Ausgabe 
5.6.1930
 
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Prozesse der Zauberkünstler und Seiltänzer.

Vor Deutschlands einzigem Artistengericht.

Don Georg Biefenthal

tmntg zu entnehmen war, daß der Laubacher Verein außerordentlich Ersprießliches leistet. Ein flott gespieltes Theaterstück, musikalische Darbie­tungen der Kapelle Högel (Laubach) und Tanz hielten die Voucher in bester Stimmung -u- zusammen.

Das Ergebnis der Weitschreiben:

Aus den Siegerlisten über die einzelnen Wett- schreiben geben wir folgenden Auszug:

60 Silben.

1. Preis und Ehrenpreis: Friedhelm Jochem, Laubach: Alfred Wissemann, Lollar: Ernst Eckhardt. Gießen 1861; Hildegard Conrad, Laubach: Ludwig Stotz. Gießen; Emil Jost, Gie­ßen 1861; Emma Reitz, Gießen 1861.

1. Preis: Otto Wack, Gießen 1861; Wilhelm Paulus. Gießen 1861; Lina Dötz, Wieseck; Karl Süßkind, Heuchelheim; Margarete Steinbock, Dutzbach; Elfriede Detter, Laubach: Gretel Bour- ree, Laubach: Marie Gebauer, Gießen 1861; Ernst Häuser. Gießen 1861; Lina Hucke. Gießen 1861; Tilla Schmidt. Dutzbach; Friedrich Hilde- brand. Wieseck: Wilhelm Ott, Laubach: Karl Marth, Gießen. Gesellsch.: Lilly Dikomeit, Gie­ßen, Gesellsch.; Wilhelm Diehl. Laubach: Elfriede Kaiser. Wieseck.

2. Preis: Hans Wahl. Laubach: Helmut Holzigöl. Gießen, Gesellsch.: Otto Faust, Ulrich- stein; Otto Seipp. Leihgestern; Emil Hohmann. Laubach; Heinrich Reitz, Laubach; Frieda Koch. Laubach; Ernst Jockel, Ulrichstein; Otto Honig, Gießen 1861; Wilhelm Fischer, Lollar; Wilhelm Döll. Laubach; Otto Dirlam, Laubach; Heinrich Dietz. Lollar; Hans Werner. Gießen 1861; Al­bert Pitz, Gießen, Gesellsch.; Else Schmidt, Gie­ßen, Gesellsch.; Walter Hock, Gießen, Gesellsch.

3. Preis: Marie Dietz, Ulrichstein; Wilhelm Eifert, Ulrichstein; Willi Ruhl, Wieseck; Rudolf Feddeler. Gießen, Gesellsch.; Gertrud Dalser, Gießen. Gesellsch.; Rosi Jung, Dutzbach; Heinrich Renker, Ulrichstein; Frieda Rohrbach, Lollar; Ria Diehl, Dutzbach; Irma Frank, Lollar; Ru­dolf Jlges. Schotten; Karl Otzwald, Laubach; Emil Honig. Gießen 1861; Herta Föhr. Gießen 1861.

80 Silben.

1. Preis und Ehrenpreis: Helmut Zschunke, Gießen 1861; Maria Derzbach, Gießen 1861; Anni Kolb. Wieseck: Adelheid Laux, Duh- bach: Richard Strauch, Gießen 1861; Heinrich Dolk, Gießen 1861; Emmy Schäfer. Wieseck; Karl Klinkel, Lollar.

1. Preis: Heinz Decker, Gießen 1861; Helene Hofmeister. Gießen 1861; Karl Hof, Gießen 1861. Dora Rapp. Dutzbach; Liefe! Reiber. Schotten; Walter Hällmeyer, Gießen 1861; Luise Giel, Gießen, 1861; Hans Doppert, Gießen, Gesellsch.; Kurt Steber, Gießen, Gesellsch.; Lisbeth Wall, Gießen 1861; Erna Kehl, Gießen 1861; Anna Denner. Wieseck; Karl Drücke!. Gießen. Gesellsch.; Ernst Böck, Ulrichstein; Emma Loh, Wieseck; Frieda Dörinßer, Wieseck; Wilhelm Honig. Gie­ßen 1861; Heinrich Winther, Gießen 1861; Karl Euler, Gießen, Gesellsch.; Alfred Grün, Gießen 1861; Wilhelm Dechthold. Laubach; Ludwig Her­bert, Gießen 1861; Friedel Silß, Dutzbach; Wil­helm Hofmann, Gießen. Gesellsch.; Hanni Schür- meher. Wieseck.

2. Preis: Georg Dpamer, Schotten; Herta .Matthäus, Dutzbach; Helmut Ott, Grotzen-Lin- den; Otto Kröck, Heuchelheim; Willi Momberger, Gießen, Gesellsch.; Luise Reinhardt, Gießen, Ge­sellsch.: Karl Stein, Ulrichstein; Kurt Dechthold, Laubach: Elli Moos, Lollar; Else Linkmann, Gießen Gesellsch.; Ludwig Mandler, Dutzbach; Gertrud Schäfer, Gießen, Gesellsch.; Hans West­rupp, Gießen 1861.

3. Preis: Wilhelm Decker, Ulrichstein; Wal­demar Arnow, Dutzbach; Johanna Freitag, Dutz­bach; Elli Fuchs, Lollar; Franz Trauth. Gießen, Gesellsch.; Karl Scheid, Gießen, Gesellsch.

100 Silben.

1. Preis und Ehrenpreis: HeleneReuß. Laubach: Johanna Bohl, Gießen, Gesellschaft: Heinrich Dourree, Laubach: Emmi Größer, Gie­ßen, 1861; Wilh. Albach, Gießen, Gesellschaft; Albrecht Marx, Laubach.

1. Preis: Adam Carl, Gießen, Gesellschaft; Maria Kellenbenz. Dutzbach; Erna Philipp, Gie­ßen, Gesellschaft; Helmut Eckhardt, Gießen, 1861; Karl Paul, Laubach; Martha Seiferth, Gießen, 1861; Gretel Michel, Laubach; Ludwig Schön, Gießen, 1861; Wilhelm Spamer, Schotten: Hans Schnell, Bad-Nauheim; Otti Jung, Gießen, 1861; Erna Reininger, Gießen, Gefellschaft; Friedrich Gorges, Gießen, 1861; Aenne Fendt, Gießen, Gesellschaft; Emmy Overbeck, Gießen. Gesellschaft; Georg Lutz, Laubach; Erwin Weber, Gießen, Gesellschaft: Ernst Müller, Lollar; Leni Gra­fenstadt. Dutzbach; Kurt Horeyseck, Gießen, 1861.

2. Preis: Minna Zimmermann Gießen, 1861; Else Pauly, Gießen, 1861; Elisabeth Leidig, Dutz­bach; Anna Seitz, Lollar; Werner Muth, Schot­ten; Minni Schmitz, Gießen, Gesellschaft; Robert Rieh, Gießen, 1861.

3. Preis: Heinr. Ochs, Gießen, Gesellschaft; Ilse Schmall, Gießen, 1861; Toni Schnell, Lollar; Elli Geißler, Lollar; Heinr. Kratz, Gießen, 1861.

120 Silben.

1. Preis und Ehrenpreis: Anton Schön­hals. Llirichstein; Hermann Kröcker, Gießen, Ge­sellschaft: Lina Kiefer, Gießen, 1861.

1. Preis: Fritz Reh, Gießen, 1861; August Schott. Gießen, Gesellschaft: Richard Heinboch, Gießen, Gesellschaft: Claus Wachsen, Gießen. Ge­sellschaft: Elfriede Kiehler, Dutzbach: Hans Dellof. Gießen, Gesellschaft: Artur Michel, Gießen, 1861; Elfriede Rickes, Dutzbach; Albert Dest, Gießen, Gesellschaft.

2. Preis: Wilh. Schardt, Gießen, Gesell­schaft; Willi Drommershausen, Gießen, Gesell­schaft; Albert Medenbach, Lollar; Max Katz, Gießen, Gesellschaft; Anni Lanio, Gießen, 1861; Heinrich Mosbach, Gießen, 1861; Käthe De- muth, Gießen, Gesellschaft; Erna Petrasch, Lollar; Ernst Döll, Laubach; Elfe Dikomeit, Gießen, 1861; Karl Seipp, Gr.-Linden; Otto Ragel, Gedern.

3. Preis: Aug. Decker, Gießen, 1861; Karola Fischer, Lollar: Heinr. Schmieder, Gießen, Gesell­schaft.

140 Silben.

1. Preis und Ehrenpreis: Fritz Möller, Gießen. Gesellschaft: Elly Rieh, Gießen 1861; Aug. Frank, Wieseck; Alfred Bormuth, Gießen, Gesellsch.

1. Preis: Heinz Theisebach, Gießen. Gesell­schaft: Elisabeth Keller. Wieseck; Hermann Duch- ner, Gießen, Gesellschaft.

2. Preis: Artur Kompp, Laubach: Karl Fuchs, Ulrichstein; Erich Hock, Gießen. Gesell­schaft.

Arbeitsgericht Berlin, Zimmer 34: eine Welt für sich, von der Umwelt deutlich abgesondert. Denn: während alle anderen Zimmer des Hauses durchweg das gleiche Gesicht zur Schau stellen: immer dasselbe Lehrmädchen, derselbe Verkäufer, derselbe Buchhalter und dieselbe beleidigte Steno­typistin in Zimmer 34 wechselt das Milieu. Lind man sieht: diescharmante Soubrette", Equilibristen mit Bizeps, den lockenköpfigen Vortragskünstler" aus dem Biergarten und die Tänzerin, die in allen Farben schillert. Lieber diesen Bänken schwebt eine Atmosphäre, wie sie in solcher unverkennbaren Echtheit nur ein­mal wieder anzutreffen ist: im Cafe Central, der Berliner Artistenbörse. Sonst nirgends.

Das ist das Varietö-Schiedsgericht, das einzige in Deutschland. Aus allen Gauen des Reiches kommen Artistenklagen nur hier zum Austrag. Der Richter, der kein Derufsrichter zu sein braucht, sondern Anwalt oder Syndikus oder sonst ein Fachmann für Rechtsfragen im Artisten­gewerbe sein kann wird als solcher angestellt von den Organisationen der Arbeitgeber und -nehmer, die sich auch in die Kosten seines Ge­halts teilen. Ihm zur Seite vier Beisitzer: zwei Variet6direktoren und zwei Artisten. Lind eine blonde Sekretärin, die gleich das Protokoll auf­nimmt.

Die Anwälte! Immer sind es dieselben Män­ner, die sich gegenüberstehen an zwei akten- beladenen Tischen: hie der Direktor vomInter­nationalen Variete-Theater Direltoren-Derband", eiserner Blick durch Monokel und die ewige Zi­garre im Mundwinkel: Monokel links und Zi­garre rechts sorgfältig ausbalanciert, hie der Vertreter der Internationalen Artistenloge. Lind manchmal sitzt noch auf einer der Bänke, als aufmerksamer Zuhörer bei großen Fällen, ein weißhaariger Mann mit jungen Augen: Präsident K o n o r a h persönlich, der gute Onkel aller Artisten.

Die Kontrahenten sprechen, eröffnen eine bunte Welt: die Welt der Manege und der Paraden trainierter Körper. Wollte man sie umreißen man müßte von hundert Prozessen erzählen. Hier sei nur einiges Prinzipielle herausgegriffen.

Der Zirkus Gleich verpflichtet Leinert, den Clown. Der hat sich in Deutschland durch eine be­sondere Attraktion bekanntgemacht: er führt eine Kanone mit sich, feuert sie während der Vor­stellung ab und schießt unter ungeheurem Ge­töse einen zweiten Clown heraus. Natürlich ent­hält die Kanone zu diesem Zweck einen starken, sehr schleuderfähigen Katapult Rauch und Kanonendonner werden als notwendiges Bei­werk lediglich durch Zündkapseln hervorgerufen. Eines Abends versagt eine Zündkapsel. Der Artist wird zwar herausgeschossen, aber rauch­los und unter lächerlich leisemDum". Folge: daß der Direktor eine Lagesgage abzieht. Klage des Clowns endet mit der Verurteilung des Di­rektors, die betreffende Tagesgage nachzuzahlen. Denn ein Verschulden des Artisten liegt nicht vor und für das Versagen rein maschineller Hilfsmittel kann er in diesem Fall nicht haftbar gemacht werden.

Die DerlinerScala" verllagt den Illusionisten Okito, einen unserer besten Zauberkünstler. Okito hatte kurz vorher an der Bühnenschau eines Kinos mitgewirkt, das in einem benachbarten Stadtviertel lag. Run dürfen aber Artisten, die mehr als 25 Mark pro Kopf und Tag ver­dienen, vor Antritt eines Engagements nur an solchen Bühnen tätig gewesen sein, die mehr als drei Kilometer von der neuen Arbeitsstätte entfernt sind. Ratürlich: denn andernfalls wür­den sie beim Publikum des Ortes an Zugkraft verlieren. Sei es nun, daß der Illusionist sich allzusehr gewissen Illusionen hingegeben hatte einwandfreie Geometer maßen die Entfernung ab und tatsächlich: Kino und Variete waren 2,8 Kilometer voneinander entfernt. Okito hatte Pech: er verlor. Lind entpuppte sich nebenbei als gemütlicher Holländer, weit entfernt von allem Asiatischen. Ihm wird das weiter keinen Ab­bruch tun: seine Hauptattraktion, eine große Kugel auf hellerleuchteter Bühne frei umherschwe­ben zu lassen, ist bis heute noch unerreicht und ein Gegenstand des Kopfzerbrechens für alle seine Kollegen.

Folgt ein Prozeß um die verletzte Eitelkeit: die Sängerin Fiametta Hildegarde gegen das Liebig-Theater in Breslau. Fiametta sollte, hieß es im Vertrag, bei allen Inseraten und Plakaten an erster Stelle genannt werden, die Dorstellun- gen hatten bereits begonnen da geschah etwas Fürchterliches: der Rame eines Kraftmenschen war ebenso groß gedruckt wie der Rame der zierlichen Fiametta. Fiametta brach in Tränen aus und packte am selben Abend die Koffer. Richt ohne noch rechtzeitig den Direktor zu ver­klagen. Der die volle Monatsgage. 150 Mark pro Abend (!) nachzahlen mußte.

Hat derMittelmann" einer Schleuderbrett- Truppe gezittert oder nicht? Das ist Gegenstand einer Beweisaufnahme. Es Nagen dieWinston Brothers gegen den Zirkusdirektor Holzmüller.

160 Silben.

1. Preis und Ehrenpreis: Fritz Dorf- ner, Gießen, Gesellsch.; Erna Franz, Gießen, Gesellsch.

2. Preis: Luise Schade, Gießen 1861; Olga Pfeiffer. Gießen 1861; Luise Schnell. Lollar.

3. Preis: Johanna Graf. Gießen, Gesellsch.

180 Silben.

1. Preis und Ehrenpreis: Wilhelm Rieh, Gießen 1861; Emmi Schüler, Gießen, Gesellsch.

220 Silben.

1. Preis und Ehrenpreis: Georg Wahl, Gießen, Gesellsch.; Kurt Mosdorf, Gießen, Ge­sellsch.; Ottilie Treser, Gießen, Gesellsch.; Louis Rullmann, Schotten.

Mannschaften.

100 Silben.

Gießen, Gesellschaft 1. Stelle 43 Punkte (Bohl, Demuth, Drommershausen, Dest, Teisebach).

Friedberg 2. Stelle 451/« Punkte (Kröll, Heinze, Dieter, Dernhard, Barth).

Laubach 3. Stelle 53Vi- Punkte (Dourree, Mi­chel, Keller, Döll, Köhler).

Gießen 1861 4. Stelle 55 Punkte (Zimmermann, Michel, Gorges, Jung, Schmall).

Gießen, Gesellschaft 5. Stelle 55*/a Punkte (Schaardt, Schott, Schmieder, Düchner, Volland).

Die Geschichte fängt an mit einer Bestimmung des Tarifvertrages: Artisten, die länger als einen Monat bei einem bestimmten Unternehmen engagiert sind, gelten als Hauspersonal, müssen also an Umzügen in der Manege teilnehmen, während ihrer Freizeit in Gala-LlniformStall­meister spielen" usw. Zirkusdirektor Holzmüller aber verlangte mehr als Llmzüge durch die Manege: er veranstaltete Llmzüge durch die Stadt; der Führer derWinston Brothers weigerte sich, daran teilzunehmen und wurde in eine Ordnungsstrafe von fünf Mark genommen. Dies sollte zur kleinen Ursache für eine große Wirkung werden. Der Artist geriet in eine solche Wut, daß eram ganzen Leibe zitterte". Run war er aberMittelmann", und jedes Zirkus­kind weih, daß der Mittelmann die wichtigste Persönlichkeit einer jeden Schleuderbrett-Truppe ist: von seiner Sicherheit und Zuverlässigkeit hängt das Gelingen des Ganzen ab. Ein zittern­der Mittelmann hätte also necht nur den ganzen Auftritt verpfuscht, sondern auch Leib und Leben der übrigen Truppenmitglieder aufs höchste ge­fährdet. DieWinston Brothers wollten deshalb nicht weiterspielen, und Herr Holzmüller warf sie heraus mitsamt des Schleuderbretts. Im Pro­zeß bestätigten Zeugen dasZittern am ganzen Leibe" in seinem vollen Llmfang. Herr Holz­müller muhte die volle Gqge nachzahlen, und so verlor er 7384 Mark, anstatt fünf Mark Ordnungsstrafe einzukassieren.

Jetzt kommen wir zumAbschminken". Einen Moment, das Wort soll gleich erklärt werden. Ein Zirkusdirektor sah Photographien von einem Clown, der einen ausgewachsenen Elefanten auf der Rase balanciert, war begeistert und engagiert den Clown. Nachher entlieh er ihn Begrün­dung: er habe geglaubt, es handele sich um einen lebenden Elefanten, in Wirklichkeit sei es doch aber nur ein aufgeblasener aus Gummi. Ratürlich verlor er im folgenden Prozeh aber Sachverständige muhten erst bezeugen, daß Ele­fanten mindestens 15 Zentner wiegen, und daß jeder normale Mensch diesen Lllk hätte durch­schauen müssen. Selbstverständlich hatte auch der Direktor den iUf durchschaut. Er suchte bloh nach einem Vorwand, um den Vertrag mit dem Clown, der ihm vielleicht aus irgendwelchen Gründen nicht ins Programm paßte, wieder rückgängig zu machen. Er wollte, wie der Fach­ausdruck lautet:abschminken". Lind so etwas kommt täglich vor.

In einem anderen Fall war das Engagement ebenfalls zustande gekommen auf Grund von Photographien, die den Artisten mit einem Affen in Menschengröße,Tarzan II" genannt, zeigten. Auch in diesem Fall löste die Direktion den Ver­trag (es war der BerlinerWintergarten"), und auch hier gab sie die Erllärung ab, sie hätte auf einenrichtigen Affen" gerechnet während ein verkleideter Mensch erschienen sei. Ratürlich weih aber jeder Fachmann, daß es noch nie einem Dompteur gelungen ist, Men­schenaffen zu dressieren. Daß selbst die promi­nentesten Artisten solchen Abschmink-Manövern ausgesetzt sind, zeigen folgende zwei Prozesse:

Der Artist ist verpflichtet, frühestens vierzig oder spätestens dreißig Tage vor Beginn des Engagements durch eingeschriebenen Brief dem Theater seine Ankunft mitzuteilen. In dem einen Fall hatte Rastelli seine Ankunft schon zwei­undvierzig Tage vorher mitgeteilt im anderen Fall richtete die berühmteste Drahtseil-Rummer der Welt, die als einzige den Doppel-Salto vom Schlapp- und Startseil ausführen kann, den Brief an den Direktor persönlich. Der aber war verreist, und der Brief blieb liegen bis zu feiner Rückkehr. In beiden Fällen wurde der Vertrag gelöst. Der Fall Rastelli endete mit einem Vergleich die Drahtseiltruppe erhielt die volle Monatsgage: 11 000 Mark. Lind konnte für das Geld spazieren gehen.

Was sagen Zahlen? 63 Prozesse allein im letzten halben Jahr: das sind etwa 200 Termine! Aber vor diesem Gericht werden ja nur solche Prozesse geführt, in denen die Kontrahenten Mitglieder der genannten Arbeitgeber- oder Ar­beitnehmer-Organisationen sind oder Prozesse um jene Engagements-Verträge, in denen das Variete-Schiedsgericht ausdrücklich als Gerichtsort festgelegt wurde. Alle anderen Klagen wandern an die Kammer IV des Arbeitsgerichts, die eben­falls als einzige in Deutschland Artistenprozesse bearbeitet. Hier kamen im letzten halben Jahre 119 Klagen zum Austrag: in etwa 400 Ter­minen. Handelt es sich um Streitobjekte, deren Wert 2000 Mark übersteigt, so ist Berufung zu­lässig. Zu diesem Zweck ist ein Oberschiedsgericht gegründet worden. Einziger Unterschied: daß es hier sechs Beisitzer gibt, also zwei mehr. Es ist keine sehr hohe Zahl, diese 400 deutschen Artistenprozesse im Jahr, sie ist sogar aus­gesprochen niedrig gegenüber den Streitigkeiten in anderen Berufen. Zeichen dafür, daß die Artisten, trotz aller Sorgen und Röte, im allge­meinen heiterer und friedlicher Ratur sind.

120 Silben.

Gießen, Gesellsch. 1. Stelle 60 Punkte (Hein- bach, Katz, Hock, Möller, Franz).

Marburg 1930 2. Stelle 6OV2 Punkte (Bier­wirth, Fischer, Seibel, Bachmann, Hanweg).

Marburg, Gabelsberger 3. Stelle 78V2 Punkte (Ludwig, Heuser, Peter, Rosenmeyer, Ebers- pächer).

Gießen 1861 4. Stelle 90 Punkte (Dikomeit, Lanio, Kiefer, Decker, Mosbach).

140 Silben.

Gießen, Gesellschaft 1. Stelle 90V3 Punkte (v. Lemmers, Graf, Schüler, Dörfner, Loh).

Marburg, Gabelsberger 2. Stelle 94 Punkte (Wissebach, Scholz, ©lernen, Korn, Ahrens).

Gießen 1861 3. Stelle 113Vs Punkte (Schade, Pfeiffer, Reh, Rieß, Elly Rietz, Wilhelm).

Preis-Schön- und Richtigschreiben, DerkehrS- schrift.

1. Preis und Ehrenpreis: Emil Jost, Gießen 1861; Leni Hanweg, Marburg 1930; Emil Hohmann, Laubach.

Außer Konkurrenz, Ehrenpreis: Friedrich von Lemmers, Gießen, Gesellsch.; Luise Reinhardt, Gießen, Gesellsch.; Hans Wahl, Lau- bach.

Ehrenbrei S: Heinrich Reitz, Laubach; An­ton Schönhals, Lllrichstein; Wichelm Ott, Lau­

bach ; Wilhelm Keller, Laubach: Irma Frank, Lollar; Otto Wack, Gießen 1861.

2. Preis: Heinrich Volk, Gießen 1861; Ri­chard Strauch, Gießen 1861; Elfriede Vetter, Laubach; Max Katz, Laübach; Kurt Dechthold, Laubach; Hans Fuhr, Gießen, Gesellsch.; Ludwig Herbert, Gießen 1861; Albert Medenbach, Lollar; Ernst Döll, Laubach; Arthur Kompp, Laubach; Wilhelm Decker, Lllrichstein; Elli Geißler, Lollar; Helene Reuß, Laubach.

3. P r e i s: Gretel Michel, Laubach; Ernst Häu­er, Gießen 1861; Richard Heinbach, Gießen, Gesellsch.; Wilhelm Honig, Gießen 1861; Fried­helm Jochem, Laubach; Frieda Koch, Laubach; Heinrich Dourree, Laubach; Ludwig Schön, (Sie* 3en 1861; Gretel Dourree, Laubach; Hildegard Conrad, Laubach; Adolf Kling, Wieseck; Adem Carl, Gießen, Gesellsch.; Wilhelm Dechthold, Lau- bach; Otto Dirlam, Laubach; Erna Reininger, Gießen, Gesellsch.

PreiS-Schön- und Richtigschreiben, Redeschrift.

1. Preis außer Konkurrenz: Friedrich von Lemmers, Gießen, Gesellsch.

Ehrenpreis: Friedrich Gorges, Gießen 1861; Arthur Kompp, Laubach.

2. Preis: Johanna Dohl, Gießen, Gesellsch.; Wilhelm Keller, Laubach; Heinrich Köhler, Lau­bach.

3. Preis: Maria Derzbach, Gießen 1861.

Oberheffen.

Vürgermeister-Zirbiläum in Mainzlar.

V Mainzlar, 5. Juni. Am morgigen 6. Juni feiert unser Bürgermeister L. Vogel IV. sein 2 5. Amtsjubiläum als Bürgermeister un­serer Gemeinde. Der Jubilar, der im 69. Lebens­jahre steht, verfügt noch über eine außerordent­liche Tatkraft und Frische. Jrn Gemeindedienst ist er bereits seit 30 Jahren tätig, denn er wurde am 27. Juli 1900 zum Beigeordneten gewählt. Rach dem Tode des damaligen Bürgermeisters Koch ging er aus der Wahl am 27. April 1905 als Ortsoberhmrpt unserer Gemeinde hervor. Die Gemeinde Mainzlar hat seit feinem Amtsantritt in vielen Beziehungen einen außerordentlichen Aufschwung genommen. Der Jubilar hat während feiner 25jäyrigen Bürgermeistertätigkeit viele neu­zeitliche gemeinwirtschaftliche Einrichtungen und Unternehmungen schaffen helfen. Gleich nach sei- feinem Amtsantritt wurde die Erbauung des neuen Schulhauses beschlossen und so q efördert. daß die Einweihung bereits im Oktober 19071 stattfinden konnte. Auch der Bau der gemein­schaftlichen Wasserleitung, welche die Gemeinden Mainzlar, Staufenberg und Lollar versorgt, wurde von ihm sehr gefördert. In der richtigen Erkenntnis, daß industrielle Unternehmungen den Wohlstand ganzer Gemeinwesen heben, fand die hiesige Firma Scheidhauer & Giehing bei dem seinerzeitigen Bau ihrer Fabrik in dem Jubilar einen verständnisvollen Förderer und Helfer zur Verwirklichung ihrer Unternehmungen. Im Jahre 1907 wurde die Feldbereinigung begonnen und durchgeführt, während im Jahre 1912 beim Bau der Überlandleitung die elektrische Beleuchtung eingeführt wurde. Auch die Errichtung des Ge­fallenendenkmals auf dem alten Friedhof, welches trotz seiner Einfachheit als ein sinniges Ehren­mal wirkt, wurde von ihm besonders unterstützt und gefördert. Die Kanalisation würde vielleicht, wenn Krieg und Inflation nicht dazwischen ge­kommen wären, früher in Angriff genommen worden fein; aber vor zwei Jahren hat man den ersten Teil durchgeführt und hofft, so irt Teilabschnitten das zu schaffen, was bei nor­malen Verhältnissen schon längst Tatsache ge­worden wäre. Welcher außerordentlichen Wert­schätzung sich der Jubilar auch über die Grenzen des gemeindlichen Wirkens hinaus erfreut, be­weisen die ihm übertragenen Ehrenämter. Bür­germeister Vogel kann an seinem Ehrentage mit Befriedigung auf das zurückliegende Viertel­jahrhundert seiner arbeitsreichen Amtstätigkeit zurückblicken, begleitet von den aufrichtigen Wün­schen seiner Mitbürger für ein noch langes und segensreiches Wirken zum Wohle der Gemeinde.

Eine Hundertjährige in Oberhessen.

h. Büdingen, 3. Juni. In dem Nachbarort Calbach vollendete gestern Katharine K l e h Witwe ihr 10 0. Lebensjahr. Sie ist körper­lich und geistig noch sehr rüstig, nur ihr Gehör hat in dem letzten Jahre etwas nachgelassen Frau Kleh ist 1830 in Alt-Wiedermus geboren und war in Mittel-Gründau verheiratet. Vor 18 Jahren zog sie als 82 Jahre alte Greisin zu Verwandten nach Calbach. Die ganze Ge­meinde gratulierte ihr und nahm teil an der seltenen Geburtstagsfeier.

Landkreis Gießen.

)( Großen-Linden, 4. Juni. Sein 8 7. Lebensjahr vollendet am 7. Juni der äl­teste Mann Großen-Lindens, der Schuhmacher Johannes Lutz VII. Er hat die Feldzüge 1866 und 1870/71 mitgemacht. Außer ihm leben hier jetzt noch vier Kriegsteilnehmer von 1870/71 nämlich: Jakob Luh, Ludwig Menges» Jo­hannes Weber und Georg Müller.

Kreis Schotten.

i Groß-Eichen, 4. Juni. Der hiesige Turnverein hat dieser Tage eine ehemalige französische Reithalle in Mainz gekauft, die er hier als Turnhalle aufstellen will. Der Kaufpreis beträgt 2000 Mk. Die Halle hat eine Länge von 30 Meter, eine Breite von 18 Meter und eine Höhe von 8 Meter. Sie wird aber nicht in ihrer gesamten Größe aufgestellt, sondern ein Teil des Holzes wird für die Inneneinrich­tung, Bühne, Empore usw. verwandt werden. Zur Zeit befinden sich eine Anzahl Mitglieder des Turnvereins in Mainz, um die Halle abzu­brechen und hierherzufchaffen. Der Gemeinderat hat als Platz für die neue Turnhalle die sog. Hirtwiese an der Sellnröder Straße in dankens­werter Weise zur Verfügung gestellt. Der Turn­verein hat hier mit raschem Zugreifen eine viel­leicht nie wiederkehrende Gelegenheit benutzt, um zu einer Turnhalle zu kommen, auf die er andern­falls noch manche Jahre hätte verzichten müssen.

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