feinen Fähigkeiten, sondern lediglich von den äußeren Umständen ab. Eine Tageszeitung hat Gordon ousgcfordert, seine Behauptung auch zu beweisen. Der allgemein bekannte Geiger oerklr bete sich daraus als Bettler, nahm seine Meifteraeige unter den Arm und begann an einer verkehrsstarken Ecke der Michigan Avenue zu spielen. Dos sonderbare Konzert dauerte über zwei Stunden, in dieser Zeit warfen die vorübergehenden insgesamt vier Dollar und 65 Lents in den Hut des verwahrlosten und ge- brechlichen Spielmanne». (Borbon spielte dieselben Stücke, mit denen er auf seinem letzten Solokonzert einen Bombenerfolg erzielte Damals erhielt er vierhundert Dollar für seine Mühe und darüber hinaus siebzehn Lorbeerkrän;^ für den famosen Kunstgenuß. den fein Spiel den „musikalischen" Zuhörern vermittelte. Diesmal horchte kein einziger Straßen- passant auf. Selbst der berühmte Musikhistoriker, unter dessen Fenster der alte Bettler absichtlich Aufstellung nahm, schickte sich nicht an, den Maestro b;w seine „Bogensuhrung" au erkennen und beschrankte sich daraus, ihn mit einem eigenhändig „ge- roorfenen1 Fünf Lenkstück zu entlohnen. (Borbon behielt also recht — mögen sich damit die vielen un- entdeckten Musiker aller Länder trösten! ...
Aluch brr Unhöflichkeit
— Paris.
Man hat schon von den seltsamsten Testamenten gehört. E» wird also gewiß kein Aussehen erregen, wenn ein Monn, bevor er sich zum Sterben hinlegt, fein immerhin mehrere Millionen Franken aus- machendes vermögen den — Autobusschoffnern vermacht. Allen Aulodusschassnern von Pari».. Denn die Leute dauerten ihn gar zu sehr. Den ganzen lag auf schwankendem Boden durch die Straßen sausen, immer treppauf, treppab rennen und stets liebenswürdig und böslich sein müssen, — dazu^ gehört doch allerhand Ueberwindung des eigenen Zchs. Deshalb ließ er. al» er seine Stunde kommen suhlte, den Notar holen und machte sein Testament. Mit Siegel und Unterschrift. — Aber das Schicksal wollte e», daß er seine Stunde falsch erkannt hatte. Sie war nämlich noch gar nicht da. vielmehr wurde der Mann wieder gesund — und fuhr nach wie vor Autobus. Da geschah es ihm eine» Tage», daß er es besonder» eilig halte. Als er zur Haltestelle kam, klingelte der Schasfner gerade ab. Schnell wollte er noch ausspringen. Breitbeinig verstellte ihm aber der Schassner den Weg. Und ließ sich durch einen flehentlichen Blick nicht erweichen, noch einmal halten zu lassen. Wie angewurzelt blieb unser Mann stehen. So etwas war ihm noch nicht passiert. Und noch dazu mit seinem (Erben! Aber gewiß war das nur ein schwarzes Schaf. Und der nächste würde es wiedergutmachen. Ja, er wollte, daß die» geschehe. Denn er wollte nicht den Glauben an seine Schaffner verlieren. Im nächsten Wagen stellte er deshalb eine belanglose Frage an den Schaffner. Und erhielt — zunächst überhaupt keine Antwort. Nun war es Prinzipiensache. Er fragte also noch einmal, diesmal rein sachlich (Er stellte eine Frage, die zu beantworten die Pflicht des Schaffners war. (Er mußte sie aber dreimal wiederholen. Und dann brummte dieser, er hätte keine Zeit, auf alle dummen Fragen zu antworten. Nun war es aber aus! Sein erster Gedanke war: ich beschwere mich. Du kam er aber erst recht an. In brüskem Tone wurde er zurückge- wiesen, beinahe hinausgeworsen. Nun stand sein Entschluß aber doch fest. Er ging nach Hause ließ wieder den Notar kommen und stieß sein Testament um. Wer das Geld jetzt bekam ? Nun, die Kon- kurrenz der Omnibusschaffner, nämlich die Straßen- dahner. ______________
Dberbeffen.
Kreistag in Alsfeld.
• Alsfeld, 4. Sept. Der Kreistag deS Kreises Alsfeld beschäftigte sich in einer außerordentlichen Sitzung mit der Heber- nahme de r Garantie des Kreises Alsfeld für ein Kapital von 40 000 Alk. für die Errichtung der Kadaververwertung «- a n ft a [ t in der Gemarkung Hopfaarten. Die Kadaververwertungsanstalt, die mittlerweile bereits in Betrieb genommen ist, wurde von einem Privatunternehmer erbaut, der zur Bestreitung von restlichen Kosten, in der Hauptsache Handwerkerforderungen, und zur Bereitstellung eines
Die Jagd im September.
Denn der Laubwald sich zu verfärben beginnt. Wenn lausende kleiner, silberglänzender Spinnefäden über Feld und Flur segeln, wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel hemiedertcheint, dann ist der ..Altweibersommer" da. eine Zeit höchsten weidmännischen Genufses.
„Zu Aegidi tritt der Hirsch m die Brunft", sagt alte Weidmannsregel. Nicht als ob damit des edlen HirfcheS Rohren schon zu Beginn deS Monats zur Musik für- WeidmannSohr würde. Aber die Feiftzeit ist zu Ende, das Wild verändert seinen Stand. daS Kahlwild wandert den altgewohnten Brunftplätzen zu. und bald wird sich auch der eine ober andere Geweihte -um Brunftrudel gesellen, biS schließlich der Platz» h r ch an kal em Septembermorgen g-gen QUoneti- enbe -um erstenmal verkünbet. daß er gewillt ist, leine Rechte gegen jeden Nebenbuhler zu schützen. Die höchste Zeit deS Jahres beginnt für denjenigen. dem eS vergönnt ist. den König unserer Wälder auf dem Höhepunkt seines Leben- zu strecken.
Das Damwild steht noch in der Feiste, aber auch es rubelt sich schon allmählich in der Nähe bet Brunftplähe zusammen.
Da- Schwarzwild hat reich gedeckten Tisch. Nicht nur die Kartoffel- und Nübenschläge ziehen eS an, sondern im Forst beginnen Eicheln und Bucheckern xu fallen, so daß da- Wild bald seist werben wird.
Das N e h w i l d steht noch gern in Dorhölzem in Feldnähe oder gar noch in Kartoffel- oder Maisfeldern und in Feldhecken, wo ihm Klee und Wiesen Aesung in Fülle bieten. Der nach der Brunft meist recht heimliche Bock hält im September seinen Wechsel häufig wieder wie im Mai.
Der FuchS ist noch schlecht im Haar. Will man ihn mit Rücksicht auf das Niederwild kurzhalten, lohnt sich fein Abschuß nicht.
Dagegen wird dar Dachs immer felfter und kann schon gegen Monat-ende gegraben werden. Die Obstgärten und Baumstücke sind ein bevor- zuteS Ziel feiner nächtlichen Wanderungen. Da er als Bertilger zahlreicher Schädlinge und ihrer
Larven in Frage kommt, empfiehlt eS sich, ihn nur schonend zu bciagcn und vor allem von der Berwendung von Eisen abzusehen. SS ist kein Kunststück, den einen ober anderen Grimbart morgen- trüb ober im Abendbärnmern vor die Flinte xu bekommen.
Der Hase hat noch Schonzeit. Wenn die Kartoffelernte beginnt, wird die Deckung Immer knapper 3n altem GraS, Hecken. Fcldhölzern u. ä. finbet er bann Lager und Wochenstube
Die Hühner'agb bat begonnen. 3br Ergebnis scheint wieder einmal etwa- belfer zu fein al- in den Borjahren, wenn eS auch nicht an unentwickelten noch nicht fchußreifen Hühnchen fehlt, die Folge der zahlreichen Dermähun- gen während der frühen Steuerntc.
Der Fatan. dessen Bestände bei un- allmählich wieder heranwach'en, hat noch Schonzeit, so bah erfreulicherweife die 3ungfa,ancn nicht wahllos mit den Hühnern zusammen heruntergeknallt werden können.
Die Entenjagd wirb an Flüssen und Teichen weiterhin Erfolg versprechen.
Die Ringeltaube fällt an Bachufern und Tümpeln gern ein, meist an den gleichen Stellen, die insolgedeffen einen Ansitz lohnend machen können. Ober man schießt sie gelegentlich der Hühnerjagb auf ben Stoppeln.
Im September beginnt ber Dogelzug und damit auch der Rückzug der Waldschnepfen. In manchen Revieren lohnt sich die Suchjagd auf Schnepfen mit kurzfuchenbem Hund.
Wenn jetzt bie Dreschmaschine überall brummt, empfiehlt es sich, mit dem Kaff, bas meist doch als wertlos verbrannt wirb, bie Fasanen- und Hühnerfütterungen zu beschicken. Die Deckungen draußen werden bald knapp werben und dann beginnt bas Wandern ber Fasanen. Wer sie daran hindern will, mache ihnen sein Revier möglichst wohnlich. Der rechte Weidmann freut sich nicht nur ber Erntezeit, er fchaut auch schon weiter auf bie Notzeiten, die kommen können, und beugt vor. HubertuS.
gewissen Betriebskapitals den Betrag von 40 000 Mark benötigt. Das Kapital, für dessen Sicherheit Eintragung an erster Hypothekenstelle und die Garantie deS KreifeS Alsfeld gefordert wurde, stellt die Dezirksfparkaffe Al-feld zur Verfügung. Im Hinblick auf da- starke All- gemetnintereffe weitester Bevölkerungsschichten des KreifeS Alsfeld an dieser Einrichtung stimmte ber Kreistag ber beantragten Bürgschaftsüber- nähme biS zur Hohe von 40 000 Mark zu.
Landkreis Gießen.
• Leihgestern, 4. Sept. Auf dem benachbarten Hofgut Neuhof wurde am Dienstag das 6 0. Arbeitsjubiläum deS FuttermeisterS und Kutschers Heinrich Winter in festlicher Weise begangen. Die Arbeit war au8 Anlaß dieses seltenen Jubiläums eingestellt, Festtagsstimmung erfüllte die große Zahl ber Teilnehmer an dieser seltenen Feier der Arbeit. Der Pächter des NeuhofS, Herr Brückmann, würdigte in seiner Ansprache mit warmen Worten den Lebenslauf, die Eharaktercigenschasten und die Verdienste des Jubilar-. Dann zollte Oekonomierat Müller, der feit 52 Jahren Besitzer des Hofguts Neuhof ist, dem langjährigen Mitarbeiter Worte hoher Anerkennung. Als Vertreter der Landwirtschaftskammer überreichte Herr C e l l a r i u s , Schotten, dem Jubilar mit anerkennenden Worten ein Diplom mit der goldenen Medaille für treue Dienste. Bei Kaffee und Kuchen wurde sodann das festliche Ereignis noch gebührend gefeiert und dabei durch froh- geftimmte Unterhaltung allen Teilnehmern einige angenehme Stunden bereitet. Zusammen mit dieser Jubiläumsfeier wurde auch al» zweiter Jubilar des Neuhofs Herr ® remm, der fett 30 Jahren dort tätig ist, gebührend geehrt und ihm mit anerkennenden Worten eine Bronzemedaille mit Diplom von dem Vertreter der Hessischen Landwirtschaftskammer überreicht.
Der Gesangverein .Eintracht -Leihgestern ehrte die Iubilare am Abend durch ein Ständchen, anschließend vereinigte man sich noch für einige Stunden auf dem Neuhof zu froher Feier bei der die herzlichen Bande zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer In schönster Welse in Erscheinung traten.
X 2111 e n b o r f (L o h n), 4. Sept Der Verbindungsweg von hier nach Dutenhofen, den täglich viele Einwohner benutzen, wird gegenwärtig mit festem Unterbau versehen und mit Steinsplitt abgebeeft. Das Material wirb in dem der Gemeinde gehörigen Steinbruch.Hopfenstein" gewonnen, so daß für bie Verbesserung nur die Kosten bes Arbeitslohnes entstehen. Die Ausgabe wird aus den Mitteln ber produktiven Erwerbs- losenfürsorge bestritten.
' Rüdbingshausen, 4. Sept. Heute feierte ber Gemeinderechner Ludwig Sohl II. fein 2 5. Jubiläum al» Rechner der hiesigen Gemeinde. Dem Jubilar, der sich stets durch Plichttreue und Unparteilichkeit auszeichnete, wurde durch den Bürgermeister im Beisein ber Gemeindevertretung eine prachtvolle Uhr mit entsprechender Wid- mung überreicht. Die Einwohnerschaft wünscht ihm, daß er noch lange Jahre der Kommunalverwaltung erhalten bleiben möge zum Wohle der Gemeinde.
Kreis Friedberg.
Pb. D u tz b a ch, 5. Sept. Der Direktor der hiesigen Bezirkssparkasse Mathilden - stift, Aktuar i. R. Heinrich Rühl, begeht heute seinen 7 0.Geburtstag. In Alsfeld geboren, widmete er sich nach Absolvierung der dortigen Realschule dem mittleren Iustizdienst, in den er am 1. Oktober 1879 eintrat Nachdem er verschiedentlich seinen Dienstort gewechselt wurde er am 2 Januar 1901 von Friedberg nach hier versetzt. 3m Jahre 1910 wurde er zum Aufsichtsratsmitglied gewählt, und im Jahre 1915 an Stelle des aus geschiedenen Direktors Gg. Müller
zum Direktor bestimmt. Der Jubilar, der sich durch große Begabung und reiche juristische Kenntnlsi« auszeichnct, erwarb heb durch fein entgegenkommendes und treunbliches Delen bei allen, die mit ihm zu tun batten. Hochachtung und Vertrauen Er übernahm bie Verwaltung des Ma- thilbenstiftes während ber Kriegszelt, die Auf- 8aben wuchsen, es kam die Inflationszeit, bie mfübrung der stabilen Währung, die Aufwertung und aus Beschluß ber Sparkaffenverbände ber bankmäßige Ausball. Allen diesen Aufgaben zeigte sich ber Jubilar in vollem Maße gewachsen. Der Ausslchlsrat bes MathilbenstiftS veranstaltete dieser Tage eine kleine interne Feier, bei welcher bie Verdienste beS Jubilars gewürdigt und ihm als Geburtstagsgabe ein Ruhesesfel überreicht wurde
Kreis Schotten.
♦ Caubacb, 4. Sept. Ende dieser Woche werden die Straß enbauarbetten durch Laub ach fertig Nachdem die Anfang Juni begonnene KleinpNastcrung ber unteren Lang- gaflc fcrhggcftellt war, würbe die Neubefchot» tening und Teerung der an der Peripherie von Laubach berfübrenben Provinzstraße am Ausgang nach Detterseld begonnen. Die Umleitung durch die bei dem Regenwetter stark schmutzige Vombach war eine böse Erschwerung deS Durchgangsverkehr- Lich Schotten sowohl, alS des Verkehr- nach Laudach Hinein. Nach- bem ber Durchgangsverkehr Grünberg - Laubach— Hungen hergestellt war, wurde ber Ausgang von ber oberen Langgasse nach Schotten bcrgcftellt, so bah der Durchgangsverkehr Lich— Laubach Schotten ohne bie l'enunung des Vom- bachweges mitten durch die Altstadt ermöglicht war. Mit diesen ein Vierteljahr dauernden Bauarbeiten bat das Straßenbild von Laubach ein neue-, zeitgemäßes Aussehen bekommen. Wenn auch der Verkehr und besonders ber Ernteverkehr längere Zeit sehr erschwert war, so freuen! sich mit den Autofahrern die Anlieger ber Straße, die nun nicht mehr ben ganzen Tag bie Fenster geschloffen zu halten brauchen.
ch. Aus dem Vogelsberg, 4 Sept. Die diesjährige Haselnußernte verspricht einen reichen Ertrag. Bis hoch hinaus in den Oberwald haben die Hecken einen starken Behang. Die Vollreife dürste in einigen Tagen erfolgen.
lSchluh de» redaktionellen Teil».)
Die Mode ist bei aller Unbeständigkeit nicht so willkürlich, wie eS den Anschein bat; eS bestehen — a. B. zwischen Frisur und Kleid — Wechselwirkungen, die eintreten müssen, wenn bie Harmonie der Erscheinung gewahrt bleiben soll. Als mit dem Tobe Ludwig XIV. die hohe schmale Fontange von der breiteren Codcnfrijur abgelöft wurde, erschien sofort ber ausladende Reifrock. Str kurze Rock von 1928 bedingte knappgeschnit- tene- Haar; sobald daS Haar länger würbe, mußte auch das Kleid wieder lang werden. Diese Harmonie ist au allen Zeiten angestrebt worden. Neu dagegen ist die Uebereinftimmxmg Awischen Haar und Kleidung in bezug auf Sauberkeit. 3m Zeitalter des Piravon ist die Pflege deS Haare» genau fo selbstverständlich wie die Reinlichkeit der Kleidung. 2228V
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Gießen, den 4. September 1930.
Hess. Forstamt Schiffenberg.
__________Nicolaus.__________
Bekanntmachung.
Der Voranschlag ber Stabt Lich für das Rechnungsjahr 1930 liegt vom Samstag, dem 6. September d. I., ab eine Woche lang auf dem Bürgermeistereibureau wäh- rend der Dienststunden zur Einsicht der Beteiligten offen. 6131D
In dieser Zeil können Einwendungen schriftlich oder zu Protokoll oorgebracht werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.
Lich, den 5. September 1930.
Hess. Bürgermeisterei Lich.
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