weil es seine Zähigkeit und die Entschlossenheit seines Willens bewunderte. Dieser schweigsame Mann hat 1890, 1893 und 1905 an der Spitze von Aufständen gestanden, immer mit dem einen Ziel, das freie, gleiche und geheime Wahlrecht zu erringen. Er hat sich nicht durch verlockende Angebote der Konservativen Partei von seinem Wege abbringen lassen, und gerade die Tatsache, das; er bestimmt nicht käuf- l i ch gewesen ist — diese seltene Tatsache hat ihn zu einem Liebling des Volkes gemacht.
Am 12. Oktober 1916 wurde er nun Präsident. Damals gab es eine starke Strömung, die den Eintritt Argentiniens in denKrieg erzwingen wollte. Der unbeschränkte Unterseebootkrieg schien die Lage der argentinischen Friedensfreunde hoffnungslos zu gestalten. Aber Jrigoyen wollte die Aeutralitätbe- wahren, and er dachte sich ein wunderbares
goyenS. Die beiden Männer gehörten keiner vornehmen Familie an; sie stammten aus dem Volk, und sie haben ihre Herkunft nie verleugnet. Auch nach ihrem Aufstieg erkannte man in ihnen noch die Söhne des harten Basken- stammes, der im Gebirgsland der Pyrenäen seinen Wohnsitz hat, und dessen Vachkommen sich zum Teil in Argentinien angesiedelt haben.
Die Bürgerpartei war eine revolutionäre Organisation und versuchte im Jahre 1890 zum erstenmal den gewaltsamen Umsturz. Am 26.Juli jenes Jahres kam es zu Kämpfen; der Präsident Celma muhte ab- danken, und der Vizepräsident Pellegrini trat an seine Stelle. Das Jahr 1893 brachte neue Aufstände, die aber niedergedrückt wurden. Es i'st wichtig, sich diese Jugenderlebnisse des greifen Präsidenten vor Augen zu halten, denn sie haben seinen Charakter entscheidend beeinflußt.
Das Parlamentsgebäude in Buenos Aires.
Jrigoyen hat niemals vor Gewalttaten Angst gehabt — was man übrigens den meisten südamerikanischen Präsidenten nachsagen kann. Auf ein paar Verfassungsbrüche, auf die Vichtbeach- tung von Gesehen kommt es nicht so genau an. Diel wichtiger war es diesem Mann, d i e Macht zu behalten. Als Führer seiner Partei hat er das allgemeine und geheime Wahlrecht und darüber hinaus die Wahlpflicht in Argentinien durchgeseht, und damit hat er selbst das Instrument geschaffen, durch das ihm der Weg zum Rosafarbenen Haus in Buenos Aires gebahnt wurde.
Im Jahre 1916 wurde Jrigoyen zum erstenmal zum Präsidenten von Argentinien gewählt. Das war sehr erstaunlich, denn die Argentinier lassen sich bei Wahlen nur schein- bar von politischen Programmen leiten, während sie in Wahrheit ihre Stimme nur einer von ihnen geliebten Persönlichkeit und nicht dem Vertreter einer bestimmten Idee geben. Run ist Hipolito Jrigoyen sicherlich ein gerissener Politiker und ein willensstarker Mann; aber er ist keine mitreißende Persönlichkeit und noch nicht einmal ein großer Redner. Dieser Volkstribun hat noch niemals in seiner ganzen politischen Laufbahn in einer Massenversammlung eine Dede gehalten. Rur im Beratungszimmer macht er Heu Mund auf, und wegen seiner Schweigsamkeit in der Oeffentlichkeit, die in einem Land romanischer Kultur besonders merkwürdig ist, haben ihn seine Gegner oft „ei mundo“, „Öen Stummen" , genannt Das Volk wählte ihn,
Mittel aus, diesen Zweck zu erreichen. Die Kriegshetzer beabsichtigten nicht, aktiv in den Krieg einzugreifen, es handelte sich für sie mehr um eine Demonstration und um eine wirtschaftliche Angelegenheit. Jrigoyen verständigte diese Herren nun davon, daß für ihn eine so friedliche Kriegführung nicht in Frage käme. Sollte tatsächlich der Krieg erklärt werden, so würde man sofort ein Heer nach Frankreich schicken, und alle Kriegshetzer würden ein- gezogen werden. Das wirkte, und Argen- t i iue n blieb neutral. Deutschland ist dem Präsidenten dafür zu Dank verpflichtet; aber man muß dennoch bei der Wahrheit bleiben und zugeben, daß für Argentinien Jrigoyens Präsidentschaft von 1916 bis 1922 keineswegs günstige Folgen gehabt hat.
Vach der argentinischen Verfassung darf der Präsident nicht zweimal hintereinander gewählt werden. Vach dem Ablauf seiner Amtszeit sorgte Jrigoyen deshalb dafür, daß ein „Strohmann", sein Freund de Alvear, in das Rosafarbene Haus einzog. Dieser Mann sollte den Platz bis zu Jrigoyens Wiederwahl im Jahre 1928 für den Parteiführer reservieren. Run hatte Jrigoyen in seiner ersten Präsidentschafts- Periode ein sehr persönliches Regiment geführt und vor allen Dingen dafür gesorgt, daß nur seine zahlreichen Freunde und die zuverlässigen Mitglieder seiner Partei alle wichtigen Qlcmter besetzten. De Alvear war gegen diese Personalpolitit, und unter seiner Präsidentschaft spaltete sich die Bürger
union In die Radikalen und die Antiperso- nalisten. In dem Wahlkampf, der vor zwei Jahren stattfand, gingen die Antipersonalisten mit der konservativen Gruppe zusammen, aber die Radikalen erfochten unter ihrem' Führer Jrigoyen einen durchschlagenden Erfolg. Kein früherer Präsident tonnte sich auf eine ebenso große Majorität stützen. In zwei Jahren ist es Jrigoyen gelungen, diese ungewöhnliche Volkstümlichkeit vollständig zu verscherzen. Unter ihm ist eine unglaubliche Mißwirtschaft eingerissen. Seine Herrschaft begann damit, daß er ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist und , ohne jede Entschädigung rund 10 000 Staatsbe- |
amte auf die Straße setzte. An ihre Stelle sollten seine Anhänger treten. Vach einem halben Jahr gab es in feinem Regierungsgebäude 70 000 unerledigte Akten, deren persönliche Bearbeitung sich der Präsident Vorbehalten hatte. Die Provinzen, die ihm nicht völlig gefügig waren, wurden militärisch besetzt. Langsam mußte die Mißstimmung einen Grad erreichen, der zur Explosion führt. Die A b s a tz k r i s e für Agrarprodukte erhöhte die Gefahr. Es ist sehr fraglich, ob Maschinengewehre noch etwas helfen, noch dazu, da ein erheblicher Teil der Armee zu den Rebellen hält.
Geschichten ans aller Welt.
Wer etwas dagegen einzuwenden hat. . .
(f) London.
Auch in alten Pfarramts-Agenden in Deutschland soll es noch die Trausormel geben, in der es nach dem Jawort heißt: „Wer etwas gegen die Eheschließung einzuwenden hat, der wende sich an die gehörige Stelle..." — Daran muß man denken, wenn man hört, weshalb es einem Arzt in Australien untersagt wurde, sich in der Luft trauen zu lassen. Der Mann, der etwas kann und deshalb einen angesehenen Namen hat, dachte: „In Amerika ist diese Art der Trauung längst eingeführt. Warum soll Australien hinter Amerika zurückstehen?" Er mietete also sich und seiner Verlobten sowie den dazugehörigen Hochzeitsgästen den entsprechenden Flugzeugraum und bekundete den Behörden seinen Wunsch, sich hoch in den Lüften trauen zu lassen. Der Priester war verständigt, und schon wollte die Gesellschaft zum Flugplatz fahren, als in letzter Stunde ein Justizbeamter erschien und die Zeremonie in der Luft verbot. Begründung? In Australien gibt es ein Gesetz, nach dem der Raum, in dem die Trauung oorgenommen wird, eine unverschlossene Tür.aufzuweisen haben muß. Auf diese Weise soll jedem, der „etwas dagegen einzuwenden hat", die Möglichkeit gegeben werden, einzugreifen. Bis zum letzten Augenblick! Das wäre aber bei einer Trauung in der Luft nicht möglich. Eine solche Zeremonie in einem Flugzeug ist also nur dann statthaft, wenn sie auf dem Flugplatz vor sich geht. Sie dürfte ruhig im Flugzeugraum, aber bei nichtlaufendem Propeller erfolgen. — Der Arzt verzichtete dem Vernehmen nach auf diese Begünstigung und beschloß, die Hochzeitsreise in einem Flugzeug rund um den australischen Kontinent zu unternehmen.
Kleiner Kriminalroman.
(v) Budapest.
Der Tischlergeselle Johannes Ujoary kann ein Liedchen darüber singen, daß Undank der Welt Lohn sei, insbesondere im Königreich Ungarn. Hielt da vor einigen Wochen ein verwegener Bankräuber namens Cinober die gesamte Polizei des Landes in größter Aufregung. Der Bursche erleichterte die Kasse einer der größten Banken von Budapest um die runde Summe von einer Viertelmillion Pengö und verschwand so spurlos, daß die gesamte Her- mandad Ungarns hilflos dastand und zum allgemeinen Hohngelächter der Bevölkerung die Untersuchung einstellen mußte. Da meldete sich Ujoary, beanspruchte für sich die ausgesetzte hohe Belohnung und lieferte zweimal vierundzwanzig Stunden später den so lange vergeblich gesuchten schweren Jungen mit einer Selbstverständlichkeit ein, als ob er zumindest bei Sherlock Holmes Kriminalistik studiert hätte. Man war platt ob dieser Leistung; was dem großen staatlichen Apparat nicht gelungen war, brachte ein kleiner Tischleryeselle ohne Anstrengung fertig. Die Presse feierte Ujoary als ein neuentdecktes Detektivgenie, die Bank zahlte ihm mit Handkuß die Belohnung aus und der Polizeipräsident von Budapest dankte dem Biedermanne in einem eigenhändig geschriebenen Briefe für feine erfolg- reichen Bemühungen. Nach drei Tagen verfügte
dann derselbe Polizeichef die sofortige Verhaftung seines „bewährten Mitarbeiters" Ujvary, den die Polizei — feit 1926 wegen Unterschlagungen verschiedener Art vergeblich suchte. Sic transit gloria mundi: der einzige geschickte Detektiv von Ungarn entpuppte sich selbst als ein Verbrecher und wanderte ins Kittchen. •
Ein Kurpfuscher wird als Arzt entlarvt!
(r) Bukarest.
Daß der Akademiker in der heutigen schweren Zeit auch nicht auf Rosen gebettet ist, beweist ein tragt» grotesker Vorfall in dem ehedem ungarischen, der- zeit rumänischen Dörfchen Hatszeg (Siebenbürgen). Vor einiger Zeit stellte der Dorfschuster einen jungen Gesellen an, dem man ansah, daß er wohl früher einmal „etwas Besseres" gewesen sein mußte. Da der neue Arbeiter jedoch das Handwerk einwandfrei beherrschte, und sich auch sonst bescheiden und tadellos benahm, kümmerte man sich wenig um fein Vorleben'und lieh ihn in Ruhe. Als nun die einzige Tochter des Meisters erkrankte, erbot sich der Geselle, das Kind feines Brotherrn zu „heilen" und vollbrachte das „Wunder" binnen zwei Tagen. Die Zauberkraft des jungen Schuhmachers hat sich bald in der ganzen Umgebung herumgesprochen, die Leute hatten maßloses Vertrauen zu dem wundertätigen Medizinmann und er hatte in den nächsten drei Monaten Gelegenheit, seine außerordentliche Tüchtigkeit in mehr als hundert Fällen zu beweisen. Durch Zufall erfuhr auch die Aerzte» kammer in der etwa fünf Stunden entfernten Kleinstadt von den Pilgerfahrten der Bevölkerung zu dem „Schuster-Kurpfuscher" von Hatszeg. Man erstattete Anzeige und eines Tages erschienen zwei Gendarmen in der zum Privatsanatorium avancierten Schuhmacherwerkstatt, um den gefährlichen Mann zu verhaften. In ihrer Gesellschaft befand sich auch ein Arzt, der nicht wenig erstaunt war, als sich der Schustergeselle als einwandfreier „Dr. med." mit feinem Diplom legitimierte. Nichtsdestotrotz wurde Herr Doktor Schuster vor den Kadi zitiert. Vor der Behörde erklärte dann der junge Arzt, warum er diese etwas sonderbare Art der Praxis wählte: „Die Bauern haben kein Vertrauen zu den Medizinern, und zu den jüngeren schon gar nicht. Sobald einer als Kurpfuscher auftritt und das Glück hat, einige Patienten auch wirklich zu kurieren, strömen dagegen die Leute in Scharen zu dem Wundertäter." — Die Behörde hatte fein Verständnis für die Nöte der Aerzteschaft und der entlarvte „Kurpfuscher" wurde verpflichtet, in Zukunft sich als Diplommediziner erkenntlich zu machen. Schweren Herzens kehrte er nach Haszeg heim und fürchtel sehr, das „Vertrauen" der einfachen Leute endgültig verscherzt zu haben ...
Ein Bettler spielt auf.. .
(a) Neuyork
Vor einiger Zeit veröffentlichte der Konzertmeister des Chikagoer Symphonieorchesters Jacques Gor- don einen Aufsatz, in dem er die kühne Behauptung aufstellte, das Durchschnittspublikum fei in der Regel unfähig, gute Musik von schlechter zu unterscheiden. Ob sich ein Musiker durchsetzt, hängt niemals von
Helene Chlodwigs
Schuld und Sühne.
Vornan von Z. Schneider-Foersil.
Urhcber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
5. Fortsetzung. Nachdruck verboten
Die Mutter, unfähig auch nur die geringfügigsten Anordnungen zu treffen, überließ alles dem Sohn, die ganze Sorge für die Beerdigung, die Mitteilungen an Verwandte und Freunde, die Anmeldung des Todesfalles bei den Aem- tern und was es sonst noch bei so traurigen Anlässen zu erledigen gibt.
Franke war am Abend wie gerädert, fiel wie ein Klotz in die Kissen und schlief in schweren, wilden Träumen bis zum Morgen.
e' 2lm Tage der Beerdigung lachte die Sonne, als ob es sich^ um ein großes Freudenfest und .richt um eine Totenfeier handelte, die da draußen auf dem Waldfriedhofe vor sich ging.
Sie ist nicht gekommen, dachte Franke in die Worte des Geistlichen hinein und ließ den Blick rasch über die ansehnliche Reihe der Trauergäste gleiten. Anter jedem Schleier, der ein Frquen- gesicht umhauchte, tauchte seine Veugier und suchte die Züge, die sich darunter verbargen, zu durchdringen. - Das ihre war nicht dabei.
Er fühlte, wie schwer der Arm der Mutter in Mm seinen lag, und zwang seine Gedanken zur Ruhe und Sammlung. War das sein Dank und leine ganze Liebe für den Toten, daß er jetzt in dieser Stunde an die Frau dachte, von der er noch vor vier Wochen nichts gewußt hatte?
Als sich der Strom der Teilnehmenden zerstreute und er mit der Mutter und den nächsten Anverwandten durch das schwarze Gittertor trat, sah er eine Dame auf einen Mercedes zuschreiten Die Figur war kindhaft schlank, und der Schleier der sich über dem kleinen Hütchen bauschte zurückgeschlagen.
„ Helene I" —
Die Geheimrätin sah flüchtig zu ihm auf, aber sie war zu sehr mit ihrem Schmerz beschäftigt als daß sie weiter auf ihren Sohn geachtet hätte' Dessen Augen hingen unverwandt an der geliebten Frau und suchten jedes Wort zu erhorchen, das sie mit Mamert Bödlinger sprach
Dann wurde er plötzlich ganz fahl. Aus der Limousine streckte sich eine Hand, die ihr in den Fond half.
Er lieh den Blick abgleiten und sah über Helene hlnweg.
Voch heute abend wollte er sie vor die Entscheidung stellen: »Averson — oder ich."
Wie rasch man lügen lernt, dachte Franke, als er der Mutter von dem dringenden Krankenbesuche, den er noch zu machen hatte, sprach.
„Warum schickst du deinen Vertreter nicht?" klagte die Geheimrätin. „Heute, wo ich ohnedies so verzweifelt und verlassen bin, mußt du noch von mir gehen."
„3d> werde so rasch als möglich wieder zurück sein, Mama." Was sie ihm noch nachrief, hörte er nicht mehr.
Wenige Minuten später saß er schon in einem Mietwagen und gab dem Chauffeur Bescheid.
„Soll ich leer zurückfahren, oder kommen Sie wieder mit, mein Herr?"
..Ich komme wieder mit.“
Dann setzten sich die Räder in Bewegung. Die Julinacht war lau und schnieichelnd. Als man die letzten Hauser der Stadt ijn Rücken hatte, lieh Franke sich tief in die Polsterung fallen. Aus den Vororten kam Lichtgeflimmer, ein Hund schlug an, unwirklich nah standen die Gärten, hinter denen verschwiegene Villen träumten.
2lb und zu tauchte das gütige Gesicht des Vaters vor ihm auf, eine Hand legte sich fest, und doch ohne Bürde zu sein, aus seine Schulter. „Ja, mein Just! So ist es nunl Man soll nichts schwerer nehmen, aber auch nichts leichter, als es genommen zu werden verdient."
Dann verschwamrnen die Züge, es wurden die von Helene Chlodwig daraus: „Du hast mich krank gemacht, vielleicht muh ich sterben daran." Er lehnte den Kopf in das kühlgraue Leder. „Ob sie sich mit der Mutter vertragen würde?" Helene war modern, grohzügig. Die Mutter kleinlich und voll ewiger Sorge um das Morgen, so dah die Freude am Heute darunter verdorren muhte.
Der Vater hatte erwartet, daß er die Blutter zu sich nahm und diese selbst setzte es als bestimmt voraus. Ob sich das verwirklichen lieft? — Schon der blotze Gedanke an Unfrieden tieften ihm einen bitteren Geschmack auf die Zunge treten.
Merkwürdig, wie viele Städter letzt schon auf das Land flüchteten! Es war eine ganze Reihe pon Wagen, die von Westen hereinkommend, an ihm vorüberglitten. Man fuho zum Feierabend hinaus und tarn bei sinkender Vacht wiederum in die Stadt zurück.
Die zwei Stunden Fahrt, die ihm bei Beginn wie eine Ewigkeit vor Augen gestanden, hetzten vorüber, ohne dah es ihm eigentlich zum Dewuht- sein kam. Erst als der Wagen die Steigung nach Rottach-Derghof hinaus nahm, wurden seine Augen wach Das Gehöft lag dunkel wie ein langgestrecktes Tier, das mit erloschenen Augen ins Tal hernüdersah. Ein paar Glühwürmchen tanzten den Hang hinab. Eins setzte sich vorwitzig, ohne daft er die Hand danach streckte, auf seinen Aermet.
Ein Lampion schaukelte zwischen den Aesten der
Bäume. Aus einem offenen Giebelfenster kam der Klang einer Zither, die von einer Gitarre begleitet wurde.
Als das Auto hielt, erhob sich von der Bank, die sich am Hause hinzog, eine Gestalt und kam aus ihn zu. Einen Moment schien es, als habe sich ein Glühwürmchen mitten in den Mund des Mamert Bödlinger gesetzt. Aber das Wölkchen, das daraus hervorkam, lieft die kurze Pfeife erkennen, aus der er in die Abendluft paffte.
„Jesses, der Herr Doktor! Js Ihnen wohl zu dämpfig worden in der Stadt drinnen, gell?"
Sranfe hielt die dargebotene Hand mit festem Druck zwischen die seinen. „Die gnädige Frau ist wohl?"
".Ich kent schon", sagte Mamert Bödlinger gleichmütig, „sie ist heut' früh nach München neigfaftr’n und noch nicht zurückkommen."
Franke verspürte einen jähen Schlag über den Körper hin. „Ich kann sie wohl gar nicht mehr erwarten, Mamert?"
„Kaum", machte Bödlinger und spuckte in einem großen Bogen auf den Rasen vor der Bank. Daß S' nicht antelephoniert hab'n? Dann hält' man's Ihnen zu wissen tun können, daß Sie's nicht antreffen. Ist ein schöner Weg raus und wieder z'rück."
Das mußte Franke zugeben. „Sie können mir auch nicht sagen, ob ich die gnädige Frau nicht doch erwarten kann?"
Der Verwalter schüttelte den Kops. „Ich weiß gar nichts, Herr Doktor. Dieweilen ist die Gnädige schon mitten in der Vacht kommen — oder auch eine ganze Woche gar net und nachher kommt s wieder jeden Tag, wie ein Uhkwerk, wann s einmal aufzog n is. Wie's halt grad auf- g’Iegt is, die Frau Kammersängerin. — Soll ich was ausrichten?"
Franke zögerte. „Kann ich hier ein paar Zeilen schreiben?"
Bödlinger ging ihm nach dem Haus voran, schloß die Türe, welche in ein ebenerdiges Zimmer führte, auf und dann eine zweite, die in Helenes Arbeitsraum mündete.
Der Flügel glänzte aus dem Dämmer zwischen beiden Fenstern. Als Bödlinger das Licht aufflammen lieft, deckte Franke für ein paar Sekunden die Hand Über die Augen, so schmerzte ihn das Strahlenbündel. Er suchte nach einem Cßlatt Papier und da er nicht an den Schreibtisch treten wollte, rift er ein solches aus seinem Votizbuch und lehnte sich über den Flügel, ein Votenheft als Unterlage benützend. Es waren nur ein paar Worte, die er hinwarf.
Er steckte den Zettel in ein Kuvert, das er nun doch vom Schreibtisch nehmen muftte, und legte es in die Mitte der großen Ledermappe, die ihren Vmnenszug trug.
„Sagen Sie dec gnädigen Frau, daß ich hier gewesen bin, ihr meine Aufwartung zu machen.
— Und bestellen Sie meine ergebensten Grüße." „Fehlt sich nix, Herr Doktor. Ich werd's schon ausrichten."
Der Motor surrte. Der Chauffeur schien müde zu sein, denn er döste-auf dem Führersitz vor sich hin, und erwachte, als er Öle Stimme seines Fahrgastes vor sich aufklingen horte. „Ich lasse öie gnäöige Frau bitten, mir Descheiö zu geben, wenn sie zurück ist."
„Woll'ns Sie's nicht lieber gleich in öer Stadt aufsuchen?" fragte Bödlinger. „Alt-Harlaching Vr. 56.“
„Das wird vielleicht das Richtigste sein. Franks reichte ihm öie Hand unö stieg in den Wagen. Zufällig glitt fein Auge über das obere Stockwerk hin. Er glaubte eine weiße Hand zu feften, welche öie ©aröinen übereinanöerfchob. Er zog den Fuß zurück unö sah Böölinger fragend an. Der sah jetzt ebenfalls nach den Fenstern des ersten Stockes hinauf. Aber öie weißen Vorhänge lagen ohne jeöe Bewegung.
Der Doktor hatte eine Frage auf öer Zunge, unterörüdte sie aber, sah nach der Uhr, unö lieft sich im Fond nieder. „Ich werde also in Harlaching vorsprechen. Guts Vacht, Bödlinger!"
Die Scheinwerfer des Wagens teilten die Dunkelheit nach beiden Seiten, wie öie Schaufeln eines Schneepfluges.
Von einem der Fenster, die ins Tal spähten, sahen ihm zwei öunfelgeränöerte Augen nach, bis die Biegung ihn verschlang. Zwei Minuten später lief Helene die Treppe hinab unö hastete über öie Schwelle des Arbeitszimmers. Ihre Finger rissen öie Hülle auf, die in gelblicher Tonung auf der Schreibmappe flimmerte.
„Er — oder ich. — Just."
Sie griff nach der Lehne des Stuhles und hielt sich daran fest. „Er — ober ich." — Von dem Dritten, der allein über sie zu entscheiden hatte, wußte keiner.
Sie fiel auf den Sessel vor dem Flügel unö warf öie Arme über öas glänzende Holz. Keine mußte so wie sie für den Irrtum ihrer Jugend- jahre büßen.
* * *
Helenes Zofe sprang an den Apparat. „Lisbeth, bist du es?" klang es ihr aus dem schwarzen Hörrohr entgegen.
„Gewiß, gnädige Frau!"
„Höre, Lisbeth. Wenn Herr Dr. Franke nach mir fragen sollte, sag, daß ich schon zu Bett gegangen wäre! - Jawohl, zu Bett gegangen, Lisbeth. Morgen früh ab zehn Uhr bin ich für ihn zu sprachen. Vicht früher. — Hast du verstanden, Lisbeth? Ja? — Sonst etwas Veues?"
„Ein Herr Petratini ist schon zweimal hier gewesen."
(Fortsetzung folgt.)
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Man h°l l-h SS SS® M-ht. Allen hie Leute da, lag auf fchn saufen, immei liebenswütdig hört doch alle^ Deshalb liefc1 Den Notar c Siegel und Ur es, Daß er fei war nämlich n Mann wieder Autobus. Da es besonders e klingelte der e noch ousfpringi Schaffner den flehentlichen B ten zu lassen, stehen. So et® noch dazu mit nur ein schwär wiedergutmache Denn et wollte verlieren. 2m' belanglose Frc zunächst übet Prinzipiensach rein sachlich. Worten die P aber dreimal ser, er hätte zu antworten Gedanke war erst recht an. wiesen, beino Entschluß abe wieder Den 9 ment um. Wer turrenj Der On bahnet.
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