Ausgabe 
5.5.1930
 
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Vas Leben der Schiffsmannschaft in höchste Gefahr gebracht. Die Begründung erörtert in längeren Ausführungen, warum eine Verurteilung wegen Menschenraubes nicht möglich gewesen sei. Im Verlaufe dieser Darlegungen wird u. a. auch erklärt, daß die Mannschaft ungefähr ge mußt haben mußte, worum es sich handelte. Der Koch habe das Schiff verlassen, die anderen hätten das auch gekonnt. Zum Schluß heißt es dann noch einmal ausdrücklich: Juristisch müssen die Angeklag­ten zwar freigesprochen werden, moralisch sind sie jedoch schwer zu verurteilen. Waffen- lieferungen dieser Art sind immer vom liebel; ganz besonders, wenn sie zur Vorbereitung einer Revolu­tion dienen. Denn dann sind sie ein schweres Ver­brechen. Hier waren Gewinnsucht und Hab­gier die Triebfeder. Moralisch sind die Angeklagten gar nicht schwer genug zu brandmarken. Das Gericht hat den denkbar schlechte st en Eindruck von den Angeklagten.

Der Gtaatsvoranschkag in Hessen.

Annahme im Finanzausschuß.

Darmstadt, 3. Mai. (WTB.) Der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtages kam am Samstag mit der zweiten Lesung des Staatsvoranschlags zum Abschluß. Von den wichtigeren Beschlüssen seien ge­nannt: Einstimmige Annahme fand ein Koalitions­antrag, der die Regierung ermächtigt, bis zu 130 000 Reichsmark für Zinsverbilligung zu Feld- bereinigungsarbeiten zur Verfügung zu stellen. Ein sozialdemokratischer Antrag, von den akademischen Baubeamtenstellen 25 Prozent auf den Inhaber zu setzen, wurde der Regierung als Material für die große Sparaktion überwiesen. Beim Kapitel Polizei wurde ein Zentrumsantrag gegen die sozialdemokratischen Stimmen angenom­men, der die in der ersten Lesung beschlossene In- Haberbewilligung bei zahlreichen Offiziersstellen wie­der aufhebt und die volle Ausnutzung des Polizeietats wünscht. Der Innenminister hatte sich gegen diesen Antrag ausgesprochen, da nicht gleichzeitig Konsequenzen für die unteren Beamten vorgesehen seien. Der Ausschuß ersucht die Regie- rung zu prüfen, in welchen Fällen es möglich ist, auch den Gendarmeriebeamten eine Ver­gütung für das von ihnen gestellte Dienstzimmer entsprechend der Regelung bei vergleichbaren Be­amten zu gewähren. Die durch den Abbau frei werdende Sch u^ polizeikaserne in Darm­stadt soll für Wohnungszwecke umgebaut werden, was der Ausschuß einstimmig genehmigt. Ein Zentrumsantrag, unverzüglich eine Zentralvormerk- ftelle für Versorgungsanwärter aus Reichswehr und Polizei im Innenministe­rium zu errichten, wurde der Regierung zur Berück- sichtigung überwiesen. Ein demokratischer Antrag, den Amtsärzten und -Tierärzten die Ausübung von Privatpraxis im Wettbewerb mit privaten Aerzten und Tierärzten zu untersagen bis auf einzelne, vom Ministerium genehmigte Fälle, wurde angenommen. Die in einem demokrati­schen Antrag geforderte Vereinigung der Hebammenleyranstalt in Mainz mit der Gießener An st alt wurde der Regierung als Material für die große Sparaktion überwiesen. Ein demokratischer Antrag, den für den Heil­stättenverein eingesetzten Betrag von 25 000 auf 35 000 Reichsmark zu erhöhen, wurde abgelehnt, ebenso ein Landbundantrag, den Staatszu - . schuß für d i e Straßenunterhaltungs- kosten von 1 auf 1,2 Millionen Mark zu erhöhen. Hierzu ließ die Regierung erklären, daß durch die neue Benzin- und Autosteuer der Betrag von 1,2 Millionen sowieso erreicht werden würde. Von sozialdemokratischer Seite wurde eine Erklä­rung abgegeben, daß sie ihre Zustimmung zu der im Etat vorgesehenen Erhöhung der Pflege- geldlätze derHeil - und Pflegean ft alten unter der Voraussetzung gegeben habe, daß geteaent- lich der Behandlung des Gutachtens des Reichsspar- kommifsars ein Lastenausgleich zugunsten schwer be­troffener Gemeinden durchgeführt werde. Ver- schiedene Landbundanträge zu Den Kapiteln Uni­versität und Technische Hochschule wur­den der Regierung als Material überwiesen; gleich­zeitig ersuchte der Ausschuß die Regierung, in eine sofortige Nachprüfung einzutreten, inwieweit die

Gießener Gtavttheaier.

Gastspiel der Berliner Kammeroper: Die Gärtnerin aus Liebe".

Die OperLa finta giardiniera (Die Gärtnerin aus Liebe") steUt als erste unter den bis dahin geschaffenen Opern Mozarts Ansätze zur Entwicklung eines eigenen, persönlich ausge­prägten Opernstiles heraus. Der damals noch nicht 19jähinge hatte den Auftrag erhalten, für den Münchener Karneval eine Oper zu schreiben, und in verhältnismäßig recht kurzer Zeit vollen­dete er die Partitur nach einem Texte, den vor ihm schon A n f o s s i vertont hatte, und der ein Jahr vorher in dieser Form in Rom starken Beifall gefunden hatte.

Ter Erfolg der Münchener Aufführung von Mozarts Oper spiegelt sich am besten in dem Bericht Daniel <3 ch u b a r t s:Auch eine opera buffa habe ich gehört von dem wunderbaren Genie Mozart; sie heißtLa finta giardiniera. Genieflammen zucken da und dort, aber es ist noch nicht das ruhige stille Altarfeuer, das in Weihrauchwolken gen Himmel steigt. Wenn Mo­zart nicht eine im Gewächshaus getriebene Pflanze ist. so muß er einer der größten musikali­schen Komponisten werden, die jemals gelebt haben."

Dem Tertbuch liegt eine Handlung zugrunde, die einmal mit ihren Einzelsituationen den Ge­bräuchen in der Buffooper folgt, zum andern aber dern Moment der Empfindsamkeit, der Rührselig- keit Raum gibt. Das nicht leicht übersichtliche Bühnengeschehen hat der Verbreitung dieses Werkes hindernd entgegengestanden. Es sind da­her eine Reihe von Versuchen unternommen worden, dem Werk eine einheitlichere Geschlossen­heit zu geben. Aber keiner der bisherigen llm- arbeitungen ist ein dauernder Erfolg beschieden gewesen. Roch dazu ist von der original-italie­nischen Partitur der erste Akt verlorengegangen; er konnte nur auf Grund einer deutschen Aus­gabe des Werkes ergänzt werden, und so waren die in der italienischen Fassung vorhandenen Rezitative des ersten Aktes in Verlust geraten

Sn der für die Gießener Aufführung benutzten Einrichtung haben die Bearbeiter John Got- totot und H. Knapstein sich von der ur­sprünglichen Duffoopernhandlung gelöst und die Musik mit einem symbolischen Märchengeschehen in Verbindung gebracht und so dem Ganzen ein völlig anderes Milieu untergelegt.

Ausgaben bei den beiden Instituten einge­schränkt werden könnten, eventuell durch Verein­barungen mit dem Reich und den Ländern durch Vereinfachungen neue Einnahmequellen zu schaffen. Das Finanzgesetz selbst wurde mit acht gegen zwei Stimmen bei Stimmenthaltung der Volkspartei angenommen. Eine Regierungsvorlage, die 50 000 Mark zur Förderung der Kultur, Wirtschaft und des Verkehrs vorsieht, wurde einstimmig geneh­migt. Außerdem wurde die Regierung ermächtigt, in besonderen Härtefällen den Abbau von Volksschullehrern erst im Laufe des n öd) ft en Schuljahres vorzunehmen.

Einführung des neuen Oberpräsidenten von Hessen-Nassau. Kassel, 3. Mai. (TU.) Der neue Oberpräsi­dent der Provinz Hessen-Rassau, der bisherige Beigeordnete der Stadt Köln, Haas, wurde am

Samstag feierlich in sein neues Amt eingeführt. Der preußische Innenminister, Pros. Dr. W a e n- t i g, dankte in herzlichen Worten dem bisherigen Oberpräsidenten Dr. Schwander für seine Tätigkeit und wies auf die großen Aufgaben hin. die der neue Oberpräsident erfüllen müsse. Am Schluß seiner Ansprache führte der Minister aus, daß die Provinz Hessen-Rassau das Bindeglied zwischen dem Rvrden und Süden Deutschlands darstelle. Der neue Oberpräsident solle dahin wirken, daß die früher für Deutschland verhängnisvolle Main- l i n i e gänzlich aus dem deutschen Denken ver­schwinde. Oberpräsident Haas erwiderte, daß er in allen Fragen die Interessen der Allgemeinheit in den Vordergrund stellen und versuchen werde, auch über die Staatsgrenzen hinaus Verbindungen zu pflegen.

Die Gestaltung der Osthilfe.

Oie Bereitstellung der ersten Mittel. - Auch Handel und Gewerbe werden berücksichtigt. Beschleunigte Belebung des Baumarkts.

Berlin, 4. Mai. (ERB.) Am Dienstag wird sich die Reichsregierung in erster Linie mit den finanziellen Grundlagen der Osthilfe befassen. Der Reichsfinanzminifier wird inzwischen die notwen­digen Erhebungen anstellen; wie in politischen Krei­sen verlautet, hat er es möglich gemacht, daß für die Osthilfe zunächst etwa 85 bis 100 Millio­nen zur Verfügung gestellt werden können, ohne daß im Augenblick Mehrbelastungen für den Steuer­zahler eintreten. Man ist sich natürlich darüber klar, daß diese Summe noch keineswegs ausrei­chen kann, wenn das große Ostprogramm verwirk­licht werden soll. Da aber schon allein die Frage der räumlichen Ausdehnung der Hilfe außerordentlich schwierig und umstritten ist, so wird man sich wahrfcheinlich darauf beschränken, die Hilfe zunächst in kleinerem Maßstäbe anzusehen, und zwar räumlich gesehen zuerst von der Grenze aus, um mit der Zeit weiter ins innere Land vor- zuschreiten. 3m Kabinett besteht Einigkeit darüber,- daß die Hilfe in ihren sachlichen Auswirkungen keineswegs auf die Landwirtschaft

beschränkt werden darf, daß es vielmehr daraus ankommt, auch die Rot des Gewerbes und Handels zu bekämpfen, die infolge der Vermin­derung der Kaufkraft der landwirtschaftlichen Be­völkerung besonders scharf hervortritt. Es schweben auch Erwägungen darüber, wie weit die Osthilfe durch weitere Maßnahmen unterstüht werden kann, die zur Behebung der Rotlage im ganzenRelch ergriffen werden sollen. Dabei denkt man beispiels­weise an die energische Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf dem Baumarkt durch besondere Mittel, weil dadurch nicht nur eine Entlastung des Arbeitsmarktes eintreten, sondern auch eine ganze Reihe mit dem Baumarkt zusam­menhängender Industrien gleichzeitig belebt werden würde. In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß der Entwurf des Osthilfegesehes bis zur dritten Lesung des Reichsetats im Juni fettiggefteilt ist. Es wird allerdings wohl erst im Frühherbst parlamen­tarisch erledigt werden und vielleicht in einer ein­geschobenen Zwischensession des Reichstages.

Reichsreform und deutsche Wirtschaft.

Das Sparprogramm des Reichsfinanzministers Or. Moldenhauer.

Bad Eilsen, 4. Mai. (WTB.) Auf der Jahreshauptversammlung des Westsälisch-Lippi- schen Wirtschaftsbundes sprach Reichssinanzmini- ster Dr. Moldenhauer über das Thema Reichsreform und deutsche Wirtschaft". Aufgabe der Finanzpolitik müsse es sein, den Steuerdruck zu mildern, damit die Kapitalbildung zu ermög­lichen, den Kredit zu fördern und die Zinsen zu senken. Erstes Erfordernis sei es, die sch we ­bende Schuld soweit abzudecken, daß sie die Finanzgebarung nicht mehr ernstlich bedrohe. Möglich sei dies nur durch eine sofortige starke Erhöhung der Steuern. Für diesen Zweck hätten die bereits überspannten direkten Steuern nicht herangezogen werden kön­nen, sondern nur die indirekten. Diese Steuererhöhung im Betrage von insgesamt 550 Millionen Mark sei unmittelbar vor Ostern nach harten Kämpfen bewilligt worden. Der Etat für 1930 sei ausgeglichen. Sache des Reichstags sei es, sich dem Dorgehen der Regierung anzu­schließen. Die Sanierung der Kassenlage sei die erste und notwendige Etappe auf dem Wege zur Lastensenkung. Er wolle nicht ver­schweigen, daß dem Etat eine große Gefahr von feiten der Arbeitslosigkeit drohe. Rach den letzten Berichten liege die Zahl der Arbeits­losen um 500 000 über der des vergangenen Jahres. Wir werden, so fuhr der Minister fort, in den nächsten Monaten sehr ernste Maß­

nahmen ergreifen müssen, um diese Gefahr für den ©tat, die unter allen Umständen ge­bannt werden muh, abzuwehren. Ebenso wichtig ist die Durchführung eines großen Agrar- Programms und eine wirkliche Hilfe für den Osten. Wir sind uns bewußt, damit auch produktive Arbeit zu schaffen und zur Bekämp­fung der Arbeitslosigkeit beizutragen. Dem Reichstag ist ein Ermächtigungsgesetz zugegangen, das die Möglichkeit gewähren soll, die K a p i - talertragssteuer für fe st verzins­liche Werte auszuheben. Die Steuersenkung soll sich nicht nur auf die Kapitalertragssteuer beschränken, es sollen schon jetzt die Gesetze in Angriff genommen werden, die im kommenden Jahre die Steuersenkung bringen, in erster Linie die Senkung der Real steuern, der Grundvermögens-undderGewerbe- steuer.

Auch auf die Frage der Finanzpolitik der Gemeinden muß sich die Finanz­reform erstrecken. Wir denken einmal daran, die Kreditgewährung der Gemein­den einheitlich zu regeln, damit nicht durch das gleichzeitige ungeregelte An­gehen des Kapitalmarktes von allen Seiten der öffentlichen Hand der Markt wieder ver­dorben wird, wir denken an den Zwang der Gemeinden zur Rechnungs-

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, wenn man die Frage erörtern würde, ob Mo­zarts feingeistige, der ursprünglichen Situation pointiert angepaßte Musik sich völlig auf einen neuen Hintergrund übertragen ließe, ohne die ur­sprüngliche Absicht Mozarts zu dein trächtigem Zudem läßt die chinesische Märchenwelt die Si­tuationskomik und die Feinheiten des Bussostiles dem Hörer zweifellos nicht so treffend offenbar werden wir das originale, in westeuropäischen Anschauungen wurzelnde erste Textbuch.

Es mag vielleicht für die jetzigen Bearbeiter der Grund mitgesprochen haben, daß Mozart doch an verschiedenen Stellen der Oper über die Gren­zen der italienischen Dusfokunst hinausgeht, in­dem er die Dühnen-Geschehnisse nicht mit paro­dierender Art erfaßt, sondern stellenweise per­sönlich warm empfundene, ja an das Leiden­schaftliche herangren^ende Töne findet und so verschiedentlich in spatere Schaffenszeiten voraus­greift. Das Maskenspiel wird ihm zu einem menschlichen Erleben. Don diesem Gesichtspunkte aus kann man also der Reugestaltung beipflich­ten. Die bunte Dielfältigkeit des originalen Tex­tes bot den Bearbeitern ganz besondere Schwie­rigkeiten. Sicherlich erscheint das Dühnenspiel in der vorliegenden Form vereinfacht, wenn auch nicht immer streng zwingend in seinen Kausal­zusammenhängen. Es wäre für das Verständ­nis des Werkes durch die Hörer sicherlich von großem Vorteil gewesen, wenn auch hier in Gie­ßen dem Programm eine Inhaltsangabe bei­gefügt worden wäre, wie es an anderen Orten geschehen ist; denn der mit dem ursprünglichen Text vertraute Hörer wird zunächst genau so Mühe gehabt haben, der Dühnenhandlung näher­zukommen, wie derjenige, der dem Werke zum ersten Male gegenüberstand. Denn durchweg war die textliche Behandlung der Rezitative, die ja namentlid) über das Geichehen Aufschluß gaben, durchaus nicht immer so deutlich sprachlich aus­geprägt, daß man ihren Sinn eindeutig erfassen konnte.

Da das Unternehmen der Berliner Kam­me r o p e r besonders auch Opernaufführungen an solchen Orten beabsichtigt, die nicht immer über die szenischen Einrichtungen für eine der­artige Darbietung verfügen, hatte man sich in i>er Ausstattung der Szene auf das Aeuherste beschränkt und sich mit stilisierenden Andeutun- gen begnügt. Andererseits erschien es erstaunlich, wie die Spielleitung (John Gottowt) ange­sichts der beschränkten Dekorationsmittel und

Ausstattungsmöglichkeiten es dennoch verstand, den Anforderungen der Handlung geschickt ge­recht zu werden. Vielleicht wurde das zeitlos Phantastische der Bearbeitung so besonders wirksam. Die Kostüme entsprachen der Märchen­welt. Sie waren malerisch gewählt, nur hätte man sich hier und da noch eine individuellere Ausprägung wünschen mögen. Die szenische Ge­staltung durch die einzelnen Darsteller war sorg­fältig erwogen und lebhaft erfaßt nach den Er­fordernissen des Duffospieles. Ueberall war eine theaterkundige Führung unverkennbar. Die Fi­nales waren von stärkster dramatischer Durch­schlagskraft und dem überaus charakteristischen musikalischen Geschehen organisch eingeordnet.

Im einzelnen zeigten die beteiligten Kräfte in gesanglich-musikalischer Hinsicht nicht ausnahms­los das hohe Maß von Können, wie wir es in den letzten Aufführungen der Darmstädter und Mainzer Oper erfreulicherweise beobachten konn­ten. Sehr trefflich wurde die Rolle des Ta-ro°mi (ein junger Ritter) durch Hella Storck ver­körpert. Ihr sympathisch voll innerer Wärme strömender Alt gab ihr das rechte Mittel zur Ausschöpfung und Kundgebung menschlich ver­innerlichter Töne; z. D. in der Arie im zweiten Akt. Gertrud Buß gab sich als verkleidete Gärtnerin (Li-o-fe) in vornehmer Art; im Spiel war sie von zu starker Zurückhaltung: gesang­lich traf sie den Mozartstil mit feinsinniger musi­kalischer Auffassung. In der Laubenarie und auch im Schlußduett zeigte sie besondere Höhepunkte. Lo°pei°, ein Edelfräulein (Else Oste r), hatte nicht immer die klanglich-stimmliche Ausgeprägt­heit, wie sie Mozarts noch völlig unter dem Ideal des belcanto stehende Musik erfordert. Li-re-ta, ein Mädchen für alles (JuliaLührs), war eine in Spiel und Gesang wohlversierte Opernsoubrette. Josef H a 11 e m e r (Huang- tschao, ein Edler, früher Verehrer Li-o-fes) be­wies wohl durch fein Organ von Ratur aus stimmliche Frische und auch sympathische Fär­bung; nach seiner technischen Durchbildung kann man ihn allerdings noch nicht als einen idealen Mozartsänger ansprechen- Darstellerisch sehr charakteristisch war Sen-jen-wei (ein Mandarin und Zauberer) von Alex H e l f m a n n; beson­deren Erfolg hatte er mit der Arie im ersten Akt, in der die einzelnen Instrumente mit ihren Klängen sich als Symbole für fein Handeln Sen. San-hao, der Wächter des Gartens der

e (Henry A l f), vermochte feinem Organ nicht jenes Duffohaftc und die textliche Leichtig­

le g u n g gegenüber einer von den Gemein­den unabhängigen Stelle und schließlich daran, eine Bürgerabgabe ober einen ähnlichen beweglichen Sfeuerfattor einzufüh­ren und diesen in eine Relation zur Gewerbe­steuer zu bringen. Aber wir werden hier nur weiter kommen, wenn in den Ländern und Gemeinden der starke Wille zur Sen­kung der Ausgaben vorhanden ist. Ein systematisches Sparen seht gesetzgeberische Eingriffe voraus. Dazu soll ein Aus- gabensenkungsgeseh, für das die Vorarbeiten in meinem Amt abgeschlossen sind, die Voraussetzungen liefern.

Ohne harte Eingriffe wird es dabei nicht abgehen. Ich bin mir bewußt, daß eine volle Auswirkung erst dann eintreten kann, wenn wir das große Problem der Reiche »j.o r m ernst­haft anpacken. Wenn wir uns auf uns selbst be­sinnen, dem großen Beispiel unseres hochver­ehrten Reichspräsidenten von Hin­denburg folgen und uns zu gemeinsamer Ar­beit die Hände reichen, dann können und müssen die Schwierigkeiten überwunden werden. Dann wird Deutschland wirklich seinem Ausstieg ent­gegengehen.

Der Vorstand des Weftfälisch-Lippeschen Wirt­schaftsbundes nahm dann eine Entschließung an, in der es für dringend erforderlich erklärt wird, an alle privatwirtschaftlich eingestellten Kreise des deutschen Volkes die ernste Mahnung zu richten, der unheilvollen Zersplitte­rung des deutschen Parteiwesens alsbald entgegenzuwirken. Die bürgerlichen Par­teien sollten ungeachtet sonstiger verschiedener Auffassung in rein politischen, kulturellen und weltanschaulichen Fragen mehr als bisher Wege suchen und beschreiten, die zu einer wirt­schaftspolitischen Verbindung führen mit dem Ziele einer planmäßigen Zusammen­arbeit im Kampfe für die Erhaltung der feit Jahren in gesteigertem Maße bedrohten Indi- vidualitätswirtschaft. Zweck der Ge­meinschaftsarbeit sollte auch eine geschlossene Ab­wehr gegenüber der sozialistischen und kommu­nistischen Ideenwelt fein. In einer Aussprache des Vorstandes mit Vertretern der bürgerlichen Parteien erklärten sich alle Anwesenden zu wei­terer gemeinsamer Arbeit mit dem Wirtschafts­bund auf dem in der Entschließung gezeigten Wege bereit.

Waffenfunde bei Berlin.

Berlin, 3. Mai. (WTB.) Die an den Boots« siegen des Nachtklubs am Stoßen-See liegenden Boote des Deutschen Marinesportklubs und die Wohnung des in Berlin-Dahlem wohnen, den Leiters dieses Sportklubs, des Regierungsrates beim Reichspatentamt Dr. Lübben, wurden einer Durchsuchung nach Waffen und Munition unterzogen. Es wurde eine beträchtliche Menge Waf­fen und Munition gefunden. So u. a. ein Gewehr (Modell 98), sieben schwere Pistolen, drei Trommel- revoloer, fünf Handgranaten, 416 8-Patronen und eine erhebliche Menge sonstiger Munition. Ferner wurden zahlreiche Zubehörteile für Waffen, darun­ter Zubehörteile für Maschinenpistolen, außerdem 600 Erhardt-Abzeichen gesunden. Lübben war früher Mitglied des Wiking-Bundes und will jetzt der Deutschnationalen Volkspartei angehören. Verschie­dene Mitglieder des Deutschen Marinesporttlubs haben sich ebenfalls mit der Beschaffung von Waffen befaßt. Gegen sämtliche Beteiligte ist ein Straf­verfahren eingeleitet.

Bisher haben sowohl Dr. Lübben wie die beiden anderen Vereinsmitglieder, die mit ihm fest ge­nommen wurden, bei den Vernehmungen bestrit­ten, daß die gefundenen Waffen mit der dazu ge­hörigen Munition irgendwelchen hochverräterischen Zwecken dienen sollten. Die Polizei vertritt vorläu­fig den Standpunkt, daß es sich um Uebungs- waffen handelt, zumal die Gewehre und Revol­ver sich in ausgezeichnetem Zustande befanden, fach­männisch gereinigt und eingefettet waren. Da der Marinesportklub in der Hauptsache jüngere Mitglie­der, zum Teil sogar jugendliche hatte, liegt der Ver­dacht nahe, daß die in dem Verein tätigen ehemali- gen Offiziere mit diesen Waffen und dem übrigen

feit der Rezitative abzugewinnen, die den An­sprüchen des Komponisten angemessen gewesen wären.

Daß das Ganze dennoch als eine nahezu ein* heitliche musikalische Leistung anzusprechen war, muh als ein besonderes Verdienst des Dirigenten, des Generalmusikdirektors H. K n a p st e i n, gel­ten. In durchaus fein nachgehender Art wußte er das Geistvolle und das mit Mozartscher Wärme Erfüllte der Partitur wirksam zu er­schließen und die vielen instrumentalen Fein­heiten plastisch herauszustellen und in das rechte Licht zu sehen. Wenn nicht a lles in voller Ge­schlossenheit erstand und gelang, so lag das an den einzelnen Kräften im Orchester, die nicht immer allen Anforderungen voll zu entsprechen vermochten.

Immerhin wurden durch die Ausführung Ein­blicke in eine Schaffensperiode Mozarts gewährt, die manches Reizvolle und Interessante gaben, und die den Blick der Hörer auf den jungen Mozart, als den werdenden dramatischen Musiker, lenkten. Dr. H.

Entgegenkommen.

Diese Geschichte,' die zudem Len Vorzug hat, wahr zu sein, beginnt mit der Ankunft des Morgenpostflugzeuges in Andir in Riederlän- disch-Indien. Dem Flugzeug entsteigt ein einziger behäbiger Passagier. Selbstbewußt schaut er um sich und vertritt sich dann in der jungen Morgen­sonne ein wenig die steif gewordenen Füße. Schließlich beginnt er mit dem Flughafenbeamten ein Gespräch über dieses und jenes und läßt sich endlich zu einem guten Hotel bringen, allwo er nun durch ein solennes Morgenfrühstück den inwendigen Menschen zu stärken hoffte. Ich sage: hoffte, denn soweit kam er nicht so schnell. Zu seinem maßlosen Schrecken mußte er nämlich fest­stellen, daß er sein Gepäck und damit auch fein Geld zu Hause gelassen hatte. Was tun? Vor­sichtshalber fragt er also beim Flughafen nach seinem Gepäck. Rein, es ist nicht liegengeblie­ben. Auch auf dem Flughafen seiner Heimatstadt mich es zu Hause liegen. Und nun geschah das fast Unglaubliche. Der Beamte setzt em besonderes Flugzeug ein, läßt das Gepäck von Haufe holen und wenige Stunden später hat unser Reisender sein schmerzlich vermißtes Ge­päck in seinen Händen. Und das alles, ohng dafür noch etwas zu bezahlen. Ist daS nicht entgegenkommend?

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