rung der deutschen Flugstrecken werden auch zwangs» lausig zu einer
Herabminderung der Zwischenlandungen und dadurch zur Beseitigung von überflüssigen Flughäfen
führen, und die Zeit, wo es statt der zahlreichen deutschen Flugplätze nur noch eine geringe Anzahl von Zentralflughäfen und eine bescheidene Anzahl von Verkehrsflughäfen zweiter Ordnung geben wird, dürfte nicht mehr allzu fern sein."
Oberheffen.
Landkreis «Gietzen.
£ Wieseck, 5. Jan. Gestern abend fand die Weihnachtsfeier des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen im Lokale von PH. Walter statt. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Wieseck, Karl Hammel, begrüßte die Anwesenden. Sekretär Benner (Gießen) hielt die Ansprache, in der er besonders auf die Zusammenarbeit aller hinwies. Anschließend hielt ein gemütliches Beisammensein, verbunden mit Tanz und Verlosung, die Besucher, unter denen sich auch Gäste aus Gießen und Heuchelheim befanden, noch einige Stunden beisammen.
ch Lollar, 4. Jan. Unsere Krankenschwester Elisabeth Melchior, die erst seit etwa 9/4 Jahren segensreich hier wirkte, wurde unerwartet von dem Vorstand des Mutterhauses in Darmstadt mit Wirkung vom 6. Januar nach Q u e ck bei Schlitz verseht. Schwester Elisabeth hat sich in der kurzen Zeit ihrer hiesigen Tätigkeit durch ihr aufopferungsvolles Wirken im Verein mit ihrer Liebenswürdigkeit die Herzen der gesamten Einwohnerschaft erworben. Ihre Abberufung wird daher lebhaft bedauert.
V Mainzlar, 5.Ian. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stand als erster Punkt die Prüfung der Gemeinderechnung für das 2tj. 1928 auf der Tagesordnung. Die 2technung schließt in der ersten Abteilung in Einnahme mit 57 054,01 Mark, in Ausgabe mit 45 519,47 Mark ab, so daß ein Rechnungsrest von 11 534,54 Mark vorhanden ist. Von diesem 2test sind 11 393,44 Mark Varbestand, während' 141,10 Mark auf liquidierte Außenstände entfallen. Niedergeschlagen werden wegen Unein- brinalichkeit 70,70 Mark. Die zweite Abteilung gleicht sich in Einnahme und Ausgabe mit 7292,49 Mark aus. Sämtliche Kreditüberschreitungen wurden zu Lasten der nachgewiesenen Deckungsmittel genehmigt. Sparsames Wirtschaften soll in Zürnst bei Rubrik IV (Waldungen) erfolgen, da hier die vorgesehenen Kredite am meisten überschritten worden sind. Die Rechnung wurde vorbehaltlich der Prüfung durch die Oberrechnungskammer genehmigt. Die Provinzial st raße Daubringen — Treis a. d. Lda. wurde im vergangenen Sommer neu aufgeschottert und gewalzt, die Teerung der Ortsdurchfahrt hatte man jedoch bis zum Herbst zurückgestellt. Der Gemeinde wurden als Beitragsanteil von der Provinz 1200 Mark angefordert. Da die Teerung zum Teil sehr mangelhaft ausgeführt worden ist, betrachtet der Gemeinderat den geforderten KostenanteU als zu hoch und lehnte die Zahlung in dieser Höhe ab. Der Bürgermeister soll dementsprechend berichten. 2lls letzter Punkt stand wieder die S p o r t p l a h f r a g e zur Verhandlung. Da der seitherige Sportplatz zu weit vom Dorfe abgelegen ist, hat der hiesige Turnverein eine Eingabe an den Staat als Besitzer der sog. „Sorau" gemacht und Antrag auf Aeberlassung eines etwa zwei Morgen großen Geländestreifens an der Eisenbahnbrücke gestellt. Der Staat will jedoch diese pachtweise Abtretung davon abhängig machen, daß ihm von der Gemeinde ein gleich großes, im Ertrag gleichwertiges Stück Gelände als Ersah zur Verfügung gestellt wird. Da die Gemeinde ein solches Grundstück nicht zur
Der Traum vsm Giülk.
Roman von E. Lovett und M. v. Weißenthurn.
" Copyright by Marie Brügmann, München.
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Mein liebes Kind," tadelte die Mutter, „du gähntest auch unten nach beendeter Tafel zweimal hintereinander. Du mutzt besser auf dich achten, denn du hast keine Ahnung davon, wie unangenehm sich dein Gesicht dabei verzerrt!"
„Was blleb mir anderes übrig? Ich glaube, selbst eine Heilige würde in meiner Lage gegähnt haben. Es war ja tödlich langweilig, neben dieser alten Frau so still und geduldig sitzen zu müssen. Ach Gott, was sind das überhaupt für vorsintflutliche Menschen, seine Eltern! Ich weiß wahrhaftig nicht, Mama, wie ich hier vier ganze Tage aushalten soll. Cs ist das langweiligste Haus, in dem ich jemals gewesen bin."
„Wir wollen sehen, ob wir sie nicht ein wenig aufmuntern können," erwiderte Frau von Rechten tröstend, indem sie ihr Gesicht mit einer kosmetischen Salbe einrieb.
„Da würden wir schön bei ihnen ankommen! Hast du vielleicht das Gesicht des alten Herrn gesehen, als ich ihn fragte, warum er nicht radelte? Statt der Antwort kniff er die Lippen ein, als wären sie mit einer Essigflasche in Berührung gekommen. Nun wandte ich mich an seine bessere Hälfte: Sie sollten es auch lernen, gnädige Frau! — Natürlich nur, um ihre Antwort zu Horen. Hast du sie verstanden? Ich bin viel zu alt für dergleichen, Fräulein von Rech- ten, entgegnete sie scharf. Das müssen wir der Jugend überlassen. Das war ein Hieb auf dich, Mama!"
„Warum in aller Welt hast du denn das Gespräch nicht fallen lassen? Warum bestandest du darauf, ihnen zu widersprechen? Du bist und bleibst das unverbesserlichste Mädchen auf der Well, Sabine! Was nützt mir all meine Mühe um dich, wenn du mir immer wieder zerstörst was ich aufbaue. Hortest du mich zum Beispiel nicht ein langes Gespräch über die Geflügelzucht fuhren — mich, die ich in Wirklichkeit kaum ein Huhn von einer Gans unterscheiden kann, Alnb doch sprach ich über die letzte große Geflügel- ausstellung so eingehend, als wäre ich wirklich dort gewesen. Man muh sich stets der Eigenart anderer anzupassen verstehen. Das ist das große Geheimnis, den Leuten zu gefallen und sie nach seinem Belieben zu lenken.
Es ist so kinderleicht! 2lls ich hörte, daß Kurts Mutter ein lächerliches Interesse für Kücken an den Tag legte, behauptete ich so- fort, gleichfalls für nichts anderes zu schwärmen."
Oer Kreis Schotten wehrt sich.
Einmütige Stellungnahme des Kreistags gegen Austeilungs- und Abbaupläne.
■■ Schotten, 4. Ian. Der neugewählte Kreistag des Kreises Schotten trat gestern im Rathaussaal zu Schotten zur Konstituierung zusammen. 2lad> einleitenden De- grüßungsworten des Kreisdirektors Dr. Sann nahm der Kreistag zunächst die
Wahl des Kreisausschusses
vor, der sich nach dem Ergebnis der Wahl zusammensetzt aus den Herren Ferd. P f a n n - stiel (^Urichstein), Theodor Fischer (Hof Zwiefalten), den Bürgermeistern K r a u h (Wct- terfeld), Kipper (Oberseemen), M e n g e l (Schotten), Müller (Gedern). Die Ersatzmänner und Stellvertreter wurden ebenfalls bestimmt.
Der Kreistag nahm dann Stellung zur Frage des Erlasses einer Polizeiverordnung über die Einführung der Trichinenschau.
Eine eingehende Aussprache fand darüber statt. Der Kreistag war sich einig darüber, daß die Ausdehnung der Fleischbeschau auch auf die Trichinenschau im Interesse der Volksgesundheit erfolgen solle. 2Ean solle an den Staat herantreten, dah allgemein für das ganze Land Hessen, wie in Preußen, die Angelegenheit gesetzlich durch Ergänzung des Fleischbeschaugesehes geregelt werden möge. Eine entsprechende Entschließung an die hessische Staatsregierung wurde gefaßt.
Der Kreistag nahm hierauf Stellung gegen die neuerdings erfolgte
vorläufige Aufhebung des kreisgesundheitsamkes
und gegen dessen Aufteilung auf verschiedene andere Kreise. Der Kreistag nahm e i n st i m - m i g eine En tschlietz ung an, in der gegen diese Aufhebung p r o t c st i e r t und um Wiederbesetzung des Amtes gebeten wird. Zugleich wehrte sich der Kreistag auch
einmütig gegen etwaige weitere Aufhebungen und Aufteilungen, vor allem auch gegen eine etwa geplante Aufhebung des Kreises Schotten.
Aus allen Tellen des Kreises nahmen die Kreistagsvertreter zu dieser für den Kreis so wichtigen Lebensfrage in eingehenden Ausführungen das Wort. Der Kreis hat an sich schon schwierige Verkehrs-Verhältnisse, durch eine etwaige 2lufteilung mache man es der Landbevölkerung erst recht schwer und teuer, an die Sitze der Aemter zu gelangen. Schotten ist die einzige K r e i s st a d t der Provinz, die in der Mitte ihres Kreises liegt und von allen ihren Kreisgemeinden gleichweit zu erreichen ist. Man verspreche stets, dem Vogelsberg und seiner armen Bevölkerung helfen zu wollen, habe aber seither stets Aemter abgebaut und trage sich unter Umständen mit weiteren Abbaumaßnahmen. Dadurch werde die
Jlot der Bevölkerung nur größer, die Landflucht werde begünstigt.
Wenn man an den Abbau der wenigen höheren Schulen in unserer abgelegenen Gegend deicke, so nehme man mit diesem Abbau auch der Bevölkerung und den hier ansässigen Beamten die Möglichkeit zur Ausbildung ihrer Kinder. Die Beamten st ellen im Vogelsberg würden dann nur noch als St rafft ellen angesehen.
Der vogelsbergkreis Schotten bilde nach seinem 100jährigen Bestehen ein einheitliches Ganzes, die Bevölkerung fei derart miteinander verwach- fcn; und eng verbunden, daß man gegen eine Trennung des Kreises sich ganz entschieden wehre.
Der Kreistag als die für die ganze Kreisbevölkerung zuständige gesetzliche Vertretung wünscht unbedingt Erhaltung des Kreises. Eine entsprechende Entschließung an die Hessische Staatsregierung wurde einmütig angenommen, auch wurde eine Kommission bestimmt, die die nötigen Unterlagen beschaffen und bei der Negierung persönlich vorsprechen soll, um die Belange des Kreises zu vertreten.
Verfügung hat, verfiel auch dieser Antrag der Llblchnung. Mit dieser Sitzung fanden die Arbeiten des seitherigen Gemeinderates ihren Ak>- schluß.
-s- L i ch, 5. Jan. Am Samstagabend feierte der D. H. C. - Zweigverein Lich sein diesjähriges Wintervergnügen, verbunden mit Auszeichnungsfest. Ein flotter Er'sinungsmarsch, gespielt von Mitgliedern der Militärkapelle Gießen, sorgte gleich für die nötige Stimmung. Lehrer Meckel begrüßte die zahlreich Erschienenen und mahnte, den Bestrebungen des Tkreind allzeit ein treuer Förderer zu fein. Der Gemischte Chor des Clubs (Dirigent Lehrer Meckel), der erstmalig vor die Oeffentlichkeit trat, erntete mit seinen gut vorgetragenen Chören reichen Beifall. Einem gut gespielten Schwank folgte die Auszeichnung von neunzehn Wanderern. Der Vorsitzende überreichte jedem in persönlichen Reimen die übliche Auszeichnung. Ein Duett, gesungen von drei D. H- C.-Schwestern, löste große Lachsalven aus. Auch ein Schattenspiel erntete reichen Beifall. Verlosung und Tanz beschlossen die gut verlaufene Feier.
df. Langsdorf, 5. Jan. Der Dollsmund sagt: „Wenig und oft, macht zuletzt viel." Die Richtigkeit dieser Worte beweisen die gelegentlichen Veröffentlichungen über die Einlagen bei den Sparkassen. Den Schülern veranschaulichen das die Schul sparkassen, die vielerorts bestehen. Auch hier wurde auf Anregung der Geschäftsstelle Gießen der Landesgenossenschasts-
„Nun, von mir kannst du doch wirklich nicht erwarten, daß ich mit einer alten Trau ein sachverständiges Gespräch über Hühner und Puten führen soll. Ich kümmere mich auch nicht ein Iota darum, ob sie mich leiden mag oder nicht", fügte sie in leichtfertigem Tone hinzu und gähnte abermals recht vernehmlich.
„Nun, sie ist zufällig Kurt von Wildhofens Mutter, das genügt freilich", entgegnete Frau von Rechten trocken, aber mit einem eigentümlichen Seitenblick auf ihre Tochter. „Vielleicht liegt es doch ein wenig in deinem Interesse, dich ihr von der liebenswürdigsten Seite zu zeigen, das heißt, wenn du ihren Sohn zu heiraten wünschest."
Cs entstand eine kleine Pause, und Sabines schönes Gesicht wurde plötzlich ernst, fast traurig. Sie blickte schweigend in das Feuer, das dem Erlöschen nahe war und bemerkte dann in gedankenvollem Ton:
„Ich bin mir darüber nicht klar, ob ich ihn zu heiraten wünsche; wenigstens gibt es doch wichtige Gründe, aus denen ich es nicht einmal wünschen dürfte."
Frau von Rechten sprang heftig von ihrem Sessel in die Höhe und trat zu ihre Tochter heran.
„Sabine, du treibst mich noch zum Wahnsinn mit deinen Redensarten. Sind wir denn nicht langst darüber einig, daß du baldmöglichst heiraten mußt? Und wo wäre ein geeigneterer Gatte für dich als der junge Wildhofen? Er ist hübsch und liebenswürdig, hat Zutritt in die vornehmen Gesellschaftskreise und — vor allem ist er reich. Bedenke, ein einziger Sohn und Erbe! Und dieses großartige, schöne Besitztum als Erb- tell! Ich weiß wirklich nicht, wo in der Welt noch eine vorteilhaftere Partie zu finden wäre."
„Cs fragt sich also nur, ob Herr von Wlld- hofen die Absicht hegt, mir seine Hand anzutragen", unterbrach Sabine die sprudelnde Rede ihrer Mutter. „Ueber diesen Punkt bin ich mir denn doch noch nicht so sehr sicher."
„Warum nicht? Das sieht doch jedes Kind, daß er in dich verliebt ist. Weshalb zweifelst du allein daran?"
„Hast du dir das junge Mädchen, das sich in dem kleinen Frühstückszimmer aufhielt, als wir eintraten, etwas genauer angesehen? Frau bon Wildhofen nannte sie ihre angenommene Nichte."
-Ja. Was ist mit ihr? Ein recht unbedeutend aussehendes kleines Dingi"
„Ich finde sie ganz reizend."
..Pahl, eine Null, auf die Gnade ihrer 23er- wandten angewiesen."
„Nun, dann bin ich auch eine Null, berat ich Dtn auch auf die Gnade anderer Qeute anae- totefen.
bank im Frühjahr 1925 eine solche gegründet. In 48/* Jahren haben etwa 110 Einleger mit kleinen und kleinsten Einlagen die schöne Summe von etwas mehr als 6150 Mark zusammengetragen, von denen allerdings rund 650 Mark wieder zurückgezahlt oder als Spareinlage bei der Kasse' angelegt wurden. Unstreitig wäre ein Teil des Geldes für unnötige Dinge aus- gegeben worden und damit für die Einleger verloren. Ganz abgesehen vom finanziellen Erfolg darf man es als Plus buchen, daß in der Jugend durch Schulsparkassen der Sparsinn geweckt wird; auch beweist die Benutzung dieser Einrichtung, dah das Vertrauen zu den ländlichen Kassen im steten Steigen begriffen ist.
Kreis Friedberg.
WSN. Butzbach, 5. Ian. Ein eigenartiges Ereignis trug sich in einer der letzten Nächte in der Krachbaumgasse zu. Dort muh in den unteren Stock des einen der an der Stadtmauer hängenden Häuschen am Elektrizitätswerk ein Auto oder ein sonstiges Fuhrwerk hin - eingefahren fein, d. h. es wurde von diesen? Gefährt die untere Wand eingedrückt, so dah sie herausgenommen und das Häuschen mit Pfosten gestützt werden muhte. Hierbei wurde auch anderer Sachschaden angerichtet. Von dem Vorfall wollen die Hausbewohner (die teils schwerhörig sind) nicht wahrgenommen haben. Dis jetzt hat man trotz eifriger Nachforschung noch keine bestimmten Feststellungen über die eigentliche Ursache machen können.
„Schwatze doch nicht solchen Unsinn! Du weißt recht gut, wie schwer dein Aeußeres in die Waagschale fällt. Doch ich möchte wirklich wissen, was jenes Mädchen mit dir und deinen Angelegenheiten zu schassen hat?"
„Nur so viel, dah ich hörte, wie der junge Wlldhofen sie mit einem Schmeichelnamen an- redete, was mir natürlich zu denken gab. Das junge Ding ist unstreitig sehr hübsch, und es kam mir vor, als sähe sie ihn mehr als freimd- lich an. Man kann nie wissen —“
. „Wie kannst du dir nur eine Sekunde lang einbilden, daß feine Eltern dergleichen dulden würden!?" rief Frau von Rechten verächtlich. „Sie beten ihren Sohn an; er ist eine Art Halbgott für die beiden hochmütigen Alten — und was ist das Mädchen? Nichts als eine armselige Gesellschafterin. Glaube mir nur, -daß sie sie schnell genug aus dem Hause jagen würden, falls sie nur die geringste Annäherung zwischen beiden bemerkten."
Sabine erhob sich und stand ihrer Mutter plötzlich Auge in Auge gegenüber. Ihre Gestalt, ohnehin um einige Linien größer, schien förmlich zu wachsen, als sie die vor ihr Stehende mit Blicken maß, in denen ein nahezu drohender Ausdruck lag.
Frau von Rechten schien unter der durchdringenden Musterung dieser klaren, blauen Augen ein starkes slnbehagen zu empfinden.
„lind denkst du nicht", kam es jetzt langsam von Sabines Lippen, „dah Herr und Frau von Wildhofen auch mich sofort aus dem Hause weisen würden, falls ihnen gewisse Sachen zu Ohren kämen? Sicherlich ist es schlimm, nur eine arme Gesellschafterin -u sein; aber tausendmal schlimmer ist es, sch als eine alle Welt täuschende Betrügerin zu fühlen, und dah ich das bin, weiht du, liebe Mutter, so gut als ich."
Ohne ein weiteres Wort hinzuzufügen, verließ Sabine das Zimmer, begab sich in ihr eigenes Schlafgemach und drückte die Tür hinter sich ins Schloß.
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Am Frühstückstisch auf Schloß Wildhofen hatte Doris stets den Tee ober Kaffee einzuschenken, wobei es manchmal, wenn zahlreiche Gäste vorhanden waren, geschah, dah sie kaum Zeit fand, sich selber zu versorgen.
Gleichsam verschanzt hinter einem großen, silbernen Teekessel und einer ganzen Batterie silberner Kannen und Kännchen, war sie vor beobachtenden Blicken geborgen und förmlich abgetrennt von der übrigen Gesellschaft. Sie waltete ihres Amtes, ohne dah man viel mit ihr gesprochen ober von ihr eine Beteiligung am Gespräch erwartet hätte. Dafür aber beobachtete sie um fo schärfer.
Kreis Lauterbach.
WSN. Herbstein, 5. Ian. Das hiesige Amtsgericht verurteilte die Landwirtin Helena Katharina Schneider aus Herbstein toegeit Milchfälschung zu einem Monat Gefängnis und zur Tragung der Kosten des Verfahrens. Auherdern wurde auf Veröffentlichung des Urteils erkannt.
Kreistag des Kreises Wetzlar.
ZI Wetzlar, 4. Jan. Der neugewählte Kreis- tagfürdenKreisWetzlar trat gestern unter dem Vorsitz des Landrats - Miß zu feiner ersten Sitzung zusammen. Landrat M i ß begrüßte die neugewählten Kreistagsabgeordneten und führte fir in ihr Amt ein. Einsprüche gegen die Gültigkeit der Kreistagswahl sind nicht erhoben worden, so daß der Kreistag die Gültigkeit der Wahl von Amts wegen beschließen konnte.
Dann tätigte der Kreistag die Wahl des Kreis- a u s s ch u s s e s und der sonstigen Kreiskommissionen. Hierbei wurden gewählt: a) in den Aeltesten - r a t: die Kreistagsabg. K n o t h e (Wetzlar) und Ziegler (Wetzlar) SPD., Droh (Katzenfurt) und Bausch (Krofdorf) Arbeitsgemeinschaft, Dr. Kühn (Wetzlar) Dem., Wieser (Wetzlar) Zentr. und Heckel (Wetzlar) Komm.; b) in den Kreis- a u s s ch u ß: die Kreistagsabg. Fischer (Wetzlar), Dodenbender (Salzböden) und Knot he (Wetzlar) SPD., Droh (Kagenfurt), Bausch (Krofdorf und Dr. Köhler (Wetzlar) Arbeitsgemeinschaft; c) als K r e i s d e p u t i e r t e: die Kreistagsabg. Fischer (Wetzlar) SPD. und Bausch (Krofdorf) Arbeitsgemeinschaft; d) in den Vor - standderKreissparkasse: Ziegler (Wetzlar) und Bodenbender (Salzböden) SPD^ Droh (Katzenfurt) und Langsdorf (Groß-Rcch- tenbach) Arbeitsgemeinschaft; e) in die Kommis- sionzurPorbereitungdesKreishaus- Haltsplanes: Kircher (Burgsolms), Watz (Kleinaltenstädten), Becker (Wetzlar) SPD., G a h (Dutenhofen), Schmidt (Aßlar) und Ziegler (Braunfels) Arbeitsgemeinschaft, Wieser (Wetzlar) Zentr., und N e e b (Leun) Dem.
Die Rechnung der Kreiskommunal- taffe für das Rechnungsjahr 1928, welche in Einnahme mit 4 110 0510,69 Mark, in Ausgabe mit 4 071 999,99 Mark, sowie mit einent Bestände von 38 510,70 Mark ab schließt, wurde der besonderen Kommission zur Prüfung überwiesen. Die Rechnung der K r e i s s p a r k a s s e für das Ge schäftsjahr 1928 wurde in Einnahme auf 47 985 411,60 Mark, in Ausgabe auf 47 855 599,76 Mark festgestellt. Der Bestand beträgt 39 811,84 Mark. Für das Geschäftsjahr 1930 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 105 200 Mark festgesetzt.
Die Aufnahme eines kurzfristigen Zwischen- k r e d i t e s in Höhe von 55 500 Wk. bei der Rheinischen Wohnungsfürsorgegesellschaft für bic Bezuschussung von Kleinwohnungen wurde einstimmig genehmigt. Die Satzungen des Kreisjugendamtes wurden dahin geändert, daß nach jeder Neuwahl des Kreistages auch sämtliche Mitglieder des Jugendamtes neu gewählt werden. Zu Mitgliedern des Kreis- jugendamtes wurden gewählt: Lehrer Hans Watz, Ehringshausen, und Heinrich Schneider, Dorlar, (SPD.), sowie Lehrer Gaß, Dutenhofen, und Pfarrer Bausch, Krofdorf, (Arbeitsgemeinschaft).
Die Abgabeordnung für die Erhebung von Vorausleistungen für die *29 e g e b aru - Unterhaltung im Kreise Wetzlar mußte aus formellen Gründen neu beschlossen werden. Eine Vorlage über die Aenderung der Jagd- steuerordnung, nach welcher Ausländer an Stelle des bisherigen Steuersatzes von jährlich 30 Prozent der Iagdpacht nur einen solchen von jährlich 20 Prozent bezahlen sollen, wurde von der Tagesordnung abgesetzt, weil hierüber noch nähere Informationen eingeholt werden sollen. Einem im Entwurf vorliegenden Vertrag, betreffend die Aebernahme der Llmgehungs-
Am Morgen nach ihrer Ankunft erschienen die beiden schönen Gäste des Schlosses pünktlich zur allgemeinen Frühstücks stunde. Sie waren wieder ganz einfach gekleidet.
In ihren ausgesucht geschmackvollen Toiletten sahen sie wieder täuschend wie Schwestern aus, und als sie Arm in Arm das Zimmer betraten, schien es Doris abermals ganz unmöglich, zu glauben, daß beide Mutter und Tochter seien.
Tatsächlich hatte Sabine erst ihr zwanzigstes Jahr zurückgelegt. Ihrem ungemein sicheren Auftreten nach aber hätte man sie für älter Ijalten können. Ihre Mutter, die soeben vierzig Jahre alt geworden war, erschien hingegen durch An- toenoung künstlicher Verjüngungsmittel und ir- folge einer blühenden Gesundheit jünger als sie war. Diesen Anschein suchte sie noch mehr aufrechtzuerhalten dadurch, daß sie sich stets wie ihre Tochter kleidete.
Doris war jung und enthusiastisch genug, um eine eifrige Bewunderin der Schönheit zu fein, und — obgleich ein dunkles Gefühl von Mißtrauen gegen jene beiden in ihrem Herzen bestand — sie war wie bezaubert von diesen ebenmäßigen, schlanken Gestalten, den üppigen, goldblonden Haaren und dem unbeschreiblich zarten, wie durchsichtigen Teint. Sie bemerkte aber, daß Frau von Rechtens Wanaen noch ein lebhafteres Rot auswiesen als die ihrer Tochter und war ganz überrascht von dem blendenden Weitz ihrer Zähne, das zu den Lippen einen bezaubernden Kontrast bildete. Einige Minuten später freilich zeigte sich ihr in diesem so bewunderten Gesicht ein Ausdrück, der sie erschreckte.
Auf dem Tisch, neben Frau von Rechtens Tasse, lagen einige Briefe, von denen sie bis jetzt nicht sonderlich Notiz genommen hatte. Der Hausherr reichte ihr artig ein Federmesser zum Oeffnen, bevor er sich, seiner Gewohnheit gemäß, hinter feiner Zeitung verschanzte. Frau von Rechten hatte der Dame des Hauses soeben versichert, daß sie vorzüglich geruht hätte und wandte sich nun, da Kurt sich in angelegentlichem Gespräch mit Sabine befand, ihren Briefen zu, während der Diener mit einer leisen Frage an Qtau von Wildhofen herangetreten war.
. konnte ihr von chrem Platz aus voll ins Gesicht sehen und beobachtete plötzlich, wie
Stelle der rosigen Farbe eine geisterhafte -Bfane getreten war. die um so auffallender tourbe, als sich zwei hellrote Flecke auf den Wangen und zwei fast scharlachrote Linien auf
Lippen grell abhoben. Die Wirkung war überwältigend, und Doris sah wie gelähmt, ohne ihre Augen von den entstellten Gesichtszugen abwenden zu können, die sie nun an eine Clown- Physiognomie erinnerten.
(Fortsetzung Hgt.)


