Nr. 181 Erstes Blatt
J80. Jahrgang
Dienstag, 5. August 1950
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Gießener FamUienblLtter Heimat im Bild Die Scholle.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
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Dr. Fnedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.lhyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für beit Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Höpler-Aschoffs Sparprogramm.
■Bon unserer Berliner Redaktion
Den preußischen Finanzminister hat der Ruhm seines Kollegen im Reiche nicht schlafen lassen, er hat in Form einer Denkschrift ebenfalls ein Sparprogramm ausgearbeitet, womit er hundert Millionen aus dem preußischen Etat streichen zu können hofft. Sicherlich ein nützliches und notwendiges Beginnen. Kein Zweifel, daß Preußen ebenso wie das Reich und viele Gemeinden in den letzten Fahren weit über seine Verhält n i s s e gelebt hat. Die Sparaktion, die ja nun im Herbst mit aller Gewalt durchgeführt werden muß, kann also auch an Preußen nicht vorübergehen. Es will uns sogar scheinen, als ob hundert Millionen, gemessen an der Höhe des preußischen Etats, nicht einmal sonderlich viel wären. Man braucht ja nur daran zu denken, daß der Staat sich den Umbau der Oper in Berlin mehr als ein rundes Dutzend Millionen hat kosten lassen — also erheblich mehr als einen Reubau. Und auch sonst würde gewiß der Rotstift in dem Haushalt noch nützliche Verwendung finden.
Aber so wie Herr Höpker-Aschoff sich das denkt, geht es doch nicht. Einen erheblichen Teil seiner Ersparnisse will er ausgerechnet bei der Schule herausholcn. Er hat entdeckt, daß die Volksschulen zu gering besucht sind, die Schülerzahl ist gegenüber der Vorkriegszeit von 6,5 auf 4,3 Millionen heruntcrgegangen. während gleichzeitig die Lehrerzahl nur von 117 000 auf etwa 110 000 gesunken ist. Also rechnet er sich heraus, daß mindestens 1 0 000 Lehrer- stellen überflüssig find, die er in einem Zeitraum von drei Fahren cingchen lassen möchte. Rechnerisch mögen die Zahlen des preußischen Finanzrni nisters stimmen, kulturpolitisch sind sie sicher falsch.
Fn dem Exempel kommt auch die Feststellung vor, daß der Durchschnittsbesuch der Klasse von 63 auf etwa 38 heruntergegangen ist. Wir halten das für einen Fortschritt, beim schließlich ist doch die Schule dazu da, daß die Kinder darin etwas lernen und daß sie das bei einer Frequenz von über sechzig nicht können.
Rasche Justiz.
Don unserer Berliner Redaktion.
Die Regierungsnotverordnung, die sich gegen den Mißbrauch von Waffen im Wahlkampf richtet, hat vor allen Dingen den Vorteil, daß sie eine rasche Sühne ermöglicht. Der Beweis dafür ist zuerst in Berlin erbracht. Dort wurden eine Reihe von Kommunisten bei der Antikriegskundgebung verhaftet, und man fand bei ihnen gefährliche Waffen wie Dolchmesser und Schlagringe. Schon am folgenden Tage standen sie vor dem Schnellrichter, der sie mit der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis belegte. Da- wird hoffentlich wie eine kalte Dusche auf alle überhitzten Gemüter wirken. Denn wenn es auch Raturen gibt, die sich selbst mit einer Strafe von drei Monaten Gefängnis noch alS Märtyrer vorkommen, so bedeutet das doch für fie die Ausschaltung für die ganze Zeit des Wahlkampfes, was ihnen unter allen Umständen schmerzlich fein dürfte. Wenn also andere Gerichte mit d« r g l e i che n S ch n e l l i g- keit arbeiten, bann läßt sich erwarten, baß der gemeingesährlia-e Mißbrauch von Waffen im politischen Kampf in kurzer Frist aufhört. Die Zeitungen bringen ja fast täglich Berichte über Schlägereien zwischen Anhängern der Flügelparteien, die sich häufen müssen, je weiter der Wahlkampf sich seinem Ende nähert. Wenn wir also nicht allmählich in exotische Zustände hineinsteuern wollen, dann muß hier mit harter Hand durchgegriffen werden. Der politische Kampf darf nicht zum Schlachtfeld werden, auch die Frontgeneration, die aus dem Kriege mit einer gewissen Verachtung des Menschenlebens zuruckkam, hat sich wieder umgestellt. Heute ist es die kaum wahlberechtigte Fugend, die in Schießereien sich aus toben zu müssen glaubt und damit doch bewußt ober unbewußt den Bürgerkrieg vorbereiten hilft.
Wie ernst die Dinge liegen, zeigt, daß vor wenigen Tagen erst in Leipzig tmeber in einem Gartenverein ein nicht unerhebliches Waffenlager entdeckt wurde, bespickt mit Maschinengewehren, Fnfanteriegewehren, Karabinern, Handgranaten und reichlicher Munition. Die Verbindung zur Kommunistischen Partei ist nachgewiesen. Rechnet man dazu, daß die Kommunisten schon vor wenigen Wochen einen Was stendieb stahl größeren Umfange« durchexerzierten, der ihnen zum Glück nicht vollkommen gelang, dann ergibt sich daraus doch, daß auf dieser Seite zum mindesten alle Vorbereitungen für eine sehr ernsthafte blutige Auseinandersetzung getroffen werden, wobei offenbar Leipzig als Wafsensammlungsplah auSgewählt ist, um uns zum gegebenen Zeitpunkt mit einer Abbildung russischer Zustände zu beglücken. Dieser Leipziger Fund hat bewiesen, daß in kommunistischen Händen erhebliche Waffenbestände sein müssen, die im geeigneten Augenblick den Stoßtrupps in die Hand gedrückt werden sollen. Das ist also keine Spielerei, das ist bitterer Ernst, und die Polizeibehörden haben eigentlich keine wichtigere Aufgabe, als hier aufzupassen, um möglichst viel von diesen Beständen zu beschlagnahmen, ehe sie gefährlich werden können. Sonst könnten wir es vielleicht sogar erleben, daß in den letzten Tagen des Wahlkampfes mit Maschinengewehren argumentiert wurde. .
Siegfried Wagner in Bayreuth einer Herzlähnnnig erlegen.
Die letzten Stunden.
Bayreuth, 4. Aug. (IDIB.) heule nachmittag 530 Uhr ist Im Städtischen Krankenhaus zu Bayreuth Siegfried Wagner gestorben.
Ueber die letzten Stunden Siegfried Wagners werden von unterrichteter Seite noch folgende Einzelheiten bekannt: Das Befinden Siegfried Wagners hatte sich seit Sonntag mittag auf das bedenk lich ste verschlechtert. Die hiesigen Aerzte und Professor Romberg (München) hatten sich seit lagen um den Kranken bemüht, ohne jedoch die Entzündung des Herzmuskels beheben zu können. Am Sonntagvormittag hat Wagner, nachdem man ihm mitteilte, daß am Festspielhügel alles in bester Ordnung sei. und die Ausführungen überall bestens ausgenommen würden, in scherzendem Ton geäußert: „Jia, da wird Reinhardt ja seine Freude haben!" Am Sterbebett waren sämtliche Familien- Mitglieder versammelt. Die Lethargie trat im Lause des mittags ein, der Tod um 17.35 Uhr. Seine letzten Worte waren. „Lva, Lulu!" Sie galten seinen beiden Schwestern, Frau Eva Lhamberlain und Danila Thode.
Der Hüter von Bayreuth.
Mitten in die erfolgreichen und glanzvollen Bayreuther Festspiele hinein bricht die Trauer- künde von dem Tobe Siegfried Wagners, für die Festspielstadt selbst ein furchtbarer, kaum zu verwindender Schlag, für die ganze Kulturwelt, nicht nur die musikalische, ein bedeutsames Ereignis, das die Gemüter von Millionen bewegen und erschüttern wird. Mm wenig mehr als vier Monate also hat der einzige Sohn und Erbe Richard Wagners feine Mutter überleben sollen, die am 1. April d. 3. in dem beinahe mythisch zu nennenden Alter von 93 Fahren aus dem Leben schied; er selber, gefahren in Luzern am 6. Funi 1869, hatte erst das 61. Lebensjahr vollendet, und menschlichem Ermessen nach hätte es ihm vergönnt fein formen, die Festspiele nach glücklicher Uebertoinbung ber schweren Krise nach bem Kriegsausbruch wieder auf eine feste, sichere Grundlage zu stellen, für den Genius seines verewigten Bakers ein Denkmal, dauernder als Erz. Er ist unter dem Uebermafj von Arbeit, das er auf sich genommen hatte, vorzeitig zusammengebrochen, er hat sich in der begeisterten Hingabe an den großen Gedanken des väterlichen Werkes tatsächlich verzehrt, aber er hat noch auf dem Krankenlager, das ihm zum Totenbette wurde, das Bewußtsein haben dürfen, daß seine Kräfte gerade ausgereicht haben. »Keinen Tag früher hätte der Zusammenbruch kommen dürfen", so haben die Fntimen von Bayreuth beim Beginn der Festspiele gesagt, aber die Arbeit war für diesmal vollbracht, das Werk, das bei den eigenartigen Verhältnissen von Bayreuth immer wieder neu auf gebaut werden muh, war vollendet und, wie die Aufführungen bewiesen, gelungen. So kommt ein versöhnender Zug in die Tragik dieses Todes, ber eine Fülle schwerer und großer Fragen aufwirst.
Richard Wagner hatte, wie man sich erinnert, seinen einzigen Sohn ursprünglich zum Architekten bestimmen wollen; es hat sich aber gezeigt, daß er dem künstlerischen Erbe des Vaters ein treuer und hervorragender Hüter war. Als Komponist hat Siegfried Wagner sich nicht dauernd durchzusetzen vermocht, die Opem, denen sein Rame die größten Bühnen erschlossen hatte, haben sich nirgends auf dem Spielplan halten können. Auch die Eigenschaften des genialen Regisseurs haben ihm vielleicht gefehlt. Aber alles in allem war er nach dem Urteil der Berufensten und am besten Eingeweihten doch eine ungewöhnliche Persönlichkeit, der Aufgabe gewachsen, die er mit leidenschaftlicher Energie auf seine Schultern genommen hatte, und ihrer im höchsten Maße würdig. Das deutsche Volk hat also allen Grund, aufrichtig an feinem frühen Grabe zu trauern.
Siegfried Wagner wird teilhaben an ber Unsterblichkeit seines Vaters, nicht nur als der Ramensträger des Siegfried-FdyllS, das für alle Zeiten zu den köstlichsten Kleinoden deutscher Musik gehören wird, und der Trauermarsch aus der »Götterdämmerung", der an seinem Grabe ertönen wird, wird ber Dolmetsch der Seele eines trauernden Volkes sein. Siegfried Wagner hinterläßt eine erst im Anfang der 30er Fahre stehende Witwe, Frau Winifred, und vier Kinder, von denen bas älteste ein etwa 14jähriger Sohn ist. Es besteht die Hoffnung, daß das Werk von Bayreuth fortgeführt werben kann, wenn ber tatkräftigen und liebenswürdigen Frau die entspre
chenden künstlerischen Kräfte zur Seite treten. Daß das geschehe, ist eine Angelegenheit und ein Wunsch k^s ganzen deutschen Volkes.
Der Mann und das Werk.
Berliner Presseftimmen zum Tode Liegsricd Magners.
Berlin, 5. Aug. (TU.) Alle Berliner Blätter würdigen in allgemeinen Umrissen die Bedeutung Siegfried Wagners als Beschützer des Erbes von Bayreuth, als Regisseur und als Dirigent. Sie verweisen übereinstimmend auf das tragische Geschick, das ihm nicht nur während der letzten Vorbereitungen zu den diesjährigen Festspielen leine Mutter Cosima sterben ließ, sondern auch ihn selbst die Teilnahme an einer öffentlichen Vorstellung seiner Inszenierung verwehrte. Die Blätter heben vor allem seine Treue hervor, mit der er sich für das Lebenswerk seines Vaters einsetzte und fürchten um die Zukunft der Festspiele, die in diesem Jahre so erfolgreich verlaufen seien.
Im einzelnen schreibt die „Vossische Zeitung", Siegfried Wagner sei ein schlichter, gütiger, hilfsbereiter und heiterer Mann gewesen. Familien» sinn sei die zentrale Eigenschaft des Bürgers, des Menschen und schließlich auch des Künstlers gewesen. Das „Berliner Tageblatt" meint, die Geschichte des Musikdramatikers Siegfried Wagner sei eine Geschichte stiller Tragik. Bayreuth sei erst nach allen Lähmungen der Kriegs» und Nachkriegszeit erhalten und erhalten bleiben müsse es auch nach seinem Tode, denn es sei eine Angelegen» heit der Nation. — Die „D A Z." unterstreicht vor allem die außerordentliche Arbeitskraft. Die vielen Tausende, denen ber Besuch der Festspiele ein un» auslöschliches Erlebnis bedeute, würden wissen, welche seltene Persönlichkeit dahingegangen sei.
Die »Dörsenzeitung" betont: Die Tradition zu wahren, ohne in ihr zu erstarren, sich unserer veränderten Art des Schauens anzu- passen, ohne sich willkürlich über die Regievorschriften Richard Wagners hinwegzusetzen, diesen Ansprüchen zu genügen, hat sich der Sohn als der rechte Mann erwiesen. Der »T a g“ fei-
Die Donnerstag-Besprechung
Lcholz wird mitHöpker-Aschoff verhandeln
Berlin, 4.Aug. (CNB.) Wie wir erfahren, ist für Donnerstag eine Aussprache zwischen D r. Scholz und Dr. Höpker»Aschoff in Aussicht genommen. Sie ist noch mit Koch- Weser vereinbart worden, der aber inzwischen bekanntlich von der Leitung der Staatspartei zurückgetreten und in Urlaub gegangen ist, so daß die Staatspartei in dieser Besprechung durch den preußischen Finanzminister vertreten sein wird. In politischen Kreisen sieht man in der Tatsache, daß diese Aussprache überhaupt möglich ist, ein Zeichen dafür, daß die zugespitzte Polemik, die am Samstag zwischen den beiden Parteikorre- spondenzen geführt wurde, doch noch nicht das letzte Wort bedeutet. Ob die Aussprache zu einem positiven Ergebnis führen wird, wird freilich vorläufig noch bezweifelt, da beide Parteien von verschiedenen Voraussetzungen ausgehen. Bei der Deutschen Volkspartei scheint die Stimmung jetzt etwas konzilianter zu fein als am Samstag. Man stellt sich die Entwicklung aber nur so vor, daß die Deutsche Staats- Partei in die von Dr. Scholz erstrebte Kombination mit den anderen Parteien zurückkehrt. Aus der anderen Seite sieht die Staatspartei das Ziel in der Verschmelzung der Volkspartei mit ihr. Bei dieser Verschiedenheit der Ansichten über den möglichen Weg läßt sich eine Prognose für die Donnerstagbesprechung nicht stellen.
Eine Erklärung oer Staatspartei
Berlin, 4.Aug. (CNB.) Der Aktionsausschuß der Deutschen Staatspartei oer- vffentlicht folgende Mitteilung: Herr Erich Koch- W e s e r hat in einem Schreiben vom 1. August 1930 an den Führer der Deutschen Bolkspartei, Herrn Dr. Scholz, diesem vorgeschlagen, daß beide Herren angesichts der Gründung der Deutschen Staats- Partei sich gegebenenfalls von der Führung zurückhalten, um sachliche Entscheidungen ihrer politischen Gefolgschaft von hemmenden persönlichen Rücksichten zu befreien. Herr Dr. Scholz hat dieses Schreiben mit einem telephonischen A n - ruf bei Herrn Koch-Weser beantwortet, indem eine
ert den Verstorbenen als ideenreichen Anreger auf der Bühne und als Dirigenten, der wie keiner mit dem Werke feines Vaters vertraut gewesen sei. Der »L o k a l a n z e i g e r“ erklärt, Siegfried Wagners hervorragende Eignung für den Posten des Bayreuther Festspielleiters beruhte vor allem darauf, bah er dichterisches und nuififaliWje« Talent mit stark baukünstlerischen Fähigkeiten verbunden habe.
Die »Deutsche Tageszeitung" hebt ebenfalls di« unbestrittenen Verdienste um die Fortführung der Festspiele hervor, und fragt mit Sorge, wer nun den zwiefach verwaisten Platz des Führers einnehmen werde. Der »Börsen» Courier“ ist der Ansicht, daß der Verstorbene nicht Richard Wagner, sondern Humperdinck fortgesetzt habe, aber die Volkstümlichkeit in seinen Opern fei bewußter, naiver und anspruchsloser gewesen. Der »Vorwärts" lobt vor allem, daß das Bayreuther Erbe durch kluge Anpassung an die Entwicklung des modernen -rheaters von ihm vor Erstarrung in unfruchtbarer Tradition gewahrt worden sei.
Bestürzung in Bayreuth.
Die Festspiele gehen weiter.
Bayreuth, 4. Aug. (WTB.) Die Nachricht vom Tode Siegfried Wagners bat hier ungeheuren Eindruck ausgelöst. Die städtischen Gebäude tragen bereits Trauerschmuck. Di« Straßen der Stadt sind sehr belebt. Obwohl der größte Teil der Bevöl» terung auf das Ableben Siegfried Wagners gefaßt war, kam die Nachricht doch bestürzend und überraschend. Morgen mittag um 12 Uhr findet in der Kapelle des Städtischen Krankenhauses die Einsegnung der sterblichen Hülle des Heim, gegangenen im engsten Familienkreise statt. Dem Vernehmen nach wird Siegfried Wagner am Freitag auf dem Städtischen Friedhof b e i g e s e tz t werden. Die äußeren Veranstaltungen werden von der Stadt als Ehrenpflicht übernommen. — Dse F e st- spiele müssen aus rechtlichen und finanziellen Gründen weitergeführt werden und werden nicht verschoben.
Aussprache für Donnerstag vereinbart wurvr. Trotzdem hat die offizielle Korrespondenz der Deutschen Volkspartei bereits einige Stunden nach diesem Gespräch eine Antwort darauf veröffentlicht, die sich durch Ton und Inhalt vor allen loyalen Deutschen von selbst richtet.
Es hat bisher zu den übelsten Gewohnheiten Deutscher Parteipolitik gehört, jedesmal beim Scheitern eines Verhandlungs- oder Derständigungsver- suches eine langwierige Erörterung der Schuldfrage zu entfachen. Die Deutsche Staatspartei, die es als ihre Aufgabe ansieht, mit solchen politischen Methoden zu brechen, denkt nicht daran, sich an einer solchen Erörterung zu beteiligen. Sie überläßt cs Herrn Dr. Scholz, die Argumente der Nationalliberalen Korrespondenz zurückzuweisen, um die von ihm angeregte Unterredung noch zu ermöglichen. Herrn Koch-Weser gegen Verunglimpfungen feiner Person oder seines politischen Wirkens in Schutz zu nehmen, können wir uns versagen, da er gerade durch seinen Brief an Herrn Dr. Scholz ein Beispiel selbstloser Sachlichkeit und politischen Weitblicks gegeben hat, wie es im deutschen Parteileben leider allzu selten geworden ist.
Oie Spitzenkandidaten der Wirtschafter« Partei in Hessen.
WSN. Frankfurt a. M., 4. Aug. Die Reichspartei des deutschen Mittel st andes, Wirtschaftspartei, beschloß in ihrer Wahlkreiskonferenz, als Spitzenkandidaten zum Reichs- t a g für den Wahlkreis Hessen-Nassau den jetzigen preußischen Landtagsabgeordneten Dr. Rhode aus Frankfurt a. M. aufzustellen. Sie ermächtigt den Spitzenkandidat Dr. Rhode angesichts der politischen Lage, die er im Reichstag oder Landtag nach erfolgter Wahl vorfinden wird, je nach seinem Ermessen das Reichstags- ober Landtagsmandat niederzulegen, damit ein Handwerks- meister entweder im Reichstag ober ßanbtag nachrückt. Für ben Wahlkreis Hessen-Darm- stabt würbe als Spitzenkanbibat der Reichspartei des deutschen Mittelstandes, Wirtschaftspartei, einstimmig Professor Dr. H o r n e f f e r (Gießen) auf- gestellt. Die Wahlkreisoersammlung hält an bem b e r u f s ft ä n b i f d) e n Gebanken und ber Selbstänbigkeit ber Wirtschaftspartei fest.
Dotkspartei und Gtaatspartei.
darüber braucht wohl kein Wort weiter verloren zu werden. Run die Klaffen künftig wieder auf eine solche unmögliche Frequenz aufzufüllen, nur um Lehrerstellen zu sparen, das ist e i n e g I a 11 e Unmöglichkeit, wirft vor allem auf die kulturelle Einstellung des Finanzministers ein eigenartiges Licht, zumal ja auch nicht vergessen werden darf, daß der Andrang zu den höheren Schulen von Fahr zu Fahr steigt und dort gerade die unteren Klassen über die Grenze des Tragbaren hinaus überbesetzt sind. Ein Glück nur, daß es sich bei diesen Plänen vorläufig nur um einen Vorschlag handelt, der noch der Rachprüfung durch das Staatsministerium bedarf.
Die Geparaiistenverfolger vor Gericht.
Bis zu zehn Monaten (Gefängnis für schwer vorbestrafte Angeklagte.
Mainz, 4. Aug. (TU.) Unter großem Andrang des Publikums und verstärkten Polizei- schutzmahnahmen fand am Montag vor dem Erweiterten Bezirksschöffengericht in Mainz in beschleunigtem Verfahren die Hauptverhandlung gegen sieben in Untersuchungshaft befindliche Angeklagte statt, die sich in der Rächt vom 2. zum 3. Fuli an den Antiseparatistenunruhen in Mainz beteiligt hatten.
die Anklage lautet auf schweren Landfriedensbruch in Tateinheit mit Zerstörung, Vernichtung und Plünderung von Privateigentum. Die Feststellung der Personalien der Angeklagten ergab, daß sechs von ihnen wegen Eigentumsdelikten und Gewalttätigkeiten vorbestraft finb. Bezüglich des Hauptangeklagten, des 35jährigen fünfmal wegen schweren Diebstahls vorbestraften Gelegenheitsarbeiters Eckel wurde festgestellt, daß er wegen pathologischer Trunksucht wiederholt in Anstalten interniert war und sich an den Mainzer Tumulten nur zu dem Zweck beteiligte, um zu plündern. Er hat bei dem Ueberfall auf eine Villa eines fälschlich als Separatisten bezeichneten Einwoh-


