Ausgabe 
5.4.1930
 
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Königin Viktoria von Schweden t

X 0 m, 4. April. (lel.-Un.) Die Königin Vik­toria von Schweden starb um 19 Ahr an Herzlähmung. Am Sterbebett der Königin befand fid; der König, ferner Prinz Wilhelm und Prinzessin Ingrid von Schweden. Die Leiche ist in dec Villa Svecla aufgebahrt. Seit die Königin im Oktober 1929 aus Deutschland nach Rom zurück- gekehrt war. Hot sie das Krankenbett nicht mehr ver­lassen. Sie wurde von dem Leibarzt Professor M n n t h e behandelt. Ihr Zustand hatte sich in den letzten Tagen sehr verschlimmert. Freitag morgen hat die Königin zum letztenmal mit dem König ge­sprochen und dann das Bewußtsein ver­loren. Der Tod ist alsdann ganz ohne Qualen in­folge versagens der Herztätigkeit, abends eingetre­ten. Der Sarg kann nach den italienischen Bestim­mungen erst nach 24 Stunden geschlossen.werden. Die lleberführung der Leiche nach Schwe­den über Deutschland wird baldigst in einem Son­derzug erfolgen, den der König, Prinz Wilhelm und Prinzessin Ingrid begleiten werden. Der König von Italien hat für die verstorbene Königin von Schweden ein königliches Ehrengeleit angebo­ten, doch wird auf wunfch des Königs von Schwe­den die Aeberfühcung möglichst schlicht vor sich gehen. Der Kronprinz von Schweden wird nicht nach Rom kommen, da nach den schwedischen Be­stimmungen der König und der Kronprinz nicht gleichzeitig abwesend sein dürfen. Die Königl. Fa­milie begab sich gestern abend sofort nach dem Emp­fang der Rachricht vom Tode der Königin von Schweden in die Villa Svecia. wo die Leiche der Königin aufgebahrt ist. während der nächsten Tage werden karabinieri in großer Uniform den Ehren­dienst in der Villa versehen.

Königin Viktoria Sofia Maria von Schweden, die heute abend nach langem Leiden in Rom gestorben ist, wurde am 7. August 1862 alseinzigeTochterdesGroßherzogs Friedrich von Baden und der Prin- zessinLouisevonPreuhenin Karlsruhe geboren. Ihr Großvater mütterlicherseits war Kaiser Wilhelm I., ihre Großmutter väterlicher­seits die Prinzessin Sofia Wilhelmina, eine Tochter Gustaf Adolfs IV. Ihren Unterricht ge­noß sie in der sogenanntenPrinzessinnenschule" in Karlsruhe. Ihre Bermäblung mit dem da­maligen Kronprinzen von Schweden. Gustaf,

den sie bei den großen Manövern in der Gegend von Straßburg im Herbst 1879 kennengelernt hatte, sand am 20. September 1881 in Karlsruhe statt. Im Dezember 1927, als ihr Gemahl den Thron bestieg, wurde sie Königin von Schweden. Der Ehe entsprossen drei Söhne: Kronprinz Gustaf Adolf, geboren 1882, Wilhelm, Herzog von Södeinnanland, geboren 1884, und Crik, Herzog von Bästmanland, geboren 1889, gestorben 1918. Im Krie g e hat die Königin, deren Herzensgute und Wohltätigkeit sprichwört­lich war, viel zur Linderung der Kriegsnot bei­getragen. Im August 1914 wurde unter ihrem Dorsitz das sog.Zentralkomitee der Kriegshilfe" gebildet, daß die Organisation und Leitung der privaten Hilsstätigkeit während des Krieges ausübte und seine segenbringende Tätigkeit auch nach dem Kriege fortgesetzt hat. Unter dem Borsitz der hochherzigen Frau haben viele Bereine in und nach dem Kriege manche Aot in Deutschland lindern können.

Die Trauer in Schweden.

Stockholm, 5. April. In Schweden hat die Todesnachricht tiefste Trauer ausgelöst. Der Rundfunk stellte sofort sein Abendprogramm ein und wird morgen eine Trauerdarbietung senden. Die Theater schlossen ebenfalls ihre Borstellungen. Alle Zeitungen verbreiteten die Nachricht durch Extrablätter. Der Kron­prinz-Regent hielt abends einen K r o n r a t im königlichen Schloß ab. Auch in Oslo wurden die Rundfunkdarbietungen abgebrochen und mit einem Trauermarsch beendet. Der finnische Staatspräsident hat an den König von Schweden ein Beileidstelegramm gesandt. Eine Entscheidung darüber, wie die sterblichen Lleber- reste der Königin nach Schweden überführt wer­den sollen, ist noch nicht getroffen. Der Reichs­marschall bestätigt jedoch, daß aller Wahrschein­lichkeit nach ein schwedisches Kriegs­schiff nach Italien abgehen und die tote Königin von Rom aus direkt nach Stockholm führen wird. Der Kommandierende Admiral in Karlskrona teilt auf Anfrage mit, daß er jeden Augenblick den Befehl erwartet, ein Panzerschiff bereitzu­stellen. Das Schiff wird für Hin- und Rückfahrt je etwa sieben bis acht Tage brauchen, fo daßl zumindest vierzehn Tage vergehen, ehe die Köni­gin in Stockholm beigeseht werden kann. An der Bahre der Königin wird während der Lieberfahrt eine Offizierswache aufgestellt werden.

Der LandwiMastsetal vor tem Finanzausschuß

D a r m ft a b t, 4. April. (WHP.) Der Finanz­ausschuß verabschiedete die restlichen landwirtschast- lichcn Kapitel aus dem Haushalt des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft. Es entspann sich noch einmal eine eingehende Beratung über die Feld- bereinigung und das Bermessungs- wesen. Bon sozialdemokratischer Seite wurde da­bei verlangt, 50 000 Mark an dem Staatszuschuß für die Landwirlschastskammer zu streichen und zu Zinsverbilligungen an leistungsschwache Gemeinden zu geben. Durch die gestrigen Beschlüsse der Haupt­versammlung der Landwirlschastskammer wurde ein sozialdemokratischer Antrag, die Kammer möge ihre Tagesgelder herabsetzen und die Prämiierungen vor­übergehend einstellen, für erledigt erklärt. Auf einen entsprechenden sozialdemokratischen Antrag will die Regierung prüfen, ob es möglich ist, den Gemeinden die technischen Beamten zur Anfert.gung von Plänen und zur Aufsicht bei Notstandsmaßnahmen ohne ^Be­rechnung der üblichen Gebühren zur Verfügung zu stellen. Einstimmig Annahme fand ein Antrag, die Regierung solle prüfen, inwieweit eine Zusam­menfassung des gesamten Vermes- sungswesens in einem Ministerium zur Herbeiführung von Ersparnissen erfolgen kann. Durch die Antwort der Regierung wird ein volksparteilicher Antrag, die Gebühren der Kulturbauämter nachzuprüfen, für er­ledigt erklärt. Die Regierung hat bereits eine solche Prüfung in die Wege geleitet.

Der Ablehnung verfallen Eingaben der höheren und oberen Dermessungsbeamten. Ein längerer Landbundantrag über die Geoührenberechnuug des Bermessung5wesens usw. wird der Regierung als Material für die in Arbeit befindliche Ao- velle zum Feldbereinigungsgesetz überwiesen. Das Kapitel wird genehmigt und folgender Entschluß

einstimmig angenommen: Der Finanzausschuß ersucht die Regierung, mit der Reichsregierung in Verbindung zu treten, um einen entsprechen­den Betrag aus den Mitteln des Land­wirtschaftsnotprogramms oder sonsti­gen verfügbaren Quellen zu erbitten, der im Interesse der Förderung der Feldbereinigung zu Zinsverbilligungszuschüssen für die von den Feldveremigungsgesellschaften aus- zunehmenden Kapitalien zu verwenden wäre, damit nicht die Fortsetzung der begonnenen Ver­fahren und die Einleitung weiterer Verfahren durch die schwache Kapitalbeschaffung fernerhin unmöglich gemacht werde

Debattelos wird Kapitel 85, Landwirt­schaftskammer, mit insgesamt 223 870 Mark Staatszuschässen angenommen. Kapitel 84, För­derung einzelner Zweige der - Landwirtschaft, schließt mit 74 410 Mark Einnahmen und 359 053 Mark Ausgaben. Bei der Aussprache über die von der Regierung geplante Reuregelung der staatlichen Heng st Haltung wurde von der Regierung zugesagt, daß die Hinaus- gabe der staatlichen Hengste an private aner­kannte Pferdezüchter probeweise erfolgen solle. Auch in Zukunft werde der Ankauf der Tiere zur Einhaltung einer geraden Züchtungslinie allein durch den Staat erfolgen.

Der Ausschuß genehmigte dann einstimmig einen Betrag von 11000 Mark zur Förde­rung des oberhessischen Eisenerz­baues. In Zukunft sollen wieder 50 Pf. je Tonne geförderten Materials ausgeschüttet wer­den, da noch ein Betrag von 39 933 Mk. vor­handen ist, zu denen 11000 Mark für das lausende Jahr kommen werden, also insgesamt ein Betrag von 51 000 Mark.

nach Streichung der 10 Millionen Infolge der Herabsetzung des Kraftfahrzeugsteueiziscylages 160 Millionen, so daß den Ländern 120, den Gemeinde n 40 Millionen zufallen. Infolge des späteren Inkrafttretens der Ge­setze murch die Reubildung der Regierung tritt ein Ausfall von mindestens 22 Mil­lionen ein. Für dieses Jahr stehen also 304 Millionen zur Verfügung, die dem obenange- fährten Defizit entsprechen. Die Regierung legt Wert darauf, daß auch das Branntwein- ersatzfteuergesetz möglichst bald verabschie­det wird. Bis Ende nächster Woche, also vor Beginn der Osterpause, müssen die Deckungsvorlagen verabschiedet fein weil sonst die in der Sanierung begriffene Kaffen- läge wiederum in erhebliche Anordnung geraten würde.

Oie Stellung der Parteien.

Abg. Dr. Rademacher (Dnl.): Die vorlie­genden Gesetzentwürfe bilden kein organisches Ganzes. Cs fehlt das Gesetz über die Aus- gleichssteuer für Benzin und Benzol, das Ge­setz über den Finanzausgleich usw. Man kann nicht damit rechnen, daß das nächste Jahr schon kein Rotjahr mehr ist. Deshalb mußte man entweder die Steuererhohun- gen für ein Jahr befristen oder dw Steuererhöhungen und Steuersenkungen organifch in einem Mantelgesetz v e r b i n d e n. Bei den Mineralölzöllen sollten Sonderbestimmungen für Leuchtpetroleum und das Droschkengewerbe eingeschaltet werden, um das ärmste Volk vor neuen Belastungen zu bewahren.

Abg. Dr. Hertz (S.) betonte, im Gegensatz zu allen früheren Erklärungen des Finanzmini­sters scheine er jetzt den Zusammenhang des Deckungsprogramms mit der Sanierung der Ar­beitslosenversicherung aufgeben zu wollen. 'Bei einer solchen Trennung konnten aber alle Berechnungen des Ministers über den Haufen geworfen werden. Rach dem Regie­rungsprogramm und nach den Forderungen der Regierungsparteien für die Osthilfe und das Agrarhilfsprogramm muh mit sehr erheblichen Mehrausgaben über die bisherigen Berech­nungen hinaus gerechnet werden. Wir sehen in der einseitigen Erhöhung von Ver­brauchssteuern einen Mangel, der unter dem sozialen Gesichtspunkt einer entsprechenden Besitzbelastung ausgeglichen werden muß. Wir halten an dem Vorschlag fest, wenigstens für ein Jahr einen Zuschlag zur Einkom­mensteuer zu erheben, wobei die Masse der unteren und mittleren Einkommen ausgenom­men sein soll.

Reichsfinauzmimster Or.Moldenhauer:

Die Regierungserklärung stellt sich ausdrücklich ab auf baä Kompromiß, das zwischen den da­maligen Regierungsparteien geschloffen war und das drei Gebiete umfaßte, die Regelung der Arbeitslosenversicherung, die Dek- kungsvorlagen und die Steuersen­kung. Die Reichsregierung bekennt sich zu die­sem Programm einer Finanzreform. Wir haben die Absicht, über die Sanierung der Kasse zur Entlastung der Wirtschaft zu schreiten. Che die Beratung der jetzt vorliegenden Entwürfe im Reichstag abgeschlossen ist, wird natürlich auch der Finanzausgleich vorliegen und das Ge­setz über die vorläufige Reichsfinan^re- s o r m. Ich bin nicht in der Lage, in diesem Augenblick, in dem sich neue Borlagen in Vor­bereitung befinden, Einzelheiten über das Ost- Programm und die Agrarfragen anzugeben: ich kann nur erklären, daß durch Diese neuen Vor- schlüge jedenfalls der Etatsansatz nicht _g e ft o r t wird.

Wir stehen mit der Reichsbahn in Ver­handlungen und hoffen, daß es möglich sein wird, eine Tariferhöhung zu vermei­den. Unsere direkten Steuern sind überspannt und führen zu einem Druck, unter dem das Gewerbe, namentlich der Mit­telstand, zu erliegen droht und zu einer Ka­pitalflucht, zu einem Rachlassen der Unter­nehmungslust, so daß das ausländische Kapital nicht mehr wagt, in Deutschland Anlagen zu suchen, weil es fürchtet, bei diesen Steuerver­hältnissen die nötige Rendite nicht zu finden. Dieser Kapitalflucht, diesem Pessimismus ent­gegenzutreten und die schwere Belastung des Ge­werbes zu mildern, war das Ziel, das zu den Gedanken führte, die direkten Steuern abzubauen und dafür die indirekten in der Weise zu erhöhen, daß sie zum allgemeinen Dützen die entbehrlichen Rahrunasmittel belasten. Wir müssen uns von der Dorfteilung freimachen, als ob die indirekten Steuern nur die Arbeiter, Angestellten und Beamten belasten, während die direkten den Besitz treffen. Für weite Schichten ist der Reallohn nicht gesunken.

Aus der anderen Seile darf man nicht über­sehen, daß eine lleberfpannung der direkten Steuern am allerstärksten wiederum die Arbei- kerschaft trifft, weil die mangelnde Kapitalbil­dung und das Sinken der Rente zu Betriebs- einstellungen und zur Vermehrung der Arbeits- losiakeit führt. Lin Steuerprogramm, das ver­sucht, zunächst einmal die Kasse in Ordnung zu bringen, das versucht, Ruhe in die wirtschaft zu bringen und den Kredit zu heben, muh sich auswirken zur Ueberwindung der Arbeitslosig­keit durch Entlastung der Wirtschaft, die viel weniger dem Unternehmer zugute kommt als der großen Masse, die dort Beschäftigung findet. Ein solches Programm, wie wir es vorlegen, ist also ein durchaus soziales Programm.

Eine Erhöhung der Einkommensteuer in diesem Augenblick würde eine geradezu kata­strophale Wirkung haben und alle die schlimmen Folgen des bisherigen Systems noch steigern. Die Länder rechnen mit einem Fehl­betrag von mindestens 200 Mill. Mark, so daß die vorliegenden Entwürfe nur ungefähr die Hälfte decken können. Es ist selbstverständlich die Aufgabe der Länder und Gemeinden, sich zu überlegen, wie sie durch Kürzung der Ausgaben oder Erschließung neuer Mittel sich über diese Schwierigkeiten hinweghelfen. Auf das Reich kann der Fehlbetrag nicht einfach über­nommen werden. Wir beabsichtigen, ein Aus - gabensenkungsgeseh für Reich, Länder und Gemeinden vorzulegen, aber diese Vor­schläge können sich erst im Laufe des Jahres auswirkcn. In dem Kompromißvorschlag war ja auch ein beweglicher Faktor vorgesehen Württemberg hat bereits die Bürgerabgabe ein­geführt, in Bayern besteht sie fakultativ und Sachsen und Baden planen auch die Einfüh­rung einer solchen Abgabe.

Oie Wetterlage.

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Freitaa, d.4. April. 1930,7" aDds.

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Wettervoraussage.

Von der Atlantikstörung hat sich ein Teiltief ab­gespalten, das mit seinem Kern heute morgen über Sachsen liegt. An seiner Rückseite wird noch kühle Luft aus höheren Breiten südwärts fließen, die den unbeständigen Witterungscharaktcr aufrechterhält. Beim Herannahen des Biskayatiefs wird die Be­wölkung' vorübergehend etwas zurückgehen, jedoch beim Aufgleiten der mitgeführten Warmluftmassen wieder zunehmen, wobei auch stellenweise Nieder­schläge auftreten. Die Temperaturen werden später­hin etwas ansteigen.

Voraussage für Sonntag. Zunächst noch kühles, wechselnd wolkiges Wetter mit vor­über gehender Aufheiterung, dann wieder Bewöl­kungszunahme, wärmer, rereinze.te Reöe.schlä^e.

Lufttemperaturen am 4. April: mittags 6,2 Grad Celsius, abends 3,5 Grad: am 5. April: morgens 3,5 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum 2,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. April: abends 7,4 Grad: am 5. April: morgens 5,6 Grad Celsius. Sonnenscheindäuer 1K Stunden.

Aus aller Welt.

Der transatlantische Zeppelinflugdienft.

Dr. Eckener gab in einer Unterredung mit Pressevertretern der Hoffnung Ausdruck, daß ein regelmäßiger halbmonatlicher transallantischer Zep- pelinslug für Passagiere, Post und Fracht bereits im Juni oder August 19 31 ausgenommen werden könne. Der Fahrpreis für einen Passa­gier werde 1000 Dollar betragen. DerGraf Zep­pelin" würde keine Verwendung im transatlantischen Dienst finden, da sich ein neues Luftschiff in Friedrichshafen bereits in Bau befinde, und bis zur Eröffnung des regelmäßigen transatlantischen Verkehrs fertiggestellt werden würde. Nach Indienst­stellung des neuen Luftschiffes werde ein weite­res Luftschiff gebaut werden und im Bedarfsfälle würden noch andere folgen. Die Reise von Amerika

nach Europa soll in zwei Tagen, die Fahrt von Europa nach Amerika durchschnitllich in drei Tagen zurückgelegt werden. Als hauptsächlichster Flughafen in Europa komme Sevilla in Betracht, doch werde die Entscheidung hierüber erst auf Grund der Erfahrungen getroffen werden, die derGraf Zeppelin" bei seiner bevorstehenden Süd­amerika-Fahrt mache. Heber die Wahl des amerika­nischen Flughafens werde man sich wohl nicht vor neun Monaten schlüssig werden können. Als Lan­dungsplatz sei eine Fläche von mindestens 1% Qua­dratkilometer erforderlich. Die neuen Luftschiffe sol­len 40, 60 und 80 Passagiere aufnehmen können.

Der Sahn des Reichspräsidenten verunglückt.

Wie erst jetzt bekannt wird, hat Oberstleutnant v. Hindenburg, der Sohn und Adjutant des Reichspräsidenten, einen schweren Reitun- fasl erlitten. Oberstleutnant v. Hindenburg be­fand sich auf einem Ritt durch den Tiergarten, als sein Pferd vor dem Wasferturm in der Rühe des Zoo scheute und ihn abtoarf. Er blieb mit einem Fuß im Steigbügel hän­gen und wurde von dem durchgehenden Pferd eine Strecke weit mitgeschleift. Er erlitt dabei einen Schlüsfelbeinbruch und -schwere Rip­penquetschungen. Trotz seiner Verletzungen ritt Oberstleutnant v. Hindenburg zum Stall zurück. Von hier aus wurde er in seine Wohnung trans­portiert. Die ärztliche Behandlung des Verletzten! liegt in den Händen von Professor Sauerbruch.

Aus der provinzialhauptstavt.

Gießen, den 5. April 1930.

Schulentlassung.

Dort blüht ein Schiff die Segel, frisch laust hinein der Wind! Der Anker wird gelichtet, das Steuer flugs gerichtet, nun siiegt's hinaus geschwind.

(Hebbel.)

Der Anker wird gelichtet, das Schifflein fährt hinaus, von Hoffnung sind die Segel geschwellt, die Augen blicken strahlend in die Zukunft. Mit diesem Gefühl verlassen in diesen Tagen viele Tau­sende von Mädchen und Knaben die Schule, um nun die ersten Schritte hinaus in das Leden zu tun. Losgelöst von Schule und Elternhaus, auf sich selber gestellt im Kampf ums Dasein.

Die Zeit des Lernens ist vorbei. Acht lange Jahre sind vorübergerauscht. Nun endlich sind wir frei. So denkt unsere Jugend. Gewiß, es war nicht immer leicht, das Lernen. Schöner waren schon die Stunden, in denen erzählt wurde von fernen Län­dern, von längst vergangenen Zeiten. Und am schönsten war es sicher, als damals die Kleinen zur Schule kamen und ihnen die schönen deutschen Märchen Dorgetragen wurden. Mit welcher Freude, aber auch mit welchem Leid verfolgten sie die Schicksale von Rotkäppchen, Dornröschen und Schneewittchen! Aber heute? Am Tag der Ent­lassung? Was sind den Knaben und Mädchen die Märchen? Sie sind doch jetzt erwachsen. Sie wissen viel und können auch etwas.

Der Tag der Schulentlassung ist ein Tag der Freude, wenn auch hier und da bei den Mäd­chen die Tränen fließen. Der Abschied von den ver­trauten Räumen, vom Schulhof, in dem sie so oft tollten, von den Treppenaufgängen mit den schönen Bildern, all dies erweckt doch eine gewisse Wehmut, auch im kindlichen Herzen. Gewiß ahnen sie, daß die schönsten Tage der gemeinsamen Freuden nun vorüber sind: denn so froh und unschuldig kommen sie nie wieder zusammen. Die Schulfreundschaften halten ja oft fürs ganze Leben, aber das Schicksal reißt gar manches Schifflein in eine fremde Gegend.

Es ist in manchen Orten Sitte, daß der Vater bei der Geburt eines Kindes in feinem Garren einen Obfibaum pflanzt. Nun wachsen beide um die Wette. Der junge Baum, gestützt durch einen Pfahl vor Wetter und Wind, das Kind umhüllt von Eltern­liebe und von der Fürsorge der Schule. Beide werden groß und stark. Der Baum bedarf keiner Stütze mehr. Seine Wurzeln haben sich so tief in die Erde gesenkt, daß er allein den Stürmen trotzen kann. Auch die Kinder wollen nun selbständig wer­den. Die eine Stütze, die Schule, fällt. Doch die Liebe des Elternhauses bleibt auch jetzt noch in trüben und frohen lägen. Hier im Schoße der Familie, hier finden unsere Kinder immer wieder ihre Heimat, mag ihnen das Schicksal noch so übel mitspielen. Äohl glauben die Jungen und Mädchen, sie könnten auch das Vaterhaus entbehren. Das neue Leben ist zu verlockend. Aber sie werden bald sehen, daß es nicht so leicht ist, das Leben. Es werden Tage kommen, an denen sie verzweifeln möchten an sich selbst und an der Welt. Und wohl ihnen, wenn sie dann wissen, wo sie Ruhe und Trost finden können.

Und wir Eltern? Tausend Gedanken, tausend Wünsche und Hoffnungen steiaen in diesen Tagen auch in unfern Herzen auf.Kleine Kinder: kleme Sorgen! Große Kinder: große Sorgen!" ist ein wahres Volkswort. Aber es soll uns die Stunde nicht verbittern. Wenn wir nicht die Freude un­serer Kinder teilen, wenn wir nicht teilnehmen an ihrem Zukunftsglauben, dann fällt schon am An­fang ein Schatten auf ihren neuen Weg. Wir müssen deshalb ermuntern, dürfen nicht von Miß­geschick und Schicksalsschlägen sprechen, sondern nur hindeuten auf eine frohe Zeit. Wir müssen ihnen sagen, daß sie alles vergessen sollen, was ihr Herz trübe machen, oder am Vorwärtsschreiten hindern kann.Wandert mutig fort, und an jedem Ort sei euch Glück und Heil zur Seite!"

Es werden sicher Tage kommen, an denen das Ziel nicht erreicht wird, an denen wohl Grund zu Mißstimmung und Verzagen ist. Aber da darf keine Mutlosigkeit auftommen, das Ziel muß vor­anleuchten, auch über die Nacht hinaus. Da heißt es helfen, ihr Eltern, daß unsere Jugend das nicht vergißt. Sie muß fühlen, daß sie zu jeder Zeit bei Eltern und Lehrern sich Rat holen kann, daß sie nicht alleinsteht: denn uns Eltern und auch den Lehrern ist es gewiß nicht gleichgültig, welche Lebenswege die Kinder nun einschlagen. Froh und stolz werden sie sein, wenn es gut geht, aber ebenso werden sie bereit sein, 3U Helsen und zu stützen, wenn der Weg durch Abgründe und Schluchten führt. Mit Cäsar Fleischlen werden wir ihnen bann sagen:

Versuch's nur weiter! Ohne Bangen! Und senke schweigend nicht das Haupt! Wer will und an fein Können glaubt, wird immer an sein Ziel gelangen!

G. P.

Aus dem Amlsverkündiguugsblatt.

* Das Amtsverkundigungsblatt Nr. 25 vom 4. April enthält: Die Wahlen zum Provinzial- tag der Provinz Oberhessen. Tagung des Pro- vinzialtags der Provinz Oberhessen. Feldberei- nigung Heuchelheim. Dienstnachrichten»