Landbund - Versammlung in Hungen.
kz. Hungen. 4. März. Der Hessische Landbund veranstaltete am Sonntag hier in der „Traube" eine Versammlung seiner Mit» glieder in Oberhessen, die der Stellungnahme zum hessischen Spargrogramm und zu dem Wirten der Nationalsozialisten galt. 2m Anschluß an die einleitenden Worte des Vorsitzenden, Landtogsabgeordneten Fenchel (Ober* Hörgern), hielt Dr. Leuchtgens (Friedberg) einen mehrstündigen Vortrag. Rachdem sich der Redner kurz mit der Außenpolitik beschäftigt hatte, wandte er sich den verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Fragen in Deutschland zu, wobei er u. o. eine Beschränkung der Lebensansprüchc i n Stadt u n d Land auf einfachere Grundlage forderte. Die Sozialfürsorge bezeichnet der Redner als zu stark angespannt. Allenthalben sei größte Sparsamkeit dringend notwendig, vor allem bei der Wirtschaft der öffentlichen Hand. Bei der Besprechung der gegenwärtigen Steuerreformver- hondlungen sprach sich der Redner für eine weitere starke Drosselung der Ausgaben und gegen das sogenannte R o t o p f e r aus. ■3ur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft forderte der Redner eine Preispolitik, die eine Analeichung der Erzeugerpreise an die heutigen Lebensbedingungen bringe; eine Einfuhrsperre und Durchsetzung erhöhter Erzeugerpreise bei dem Verbraucher seien die Grundprobleme der nächsten Zeit. Zum hessischen Sparprogramm forderte der Redner namens des Landbundes weitere entschiedene Senkung der Ausgaben zur Beseitigung des Defizits und eine fühlbare Steuersenkung. Die Minderung der Realsteuern müsse schon in den Gemeinden, in den Kreisen und in der Provinz beginnen. Die
Behörden müßten verkleinert und ihre Zahl verringert werden, der Zugang zur De- amtenlaufbahn sei zu sperren, so hart das auch für den einzelnen sei. Weiter forderte der Redner ein Opfer von der Beamtenschaft insofern, daß sie auf einen Teil ihres Einkommens Verzicht leiste; bei dieser Forderung handele es sich nicht um eine Feindschaft gegen das Beamtentum, sondern es drehe sich hier nur um den Kamps zwischen dem Landbund und der Ministerial- bureaukratie. Der Behördenapharat müsse von oben her abgebaut werden; bevor Hessen seine Selbständigkeit aufgebe, müsse es erst sein Ministerium verkleinern. Durch Vereinfachung in der Fortbildungsschule könnten drei Millionen, an den Polizeilasten der Städte ebenfalls drei bis vier Millionen gespart werden. — Das Landestheater solle von denen unterhalten werden, die den Vorteil dieser Einrichtung hätten. Der Antrag des Landbundes auf Kürzung der Zulage für Kinder bis zu 16 Jahren habe zu einer Ersparnis von 3/4 Millionen Mark geführt. Durch Senkung der Zuschüsse für die höheren Schulen und den Abbau solcher Anstalten solle noch weiterhin gespart werden. Zum Schlüsse beschäftigte sich der Redner mit der Agitation der Rationalsozialisten, deren umstürzlerische Absichten abzulehnen seien, da besonders der Dauer Realpolitik treiben müsse. Der Redner ermahnte die Zuhörer zu einigem und geschlossenem Zusammenstehen. Eine lebhafte Aussprache über den Vortrag bildete den Ab* schluß der Versammlung.
Das erste Ferngas im Siegerland.
WSR. Siegen, 5. März. Run hat das erste Ferngas im Siegerland Einzug gehalten, und zwar wird zunächst das Eichener Walzwerk (Vereinigte Stahlwerke) täglich 140 000 Kubikmeter verbrennen. Das Gas kommt mit einem Druck von etwa 3 Atmosphären in Eichen an und wird dort in besonderen
Durchgangsapparaten auf ungefähr V$ Atmosphäre heruntergedrosselt. Dos Bild der Industrie wird sich auf die Dauer dadurch etwas ändern, daß Kamine für den Abzug der Gase bei den Oefen nicht mehr notwendig sind. Das verbrennende Gas ist so gering an Menge, daß es nicht besonders abgezogen zu werden braucht. Infolgedessen werben nach und nach die eisernen Kamine bei den Werken verschwinden und dazu auch der starke Rauch und Qualm, der die Gegend
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nicht gerade verschönte. Wirtschaftlich erhofft man viele Aenderungen durch das Ferngas, und zwar in der Richtung, daß es ermöglicht, die heimische Industrie im Wettkampf mit dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet wirtschaftlich zu erhalten. Siegen selbst erhält erst in einiger Zeit Ferngas.
Erweitertes dezirksschöffengericht Gießen.
‘ Gießen, 5. März. Heute standen zwei Anklagen wegen Sittlichkeitsverbrechen zur Verhandlung. Die Oeffentlichkeit war in beiden Fällen ausgeschlossen.
Im ersten Fall wurde ein älterer Mann aus Hungen, der sich an einem kleinen Mädchen fortgesetzt vergangen hatte, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er war im wesentlichen geständig.
Im zweiten Fall handelte es sich um einen noch jungen Mann aus Glauberg, dem zur Last gelegt wurde, daß er sich an seiner kleinen Schwester vergangen habe. Das, was er zugab und als harmlos hinzustellen suchte, erfüllte bereits den Tatbestand eines Sittlichkeitsver
brechens; durch umfangreiche Deweisaufnahme wurde aber dargetan, daß er sich im Sinne bet Anklage sehr viel weitergehend schuldig gemacht hatte. Die Strafe lautete auf ein Jahr drei Monate Gefängnis.
Rundfunkproqramm.
Freitag, 7. März.
12.30: Schallplattenkonzert: Wunsch-Konzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend: „Das Los des ungelernten Arbeiters'. Vortrag von Berufsberater Daubert. Arbeitsamt Frankfurt a. M. 16 bis 17.45: Von Homburg: Konzert der Kurhauskapelle Burkart. 18: In einem Trödlerladen, Mikrophonreportage. 18.35: Von Stuttgart: Aerztevortrog. 19.05: Don Stuttgart: Volkswirtschaftliche Reihe — „Das Reparationsproblem und die deutsche Wirtschaft", Vortrag von Dr. Scheffold. 19.30: Von Stuttgart: Lieder ehrbarer Gesellen und reisender Drüdder. zur Laute gesungen von Hermann Munk, Hannover. 20.10: Von Kassel: Im Bahnwärterhaus, von A .Stein- Landesmann. 20.55: Rach Stuttgart: Stunde für Laienmusizieren. 21.45: Von Stuttgart: Im Vorzimmer des Todes. Sketch von Harry Hastings. 22.45: Von Stuttgart: Opernabend des Rundfunkorchesters.
Samstag, S. März.
11.15 bis 11.45: Schulfunk. 12.30: Schallplattenkonzert: Heiteres Mittagsständchen, 14 bis 14.45: Rach Stuttgart: Stunde der Jugend. Aus dem deutschen Liederkranze. .16: Von Stuttgart: Rach- mittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17: Tanztee. 18.05: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: ..Der Wert der Allgemeinbildung", Vortrag von Prof. v. Dühring. 18.35: Stunde der Arbeit — „Mensch und Maschine", Vortrag von Dr. de Man. 19.05: Spanischer Unterricht. 19.30: Literarische Veranstaltung: Ein altes Thema. 20.15: Von Stuttgart: Variete für Orchester. 21.45: Dom Frankfurter Hallensportfest.
Betr.: Die Abänderung der Fluchtlinien Ecke Guauthstraße, Bismarckstraße und Schiffenberger Weg.
Bekanntmachung.
Auf Beschluß des Stadtrats vom 30. April 1929 und mit Genehmigung des Herrn hessischen Ministers des Innern vom 1. Februar 1930 zu Nr. M. d. I. 48 906/29 sind die Fluchtlinien Ecke Gnauthstraße, Bismarckstraße und Schiffenberger Weg abgeändert worden.
Der abgeänderte Bebauungsplan kann bei dem städtischen Hochbauamt während der üblichen Geschäftsstunden eingesehen werden. 18390
Gießen, den 3. März 1930.
Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm.
Die Abfuhrscheine
über dos aus dem Staatswald aus der Hand abgegebene Holz find vom 10. b. 21L an von den zuständigen Kassenstellen zu bez' hen. Ueberweisung und erster Abfuhr- tog am 10. d. M. Ablauf der Zahlungsfrist für unverbürgte Holzgeldschuld am 31. d. M. 1920D
Gießen, den 5. März 1930.
Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus.
Zwangsversteigerung.
Freilag, den 7. d. IR., nachmittags 2 Uhr, werden im Erdgeschoß des Finanzamts, Lessingstraße Rr. 1, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung versteigert:
ein Herrenzimmer, ein Operationsstuhl, zwei Ladenkassen, 20 Flaschen Likör, drei Schreibtische, ein Kleiderschrank, ein runder Tisch, ein Tisch, drei Grammophone, ein Kassenschrank, zwei Schreibmaschinen, ein Sofa, eine Badewanne, zwei Flurgarderoben, zwei Korbsessel, ein Harmonium, eine Standuhr, vier Furnierpreßmaschinen.
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zwei Schnellwaagen, ein Klavier, ein Büfett, zwei neue Photoapparate, eine Weckeruhr, verschiedene Kurzwaren und Hausholtiingsartikel. 1905D
Finanzamt Gießen, vollftreckungssielle.
Nachlaßversteigerung.
Freitag, den 7. März, von 2 Uhr ab, versteigere ich in meinem Lokal Brandgasse 3: 01535
eine Nähmaschine, drei Kleiderschränke, drei Sofas, drei vollständige Betten mit Federbetten, zwei Kücheneinrichtungen, einen Auszugtisch für 24 Personen (Eiche), zwei Waschtische, Stühle, Tische, ein Kinderbett (weiß), Spiegel, Bilder, einen Rauchtisch, ein Barometer, zwei Nachttische, eine Stehleiter, ein Fahrrad, einen Nachtstuhl, zwei Ofenschirme, zwei Taschenuhren, zwei elektrische Lampen, zwei Schmetterlingskasten, Porzellan, Töpfe usw., ferner eine neue Nähmaschine, zwei Schrankgrammophone, zwei Kleiderschränke.
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BetitelernliglönWnietL
Mittwoch, den 12. Mär; 1930. vormittags 12)-' Uhr, werden in unserem Amtszimmer 16 Fuchsbälge und zwei Dachs- schwarten öffentlich meistbietend gegen sofortige Barzahlung versteigert. ' 19170
Romrod, den 5. März 1930.
Hessisches Forstamt Romrod.
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Versteigerung.
Freitag, den 7. d. M., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Reuenweg: 19140
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Dieselbe flammt aus einem Nachlaß und wird zum Höchstgebot zu- gefchlagen.
Versteigerung bestimmt.
L. Atthoff,
Nachlaßverwalter
Bekanntmachung.
Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Januar 1930 können noch bis zum 10. d. M. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 19250
Eine schriftliche Mahnung ergeht nicht mehr.
Gießen, den 5. März 1930 .
Direktion
der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen.
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Hauptversammlung findet am Freitag, dem 7. März, nachmittags 6 Uhr, in dem Evangelischen Schwesternhaus statt. — Tagesordnung:
1. Jahresbericht
2. Rechnungsablage
3. Vorstandswahl. igsod
Giefien, den 26. Februar 1930. Für den Vorstand: Ausfeld.
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