Nr. 182 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)Mittwoch, 6. August 1950
Aus dem Reiche der Krau.
anderen Pilzart. da sie sonst leicht zu streng schmecken. Das gleiche gilt von Morcheln. Hat man selber gesammelt, so kann man unbedenklich alle in den gleichen Tops tun.
Frische Morcheln schmecken sehr gut gemischt mit einem sogenannten Leipziger Allerlei: Erbsen, Karotten, Epargelstücken. Die Pilze werden erst fertig geschmort und dann mit den anderen Gemüsen vermischt.
Gebackene Ehampignons. An die weichgcschmorten Champignons gibt man 3 Eß- löffel feingewiegte Petersilie daran, ferner 3 geriebene Zwiebeln, 3 Eßlöffel Semmelmehl, 1 $ Tasse zerlassene Butter, etwas Salz und ein wenig gestoßenen Pfeffer. Man gibt die gut verrührte Masse in eine feuerfeste Form, tut 2 Eß- löffel saure Sahne darüber und bäckt sie 1 2 Stunde im heißen Ofen, worauf man das Gericht Heist zu Tisch bringt.
Gedämpfte Trüffeln. Die gut abgebürsteten Trüffeln werden mit ein wenig Wasser, in dem man zwei Maggi-Fleischbrühwürfel aufgelöst hat, und so viel Rotwein, daß sie gerade bedeckt sind, auf ein gelindes Feuer gesetzt. Man gibt einige Gewürzkörner, ein paar Delken, Salz, ein wenig frische Butter und ein paar Zitronen-
fcheiben daran und läßt die Trüffeln abtrvpfen und richtet sic recht Heist an. Sie werden mit frischer Butter als Vorspeise zu Tisch gegeben. Die Sehe wird zu Rinderfilet oder Wildbraten gereicht.
Gin Pilzpudding wird bereitet, indem man eine feuerfeste Form zunächst mit dünnen Speckscheiben auslcgt und darauf eine fingerdicke Schicht Brotkrumen hincingibt. Darauf folgt eine Schicht beliebiger, in Butler geschmorter Pilze, die man mit Salz, gemahlenem Pfeffer, geriebener Zwiebel und feingcwicgter Petersilie bestreut und mit zerlassener Butter beträufelt. Darauf folgt wieder eine Drotschicht, und so immer abwechselnd, bis die Form gefüllt ist. Die oberste Lage must eine Drotschicht sein, die mit Butter betäufelt wird. Die Form wird zugedeckt und etwa eine Stunde in mastig warmem Ofen gebacken 3n der letzten Viertelstunde muh man den Deckel abnehmen, damit der Pudding eine Ärufte bekommt. Wird Heist zu Tisch gegeben. als Dor- oder Zwischengericht.
Pilze soll man am besten nur in der eigen tlichen Pilzzeit effen, da sie durch Trocknen sehr viel von ihrem natürlichen Wohlgeschmack verlieren.
Ein erster Blick hinter die Kulissen der Herbstmode.
Evaö Augustbesuch in Paris.
Viermal im Jahr fahren die führenden deutschen Modekünstler nach Paris. 3m Frühjahr lassen sie sich für die Sommerkollektion anregen, im Sommer werden ihnen Herbstmodelle vorgeführt, im Herbst heißt es. neue 3deen für die Winterkleider ju bekommen, wobei die großen Abendkleider die meiste Aufmerksamkeit beanspruchen und im Winter zerbrechen sie sich den Kopf darüber, wie sie die Frauen im Frühjahr anziehen werden. Sie sehen ihn nicht, den Glanz dieser herrlichen Stadt, nicht die grandiosen Fassaden längs der prächtigen Avenuen, nicht die breiten Boulevards mit den Tag und Dacht hell erleuchteten Fenstern, nicht die verführerischsten Auslagen und kaum die Konkurrenz, die gleichfalls Paris nach neuen Tips absucht. Sie sehen bloß Biesen, Bkenden, neue Stoffmuster, eine noch nie dagewesene Form eines weißen Rips- krägelchens, der die Trägerin garantiert zcktn mitleiderregenden Waisenkind stempelt, Glocken- und Faltenpartien, Ansteckblumen, Schmucknadeln (das Allerneueste darin sind „Klemmer", Agraffen aus glitzernden, mehr oder minder echten Steinen, die. ohne Dadel gearbeitet, je nach Bedarf an den Hut oder den Kleiderausschnitt bloß angeklemmt werden) und raufen sich im übrigen die Haare einzeln nacheinander aus. wenn sie die Preise, der Modelle erfahren. 800 bis 1000 Mark kostet ein in einem ersten französischen Modellhaus entworfenes Kleid, das ihnen dann zu Hause Anregung für zwanzig andere bieten muß, damit der hohe Anschaffungspreis sich lohnt.
Dann kommt die Heimkehr mit den kostbaren Schätzen, die zuerst bloß ehrfürchtig von weitem betrachtet werden, wie wenn man etwa einen neuen Verwandten auch erst einmal aus der Feme anguckt, ehe man sich mit ihm anfreundet. Bis man sich allmählich mit der besonderen Dote der neuen Kleider vertraut gemacht und sie so genau nach jeder Richtung hin untersucht hat, daß ein fröhliches Kopieren beginnen kann. Auf der 3agd nach Erfolg wird dann eine reizvolle Linie häufig genug so unendlich oft abgctoanbelt, daß man sie in einen unverdient frühen Tod hineinheht, denn durch nichts wird der Wert
eines Einfalls schneller herabgesetzt, als durch ein zu häufiges Erscheinen. Das ist bei den Kleidern wie bei den Frauen: die am seltensten zu sehen sind, sind die Begehrtesten.
Während wir jetzt mit Hilfe von Georgette, Rohseide und pastellsarbenem Crepe de Chine mit aller Gewalt einen Sommer vortäuschen, der in Wahrheit noch nicht viel von uns wissen wollte, ist in den Modellhäusern He r b st. Da werden die Kleider zusammengestellt, die uns bei der Rückkehr aus der Sommerfrische darüber trösten sollen, daß eine schöne Zeit mal wieder vorbei ist. Cs liegt in der Datur der Sache, dieweil die Herbstsaison in der ^lebergangszeit liegt, daß dafür vor allem kleine Kleider für den Vormittag angefertigt werden, die nach wie vor sportlich und kurz sind. Der Rocksaum reicht etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter übers Knie. Beine werden also getragen und auch dabei heißt es nach wie vor: je schlanker und länger desto besser! Das dreiteilige Com- p l e t für den Vormittag aus gewirktem Wollstoff, der wie Tweed aussieht, aber viel weicher ist, wird, wenn die Jackenkleider unterwegs abgenutzt sein werden und eine kühle Witterung das Tragen von leichten Sommerkleidern verbietet, Favorit der praktischen Frau werden, die bei der Tätigkeit im Haushalt und bei Besorgungen in der Stadt fein allzu empfindliches Kleid haben darf und trotzdem immer gut angezogen wirken will. Eine amüsante neue Farbenzusammenstellung ist braun und türkis. Zu einem braunen Rock mit abgesteppten Falten ein türkisfarbenes Eisteckblüschen, darüber eine braune Jacke auf zwei Knöpfen, eng um die Hüften gezogen, ein braun und türkis gestreifter Schal für den Hals und eine braune Kappe mit winziger rechtsseitlicher Bandschleifengarnitur, das linke Ohr frei lassend, dafür auf der anderen Seite bis zum Halswirbel heruntergezogen, das ist ein idealer Dormittagsanzug. Auch das Ka - sackkleid wird wieder zu sehen fein, nachdem es eine Weile von der Bildfläche verschwunden war, jedoch so gearbeitet, daß es aussieht, als wäre es aus einem Stück, denn der Kasack liegt so eng wie ein Pullover auf dem Rock.
pilzgenchie.
Don Ilse Wiebemann.
Dom Frühling bis in den Spätherbst wird unsere Küche durch eine angenehme Zutat bereichert: durch die Pilze, die entweder mit Fleisch zusammen jubereitet werden oder uns auch das Fleisch ersetzen können. Wo man die Möglichkeit hat, Pilze selber zu sammeln, sollte man es nicht versäumen, denn es macht unerrdlich viel Freude, den Wald zu durchstreifen und köstlich duftende Pilze einzubringen. Datürlich muh man beim Sammeln vorsichtig fein, doch wird man ja die wenigen wirklich giftigen Pilze rasch herauskennen. Anfänger im Pilzsammeln sollen natürlich nur die Pilze sammeln, die sie wirklich kennen und sich nicht auf Experimente einlassen. Wer sich nicht heranwagt, soll die Pilze auf den Märkten kaufen: sie sind ja glücklicherweise nicht allzu teuer. Beim Putzen der Pilze muß man all die Pilze entfernen, die irgendwie wässerig, schwammig, weich, angefault und von Maden zerfressen sind. Solche Pilze sind mindestens ebenso schädlich. wie die eigentlichen Giftpilze, und manche Pilzvergiftung ist nur darauf zurückzuführen, daß die Hausfrau bei der Zubereitung nicht sorglich genug zu Werke gegangen ist. Man muß jeden Pilz der Länge nach durchschneiden, damit man sieht, ob er innen wirklich fest und unversehrt ist. Beim Putzen entfernt man durch Schaben allen Schmutz und wäscht die Pilze dann so lange in klarem Wasser, bis kein Sand mehr in dem Gesäß bleibt. Dann gibt man sie zum Abtropfen auf ein Sieb, Trüffeln muß man mit einer Bürste im Wasser sauber bürsten: sie werden nicht geschabt.
Die Zubereitungsweise von Pilzgemüse ist höchst einfach. Man tut die vorbereiteten Pilze in zerlassene Butter und schmort sie, nachdem man sie mit etwas Salz bestreut hat, in geschlossenem Topf weich. Manche lieben es, sie hinterher mit ein wenig feingehackter Petersilie zu überstäuben, nötig ist das aber nicht: es kommt auf den persönlichen Geschmack an. Ganz falsch ist es, die Pilze in Wasser gar zu kochen, wie cs noch vielsach aus Unkenntnis üblich ist. Die Pilze werden nur hart und ledern dadurch, und es ist zur Bereitung viel längere Zeit erforderlich, als wenn man sie nur in Butter weich schmort. Es lohnt sich, einen Vergleich anzustellen. Die mit Butter weichgeschmorten und mit Maggiwürze vollendeten Pilze kann man nun entweder als Gemüse zu Fleisch verzehren, oder man kann Frikassees und Ragouts aller möglichen Art beimischen. Auch zu Soßen sind sie gut verwendbar. Eine Fischsoße mit Champignons oder Steinpilzen ist von großem Wohlgeschmack.
®aiu vorzüglich ist eine Omelette mit Pilzfüllung. Man rührt einen einfachen, nicht gesüßten Cierkuchenteig an, gibt einen Löffel davon in eine Pfanne mit heißem Fett, läßt ihn gut zerlaufen und belegt ihn, sobald er erstarrt ist, mit einer Lage geschmorter Pilze. Dann gibt man eine zweite Teigschicht darüber, wartet, bis auch diese leicht angebacken ist, wendet die Omelette und backt sie fertig. Erleichtern kann man sich die Herstellung, indem man kleine Pilzbeignets backt, die also nicht die ganze Pfanne cinnehmen, sondern nur fo groß sind wie etwa Apsclbeignets: sie lassen sich besser umkehren und werden leichter gar. Diese Pilzbeignets sind als Beilage zu Braten sehr beliebt, können aber auch als Zwischengericht gereicht werden.
Champignons, Steinpilze und die gelben Pfifferlinge toirb man wohl immer allein für sich bereiten, da der Wohlgeschmack jeder einzelnen Art durch Zusatz anderer Pilze geschädigt würde. Hat man aber andere Pilze, etwa Birkenpilze, Grünlinge, Reizker, Rehpilze und dergleichen, so soll man sie am besten mischen. Besonders Rehpilze bedürfen eigentlich der Mischung mit einer
Müssen Mütter einsam werden? I
Don Johanna Meyer.
In einem alten Laienbrevier stehen die Worte: „(Bel)' fleißig um mit deinen Kindern, habe sie Tag und Nacht um dich und liebe sie, und laß' dich lieben — einzig schone Jahre".
Es gibt kein Rezept zum Glücklichfein mit unseren Kindern. Aber diese Worte umschließen doch unendlich Bieies, was über den Zusammenhang Mutter — Kind zu sagen ist, ein Zusammenhang, dcr uns zu der zeitgemäßen Frage kommen läßt: Müssen Mütter einsam werden?
Ein Hauptfaktor unserer Erziehung und Der- bundenheit ist gemeinsame Fröhlichkeit. Denn allerfrüheste Kindhcitseindrücke hasten, geben Verbindungen für fpäter, dort, wo man den Ursprung vielleicht selbst längst vergessen hat. Schon beim kleinen Kinde darf uns nichts zu klein erscheinen, um es nicht zu werten. Der Schmerz, den das Kind um einen verlorenen Ball empfindet, ist nur klein, mit unserem Maßstab gemessen. Hier schon senken wir überall feinste Wurzelfäserchen in den weichen Boden. Unzählbar viel Samenkörner Liebe muß die Mutter ausstreuen, damit einige davon Frucht tragen, denn viele werden vom Wind fort» geweht, viele bringen nicht tief genug ein, und viele erstarren später, wenn sie sich ans Licht wagen.
Eine allzu lange Bevormundung, auch in Aeußerlichkeiten, sollte vermieden werden. Ein immerwährendes: „Du sollst das nicht tun!" „Hast du das schon erledigt?" stumpft entschieden ab und kann schon früh eine Entfremdung zwischen Mutter und Kind herbeisühren. Man soll sich nicht durch Schelten um Vergänglichkeiten vielleicht um die Frucht seines Lebens bringen. Man sollte nie Dinge zu Wichtigkeiten anwachsen lassen. Suchen wir doch einmal in unseren eigenen Erinnerungen, was von Kindheitseindrücken, in gutem und in schlechtem Sinne, am tiefsten haftengeblieben ist.
Es ist auch nicht gut, häufig zu sagen: „Zu unserer Zeit". Wir leben nicht mehr zu unserer Zeit. Wir leben in der Zeit unserer Kinder. Der alte Fontane sprach das weise Wort: „Sie beherrschen die Szene, sie sind dran".
Viele Mütter gibt es, die mit ihren kleinen Kindern klein zu sein verstehen und die versagen, wenn es heißt, mit ihnen groß zu werden. Es ist sehr schwer, die Entwicklungsstufen der Kinder zu erfüllen, sich zart einem neuen Lebensbezirk einzu
schmiegen. Tun wir dies aber nicht, dann entgleiten die Kinder den Müttern auf dem Wege von der einen zur anderen Stufe. Wir verstehen das Kleinkind, wenn es noch nicht sprechen kann, und wir müssen lernen, das große zu verstehen, wenn es nicht sprechen will. Ich glaube, das Geheimnis dieser schweren Uebergangszeit für die Mutter heißt: Hineinlauschen und ... schweigen können. Die Harmonie und die Disharmonie zwischen Mut» ter und Kind im Entwicklungsalter führt zu einschneidendsten Entscheidungen. Es eröffnet sich gerade hier eine Fülle von Konflikten, deren jeder die Möglichkeit der verstärkten Bindung, deren jeder aber auch die Möglichkeit der Vereinsamung für die Mutter in sich birgt. Einige dieser Konflikte sind: Schule, Freizeit, Freundschaft, Politik, Religion, Sexualität, Familie, Lebensauffassung im allgemeinen.
Viele Jahre hindurch bildet die Schule die Welt des Kindes. Hört geduldig alle Schulgeschichten mit an, auch wenn sie euch langweilig sind. All dieses Miterleben sind Tore, durch die wir Mütter schreiten, oder die sich vor uns schließen, so daß wir draußen stehen bei weiterem Erleben von Jugend und Reifezeit. Nimm dir die Zeit für die augenblicklichen Neigungen, selbst für die Schwächen deines Kindes. Diese Interessen und Neigungen wechseln noch sehr häufig. Nimm Anteil an ihnen. Laß nicht das traurige Wort wahr werden: „Gegenwart ist, nie Zeit haben". .
Von großem Wert ist es, wenn sich de r Bildungsgang der Mutter dem der Kinder frei einzuschalten vermag. Auch darin muß die Mutter mit ihren Kindern wachsen. In Religion und Politik durchschreitet das Entwicklungsalter oft krasse Gegensätze, die noch nicht Entscheidungen sind. Wir dürfen auch nicht Vorwürfe aus Lebensäußerungen machen, die ein Produkt der Zeit find. Nachkriegszeit, Wohnungsnot, Wirtschaftskrise, Konkurrenzkampf schufen und erfordern klare, kühle Menschen, die sich ihres Wertes bewußt sind und ohne ein gewisses Maß von Rücksichtslosigkeit einfach nicht existieren können: das Tempo der Generationen mußte ein anderes werden. So vollzieht sich auch das Ueberfchreiten, bas Dergessen- roerben schneller. Auch bies müssen wir begreifen: Die Tenbenz ber neuen Generation heißt: Kollektivismus, nicht mehr Jnbivibualismus. Die heutige Zeit fordert in hohem Maße Aktivität. Das Mutterwort „Aufopferung" wird später nicht selten vom Kinde durch das Wort „Schwäche" ersetzt.
Vor dem noch nicht voll erwachsenen Kinde dürfen keinesfalls Unstimmigkeiten ernster Art zwischen den Eltern zum Austrag kommen. Eltern sollen dem Kinde verkörpern: Einigkeit, ruhige Ueberlegenheit und Klarheit. Die Eltern sollten nicht in Gegenwart anderer erziehen. Aber die Mutter muß sich auch so weit bezwingen, nicht in Gegenwart anderer allzu zärtlich zu sein. Jedes Ucbermaß kann zu einer merkbaren Entfremdung führen. Tiefstes Verbundensein gehört dazu, um in entscheidenden Jahren das Vertrauen für eine sexuelle Aufklärung zu erwerben und zu erhalten. Die Zeit des heranreifenden Kindes ist diejenige, in der wir beginnen, Mensch zu Mensch zu stehen, in der die Mutter sich auch bewußt einmal ihres Heiligenscheins entkleiden und sagen soll: „Das und das habe auch ich falsch gemacht. Komm zu mir in deiner Not. Not ist noch kein Fehl".
Und wie ist es, wenn eine Mutter eine neue Lebensbindung eingeht? Dem berechtigten Egoismus der Jugend bleibt es zunächst unfaßbar, daß die Mutter ein Recht haben soll, sich noch einmal — selbst nach dem Tode des Vaters — ein neues, eigenes Leben aufzubauen. Und dennoch muß betont werden, daß eine Mutter nicht lediglich Bindeglied zwischen zwei Generationen ist. Sie ist ein Mensch, von dessen innerstem und eigenstem Leben wir viel weniger wissen, als von vielen fremden.
Ein besonderes Kapitel innerhalb der Familienbeziehungen ist die Einstellung ber verhältnismäßig jungen Mutter zur Heranwachsenden Tochter. Diese Mutter muß es lernen, geschickt in ein anderes Rollenfach überzugehen. Verwog sie das nicht, so kann in diesem Mangel an Einsicht häufig der Grund einer einschneidenden Entfremdung gesucht werden. Und noch eine Schwierigkeit will ich streifen, deren Gestaltung unsere Lebenskunst erweisen muß: das Verhalten beiderEhewahlder Kinder. Wiederum eine Gefahr, einfam zu werden, aber nicht eine unbedingte Notwendigkeit, einsam toyben zu müssen Die erniebrigenbe und alberne Verspottung ber Schwiegermutter liegt einige Jahrzehnte zurück. Schwiegermutter zu sein, kann jebesmal zum Motiv einer seelischen Tragödie werden. Umschiffe diese, vielleicht allerschwerste Klippe ber Einsamkeit mit aller Güte, Klugheit unb Geschicklichkeit beiner Lebenserfahrung! Auch Großmutter zu sein ist in bieser Zeit ber Probleme eine sehr viel schwerere Aufgabe, als zur Zeit, ba man frieblich auf einem Lehnstuhl sitzen unb seinen Enkeln Märchen erzählen durfte.
Gürtel in Taillenhöhe. und al- Verzierung wird in Ablösung deS ewigen Krageneinerleis e i n spitzer Ausschnitt Schule machen, um den ringsherum Wollblätter aus dem Stoff des Kleides, immer eins über- andere, gelegt waren. Das ist mal etwa- DeueS. flattert fo luftig und trägt bei weichem Material gewiß nicht unvorteilhaft auf.
$ür Küche unb Haus.
Aromatischer Frucht ja ft.
Don der Saftgewinnung durch AuSkochen dec Früchte ist man in Erkenntnis dessen, daß dadurch Aroma und lebenswichtige Stosse des Obstes verloren gehen, abgekommen. Entsprechend der Umwandlung der gesamten Speilczubercitung von Kochen in Dünsten, wird der Saft heute auch den Früchten durch Dünsten entzogen. Zu diesem Zweck sind verschiedene Apparate für den Haushalt auf den Markt gebracht worden, die. mit Sieb und Tülle versehen, den Saft flalchensertig liefern. Wem die Anschaffung eines solchen Apparates aber zu kostspielig ist, der kann sich mit vorhandenen Geräten helfen. Man wählt zwei aufeinander passende Kochtöpfe, tut in den unteren Wasser und schichtet in den oberen Fruchtfleisch und Zucker lagenweise ein. Das Wasser wird erhitzt, und der Dampf zieht au- dem darüber stehenden Obst den Saft. Geben die Früchte keinen Saft mehr her, gibt man den 3nhalt deS oberen Topfes auf ein Tuch, das man an den» vier Beinen eines umgekehrten Stuhles befestigt hat, und läßt den Saft über Dacht in ein daruntergestelltes Porzellan- ober Steingesäß tropfen. Zur Bereitung von Gelees kann das gleiche Derfahren angewandt werden, man gibt bann Zucker und Früchte zu gleichen Teilen zum Dün- sten. 3n beiden Fällen wird den Produkten das natürliche Aroma erhalten.
Wic bereitet man guten Tee?
Dor allem schaltet man jegliches Metall habet aus! Um das feine Aroma der Teeblätter zu erhalten und zu pflegen, verwende man nur Porzellan oder Steingut für die Bereitung einer guten Tasse Tee. Am besten schüttet man bie Menge der Blätter (auf zwei Tassen einen Kaffeelöffel) in die Porzellankanne, die an warmer Stelle ausgestellt wird, bis das Wasser kocht. Aber es muh wirklich kochen, es darf nicht nur sieden, sonst wird der Geschmack des Tees ganz erheblich beeinflußt. Beim Aufgießen lasse man das Wasser kreisrund in die Kanne sprudeln, schütte es nicht zu temperamentvoll über. Dann wird die Teekanne zugedeckt und fünf Minuten warm gestellt. Erst dann ist das Getränk trink- fertig und wird sofort serviert, wobei zu beachten ist, daß die hohe Temperatur durch einen Wärmer erhalten werden muß, um ein tadelloses Aroma zu bewahren. Wird der 'Tee schnell getarnten, so läßt man die Teeblätter in der Teekanne, die ja mit einem Sieb versehen ist und« die Blätter nicht hindurch läßt. 3m anderen Falle nimmt man sie besser heraus, weil der Geschmack sonst zu streng wird. Tee ist ein köstliches Genuß- und Crwärmungsmittel, schasst geistige und körperliche Erfrischung und sollte darum immer „mit Liebe" bereitet werden.
Rezepte.
Kartoffelpudding.
Zwei Tassen geriebene Semmel übergießt man mit reichlich einem Viertel Liter lauwarmem Wasser und läßt die Semmel weichen. 3n* zwischen reibt man 400 Gramm am Tage vorher abgekochte Kartosseln, gibt diese zu der geweichten Semmel, ferner anderthalb Eßlöffel Kartoffelmehl, 90 Gramm gehackte Zwiebeln, 75 Gramm zerlassene Butter oder Margarine, eine Prise geriebene Muskatnuß und das nötige Salz. Alle-
Als einen Kernpunkt unserer Betrachtung möchte ich noch die Ausfüllung der Freizeit nennen. Gewiß bleibt gemeinsames Lesen, Reisen, Lernen, praktische Arbeit tun, ein Ideal für die Mutter. Aber auch früh schon sollte sich eine Frau das Recht nehmen, ihren eigenen Interessen, abgesondert von denen ihres Mannes, und ihrer Kinder, einen Teil ihrer Zeit zu bewahren. Dies ist ein wichtiges Reservat für die zwangsläufig kommenden Stunden des Alleinseins. Wir sind nicht mehr Mütter völliger Entsagung. Liegen keine Berufspflichten, keine besonders starken Kunstneigungen vor, dann muß eine Frau dorthin gehen, wo sich auch die Mütterlichkeit der unverheirateten oder der kinderlosen Frau auswirken kann: in die Sozi a l a r b e i t. Ein Handeln der Gesamtarbeit für die Gesamtheit trägt zur tiefsten eigenen Bereicherung bei. Man empfangt immer mehr, als man gibt. Hierin liegt unbedingte Sicherheit, nie einsam zu werden, hier wird man immer gebraucht. Hier findet auch die Mutter ein Feld der Betätigung, die das Schicksal ihres eigensten Lebensinhaltes beraubt hat. Nach dem Tode ihres über alles auf Erden geliebten Stiefsohnes schreibt Henriette Feuerbach an eine Freundin: „Ein, ist mir geblieben: die Fähigkeit, der Lebensberechtigung derer, die ich liebe, mich zu freuen. Das ist für den Rest meines Lebens der Anteil am Leben". Sie war eine Frau, die das Höchste zur Wahrheit werden ließ: dankbar für genossenes Glück zu bleiben. Schon Jahre vorher hatte sie empfunden, daß räumliche Trennung durchaus nicht zu Entfremdung und Einsamkeit führen muß, daß Briefe sogar manchmal näherbringen können, als eine mündliche Aussprache.
Das bleibt ja das Wesen des Mutterglückes: sein Bestes hingeben an ein Zweites. Immer eine Brücke zur Heimkehr bilden. Immer bereit sein. Unsere Hände wie Schalen offen zuhalten, auf daß Freuden und Schmerzen hineingeschüttet werden können. Jede Verbitterung macht einsam. Jedes Ausströmen von Liebe macht reich. Es gibt so viele Kinder — kleine Kinder und große Kinder —, die der mütterlichen Seele einer Frau bedürfen. Und, wie bei jeder großen Liebe, so auch in der Liebe zu unseren Hindern, müssen wir Frauen so viel Reichtum, Schönheit, Erinnerung und Verwurzelung in uns tragen, daß wir ... auch getrennt und vielleicht verlassen ... nie ganz arm, nie innerlich einsam werden können!


