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nerS einen Anzug gestohlen und ihn im Pfandhaus versetzt. Das Gericht ver­urteilte ihn zu ehn Monaten Gefäng­nis. Ein 23jähnger Angeklagter, achtmal vor­bestraft. u. a. wegen Zuhälterei, der sich an bcn Tumulten aus Radaulust und Zerstö­rungswut beteiligte, erhielt neun Monate Gefängnis. Zwei jugendliche Angeklagte wur­den wegen einfachen Landfriedensbruches zu je drei Monaten Gefängnis, ein anderer wegen Beteiligung an der Zerstörung der Wohnung des Separatistenführers Schäfchen zu sechs Mo­naten Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter hatte auf der Straße Zigaretten und Zigarren, die aus einem zerstörten Geschäft herausgeworfen worden waren, aufgehoben. Wegen Fund­unterschlagung erhielt er 20 Mk. Geld­strafe. Ein anderer Angeklagter markierte in der Verhandlung den wilden Mann. Er wird auf seinen Geisteszustand untersucht werden.

In der Begründung des Urteils führte das Gericht aus, daß kein Staat derartige Aus­schreitungen dulden dürfe, da sonst die Existenz Des Staates gefährdet sei. Rur mit Rücksicht auf die allgemeine Erregung und Empörung der Bevölkerung über das Treiben der Sepa­ratisten habe das Gericht Milde walten lassen.

SS bleibt bei der Tariferhöhung

Der Reichsverkehrsminister lehnt noch­malige Nachprüfung ab.

Berlin» 4. Aug. (ERD.) Die Reichsvereini­gung der Reisenden und Vertreter im Gewerk- fchaftsbund der Angestellten hatte den Reichs­verkehrsminister gebeten, die genehmigten Tarif­erhöhungen, die am 1. September in Kraft treten, wegen der unsozialen Belastung der dritten Wagenklasse nochmals nachzuprüfen. Der Reichsverkehrsminister hat hierauf geantwortet, daß er diesem Anträge nicht entsprechen könne. On der Begründung des Reichsverkehrs- ininisteriunrs heißt es:Die Deutsche Reichs­bahngesellschaft ist durch einen empfindlichen Ein­nahmerückgang seit dem vorigen Herbst in finan- Mlle Schwierigkeiten geraten. Rach sorgfältiger Prüfung hat die Reichsregierung sich entschlossen, Der beantragten Erhöhung zuzustimmen. Sie glaubte das um so mehr tun zu können, weil sie die Erhöhung der Wagenladungs­lar ife entsprechend der Entschließung des Reichseisenbahnrates wegen der außerordentlich ungünstigen Rückwirkung auf die Gesamtwirt­schaft und auf alle Volkskreise abgelehnt hatte. Auch fallen die Beträge, um die die P e r - sonenfahrpreise erhöht werden sollen, gegenüber den allgemeinen Kosten einer Reise nicht entscheidend ins Gewicht und werden sich für das reisende Publikum nicht besonders drückend auswirken.

Oer Streit um die Sozial­versicherung in Frankreich.

3m nordfranzösischen Textilrevier von Roubaix, Tourcoing und Hingegen!) ist ein sehr merkwürdiger Generalstreik zur Wirk­lichkeit geworden. Der Kampf dreht sich darum, wer die La st en der soeben eingeführ­ten französischen Sozialversiche­rung zu tragen hat. Rach langwierigen Ver­handlungen hat das französische Parlament sich auf die Einführung eines umfassenden Sozial­versicherungsgesetzes geeinigt, dessen praktische Durchführung zu zahlreichen Schwierigkeiten Ver­anlassung gegeben hat. Viele Firmen und Indu­strien haben ihre Preise ganz erheblich her- aufgesetzt, und zwar um Beträge, die weit über das hinausgehen, was sie mutmaßlich an Mehrbelastung durch die Sozialversicherung zu tragen haben. Heber die Verteilung der L a st e n ist es zu tiefgehenden Meinungsver­schiedenheiten zwischen Arbeitgebern und Arbeit­nehmern^ gekommen. Die französische Regierung hat anläßlich der Proklamierung des General­streiks und anläßlich einiger kommunistischer Aus­schreitungen die Polizeikräfte im nordfranzösischen Industrierevier bedeutend verstärkt. Die Streik- Parole^ ist von den Arbeitern entsprechend der Beschlüsse der Gewerkschaften befolgt worden. Die Streikbewegung hat auch auf einige andere Teile Frankreichs übergegriffen.

Lusifriede mii Polen?

Zwischen Deutschland und Polen ist so etwas wie ein Luftfriede zustande gekommen. Auf unsere sehr nachdrücklichen Beschwerden haben die Polen doch wohl eingesehen, daß das fortgesetzte Spazieren­fliegen ihrer Militärflugzeuge über der deutschen Grenze eine Unmöglichkeit ist. Sie haben deshalb Urfehde geschworen. Mehrere der Uebeltäter aus der letzten Zeit sind disziplinarisch bestraft, und für künftige FÄle hat die polnische Regierung Maß­nahmen in Aussicht gestellt, wodurch Wiederholun­gen oerhindet werden sollen. Warten wir ab, wie­weit das wirklich hilft. Es kann uns niemanb- ver­denken, wenn wir nach dutzendfachen Grenzver- letzungen etwas mißtrauisch geworden sind, weil wir darin keinen Zufall, sondern ein bestimmtes S y st e m gesehen haben, um so mehr, weil die polnischen Flugzeuge überall da erschienen, wo für sie vielleicht aus der Geländebeobachtung mili­tärisch etwas zu holen war. Die Art frei­lich, wie von Warschau aus dieser Luftfriede ver­öffentlicht wird, muß bedenklich stimmen. Die pol- Nische Regierung behauptet, daß die Zuwiderhand­lungen auf Fehler Der Flieger oder auf atmosphä­rische Einwirkungen zurückzuführen seien. Sie be­hauptet zudem, daß ähnliche Fälle auch auf deutscher Seite festzustellen seien. Das stimmt doch wohl kaum. Natürlich ist nicht zu vermeiden, daß hin und wieder einmal sich ein Flieger verirrt, zumal bei der Grenzziehung, wie sie im Versailler Vertrag beliebt worden ist. Aber schließlich handelt es sich auf deutscher Seite doch immer um Ver- kehrsflugzeuge, während es auf polnischer Seite regelmäßig Militärflieger waren. Und das ist doch immerhin ein Unterschied; nach unserer Meinung sogar ein entscheidender Unterschied.

Oer Fall Euvelier.

Der Fall selbst ist unbedingt peinlich. Französische Schwimmer kommen Anfang Juli zu einem Wettkampf nach Zeitz. Sie schlän­geln sich an die Ortsfchonen heran, werden dabei belästigt, Zuschauer suchen zu vermitteln, einer von diesen bricht plötzlich unter ei nem Messerstich zusammen, und der franzö­sische Schwimmer Euvelier wird als

Sine große Programmrede Minister Meirichs

Oas Reformwerk. Oie Sammlung der Mitte. Oie

Karlsruhe. 4. Aug. (WTB.) In einer Kundgebung der Deutschen Staatspartei sprach der Reichsminister der Finanzen Dietrich über das ThemaInteressentenhaufen oder Staats­volk". Finanziell und wirtschaftlich wird das­jenige Volk am ehesten aus den Schwierigkeiten herauskommen, welches sich den strukturellen Ver­änderungen in der Weltwirtschaft am schnell­sten anpaßt. Die Schlüsse, die hieraus zu ziehen sind, sind zunächst dreierlei Art.

1. daß ein weiteres Anschwellen der Reichs-, Länder- und Gemeindeaus­gaben unmöglich und daher Einschränkung und Sparsamkeit geboten ist,

2. daß die sozialen Einrichtungen in­sofern einer Reftzrm bedürfen, als die Aus­wüchse zu beseitigen sind,

3. daß die Lücken des Etats auf das schnellste auszufüllen sind.

Alle drei Aufgaben hat die Regierung in An­griff genommen.

Die Maßnahmen, die vorläufig getroffen sind, beheben die ärgsten Rotstände und bieten einige Monate Gewähr dafür, daß das Reich und mit ihm die sozialen Versicherungsträger nicht zah­lungsunfähig werden.

Die größte Sorge bereitet uns aber die Reform des Wahlrechtes und die R e - form des Reiches. Das Wahlrecht und das Wahlverfahren, das wir haben, sind völlig über­lebt. Die Verbindung zwischen Wäh­lern und Abgeordneten ist gelöst, die Parteibureaukratie und die Parteiinstan­zen sind allmächtig. Einen Zustand zu schaf­fen, der den Wähler wieder in Verbindung bringt mit feinem Abgeordneten, der ihm Einfluß gibt auf die Person des Abgeordneten und der damit gegenseitiges Verständnis und Ver­trauen hervorruft, muß das Ziel der Reform fein. Das gegenwärtige System des Wahlrechts hat zu einer unsinnigen Parteizersplitte­rung geführt, weil es jeder kleinsten Gruppe möglich machte, mit eigenen Listen aufzutreten. Dieses System hat aber insbesondere durch die R e i ch s l i st e gleichzeitig eine Anzahl Abgeord­neter in das Parlament gebracht, die nicht, wie es der Verfassung entspricht, die Interessen des gesamten Volkes wahrzunehmen in der Lage sind, sondern die die Interessen einer ein­zelnen Gruppe berufsmäßig verfech- t e n müssen.

3n der Mille stehl völlig zersplillerl derjenige Teil des Bürget- und Bauerntums, der freien Berufe, der Angestellten und auch eines be­scheidenen Teiles der Arbeiter, die die Träger des Gedankengutes der Entwicklung des hinter I

Aufgabe der Jugend.

uns liegenden Jahrhunderts sind. Kennen wir sie die liberale demokratische Gruppe oder nennen wir sie die fortschrittliche Gruppe, allen diesen Staatsbürgern ist gemeinsam die geistige und wirtschaftliche Einstellung. Es geht um die Frage, wie weit diese Schicht wieder zu Macht und

Einfluß gelangen kann.

Was wir brauchen, das ist der Zusammen­schluß der Mitte, genau so, wie sich die Rechte, soweit sie positiv an dem Staat mitarbeiten will, zusammenfindet. Wir haben die Staatspartei ins Leben gerufen, und die Gründung dieser Partei bezweckt, die Mitte zusammenzufassen. Die Demokratische Partei ist bereit, in dieser Staatspartei aufzugehen. Sie ist der Meinung, daß die Volkspartei dieselbe Aufgabe hat. Schon aber spielen wieder die taktischen Erwägungen, ob die eine oder andere Seite es falsch gemacht hat, eine Rolle Der Kampf um die Sache muß in den Vordergrund gestellt werden. Eine starke und fortschrittliche Mitte ist eine Notwendigkeit, auch für die Flügelparteien der Sozialdemokraten und Konservativen. Sie ist die Voraussetzung, daß das parlamentarische System in Deutschland sich behaupten kann. Sie ist demnach die unerläßliche Vorbedingung für eine geordnete Staatsführung auf republikanischer Grundlage. Sollte es im deut­schen Volk nicht soviele Menschen geben, daß wir eine so große Gruppe staatsgesinnter und staats­treuer Bürger bilden können, ohne die weder nach rechts noch nach links bei uns zu regieren ist?

Der Jugend rufe ich zu: Ihr seid in die Extreme gegangen, ihr seid nach rechts und links davongelaufen. Radausüchtige Elemente haben versucht, nicht euch zu begeistern sondern euch zu verleiten. Entschließt euch, zurück­zukehren zu positiver Mitarbeit am Staat. Ihr habt den Parteihader satt; also reiht die Grenzpfähle der Parteien nieder. Kämpft um euren Staat und damit um eure Zukunft. Das Bürgertum aber, der Träger gei­stiger und wirtschaftlicher Freiheit, kämpft den letzten Kampf um seinen Einfluß. Geht er verloren, so gerät das ganze Gedankengut der letzten hundert Jahre in Gefahr. Der Idealis- muß, ohne den kein Volk bestehen kann, verfallt, und im Kampf der großen Kapital­mächte mit den abhängigen Existen­zen um knappste Verteilung des Arbeitsertrages wird das deutsche Volk sich aufreiben. Wir sind ein beispiellos zähes Volk, das die Jahr­hunderte und Jahrtausende hindurch allen Schick­salsschlägen getrotz hat. Was uns fehlt, ist nicht Zähigkeit und ist nicht Willen, was uns fehlt und was wir erwerben müssen, das ist der Wille, ein Staatsvolk zu sein.

Täter verhaftet, bald daraus auch^ vom Schnellrichter zu vier Monaten Gefäng­nis verurteilt. Die Berufung, die er ein­gelegt hat, ist von der Strafkammer in Weißen­fels jetzt a b g e l e h n t worden, obwohl der Staatsanwalt eine Milderung des Hrteils auf dreihundert Mark Geldstrafe beantragt hatte. Schon das erste Urteil ist in Frankreich sehr stark politisch ausgenuht worden. Dieses zweite Urteil wird dasselbe- Schicksal erleben, zumal da wir bedauern, daß die Strafkammer an dem Urteil erster Instanz festgehalten hat. Der Nach­weis der Täterschaft scheint nach den vorliegenden Berichten nicht völlig einwandfrei geführt, dagegen spricht mancherlei dafür, daß die französischen Gäste angerempelt worden sind. Grund genug, von einer Gefängnisstrafe ab­zusehen; die Ansichten, daß mit einer Revision vorm Oberlandesgericht noch etwas zu ändern ist, sind nicht allzu groß, da es sich dabei nicht mehr um die Feststellung des Tatbestandes, sondern nur um die juristischen Folgerungen handelt.

*

Entgegen den Erklärungen des Zeugen Du­camp, der seinen Landsmann Euvelier nach Weißenfels begleitet hatte, und gleich nach seiner Ankunft in Frankreich in französischen Zeitun­gen von großen Kundgebungen der Wei­ßenfelser Bevölkerung gegen die Franzosen erzählt hatte, erklärt der Schwim­mer Euvelier selbst heute in einem Interview imPetit Parisien", daß die Bevölkerung von Weißenfels keineswegs gegen ihn de­monstriert habe. Die Arbeiterbevölkerung habe ihn bis zum Bahnhof begleitet und die Internationale gesungen, um gegen das Hrteil zu protestieren. Beim Reichsgericht, wo Revision des Hrteils beantragt sei, werde seine An­wesenheit vor Gericht nicht wieder notwendig sein. Gr habe Vertrauen zum endgültigen Er­gebnis. Man habe von einem möglichen Ab­bruch der Beziehungen zwischen den französischen und deutschen Schwim­mern gesprochen. Er sei nicht dafür, er sei i m Gegenteil bereit, sich Ende dieses Monats nach Nürnberg zu begeben, um sich bei der dort geplanten Veranstaltung mit deutschen Schwimmern zu messen.

Wie derMatin" berichtet, hat der Vor­stand des französis ch e n Schwimmer­verbandes, der unter dem Vorsitz des Präsi­denten des Stadtrates von Paris de C a st e l - laue steht, um den Stand der deutsch-französi­schen sportlichen Beziehungen, vor allem im Hin­blick auf die Beteiligung französischer Schwimmer an der im Lause dieses Monats stattfindendenSchwimmerveranstaltung in Nürn­berg geprüft. Die getroffene Entscheidung werde erst veröffentlicht werden, wenn sie dem Außen­minister zur Kenntnis gebracht sein werde.

Aus aller Well.

Deutscher Stenvgraphentag.

Aus dem Degrüßungsabend anläßlich des Deut­schen Stenvgraphentages hielt der Vorsitzende des Hauptausschusses, Studiendirektor Dr. Ta­ster die Begrüßungsrede. Der Redner huldigte Gabelsberger und Stolze als Altmeister der Kurz­schrift. Er grüßte Ferdinand Schrey, der heute noch in Berlin lebt. Ferner würdigte er die Schaffung der Einh e i t s ku r z s ch r i f t als einen Schritt auf dem Wege zur deutschen Ein­heit überhaupt und sprach die Hoffnung aus, daß die Einheitskurzschrift ihren Siegesmarsch weiter fortsetze. Auf der Festversammlung hielt Staatssekretär a.D. Heinrich Schulz die Fest­ansprache. Der Redner würdigte die Erfindung der Stenographie als eine geniale Tat, die kulturgeschichtlich dicht hinter der Erfindung der

Buchdruckerkunst rangiere. Er sprach allen Steno­graphen und Stenographenvereinen in Deutschland Anerkennung und Dank dafür aus, daß sie jahr­zehntelang im Kampfe mit der Gleichgültigkeit der Behörden und der menschlichen Natur die Sache der Stenographie hochgehalten haben und die Stenographie weit über alles Vereinsmähige hinausgeschoben haben. Mit der deutschen Ein­heitskurzschrift könne alles geleistet wer­den, was nur je ein anderes System zu leisten imstande sei. Auf sie hätten sich alle maßgebenden Faktoren, vor allem die Reichsbehörden und sämtliche deutsche Länder, geeinigt. Der Redner wandte sich schließlich an die Gegner der Cinheits- stenographie, die er aufforderte, die Streitaxt zu begraben und, sich mit den Anhängern der Einheitsstenographie zu der großen segensvollen Arbeit zu einigen, die Kurzschrift zu einem selbst­verständlichen Instrument für jedermann zu machen. Der Referent für Kurzschrift im Reichs­innenministerium, Oberregierungsrat Dr. Becker, überbrachte dann die Grüße des Reichsinnen­ministers. Auch die Länderregierungen von Bayern, Sachsen und Hessen ließen durch ihn ihre Anteilnahme am Deutschen Stenographentag zum Ausdruck bringen. Beim Bundesschnell­schreiben erhielten K i e r z e k, Aachen, (400 Sil­ben) das Bild des Reichspräsidenten und Pringsheim, Darmstadt, (340 Silben) eine Goldene Feder eines Berliner Zeitungsverlages. Ferner erhielten Ha atz, Würzburg, (320 Silben), Martin Günther, Berlin, (320 Silben), Paul Knoop, Berlin, (300 Silben). Wilhelm Dö­ring, Kulmbach, (300 Silben), Schulze, Berlin, (300 Silben), G r o b e i s, Kulmbach, (300 Silben), Käppel, Bergen, (300 Silben) und Schel­le hm, Braunschweig, (300 Silben) Schreib­maschinen bekannter Firmen.

Proteff gegen das Mainzer Befreiungsdenkmal.

Die katholische Geistlichkeit hat gegen das Befreiungsdenkmal einen Protest erlassen, der auf den Kanzeln ver lesen wurde und in dem es u. a. heißt:Auf dem Schillerplatz ist das sogenannte Befreiungsdenkmal eingeweiht worden. Ob es vom künstlerischen Standpunkt aus das Lob verdient, das ihm von mancher Seite gespendet wird, werden berufene Kritiker entscheiden. Als Katholiken müssen wir das Denkmal nicht bloß vom ästhetischen, sondern auch vom religiös-sitt­lichen Standpunkt bekämpfen und als öffentliches Denkmal a b l e h n e n. Ein großer Teil der katholischen Bevölkerung fühlt sich in seinem Empfinden tief verletzt, daß man in einer Stadt, die zu einem großen Teile katholisch denkt und fühlt, ein solches Denkmal aufgestellt hat. Keine sittsame christliche Frau wird sich in einer solchen Ent­blößung in der Oesfentlichkeit zeigen, aber man hält es für unbedenklich, an einem verkehrsreichen Platz eine nackte Frauengestalt in Stein darzustellen. Wir legen deshalb entschieden Verwahrung gegen die Aufstellung des Denkmals ein."

hirth gibt den Weiterflug auf.

Die deutschen Flieger Hirth und Weller sind auf dem Luftwege aus Kalladarnes kommend, in Reykjavik auf Island gelandet. Hirth hat den Weiterflug auf gegeben, da der De- zirksvorsteher in Iulianohaab auf G r önland telegraphisch mitgeteilt hat, daß sich dort keine Stelle befindet, die als Landungsplatz in Frage käme. Das Flugzeug wird nunmehr verpackt und mit dem DampferMinnesota" nach Mont­real (Kanada) abgehen.

Schwere Pilzvergiftung.

In einer Familie in Pillau (Ostpr.) wurden Pilze, die man auf einem Spaziergang gefunden hatte, gegessen. Darauf erkrankten elf Personen. Obgleich sofort ärztliche Hilfe her­beigeholt wurde, starben der Mann, die Frau, die Tochter, sowie eine befreundete Dame. Es

wurde festgestellt, daß sich unter den Pilzen einige Knollenblätterpilze befunden haben.

Schwere Verwüstungen durch eine Windhose.

Eine schwere Windhose, verbunden mit Wol­kenbrüchen und einem Gewitter mit Emgelschlägen, hat die Hingebung von Meldorf (im Dithmar­schen) heimgesucht und schwere Schäden ange­richtet. Eine große Zahl von Bauernhöfen wurde stark mitgenommen. Die Dächer wurden abge­deckt und zahlreiche landwirtschaftliche Maschinen zerstört. Durch das eindringende Wasser wurden im Innern der Häuser große Verwüstungen! angerichtet. In Meldorf wurden zahlreiche Allee­bäume wie Streichhölzer umgeknickt. Zwei Häuser mutzten wegen Einsturzgefahr geräumt werden.

Der Leiter des Dessauer Bauhauses zurückgetreten.

Der Leiter des Dessauer Bauhauses, Architekt Hannes Meyer, ist von seinem Amt zurück- getreten. Vom Magistrat war ihm der Rücktritt nahegelegt worden, weil man zu der lieber« Zeugung gekommen war, daß feine grundsätzliche Einstellung zum Bauhause und zur Bauhausarbeit zur Duldung der in der Oesfentlichkeit vielfach er­örterten kommunistischen Betätigungen im Bauhause geführt hat, und daß sicks daran unter der Leitung von Hannes Meyer auch künftig nichts ändern würde. Zum Nachfolger ist der Architekt Ludwig Mies van der Rohe in Aussicht ge­nommen.

Oie Pünktlichkeit bei der Reichsbahn.

Der oberste Grundsatz bei der Deutschen Reichs­bahn, die Betriebssicherheit, ist jetzt durch einen weiteren wichtigen Grundsatz ergänzt wor­den, nämlich die Pünktlichkeit. Rach den neuesten Anordnungen soll es unter allen Um- ständen vermieden werden, daß Zugverspätungen eintreten und es sind zu diesem Zwecke eine Reihe von Vorschriften erlassen worden, die sich in erster Linie für eine pünktliche Einhaltung der Personenzugfahrzeiten einsehen. Rach den neuesten Richtlinien ist die Leitung und Beauf­sichtigung des gesamten Fahrdienstes und damit die Verantwortung für die pünktliche Durchfüh­rung des Fahrplans den Reichsbahndirektionen zugewiesen worden. Weiter ist die Heberwachung der planmäßigen Durchführung der schnellfahren­den Züge auf durchgehenden Linien besonderen geschäftsführenden Reichsbahndirektionen über­tragen worden, die sich zu bemühen haben, bet Hnregelmähigkeiten in der Durchführung der Schnell- und Eilzüge auf größeren durchgehenden Strecken für Abhilfe und Besserung zu sorgen. Man hat einen besonders ausgearbeiteten Plan auf gestellt, nach dem in bestimmten Zeitabschnitten an die Zentrale Berichte über Zugverspätungen und deren Hrsachen einzureichen sind, die dann dazu verwandt werden, die notwendigen Maß­nahmen für ein Ausschalten der Zugverspätungen zu ergreifen. Diese Berichte sollen in Form von Derspätungsnachweisen, Halbmonatsübersichten, Monatsübersichten und Iahresübersichten gegeben werden. Die Hauptverwaltung ist auf Grund dieser Hebersichten dann in der Lage, aus den Meldungen den Prozentsatz der verspäteten Züge, wie auch die Durchschnittsverspätung im ganzen Reiche festzustellen und geeignete Maßnahmen zu deren Verhütung zu ergreifen. Eine ähnliche Einrichtung bestand zwar schon früher, doch war sie nicht so straff durchorganisiert, daß eine ein­heitliche Hebersicht möglich war.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

In der Rinne tiefen Druckes, die sich von Eng­land über Südskandinavien bis nach Finnland hin erstreckt, wandern dauernd Tiefdruckwirbel, die sich vorübergehend auf unser Wetter auswirken. Da der Dorüberzug der Kemgebiete verhältnis­mäßig schnell vor sich geht, so wird die Witte­rung einen stark wechselhaften Charakter anneh­men. Aufheiterung und wieder stärkere Bewöl­kung lösen sich ab, zeitweise kommt es auch noch zu Regenschauern. Die Temperaturen werden oabei ebenfalls gewissen Schwankungen unter­worfen sein.

Aussichten für Mittwoch: Bewölkung mit Aufheiterung wechselnd, Temperaturen schwan­kend, vereinzelt noch Regenschauer.

Lufttemperaturen am 4. August: mittags 19,5 Grad Celsius, abends 15,2 Grad; am 5. August: morgens 16,4 Grad. Maximum 20,8 Grad, Minimum 11,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4 August: abends 18 Grad; am 5. August: morgens 15,4 Grad. Niederschlag 0,8 mm.

Reifewetterdienst.

Garmisch-Partenkirchen: 14 Grad, gestern warmer Tag, Windstille, heute morgen mäßiger Regen.

Swinemünde: 18 Grad, gestern warmer Tag, Südwestwind, heiter bis halb bedeckt.