nerS einen Anzug gestohlen und ihn im Pfandhaus versetzt. Das Gericht verurteilte ihn zu ehn Monaten Gefängnis. Ein 23jähnger Angeklagter, achtmal vorbestraft. u. a. wegen Zuhälterei, der sich an bcn Tumulten aus Radaulust und Zerstörungswut beteiligte, erhielt neun Monate Gefängnis. Zwei jugendliche Angeklagte wurden wegen einfachen Landfriedensbruches zu je drei Monaten Gefängnis, ein anderer wegen Beteiligung an der Zerstörung der Wohnung des Separatistenführers Schäfchen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter hatte auf der Straße Zigaretten und Zigarren, die aus einem zerstörten Geschäft herausgeworfen worden waren, aufgehoben. Wegen Fundunterschlagung erhielt er 20 Mk. Geldstrafe. Ein anderer Angeklagter markierte in der Verhandlung den wilden Mann. Er wird auf seinen Geisteszustand untersucht werden.
In der Begründung des Urteils führte das Gericht aus, daß kein Staat derartige Ausschreitungen dulden dürfe, da sonst die Existenz Des Staates gefährdet sei. Rur mit Rücksicht auf die allgemeine Erregung und Empörung der Bevölkerung über das Treiben der Separatisten habe das Gericht Milde walten lassen.
SS bleibt bei der Tariferhöhung
Der Reichsverkehrsminister lehnt nochmalige Nachprüfung ab.
Berlin» 4. Aug. (ERD.) Die Reichsvereinigung der Reisenden und Vertreter im Gewerk- fchaftsbund der Angestellten hatte den Reichsverkehrsminister gebeten, die genehmigten Tariferhöhungen, die am 1. September in Kraft treten, wegen der unsozialen Belastung der dritten Wagenklasse nochmals nachzuprüfen. Der Reichsverkehrsminister hat hierauf geantwortet, daß er diesem Anträge nicht entsprechen könne. On der Begründung des Reichsverkehrs- ininisteriunrs heißt es: „Die Deutsche Reichsbahngesellschaft ist durch einen empfindlichen Einnahmerückgang seit dem vorigen Herbst in finan- Mlle Schwierigkeiten geraten. Rach sorgfältiger Prüfung hat die Reichsregierung sich entschlossen, Der beantragten Erhöhung zuzustimmen. Sie glaubte das um so mehr tun zu können, weil sie die Erhöhung der Wagenladungslar ife entsprechend der Entschließung des Reichseisenbahnrates wegen der außerordentlich ungünstigen Rückwirkung auf die Gesamtwirtschaft und auf alle Volkskreise abgelehnt hatte. Auch fallen die Beträge, um die die P e r - sonenfahrpreise erhöht werden sollen, gegenüber den allgemeinen Kosten einer Reise nicht entscheidend ins Gewicht und werden sich für das reisende Publikum nicht besonders drückend auswirken.“
Oer Streit um die Sozialversicherung in Frankreich.
3m nordfranzösischen Textilrevier von Roubaix, Tourcoing und Hingegen!) ist ein sehr merkwürdiger Generalstreik zur Wirklichkeit geworden. Der Kampf dreht sich darum, wer die La st en der soeben eingeführten französischen Sozialversicherung zu tragen hat. Rach langwierigen Verhandlungen hat das französische Parlament sich auf die Einführung eines umfassenden Sozialversicherungsgesetzes geeinigt, dessen praktische Durchführung zu zahlreichen Schwierigkeiten Veranlassung gegeben hat. Viele Firmen und Industrien haben ihre Preise ganz erheblich her- aufgesetzt, und zwar um Beträge, die weit über das hinausgehen, was sie mutmaßlich an Mehrbelastung durch die Sozialversicherung zu tragen haben. Heber die Verteilung der L a st e n ist es zu tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern^ gekommen. Die französische Regierung hat anläßlich der Proklamierung des Generalstreiks und anläßlich einiger kommunistischer Ausschreitungen die Polizeikräfte im nordfranzösischen Industrierevier bedeutend verstärkt. Die Streik- Parole^ ist von den Arbeitern entsprechend der Beschlüsse der Gewerkschaften befolgt worden. Die Streikbewegung hat auch auf einige andere Teile Frankreichs übergegriffen.
Lusifriede mii Polen?
Zwischen Deutschland und Polen ist so etwas wie ein Luftfriede zustande gekommen. Auf unsere sehr nachdrücklichen Beschwerden haben die Polen doch wohl eingesehen, daß das fortgesetzte Spazierenfliegen ihrer Militärflugzeuge über der deutschen Grenze eine Unmöglichkeit ist. Sie haben deshalb Urfehde geschworen. Mehrere der Uebeltäter aus der letzten Zeit sind disziplinarisch bestraft, und für künftige FÄle hat die polnische Regierung Maßnahmen in Aussicht gestellt, wodurch Wiederholungen oerhindet werden sollen. Warten wir ab, wieweit das wirklich hilft. Es kann uns niemanb- verdenken, wenn wir nach dutzendfachen Grenzver- letzungen etwas mißtrauisch geworden sind, weil wir darin keinen Zufall, sondern ein bestimmtes S y st e m gesehen haben, um so mehr, weil die polnischen Flugzeuge überall da erschienen, wo für sie vielleicht aus der Geländebeobachtung militärisch etwas zu holen war. Die Art freilich, wie von Warschau aus dieser Luftfriede veröffentlicht wird, muß bedenklich stimmen. Die pol- Nische Regierung behauptet, daß die Zuwiderhandlungen auf Fehler Der Flieger oder auf atmosphärische Einwirkungen zurückzuführen seien. Sie behauptet zudem, daß ähnliche Fälle auch auf deutscher Seite festzustellen seien. Das stimmt doch wohl kaum. Natürlich ist nicht zu vermeiden, daß hin und wieder einmal sich ein Flieger verirrt, zumal bei der Grenzziehung, wie sie im Versailler Vertrag beliebt worden ist. Aber schließlich handelt es sich auf deutscher Seite doch immer um Ver- kehrsflugzeuge, während es auf polnischer Seite regelmäßig Militärflieger waren. Und das ist doch immerhin ein Unterschied; nach unserer Meinung sogar ein entscheidender Unterschied.
Oer Fall Euvelier.
Der Fall selbst ist unbedingt peinlich. Französische Schwimmer kommen Anfang Juli zu einem Wettkampf nach Zeitz. Sie schlängeln sich an die Ortsfchonen heran, werden dabei belästigt, Zuschauer suchen zu vermitteln, einer von diesen bricht plötzlich unter ei nem Messerstich zusammen, und der französische Schwimmer Euvelier wird als
Sine große Programmrede Minister Meirichs
Oas Reformwerk. — Oie Sammlung der Mitte. — Oie
Karlsruhe. 4. Aug. (WTB.) In einer Kundgebung der Deutschen Staatspartei sprach der Reichsminister der Finanzen Dietrich über das Thema „Interessentenhaufen oder Staatsvolk". Finanziell und wirtschaftlich wird dasjenige Volk am ehesten aus den Schwierigkeiten herauskommen, welches sich den strukturellen Veränderungen in der Weltwirtschaft am schnellsten anpaßt. Die Schlüsse, die hieraus zu ziehen sind, sind zunächst dreierlei Art.
1. daß ein weiteres Anschwellen der Reichs-, Länder- und Gemeindeausgaben unmöglich und daher Einschränkung und Sparsamkeit geboten ist,
2. daß die sozialen Einrichtungen insofern einer Reftzrm bedürfen, als die Auswüchse zu beseitigen sind,
3. daß die Lücken des Etats auf das schnellste auszufüllen sind.
Alle drei Aufgaben hat die Regierung in Angriff genommen.
Die Maßnahmen, die vorläufig getroffen sind, beheben die ärgsten Rotstände und bieten einige Monate Gewähr dafür, daß das Reich und mit ihm die sozialen Versicherungsträger nicht zahlungsunfähig werden.
Die größte Sorge bereitet uns aber die Reform des Wahlrechtes und die R e - form des Reiches. Das Wahlrecht und das Wahlverfahren, das wir haben, sind völlig überlebt. Die Verbindung zwischen Wählern und Abgeordneten ist gelöst, die Parteibureaukratie und die Parteiinstanzen sind allmächtig. Einen Zustand zu schaffen, der den Wähler wieder in Verbindung bringt mit feinem Abgeordneten, der ihm Einfluß gibt auf die Person des Abgeordneten und der damit gegenseitiges Verständnis und Vertrauen hervorruft, muß das Ziel der Reform fein. Das gegenwärtige System des Wahlrechts hat zu einer unsinnigen Parteizersplitterung geführt, weil es jeder kleinsten Gruppe möglich machte, mit eigenen Listen aufzutreten. Dieses System hat aber insbesondere durch die R e i ch s l i st e gleichzeitig eine Anzahl Abgeordneter in das Parlament gebracht, die nicht, wie es der Verfassung entspricht, die Interessen des gesamten Volkes wahrzunehmen in der Lage sind, sondern die die Interessen einer einzelnen Gruppe berufsmäßig verfech- t e n müssen.
3n der Mille stehl völlig zersplillerl derjenige Teil des Bürget- und Bauerntums, der freien Berufe, der Angestellten und auch eines bescheidenen Teiles der Arbeiter, die die Träger des Gedankengutes der Entwicklung des hinter I
Aufgabe der Jugend.
uns liegenden Jahrhunderts sind. Kennen wir sie die liberale demokratische Gruppe oder nennen wir sie die fortschrittliche Gruppe, allen diesen Staatsbürgern ist gemeinsam die geistige und wirtschaftliche Einstellung. Es geht um die Frage, wie weit diese Schicht wieder zu Macht und
Einfluß gelangen kann.
Was wir brauchen, das ist der Zusammenschluß der Mitte, genau so, wie sich die Rechte, soweit sie positiv an dem Staat mitarbeiten will, zusammenfindet. Wir haben die Staatspartei ins Leben gerufen, und die Gründung dieser Partei bezweckt, die Mitte zusammenzufassen. Die Demokratische Partei ist bereit, in dieser Staatspartei aufzugehen. Sie ist der Meinung, daß die Volkspartei dieselbe Aufgabe hat. Schon aber spielen wieder die taktischen Erwägungen, ob die eine oder andere Seite es falsch gemacht hat, eine Rolle Der Kampf um die Sache muß in den Vordergrund gestellt werden. Eine starke und fortschrittliche Mitte ist eine Notwendigkeit, auch für die Flügelparteien der Sozialdemokraten und Konservativen. Sie ist die Voraussetzung, daß das parlamentarische System in Deutschland sich behaupten kann. Sie ist demnach die unerläßliche Vorbedingung für eine geordnete Staatsführung auf republikanischer Grundlage. Sollte es im deutschen Volk nicht soviele Menschen geben, daß wir eine so große Gruppe staatsgesinnter und staatstreuer Bürger bilden können, ohne die weder nach rechts noch nach links bei uns zu regieren ist?
Der Jugend rufe ich zu: Ihr seid in die Extreme gegangen, ihr seid nach rechts und links davongelaufen. Radausüchtige Elemente haben versucht, — nicht euch zu begeistern — sondern euch zu verleiten. Entschließt euch, zurückzukehren zu positiver Mitarbeit am Staat. Ihr habt den Parteihader satt; also reiht die Grenzpfähle der Parteien nieder. Kämpft um euren Staat und damit um eure Zukunft. Das Bürgertum aber, der Träger geistiger und wirtschaftlicher Freiheit, kämpft den letzten Kampf um seinen Einfluß. Geht er verloren, so gerät das ganze Gedankengut der letzten hundert Jahre in Gefahr. Der Idealis- muß, ohne den kein Volk bestehen kann, verfallt, und im Kampf der großen Kapitalmächte mit den abhängigen Existenzen um knappste Verteilung des Arbeitsertrages wird das deutsche Volk sich aufreiben. Wir sind ein beispiellos zähes Volk, das die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch allen Schicksalsschlägen getrotz hat. Was uns fehlt, ist nicht Zähigkeit und ist nicht Willen, was uns fehlt und was wir erwerben müssen, das ist der Wille, ein Staatsvolk zu sein.
Täter verhaftet, bald daraus auch^ vom Schnellrichter zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die Berufung, die er eingelegt hat, ist von der Strafkammer in Weißenfels jetzt a b g e l e h n t worden, obwohl der Staatsanwalt eine Milderung des Hrteils auf dreihundert Mark Geldstrafe beantragt hatte. Schon das erste Urteil ist in Frankreich sehr stark politisch ausgenuht worden. Dieses zweite Urteil wird dasselbe- Schicksal erleben, zumal da wir bedauern, daß die Strafkammer an dem Urteil erster Instanz festgehalten hat. Der Nachweis der Täterschaft scheint nach den vorliegenden Berichten nicht völlig einwandfrei geführt, dagegen spricht mancherlei dafür, daß die französischen Gäste angerempelt worden sind. Grund genug, von einer Gefängnisstrafe abzusehen; die Ansichten, daß mit einer Revision vorm Oberlandesgericht noch etwas zu ändern ist, sind nicht allzu groß, da es sich dabei nicht mehr um die Feststellung des Tatbestandes, sondern nur um die juristischen Folgerungen handelt.
*
Entgegen den Erklärungen des Zeugen Ducamp, der seinen Landsmann Euvelier nach Weißenfels begleitet hatte, und gleich nach seiner Ankunft in Frankreich in französischen Zeitungen von großen Kundgebungen der Weißenfelser Bevölkerung gegen die Franzosen erzählt hatte, erklärt der Schwimmer Euvelier selbst heute in einem Interview im „Petit Parisien", daß die Bevölkerung von Weißenfels keineswegs gegen ihn demonstriert habe. Die Arbeiterbevölkerung habe ihn bis zum Bahnhof begleitet und die Internationale gesungen, um gegen das Hrteil zu protestieren. Beim Reichsgericht, wo Revision des Hrteils beantragt sei, werde seine Anwesenheit vor Gericht nicht wieder notwendig sein. Gr habe Vertrauen zum endgültigen Ergebnis. Man habe von einem möglichen Abbruch der Beziehungen zwischen den französischen und deutschen Schwimmern gesprochen. Er sei nicht dafür, er sei i m Gegenteil bereit, sich Ende dieses Monats nach Nürnberg zu begeben, um sich bei der dort geplanten Veranstaltung mit deutschen Schwimmern zu messen.
Wie der „Matin" berichtet, hat der Vorstand des französis ch e n Schwimmerverbandes, der unter dem Vorsitz des Präsidenten des Stadtrates von Paris de C a st e l - laue steht, um den Stand der deutsch-französischen sportlichen Beziehungen, vor allem im Hinblick auf die Beteiligung französischer Schwimmer an der im Lause dieses Monats stattfindendenSchwimmerveranstaltung in Nürnberg geprüft. Die getroffene Entscheidung werde erst veröffentlicht werden, wenn sie dem Außenminister zur Kenntnis gebracht sein werde.
Aus aller Well.
Deutscher Stenvgraphentag.
Aus dem Degrüßungsabend anläßlich des Deutschen Stenvgraphentages hielt der Vorsitzende des Hauptausschusses, Studiendirektor Dr. Taster die Begrüßungsrede. Der Redner huldigte Gabelsberger und Stolze als Altmeister der Kurzschrift. Er grüßte Ferdinand Schrey, der heute noch in Berlin lebt. Ferner würdigte er die Schaffung der Einh e i t s ku r z s ch r i f t als einen Schritt auf dem Wege zur deutschen Einheit überhaupt und sprach die Hoffnung aus, daß die Einheitskurzschrift ihren Siegesmarsch weiter fortsetze. Auf der Festversammlung hielt Staatssekretär a.D. Heinrich Schulz die Festansprache. Der Redner würdigte die Erfindung der Stenographie als eine geniale Tat, die kulturgeschichtlich dicht hinter der Erfindung der
Buchdruckerkunst rangiere. Er sprach allen Stenographen und Stenographenvereinen in Deutschland Anerkennung und Dank dafür aus, daß sie jahrzehntelang im Kampfe mit der Gleichgültigkeit der Behörden und der menschlichen Natur die Sache der Stenographie hochgehalten haben und die Stenographie weit über alles Vereinsmähige hinausgeschoben haben. Mit der deutschen Einheitskurzschrift könne alles geleistet werden, was nur je ein anderes System zu leisten imstande sei. Auf sie hätten sich alle maßgebenden Faktoren, vor allem die Reichsbehörden und sämtliche deutsche Länder, geeinigt. Der Redner wandte sich schließlich an die Gegner der Cinheits- stenographie, die er aufforderte, die Streitaxt zu begraben und, sich mit den Anhängern der Einheitsstenographie zu der großen segensvollen Arbeit zu einigen, die Kurzschrift zu einem selbstverständlichen Instrument für jedermann zu machen. Der Referent für Kurzschrift im Reichsinnenministerium, Oberregierungsrat Dr. Becker, überbrachte dann die Grüße des Reichsinnenministers. Auch die Länderregierungen von Bayern, Sachsen und Hessen ließen durch ihn ihre Anteilnahme am Deutschen Stenographentag zum Ausdruck bringen. — Beim Bundesschnellschreiben erhielten K i e r z e k, Aachen, (400 Silben) das Bild des Reichspräsidenten und Pringsheim, Darmstadt, (340 Silben) eine Goldene Feder eines Berliner Zeitungsverlages. Ferner erhielten Ha atz, Würzburg, (320 Silben), Martin Günther, Berlin, (320 Silben), Paul Knoop, Berlin, (300 Silben). Wilhelm Döring, Kulmbach, (300 Silben), Schulze, Berlin, (300 Silben), G r o b e i s, Kulmbach, (300 Silben), Käppel, Bergen, (300 Silben) und Schelle hm, Braunschweig, (300 Silben) Schreibmaschinen bekannter Firmen.
Proteff gegen das Mainzer Befreiungsdenkmal.
Die katholische Geistlichkeit hat gegen das Befreiungsdenkmal einen Protest erlassen, der auf den Kanzeln ver lesen wurde und in dem es u. a. heißt: „Auf dem Schillerplatz ist das sogenannte Befreiungsdenkmal eingeweiht worden. Ob es vom künstlerischen Standpunkt aus das Lob verdient, das ihm von mancher Seite gespendet wird, werden berufene Kritiker entscheiden. Als Katholiken müssen wir das Denkmal nicht bloß vom ästhetischen, sondern auch vom religiös-sittlichen Standpunkt bekämpfen und als öffentliches Denkmal a b l e h n e n. Ein großer Teil der katholischen Bevölkerung fühlt sich in seinem Empfinden tief verletzt, daß man in einer Stadt, die zu einem großen Teile katholisch denkt und fühlt, ein solches Denkmal aufgestellt hat. Keine sittsame christliche Frau wird sich in einer solchen Entblößung in der Oesfentlichkeit zeigen, aber man hält es für unbedenklich, an einem verkehrsreichen Platz eine nackte Frauengestalt in Stein darzustellen. Wir legen deshalb entschieden Verwahrung gegen die Aufstellung des Denkmals ein."
hirth gibt den Weiterflug auf.
Die deutschen Flieger Hirth und Weller sind auf dem Luftwege aus Kalladarnes kommend, in Reykjavik auf Island gelandet. Hirth hat den Weiterflug auf gegeben, da der De- zirksvorsteher in Iulianohaab auf G r önland telegraphisch mitgeteilt hat, daß sich dort keine Stelle befindet, die als Landungsplatz in Frage käme. Das Flugzeug wird nunmehr verpackt und mit dem Dampfer „Minnesota" nach Montreal (Kanada) abgehen.
Schwere Pilzvergiftung.
In einer Familie in Pillau (Ostpr.) wurden Pilze, die man auf einem Spaziergang gefunden hatte, gegessen. Darauf erkrankten elf Personen. Obgleich sofort ärztliche Hilfe herbeigeholt wurde, starben der Mann, die Frau, die Tochter, sowie eine befreundete Dame. Es
wurde festgestellt, daß sich unter den Pilzen einige Knollenblätterpilze befunden haben.
Schwere Verwüstungen durch eine Windhose.
Eine schwere Windhose, verbunden mit Wolkenbrüchen und einem Gewitter mit Emgelschlägen, hat die Hingebung von Meldorf (im Dithmarschen) heimgesucht und schwere Schäden angerichtet. Eine große Zahl von Bauernhöfen wurde stark mitgenommen. Die Dächer wurden abgedeckt und zahlreiche landwirtschaftliche Maschinen zerstört. Durch das eindringende Wasser wurden im Innern der Häuser große Verwüstungen! angerichtet. In Meldorf wurden zahlreiche Alleebäume wie Streichhölzer umgeknickt. Zwei Häuser mutzten wegen Einsturzgefahr geräumt werden.
Der Leiter des Dessauer Bauhauses zurückgetreten.
Der Leiter des Dessauer Bauhauses, Architekt Hannes Meyer, ist von seinem Amt zurück- getreten. Vom Magistrat war ihm der Rücktritt nahegelegt worden, weil man zu der lieber« Zeugung gekommen war, daß feine grundsätzliche Einstellung zum Bauhause und zur Bauhausarbeit zur Duldung der in der Oesfentlichkeit vielfach erörterten kommunistischen Betätigungen im Bauhause geführt hat, und daß sicks daran unter der Leitung von Hannes Meyer auch künftig nichts ändern würde. Zum Nachfolger ist der Architekt Ludwig Mies van der Rohe in Aussicht genommen.
Oie Pünktlichkeit bei der Reichsbahn.
Der oberste Grundsatz bei der Deutschen Reichsbahn, die Betriebssicherheit, ist jetzt durch einen weiteren wichtigen Grundsatz ergänzt worden, nämlich die Pünktlichkeit. Rach den neuesten Anordnungen soll es unter allen Um- ständen vermieden werden, daß Zugverspätungen eintreten und es sind zu diesem Zwecke eine Reihe von Vorschriften erlassen worden, die sich in erster Linie für eine pünktliche Einhaltung der Personenzugfahrzeiten einsehen. Rach den neuesten Richtlinien ist die Leitung und Beaufsichtigung des gesamten Fahrdienstes und damit die Verantwortung für die pünktliche Durchführung des Fahrplans den Reichsbahndirektionen zugewiesen worden. Weiter ist die Heberwachung der planmäßigen Durchführung der schnellfahrenden Züge auf durchgehenden Linien besonderen geschäftsführenden Reichsbahndirektionen übertragen worden, die sich zu bemühen haben, bet Hnregelmähigkeiten in der Durchführung der Schnell- und Eilzüge auf größeren durchgehenden Strecken für Abhilfe und Besserung zu sorgen. Man hat einen besonders ausgearbeiteten Plan auf gestellt, nach dem in bestimmten Zeitabschnitten an die Zentrale Berichte über Zugverspätungen und deren Hrsachen einzureichen sind, die dann dazu verwandt werden, die notwendigen Maßnahmen für ein Ausschalten der Zugverspätungen zu ergreifen. Diese Berichte sollen in Form von Derspätungsnachweisen, Halbmonatsübersichten, Monatsübersichten und Iahresübersichten gegeben werden. Die Hauptverwaltung ist auf Grund dieser Hebersichten dann in der Lage, aus den Meldungen den Prozentsatz der verspäteten Züge, wie auch die Durchschnittsverspätung im ganzen Reiche festzustellen und geeignete Maßnahmen zu deren Verhütung zu ergreifen. Eine ähnliche Einrichtung bestand zwar schon früher, doch war sie nicht so straff durchorganisiert, daß eine einheitliche Hebersicht möglich war.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
In der Rinne tiefen Druckes, die sich von England über Südskandinavien bis nach Finnland hin erstreckt, wandern dauernd Tiefdruckwirbel, die sich vorübergehend auf unser Wetter auswirken. Da der Dorüberzug der Kemgebiete verhältnismäßig schnell vor sich geht, so wird die Witterung einen stark wechselhaften Charakter annehmen. Aufheiterung und wieder stärkere Bewölkung lösen sich ab, zeitweise kommt es auch noch zu Regenschauern. Die Temperaturen werden oabei ebenfalls gewissen Schwankungen unterworfen sein.
Aussichten für Mittwoch: Bewölkung mit Aufheiterung wechselnd, Temperaturen schwankend, vereinzelt noch Regenschauer.
Lufttemperaturen am 4. August: mittags 19,5 Grad Celsius, abends 15,2 Grad; am 5. August: morgens 16,4 Grad. Maximum 20,8 Grad, Minimum 11,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4 August: abends 18 Grad; am 5. August: morgens 15,4 Grad. — Niederschlag 0,8 mm.
Reifewetterdienst.
Garmisch-Partenkirchen: 14 Grad, gestern warmer Tag, Windstille, heute morgen mäßiger Regen.
Swinemünde: 18 Grad, gestern warmer Tag, Südwestwind, heiter bis halb bedeckt.


