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Nr. 105 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 6. Mai 1950

und da ein Weibchen 50 bis 200 man sich vorstellen, wie große von den Raupen zuweilen ver­kleinere Schwärme kann man

abgesehen. Aus bis drei Brüten, Eier legt, kann Massen Gemüse

Aegypiische Plagen" in Mitteleuropa.

22 Millionen Maikäfer in einem Wald. - Riesenheere von Kohlweißlingen. Bienenangriff auf Antwerpen.

Don Dr. Zrlh Eltmann.

die Kohlweißlinge auf die Gemüsepflanzungen den Eiern entwickeln sich zwei

nichtet werden.

oft beobachten. Aber im Jahre 1908 konnte man in München feststen en. daß eS auch große Schwärme gibt und mitunter auch Züge von Kohlweißlingen zu einer Artägyptischer Plage­werden können: damals flogen riesige Falter­schwärme über München. Am 26. und 27. Juli 1883 beobachtete man in Tangermünde ein Mil­lionenheer von Kohlweißlingen, die so dicht über der Stadt schwebten, daß man zunächst an einen merkwürdigen Schneefall glaubte. Llebriges wandern nicht nur die Kohlweißlinge, sondern auch deren Raupen, die zuweilen in großen Klumpen auf den Wegen liegen. Sowohl gegen Kohlweißlinge als auch gegen Rönnen verwen­det man neben vielen anderen Mitteln vor allem

m e h e r seine Beobachtungen, so fällt sofort auf. daß die getöteten Bestände auf sächsischer Seite kleinere oder größere zerstreut liegende Flecken bilden, in Böhmen jedoch große zusammen­hängende Flächen." 3m August 1922 wurden die Kurgäste in dem schlesischen Bad Reinerz eben­falls von einem unangenehmen Ronnenbesuch überrascht. An einem Sonntagabend überfiel ein Schwarm, offenbar durch die Achter der Bo­genlampen angelockt, den Orchesterraum der Kurkapelle. Die Schmetterlinge setzten sich in dichten Klumpen auf die Instrumente und die Roten, auf Pulte und Stühle, auf die Musiker und sogar auf deren Brillengläser. Einzige Rettung war die Flucht: die Menschen rissen aus. die Insekten blieben Sieger. Am nächsten Tag war alles wieder ruhig.

Ein anderer Schmetterling, der Kohlweiß­ling. tritt gewöhnlich nur in kleineren Schwär­men auf. ist aber deshalb nicht weniger gefähr­lich. Schaden richten nicht die Schmetterlinge, sondern deren Raupen an. Dor allem haben es

große Bogenlampen, auf die die Schmetterlinge wie gebannt zufliegen. Sie können dann weg- gefangen oder durch elektrische Dentilatoren an* gesaugt werden.

Die Berichte, die man auS exotischen Ländern über die Raubzüge der verschiedensten In­sekten erhält, beschreiben also keine Sensationen, deren man nicht in ähnlicher Form auch in Mitteleuropa teilhaftig werden kann wenn auch zugegeben werden mag, daß gerade die Heuschreckenplage im Mittelmeergebiet zu­weilen Dimensionen annimmt, mit denen Die Schädlingsheere in Deutschland nicht verglichen werden formen. Aber man vergißt bei uns. daß die einheimischen Insekten nicht weniger ver­mehrungslustig sind als die verwandten Arten in fremden Erdteilen, von denen man weiß, daß sie ungeheuren Schaden anrichten und ganze Ernten vernichten können. Tatsächlich konnte man vor etwa 15 Jahren Libellenschwärme beobachten, die das Saaletal entlangflogen und bei Merseburg die elektrischen S&itungen störten. Im Mai 1880. also vor genau 50 Jahren, Über­flog ein ungeheurer Libellenschwarm Warschau. Sie störten das Leben in dieser Stadt so sehr, daß sogar die Schulen geschlossen werden mußten.

Die Heuschreckenschwärme, die zur Zeit Aegypten, Palästina u;tb Südspanien be­drohen, sind nicht die einzigen Feinde des Lanbwirtes. Auch in unseren Brei­tengraden gibt es Insektenheere, die zu­wellen in so großen Massen auf treten, daß ganze Ernten vernichtet werden.

Der milde Winter und das freundliche Früh­jahr haben nicht nur das Wachstum der Pflan­zen gefordert, sondern auch günstige Dor­oedingungen für daS Gedeihen von allerlei Schädlingen geschaffen. Man rechnet damit, daß in diesem Jahr die Maikäfer, deren erste Exemplare sich jetzt zeigen, wieder in großen Massen auftreten werden. Wie gewaltig ein Maikäferheer sein kann, zeigt eine Beobachtung, die man Anfang Mai 1926 in der Umgebung von Halle machen konnte. Damals zog ein Schwarm solcher Käfer über das Land und ver­deckte dabei den Himmel wie eine dunkle Wolke: daS Durren der kleinen Tiere verursachte ein Geräusch, das man nur mit dem Lärm eines Flugzeuges vergleichen kann. Die Freßlust der Maikäfer ist bekannt. Dor ein paar Icchren wurde auS Altötting in Bayern gemeldet, daß die Maikäfer an einem einzigen Tage eine große alte Eiche vollkommen kahl fraßen. Aber der größte Schaden wird nicht von diesen Käfern, sondern von deren Larven, den Engerlingen, an- aerichtet: jedes Maikäferweibchen legt durch­schnittlich 50 Eier. Ein Beispiel dafür, was der Landwirtschaft von diesem tteinen Käser droht, liefern die Untersuchungen, die Professor E s ch e - rich schon vor 20 Iayren in der Forstverwal- hmg deS Dienwaldes in der Rheinpsalz ange­stellt hat. Im Jahre 1911 wurden dort 22 Mil­lionen Käser abgesammelt; nimmt man an, daß sich darunter 10 Millionen Weibchen befunden haben, so wurde durch diese Sammelkampagne der Forst vor 500 Millionen Engerlingen be­wahrt. Für diesen Feldzug mußten dort jähr­lich 16 000 bis 20 000 Mark ausgegeben wer­den. Immerhin machten sich diese Ausgaben be­zahlt, da dort, wo vorher trostlos mißglückte Anpflanzungen standen, nach ein paar Jahren gesundhei isst rotzende Kulturen zu finden toaren.

Roch gefährlicher für die Forstwirtschaft als die Maikäfer sind dieRönnen", jene bös­artigen Schmetterlinge, die sich im letzten Jahr­zehnt erschreckend in Mitteleuropa vermehrt Ha­ven. Sie treten zuweilen in Schwärmen auf, die durchaus an Insektenheere in den Tropen und den Subtropen erinnern. Man sah z. B. auf dem böhmischen Gut Liboch am 16. Juni 1920 einen Ronnenschwarm, der 40 bis 50 Meter breit war und dessen einzelne Tiere dicht übereinander in einer Tiefe von drei bis vier Meter flogen. 1920 wurden in Böhmen besonders viel Rön­nen beobachtet: aber 1921 überflogen die Schwärme dieses Schmetterlings die sächsische Grenze, und in der Sächsischen Schweiz und in der Umgebung von Zittau und Oybin wurden gewaltige Ronnenschwärme festgestellt, die aus Böhmen kamen. Der in Sachsen angerichtete Schaden war außerordentlich stark, wenn er auch den Verheerungen in Böhmen nicht gleichkam. Lieberblickt man vom Gipfel eines Berges auS Teile des sächsischen und böhmischen Waldgebie­tes", schllderte Oberregierungsrat Dr. Stroh-

3n Antwerpen wurde die Bevölkerung im Juli 1924 von unabsehbaren Scharen Dienen an­gegriffen. An den Häusern und an allen Lam­pen hingen diese gefährlichen Tiere in großen Massen und da sie nicht weiterslogen, mußten Arbeiterbataillone eingesetzt werden, die mehrere Tage einen Dernichtungsfeldzug gegen die Bie­nen führten. Die Berliner entsinnen sich noch der in gewissen Abständen wiederkehrenden Raupenplagen im Tiergarten. In manchen Icchren war es unmöglich sich auf irgendeine Bank dieses Parkes zu sehen und einen Schritt auf einem Tiergartenweg zu tun, ohne zahl­reiche Raupen zu zertreten. Schließlich weiß je­der Forstfachmann, welchen Schaden die E u - lenschwärme anrichten natürlich nicht die Bogel, sondern die gleichnamigen Schmetterlinge und deren gefräßige Raupen, die ganze Wald­bestände vernichten.

Reben diesen Insekten, die jeder kennt unb je­der beobachten kann, gibt es andere Schädlinge, die in den Getreidespeichern, den Lagerhäusern und an anderen Stellen Verheerungen anrichten. Allein von den in den Speichern lagernden Ge­treidemengen werden jährlich etwa fünf Prozent

durch Insektenfraß und Schimmelpllz vernichtet. In Amerika, wo diese Verluste staNstisch genau erfaßt werden, hat man berechnet, daß der Wirt­schaft auf diese Weise etwa 850 Millionen Mark verlorengehen. Deshalb bestehen in den Der- einigten Staaten sehr viele und in Deutschland einige Gesellschaften, die sich mit der Schäd* lingsbekämpfung beschäftigen. Ramhafta Gelehrte widmen sich ausschließlich der Erfor­schung der Schädlinge und bemühen sich, neue Mittel gegen die gefräßigen Insekten zu finbeit. Mit Gift, mit Gasen, die von Flugzeugen aus verbreitet werden, mit den verschiedensten Me­thoden ist man ihnen schon zuleibe gerückt. Sogar giftiges GaS wie Blausäure hat man für diesen Zweck angewendet. Die Schwierigkeit besteht immer darin, weder die Pflanzen noch nützliche Tiere gleichzeitig zu vernichten. Außerdem hat man mit Erfolg die Feinde der schädlichen In­sekten an die gefährdeten Stellen gebracht, also bestimmte (Böget gegen Schmetterlingsraupen imb Maulwürfe gegen die Engerlinge eingesetzt. Ein erfolgreicher Feldzug gegen die Schädlinge würde der deutschen Volkswirtschaft zweisellos in jedem Jahr viele Millionen Gewinn bringen.

Hauptversammlung des hessischen Landesverbandes des Einzelhandels.

MSR. Bensheim a. d. B., 4. Mai. Heute vormittag wurde im Beisein zahlreicher Mit­glieder und Ehrengäste im Großen Saal des HotelsDeutsches Haus" in Bensheim die ^.Ge­neralversammlung des Landesver­bandes des hessischen Einzelhandels e. D. durch den ersten Vorsitzende W. Kalb- fuß, Darmstadt, eröffnet. Er begrüßte zunächst die Erschienenen, gab dann einen kurzen

Rückblick auf das vergangene Jahr

und drückte die außerordentliche Enttäuschung aus, die alle Kreise des Handels ergriffen habe, als im vergangenen Herbst statt der versprochenen Steuersenkung eine Steuererhöhung er­folgte. Wenn man gerade jetzt sehe, wie zum Teil in den Ländern, aber fast in allen Ge­meinden ungeheure Steuern gefordert werden, dann habe man den Eindruck, daß die Gesetzes­macher für die schwierige Lage des größten Teils der deutschen Wirtschaft immer noch nicht das richllge Verständnis hätten. Das treffe zum Teil auch auf die politischen Parteien zu. Er wisse, daß die erhöhte Umsatzsteuer für Groß­betriebe verschieden beurteilt werde; deshalb wolle er eine Debatte darüber auch jetzt ver­meiden. Er wünsche nur, daß die Befürchtungen, die so viele Führer des Einzelhandels hegten, sich nicht bewahrheiten mögen. Ganz entschieden aber müsse man sich gegen die Methode wenden, solche Gesetze ohne Anhörung der davon Be­troffenen, nur vom Gesichtspunkt des politischen Kuhhandels aus, zu machen. Zu unserem Schaden habe man fühlen müssen, z. D. bei dem Gesetzes­beschluß über den

Fiinf-Uhr-Ladenschlutz am Hciligenabend, daß in unverantwortlicher Weise über die Kopfe der Betroffenen hinweg politische Dereinbarun- gen getroffen wurden, von denen der Fern­stehende kaum eine Ahnung habe. Die meisten politischen Parteien versicherten dem Einzel­handel bei jeder nur möglichen Gelegenheit, daß sie an der Erhaltung des kaufmänni­schen und gewerblichen Mittel­

standes das größte Interesse hätten und alle- für feine Erhaltung tun würden. Er wünsche, daß es nicht nur bei Worten bleibe, und hoffe, im kommenden Jahre auch Taten zu sehen: denn nur bann könne der Pessimismus überwunden werden, der wie eine trübe Welle weite Kreise des Einzelhandels ersaßt habe. Alle schönen Reden und zuversichtlichen Ermahnungen von Ministerien und führenden Wirtfchafllern, die man in den letzten Wochen gehört habe, hätten ihren Zweck verfehlt, wenn die Regierungen und Parlamente nicht durch Taten beweisen, daß sie für die Rot des Standes Verständnis haben.

Es folgten bann die Glückwunschanspra­che n der verschiedenen Behörden- und Derbands- Dertreter. Ministerialrat Pennrich, Darmstadt, wünschte der Tagung für die hessische Regierung und den am Erscheinen leider verhinderten Mi­nister für Arbeit und Wirtschaft herzlich Glück. Man werde dem Einzelhandel sein besonderes Augenmerk zuwenden und ihn nach Möglichkeit unterstützen. Der Bürgermeister von Bensheim, Dr. Angermeier, gab seiner Freude Aus­druck, daß der Derband in diesem Jahre in dem schonen Bensheim tage. Syndikus Regierungsrat Dr. Rohner wünschte für die öffentlich-recht­lichen wirtschaftlichen Verbände Hessens, also na­mens der sieben hessischen Industrie- und Han­delskammern und der Handwerkskammer Darm­stadt der Tagung vollen Erfolg. Direktor Stei- n e l sprach die Glückwünsche der Landeszentrale des badischen und süddeutschen Einzelhandels auS, Direktor Weiler die der Erwerbs- und Wirt­schafts- sowie der Kreditgenossenschaften.

Es folgte nun ein Referat des Syndikus H i tz i n g e r, Berlin, über das Thema

Die ungenügende Finatnreform Hoffnungen und Enttäuschungen."

Er betonte zu Anfang feiner Ausführungen, daß er für die nächste Zeit noch keine Hoffnung auf irgendwelche Steuererleichterungen machen könne. Im Gegenteil sei man zunächst noch sehr ent­täuscht, da immer noch nicht die notwendige Sparsamkeit angewandt werde. Allerstärkste

Oberhessischer Kunstverein.

Graphik-Ausstellung der Gesellschaft für Volksbildung, Berlin.

Eine sehr gute und sehr umfangreiche Ausstellung, an der, wie wir hören, über hundert Künstler be­teiligt sind. In der Tatsache, daß die Veranstaltung von der Gesellschaft für Volksbildung ausgeht, hat man zunächst die Gewähr für ein quali­tätvolles Gesamtniveau, zum andern ist damit auch der volkserzieherische, kunstpädagogische Charakter der Ausstellung gekennzeichnet, die ihre vornehmste Aufgabe darin erblickt, ein großes Publikum vom Schund, vorn Kitsch, von der Minderwertigkest und auch vom belanglosen Durchschnitt zur bewußten An­erkennung des reinen Kunstwerkes hinzuführen; ein Erfolg dieser Bemühungen würde sich wiederum beim Besucher und Beschauer am positivsten und greifbarsten in der Erwerbung eines Kunstblattes ausbrücken. Es handelt sich hier (ohne Ausnahme) nicht nur um eine Schau, sondern vor allem auch um eine Werbe- und Verkaufsausstellung. Das geht auch aus der Preisbemessung hervor, die für das einzelne Stück im Durchschnitt als außerordentlich niedrig bezeichnet werden muß; es soll der Nachweis ge­führt werden, daß Dualität im Kunsthandel nicht unbedingt mit Unerschwinglichkeit für den normalen ~au3) 'n gleichbedeutend zu sein braucht; nur so i^.Ausweg" zum billigen Kitsch erfolgreich geM^erden.

Wir halten es für wesentlich wichtiger als eine ausführliche Einzelbeschreibung, auf diese grund­sätzlichen Gesichtspunkte hinzuweisen; sie sind zwar nicht besonders originell, haben aber jedenfalls prak­tisch bisher kaum die Beachtung gefunden, welche im Interesse aller wirklichen Kunst und wertvollen Kunst- übung sehr wünschenswert erscheinen muß.

Außerdem befindet sich der Referent einer der­artigen Ausstellung gegenüber in einer nicht ganz bequemen Situation insofern, als es ihm aus nahe­liegenden Gründen vollkommen unmöglich ist, den Einzelerscheinungen in btr Fülle des Gesamtbildes so eingehend gerecht zu werden, wie er es zur Orien­tierung oder Anregung des Besuchers für empfehlens­wert hält.

Ferner besteht die Schwierigkeit (hier wie bei jeder Ausstellung), daß ein Referat, noch dazu in der unvermeidlichen räumlichen Begrenzung im Gegensatz zu einer Führung ober einem Dortrage stets Notbehelf und problematisch bleiben muß, so­lange bas besprochene Anschauungsmaterial fehlt, ber Gegenstanb, von bem jeweils bie Rebe ist. Kunst­beschreibung oder Kunstkrstik ohne Silber in irgenb- einer Form wirb stets ein mehr ober minder unzu­längliches Unternehmen bleiben müßen, wenn nicht dem Leser der Stoff ganz unmittelbar gegenwärtig ist. was nur in den seltensten Fällen zutreffen dürfte.

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Wir legen also mehr Gewicht darauf, zum Besuch der Ausstellung, besonder- auch der geplanten sach­

kundigen Führungen anzuregen, und zur gründ- lichen. womöglich wiederholten Beschäftigung mit Einzelheiten; ferner darauf aufmerksam zu machen, daß man in Gießen immerhin nicht allzu häufig Gelegenheit findet, einen so weiträumigen Ausschnitt aus einem wichtigen Teilgebiet der zeitgenössischen bildenden Kunst, übersichtlich angeordnet und in tech- nisch sorgfältig ausgewählten Beispielen vorgeführt, auf sich wirken zu lassen.

Die hervorragendsten Vertreter der modernen graphischen Kunst in Deutschland sind vertreten; wir greifen hier ein paar Namen heraus, die am ent­schiedensten bas Niveau ber Ausstellung festlegen: Corinth, Erker, Sepp Franck, E. Kirchner, Kollwitz, Liebermann, Meib, Staeger, Thoma, Grabt, Kampf, Kamomann.

Man sieht Rabierungen, Holzschnitte, Steinzeich­nungen, einfarbig unb mehrfarbig, unb Drucke ver­schiedenartiger Technik.

Aus einem Runbgang burch bie Ausstellung möch­ten wir nur einzelne Blätter heroorheben; gleich am Eingang finbet man zwei (übrigens Verhältnis- mäßig bekannte) Steinzeichnungen ber großen Mei- fterin Käthe Kollwitz: bieNachdenkende" und aus bem Zyklus vom KriegeGefallen"; zwei Blät­ter, deren überwältigender Eindruck wohl vor allem auf der Uebereinftimmung von vollendeter Technik unb aufwühlenber Gefühlskraft beruht.

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Unter ben Farbenholzschnitten scheinen uns zwei Lanbschaften von Leo Franck bemerkenswert, bie burch eine aquarellhafte Zartheit ber Zeichnung unb ihre koloristische Wärme sofort bestechen. In ber gleichen Gruppe von Wilhelm Lange ein fein komponiertes unb farbig abgewogenes Stilleben Dunkler Krug".

Unter ben Holzschnitten gegenüber müssen vor allem zwei Bauemporträts (von Tierkreiszeichen umrahmt) hervorgehoben werben, bie unverkennbar die Hanb bes verstorbenen Astmeisters Hans Thoma verraten.

Steinzeichnungen an ber Rückwanb: religiöse Mo- tive von Steinhausen, baneben roieber ein Thoma, auch ein stimmungsvolles Lanbschasts- bilb von Seltmann; ausgezeichnet wirkt ber männlich-markante Fichte-Kopf von Profesior Arthur Kampf (Fensterwanb).

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Dann eine Gruppe farbiger Steinzeichnungen: Arbeiterfrau" unbPflugzieher" ber Kollwitz; ein entzückenbes Kleinstadtibyll bes neuerdings ent­deckten Spätromantikers Hermann Gradl unb ein Landschaftsbild von Kampmann (übrigens keine feiner besten Arbeiten). *

Den breitesten Raum beanspruchen die Radierun­gen; mir erwähnen etwa: eineFlucht nach Aegyo- ten" in ber silberstistmäßigen Zartheit bet Strich­

führung gerb. S t a e g e r s; bas vergeistigte Selbst- bilbnis ber Kollwitz; bieRuhe auf ber Flucht", sehr fein, von E r l e r ; ein kraftvoll aus Licht unb Schatten herausgeformter Arbeiterkopf von Tur­ner; ein groteskes Miniaturscherzo von Kirch­ner; eine Landschaft in allmeisterlichem Stil von Kätelhöhn (der schon früher hier oorgefteUt wurde); die ganz impressionistisch behandelle, technisch brillanteSusanna im Bade" von Corinth; Bild- nisse Eberts unb Stresemanns von Kauffmann- M e 11 i n ; eine bezaubernb hingehauchte (unb raffi­niert ausgesparte) japanische Landschaft von OrIik; hervorragend das plastisch aufgeteilte und burch- mobettierte Schreker-Sildms von Michael Finge­st e n, einem ber fähigsten graphischen Porträtisten ber gesamten jüngeren Generation; in ber Hinteren Ditrine zwei erlesene Slätter: Liebermanns charakteristisches Selbstbilbnis unb eine schöne, mo­numental stilisierte Madonna von Sepp Franck; ferner derFrühlingstag" von Reifferscheid; ein an Meuniers Gestalten erinnernder, wuchtiger Korbträger" von Carl K la p p e r ; und die(Enten­mutter" von Po11ner.

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Ein paar gute Steindrucke, als schlichter, dekora­tiver Wandschmuck zu empfehlen, findet man von Junghanns, Olszewski) und andern.

Farbenradierungen gibt es etwa von Prinz!, Schweriner und Hermann Stehr, dessen Sil­ber lebhaft an Staeger erinnern.

Außerbem finbet man noch eine kleine Anzahl graphischer Blätter (meist Lanbschaften) ber ein­heimischen Künstler H. Will (Gießen) unb Carl Fries (Ortenberg), bie beide auch Führungen durch die Ausstellung veranstallen werden.

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Die Ausstellung wurde am Sonntagvormittag bei gutem Besuch der Oeffentlichkest übergeben; ber Dorsitzenbe des Kunstvereins, Landgerichtsdirektor a. D. B ü ck i n g, hieß die Anwesenden, insbesondere die Vertreter der Universität, ber Behörben unb ber Schulen herzlich willkommen unb gab ber Hoffnung Ausbruck, baß bie Ausstellung im Sinne ber Ge­sellschaft für Bolksbilbung zum Besten ber Kunst, ber Künstler unb bes Publikums ihren Zweck er­füllen möge.

Anschließenb hielt Professor Dr. Rauch, ber Kunsthistoriker der Landesuniversität, einen Dor­trag zur Einführung in das Wesen ber Ausstellung; er betonte u. a., daß gerade die Griffelkunst heute besonders zur Volkstümlichkeit geschaffen sei: wegen ihrer Billigkeit, wegen ber Eigenart ihrer künstle­rischen Mittel unb wegen ihres ganz beutschen Cha­rakters; bie Bestrebungen ber Gesellschaft für Volks­bildung, gute Kunst ins Haus zu tragen, haben es angesichts unserer wirtschaftlichen Notlage unb ber herrschenden Tendenzen ber sog. neuen Sach­lichkeit nicht leicht, sich burchzusetzen; auch in ben Wohnräumen ber jüngsten Architektur finden sich Bilder als Wandschmuck, vielfach aber primitive und

minderwertige Erzeugnisse; hier habe die Gesell­schaft eine große Mission zu erfüllen. Der Vor­tragende besprach bann ben Charakter ber gegen- roärtigen Ausstellung, bie ganz unproblematisch, überzeitlich unb allgemein eingänglich wirke unb wies auf einem knapp orientierenden Rundgang auf die Reichhaltigkeit der hier vorgeführten Techniken unb bie Fülle ber künstlerischen Erscheinungen hin.

Der Dorsitzenbe bes Kunstoereins bankte Herrn Professor Rauch, ber übrigens am kommenden Donnerstag im Zusammenhang mit dieser Ausstel­lung über die Geheimnisse der Schwarzweißkunst sprechen wirb, zum Schluß für feine lichtvollen Aus­führungen.y

Zwei Herzen im Oreivierieliaki.^

Dies ist ein (für Gießen) neuer Tonfilm, ber seit gestern im Programm bes Lichtspiel­hauses gezeigt wirb. Manuskript von Walter Reisch unb Franz Schulz; Regie von Geza vonDolväry; Musik von Robert S t o l z. Das Ganze stellt sich als eine Mischung aus leichtem Lustspiel unb ber alten Wienerwalzeroperette bar, bie im Tonfilm wieder zu Ehren kommt unb anscheinend sogar große Mode wirb. Die Musik ist, wie nicht anders zu erwarten war, in manchen Teilen der Partitur tradittonell ge­bunden, bringt aber auch ein paar eingängliche und sangbare Melodien von ganz moderner Prä­gung; die Handluttg schildert in einer Reihe hei­terer unb mit Geschick inszenierter Bilder den Werdegang einer Operette, deren Premiöre an einem verlorengegangenen Walzermotiv elend zu scheitern droht; überflüssig zu sagen, daß es im letzten Augenblick, als die Generalprobe schon saft beendet ist, noch gefunden wird und mit ihm das süße Mädel, ohne das eine Wiener Operette na­türlich unmöglich wäre. Die Liebertragung be­darf stellenweise noch einiger Korrekturen, ist aber im allgemeine, besonders in den Svloszene, von angenehmer Präzision. In der Besetzung begegnet man neben bekannten unb bewährten Kräfte wie Walter Janssen (früher am Frankfurter Schauspielhaus), Szöke Szakall, Ettlinger, Morgan unb Hörbiger eini­ge bisher kaum hervorgetretene Darstellern; O. Karlweiß unb Willy Forst z. D. mime ein sehr brolliges Paar feindlicher Brüder unb dennoch unzertrennlicher Librettisten; in ben weib­liche Rolle: in erster Linie 3ree Eisinger als fesche Subrette, währeb Gretl Theimer (bie Hedi im Dreivierteltakt) einen ziemlich an- fängerhafte Eindruck macht. Die Schlagetexte et stamme der G. m. b. H. 2llft:ed Grün­wald, Walter Reisch, Armin Robin- son und Fritz Rotter. Außerdem bringt das Programm neben der übliche Wochenschau eine sehr hübsche kleine Tonftlmrevue. die mit allerlei originelle Einfälle unb technischen Tricks bie vielfältige, nee Möglichkeiten des Klangfilms amüsant zur Geltung bringt. r-*