Eisberge auf der atlantischen Schiffahrtsroute.
1930- ein Iahr der Eisberge. - Ein Eisblock, der siebentaukenbmal so groh ist wie das Berliner Rathaus. - Wie sich die Schiffahrt schützt.
Von Anton Jensen.
Land mit Hof und Jirvcntar kaufen, ohne daß sie sonstiges eigenes Privatkapital besitzen. Sie müssen allerdings vorher einen Befahl- gungsnachwcis erbringen, indem sre wahrend ihrer Dienstzeit die Heeresfachschulc für Landwirtschaft zu besuchen haben, wo sie praktisch und theoretisch ausgebildet werden und eine theoretische und praktische Abschlußprüfung abzulegen haben. Ohne Bestehen dieser Prüfungen werden die Kredite nicht gewährt. Eine davon gesonderte Beurteilung des einzelnen Mannes über die Eignung zum Siedler wird außerdem noch gefordert. Bei den Zivilsiedlern wird der Befähigungsnachweis bis jetzt noch nicht verlangt, vielmehr nur der Nachweis, daß der betreffende Erwerber die Landwirtschaft im Hauptberufe betreibt oder früher betrieben hat.
Bon nicht zu unterschätzender Bedeutung ist außer der Eignung des Mannes zur Siedlung auch diejenige der Frau. Es ist im allgemeinen am besten, wenn die Frau aus der Landwirtschaft stammt. In einer großen Anzahl von Fällen ist aber auch bereits erwiesen, daß sich Frauen, die aus der Stadt stammen, ausgezeichnet aus ihrer eigenen Scholle eingelebt haben und die Landwirtschaft sehr gut meistern, sofern sie nur mit dem nötigen Interesse und der erforderlichen Energie an ihren Beruf herangegangen sind. Am wenigsten sind diejenigen Frauen zur Siedlung geneigt, welche die Landwirtschaft aus sehr kleinen Verhältnissen »m Elternhause kennengelernt haben, bei denen der Batcr einen anderen Hauptberuf hatte und die kleine Landwirtschaft allein an der Frau und der oft noch jungen Tochter hängen blieb. Hierbei ist ihnen naturnotwendigerwcise die Lust an der Landwirtschaft vergangen.
Wirft man einen Blick auf die bisher durch Siedlung vorgenommene Ansässigmachung, so sind die zahlenmäßigen Angaben darüber sehr verschieden und deshalb unsicher. Der Grund dafür liegt wohl in der verschieden durchgeführten Trennung nach Anliegersiedlungen, Vergrößerungen von kleinen Betrieben und Herstellung ganz neuer Höfe. Für Preußen, wo die meisten Siedlungen bisher durchgeführt wurden, kann man ungefähr die jährliche Durchschnittszahl neuer Siedlungen seit Kriegsende von 1000 annehmen. Das ist vorläufig noch eine sehr geringe Zahl. Doch ist zu erwarten, daß dann, wenn. eine größere Zahl von Siedlern ihre gesunde Existenz nachzuweisen beginnen, das Beispiel schnell Nachahmung finden wird. Ferner gehört dazu, daß auch künftig alle deutschen Landwirte die zur Zeit bestehende geschlossene „®rüne Front" beibehalten, da nur durch sie den Belangen der Landwirtschaft Rechnung getragen werden kann. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß durch Stärkung eines Wurzelsesten, bodenständigen Bauerntums der Bestand des Reiches am besten gekichert wird.
Betrachtet man zum Schlüsse die Frage der Siedlung vom Standpunkt der Volksernährung aus, so ist zu sagen, daß die Erzeugung tierischer Produkte dadurch^ nur gefördert werden kann, weil gerade der bäuerliche Besitz hierin außerordentlich Gutes leistet. Der Getreidebau fällt bei ihm noch nicht so ins Gewicht. Doch wird er auch darin Besseres leisten können, wenn er sich bei Steigerung der Preise auch aller neuzeitlichen Hilfsmittel bedienen kann, welche heute zu Gebote stehen. Eine intensive Wirtschaftbe ratung hilft dabei mit. Allerdings haben Erfahrungen auch • gezeigt, daß Siedler für derartige Beratung völlig unzugänglich waren, weil sie an anderes Wirtschaften gewöhnt waren und dieses für das allein Richtige hielten. Erst durch eigenen Schaden mußten sie klug werden. Deswegen sollen Siedler cs sich in den ersten Iahren insbesondere angelegen sein lassen, die Erfahrungen der Wirtschaftsberater anzunehmen im eigenen wie im allgemeinen Interesse.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 5. April 1930.
Gießener Wochenmarktprerse.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 170, Matte 30 bis 35, Käse 10 Stück 60 bis 140, Wirsing 20 bis 35, Weißkraut 6 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 30, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat 150 bis 180, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 41'» bis 5 (der Zentner 3,80 bis 4 Mk.), Aepfel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Nüsse 50 bis 70 Pf. das Pfund: Tauben (Stück) 70 bis 80 Pf., Eier 10, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 20 bis 30, Endivien 20 bis 50, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: Radieschen Dd. 15 bis 20 Pf.
Taten für Lonntag, 6 April.
Sonnenaufgang 5.27 Uhr, Sonnenuntergang 18.40 Uhr. — Monda'ufgang 9.29 Uhr, Monduntergang 2.38 Uhr
1520: der Maler Raffael Santi in Rom gestorben: — 1528: Albrecht Dürer in Nürnberg gestorben: — 1870: der Komponist Oskar Strauß in Wien geboren.
Taten für Montag, 7. April.
Sonnenaufgang 5.24 Uhr, Sonnenuntergang 18.41 Uhr. — Mondaufgang 10.49 Uhr, Monduntergang 3.25 Uhr.
1814: Napoleon 1. entsagt der Krone und wird nach Elba verbannt: — 1874: der Maler W. von Kaulbach in München gestorben.
** Aus dem Gießener Standesamts- register. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 31. März: 16. Marianne Martha Kübel, 10 Monate, Wetzlarer Weg 80; 18. Luise Keller, gcb. Seeger, Witwe, 74 Jahre, Südanlage 4; 20. Wilhelm Heinrich Schmidt, 9 Monate, Kaiserallee 111, 20. Johann Georg Ruppel, berufslos, 76 Jahre, Lindengafse 10; 21. Katharine Wenzler, berufslos, 74 Jahre, Walltorftraße 36; 22. Katharine Noll, geb. Bernhardt, 62 Jahre, Lindengafse 2; 24. Lina Ida Wunderlich, geb. Fiedler, 60 Jahre, Kaiser« allee 79; 24. Kurt Heinrich Hermann Boß, Kellner, 20 Jahre, Sonnenstraße 9; 25. Dr. Karl Gustav Jobst Klewitz, prakt. Arzt, Oberstabsarzt^ a. D., 55 Jahre, Ludwigstraße 1: 26. Amalie Krämer, geb. .Heinrich, Witwe, 77 Jahre, Liebigstraße 89; 26. i'iiite Müller, geb. Loh, 67 Jahre, Crednerstraße 14; 26. Peter Gibb, Lokomotivführer i. R., 78 Jahre,
Der englische Dampfer „Alaunis" hat, wie bereits gemeldet wurde, in der Gegend von Neufundland wachsende Eisberggefahr gemeldet. lieber 30 große Eisberge treiben zur Zeit auf der Schiffahrtsroute, die ständig im transallantischen Verkehr benutzt wird.
Die Polarzone ist erwacht! Die Ränder der Polareisbänke bröckeln unter der Wirkung lauer Winde ab, Treibeis schiebt sich übereinander und beginnt seine Wanderung nach dem Süden, an den Küsten Grönlands „kalben" die Gletscher. Wenn sich diese Gletscher bis ins Meer hinein fortschieben, bricht im Frühjahr der über dem Festland hinausragende Teil mit Donnergetöse ab, und das „Glet- cherkalb", der Eisberg, treibt alsdann ziellos im Neer dahin, bis er in den Bereich einer der arkti- chen Strömungen gerät, die nach Süden führt. Noch häufiger entstehen Eisberge im freien Polarmeer, wenn sich Packeis und Eisfelder wild übereinander auftürmcn. Ungeheure Eismassen werden auf diese Weise in Breitengrade befördert, auf denen sonst Eis und Schnee zu den größten Seltenheiten gehören. Erst in den warmen Fluten des Golfstroms löst sich das Eis auf; aber es kommt doch vor, daß riesige Eisberge noch in den Gegenden des Atlantischen Ozeans an-getroffen werden, die auf der Höhe von Neapel oder von Madrid liegen.
Die Gefahren, die der Schiffahrt daraus entstehen können, sind offensichllich. Bor 18 Jahren, nm 14. April 1912, zertrümmerte ein Eisberg die Wände des gewaltigen Dampfers „Titanic", eines Schiffes von 46 000 Tonnen; 1550 Personen kamen damals ums Leben. Es erscheint zunächst merkwürdig, daß treibendes Eis, also eine zerbrechliche Masse, einem festen Schiff so großen Schaden zufügcn kann. Aber das wird verständlicher, trenn man sich einmal klarmacht, wie groß Eisberge unter Umständen sein können. Professor Dr. Baschin hat selbst an der Westküste Grönlands einmal einen Eisberg untersucht, dessen Kubikinhalt etwa die siebentausendfache Größe des Berliner Rathauses Ä. Er hat riesige Eisgebilde gefunden, die 100 r über die Wasseroberfläche emporragten; da Eis aber nur wenig leichter als Wasser ist, befindet sich der größte Teil eines solchen Blockes unter der Oberfläche, und man muß bei dem erwähnten Eisberg von 100 Meter Höhe annehmen, daß er insgesamt vielleicht 800 dis 900 Meter hoch gewesen ist. Eisberge, die nur 10 Meter hoch zu sein schei- nen, können einem großen Schiff dennoch recht gefährlich werden, da sie unter Wasser noch einen Tiefgang von vielleicht 80 Meter haben. Zuweilen gleichen die Eismassen unaeheuren schwimmenden Inseln; vor allem in antarktischen Gewässern trifft man solche Eisinseln, deren Masse oft hundertfach größer ist als der Kubikinhalt der Insel Helgoland. Der neufundländische Forscher James E. G r a n t berichtete schon vor Jahren in England über seine Beobachtungen: „Ich habe Eisberge von außer- ordentlicher Ausdehnung gesehen, Eisberge, die volle fünf Kilometer in der Länge maßen und weit über 50 Meter über den Wasserspiegel emporragten. Diese Ungetüme sind bis in den August hinein an unserer Küste häufig zu beobachten und verschwinden erst unter der schmelzenden Einwirkung der Sonnenstrahlen." Trifft man auf eine solche treibende Eis- insel. so ist man überrascht von der majestätischen Ruhe, mit der sie sich im Wasser vorwärlsschiebt. Während das beobachtende Schiff bei Sturm auf den Wellen hin- und hertanzt, ist die Masse und die Ausdehnung eines großen Eisberges mächtig genug, um vom größten Seegang nicht erschüttert zu werden; man sieht bann die Wogen des Meeres auf das Eis prallen und den Rand des Berges ganz in weißen Gischt gehüllt — ein herrliches Schauspiel, dessen Genuß nur durch den Gedanken an drohende Gefahren getrübt wird.
In diesem Jahr Haden sich die Eisberge besonders früh gezeigt. Schon Ende Januar wurden in der Nähe der großen Neufundlandbänke die er- slen Eisberge gesichtet, was ofsenbar auf den milden Winter zurückzuführen war. Anfang April treten sie nun in größeren Massen auf. Das Schiff „Alaunis", das der Cunard-Linie gehört, wurde in diesen Tagen von acht Eisbergen hufeisenförmig ein • geschlossen und konnte sich nur mit großer Mühe aus der gefährlichen Umgebung hinausmanö- nrieren; es mußte sich aber noch sehr in acht nehmen, da sich ihm 22 weitere Eisberge bei der 23er-
Bismarckstraße 40; 29. Jean Peter Stecker, Schlosser, 55 Jahre, Tiefenweg 4.
’* Ostern in Bad-Nauheim. Mildes Klima, gute Verkehrslage, vorzügliche, allen Ansprüchen angemessene Untctfunft und eine Fülle des Schonen und Sehenswerten, das sind an sich schon Eigenschaften, die einen Kurort wie Bad- Nauheim zum verlockenden Reiseziel in den Ostertagen machen. Dazu kommt vor allem die Möglichkeit freier Einstellung auf entspannende Ruhe, oder anregende älnterhaltung, je nach Wunsch und Bedürfnis. Für die zahlreichen Gäste, die wie in jedem Iahre Bad-Nauheim während der kommenden Oftertage besuchen, wird wieder eine besondere Kurkarte ausgegeben, die vom 16. bis 24. April oder während der israelitischen Oftertage vom 12. bis 20. April Gültigkeit hat.
** Autoverkehr nach demSchiffen- b e r g. Von morgen, Sonntag, ab wird ein regelmäßiger täglicher Autoverkehr der Berkehrs-2l.G. Hessen nach dem Schiffenberg eingerichtet. Im Gegensatz zu der früheren Einrichtung, wonach das Auto nur bei genügender Beteiligung fuhr, verkehrt es von jetzt ab täglich einmal nach dem Schiffen- berg und zurück, bei Bedarf auch mehrmals. (Siehe heutige Anzeige.)
** Fünfziger-Verernrgung. Dieser Tage hatte, wie man uns berichtet, die Fünfziger-Vereinigung 1880/1930 ihre Mitglieder zu einer gemeinschaftlichen Geburtstagsfeier der Geburtstagskinder aus dem ersten Vierteljahr in das Schühenhaus eingeladen. In den stimmungsvoll geschmückten Räumen sahen an einer langen Tafel die mit Dlumensträuhchen geschmückten Geburtstagskinder. Die übrigen Festteilnehmer gruppierten sich seitlich an kleineren Tischen. Der erste Vorsitzende begrüßte die sämtlich erschienenen Mitglieder und widmete insbesondere denjenigen herzlichste Glück- und Segenswünsche, die in dem ersten Vierteljahr des IahreS 1930 ihr 50. Lebensjahr vollendet hatten. Alle Alterskameraden sollten die Sorgen und Lasten des Alltags vergessen und sich einmal ganz der frohen festliche»! Stimmung hingeben. So etwa führte der
folgung der gewöhnlichen transallantischen Schiff fahrtsroute in den Weg stellten. Cs kommt natürlich darauf an, wie groß diese Eisberge gewesen sind. Bon kleineren Gebilden hat z. B am 24. Mai 1£82 ein deutscher Dampfer am Ostrand der Neufundlandbank innerhalb 24 Stunden nicht weniger als 351 gesichtet. Diese Eismassen sind vor allem deshalb gefährlich, weil die von ihnen ausstrahlende Kälte zur Bildung von Nebeln führen kann, so daß es zuweilen nahezu unmöglich ist, die drohende Gefahr bei unsichtigem Wetter rechtzeitig zu erkennen.
Wie schützt sich nun die Schifsahrt vor diesem regelmäßig wiederkehrenden Gefahrenherd? Unmittelbar nach der Katastrophe der „Titanic" überlegte man sich in alle»» Schiffahrtskreisen, wie der Wie- derholung eines solchen Unglücksfalles vorzubeugen sei. Zahlreich waren die Experimente, die mit Temperaturmessungen des Meereswassers angestellt wurden, aus denen hervorgeben sollte, ob schmelzende Eismassen in der Nähe seien. So wurden z. D. in den Schifsskiel besonders konstruierte Thermometer eingebaut, die auf elektrischem Wege die Teniperakur des Kielwassers auf der Kommandobrücke anzeigten. Aber die zunächst allgemein verbreitete Anschauung, daß das Meereswasser schon in weiterer Entfernung von einem Eisberg sehr abgekühlt sei, ist inzwischen widerlegt, und man hat eingesehen, daß auf diese Weise der Gefahr nicht beizukommen sei. Darauf tauchte der Plan auf, durch besondere Schiffsdienste alle Eisberge, die sich auf die Wanderung in südliche Gewässer begeben haben, vor der Erreichung der transatlantischen Schiffahrtsroute durch Sprengung zu vernichten. Es ist aber nicht einfach, etwa ein Gebilde zu zerstören, wie es der Dampfer „Discovery" am 22. Februar 1927 südlich von Amerika getroffen hat: dort sah man einen Eisberg von 65 Kilometer Breite und unabsehbarer Länge. Baschin hat später vermutet, daß es sich dabei um denselben Koloß handelte, den sechs Wochen vorher in der gleichen Gegend ein norwegischer Dampfer gesichtet hatte, und der eine Länge von 167 Kilometern besaß. Der englische Kutter „Modoc", der ständig im Patrouillendienst zur Beobachtung von Eisbergen verwandt wird, versuchte vor zwei Jahren, einen mächtigen Eisberg mit Dynamit aus dem Weg zu räumen. Am 26. Mai 1928 hatte der Kutter ebenfalls in der Nähe von Neufundland einen Eisberg entdeckt, der den Wasser- spiegel um 80 Meter überragte, einen viereckigen Block, auf den nun Jagd gemacht wurde. Man entschloß sich, ein paar Matrosen auf einer hervorspringenden Zunge des Berges zu landen und dort einen Minengang anzulegen. Zwei Gänge wurden gebohrt und mit Dynamit gefüllt, und nachdem sich die Matrosen wieder entfernt hatten, wurde eine Explosion hervorgerufen. Der Eisberg wankte, eine Säule von Wasser und Rauch stieg kerzengerade in die Luft, — aber als der Rauch verschwunden war und das Meer sich wieder beruhigt hatte, sah man, daß der Eisberg nur wenig gelitten hakte. S.ein Dach hakte sich etwas verschoben, und einige hundert Tonnen Eissplitter schwammen auf dem Wasser. Aber der Kuller gab die Sache nicht verloren und ging in den ersten Tagen des Juni zu einem neuen Angriff über. Mehrere Sprengungen wurden vorgenommen, ohne sichtbaren Erfolg. Doch sah man nach weiteren 14 Tagen, daß das Gefüge des Eisberges doch erschüttert war. Er löste sich ganz überraschend in viele tausend kleine Stücke auf.
Dies umständliche Experiment beweist, daß die Vernichtung aller den Atlantik' bedrohenden Eisberge wohl unmöglich märe. Es bleibt nur übrig, vor ihnen die Flucht zu ergreifen — und dazu hat sich die Schiffahrt tatsächlich entschlossen. Durch einen internationalen Patrouil- l e n b i e n ft wird die Bewegung der Eisberge genau überwacht, und sobald die nördlichste Schifs- sahrtsroute bedroht ist, schlagen die Fahrzeuge aller Nationen südlichere Wege ein. Aus Wettbewerbsgründen müssen alle großen Reedereien gleichzeitig zum südlichen Weg übergehen; da die Nordroute nämlich die kürzeste ist, würden sonst die Dampfer waghalsiger Gesellschaften einen Zeitvorsprung erhalten. Durch dieses von Monat zu Monat immer weitergehende Ausweichen nach Süden ist es gelungen, Unglücksfälle für Paffagierdampfer im letzten Jahrzehnt völlig zu vermeiden. Nur Fischkutter fallen zuweilen den Eisbergen zum Opfer.
Sprecher aus. Daß ein herzliches Derbunden- sein und die schönste Kameradschaftlichkeit herrsche, beweise die ganze Stimmung der Fünfziger und das gegenseitige Zusprechen wie Bruder zu Bruder. Berufsstände, Parteizugehörigkeit und De- kenntnifse spielten hier keine Rolle. Besonders weihevoll gestaltete sich die Heldenehrung derjenigen Alterskollegen, die im großen Vö.ker- ringen auf dem Felde der Ehre ihr Leben lassen mußten. Andächtig lauschten die AlterskolleZen stehend dein Liiede vom guten Kameraden. Für den musikalischen Teil sorgte die Kapelle Topp- Krengel, während die übrigen Darbietungen von Mitgliedern selbst bestritten wurden. Namentlich verdient Fräulein Rau, Tochter des Alterskollegen Emil Rau. mit ihren schönen Liedern und ihrem fclbstverfatzten Prolog besondere Hervorhebung. Nur zu rasch verstrichen die gemütlichen Stunden dieser ersten Geburtstagsfeier der Fünfziger 1880/1930. Der fröhlich und harmonisch verlaufene Abend wird sicherlich bei allen Teilnehmern eine angenehme Erinnerung zurückge- lassen haben.
•• Sä n gerinnenfahrt nach Wetzlar. Dieser Tage folgte der Willsche Frauenchor Gießen, wie man uns mitteilt, einer Einladung des Union-Frauenchors, Wetzlar, zu einem friedlichen Gesangswettstreit, der in Der „Goethe - Linde" in Garbenheim ausgetragen wurde. Die Sängerfahrt war von bestem Frühlingswetter begünstigt. Der über 60 Mitglieder zählende Wetzlarer Frauenchor eröffnete den Reigen der gesanglichen Darbietungen mit dem Liede „Die linden Lüfte sind erwacht" und erfreute ferner im Laufe des Nachmittags die zahlreich erschienenen Zuhörer mit einer Reihe von Solo- und Chorgesängen, von denen das »Spin- nerlied" aus dem „Fliegenden Holländer" wiederholt werden mußte. Der Willsche Frauenchor Gicchen, der gegenwärtig 40 Mitglieder zählt, begann seine Darbietungen mit der russischen Volksweise „Iubilate" und mit dem beliebten thüringischen Volkslied „Abendglöcklein": ferner kamen u. a. die Chöre „Maienzeit" von Silcher und der technisch schwierige „Iäger aus Kur-
psalz" zum Vortrag. Die sämtlichen Liedvorträgs gelangen ausgezeichnet und verrieten eine lobenswerte Durchbildung und Schulung der beteiligten Sängerinnen. Die Veranstaltung war ein Beweis dafür, daß auch der Frauengesairg heute an der bewußten Pflege des deutschen Volksliedes mit gutem Gelingen beteiligt ist. Der Männerchor „llnion-Club" Wetzlar hatte einen Teil seiner Hauskapelle in dankenswerter Weise zur Mitwirkung bei dem Gesangswettstreit zur Verfügung gestellt.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
rtz Lollar, 4. April. Gestern abend fand im Saale „Zur Traube" eine außerordentliche! Generalversammlung des Vereins Kinderfreund statt, die von etwa 80 Mitgliedern! besucht war. Die ordentliche Generalversammlung am 28.Ianuar hatte die Neufassung der Satzungen beschlossen. Eine damals gewählte Kommission hatte die neue Satzung ausgearbeitet, die von der Versammlung einstimmig angenommen wurde. Die nach der-2hnnahme dieser neuen Satzung notwendig gewordene V o r - standswahl, die eine Erweiterung des Vorstandes vom neun auf elf Mitglieder bestimmte, hakte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Dekan Guhmann, 2. Vorsitzender Bürgermeister Schmidt, Vorstandsmitglieder Dir. I a n tz e n. Rektor i. R. D a a b, Zimmermeister Balthasar Nuhn, Werkmeister Heinrich Müller IU Reichsbahnbetriebsassistent Karl Drück, Landwirt Ludwig Hofmann V., Landwirt Heinrich Geißler vUL, Maschinenmeister Fritz Rohrbach, Schreiner Karl Seipp IL Die Verteilung der Aemter (außer dem des Vorsitzenden) hat sahungsgemäh durch den Vorstand zu erfolgen, was demnächst geschieht. Der Verein zählt zur Zeit 508 Mitglieder.
• Reiskirchen, 4. April. Die Volks- nationale Re ich sv e r e in i g un g veranstaltete hier die erste, sehr gut besuchte öffentliche Versammlung. Im Anschluß an die Rede des Studienrats Dr. Gebhardt (Gießen) entwickelte sich eine rege und fruchtbare Aussprache. Aus den Worten der Ausspracheredner konnte man erkennen, daß die Gedanken dieser Sammelbewegung auch hier schon verbreitet sind. Wit der Gründung einer Ortsgruppe rechnet man für die nächste Zeit.
-j- Grünberg, 4. April. Die Abschlußprüfung an der hiesigen Landwirtschaftlichen Schule fand am Mittwoch im „Rappen" statt. Die abgehenden 15 Schüler der Ober- Nasse wurden in Betriebslehre und außerdem in Ackerbau über das Thema „Neuanlage von Wiesen- und Weideflächen" geprüft, während dis Unterklasse ein Thema aus der Chemie: „Die Bedeutung des Kalkes in der Landwirtschaft" behandelte. Anschließend hielt der Schüler Wilhelm Peter, Dernsfeld, aus der Oberklasse einen Vortrag aus dem Gebiete des Ackerbaus über ,Bodenbearbeitung". Der Leiter der Schule, Direktor Trautmann, richtete herzliche Abschiedsworte an die ab gehenden Schuler. Der Nachmittag bereinigte Lehrer und Schüler nebst Angehörigen, sowie ehemalige Schüler der Anstalt zu einer Absch-iedsfeier.
' Dirklar, 4. April. In einer öffentlichen Der- scunmlung der Volksnationalen Reichsvereinigung sprach Herr S t o h n e r über Weg und Ziel dieser neuen Eammelbewegung. Eine lebhafte Aussprache trug zur Klärung einiger umstrittenen Fragen' wesentlich bei. Eine Ortsgruppe wurde gegründet.
LJ Rodheim a. d. Horloff. 4. April. Im hiesigen Ähulsaal sand eine Ausstellung der Handarbeiten unserer Volks- und Mädchenfortbildungsschule statt. Beginnend mit d:n Arbeiten der Kleinsten schlossen sich, nach Schuljahren geordnet, die Arbeiten der übrigen Volksschuljahrgänge an, die recht deutlich Fortschritt und zunehmende Geschicklichkeit der Schülerinnen, fotoie. zielbewuhtes Zuwerkegehen, verbunden mit nimmermüdem Fleiß der Handarbeitslehrerin Bersch, erkennen liehen. Die den Dolksschularbeiten sich anschließende Ausstellungsgruppe der Fortbildungsschule, die unter Leitung von Fräulein Derk (Lich) steht, zeugte ebenfalls von regem Fleiß, künstlerischem Geschmack und guter Gesamtausbildung. Allgemeine Anerkennung fand die Tatsache, daß die Arbeiten nicht nur einseitig dem Schönen dienten, sondern daß sie vor allem praktische Verwendbarkeit zeigten. Die Ausstellung war nicht nur von der weiblichen, sondern auch von der männlichen Einwohnerschaft — auch viele auswärtige Besucher waren erschienen — außerordentlich stark besucht. Eine Geldsammlung wurde der hiesigen Schülerbücherei zugewiesen.
Kreis Büdingen.
h. Nidda, 3. April. Mit einer öffentlichen Prüfung im Gambrinussaale schloß die Landwirtschaftliche Schule Nidda ihr diesjähriges Wintersemester. 3m Auftrag der Regierung wohnte Oberstudiendirektor Dr. Fuhr von der Obst- und Weinbauschule Oppenheim der Prüfung bei. Das KreiSamt Büdingen war durch Regierungsrat Weber und der benadyi barte Kreis Schotten durch Kreisdirektor Dr» 3 a n n vertreten. Ferner hatten sich die Mit* glieder des Vorstandes und Wirtschaftsausschuifes der Schule, der Stadtvorftand von hier und die Eltern und Verwandten der Schüler, sowie sehr viele Landwirte aus dem Bezirk des Landwirtschaftsamts Nidda eingefundcn. Landwirtschaftsassessor Dr. Günther prüfte über „Anbau von Rotklee", Direktor Dr. Heifert über „Futtermittel" und Landwirtschaftsassessor Haury über „Das Saatgut". Sodann hielt ein Schüler der Oberklasse, Otto Kammer aus Ober-Widdersheun, einen sehr beifällig auf genommenen Vortrag über „Allgemeine Betrachtungen über landwirtschaftliche Betriebseinrichtungen". Der Regierungsvertreter sprach sich sehr lobend über die Leistungen der Schüler und den zeitgemäßen Vortrag aus und zollte Lehrern und Schülern volle Anerkennung. Er betonte, daß eine gründliche Ausbildung ein Haupterfordernis zur Selbsthilfe der Landwirtschaft bilde. Hierauf dankte Direktor Dr. geifert der Regierung, der Stadt Nidda, den Kreisverwaltungen von Büdingen und Schotten für die der Schule gewährten Llnterstützungen und richtete bei Verteilung der Zeugnisse herzliche Ab- schiedsworte und gute Ratschläge an die Schüler und deren Eltern. 3m Namen des Wirtschaftsausschusses der Schule sprach Kreisdirektor Dr. 3ann bedeutungsvolle Worte über die Aufgaben der Landwirtschaft zur Hebung der Not des Vaterlandes. Er schloß seine eirckrrucksvolle Ansprache mit einem Hoch auf das Vaterland. Begeistert stimmte die Versammlung ein und


