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5.4.1930
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheflen)

Nr. 81 Zweiter Blatt

Samstag, 5. April 1950

Um unsere Zugen-.

Man hat jetzt schon fast wieder Angst, in die Zeitungen hineinzuschauen, weil sie fast täglich wie­der die um diese Zeit fälligen Nachrichten über Schlllerselb st morde bringen. Es gibt in jedem Zeitalter junge Menschen, deren Nervensystem labil ist. Schülerselbstmorde sind zweifellos stets oor- actommeir. und sie hatten ost genug einen tragischen Anlaß. Aber so häufig wie jetzt, mit solcher be­ängstigenden Regelmäßigkeit sind sie früher sicherlich nicht gewesen. Biel trägt dazu zweifellos die Bc- Handlung dieser Fragen in einem Teil der Presse bei. Die sensationslüsterne Wiedergabe aller Einzel beiten, aller Motive und Möglichkeiten ist nur allzu leicht geeignet, ansteckend zu wirken. Aus derartige Möglichkeiten ist von der ernsten Presse immer wie­der bei Sensationsprozessen hingewiesen worden. Für die Berichterstattung über Schülerselbstmorde gilt das gleiche.

Niemand wird leugnen können, daß wir mit diesen bedauerlichen Vorgängen immer noch der Kriegs- und Inflationszeit einen Tribut zu zahlen haben. Aber das ist natürlich auch kein Grund dafür, nun solche Fragen lediglich vom sen­timentalen Standpunkte aus zu behandeln. Wenn man den Familienverhältnissen nachgeht, die bei diesen schrecklichen Unglücken eine Rolle spielen, bann wird man verhältnismäßig selten daraus kom­men, daß übertriebene Strenge der Eltern oder Erzieher den Anlaß gegeben hat. Im Gegenteil: viel­fach handelt es sich um Kinder, die von ihren Eltern wirklich nicht streng gehalten wurden und die in keiner Weise eineMaßregelung" zu gewärtigen hatten. Es handelt sich offensichtlich immer wieder um psychopathische Naturen, um junge Menschen, die durch Anlage, häufig ober wohl auch durch eine allzumoberne* Erziehung jeden Maßstab für das Leben und für die Dinge ver­loren haben. Hier zeigt sich eine unerfreuliche Kehr­seite des schrankenlosen Individualismus, der so häufig als höchste Erziehunasweisheit gepriesen wird. Hinzu kommt die Auflockerung des Familienlebens, die häufig sicherlich nicht Schuld, sondern Schicksal ist. Die Wirtschaftslage der Nachkriegszeit hat eine derartige Intensivierung der Arbeit mit sich gebracht, daß das Familienleben dar­unter vielfach leiden mußte. Dies alles und noch manches andere, vor allem aber auch die konsti­tutive Schwäche eines ganzen Geschlechtes kann man als Erklarungsgründe für die Schülerselbstmorde anfiihren. Häufig genug handelt es sich ja auch um Falle, die mit der Versetzung nichts zu tun haben, sondern wo junge Menschen aus dem Leben schei­den, weil sie überhaupt leine richtige Stellung zum Leben haben gewinnen können.

Die ältere Generation ist natürlich ohne weiteres geneigt, hier von Verweichlichung zu sprechen. Sicherlich gibt es in unserem heutigen Leben zahl­reiche Züge der Weichlichleit. Der Begriff einer Verpflichtung gegenüber sich selbst, gegenüber der Familie und gegenüber dem Staat ist heute in der Jugend vielfach nicht mehr lebendig. Darin liegt zweifellos eine gewisse Verweichlichung. Aber das ist es sicher nicht allein. Denn man wird doch schwerlich leugnen können, daß an unser Geschlecht beute Anforderungen gestellt werden, die weit über das hinausgehen, was sonst einer Generation zngemutet wird 'Nicht etwa An­forderungen in der Schule selbst Hier ist zweifellos ein Rückgang zu verzeichnen. Wohl aber driickt das ganze Leben, der äußere Zuschnitt und die schwere Belastung durch die Sorgen der Zeit auch auf die junge Generation. Sie wird frühzeitiger als sonst mit den Notwendigkeiten des Erwerbslebens befaßt. Bezeichnend für diese Wandlung ist die Tatsache, daß auch das studentische Leben heute einen großen Teil seiner Romantik verloren hat und daß die Jugend so von ihrem eigentlichen Vorrecht, nämlich'dem Harinlos-in-den Tag-leben nur in sehr seltenen Fällen Gebrauch machen kann. Wenn man also, vielleicht mit Recht, gegen die Verweichlichung Stellung nimmt, dann darf man dabei doch nie ver­gessen, welche Fülle von Momenten zusammenwirkt, um dieses bedauerliche Ergebnis zu erzwingen.

Natürlich gibt es daneben auch Leute, die es sich zum Berufe machen, Unsicherheit, Verwirrung und Verhetzung 311 steigern. Die gelegentlichenSchul- st r c i t s", die wir hier und da zu verzeichnen haben, sind nur der äußere Ausdruck einer Wühl­

arbeit, die mit kommunistischen Jugendzeitschriften und Schulzellenbildungen betrieben wird. In der kommunistischen Hochburg BerlinNeukolln ist es kürzlich einmal wieder soweit gewesen, daß die Polizei diearbeitswilligen" Schüler vor den Streik­posten schützen mußte, die die kommunistisch gesinnte Elternschaft vor der Schule aufgebaut hatte. Die parteipolitische Verhetzung der Fu­ge nd ist wohl das schlimmste Geschenk, das man ihr im Interesse der sog. Aufklärung machen kann, und jeder, der es gut mit ihr meint, wird sie davor zu behüten wissen. Es kann natürlich Fälle geben, in denen die Elternschaft aus Gewissensnot, namentlich wenn es sich um eine Vergewaltigung religiöser Ge­fühle handelt, dazu greift die Kinder von dem Schulbesuch fernzuhalten. Aber das darf nur das wirklich letzte Mittel fein. Nur wenn der seelische Druck gar nicht anders beseitigt werden kann, ist solche Selbsthilfe ernsthaft zu erörtern. Wenn da- gegen eine rein parteipolitische Mache bei jeder Ge- legenheit die Kinder als Mittel für dunkle politische Zwecke benutzt, dann ist das ein grober Unfug und, mehr noch als das, eine Versündigung an

denKindernselbst.um deren Wohl und Wehe es für die Drahtzieher solcher Unternehmungen nie­mals geht.

Schwieriger als jemals ist heute die Aufgabe des Erziehers geworden. Die Weltbilder der Genera­tionen find so verschieden, daß auch derjenige Er­zieher, der sich gegenüber der neuen Zeit sehr auf- geschlossen dünkt, oftmals an feinen Kindern lieber- raschungen erlebt, wenn sie innerlich plötzlich ganz wo anders stehen, als er meint. Mit demHäm­mern allein ist es sicherlich nicht getan. Die Aus­gabe ist für das Elternhaus deshalb sehr schwer lösbar, weil die öffentliche Erziehung in der Schule heute bewußt einen immer größeren Teil der Zeit durch die halbdienstlichen Veranstal­tungen in Anspruch nimmt. Es gibt ja auch Eltern, die der Auffassung sind, es sei für ihre Kinder das Beste, sie von einem bestimmten Lebensalter an ganz der öffentlichen Erziehung anheimzugeben. Aber die größte Mehrzahl ist doch wohl der gesunden Auf- fafiung, daß die bestehenden Nöte nur überwunden werden können, wenn das Elternhaus wieder voll feine Funktion erfüllt.

Siedlungsfrage und Vevölkerungsproblem

Don Or. Werner Ehälons.

Das Problem der Siedlung ist keineswegs neu. Seit den ersten Nachkriegs, ahren rückte cs er­neut in den Vordergrund des Interesses und ift heute ganz besonders bedeutsam für das Schick­sal des deutschen Volkes in ferneren Zeiten. Ms im Jahre 1919 das Reichssiedlungsgeseh ver­öffentlicht wurde und in Kraft trat, kam viel­fach die Meinung auf, daß es eine Schöpfung radikal linkspolitisch eingestellter Kreise sei. Aber kein Geringerer als der bekannte Agrarpolitiker Geheimrat Gering ist es, der als der Haupt­schöpfer des Gesetzes bezeichnet werden kann. Von dem Grundgedanken ausgehend, daß in Deutschland die Erhaltung einer ge­sunden Mischung von Groß-, Mit­tel- und Kleinbesih anzustreben ist, muß die Förderung der Siedlung nicht nur von allen landwirtschaftlich eingestellten, sondern auch von sämtlichen übrigen Kreisen des Volkes als I e - bensnotwendig anerkannt werden. Denn es ist allgemein bekannt, daß vom Land her die Volksgesundheit kommt und daß der Nachwuchs der Bevölkerung in den Städten und deren Be­völkerungszunahme durch Zuwanderung allein durch die ländliche Bevölke­rung herbeigeführt wird. Seit längerer Zeit schon ist aber die Abwanderung vom Lande nach der Stadt größer als Der Nachwuchs auf dem Lande selbst, so daß allmählich eine gefahr­bringende Entvölkerung des Landes eintritt, welche zwangsläufig eine Schädigung der Volksgesundheit und eine Abnahme der Ge­burten lebenskräftiger Menschen nach sich zieht. Geht man den Ursachen der starken Abwande­rung vom Lande nach, so ist es nicht allein und in der Hauptsache der vielfach ungesunde Aeiz der Stadt, welcher auf die ländliche Be­völkerung wirlt, sondern in heutiger Zeit auch die immer noch nicht behobene Agrarkrise. Zwei Drittel unserer landwirtschaftlich genutzten Fläche ist in Händen des Klein- und Mittel- besihes. Dieser kann bei den jetzigen Verhält­nissen keine größere Anzahl von Familienmit­gliedern beschäftigen und ernähren. Die Ab­wanderung der Bauernsöhne in die Stadt ist daher Die Folge. Der Großbetrieb ist heute nicht mehr in der Lage, die Steuern _unb So­ziallasten zu tragen und das Mißverhältnis der Preise zwischen seinen Erzeugnissen und den zu kaufenden Betriebsmitteln aus der Substanz sei­ner Wirtschaft auszugleichen, da die Ueberschul- dung aus diesem Grunde bereits die äußerste Grenze erreicht hat. Also ist jede Betriebs­größe heute in Gefahr, menschenarm zu werden. Die einzige Möglichkeit, dieser Gefahr zu steuern und das Unheil abzuwenden, daß das deutsche Bolk nicht nur aus der eigenen Landwirtschaft keine genügenden Erträgnisse mehr erhält, son­dern auch keine Mittel mehr besitzt, ausländische Nahrungsmittel zu kaufen, besteht darin, daß

man dem männlichen Nachwuchs der ländlichen Bevölkerung Gelegenheit gibt, sich dort in selb­ständiger Wirtschaft niederzulassen, wo Mangel an Landleuten besteht. Es gibt zwar unter dem Nachwuchs aus bäuerlichen Kreisen eine ganze Reihe von Söhnen, welche die er­heblichen Nachteile eines unselbständigen städti­schen Berufes nicht in seiner ganzen Schwere zu erkennen vermögen. Doch haben auch eine Menge junger Landsöhne sich soviel gesunden Berstand und soviel .Urteilskraft bewahrt, daß sie klar sehen, wie wenig erfreulich die Zu­kunftsaussichten für die Stadtbevölkerung sind. Dazu kommt bei jenen die abschreckende Unren­tabilität der Landwirtschaft, die heute nicht be­stritten werden kann. Alle die aber, welche mit offenen Augen sehen, wissen, daß die Zeit nicht mehr lange andauern kann, in der sich die Ar­beit des Bauern, auf Stunden umgerechnet, nur mit ein paar Pfennigen bezahlt macht. Sollte dieser Zustand wider Erwarten noch lange an- dauern, so wird es in nicht mehr ferner Zeit dem Städter noch wesentlich schlechter gehen als dem Dauern. Wird aber unsere Agrarpolitik wieder vernünftige Bahnen einschlagen, so wird der Städter zwar unter dem Druck unserer außen­politischen Verhältnisse noch viele Jahrzehnte von der Hand in den Mund leben müssen, wäh­rend der Bauer imstande ist, seine Wirtschaft wieder auszubessem und auszubauen, um damit den Unterbau des Deutschen Reiches wieder zu festigen. Er erreicht bann zwei Ziele, seine pri- vatwirtschastlichcn sowohl wie auch die volks­wirtschaftlichen und vaterländischen.

Die landwirtschaftlich eingestellten Gegner der Siedlung begründen ihre Gegnerschaft mit der Enteignungsmöglichkeit des Grundbe­sitzes. wodurch der verfassungsmäßig gewähr­leistete Schutz des Privateigentums gefährdet sein soll. Das Reichssiedlungsgesetz hat aber nur den Zweck, eine gesunde Mischung des Groß-, Mittel­und Klinbetriebes und damit eine zweckmä­ßigere Bodenverteilung yerbcizufüh- ren. Die Landlieferungsverbände in den Sied­lungsgebieten des Reiches haben ihre gesetz­liche Verpflichtung erfüllt, wenn ein Drittel des Areals der großen Güter zu Siedlungszwecken bereitgestellt ist. Die praktische Handhabung des Gesetzes hat bisher gezeigt, daß seit Jahren keine Enteignung großer Güter stattgesunden hat. Cs suchen sich im Gegenteil heute viele Güter durch freiwillige Abgabe von Land au sanieren, so daß die Landbefchaffung zu Sieo- lungszwccken heute keine Schwierigkeiten macht.

An welche Voraussetzungen ist nun eine ge­sunde Siedlung geknüpft, die einerseits dem Sied­ler einen Erfolg seiner Arbeit gewährleistet und andererseits einen volkswirtschaftlichen Gewinn darstellt? Zunächst dürfen Siedler sich nicht einzeln in fremder Gegend ankaufen. Die

Wirkung in die Ferne.

Sidney wird von Ztalicn aus beleuchtet.

Kürzlich brachten die Zeitungen die verblüffende Nachricht, daß Marco ui von Bord seines Schif­fes im Hasen von Genua das Rathaus im austra- liich.n Sidney beleuchtet habe, derart, daß er die Bcleuchrungsanlage einschaltete, so daß das ganze Gelände in hellstem Scheine erstrahlte. Diese Tat­sache wirkt im ersten Augenblick natürlich frappant und bestrickend, und es sieht so aus, als eröffne sich damit der Technik eine ganz ungeahnte neue Meg- llchkcit.

Aber cs handelt sich trotzdem nur um einen längst bekannten Vorgang, allerdings in neuer und auffälliger Verkleidung. Wenn wir unfern Rund- funfempfänger einschalten oder ein Reisender von feinem Abteil aus mit einem Berliner telephoniert, ereignet sich immer der gleiche Vorgang. Wenn auch einstweilen nähere Angaben über den Marconi- Versuch fehlen, so ist es doch klar, daß er e I e k t r o- magnetische Wellen von Genua nach Sid- ncy geschickt hat und geschickt haben muß, denn es gibt keine andere Verbindung, um in eine so weite Entfernung zu wirken. Wir kennen aber diese Wel­len als Rundfunk-, Licht- oder elektromagnetische Wellen, die ihrer Art nach einander gleich und nur durch ihre Wellenlängen voneinander verschieden sind. Wie jeder Rundfunkhörer weiß, haben die sog Kurzwellen, d. h. solche mit geringer Wellenlänge in letzter Zeit starke Aufnahme erfahren, deshalb, weil sie mit geringerer Energie gesandt werden können und sich leichter lenken lassen. Daß trotzdem ein gro­ßer Teil von ihnen wirkungslos ins Weltall geht, haben die kurzen Wellen mit den langen gemeinsam.

Die Genueser Wellen konnten nun irgendwo auf- gefanaen werden. Das geschah in diesem Falle durch eine Antenne, die einige hundert Meilen weit von Sidney ausgestellt war. Warum so weit, worum n cht in der Stadt selbst? Wahrscheinlich haben da­bei besondere Örtliche Verhältnisse mitgesprochen. Man kann sich denken, daß die Empfangsantenne vielleicht auf einen Berg gesetzt wurde, also eine Hochantenne darstellte, deren gesteigerte Empfangs- fahigkcit bekannt ist. Von dort aus wurden die Wel­len du-ch Draht nach Sidney geleitet, aber auch das bietet keine Schwierigkeiten mw entspricht nur jenem Vorgang, wenn ein Rundfunkhörer seinen Laut­

sprecher durch eine Verlängerungsschnur weiter von seinem Empfänger entfernt. Im Rathause angekom- men, schalten die Wellen den elektrischen Strom ein: das Gebäude erstrahlt. Natürlich ist die im Rathaus aukommende Energie ebenso gering wie jene, die einen Rundfunkempfänger in Betrieb fetzt, und wäre an'sich zu irgendeiner größeren Leistung überhaupt nicht fähig. Daher stellt man ihr auch keine große Aufgabe; sie hat nur auf einen kleinen und unge­mein empfindlichen Apparat einzuwirken, dieser setzt seinerseits einen an Ort und Stelle vorhandenen starken Stromkreis in Tätigkeit, der dann mühelos die Einschaltung der Beleuchtungsanlage veranlas­sen kann. Ebenso wie diese Beleuchtung konnte er natürlich auch andere Dinge veranlassen; es wäre sicherlich ebenso verblüffend gewesen, wenn die win­zigen Wellenenergien das Erglühen eines Drahtes bewirkt hätten, der bann das Abbrennen eines Brillantfeuerwerks hätte veranlassen ton­nen. Auch hätte man mit Gedröhn eine Mine in die Luft gehen lassen können, ohne baß barum bieser Versuch auch nur bas Geringste mit jenen Todesstrahlen" zu schaffen hätte, bie von Zeit zu

Zeit immer roieber auftauchen.

Das ist alles nicht neu. Wenn wir zu Hause unseren Rundfunk einschalten, erleben wir ein ähn­liches Schauspiel: wir empfangen bie ungeheuer kleine Energiemenge bes Ortssenbers unb ver- stärken sie burch ben Akkumulator unb bie Anoben- bat#ric ober beziehen, wenn wir moberncr sinb, den gesamten Verstärkerstrom aus bem Lichtnetz. Auch bietet es kaum Schwierigkeiten, ben Empfän­ger in Sibney fo abzustimmen, baß er eben nur die Genueser Wellen empfängt: auch unsere Runb- funtappanite suchen unb finben bie von uns ge« wünschten Wellenlängen heute schon mit fast unfehl­barer Sicherheit. Aber wie es geschehen kann, daß man bisweilen zwei auf benachbarter Wellenlänge liegende Stationen zusammenhört, könnte es Jid) natürlich auch ereignen, baß bie Antenne von Sid­ney eine der Marconi-Welle ähnliche Länge auf- fängt und weiterleitet, aber auch hiergegen kann man sich burch befonbere Zeichenkombinationen schützen.

Die Sibneyer, bie tiefem Versuch beiwohnten, haben nach ben Zeitungsmelbungen gejubelt Er­lebten sie ein Wunber? Wir erleben es täglich, wenn der Lautsprecher ertönt unb jubeln nicht Ob ber Magdeburger seinen örtlichen Senber ober Wien

hört, ob die Welle von Genua bas Rathaus in Sibney beleuchtet: im Prinzip sinb bas alles bie gleichen Vorgänge.

Wissen Sie schon?

Vor einer Gruppe erster Sprachwissenschaftler wurde in Rochester ein Tonfilm aufgesührt, der sich dadurch auszeichnete, daß die Schau­spieler eine sehr klangreiche, aber vollkommen unverständliche und unbefaimfe Sprache redeten. Nach langer ileberlegung, die ohne Ergebnis war, teilte man den Professoren mit, bafj_ es sich ume inen Tonfilm handele, der rückwärts gelaufen war ...

Die beiden bekannten siamesischen Zwil­linge Mary und Margret Gibs, die auf den amerikanischen Dahnen den Dorteil genießen, auf eine Karte reifen zu können, Huben von den Schifsahrtegesellfchasten die Mitteilung erhalten, daß diese Dorteile für die Schisse nicht in Frage kämen da zwar eine Person reise, aber zwei Münder äßen.

In einer langwierigen Untersuchung, die in einer Abstimmung in allen Staaten der Union gipselte, hat man die Heckenrose zur Na­tionalblume Amerikas erhoben.

Da sich das Kasino von Monte Carlo nicht sicher fühlt vor eventuellen Dandenüber- fällen, hat die Direktion sich entschlossen, die Polizei- und Militärgarde von Monako, die bisher nur 93 Mann umsahte, zu erweitern. Zu diesem Zwecke wurden fünfzig zwei Meter große Leute aus Korsika engagiert, die mit Dolch und Pistole ausgerüstet, bei Tag und bei Nacht die Schätze bewachen, die auf Den Spieltischen verdient wurden.

Jene Farm von M 0 n t Et. I e a n, in ber Napoleon vor der Schlacht von Waterloo über­nachtete, steht zum Verkauf. Das gleiche Gehöft diente nach der entscheidenden Schlacht als Laza­rett für englische und deutsche Truppen. Die historische Farm dürste für 80 000 Franken in neue Hände übergehen.

Anpassung an andere ländliche und wirtschaftlich« Qkr';ältniffc ist schon schwierig genug. Deshalb muß da- Cinlcbcn durch eine gan$c Anzahl von Landsleuten, die sich benachbart niederlassen, er­leichtert werden. Die Zusammengehörigkeit stärkt auch den äußeren wirtschastlichen Dingen gegen­über und die gegenseitige Unterstützung ist zwangsläusia. Ferner tut cs im allgemeinen gut, wenn SicdlungSlust dadurch günstig beein­flußt wird, daß SiedlungSland in nicht allzu großer Entfernung vom Heimatland zur Der- fugung gestellt wird. Demgemäß follten Leut« mit süddeutschem und westdeutschem Einschlag in die Gegend SchleSwig-HolsteinS, Mecklen­burgs und PommemS gehen. Dauernsöhne aus mitteldeutschen und nördlicheren Ländern kom­men eher für die Siedlung in West-, Ostpreußen und Schlesien in Betracht. In Süddeutschland selbst ist mit Ausnahme vom östlichen Bayern kaum SiedlungSland zur Verfügung. Diese- muh naturgemäß den bayerischen Siedlern Vorbehal­ten bleiben. Ganz so zwingend ist daS landS- mannschastliche Prinzip zur Niederlassung nicht bei den ehemaligen HeereSangehörtgen. Hier kommt eS mehr darauf an, daß Soldaten, die aus den gleichen Truppenteilen kommen, als Siedler zusammenbleiben. 3n sehr vielen Fällen ist dort schon der landsmannschasiliche Charakter gewahrt.

Weiter ist besonders augenblicklich wichtig, daß man Siedlern keine zu leichten Böden zur Verfügung stellt. Die Erfahrung in der Nachkriegszeit hat gelehrt, daß sich viele Sied- lungSgcsellschaftcn dadurch mit schwerer Schuld beladen haben. Wenn das wichtigste Instrument in der Hand des Landwirts, der Boden, un­brauchbar ist, so ist der Siedler verloren in solch schwieriger Zeit wie der heutigen. Des­wegen ist auch eine Siedlung in genanntem Sinne auf Oeölanö völlig abwegig. Zur Kultivie­rung von Oedländereien müssen andere Wege beschritten werden.

Ein demnächst wichtiger Punkt zur Ermög­lichung von Siedlungen ist die Geldbe­sch a s f u n g. Sie wird durch Kredite des Reichs und der Länder unterstützt. Denn im allgemeinen hat ein Siedler nur sehr geringe eigene Geld­mittel verfügbar. Für Baucrnstcllen, die runb 60 Morgen groß sind, wird ein N ei ch - ankaufskredit gewährt, der zur Zeit mit 3'/, Proz. verzinst werden muß. Cs tritt ein Berwaltungskostenbeitrag von V« Prozent hinzu und eine Tilgungsquote, die verschieden hoch bemessen sein kann, im Höchstfälle 2 Proz. Ferner wird ein Kredit zur Deckung der Baukosten gegeben, der bis zu 90 Proz. dieser Kosten betragen kaum Für ihn gelten ebenfalls die genannten Zins­sätze. Kreditgeber sind Reich und Länder. Schließlich wird noch ein EinrichtungS- l r c b i t gewährt zur Beschaffung von Inventar. Dieser Kredit beträgt etwa zwischen 4000 und 6000 Mk. Seine Höhe und diejenige der Zinsen richtet sich nach den dasür herausgegebenen Be­stimmungen des Reichs oder der Länder oder auch in Preußen nach den Bestimmungen der Provinzen und Regierungsbezirke. Die Kredite sind in dem ersten bis zweiten Jahr zinsfrei. Die Tilgungsquote ist im allgemeinen erst nach weiteren drei Jahren zu leisten. Als besondere Vergünstigung ist noch zu erwähnen, daß bei Siedlungskäufen alle Gebühren und Stem­pelabgaben für den DertragSschkuß. die Aus­lassung und Eintragung im Grundbuch wie auch die Grunderwerbssteuer von selten des Reiches, der Länder oder sonstiger öffentlicher Körper­schaften auf Grund des ReichsfiedlungsgeseheS nicht erhoben werden. Es ist einleuchtend, daß neben tiefer äußerst günstigen Kreditgewährung ein gewisses Ei genkapi tal erforderlich ist. Je nach der Gröhe des Gutes muß man ungefähr dafür noch 7000 bis 14000 Mk. zur Verfügung haben, um sich nicht auf zu unsichere Basis zu stellen. Größere Betriebe als 40 Hektar werden meist nicht in Frage kommen.

Sehr günstig gestalten sich die Geldverhältnisse für ausgeschiedene Soldaten, die sich durch ihre zwölfjährige Dienstzeit ihre Ab­findung zum ilebertritt in einen Zivilberuf erdient haben. Sie können sich damit und mit Hilfe der zu gewährenden Kredite 60 Morgen

Dem englischen Akrobaten Marlow war kürzlich in London sein Auto gestohlen worden. Während eines Spazierganges erblickte er den Wagen, der in schneller Fahrt über den Hart­man Square fuhr. Mit Akrobatengeschicklichkeit sprang er auf da? Trittbrett und eS gelang ihm auch, so wieder zu seinem Auto zu kommen.

In England wird augenblicklich die Mode propagiert, die kleinen, dickbauchigen Shet- landponnhs wie Luxushunde zu halten und sie auf Spaziergängen mitzunehmen. In Ame­rika ist die Einführung mißglückt, da die Tiere sehr rasch eingehen und sich nicht akklimatisieren können.

Hochfchulnacknchten.

Der außerordentliche Professor an der Unioerft» tät Marburg a. d. Lahn, Oberstudienrat Dr. Wilhelm E n ß l i n, wurde zum ordentlichen Pro- sessor der Geschichte des Mtertums an der Uni* versität Graz ernannt.

Der durch die Entpflichtung des Geh. Medizinal- rotes Prof. Friedrich Moritz an der Llniverfität Köln erledigte Lehrstuhl der inneren Medizin ist dem Ordinarius Dr. Hans Eppinger. Direktor der Medizinischen Klinik in Frei­burg i. D. angeboten worden. Zur Wieder­besetzung des an der Universität Köln erledigt- ten Lehrstuhls der Augenheilkunde (an Stell« von Pros. A. Pröbsting) ift ein Ruf an Prof. Dr. Ernst Engelking in Freiburg i. Dr. ergangen. Der durch den Weggang des Prof. F. Triebs nach Berlin in der katholisch-theologi­schen Fakultät der Universität Bre-lau frei­gewordene Lehrstuhl des Kirchenrechts ist dem a. 0. Professor Dr. theol. et jur. Franz Bescher an der Universität Köln angeboten worden. Der ordentliche Pr^fe sor an ker Technischen Hoch­schule in Aachen Dr. Heinrich Brandt hat einen Rus auf den Lehrstuhl der Mathematik an der Universität Halle als Nachfolger von H. Haffe erhalten. Ernannt wurde der Privat­dozent Dr. N:itz Heide in Göttingen vom 1. April 1530 ab zum ordentlichen Professor für Mineralogie, Petrographie und Kristallographie an der Universität Jena.