Nr. 208 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Samstag, 6. September (950
Aus Per Provinzialhauptssadt.
Dietzen, den 6. September 1930.
Der Blumenschmuck-Wettbewerb in Gießen.
Im Lause dieser Woche sand wieder eine B e • sichtigung des Blumenschmucke» in unserer Stadt durch den Verkehr»- und Verschone- rungsoerein statt. Dank der Einwirkung der sonnig, schonen Tage der letzten Zeit aus die Blumen tonnten die früher gegebenen Noten säst überall oer» bessert werden. Wo da» nicht der Fall war, lag die Ursache de» Mißlingen» entweder an der ungünstigen Lage, oder am Material. E» gibt immer noch Geraniensorten, die sich al» faule Blüher er- weisen. Sie schleunigst auszumerzen, sollte Sache der liesernden Gartner und der Besitzer sein, die schlecht blühende Geranien nicht wieder durchwintern, son- dern im nächsten Jahr durch bessere ersetzen sollten. Nur in vereinzelten Fallen lag eine sichtliche Der- nachlassigung in der Pflege der Blumen vor, die sich vielleicht durch längere Abwesenheit der pflegenden Persönlichkeiten erklären läßt
Im Anschluß an unsere Mitteilung in Nr. 171 vom 24. Juli sind al» hervorragende Leistungen auch außerhalb de» Wettbewerbs die folgenden zu nennen: Sonnenstraße 6 und 11, die Gärten von Bücking und Dinslage, Südanlage 14 bzw. 18. In letzterem Parten haben großblumige Knollenbegonien in ausgedehntem Maße Verwendung gesunden, eine Blumenart, die auch für Fensterschmuck häufiger als sonst gepslanzt worden ist, aber nicht immer befriedigen konnte, da ihr die Eleganz der Wuchsform abgcht. Das Haus Glaubrechtsiraße 7 im oberen Stockwerk. Anerkennung verdienen weiterhin: Die sauber gehaltene, freundlich wirkende An- läge vor dem Poli,zeiamt und die städtischen An- lagen, von denen besonders die Sud- und die Nord- aniage überaus reichen, weithin leuchtenden Blumen- schmuck aufzuweisiy haben. Auch die Pflege der Rasenplätze war im vergangenen Sommer weit besser, al» in br.i vorhergehenden Jahren. Ein herrliches Straßenbild schufen die Bewohner der Karl- Vogt-Straße, die in schönem Wettstreit eine Gesamt- siistung zustandebrachien, welche diese stille Wohnstraße zu einer der schönsten unserer Stadt gestattet hat. Von Karten, die außerhalb der Stadt liegen, sei das Bahnwärterhaus an der Gotischen Dampf- Ziegelei, am Eingang zum Walde, erwähnt. Was hier mit einer reichen Fülle schöner Dahlien, Astern, Tagetes und anderen herbstblühenden Florblumen und Stauden geschaffen ist, wirkt in Verbindung mit üppig entwickelten Knollcnbegonien in allen Farben auf dem Fensterbrett des bescheidenen Häuschens' geradezu entzückend und verdient alle Anerkennung, mehr aber noch Nachahmung innerhalb der Stadt.
Die Liste der mit Preisen bedachten Bewerber bei dem Blumenschmuck-Wettbewerb wird vom Der- kehrs- und Derichönerungsvercin Ende dieses Monats veröffentlicht werden. R.
Ein Verwottungökunosum im Kreise Gießen.
Danz eigentümliche ZuteilungSver- tzä l t ni sse zu den Kreis- und Landesbehörden hat daS Dori RüddingShausen mit seinen etwa 750 Einwohnern. GS liegt im Kreise Dietzen. Seine nächstliegende Bahnstation ist da- an der Bahnlinie Dietzen—Lollar—Gründe rg gelegene Odenhausen. GS ist die einzig« im KreiS Dietzen gelegene Ortschaft, die dem Im Kreis« AlSseld gelegenen. Amtsgericht Homberg zugeteilt ist, obwohl dahin überhaupt keine Bahnverbindung mit RüddingShausen besteht, während die 2iüb- dingShäuser von dem nahen Odenhausen au- gute Bahnverbindung mit dem AmtSgerichiSort Drünbcrg hätten. DieS ist um so verwunderlicher, al- bk* Zuteilung zu allen sonstigen Behörde«. für RüddingShausen in Betracht kommen, eS auf die Bahn st recke Dietzen—Lollar Grünberg hindrängt:
Dietzen: Kreisamt, Arbeitsgericht. Kliniken usw.
Drünberg: Finanzamt. Oberrealschule. Dekanat. Mieteinigungsamt, Rechtsanwalt.
Londorf: Oberförsterei. Arzt (neben Allen- dorf). Poft und Telephon, Hntererhebestelle, Den- darmerieftation.
A l l« n d o r s : Apotheke, Arzt (neben Con- Do tf).
Odenhausen: Güterabfertigung. Kirchspiel. Pfarrer.
Alle diese Behörden sind von dem nahegelegenen Udenhausen per Bohn leicht zu erreichen. Rur in DerichtSsachen mutz ein langer Futzwnach dem AmtSgerichiSort Homberg a. d. Ohm (Kreis Alsfeld) angetreten werden, und eS entsteht dadurch für die RüddingShäuser stets eine große Zeitversäumnis, zumal am Hornberger Gericht sich kein Rechtsanwalt niedergelassen Hai, dem sie die Ter- minSwahrnehmung schriftlich übertragen könnten. Die Zuteilung zum Amtsgericht Grünberg sei seither aus .verwaltungstechnischen und dienstlichen Gründen nicht möglich" gewesen. Wäre eine Qlenbcrung hier letzt nicht zeitgemäß?! 3m 3nteresle der RüddingShäuser Einwohner liegt sie sicherlich, da RüddingShausen außer dem Bertchr mit den an der Bahnstrecke gelegenen Behörden auch seine wirtschastlichen Beziehungen nach den an der Bahn gelegenen Ortschaften hat.
Der 31. Oktober evangelischer Feiertag.
WSN. Das letzte Derordnungslatt her Eoangel. Landeskirche für Hetzen teilt das Ausschreiben des hessischen Kultusministeriums mit, in dem die hessischen Schulleitungen darauf verwiesen werden, daß in allen Orten, in denen am 3 1. Oktober eine Feier der prote st antischen Religions- gemeinde stattsindet, für die protestantischen Lehrer und Schüler der Unterricht a u s f ä I U. Für die nichlevangettschen Schüler fällt der Unterricht am 31.JDrtober nur aus, wenn nach dem Gemeßen des Schulleiters ein fruchtbringender Unter- richt für sie nicht möglich ist. Fällt der 31. Oktober auf einen Sonntag, so kommt ein Unterrichtsausfall nicht in. Frage.
Der Prälat der Evangelischen Landeskirche ordnet an, daß überall da, wo cs anaängig erscheint, am 3 1. Oktober Gottesdienste einzurichten sind. Sie sollen in erster Linie der Jugend die Bedeutung der Reformation für Kirche und Volk zum Bewußt- fein bringen, aber auch mithelfen, daß die Gemeinden in stärkerem Maße an der Feier J)cs Re- farmationsfestes, das nach wie vor am Sonntag nach dem 31. Oktober zu hatten ist, innerlich teil- nehmen. Wo es nicht möglich erscheint, einen (Bot»
Oberhessen im neuen Reichsbahn-Fahrplan
Teilweiser Abbau auf her Main-Weser Bahn. — Auf den übrigen Gtrecken fast unverändert.
Di« Reichsbahn.Dir«ktwn Frankfurt a. M. Hal vor einigen Tagen den Entwurf zum Winlerad- schnitt de» Iahr«»fahrplans 1930/31, der vom 5 Oktober 1930 bi» 14. Mai 1931 gilt, her- ausgegeben Bet einer vergleichenden Durdtfuty de» Winbersahrplane» mit dem Fahrplan für die Sommermonate ergibt sich erfreultcherweife, daß die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. den oderhesst- fchen Derkehrsbedürsnitzen auch im neuen Fahr- planadfchnitt im großen und ganzen zufriedenstellend Rechnung trägt. Es erscheint uns angebracht, der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M für diese verständnisvolle Haltung unserer Provinz gegenüber Anerkennung cmszufprechen.
Zwei bemerkenswerte Veränderungen sind in dem neuen Fahrplanentwurf vor allem auf der Main-Weser-Bahn vorgesehen Hier sollen die fO-Züge 153 154, die bisher nach ihrer Abfahrt von Frankfurt Hur in Bad-Nauheim hielten» und zwischen 15 und 16 Uhr in Richtung Katze! bzw. Frankfurt a. M die Main-Weser-Etrecke in Oberhessen passierten, vom 5. Oktober ab in Fortfall kommen. Wenn diese Tages-Schnellzugoerbmdung für die Städte an der Main-Weser-Bahn bislang auch nur «ringen Wert hatte — da die Züge zwischen Kassel und Bad-Nauheim ohne Halt durch, fuhren —, so erscheint es uns doch bedauerlich, daß bi.'fe Verbindung nun gänzlich gestrichen werden soll. Wir verstehen zwar, daß die Reichsbahnverwaltung an diesen Zügen nur geringe Freude erlebt bat. Bei wiederholten Beobachtungen auf dem Gießener Bahnhof während de» Durchbohrens der Züge konnten mir ftststellen, daß ihr« Frequenz ständig außerordentlich gering war: wohl kaum dürften jemals mehr als 40 bis 50 Personen zwifä-en Frankfurt und Katzel mit diesen Zügen gesahren sein. Daß bei dieser Sachlage zwischen den Ein- nahmen und den Unkosten ein allzu großes Miß- Verhältnis klaffte, war keinen Augenblick zu bestreiten, und daher ist auch der Entschluß der Reichs, bahnoerwaltung zur Beseitigung dieser HD-Zug- Verbindung verständlich. Man darf aber wohl darauf Hinweisen, daß die Reichsbahnverwattung selbst an diesem Derlustpunkt ihre» Fahrplans nicht unschul- dig ist. Bis zum Sommer 1929 wurden nämlich 'die D-Züge 153/154 nichfals FD mit nur erster und zweiter Klasse bei erhöhten Zuschlägen, sondern als gewöhnliche D-Züge mit zweiter und dritter Klasse bei üblichen Zuschlägen und Halten auf allen größeren Bahnhöfen zwischen Frankfurt und Kassel gefahren. Damals boten die Züge in beiden Richtungen eine angenehme Nachmittags- Schnellzugoerbindung, die auch von der Bevölkerung entsprechend benutzt wurde und der Reichsbahn sicherlich bedeutend höhere Erträge gebracht hat als die spätere Umwandlung dieser gewöhnlichen $üge in kD-Züge, wobei natürlich die dritte Klasse und die mehrfachen Halte in Fortfall kamen. Nach dieser verunglückten Kalkulation der Reichsbahn erscheint es uns empfehlenswert, diese Nachmittags!chnell. züge wieder in gewöhnliche D-Züge mit dritter Klasse und den früheren Halten umzuwandeln. Damit dürfte sowohl der Bevölkerung, wie auch der Reichsbahnkasse gedient sein. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a M. kann diesen Vorschlag zwar nicht von sich aus allein verwirklichen, da es sich bei den Zügen 153 154 um ein Zugpaar Frankfurt—Kassel—Wesermünde han- beite und mithin mehrere Reichsbahndirektionen als beteiligte Verwaltungsorgane in Betracht kommen. Man würde es aber der Reichsbahndirektion Frankfurt danken, wenn sie sowohl bei der Reichsbahn- Hauptverwaltung in Berlin, wie auch bei den beteiligten Nachbardirektionen die Initiative zur Beibehaltung der D-Züge 153/154 in ihrer früheren Eigenschaft ergreifen würde.
Dine unliebsame Beeinträchtigung der oder- tzesstschen DerkehrSinteressen ist für d»e Strecke Marburg—Dietzen vvrgesedcn. Hier sott vom 5. Oktober ab der Spätabenbzug ab Marburg 23.20 Hhr. an Dietzen 0.05 Ahr. der im Sommersatzrplan als Fortsetzung des Adenb- zuges Kassel—Marburg mit einigen Wagen dis Dietzen geführt wurde und dadurch ein« erfreuliche Cpatperbinbung zwischen den beiden Städten und den dazwischenliegenden Dörfern herstellte, gestrichen werden. Rach dem neuen Fahrplan wird man von Marburg ab die letzte Personenzugverbindung nach Dietzen bereits um 20.10 Hßr. die letzte Schnettzugverbindung — und damit zugleich die letzt« <3ifenbabnt>ertcbrt- möglichkeit zwischen Marburg und Dietzen am Abend überhaupt — bereits um 21.05 ab Marburg haben. Hiermit wirb von der Reichsbahn ber jahrelang beklagt« Mistflanb einer absolut unzulänglichen Abendverbindung zwischen Marburg und Dietzen wieder hergestellt. Die Reichsbahnverwaltung wird zur Begründung dieser Maßnahme vielleicht anführen, daß die Besetzung des Spätperfonenzuges Marburg—Dietzen nicht ausreichend gewesen fei. Aus eigener Beobachtung . im Derlause der bisherigen Sommermonate ist uns bekannt, daß dieser Zug verschiedentlich ganz annehmbare Frequenz hatte, aber an anderen Tagen nicht allzu stark besetzt war. Immerhin muß man doch sagen, daß für di« Reichsbahn nicht nur der Derdienststandpunkt allein maßgebend fein darf, sondern auch die Interessen tyr Bevölkerung einen gewichtigen Faktor bei den Entschließungen der ReichSbahn- Dertoaltung darstellen. Don diesem Standpunkt auS betrachtet wird man der Beseitigung der bisherigen Spätverbindung zwischen Marburg und Dietzen nicht zustimmen können. Hier sowohl, wie bei dem obenerwähnten D 153/154 sollten die berufenen Vertretungen ber Bürgerschaft es an Schritten bei ber Reichsbahndirektion Frankfurt nicht fehlen [affen.
lieber die ReichSbahnstrecken in der Provinz Oberheffen ist angesichts ber erfreulichen Jahr- planlage nur wenig zu sagen. SS ist zu begrüßen, daß di« ReichSbahnbirektion Frankfurt für den Wintersport int DogelSberg wieder günstige Zugverbindungen von Gießen über Ridda nach Schotten und von Frankfurt über Stockheim —Gedern bis Lauterbach vor- aefehen hat. Auch die Rückfahrtmöglichkeiten für die Wintersportler erscheinen günstig geregelt.
Zu bedauern ist dagegen, daß auf der Strecke Schotte n—2t idda die letzte Abendverbindung von Schotten ab künftig auch an Sonntagen schon um 17.36 Uhr gegeben sein soll, während nach dem Sommersahrplan noch um 19 Ahr und um 21.41 Uhr Zugverbinbung von Schotten nach Ridda vorhanden war. Wir meinen, baß die Rcichsbahndirektion Frankfurt der Kreisstadt Schotten und den übrigen Interessenten an der Strecke Schotten—Ridda auch an den Sonntagen im Winter die Tür nach außen, d. h. die Der- kehrsrnöglichkeit zu späterer Stunde, alS jetzt vorgesehen, an die Hand geben sollte. Die Kreisstadt Schotten und die dortigen Gtreckengemeinben werden nach unserer Ansicht keine unbillige Forderung an die Reichsbahn stellen, wenn sie ersuchen. auch im Winterfahrplan wenigstens die jetzige Sonntagsverbindung um 19 llhr ab Schotten nach Ridda neben der im neuen Fahrplanentwurf vorgesehenen Zugfolge noch beizubehal- ten. Die berufenen Stellen zur Wahrnehmung der berechtigten Intereffen deS Vogelsberg- gebietes werden in der Vertretung dieser Dache bei der Reichsbahndirektion eine dringend« und lohnend« Aufgabe finden.
tesbienft an dem genannten Tage zu hatten, sollte zum mlnbefttn ein Iugendgotlesdienst statt- finden. E» empfiehlt sich weiterhin, der Bedeutung des Tage», wo es möglich ist, durch einen Gemeindeabend, öffentlichen Vortrag oder dergleichen Rechnung zu tragen.
Vornotizen.
— TageSkalender für SamStag. Gießener Freiw. Feuerwehren: Feuerwehrjubiläum, 19.30 Uhr, Antreten zum Fackelzug auf dem Brandplatz. — Artilleristen-Verein: RlonatSver- fammlung, 20.30 Uhr, im Hessischen Hof. — G. R. G.: Generalversammlung, 20.30 Uhr. im Bootshaus«. — Erste Reichskurzschriftgesellschaft „GabclSberger": QkreinSabenb, in der »Stadt Lich", 20.30 Uhr. — D. H. V. Familienabend, 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Skandal um Eva" und »Micky"-Maus.
— Tageskalender für Sonntag. Gießener Feuerwehren: 15 Uhr. Festzug vom OS- waldSgarten. - Dolksrecht-Partei: Wahlversammlung. 20.30 Uhr, im Easö Leib. — Kriegerverein Gießen: Sommerfest. 15 Uhr, Gchützenbaus (gedeckte Halle). — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Skandal um Eva" und »Mickh"- Maus.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben: Am nächsten DienStag wird die Sommerspielzeit deS Stabttheaters mit der einmaligen Ausführung von Wilhelm Lichtenbergs älstspiel ..Seine Majestät daS Publikum" beschlossen Werdern Das Stück, welches vom Gießener Stadttheater uraufgeführt tourbc, ist bereits vom Wiener Burgtheater angenommen. Es beßanbelt in einer reizvollen Mischung das Thema Liebe, Ehe, Scheidung. Die Spielleitung hat Walter Bäuerle, der für die kommende Spielzeit neu nach Gießen verpflichtet wurde und der mit dieser Inszenierung sich zum erstenmal in Dießen als Regisseur vvrstellt.
— Di e Dolksrechtpartei wird am morgigen Sonntagabend im Saale des Tafts Leib eine öffentliche Wahlversammlung veranstatten. Es sprechen Prosesior A x t (Darmstadt) und Iustizrat Brink (Berlin). Siehe heutige Anzeige.
— Die Reichspartei des deutschen Mittelstandes (W i r t s ch a f t s p a r t e i) veranstaltet am Montag, 8. September, 20 Uhr, im Safe Leib, ihre zweite Wahlversammlung. Als einziger Redner spricht der Spitzenkandidat Professor Dr. Home ff er über das Thema:
„Der E n d k a m p f: Privatwirtschaft oder Sozialismus." (Siehe gestrige Anzeige.)
— Die Deutsche JBolf spartet tritt am nächsten Dienstagabend im Caft Leib mit ihrer Zweiten Wahlversammlung vor die Oeffentlichkeit. E» spricht Rcichstagsabgeordneter Dingeldey, Spitzenkandidat der Deutschen Dolkspartei in Hessen. Sieh« heutige Anzeige.
— Eine sozialdemokratische Wahlkundgebung wird am Dienstagabend in der Volkshalle stattfinden. Als Redner sind vorgesehen Staatskanzler a. D. Dr. Renner (Wien) und Staatspräsident Dr. Adelung (Darmstadt).
Gießener D?ochcnmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 biS 180, Maste 30 bis 35, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 Tis 8. "Äotfraut 10 biS 15. gelbe unb rote Rüben 10 biS 12, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 8 biS 10, grüne Bohnen 15 bis 20, gelbe Bohnen 20 bis 25, Hnter-Kohl- rabi 6 bis 8, Erbsen 20 biS 25, Tomaten 15 bis 20. Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 50 bis 60, KürbiS 8 bis 10. Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 5. Falläpfel 5 bis 6. Acpsel 20 biS 40, Birnen 15 biS 30. Dörrobst 30 biS 35, Zwetschen 15 bis 20, Mirabellen 20 biS 25, Reineclauden 10 bis 15, Pfirsiche 40 bis 70, Brombeeren 40 bis 45. Preifelbeeven 30 biß 35. Rüsse 60 bis 70. Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 biS 130, Suppenhühner 100 bis 120 Ps. daS Pfund: Käfe lzehn Stückj 60 bis 140; Tauben 70 bis 80. Eier 12 biS 13. Blumenkohl 30 biS 70, Salat 10 bis 15, Salat gurten 10 bis 20, Einmachzurken 2 biS 4, Endivien 10 biS 20. Ober-Kohlrabi 6 biS 8, Lauch 5 biS 10, Rettich 10 biS 15, Sellerie 10 biS 20 Pt. daS Glück; Radieschen 10 bis 15 Ps. das Bund; Kartoffeln 4,50 Mk. der Zentner.
" D i e Stromlieferung vom Heber- landwerk Oberhessen. Der Provinzial- bireftor der Provinz Oberhessen gibt im neuesten Amtsverkündigungsblatt folgendes bekannt: Die schwierigen wirtschastlichen Verhältnisse, unter denen das Heberlandwerk der Provinz Ober- Hessen die öffentliche Elektrizitätsversorgung biS in die entlegensten Dörfer und Gehöfte durchzuführen hat, machen es jedem, der überhaupt an den Dorteilen der Versorgung teilhaben will, zur Pflicht, ihre Durchführung nach Möglichkeit au fördern. Wie höchstrichterliche Entscheidungen scflgestellt haben braucht sich unter diesen Umständen das Heoerlandwerk nicht darauf einzulassen, daß ein Abnehmer nur Lichtstrom ab
nimmt und sich dir von ihm benötigte Kraft selbst erzeugt 3tn derartiges Verfahren, wenn es tn größerem Matzc ongeuenbet würde, müßt« die Aufrechterhaltung ber öffentlichen Energieversorgung zu angemef'enen Preisen in Frag« stellen Das Heberlanbmerf ist daher mit Rücksicht auf das Gemeinwohl der Provinz ver- vssichtet, sich auf den Rechtsstandpunkt zu stellen, selbst wenn dadurch Sonderinteretten «meiner leiden Mit Zustimmung deS ProvinztalauS- fchufles gebe ich hiermit bekannt, daß bat Heber- landwerk biejcnigen Betriebe, in denen die Kraft selbst erzeugt wird nicht mehr mit Lichtstrom versorgen wird.
•• Geschichte der Familie Roth. Am heutigen 6. September kann BerlagSbuchhändler Otto Roth, der im Jahre 1849 in Dietzen ae- boren wurde, in völliger körperlicher und geiftt- gcr Frische seinen 81 Geburtstag feiern Aus Anlaß dieses TageS hat Herr Otto Roth eine Geschichte der Familie Roth herauSgegeben Diese Geschichte wurde nach Urkunden alten Ehroniken und Briefeck von Pfarrer Heinrich Bechtolsheim er in Gießen forgsällig bearbeitet. Die Unterlagen für die vorliegende Geschichte der Zamttte Roth, die jahrhundertelang in Weißenburg (Bauern) ihren Dohntitz hatte und mit dem BerlagSbuchhändler Emil Roth nach Gießen gekommen ist, sind in jahrelanger, mühsamer Arbeit gesammelt worden. Das mit zahlreichen Bildern geschmückte Buch ist schon rein geschichtlich interessant, da die direkten Borsahren deS Gießener Zweites der Familie Roth fast durchweg im öffentlichen Leben und als Rats- Herren die Geschichte der Stadt Weißenburg mit- becinflußlen. DaS beste Zeugnis für ihre Verdienste gibt da» im Jahre 1577 von Kaiser Rudolph II. dem Bürgermeister Hans Roth in Weißenburg verliehene erbliche Zamilienwappen, von dem der Geschichte eine verkleinerte Wiedergabe des Originalwappenbriefes beigegeben ist. Hoch interessant ist auch, die Stammreih« der Gießener Familie verfolgen zu können, die lückenlos bis zum Jahre 1510 nachgewiesen ist. Die Schrift ist im Buchhandel erhältlich.
•• AuS dem Südviertel. Die Friedrichstraße zwischen Wetzlarer Weg und Frankfurter Straße wurde in den letzten Tagen von Grund auf hergestellt und mit einer neuen Decke au« Splitt und Teer versehen. Die Bürgersteig« wurden asphaltiert. Dte Straße ist jetzt für den Verkehr wieder freigegeben worden. — In der Frankfurter Straße, kurz vor der Zlbzweigung deS Wetzlarer Wege-, ist zur Zeit eine große Tankstelle im Entstehen begriffen. Mächtige Fässer zur Ausnahme der Denzinmengen werden in die Srd« versenkt. Infolge dieser umfangreichen Arbeiten unmittelbar an unserer ersten Verkehrs st raße wird der Straßenverkehr stark behindert. zumal auch noch viele neugierige ständig den Arbeiten zusehen.
•• Kirchen-Jubiläum in Annerod. Am morgigen Sonntag. 7. September, feiert die evangelische Gemeinde Annerod das 50jährige Bestehen ihrer im Jahre 1880 neuerbauten Kirche, die nunmehr im Innern wieder völlig hergestellt worden ist Zu der Feier, die vormittags um 10 Hßr beginnt, haben verschiedene Künstler und Vereine ihre Mitwirkung zugesagt. Fahrgelegenheit ab Dietzen, Ludwigsplatz. 9 Uhr. Näheres ist auS der gestrigen Anzeige ersichtlich.
••(Erftgent(ftunb6annbeftoß(en. An- fangs harmlose, dann aber ausgeartete Neckereien an einem Betrunkenen trugen einem Arbeiter eine Gefängnisstrafe von vier Monat en ein. Während der Neckereien hatte der Angeklagte, der auch nicht mehr nüchtern war, dem Betrunkenen die Uhr, deren Kette lose herabhing, aus der Westen- tafd)c gezogen. Daß dies.von vornherein in diebifcher Absicht geschah, ergab eine Reihe von Umständen. Der Angeklagte hatte die Uhr auch andern Tage» um einen Spottpreis verkauft. Es handelte sich um einen rückfälligen Dieb. Deshalb wurde vom Amtsgericht in Gießen auf die oben angegebene Gefäng- nisftrafe unter Annahme mildernder Umstände erkannt. Ohne Annahme der letzteren hätte Zuchthaus verhängt werden müßen.
Deutsche Dolkspartei. Man berichtet unS: Hm den Frauen Gelegenheit zu Aussprache und Belehrung zu geben, veranstaltete der Frauenausschuß der Volkspartei einen Ausspracheabend im »Hindenburg". Frau Abgeordnete Birnbaum legte den Anwesenden die dringend« Bitte anS 5>er,. ihre Wahlpflicht zu erfüllen und alle Lässigen und Hnentschlossenen zu überreben, dasselbe zu tun. Gelte es doch diesmal, einen Block ber staatSbejahenben Parteien zu btlbcn, ber ben Kampf mit ben staats- zerstörenben Elementen nach rechts unb links aufnehmen Snne. Frau Abg. Birnbaum entwickelte daraus noch einmal baS $rogramm, daS bie neue Regierung unbebingt durchfüpren müsse, um Deutschlanb vor einer Katastrophe zu be- toabren. GS folgte eine rege Aussprache, in der die Rednerin Gelegenheit hatte, manche wichtige Frage, hauptsächlich über daS Verhältnis ber D. V. P. zu anderen Parteien, zu beantworten.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck, 6 Sept. Der Gemeinberat beschäftigt« sich gestern abend mit einem Schreiben ber Provinz.albirektion wegen Instanb- fetzung ber Gießener Straße. Rach dem Vorschlag ber Provinzialbauverwaltung soll bie Gießener Straße nach der Instandsetzung eine Traßdecke erhalten. Die Gemeinde ist nach be- steheitden Bestimmungen verpflichtet, die Kosten für die über 2,5 Meter Breite hinauSgehende Fläche zu übernehmen. Rach dem Voranschlag werben die Kosten 7752 Mk. betragen Rach längerer Aussprache wurde dem Voranschlag zu- gefhmmt, damit die Arbeiten baldigst fertiggestellt werden können AuS ben weiteren Mitteilungen des Bürgermeisters war zu entnehmen, daß der Srchenröder Weg. die Graben- unb die Ludwig- straße nun auch bald instandgesetzt werben sollen. Wegen der Instandsetzung ber Komblumenstratze wird der Gemeinderat nach Bekanntgabe ber Hn- kosten für die zuerst vorgesehenen Straßen noch entscheiden Dem Gesuch von Hch. Meyer um Heberlassung eines Teiles der Wüstung in ber Sandgrube wurde entsprochen Für ben freigewordenen Posten des Schuldieners liegen 33 Bewerbungen vor. Eine Kommission von fünf Mitgliedern des Demeindevorstandes soll dem Gemeinderat demnächst Vorschläge machen, damit in geheimer Abstimmung über die Vergebung der Stelle entschieden werden tarn.


