäd)tigung, Joch auf feinem Posten zu belassen, wenn er auf Ehrenwort verspreche, derartige Nand- lungen zu untcrlaffcn", wozu sich der Marschall auch bereit erklärte.

Nach Glcmenccaus Ansicht hat in erster Linie der einfache Soldat den Krieg gewonnen: den Anteil der Generale, die sich setzt darüber strei­ten, wer die entscheidende Initiative ergriffen habe, schätzt er weniger'hoch ein. lieber seinen^ persön­lichen Anteil urteilt er:Der Zufall des Schicksals hat gewollt, daß ich im Jahre 1917, als der Kampf am stärksten tobte, an die Spitze der französischen Regierung berufen wurde Was konnte ich anders tun, als was ich getan habe? Ich habe mich auf meinem 'Bo ft en geschlagen wie d i c Soldaten im Schützengraben. Gewiß, es war kein Ruheposten. Glücklicherweise hat sich alles zum Guten gewendet. Aber nehmen Sie an, wir wären geschlagen worden: ich wäre es gewesen, den man für die Niederlage verantwortlich gemacht und gehängt hätte. Ja, ja, ganz richtig gehängt. Ich kannte das Risiko. So habe auch ich meine haut verteidigt, indem ich nach besten Kräften meine Pflicht tat... Das alles ist ganz einfach."

Aus der provinzialhauyistadi.

Gießen, den 6. Rovember 1930.

Hygiene des Ohres.

Don Or. Hanns Schaefer.

In unserem auf Hygiene so stark eingestellten Zeitalter erscheint es auffallend, wie oft auf dem Gebiet der Hygiene des-Ohres gegen die elementarsten Erfordernisse verstoßen wird.

Jucken und Kitzeln sind höchst lästige Emp­findungen, die besonders dann unangenehm wer­den, wenn sie an schwer erreichbaren Korperstellen auf treten. Wie nahe liegt da die Versuchung, sobald das Ohr etwas juckt, mit dem omgerin. den Gehörgang einzugehrn, um sich Erlelchtt- rung zu verschaffen! Man überlegt habet nicht, toic man leicht hierdurch, vor allem nut einem scharfen Fingernagel, Verletzungen der Gehor- gangshaut herbeiführen und eine Wunde schaffen kann, in die Bakterien eindringen und eine Ent­zündung, ja eine Furunkulose des Gehörganges Hervorrufen. Eine Gehörgangsentzündung kann unangenehm hartnäckig fein, den Betreffenden durch dauernde Rückfälle belästigen und das All­gemeinbefinden in hohem Grade beeinträchtigen.

Eine andere, besonders bei alten Leuten weit­verbreitete Unsitte ist das Wattetragen im Ohr. Die Idee, die dieser Handlungsweise zugrunde liegt, basiert auf der Vorstellung, dadurch einer etwaigen Erkrankung des Ohres am sichers^n vorbeugen zu können, daß man das Ohr gegen die äußere Luft abschließt. Diese Ansicht ist irrig tmc folgende U-Verlegung lehrt. Das Trommelfell, eine feste häutige Membran, bildet die Grenze zwischen äußerem Ohr (Gehörgang) und Mittel» vhr (Paukenhöhle) und bietet daher, solange es unversehrt bleibt, dem Mittelohr einen aus­reichenden Schuh gegen die Schädlichkeiten von außen. Ein künstlicher Schutz ist überflüssig, im Gegenteil, die Wattepfröpfe können auf die Ge­hörgangswandung einen Reiz ausüben und, be- fonders wenn fie längere Zeit liegen bleiben, eine GehörgangSentzündung Hervorrufen.

Doch dazu werden die Wattestücke manchmal so tief in den Gehörgang hineingefchoben, daß sie als Fremdkörper wirken und das Ohr ver­stopfen. Immer wieder muß betont werden, welche Gefahr darin liegt, bei allen Fremdkörpern im Ohr (Watte, Infekten: bei Kindern: Erbsen, Perlen. Knöpfe) selbständige Entfernungsver­suche zu machen. Die Folgen solcher Extrak- tionsversuche können, wie die Erfahrung lehrt, abgesehen von den verursachten Schmerzen, unab­sehbar sein. Verletzungen des Trommelfells, völ­liger Verlust des Gehörs, ja sogar Todesfälle sind hiernach beobachtet worden. Das Ratsamste ist es, in solchem Falle sofort einen Arzt aufzu»

nicht mehr gegessen! Wenn man solch einen großen Kerl für sich hätte und schön zerschneiden könnte. Das Herz würde ich gleich allein essen, damit ich den Mut und die Kraft des Bären erhalte. Auch den Kopf und die Tatzen würde ich für mich kochen. Der Großmutter gäbe ich das Rumpf stück, dieser Teil gehört für Frauen. Und was das Fell im Winter eine warme Decke wäre!"

Er seufzte laut, während er dies alles dachte. Da bemerkte ihn der Bär.Was fitzest du hier herum?" fragte der Bär.Ach, . eS hat mich traurig gemacht, was der (Büffel eben über dich sagte."Was hat der Düfiel gesagt?"Ich sollte es ja nicht wiederholen. Es wird dich nur ärgern. Aber weil du es wissen willst, er sagte, wenn er dich träfe, würde er dich um- bringen: auf die Hörner würde er dich spießen und so in die Luft werfen."

Der Bär antwortete nichts. Ranebojo ging nun wieder zurück zu dem Büffel. Er rief: He, wenn du wüßtest, was der Bär über dich sagte, dann werdest du nicht so still hier Gras fressen."Was hat denn der Bär gesagt?" Soll ich es dir wirklich erzählen? Ich furchte, du wirst nur in Wut geraten. Er sagte, es gäbe keinen B-f,el, den er nicht mit der Tatze er­schlagen könne. Und an dir werde er es be­weisen."

Der Büffel brummte nur. Ranebojo lief zum Bären zurück. Er sprach:Eben hat der Büfiel gesagt, du solltest dich nur zeigen, wenn du nicht Angst hättest. Aber er wisse, daß du feige wärst." Der Befiel soll mich in Ruhe lassen, wie ich ihn auch in Ruhe lasse", brummte der Bär. Ranebojo lief hinüber zum feLDer Bär hat dich beschimpft. D-nnbein hat er dich ge­nannt. Der Büf,el sprachWarum sagt er das? Meine Beine sind für mich sehr gut. Ich möchte nicht solche Tatzen haben wie er."

Zum Düren wiederum lief Ranebojo:Ho, ho. nun muh ich lachen. Krummschwanz hat er dich genannt. Der Bär sprach:Er soll nun aus- hör.n, über mich zu reden." Gleich lief Ranebojo zurück zum Düffel.He, es ist wahrlich zum lachen, was er über dich sagt. Grohbuckel, Grvß- buckel hat er dich geheißen." Der Düffel sprach: Run werde ich bald böse, wenn er nicht auf- hört."

Hinüber zum Dären lief Ranebojo.Derne Speise hat er beschimpft. Deerenlutscher hat er dich genannt. Mit den Hörnern wird er deine Deerenbüfche zerreißen." Run richtete sich der Där auf. Er knurrte:Ich will ihm schon zeigen,

mäd)tigter persönlich hätte verteidigen können, ein größerer Erfolg beschieden gewesen tuäre als Cle- menceau selber, ist mehr als fraglich. Jedenfalls aber ist es in erster Linie dieses Ressentiment rzochs wegen seines Ausschlusses von der Konserenz ge­wesen, das Clemenceau zur Erwiderung gereizt hat. Dem Marschall Foch wirft er vor, wie arg er sich über den Erfolg der rheinischen Unabhängig­keitsbewegung getäuscht habe.

Dann aber geht Elemenceau zum Angriff gegen seine Widersacher vor und beschuldigt sie, feine Nachfolger, derVerstümmelung des Ver- träges von Versailles" durch die Herab­setzung der deutschen Schuld von 136 auf 22 Mil­liarden durch den Abschluß des Locarnopakts, dessen Garantieneitler Wahn" seien für Clemenceau ist Briand derKapellmeister des Defaitismus" und durch die Preisgabe anderer Vertrags­bestimmungen. In einem KapitelDer Schrumpf­friede" malt Clemenceau in den schwärzesten Far­ben die für Frankreich verhängnisvollen Folgen der französischen Nachkriegspolitik. Auch den Amerika­nern gelten scharfe Ausfälle. Durch die Nichtratsti- zierung des Versailler Vertrages und die Sonder­verhandlungen mit Deutschland sei Frankreich Opfer der amerikanischen Politik" geworden. Cle­menceau wirft den Amerikanern vor, daß sie dar­auf bedacht feien,sich die Vorteile der Schlachten zu sichern, die fie nicht geschlagen hätten", unddaß sie sich von Frankreich dafür zahlen lassen wollen, weil Frankreich durch seinen früheren Eintritt in den Krieg mehr Blutopfer gebracht habe als sie".

Clemenceau scheint vor allen Dingen daran ge­legen, durch eine ausführliche Darstellung seiner früheren Beziehungen zu Foch zu beweisen, daß er sich berechtigt geglaubt habe, auf mehr Dankbarkeit und Rücksicht von feiten des Marschalls zu rechnen. Foch verdankt ausschließlich Clemenceau die Stel­lung eines Oberkommandierenden der alliierten Heere. Stets hat Clemenceau als Ministerpräsident und Kriegsminister mit seiner eigenen Person den Oberbefehlshaber gedeckt, und ihn beispielsweise im Mai 1918 nach der Durchbrechung der französischen Front am Chemin des Dames vor der Wut des Parlaments geschützt und ihngerettet", obwohl ihm die eigene Verantwortung Fochs schwer genug erschien. Dieses Vertrauen hat Clemenceau Foch auch nicht entzogen, als sich zwischen beiden im Oktober 1918 Meinungsverschiedenheiten über die Auffassung der Befugnisse des Oberkommandos der alliierten Armeen und über die Haltung gegenüber der amerikanischen Heeresleitung ergaben. Und noch einmal, im Aprll 1919, hat sich Clemenceau für den Marschall eingesetzt. Als Präsident der Frie­denskonferenz hatte Clemenceau Foch den Auftrag erteilt, den General Nudant in Spa anzuweisen, die deutschen Bevollmächtigten zur Empfangnahme der Friedensbedingungen kommen zu lassen. Foch als Vorsitzender des interalliierten Militärausschus­ses. in Versailles leitete diesen Auftrag aber nicht weiter, so daß sich Clemenceau genötigt saü ihn selbst weiterzugeben. Lloyd George und Wilson verlangten damals die Abberufung Fock^, aber Clemenceau stellte sich wieder schützend vbr Foch und erhielt schließlich von den Alliierten die Er-

wer ich bin. Schnell lief Ranebojo zum Düffel. Grasbauch hat er dich geheißen. Und deine Speise will er zerstören. Da kommt er schon, um dein Gras zu zertrampeln." Der Düffel brüllte vor Wut.

Run stürzten sich die beiden aufeinander und begannen zu kämpfen. Sie kämpften so grimmig, daß einer den anderen umbrachte. Ranebojo sah abseits und wartete. Wie sie beide tot waren, kam er mit seinem Messer und zerschnitt sie. Die dummen Kerle! Da liegen sie nun, und ich kann aussuchen, was ich gern essen möchte. Wie bringe ich nun das viele Fleisch nach Hause? Ich muß es gleich der Großmutter sagen, damit sie mir hilft."

Er eilte nach Hause.Großmutter, komm, hilf mir. Ich habe einen Düffel und einen Düren ge­schossen. äünd ich kann sie nicht allein tragen." Spässe macht mein Enkel mit seiner armen Croßmutter. Ich weiß doch, daß du nicht im» stcrnde bist, einen Düffel oder einen Dären zu cr egen."Ich hab' sie aber doch geschossen. Sie liegen draußen auf der Prärie. Hier siehst du noch mein blutiges Messer."Vielleicht hat sich Ranebojo in den Finger geschnitten, daß das Messer blutig wurde. Was sollte er sonst zu schneiden haben?"

So stritten sich die beiden hin und her. Schließ» lich sagte die Großmutter:Für heute bin ich müde genug. Erst will ich schlafen und mich aus­ruhen. Vielleicht gehe ich morgen früh mit dir!" Am nächsten Morgen zo^en sie beide los. Rane- bojo suchte lange umher, er fand die Tire nicht. Schließlich sahen fie zwei r sehe Gerippe auf dcr Prärie liegen. Die Wölfe hallen wäh­rend der Rächt das Fleuch gefressen. Sie klaub­ten sorgfältig die Knochen auf. Die Großmutter sprach:Von die'en Knochen werden wir eine vortreffliche Supbe kochen. Seit langem haiien w r keine gute Suppe gegessen."

Bald nach dem Tode des Marschalls Foch ver­öffentlichte Raymond Recouly unter dem Titel (Erinnerungen von der Marneschlacht bis zur Ruhr" ein Gedächtniswerk, zu dem ihm der Mar­schall die Unterlagen geliefert hatte. Das Werk enthielt schwere Angriffe und heftige Ausfälle gegen Clemenceau, dem der Marschall nichts mehr und nichts weniger zum Vorwurf machte, als daß er weder den Krieg zu führen noch den Frieden zu schließen verstanden habe. Clemenceau hat diese Herausforderung Fochs nicht unbeantwortet ge­lassen. Kurz vor seinem Tode hat derPerede la victoire", der sich bis dahin konsequentes Schwei­gen gegenüber allen Vorwürfen auf erlegt hatte, die er in den letzten Jahren über sich hatte ergehen lassen müssen, den Schlußpunkt unter sein Werk Grandeurs et Miseres dune Victoire" gesetzt. In diesem nunmehr auch in deutscher Sprache unter der AufschriftGröße und Tragik eines Sieges" (Größe und Tragik eines Sieges" von George Clemenceau. Mit einem Porträt und 4 Fak­similes. Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stutt­gart. 495) vorliegendem Bliche holt der sterbende Tiger" zu mächtigen Prankenhieben gegen seine Widersacher, insbesondere gegen Foch und Poincarö aus. Mit der ihm eigenen Leidenschaftlichkeit und Rücksichtslosigkeit rechnet Clemenceau mit seinen Gegnern ab und er schreckt nicht davor zurück, Foch, in dem ganz Frankreich den Sieger des Weltkrieges verehrt, den entscheidenden Anteil bei den militä­rischen Operationen abzusprechen.

Daß man in Frankreich über diesen Streit zwi­schen den beiden größten zeitgenössischen Heroen, die sich aus kaum geschlossenen Gräbern so grimmig befehden, nicht gerade entzückt ist, läßt sich denken. Aber auch für uns Deutsche ist das Buch Clemen- ceaus von nicht alltäglichem Interesse. Einmal bringt es eine Fülle von Einzelheiten über die Ereignisse von 1918, bemerkenswerte Einblicke in die Verhältnisse unmittelbar vor Kriegsende, und zum anderen zeigt es das wahre Wesen des Man­nes, der, bis zur letzten Stunde unser Todfeind, mit Fug und Recht als Vater desFriedens' von Versailles gelten darf, den zu verteidigen im tief­sten Grunde überhaupt der Zweck seines Buches ist. Hier ist der unüberbrückbarste Gegensatz zwischen Foch und Clemenceau zu suchen. Foch forderte im Einverständnis mit bem hinter den Kulissen intri­gierenden Präsidenten Poincars die militä­rische Grenze am Rhein, die Annektion des linken Rheinufers und die Absprengung der Rhein­lande vom deutschen Reiche in irgendeiner inter­national zu bestimmenden Form. Auch Clemen­ceau hättegern den Rhein Frankreich als Grenze gegeben", hätte ihnbeim Beginn der Friedens­verhandlungen reklamiert", hättesogar noch mehr verlangt wenn es mp glich gewesen wäre'. Aber angesichts des angelsächsischen Widerstandes ließ sich die französische Rheinpolitik nicht durch­setzen, und Clemenceau begnügte sich mit der fünf­zehnjährigen Rheinlandbesetzung und der englisch- amerikanischen Garantie, die nie in Wirksamkeit trat. Diegroßen Drei", Clemenceau, Wilson und Lloyd George setzten sich über Fochs Antrag hin­weg. Ob Foch, sofern er seine Thesen als Bevoll- nachdem dieses Dexierspiel aufgelöst wurde, auf feine erste Wahl zu besinnen und die arme Kirchenmaus zu heiraten.

Die Spielleitung Karl Vo 1 ck verzichtete auf den ziemlich aussichtslosen Versuch einer Lustspielregie und inszenierte entschlossen auf Schwank mit allen Mitteln.

Die Mitwirkenden waren mit anerkennens­wertem Eifer bei der Sache: Hauer widmete sich mit großer Hingabe dem Hausherrn: es war keine Heldenrolle, und um den Te t wäre auch ein Komiker oder Donvivant nicht zu beneiden. Sehr geschickt und angenehm natürLd) gab Hilde Schwend die eigenmächtig avancierte Sekre- tärin- Lony Leutholf als die Dame des Hauses wirkte indessen von Anfang an uhertrie- ben (Man merkt den Schwank immer noch früh genug.) "Säuerte bemühte sich in guter Laune um den Amerikaner, den die wunderliche Phan­tasie der Autoren erfunden hatte. Durch­aus zu loben: die dezente Innendekoration von> 2 o f f I e r. , .

Ter freundliche Deifall durfte in erster Lime den Darstellern gelten. hth.

Seit dem starken Erfolg desSturmes Wasserglas", den ein anderer Frank von Mün­chen aus über Deutschland verbreitete, scheint oer Hund auf dem Theater, der den alten Goethe sei­nerzeit so sehr geärgert hat, wieder große Mod«