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Sparsamkeit im Deutschen Reich selbst, na­mentlich in der Verwaltung, müsse angewandt werden. Das (Desamtausgabevolumen Deutsch­lands müsse ün Ganzen betrachtet werden, nicht getrennt noA Reich, Ländern und Gemeinden, da dadurch rin falsches Bild entstehe. Die große Masse trage den Aauptanteil an direkten und indirekten Steuern.

Anschließend wurde '253. Kalb futz als erster Vorsitzender etnstinnnig wiedergewählt. Den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr erstattet« Syndikus Dr. A. Mößner. Die Dechnungsablegung, die einen kleinen äleberschuh ergab, wurde einstimmig genehmigt. Rach einem gemeinsamen Mittagessen fand nach­mittags die Generalversammlung des Glasver­sicherungsvereins des hessischen Einzelhandels

A.--G. und anschließend die Mitgliederversamm­lung des Dezirksvereins Freistaat Hessen im Reichsbund des Textilhandels e. V. statt. 3n beiden Veranstaltungen wurden lediglich interne Fragen behandelt.

Date« für Mittwoch, 7. Mai.

Sonnenaufgang 4.24 Uhr, Sonnenuntergang 19.30 Uhr. Mondausgang 12.58 Uhr, Monduntergang 2.47 Uhr.

1833: der Komponist Johannes Brahms in Ham­burg geboren; 1840: der russische Komponist Pe- ter Tschaikowsky in Wotkinsk geboren; 1880: der französische Schriftsteller Gustav Flaubett in Croisset bei Rouen gestorben; 1919: der Vertrag von Ver­sailles.

Tumen, Sport und Spiel.

Erste leichtathletische Krauen- wettkämpfe.

Leichtathletik auf dem Waldsportplatz des B. f. B.

Mit dem überaus günstigen Wetter am Sonntag war die erste Voraussetzung für das Gelingen die­ser für Gießen neuen Veranstaltung gegeben. Die Beteiligung war sehr stark, eine um so erfreulichere Tatsac^, da es die erste Veranstaltung dieser Art auf dem Waldsportplatz^ war. Daß auch der Män­nerturnverein Gießen startete, verdient obgleich schon in der Vorschau erwähnt noch­mals unterstrichen und anerkannt zu werden, der damit den Einigungsgedanken der D.T., D.S.B. und des D.F.B. als erster in die Tat um­setzte. Es standen in Gießen zum erstenmal Tur­nerinnen und Sportlerinnen im fried­lichen Wettkampf nebeneinander, ein Moment, das der ganzen Veranstaltung ein besonderes Gepräge gab und für die künftige Gestaltung und Entwick­lung des Gießener Turn- und Sportbetttebs von Bedeutung ist, was nicht zuletzt auch ein Verdienst des einladenden Vereins ist. Dank gründlicher Vor­bereitung und Organisation wickelten sich die Kon­kurrenzen flott und reibungslos ab. Nachstehend die

Ergebnisse.

50-Meter-Lauf, Frauen: 1. Schmitt, I. G. Sporto. Frankfurt 7,2 Sek.; 2. Else Schmidt, I. G. Sp.V. Frankfurt 7,4 Sek.; 3. Weil, J.G.Sp.V. Frankfurt 7,5 Sekunden.

100-Meter-Lauf, Frauen: 1.Siebert, I. G. Sp.V. Frankfutt 13,4 Sek.; 2. L. Schmitt, I. G. Sp.V. Frankfurt 13,5 Sek.; 3. E. Schmidt, I. G. Sp.V. Frankfurt 14,8 Sekunden.

800-Meter-Lauf, Frauen: 1. Pfaff, V.f.L. Wetzlar 2:56,4 Min.; 2. Etzelmüller, V.f.B. 08 Gießen 2:58,5 Min.; 3. Fr. Müller, V.f.B. 08 Gießen.

Hochsprung, Frauen: 1. Bickelhaupt, Mtv. Gießen 1,44 m; 2. Siebert, J.G.Sp.V. Frank- futt 1,39 m; 3. Wendels, K.B.C. Köln 1,36)4 m.

Kugel, Frauen: 1. Siebert, J.G.Sp.V. Frankfutt 10,71 m; 2. Wendels, K.B.C. Köln 9,44 m;

3. Bickelhaupt, Mtv. Gießen 9,39 m.

Diskus, Frauen: 1. L-. Schmitt, I. G. Sp.V. Frankfurt 25,30 m; 2. Luh, D.s.B. 08 Gießen . 23,80 m; 3. Frey, V.f.L. Wetzlar 23,30 m.

Speer, Frauen: 1. Siebert, J.G.Sp.V. Frankfurt 29,34 m; 2. Schmitt, I. G.Sp.V. Frank­futt 28,02 w; 3. Hollmann, V.f.L. Wetzlar 25 m.

Dreikamof, Frauen (100 m, Kugelstoßen, Hochsprung): 1. Siebert, I. G. Sp.V. Frankfurt 97 P.: 2. Bickelhaupt, Mtv. Gießen 77 P.; 3. Wen­dels, K.B.C. Köln 72 P.

4X100-Meter-Lauf, Frauen: 1. M tv. Gießen 56,2 Sek.; 2. I. G. Sp.V. Frankfurt erste

Drannschaft 58,6 Sek.; 3. I. G. Sp.V. Frankfurt zweite Mannschaft 59 Sekunden.

50-Meter-Lauf, Jugendklasse A: 1. Schneider, I. G. Sp.V. Frankfutt 7,9 Sek.; 2. Fischer, V.f.B. 08 Gießen 8 Sek.; 3. M. Müller, V.f.B. 08 Gießen 8,2 Sekunden.

200-Meter-Lauf, Jugendklasse A: 1. Dömeland, I. G. Sp.V. Frankfutt 32,4 Sek.; 2. M. Müller, V.fB. 08 Gießen 33,1 Sek.; 3. Schnei­der, I. G. Sp.V. Frankfutt 33,5 Sekunden.

Hochsprung, Jugendklasse A: 1. Kuh n, V.f.L. Wetzlar 1,26 m; 2. Fr. Fischer, V.f.B. 08 Gie­ßen 1,24 m; 3. Dömeland, I. G. Sp.V. Frankfurt 1,19 in.

Weitsprung, I u g e n d kla ss e A: l.Kuhn, V.f.L. Wetzlar 4,21 m; 2. Schneider, I. G. Sp.V. Frankfurt 4,06 m; 3. Heß, Mtv. Gießen 3,81 m.

Kugel, Jugendklasse A: 1. Kuhn, V.f.L. Wetzlar 8,50 m; 2. Dömeland, I. G. Sp.V. Frank­furt 8,29 m; 3. Fischer, V.f.B. 08 Gießen 7,42 m.

Dreikampf, Jugendklasse A (50 m, Kugelstoßen, Hochsprung): 1. Schneider, I. G. Sp.V. Frankfurt 52 P.; 2. Kuhn, V.f.L. Wetzlar und Fischer, V.f.B. 08 Gießen 44 P.; 3. Dömeland, I. G. Sp.V. Frankfutt 42 P.

4X50-Meter-Lauf, Jugendklasse A: 1. Mtv. Gießen 30,7 Sek.; 2. Sp.Vgg. 1900 Gießen 30,8 Sek.; 3. V.f.L. Wetzlar 30,8 Sek. (Hand­breite zurück).

50-Meter-Lauf, Jugendklasse B: 1. Röhmig, Mtv. Gießen 7,5 Sek.; 2. Lösch, Sp.­Vgg. 1900 Gießen 7,6 Sek.; 3. Mätschke, V.f.L. Wetz­lar 7,8 Sekunden.

Weitsprung aus dem Stand, Jugend­klasse B: 1. Röhmig, Mtv. Gießen 2,32 m; 2. Lösch, Sp.Vgg. 1900 Gießen 2,07 m; 3. Eichhammer, I. G. Sp.V. Frankfurt 2,04 m.

Ballweitwerfen, Jugendklasse B: 1. R ö hmig , Mtv. Gießen 46,49 m; 2. Schmidt, Mtv. Gießen 46 m; 3. Lösch, Sp.Vgg. 1900 Gießen, 44,91 m.

Dreikampf, Jugendklasse B (Ballweit, Weitsprung aus dem Stand, 50 m): 1. Röhmig, Mtv. Gießen 56 P.; 2. Lösch, Sp.Vgg. 1900 Gießen 42 P.; 3. Eichhammer, I. G. Sp.V. Frankfurt 21 P.

Gymnastik (einzel): 1. Frau Kömpel, Sp.Vgg. 1900 Gießen 36 P.; 2. Frau Fischer, V.f.B. 08 Gießen 35 P.; 3. Steuerwald, V.f.B. 08 Gießen 33 P.

D. f. B -Leichtathletik in Burg.

Die zu den leichtathletischen Wettkämpfen des Spiel- und Sportklubs 1921 Burg ent­sandten Gießener V. f. B.er brachten glänzende Erfolge mit zurück. Die Ergebnisse der von ihnen belegten Konkurrenzen waren folgende:

Dreikampf: 1. Mohl (V. f. B.), 116 Punkte; 2. Jakob (V. f. B.), 78 P.

400 Meter: 1. Büttner (V. f. B.), 55 Sek.;

2. Muller (V. f. B.); 3. Schäfer, Hernbornseelbach.

1500 Meter: 1. Heberling (Spo. Wetzlar) 4:21 Min.; 2. Paul (Spvg. 1900), 3:22,3 Min.; 3. Heise (V. f. B.).

Leichtathletik im M. T. V

Ebenso wacker wie die Turnerinnen des Mtv. bei den nationalen leichtathletischen Frauenwett- kämpfen auf dem Platze des V. f. B. schlugen sich die beiden Turner Hans Steines und Heinz Röt­st e r m e l, die den Mtv. bei dem kreisoffenen Sport­fest der Turngemeinde Frankfurt-Rödelheim ver­traten. Unter starker Konkurrenz bei einer Teil­nehmerzahl von über 400 Mitbewerbern errang Turner H. Steines mit der sehr beachtlichen Lei­stung von 3,30 Meter im Stabhochsprung einen über­legenen ersten Sieg, außerdem wurde er im Drei­kampf Vierter. Heinz Rothermel wurde unter nahezu 60 Teilnehmern im Dreikampf erster Sieger und wurde im Kugelstoßen ebenfalls Erster.

V. f. B.

Die Ligamannschaft hatte sich für vergange­nen Samstag die Liga des F. C. U n i o n N i e d e r - rad eingeladen. Daß sie gegen die als sehr spiel­stark bekannten Gäste nicht gewinnen konnte, war vorauszusehen und auch in der Freitagsoorschau schon gesagt. Trotzdem überraschte die Höhe der Nie­derlage. 1:9 ist ein Resultat, wie es V.f.B. lange nicht mehr hinnehmen mußte. Und doch braucht es nicht allzu tragisch genommen zu werden, denn das Beispiel vieler anderer, zum Teil sogar sehr guter Vereine, die ebenso und noch höher verloren, be­weist, daß derartige Ergebnisse durchaus nicht als ein Zeichen des Niedergangs bewertet werden müssen. Von der Platzmannschaft kann man natur­gemäß nicht das verlangen, was man von Niederrad, das selbst den Süddeutschen MeisterEintracht" Frankfurt schlagen konnte, zu sehen bekam. Das Spiel sollte ihr aber eindringlich gezeigt haben, woran es ihr gebricht. Wenn es für sie der Anstoß gewesen ist, die bestehenden Mängel durch intensives Training zu beheben, so sollte die Verpflichtung Unions und die von diesen ihr erteilte Lehre für sie von großem Nutzen sein.

Die Gäste machten ihrem Trainer Townley alle Ehre, und sie führten ein Spiel vor, wie man es seit Jahren oder vielleicht noch nie in Gießen zu sehen bekam. Mit wahrhaft spielender Leichtigkeit demonstrierten sie Fußballkunst fast in der Voll­endung. Am hervorragendsten war ihre schulmäßig genaue Kombination, die natürlich nur möglich ist bei einem so durchdachten Stellungsspiel, wie es ihr eigen ist. Was feder einzelne an technischen Fein­heiten, Lauf-, Start- und Schußvermögen zeigte, war geradezu virtuos. Die Einheimischen waren beim besten Willen dem hervorragenden Können des Geg­ners nicht im entferntesten gewachsen, beschränkten sich aber nicht auf die Abwehr, sondern versuchten, so gut es ging, das Spiel offenzuhalten. Daß sie mit zwei Mann Ersatz antreten mußten, war wohl ein Nachteil für sie, dürfte aber den Ausgang des Spiels nur wenig beeinflußt haben.

lieber den Verlauf des Spiels ist wenig zu sagen, da Union stets dominierend das Feld beherrschte. Schon drei Minuten nach Beginn fiel das erste Tor. Bei der Pause lautete das Resultat bereits 5:0. In der zweiten Halbzeit ließen die Gäste etwas nach, da sie sich wohl nicht weiter verausgaben wollten, erzielten aber doch noch vier Tore, denen V. f. B. nur eins entgegenstellen konnte. Der Kamps war fair. Schiedsrichter Spurt leitete einwandfrei.

*

Am Sonntag weilte die L i g a m a n n s ch a f t in Mudersbach, um der dortigen Germania ein Gesellschaftsspiel zu liefern. In Anbetracht der drei in der vergangenen Woche zum Teil sehr schweren Spiele wäre dieser Abschluß besser unter­blieben. Die Ermüdung der Spieler und mehrfacher Ersatz machten sich bemerkbar, so daß sie sich schließ­lich mit 3:6 geschlagen bekennen mußte.

Während die erste Jugendmannschaft trotz überlegenem Spiel gegen oie e r st e L i ch s nur 1

Konstanze.

Roman von Karl Heinz Doigt.

Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau.

4. Fottsetzung. Nachdruck verboten.

5/u hast eben selbst erklärt, das sei meine Sache."

Run, nun, versuchte der Oberst zu begütigen. »Du darfst nicht alles so genau nehmen..

Kind", schluchzte die Mutter,ich kenne dich gar nicht mehr wieder. Du bist so hart mit dir selbst, so verbittert."

Konstanze antwortete nicht. Mer je eindring­licher sie sah, mit welchem Unverständnis ihr die Eltern begegneten, desto stiller, eisiger und in sich verschlossener wurde sie.

Ich frage dich", klang ihres Vaters Stimme um vieles ruhiger an ihr Ohr.Was gedenkst Du denn nun zu tun? Hast du dir denn die Fol­gen deines Handelns überhaupt überlegt?"

Der Oberst versuchte in ihren Mienen zu lesen. Sehr bleich sah seine Tochter aus und er ge­wahrte, daß ihr Gesicht von Minute zu Mi­nute mehr verlief.Es ist das Antlitz einer unendlich schönen Toten", dachte Waldemar von Heisttttz und ein geheimes Mitleid für Konstanze schlich sich bei ihm ein.

Ich werde euch nicht zur Last fallen, flüsterte Konstanze. Sie hatte plötzlich ein Gefühl, als wanke her Boden unter ihren Füßen. Um alles in der Welt nicht schwach werden! Graue Re- bel schwammen vor ihren Augen. Eine törichte Schwäche. So etwas kommt meistens im un­gelegensten Moment. Sie horte wieder ihres Vaters Stimme wie aus weiter Feme:

Wozu also dieses Hin und Her, Konstanze? Immer quf geradem Wege bleiben!"

Ratürlich, Papa", gab sie mit dünnem 22cheln zu.Du hast ganz recht, immer auf ge­radem Wege... wenigstens, auf dem, der den Menschen der gerade Weg erscheint... wenn auch nur äußerlich, nicht wahr?"

Sie sah, wie ihr Vater etwas zu seiner Frau sagte, verstand aber die Worte nicht. Dann hörte sie den Oberst wieder zu ihr gewendet sagen:

Heute nachmittag kommen Ohlsens und deine Brüder, Konstanze. Das trifft sich ganz gut. Da können wir alles nochmals besprechen. Im übri­gen, weißt du, wir sind ja so halb und halb auf Ohlsens angewiesen. Ich hoffe, du wirst, wenn nicht auf den Rat deiner Eltern, doch auf den deiner Brüder hören, Kind."

Der hohe Familienrat!" dachte Konstanze und fühlte einen leisen Schwindel. Ratürlich vortrefflich! Jeder mußte seine Meinung zum besten geben. Bei jeder größeren Entscheidung trat die Familie zusammen. Das war Tradition bei den von Heisttttz.

Plötzlich flimmerte es vor Konstanzes Augen. Sie wankte. Ihre Mutter umfing sie.

Kind, Kind, was ist denn?" hörte sie aus un­gewissen Weiten ihre Mutter fragen.Du bist überanstrengt, Kind..

Frau von Heisttttz führte ihre bleiche Tochter ins Schlafzimmer, bettete sie auf das Sofa und ging still hinaus.

Keine Wärme ist in diesem Hause, empfand Konstanze in dumpfem Brüten. Sie sah eine grinsende Fratze auf sich zukommen. Sie ver­schwand. Run liegst du auf einem hohen, hohen Fels, Konstanze. Am Fuße schäumt das Meer. Kein Mensch kann zu dir Vorbringen, du bist verlassen, einsam. Rur ein paar Raub­vögel umkreisen dich, wollen sich dir nähern, dein Fleisch zu picken. Aber noch lebst du, des­halb wagen sie sich nicht heran. Roch lebst du. Oder fängt das Leben jetzt erst an?!

Rach Stunden tauchte Konstanze empor aus einem Strome des Vergessens. Es war ein Vergessen, dem nicht so bald das Erinnern folgte. Sie sah sich verwirrt im Zimmer um. Sie war ja im Elternhaus.

Aus den Rebenzimmern hörte sie Sttmmen- gewirr. Waren die Gäste da oder träumte sie noch immer? Wieder berfanf sie bei offenen Augen in eine seltsame Gedankenlethargie. Film­artig rollten sich dann bunte Bilder vor ihrem geistigen Auge ab.

Da wurde leise die Türe geöffnet. Frau Oberst von Heistritz trat behutsam ein. Als sie merkte, daß Konstanze wach fei, sagte sie zugleich mit einem Ton in der Stimme, der der alten Dame sonst nicht eigen war, und aus dem eine gewisse Geschäftigkeit und Wichtigkeit sprach:

Vor einer halben Stunde sind Ohlsens aus Eulenhorst angekommen. Auch Werner mit seiner Frau und Manfred und Felix sind da. Sie warten alle schon auf dich. Sie sind sehr neu­gierig, dich zu sehen. Papa hat bereits mit ihnen über deine Streiche gesprochen. Willst du nicht jetzt herübettommen?"

Konstanze war bereits wieder in der Wirklich« keit. Immer weiter entrückte ihr die Mutter, je mehr sie sprach. Das fühlte sie mit eindring­licher Schärfe.

Komm nur, drängte Frau Oberst von Heistritz wieder.Besonders Magda freut sich sehr, dich endlich einmal wiederzusehen."

Konstanze biß trotzig die Lippen zusammen. Sie wußte gut genug, daß ihre Schwester nur begierig war, sie zu sehen, weil es eine gewisse Sensation versprach, eineEhebrecherin" neu­gierig betrachten zu dürfen. Ha! Konstanze erhob sich und lachte auf, so daß ihre Mutter ein ganz erschrockenes Gesicht machte. Ha! Ruy sollte wohl die letzte große Demütigung kommen: Die Parade vor den lieben Verwandten. Unb toie die sich haben würden, alle miteinander! Sie sah schon jetzt im Geiste die sittlich ent­

rüsteten Gesichter ihrer Brüder. Gut! Auch das würde zu ertragen sein! Man mußte nur mit der nötigen Konsequenz feine Ansichten vertreten.

Frau von Heistritz war ihr behilflich, die Toilette zu ordnen. Konstanze richtete rasch vor dem hohen Spiegel mit wenigen Griffen ihr leicht in Unordnung geratenes schwarzes Haar. Unb wie Frau von Heisttttz jetzt das Spiegelbild ihrer Tochter in dem hohen Glase betrachtete, mußte sie sich sagen, daß diese Frau mit all ihrer herben Schönheit wohl dazu bestimmt sei, das Extremste im menschlichen Dasein zu erleben. Entweder das höchste Glück ober die schwerste Rot.

Ein weiches Gefühl beschlich die alte Dame. So hatte sie ausgesehen in ihrer Jugend. Es waren ihre Augen, ihre Gestalt und ihre durch­sichtige Haut. Rur den Charakter und den zähen unbeugsamen Willen schien Konstanze als be­sondere Gabe von der Ratur erhalten zu haben.

So, Mama", sagte Konstanze in resigniertem Tone unb ging mit ihrer Mutter hinüber in den Salon.

Schließe die Augen unb bewahre Mut, Kon­stanze, denn du gehst in den Rachen eines Löwen mit geifernden Lefzen unb giftigen Zähnen!

Wie durch einen Schleier gewahrte sie in dem Zimmer, das angefüllt war mit dem bläulichen Rauch guter Zigarren, einige Männer- unb zwei Frauengestalten. Sie fühlte Händebrücken, den Kuh ihrer Schwester Magda, hörte verlegenes Husten. Ein paar Worte der Begrüßung klangen wie aus anderen Welten an ihr Ohr.

Ist es nicht ein Spießrutenlaufen?" fragte sich Konstanze, indem sie durchaus beherrscht mit verbindlichem Lächeln die Begrühungsworte er­widerte.

Fragen schwirrten durcheinander, herkönunllche törichte Fragen und abgedroschene Redensarten. Dann entstand eine verlegene Pause.

Oberst Waldemar von Heistritz legte schließlich feine Zigarre auf den Rand des gläsernen Aschen­bechers unb begann mit seltsam heiserer Stimme unb mit einer gewissen Pose, die man sonst an ihm nicht kannte.

Ja, Konstante hat sich da leider eine sehr törichte Sache eingebrockt. Ra", setzte er mit erzwungenem Lächeln hinzu,sie wird ja ver­ständig genug sein, die Angelegenheit selber wie­der ins rechte Gleis zu bringen.

Konstanze gewahrte plötzlich, daß ihre Schwester Magda verweinte Augen hatte und sie wußte auch sofort, daß Magda wohl am meisten ihren Schritt verachte. Dm ihrer selbst willen, natürlich. Sie fürchtete sich sicherlich vor dem Klatsch, dem nun die Frau Baronin als Gutsherrin in Eulen- Horst ausgesetzt fein würde.

Der Oberst schwieg und betrachtete fragend seine Tochter, die den Kopf gesenkt, inmitten der Verwandten still und resigniert sah und einem

knapp mit 3:2 gewinnen konnte, verlor die dritte Jugend gegen die Schüler Garbenteichs überraschend mit 1:2.

Gpielvereinignng 1900 Gießen.

ö. Die ersatzgeschwächte Gießener Elf unter­lag am Sonntag dem technisch reiferen Spiel des Rhein-Main-Kreismeisters SportklubOpel" Rüsselsheim 1:6 (0:3). Bei 1900 konnten Adel­berger und Heilmann, wohl die Besten der Mann­schaft, nicht mit von der Partie fein, wodurch in erster Linie der blau-weißen Elf der Zusammenhang und die Schlagkraft genommen wurden. Aber auch die gesamte Mannschaft machte einen etwas müden Ein­druck. Es fehlte der Eifer und Siegeswillen, wie bei den letzten Spielen. Deprimierend wirkte wohl auch, daß der Gegner zu einigen recht glücklichen Treffern kam. während den Einheimischen bei gleichen An- lässen das Glück nicht hold war. Ds?-Torreigen der Gäste begann Mttte der ersten Halbzeit. Der dritte Treffer fiel aus einem Eckball, und mit diesem Stande wechselte man die Seiten. Bis dahin hatte Gießen noch einigermaßen Widerstand geleistet, ver­stärkte diesen nach dem Seitenwechsel eine Zeit lang erheblich und wurde offensiver, konnte aber keine der gebotenen Torgelegenheiten ausnutzen, nicht einmal ins leere Tor. In dieser Spielperiode tarnen dis Süddeutschen durch einen leichtsinnig verschuldeten Strafstoß ganz leicht zu einem vierten Treffer, da von den Gießenern niemand die Abwehr versuchte. Endlich brachte Z e i l e r nach Ueberfpielen mehrerer Gegner bas Ehrentor. Recht bdenklich wurde die Lage, als der Gießener Katz (linker Läufer) infolge Verletzung ausschied. Anfangs blieb zwar 1900 noch im Zug, dies änderte sich aber, als Rüsselsheim auf 5:1 erhöhte. Als dann auch noch Henrich und später Zeller aus unersichtlichen Gründen das Spielfeld verließen, blieb den übrigen acht Gießenern nichts übrig, als Zerstörungsfpiel zu treiben, um das Resultat zu halten. Nur noch einmal landete der Ball in den letzten zwanzig Spielminuten im Tor 1900s. Damit stand das Endresultat fest.

Opel" Rüsselsheim war sehr schnell unb hatte ein famoses Stellungsspiel. In dem schußgewaltigen Sturm überragten die Außenstürmer. Verblüffend sicher arbeiten die beiden Verteidiger mit ihren weiten Abschlägen. Dieser vorzüglich durchtrainierten Mannschaft kann man bestimmt die besten Chancen zum Aufstieg in die oberste Spielklasse geben. Schiedsrichter Philipp (Großen-Buseck) befrie­digte beide Patteien durch einwandfreie Spiel­leitung.

Der mit großer Verspätung antretenben Eh-i ringshäuser Liga unterlagen 1900s Reser­ven, bei denen man vieleAlte Herren" sah, mit 1:0. 1900 verschoß dabei einen Fouleismeter, sonst konnte die Partie remis stehen. Beiderseits wurde wenig geboten, da die Spielweise viel zu hoch war.

1. Jugend: Der Gegner, V. f. B. Fried­berg, war technisch den 1900 überlegen, die ein ausnahmsweise schwaches Treffen lieferten. Dom Stellungsspiel war selten etwas zu sehen, dazu ließ die Verbindung zwischen Läuferreihe und Sturm viel zu wünschen übrig. Der Friedberger Tormann gefiel am besten von den Spielern, er hielt die schwierigsten Bälle. Das Spiel endete 2:2.

1. Schü le r: Die kleinen Wetzlarer 2. Schü« l e r gaben sich alle Mühe, konnten aber gegen die 1. Schüler von 1900 nicht aufkommen, die das Spiel 5:0 gewannen.

Die Gegner der 2. und 3. Jugend traten nicht an«

Sportverein 1928 Garbenteich.

Steinbach I Garbenteich I 2:3 (2:0).

Am Sonntag trug die 1. Mannschaft des Sport- Vereins 1928 das fällige Rückspiel gegen die gleiche des Sport-Vereins 1926 Steinbach aus. Von Beginn entwickelte sich ein flottes Spiel, bei dem Steinbach bis zur Halbzeit 2:0 in Füh­rung lag, dabei durch ein Selbsttor der Garben- teicher Verteidigung. Rach dem Wechsel ging Garbenteich stark aus sich heraus und drängte

unendlich schönen Gemälde glich voller Herbe und Süßigkeit zugleich.

Rie hatte sich Konstanze einsamer gefühlt, als in dieser Stunde.

Ich muß sagen", wendete sich Werner von Heistritz, der Konsul, jetzt an Konstanze,daß Agathe und ich sehr erstaunt sind über deinen Schritt, von dem uns Papa unterrichtete und" er zuckte die Achselnwir verstehen ihn durch­aus nicht."

Mit jähem Ruck hob die Angeredete ihr schönes Haupt. Ein Zug schmerzlicher Bitterkeit lag um ihren kleinen festen Mund.

Das glaube ich gern", entgegnete sie.Viel­leicht wird überhaupt kein Mensch mich verstehen können, außer mir selbst."

Manfred, der Gerichtsrat, verzog das Gesichc zum Lachen. Aber es war mehr ein scheußliches Grinsen als ein Lachen. Da er in seiner frühesten Jugend ein Auge verloren hatte, trug er ein Glasauge, was der linken Gesichtshälfte einen merkwürdig abgestorbenen Ausdruck verlieh, einen schreckhaften Ausdruck beinahe, wie bei Mumien, die längst verstaubt sind. Man erzählte sich die groteskesten Dinge von diesem Glasauge. Viels wollten wissen, er sei früher durch einen Schuß im Zweikampf verwundet worden und hätte da­durch das Auge eingebüßt. Andere 5""ar

von einer wüsten Schlägerei, die ^gcr trunkener Student in einer üblen »ui.

In Wahrheit waren diese Rede'r 03 c völ­lig aus der Luft gegriffen. Er hattejem linkes Auge als Kind beim unvorsichtigen Spielen mit einer Iagdpatrone verloren.

Manfred lachte, wiegte den häßlichen Kahlkopf hin und her. Er schnalzte mehrmals mit der Zunge und begann in seiner süßlichen Art:

Heberiege dir doch einmal, Schwesterlein! Deine Handlungsweise verstoßt arg gegen das Gesetz. Dein Mann hätte durchaus das Recht, sich von dir scheiden zu lassen und zwar wegen bös­willigen Verlassens. Erlaube einmal, das ist Paragraph ... Paragraph ..." Er überlegte ... na, jedenfalls gestattet das Gesetz, nunmehr deinem Mann, die Klage gegen dich zu erheben."

Jetzt sprang der alte Oberst ganz empört auf, so daß alle den alten Herrn ganz erschrocken an­sahen. Sein Gesicht war blutrot.

Das fehlte mir gerade noch!" schrie er,wenn sich jetzt Lothar von dir scheiden läßt, sind auch wir geschiedene Leute, mein Kind." Er trat dicht vor Konstanze hin und funkelte sie böse an.Eine geschiedene Frau will ich nicht in der Familie haben. Dafür danke ich bestens. Den Skandal will ich nicht erleben. Denke doch, bitte, beispiels­weise einmal an deinen Bruder Felix. Er stehL > kurz vor der Verlobung mit Josephine von Zollen. Die Partie ist erstklassig. Durch dich wird die Ge­schichte auseinandergehen. Das kannst du dir dann dein ganzes Leben lang vorhalten."

(Fortsetzung folgt.)

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