lichterloh. Die gemischte englisch-französische Unter- suchungskommission hat heute unter Leitung eines (Engländern^ ihre Arbeit ausgenommen. Die genaue Ursache des Unglücks läßt sich noch immer nicht erkennen.
Der Leipziger Sonderkorrespondent der „2Hot- nmg Post" halte eine Unterredung mit Dr. (Eckener über die möglichen Ursachen der britischen Luftschisfkataslrophe. Dr. Eckener hält es für möglich, daß „R. 101“ für den ersten Teil seines Fluges zu stark belastet war, um so stürmischem Welter widerstehen zu können, zumal da das Luftschiff durch den heftigen Regen eine weitere Belastung erhalten Halle. Dr. Lckner sagle weiter: „Der Bau des Schiffes war gut, das weih ich.“
Ein Beamter des Luftfahrtminifleriums erklärte, als feine Aufmerksamkeit auf Berichte aus Paris gelenkt wurde, daß mehr Leichen gefunden feien, als die Zahl der an Bord befindlichen Personen betrug, die Anwesenheit eines blinden Passagiers an Bord des „R. 101“ komme nicht in Jragc. Jedes Mitglied der Mannschaft und jeder Passagier sei beim Betreten des Luftschiffes zweimal nachkontrol- lierl worden. — weiter wird gemeldet, dah Lord Thomson, sein Diener und alle Offiziere des „R. 101“ besondere beträchtliche Versicherungen gegen Unglücksfall abgeschlossen hatten, und zwar bei der britischen Luftversicherungsgesellschaft und bei Lloyd. Sir Sefton Brander hatte sich nicht besonders gegen Unglücksfall versichert. Ebenso waren auch die Mannschaft und das Luftschiff selbst nicht versichert.
Eckeners Meinung.
Die Sicherheit des Luftschiffs als Berkchrmittel.
Leipzig, 5.Oft. (SU.) Auf einem Empfangsabend, den der Rat der Stadt Leipzig gab, äußerte sich Dr. Eckener üben, die Vernichtung des „R 101“ etwa folgendermaßen: Es scheint mit einiger Sicherheit aus den Rachrichten hervvrzu- gehen, daß das Luftschiff in böigem Wetter und durch sehr heftigen Regen gegen den Boden gedrückt und dabei zerstört loorden ist, und daß die nachfolgende Explosion sekundärer A r t war. Jedenfalls ist es nicht richtig, daß die Explosion vielleicht durch das Herauf- oder Herunterdrücken des Luftschiffes ausgelöst worden sein kann. Daß man beides, das Weiter und die Explosion als Ursachen des Unglücks anführt, beweist, dah man die Urs ache nicht kennt. Och würde es nicht verstehen können, wie es sich zugetragen haben soll, daß das Luftschiff durch heftige Regenböen gegen den Boden geschleudert worden ist.
Wir haben mit dem Zeppelin — und das englische Luftschiff ist von gleicher Beschaffenheit — eine dynamische Hubkraft von 15 000 Kilogramm, d. h. also, die Regenbelastung des Luftschiffes kann ruhig 15 000 Kilogramm betragen und trotz dieser Last können wir das Schrff schwimmend erhalten. Wir haben aber niemals, auch nicht bei stärkstem Regen, eine höhere Belastung gehabt als 6 oder 7 Tonnen. Wir muhten also nicht die halbe dynamische Energie aufwenden. Selbst ein besonders schweres Gewitter im Rhonetal haben wir ohne Ballast abgabe -überwunden, ein Gewitter, von dem ich selbst sage, dah es uns wohl heftiger nicht mehr Heimsuchen wird.
Wir haben bewiesen, dah ein Luftschiff auch durch die kräftigsten Regenböen zu bringen ist. Man kann also im Hinblick auf das Unglück des englischen Luftschiffes nicht so verallgemeinern, dah man sagt: 3n einem solchen Wetter ist das Luftschiff nicht zu halten. Wir haben gezeigt, daß ein Luftschiff wirklich ein sicheres Berkehrsmit- t e l ist. Vielleicht wird bei der Fahrt in die Arktis, wo die sagenhafte Eisbelastung fein soll, an die ich aber nicht glaube, die Belastung des Schiffes durch Witterungseinflüfse eine Rolle spielen.
Das Llnglücksschiff.
R. 101 das größte Luftschiff der Welt.
London, 5. Oft. (TU.) Die auf der Fahrt nach Indien verunglückte, „R. 101" ist von den Königlichen Luftschifswerken in (Barbington erbaut worden. Das Luftschiff wurde etwa Ende September 1929 endgültig fertiggestellt, nachdem sich vorher kleinere Bauänderungen noch als notwendig herausgestellt hatten. Im Laufe der folgenden zahlreichen Probeflüge erwies sich später dann noch die Notwendigkeit konstruktiver Aenderungen, die im Laufe des Sommers dieses Jahres durchgeführt wurden.
Das Gasfassungsvermögen belief sich auf ungefähr 5 Millionen Kubiksuh, womit die „R. 101" das größte Luftschiff der Welt war. Die Tragfähigkeit des Luftschiffes betrug etwas mehr als 150 Tonnen. Die Länge etwa 217 Meter, der größte Durchmesser 39,3 Meter, die Höhe einschließlich Gondeln 42 Meter. Die Tankbehälter konnten nahezu 29 Tonnen Schweröl aufnehmen.
Ursprünglich sollte die „R. 101" etwa 100 Passagiere tragen können. Noch während des Baues kam man von diesem Plan ab, weil man das erheblich billigere Schweröl, für das andere Motoren eingebaut werden mußten, für das neue Luftschiff verwenden wollte, wodurch man gleichzeitig eine größere Sicherheit gegen Feuers - und Explosionsgefahr zu erreichen hoffte. Auch in anderer Hinsicht ist dem Sicherheitgedanken mancherlei geopfert worden. Während „Graf Zeppelin" nach englischen Angaben Böen von höchstens 25 Stundenkilometer Stand halten kann, wurde die Widerstandsfähigkeit der „R. 101" gegen Vertikalböen mit 72 Stundenkilometer angegeben.
Für die Erbauer dürfte es besonders tragisch fein, daß das Luftschiff gerade in diesem Punkte versagt haben sollte, vorausgesetzt, daß es wirklich einer Vertikalböe zum Opfer fiel.
Oie paffagierliste.
London, 5. Ott. (WTB.) Die vollständige Liste der Passagiere des verunglückten „R. 101“ weist folgende Tiamon auf: Lord Thomson, britischer Minister für Flugwesen; Sir Sefton Brancker, Direktor der Zivilluftfahrt; Geschwaderchef Pa Istra von der australischen Militäraviatik; Geschwaderführer O'Reill, Vertreter des Staatssekretärs für Indien; Kommandant Eol- more, Direktor des Luftfahrtdienstes; Oberstleutnant Richmond; Major Scott; Ge- schwaderführer Rope; Major Bichop, Chef, infbeticr der englischen Avatik; B u ck, Attache des Luftfahrtmimsteriums.
Die Urteilsbegründung im Leipziger Hochverralsprozeß.
Leipzig, 4. Oft. (WTB.) Im Hochverratsprozeß gegen die Ulmer Reichswehroffiziere führte der Vorsitzende Reichsgerichtsrat Baumgarten zur Begründung des bereits am Samstag gemeldeten Urteils u. a. aus: Der Senat hat folgenden Sachverhalt für erwiesen erachtet:
Die Angeklagten Scheringer und Ludin waren unzufrieden mit gewissen Verhältnissen in der Reichswehr. Insbesondere meinten sie, daß die Entwicklung im Heere wie im Volk zu sehr nach links gehe, daß das Heer zu weit von oben geleitet werde. Anstatt nun den vorgeschriebenen D i e n st - w e g zu beschreiten, fuhren die beiden Angeklagten nach München, traten mit drei Herren der Zentralleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter- Partei in Verbindung und trugen ihre Schmerzen vor. Diese Reise nach München war einmal eine Jnformationsrei f e für sie selbst über die Zwecke und Ziele der NSDAP.; zweitens ging sie aber auch dahin, die Münchner Herren über d i e Mißstimmung der Angeklagten und gleichgesinnter Kameraden zu unterrichten. Nach Ludins Angaben erklärten sich die beiden Angeklagten bereit, eine Verbindung zwischen Reichswehr und jener Partei herbeizuführen. Obgleich beiden Angeklagten in München gesagt worden war, daß sie mit feinem gewaltsamen Vorgehen der Partei rechnen fönnten und obgleich sie keine Aufgabe erhielten, erklärten sie sich doch bereit, zu sehen, was sie im Heere im nationalen Sinne ausrichten könnten. Nach ihrer Rückkehr nach Ulm teilten die Angeklagten ihre Münchner Erlebnisse dem Angeklagten Wendt mit, der sich zustimmend äußerte. Sie faßten den Entschluß, mit anderen Kameraden die Verbindung aufzunehmen, von denen sie glaubten, daß sie für ihre Pläne zu gewinnen seien. Diese Gespräche können nach Ueberzeugung des Gerichtshofes nicht harmloser Natur gewesen sein.
Hier bricht eine Dame in hysterische Schreie aus. Sie ruft: Zu solchem Gerichtshof sollen wir Deutsche noch Vertrauen haben; das höchste Gericht verläßt uns Deutsche. Sie wird unter heftigem Schreien aus dem Saale geführt.
Sodann verteidigte der Vorsitzende die Ber- handlungssührung des Untersuchungsrichters. Der Untersuchungsrichter habe die Ausgabe gehabt, objektive Wahrheit zu erforschen, wobei die Angeklagten und Zeugen nicht immer mit Glacehandschuhen ungefaßt werden konnten. 3m übrigen hätten Ludin und Scheringer ausdrücklich erklärt, daß sie vom Untersuchungsrichter gut behandelt worden seien.
Die Reisen der Angeklagten haben alle ein gemeinsames Ziel verfolgt. Ludin habe als Ziel ihrer Bemühungen angegeben, jetzt die Regierung durch eine andere zu ersetzen. Das Gericht ift davon überzeugt, daß die drei Angeklagten die Reisen zu privaten Zwecken für ihre besonderen nationalistischen 3deen auSgeführt haben. Es ist von ihrer Einstellung aus durchaus möglich, daß sie nur Gutes gewollt haben, aber der Zweck heiligt nicht die Mittel. Die Angeklagten waren sich auch der Strafbarkeit ihres Tuns bewußt. Das Unternehmen der Angeklagten richtete sich gegen die ihnen mißliebige jetzige Regierung, die bei gegebener Gelegenheit gewalts am beseitigt werden sollte. Der Angriffsplan war der Sturz der Regierung durch Gewinnung der Reichswehr dafür, dah die Reichswehr einer für möglich ge
haltenen nationalsozialistischen gewaltsamen Um» sturzbewcgung nicht entgegentrete, also durch Vorbereitung eines günstigen Bodens dieser Armee für einen Umsturz von rechts. Das Unternehmen sollte auch nicht in nebelhafter Ferne, sondern in absehbarer Zeit verwirklicht werden. Danach liegen in objektiver Hinsicht die Tatbestandsmerkmale des § 86 nach Ueberzeugung des Gerichts fest, und zwar ist das Delikt gemeinschaftlich begangen worden.
Von einer Zuchthausstrafe könne selbstverständlich keine Rede sein, da die Angeklagten, denen die Ueberzeugungstäterschaft zuzubilligen sei, nicht aus ehrloser Gesinnung gehandelt haben. Mildernde Umstände konnten den Angeklagten aber nicht zugebilligt werden. Den Strafverschärfungsgründen stehen einmal die Jugend und die tadellose Vergangenheit der An-» geklagten gegenüber. Dann fällt auch ihr Tun in eine hochpolitische Zeit. Vor allen Dingen hat der Senat strafmildernd die edlen Motive berücksichtigt, die die Angeklagten zu ihren so bedauerlichen Straftaten getrieben haben. Wenn sie auch geirrt haben, so waren sie doch von hoher, von glühender Vaterlandsliebe beseelt. Aus diesen Gründen hat sich der Gerichtshof veranlaßt gesehen, die vom Vertreter der Reichsanwaltschaft beantragte Strafe um ein 3ahr herabzusetzen.
Meinung -er presse.
Berlin. 4. Oft. (TU.) An den Anschlagsäulen des „Völkischen Beobachters“ in München wird von der RSDAP. folgender Kommentar veröffentlicht: „Das Urteil von Leipzig ist die Kapitulation des Reichsgerichts vor dem Berliner System des .gefunden Pazifismus'. Cs handelt sich um ein politisches Tendenzurteil, das in schroffstem Widerspruch zum gesamten Prozeßergebnis steht. Aber es mußte offenbar gefällt werden, um das System Groener-Schleicher-Hammerstein vor der offenen Niederlage zu retten. Moralisch ist das System der Berliner Bureau- generale trotzdem gerichtet. 3n Berlin wurde der Pelzjäger und Sklarekfreund Boß freigesprochen, in Leipzig wurden ehrenhafte, tapfere deutsche Offiziere eingesperrt, weil sie Deutschland und ihren Soldatenberuf zu sehr liebten.“
Das „Berliner Tageblatt" schreibt u. a.: Dieses Urteil war nach dem Gesetz geboten, und es war notwendig, um die Klarheit über die Pflichten der Reichswehrangehörigen wiederherzustellen. Diese Klarheit muh bestehen, wenn der Staat bestehen soll; wollte der Staat darauf verzichten, so gäbe er sich selbst auf. — Die „D o s s i s ch e Zeitung" weist darauf hin, daß der Spruch des Reichsgerichts dem allgemeinen Rechtsempfinden Rechnung trage. Es komme für die Öffentlichkeit weit weniger darauf an, daß die angeflagten jungen Offiziere zu besonders hohen Strafen verurteilt würben, als darauf, daß das höchste deutsche Gericht die Feststellung traf: Vorbereitung zum Ungehorsam gegen militärische Befehle In der Form, wie sie von den Angeklagten getrieben worden war, fei Vorbereitung zum Hochverrat.
Die „D A Z." glaubt, daß das Urteil von Volk und Heer als ungerecht empfunden und nicht verstanden werde. Gewiß könne Po
litik in der Armee nicht geduldet werden. Der Prozeß scheine aber erwiesen zu haben, daß eine Vorbereitung zum Hochverrat diesen Soldaten völlig fern gelegen habe. Was sie getrieben haben, sei Vaterlandsliebe gewesen« Das Ziel dieses Prozesses sei gewesen, die 3lle- galität der Nationalsozialisten zu erweisen. ES sei unverständlich, dah die Wahlen des 14. September die zuständigen Stellen nicht veranlaßt hätten, ihren Standpunkt zu revidieren. — Der „Lokalanzeiger“ schreibt, das Urteil zeige mit einer geradezu fürchterlichen Klarheit, wie weit sich der Geist dieser Rechtsprechung vom Rechtsempfinden eines gewaltigen, beständig wachsenden Teils des deutschen Volkes inzwischen entfernen konnte.
Die „Deutsche Tageszeitung" erklärt, geradezu grotesk mute die Annahme an, daß eine Verbindung mit den Rationalsozialisten als „Hochverrat" anzusehen sei angesichts der Tatsache, daß der Reichskanzler mit der Hitlerfraktion in einem Augenblick über Regierungsfragen verhandele, wo Reichswehrangehörige wegen ihrer 3uneigung zu dieser Partei in Acht und Dann getan werden. — Die „Lei p z i ge r R e u e st en R a ch r i ch t e n" schreiben: „Die ^Nationalsozialisten werden bedauern, daß die Reichskagswahlen nicht erst an diesem Sonntag fällig sind. Das Urteil des höchsten Gerichtshofes im Hoch- vorratsprozeß gegen die drei Reichswehroffiziere wäre für sie gut fünfzig Mandate mehr wer t". — Die „TäglicheRundschau" sagt, die Angeklagten hätten in ihrem ganz kleinen Bereich ein wenig von dem getan, was ein QJorf, ein Freiherr vom Stein, ein Schill getan hätten, die Rebellen gewesen seien, als sie anfingen, und Befreier, als ihr Werk getan. Das Volk könne kein Vertrauen mehr zu einem Staat haben, der 3ustiz kenne, aber keine Gerechtigkeit.
Ein Brief an den Reichspräsidenten. Leipzig, 4. Oft. (TU.) Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Sack hat nach der Verkündung des Urteils gegen die Reichswehroffiziere a n den Reichspräs id enten folgendes Telegramm gerichtet:
.Hochzuverehrender Herr Reichspräsident! Tief erschüttert durch die soeben verlesene Urteilsbegründung gegen di^ drei Reichswehroffi- ziere Scheringer, Ludin und Wendt richte ich an Sie in dieser geschichtlichen Stunde die Bitte: Treffen Sie Vorsorge, daß durch das Urteil gegen diese hervorragenden Soldaten die tiefe Kluft der gegensätzlichen Weltanschauungen, die uns Deutschen immer wieder den Weg zuv wahren Volksgemeinschaft versperrt, nicht unüberbrückbar wird. Die gleiche hohe Vaterlandsliebe, die einst die Soldaten der alten Armee beseelte, als sie sich unter Führung des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg gegen eine Welt von Feinden behaupteten, ist diesen jungen □Könnern jetzt zum Verhängnis geworden. Geben Sie, Herr Reichspräsident, die Verurteilten als Offiziere frei. Genehmigen Sie, Herr Reichspräsident, den Ausdruck meiner unwandelbaren Verehrung.
Gez. Rechtsanwalt Dr. Alfons S a d.“
Tiefste Bestürzung in England.
Der erste Eindruck der Trauerbotschaft.
London, 5.Oft. (WTB.) „R.101“, das größte Luftschiff der Welt, der Stolz der britischen Luftschiffahrt, liegt in einem französischen Obstgarten, eine Masse verbogener, geschwärzter Metallstücke. Von den 54 Männern, die so frohen Mutes im Luftschiff gestern abend abfuhren, zuversichtlich, daß sie einen epochemachenden Flug nach 3ndien unternehmen würden, sind alle außer acht tot. — Mit diesen Worten wurde der englischen Oeffentllchkeit die furchtbare Luftschiffkatastrophe mitgeteilt. Die Rachricht, die die „Titanic-Katastrophe der Luft" genannt wird, hat Trauer in ganz England, vom König und den Kabine ttsmitgliedern bis herab zum letzten Bürger, verbreitet. 3n seinem Telegramm an den Lordmayor spricht der König von einem „nationalen Unglück". Ueber den öffentlichen Gebäuden und vielen Privathäusern wehen die Flaggen auf Halbmast, und in fast allen Äird)en nehmen die Geistlichen in ihren Predigten auf das furchtbare Unglück Bezug und zollen den Opfern hohe Anerkennung.
Das Königspaar vereinigte sich in der Kirche von Sandringham mit den Dorfbewohnern zu einer Fürbitte für die durch das Unglück ums Leben Gekommenen und ihre Hinterbliebenen. Das Luftfahrtministerium hat heute früh den Angehörigen der Verunglückten telegraphisch Mitteilung über die Katastrophe gemacht. Aus dem gesamten brittschen Reich und der übrigen Welt laufen Berichte ein über die tiefe Anteilnahme an der Katastrophe, die daS britische Luftfahrtwesen betroffen hat.
Die plötzliche Rachricht von der Katastrophe hat in England um so größeres Entsetzen erregt, als das Riesenluftschiff von den Sachverständigen als „Wunderschiff" und als „das letzte Wort im L u f t s ch if f ba u" bezeichnet worden war, das nach den Worten eines Blattes „die britische Luftüberlegenheit ein für allemal barlegen sollte". Aber bereits kurz nach dem Start schien es den Tausenden von Zuschauern, die sich versammelt hatten, um dem Luftschiff auf feiner Fahrt nach 3ndien Lebewohl zu sagen, daß etwas nicht in Ordnung war und dah es ungewöhnlich tief flog, die Spitze gesenkt und den Schwanz hoch.
Die Teilnahme in Deutschland
Eckener telegraphiert an Macdonald.
Berlin, 5. Oll. (WTB.) Aus Anlaß der furchtbaren Katastrophe, von der das Luftschiff „R 101“ betroffen wurde, hat Reichskanzler Dr. Brüning dem englischen Ministerpräsidenten Macdonald ein warm gehaltenes Beileidstelegramm übersandt.
Dr. Eckener, dem bei seiner Ankunft mit dem „GrafZeppelln" in Leipzig durch den Leipziger Oberbürgermeister Mitteilung von der Zerstörung des „R 101“ gemacht wurde, hat an
Ministerpräsident Macdonald folgendes Telegramm gerichtet:
„Tief bewegt von dem tragischem Geschick, das der englischen Ration so viele wertvolle, ht ihren 3dealen strebend vorbildliche Männer nahm, bitte ich Ew. Exz. mein herzliches Beileid aussprechen zu dürfen. Die Besatzung des „Graf Zeppelin" trauert aufrichtig in kamerad- fchas t liche r Verbundenheit, gez. Dr. Eckener."
Die Deutsche Lufthansa richtete an das Zivildepartement des englischen Lufts ahrtmini- steriums folgendes Beileidstelegramm:
„Tief erschüttert durch die furchtbare Katastrophe von „R 101“ bitten wir aufrichtigstes Beileid entgegenzunehmen. Hervorragende Männer, deren 21 amen auch in Deutschland besten Klang haben, setzten ihr Leben als Pioniere für die hohe 3dee der Luftfahrt ein. Mit dem ganzen englischen Flugwesen trauert die Deutsche Lufthansa, Aufsichtsrat und Vorstand."
Hitler spricht in Frankfurt.
Freiheit und Ehre, oder Bolschewismus.
Frankfurt a. M., 5. Oft. (Tel.-Un.) Anläßlich des zweiten we st deutschen Hitler- Tages sprach gestern abend in einer öffentlichen Versammlung in der Festhalle vor etwa 20 000 Zuhörern Adolf Hitler. Er behandelte zunächst das Ergebnis der Wahlen vom 14. September, die eine allen sichtbare Feststellung des Erfolges des elfjährigen Ringens der Nationalsozialisten um die Seele des Volkes darstelle.
Die Nationalsozialisten dächten nicht daran, mit schwachen Korrekturen das fortzufehen, was andere begonnen haben. Der Sieg fei erst dann vollendet, wenn ein neues deutsches Volk hinter den nationalsozialistischen Führern stehe.
Bismarck habe vor 60 Jahren die deutschen Stämme geeint. Seit dieser Zeit zerfalle aber das deutsche Volk in zwei Hälften. Hier gehe es um Deutschlands Schicksal. Bleibe diese Trennung, dann sei das Ende des Deutschen Reiches gekommen. Die Nationalsozialisten hätten die Plattform geschaffen, auf die jeder Deutsche treten könne, der guten Willens fei. Wer den Nationalsozialismus nicht ver- tehe, dem sei das politische ßeben nicht Inbegriff >er Aufopferung. Wenn es das Ziel der National- ozialisten wäre, nur Mandate zu erringen, könnten ie heute rasten. Ihnen genüge aber der 14. September nicht. Ihr Ziel sei die Erreichung der re st losen politischen Macht in Deutschland auf legalem Wege. Es sei eine Lüge, die von den „Sachverständigen" festgesetzten Tribute als erfüllbar zu bezeichnen. Das Bekenntnis von Deutschlands Schuld am Kriege fei die moralische Grundlage und Rechtfertigung von Versailles und alle daraus resultierenden Erpressungen. Das Deutschland von heute aber könne nicht schuld sein an den Geschehnissen der Vergangenheit. Die nationalsozialistische Bewegung werde sich gegen bie Stornierung des deutschen Volkes zur Wehr setzen, daß man nach 60 Jahren noch Menschen mit einem Fluch belade, an dem sie unschuldig seien. Wenn die Wett auf der buchstäblichen Erfüllung der Tribute bestehe,
werde die deutsche Wirtschaft völlig zusammenbrechen. Wenn ein Volk wirtschaftlich enteignet werde, habe es kein Verständnis mehr für we st liche demokratische Kul- t u r und werbe bem Bolschewismus verfallen. Wenn bas Ausland glaube, baß es ihm besser gehe, wenn am Rhein unb an ber Norbsee bie rote Fahne des Irrsinns aufgezogen sei, solle es nur so fortfahren.
3n Deutschland gebe es heute nur zwei Möglich- lichtesten. auf ber einen Seite Freiheit und Ehre des Nationalsozialismus, auf ber anberen
den Bolschewismus.
Die Mitte ber Erfüllung werde nicht meljr lange fein. Das deutsche Volk sei wach geworden. Hitler schloß: „Unsere Gegner mögen wissen, daß wir die Hoffnung haben, daß auch dieserReichs- tag seinen Weg nicht gehen kann unb totII. Möge er bald wieder aufgelöst werden. Wir sind überzeugt, daß sich die 6,5 Millionen Stimmen um weitere Millionen vermehren, bann wird bas deutsche Volk Abrechnung halten und aus den Trümmerhaufen der Parteien, Gruppen und Stände wird sich bie deutsche Ration wieder erheben."
Hitler beim Reichskanzler.
Brüning fetzt die Partciführer- besprcchungen for I?
Berlin, 5. Oft. (Tel.-Un.) Amtlich wird mitgeteilt: Nach verschiedenen Besprechungen mit dem Parteioorsitzenden des Zentrums Prälaten K a a s hat heute im Rahmen der mit den Vertretern der Fraktionen getätigten Besprechungen auch eine Besprechung des Reichskanzlers mit den stellvertretenden Vorsitzenden der Zentrumsfraktion Esser und Perlitius stattgefunden. Außerdem empfing der Reichskanzler in den Abendstunden als Vertreter der NSDAP, den Vorsitzenden Hitler sowie die Reichstagsabgeordneten Minister Frick und Göring. Im Laufe des morgigen Tages wirb ber Reichskanzler Vertreter der Deutschnationalen Volkspartei empfangen.
Wieder Religionsunterricht in Braunschweig.
Braunschweig, 4. Oft. (TU.) Der neue braunschweigische Kultusminister, der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Franzen, hat an den Reichsinnenminister Dr. Wirth folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Reichsminister! Unter Bezugnahme auf die bisherigen Verhandlungen in der braunschweigischen Schulangelegenheit beehre ich mich, 3hnen ganz er- gebenst mitzuteilen, daß ich den Schulerlaß meines Amtsvorgängers vom 6. 3anuar 1928 für den Freistaat Braunschweig auf gehoben unb damit die für das braunschweigische Schulwesen nach Artikel 174 ber Reichsversassung bestehende Rechtslage wiederhergestellt habe. 3n der Annahme, daß damit die Angelegenheit beiderseittg als endgülttg erledigt werden kann, würde ich 3hnen für baldige ®r- ledigimg dankbar sein."
Gleichzeitig ist durch eine Verfügung dss Ministers der sogenannte Sieversche Schulerlaß auf*


