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schwebt der Vorhang vor den kommenden Ereignissen, aber ein Zipfelchen hat der Nikolaus schon gelüftet. Ein bißchen Silberglanz und Tonnengrün leuchtet uns entgegen, Nüsse und Gebäck geben eine Vorahnung der Weihnachtstage.
Wir wollen ihn freundlich begrüßen, den alten, treuen Knecht. Wir wollen ihm entgegenlachen, und wie in früheren glücklicheren Iahren für
der, der vekleidung Bedürftiger u. a., eine Person- liche Hilfe, die wirksam mit dazu beitragen kann, die aus der materiellen, wie der seelischen Not lausender erzeugten Spannungen zu mildern. Der in diesen harten Zetten das Glück hat, noch In Arbeit und verdienst zu stehen, hat die gesteigerte sittliche und staatsbürgerliche Pflicht, den Volksgenossen, die arbeitslos geworden sind und darben müssen, zu Helsen, soweit es seine Leistungsfähigkeit, auch wenn sie Einbußen erlitten oder zu erwarten hat, irgendwie zuläht.
Daher richtet die hessische Regierung an die gesamte Einwohnerschaft Hessens den dringenden Rus: verschließt Herzen und Hände nicht vor dem Massenelend! helfe feder, der helfen kann, die N o t s e in er Volksgenossen z u lindern!
Die hessische Bevölkerung hat stets in Notzeiten hilfreichen vürgersinn bewiesen, daher kann die Regierung hassen und vertrauen, daß ihr Notruf nicht ungehört verhallt und daß sich dieser Gemeinsinn gegenüber der jetzigen ungeheueren Notlage erneut bewähren wird.
Darmstadt, 4. Dezember 1930.
hessisches Gesamtministerium.
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Samstag, den 6. Dezember 1930, 20 Uhr, in der Neuen Aula der Universität: ,944D
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zum Besten des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft
Nach längerem Leiden verstarb am Dienstag der Facharzt Dr. med. Reinhold Wasl 6 in Gießen. Der Heimgegangene entstammte einer allen Apothekerfamilie in Schlitz und studierte, nach dem Schulbesuch in seinem Heimatstädtchen und aus dem Gymnasium in Fulda, in Würzburg und Gießen Medizin. Seine erste ärztliche Tätigkeit übte er in Herbstein aus, später ging er nach Heppenheim a. d. Bergstraße. Nachdem er dann mehrere Jahre in Straßburg im Elsaß oraktiziert hatte, siedelte er wieder nach seiner oberhessischen Heimat über. In mehr als zwanzigjähriger pflichteifriger Arzttätigkeit in Gießen — in den Kriegsjahren leitete er auch mehrere Gießener Lazarette — hat sich der Verewigte dank seiner umfassenden ärztlichen Kenntnisse und seiner guten menschlichen Eigenschaften in allen Kreisen der Gießener Bürgerschaft, darüber hinaus aber auch bei der Landbevölkerung ein hohes Maß von Vertrauen und Wertschätzung erworben.
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schon Jugend, unterstützt notleidende Witwen und Waisen, vermittelt Stellen für deutsche Mädchen nach Südwest- und Ostafrika, ermöglicht dle Ausbildung in der Kolonialfrauenschule in Rendsburg (Holstein), gibt RetiedethUfen und sorgt für den Dächer- und Zeitfchriftenversand nach den deutschen Farmen in Afrika. — Durch den Beuch des Konzerts der Gesangsschule Heermann kann jedermann dazu beitragen, daß die großen Ausgaben des Bundes gefördert werden.
— Die Nationalsozialistische Deutsch« Arbeiterpartei veranstaltet am nächsten Sonntag in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine öffentliche Versammlung, in der Kapitänleutnant a. D. von Millinger sprechen wird. Näheres in der heutigen Anzeige.
LU. Uni versitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, 7. Dezember, 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Provisor Dr. Schumann.
•• Fremdenoor st ellung im Gießener Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Um auch dem auswärtigen Publikum, dem vielleicht nur am Sonntag der Theaterbesuch möglich ist, Gelegenheit zu bieten, eine Operette zu hören und um das Programm der sonntäglichen Fremdenoorstellungen möglichst ab- wechslungsreich zu gestalten, hat die Intendanz sich entschlossen, die Vereinigten Operettenbühnen Bochum-Hamborn zu einem Gastspiel am Sonntag, 7. Dezember, zu verpflichten. Zur Aufführung gelangt die Operette „Der Vetter aus Dingsda" von Haller und Rideamus, Musik von Künneke. Musik und Libretto dieses Werkes der leichten Muse durften ihre Publikumswirkung nicht verfehlen. Beginn der Vorstellung 18 Uhr, Ende 20.30 Uhr.
* Gestohlene deutsche Wertpapiere in Paris zum Kauf angeboten. Die bei dem Einbruch in das Amtsgericht zu Vilbel nm 25 November von den Dieben erbeuteten 2000 Gold- mark 8-v. H. Gold Pfandbriefe der Frankfurter Hy- pothckenbank, 500 Goldmark 8-0.5).- und dreimal 100 Goldmark 8-v. H.-Pfandbriefe der gleichen Hi)po. thekenbank sind nach polizeilichen Feststellungen in Paris zum Kauf angeboten worden. Ob die Wertpapiere verkauft oder beschlagnahmt wurden, ist bisher hier noch nicht bekannt. Von den Einbrechern fehlt bis jetzt noch jede Spur.
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Aus der provinzialbauptstadl
Gießen, den 5. Dezember 1930.
Wenn der Molaus kommt.
Am vorigen Samstag begegnete mir in einer belebten Straße der Stadt ein kleines Mädchen mit einem runden Paket, aus dem die Tannenzweige herausschauten. Ein Adventskranz! Cs waren nicht nur die grünen Zweiglein, die mich aufschauen ließen, sondern vor allem die glan^ zenden Augen des Kindes. Advent I Nur noch einige Wochen, dann kommt das Weihnachtsfest! Ich nickte dem Mädchen zu. ohne etwas zu sagen, schaute nut auf den Hosfnungskranz, und es nickte strahlend zurück. Wir hatten uns ver- standen, auch ohne Worte.
Aber heute meldet sich die frohe Zett durch den Nikolaus an. Läßt uns der Adventskranz mit seinen paar Kerzen aufschauen und künftiger Tage gedenken, so tritt der Nikolaus ganz anders auf. besonders für unsere Kinder. (St ist nicht nur ein Sinnbild, ein stilles Wahr- Zeichen, das auf ein großes Ereignis Hinweisen will, sondern mit seiner Person verbindet sich Handlung und Leben. Er ist der erste Dole, der schon Gaben verteilt und wunderbare Hoffnungen erweckt. Wenn er gegangen. ist, zieht der Geruch vom Tannenbaum und süßem Weihnachtsgebäck durch das Zimmer. „Es weihnochtet"
Ist es mit dem Nikolaus nicht wie mit der ersten Lerche im Frühjahr? Schlägt da das Herz nicht auch schneller in Erwartung schönerer Zeiten? Schon die Vorfreude ist ein großes Glück. Ein geheimnisvoller Zauberschein umhüllt die paar seligen Wochen, mag es auch draußen stürmen, und mögen Regenschauer hernieder- plahen. Die Freude ist ja inwendig in uns, in unferm Herzen.
Wer sich in diesen Tagen nicht mitfreuen kann, der schaue nach den Kindern! Pilgere einmal langsam an den Schaufenstern mit den Spielsachen vorüber, wo sich die Kleinsten die NäSchen platt drücken an den Glasscheiben, bleibe einige Minuten stehen und lausche den Gesprächen der Kinder! Schon die glücklichen Gesichter erhellen uns den Tag. Ich bin sicher, daß dann auch der Abglanz dieses Frohsinns in dein Herz fällt.
Wir werden ja in diesem Iahte der Not keine „reichen" Weihnachten feiern können, aber wir wissen alle, daß es nicht auf die Menge der Gaben ankommt. Ein grünes Tannenzweiglein, einige Aepfel und Nüsse, und für die Kleinsten ein einfaches Spielzeug, all das hilft schon, daß wir trotz der trüben Zeit einmal auf atmen und uns von Herzen mit den Kindern freuen können. Glücklich sind die, die selbst zum Kinde werden und in diesen Tagen schon die Weihnachtsglocken hören.
Wie ein zarter Schleier breitet sich über unser Tun und Denken eine geheimnisvolle Stimmung. Manche Türen finden wir verschlossen, und leises Gekicher verrät, daß da Ueberraschungen vorbereitet werden. Wir sind nicht neugierig, wir tun so, als ob wir nichts gehört hätten. Aber auch die Kinder merken, tote sich Vater und Mutter leise unterhalten, tote sie plötzlich verstummen, wenn die Kleinen ins Zimmer kommen. Auch sie sagen nichts, aber ihr Herzchen klopft doch schneller. Erwartungsvolle Tage!
Der Nikolaus ist ein rechter Zauberer. Er bringt Sonnenschein und Freude ins Haus. Noch
Das Andenken an diesen Helfer der ^leidenden Menschheit wird bei vielen Bürgern in Stadt und Land in guter Erinnerung fortlcben.
Bornotizcn.
— Tageskalender für Freitag. Stadt- theater: „Der Tenor der Herzogin", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Busid.Haus und Schule": Adventsfeier in der Zohanneskirche, 20 Uhr. — S. T. A.: Oeffentlicher Vortrag: „Jesu Auferstehung", 20.15 Uhr, im Realgymnasium. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Irene Rysbergnes große Liebe". — Astoria-Lichtspiele: „Falschmünzer" und „Amor auf Ski".
— Aus dem Stadtthea t erbureau wird uns geschrieben: j)cute, 19.30 Uhr, Gastspiel (einmalig) der Frankfurter Oper in der Opernoperette „Der Tenor der Herzogin", dem jüngsten Werk des bekannten Komponisten Künneke.
— Die Gesangsschule Heermann veranstaltet am morgigen Samstag, 6. Dezember, ein Wohltätigkeitskonzert, dessen Neinertrag der Ortsgruppe Gießen des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft zur Verfügung gestellt werden soll. Der Frauenbund der Deutschen Kolonial- gesellschast umfaßt in 111 Abteilungen über 22 000 Mitglieder und schuf sich ein weites Arbeitsgebiet, dessen Bewältigung nicht nur durch die stete tatkräftige Hilfe der Mitglieder, sondern auch durch die Opserbereitschaft breiterer Volkskreise möglich ist. Der Verein betreut die deutschen Schulpensionate in Südwest- und Ostafrika, gibt Stipendien für Berufsausbildung der deut-
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Ein Winter von N o l ungeheueren Ausmaßes steht vor der Tür. Unzählige deutsche TUitbürger, arbeitswillig und arbeitsfähig, sind als Opfer der furchtbaren Wirtschaftskrise aus Arbeit und Brot gesetzt und mit ihren Familien dem Elend langdauernder Arbeitslosigkeit preisgegeben.
Staat, kreise und Gemeinden tun ihr Aeußerster und Letztes, um durch Arbeitsbeschaffung und Fürsorge zu helfen, aber ihre kraft reicht nicht aus, aller Not zu steuern. Nur wenn ohne Rücksicht auf Partei, konsefsion und Stand alle Volksgenossen, die noch Helsen können, in dem ernsten und festen Willen zur Hilfe für die Notleidenden zusammenstehen, kann gehofft werden, das Elend dieses Winters zu meistern. Wir rechnen daher auf die stets bewährte Mithilfe der freien Wohlfahrtspflege, der chari- talioen verbände, denen es gelingen möge, durch planmäßige Veranstaltung von Sammlungen von Geld und Naturalien reichliche Mittel zur Linderung der Not auszubringen; die Organe der öffentlichen Fürsorge werden gerne ihre Mitwirkung zur Organisierung dieser ergänzenden Hilfs- tätigtest leihen. Wir rechnen aber auch und ganz besonders auf die werktätige und von Herzen kommende Mithilfe von Mensch z u Mensch, die ein weites Tätigkeitsfeld findet auf dem Gebiete I der Nachbar Hilfe, der Speisung armer Kin- I


