Ausgabe 
5.3.1930
 
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Mittwoch, 5. Mär; 1930

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)

Nr. 54 Drittes Blatt

Aus dem Reiche der Frau.

Kindergesellfchasten.

Don Margarete Hobt.

(Dachdruck verboten.)

.^>ie hatten nichts übriggelaflen als einige Kuchenkrümel, eine zerbrochene Dotweinslaschc und ein Leinentuch, das nach Wein duftete. Das- zimmer, in dem sie gehaust hatten, sah aus, als habe eine Schlacht darin getobt; kein Möbel stand mehr an «einem Platz außer dem Bufett. Die Uhr stand still, und der Boden War be­streut mit Pistolen und Waffen."

So liest man mit Ergötzen in Liesbet Dills allerliebster SkizzeQuartaner", aber die Mut­ter, die einer Kindergesellschaft entgegensieht, be­kommt dabei einen leichten Schüttelfrost.

.Wieviel Kinder hast du dir denn zum Ge­burtstag eingeladen, Evchen? fragt sie ihre kleine Tochter.

.Die ganze Klasse natürlich, denn ich war ja bei allen gebeten," antwortet das Kind unbeküm­mert, .also sechzehn."

Der Mutter sträuben sich im ersten Schrecken die Haare, aber sie ist eine kluge Frau, und so überlegt sie wie bei allem anderen, das ihr Haus­frauen- und Muttergebiet betrifft, bis ins kleinste genau, wie die Geburtstagsfeier ihres Lieblings am besten zu arrangieren ift. Und endlich kommt sie zu dem Schluß, daß es nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die Großen ein reizen­der Dachmittag werden kann.

Mit dem Kaffeetrinken soll daS Fest eingeleitet werden. Aber die Kinder dürfen wählen, ob sie Milch, Kaffee, Tee oder Schokolade haben wollen. Kuchen und Schlagsahne dürfen nicht fehlen. 2lber das ist nicht die Hauptsache, sondern es muß, damit gleich eine heitere Stimmung unter den kleinen Gästen herrscht, Ueberraschungen geben. Inmitten des zierlich gedeckten, mit Blumen ge­schmückten Tisches soll ein Osterhase stehen, Der einen Zettel am Halse trägt mit der Aufschrift: .Willkommen, liebe Kinder!" An jedem Platz befindet sich ein kleines Dest mit ein paar Oster­eiern aus Zucker, Marzipan und Schokolade, die freilich sehr klein sein dürfen, damit sie nicht zuviel kosten. Die Tischkarten fertigt Evchen selbst aus alten Postkarten an und beschreibt sie mit niedlichen, selbstgedichteten Versen. Aatürlich soll jedes Kind sein Sprüchlein selbst vorlesen. Wenn der Geburtstag nun nicht gerade in der Oster- zeit, sondern um Weihnachten herum sein würde, so könnte der Osterhase mit einem Weihnachts­mann vertauscht werden. Im Sommer dürfte eine Ditrinenpuppe als Blumenfee oder ein großer Schmetterling die Mitte des Tisches ein- nehmen. Die kleinen Geschenke müßten dann na­türlich dazu passen.

Für die Spiele stellt die Mutter ein richtiges Programm auf. Am besten ist es, wenn man mit einem ruhigen Gesellschaftsspiel beginnt, damit die Kinderschar nicht gleich außer Rand und Band gerät. Die Erwachsenen dürfen mitspielen, denn die haben dabei immer die schönsten und ulkigsten Einfälle. Datürlich dürfen auch die Gäste die Spiele Vorschlägen. Das Programm hilft aber immer wieder, wenn ein toter Augenblick eintritt, d. h., wenn man nicht weiß, was man spielen soll. Alle Dinge, die man dazu braucht, müssen vor­her vorbereitet und zurechtgelegt werden, Denn nichts ist ungemütlicher, als wenn ein langes Suchen und Zurechtbasteln beginnt, ohne daß et­was Gescheites dabei herauskommt.

Dach der Speise muß, Damit toieDer ein hübscher Duhepunkt eintritt und Die Spannung erhalten bleibt, toieDer etwas DesonDeres kommen. Die Mutter und Evchen ftuDieren Daher ein kleines Theaterstück oDcr ein drolliges Zwiegespräch ein. Meistens bringt die Idee Die Kleinen Darauf, etwas Aehnliches aufzuführen unD vorzutragen,

Nadeln und Fingerhut.

Don Albin Michell.

Bei mand)en Daturvölkern werden noch heute Dornen. Fischgräten, winzige Splitter von harten Hölzern und von Steinen als Aadeln verwandt. Werden diese Gegenstände so gebraucht, wie sie von der Datur geschaffen wurden oder durch Zufall entstanden, so besahen die Bewohner der Pfahlbauten schon die Geschicklichkeit, sich Däh- nadeln aus Knochen herzustellen. In den Schwei­zer Pfahlbauten sind solche Knochennadeln häu­figer gefunden worden, ebenso in Den Höhlen Der fränkischen Schweiz. Das Oehr ist in diesen alten Knochennadeln sehr geschickt eingebohrt. Die Psahlbaubewohner der Schweiz scheinen das runde Oehr bevorzugt zu haben, wogegen die Dadeln aus der fränkischen Schweiz ein läng­liches Oehr zeigen. Auch Haarnadeln aus Knochen find in Den Pfahlbauten schon gefunDen worden, Haarnadeln aus Blei scheinen die Frauen der Griechen in den ältesten Zeiten benutzt zu haben. Mit dem Beginn der Metallzeit wurden auch Dadeln aus Bronze und Eisen hergestellt. Man verstand es jedoch noch nicht, in die bronzenen: oder eisernen Dadeln Löcher einzubohren; bei den ältesten Metallnähnadeln war das Oehr stets auf die Weise hergestellt worden, daß man das obere Ende umbog und so eine Oeffnung zum Einfädeln herstellte.

Bei der Feinheit des Gegenstandes ist zu vermuten, daß die Metallnähnadel schon bei den alten Kulturvölkern von Handwerkern hergestellt worden sind, denn nicht jeder dürfte die Ge- fchicklichkeit gehabt haben, aus einem Stückchen Bronze oder Eisendraht eine brauchbare Dadel herzustellen. Don der Dadelherstellung als einem besonderen Gewerbe wird jedoch erst aus Dürn­berg berichtet. Dort gab es im 14. Jahrhundert besondere Dadelmachcr. Diese alten Dürnberger Handwerker scheinen auch das Einbohren der Oebre in eiserne Dadeln erfunden zu haben, toeu gleich nach Dem Aus tauchen Der ersten Dürnberger Dadelmacher auch von einer Der­artigen Verbesserung Der Dadeln berichtet wurde. Auch Die Stecknadel ist im Lause der Zeit ver­bessert worden, vor allem durch Aufsetzen eines runden Kopfes. Die Dadelherstellung auf ma­schinellem Wege ist am frühesten in England emgeführt worden. In der Herstellung von Steck­nadeln steht noch heut« England an der Spitze.

so daß wieder Die Klippe vermieden wird, daß das Fest in wüste Toberei ausartet.

Zum Abendbrot muh es natürlich neben beleg­ten Butterbroten irgend etwas zum Anstößen und Hochlebenlassen geben. Eine ganz schwache, aber sehr süße Bowle genügt

Dach dem Abendessen erhält jedes Kind noch ein kleines Geschenk zum Abschied, etwa einen Knallbonbon, ein hübsches, buntes Bild oder ein Wunderknäuel, damit Die kleinen Gäste mit glück­

lichem Herzen heimkehren und Der Tag allen in lieber Erinnerung bleibt.

Die Mutter lächelt. Sie weih, mit ein wenig Liebe unD einigen kleinen GelDopsern lassen sich nicht nur Die gefürchteten KinDergefellfchaften er­tragen, sonDern zu wirklichen kleinen Festen für alt unD jung gestalten. Die Das Leben erheitern unD verschönen unD sogar. Darüber hinaus, manch­mal noch im besten Sinne erzieherisch wirken können.

Die tägliche Turnstunde der Frau.

Don Hildegard JReinting*)

Dor etwa 20 Jahren erachteten nur sehr toe- nige Frauen Die Pflege ihres Körpers Durch Leibesübungen für nötig. Dach Dem Kriege trat eine Aenderung ein. Das veränderte Leben der Frau, ihre Einsicht forderte eine größere Pflege Des Körpers. So Dringt jetzt glücklicherweise Die Erkenntnis immer mehr durch, daß Leibesübungen des weiblichen Geschlechtes nicht an eine bestimmte Altersgrenze gebunden sind und Dah sie dazu Dienen, Die Frauen bis ins höhere Alter frisch unD elastisch zu erhalten unD sie von mancherlei Beschwerden körperlicher unD seelischer Art zu befreien. Die Frauen sink) jetzt leichter krank als früher. Statistiken haben festgestellt, Dah es mit Dem Gesundheitszustand Der Frauen zwi­schen 25 und 40 Jahren schlechter getoorDen ist. Besonders Die Hausfrauen find Die am frühesten verbrauchten Frauen. Das liegt weDer an Der Mutterschaft noch an Der Hausarbeit, fonDern an Der vielfachen ilcberlaftung, aber auch an Der Dichtbeachtung Des eigenen Körpers, an Dem Dichtwissen Der für feine Erhaltung geltenDen Gesetze. Dicht allein im eigenen Interesse müssen Die Frauen es als ihre Pflicht ansehen, ihren Körper gefunD zu erhalten, fonDern auch im Interesse ihrer Familie, ihres Berufes. Dur eine gefunDe, frische Mutter toirD um sich fröh­liche Gesundheit schaffen, Die Die Grundlage des Gedeihens Der Familie bilDet. Dur sie toirD Ver­ständnis hoben für Die körperliche Erziehung ihrer KinDer unD toirD nicht auherhalb stehen, wenn sie Lust, Sonne unD Bewegung aufsuchen. Wohl Der Frau, Die mit ihren Kindern turnt und spielt, Die mit ihnen Die Heimat ertoanDert unD ihnen Die Schönheiten Der Bergwelt er- schlieht, Die sie Schwimmen, Schlittschuhlaufen unD Skifahren lehrt! Wohl Der Mutter, Die sich Durch erfrischenDe Leibesübungen Die Kraft bewahrt, Dem täglichen Kleinkram Des Haus­halts nicht zu unterliegen!

Keine Frau ist zu alt für Leibesübungen. Das muß allen Frauen eingehämmert werben. Ohne Bewegung erkranken Die Menschen, auch Die alten. Dur Durch Leibesübungen können Die Alters- erscheinungen weit hinausZcschobcn tocrDen, kann also einem SteifwerDen Der Gelenke vorgebeugt, können Die Organe richtig Durchblutet tocrDen unD infoIgeDeffen arbeitsfähig bleiben. Selbst- verständlich muß Die Form Der Leibesübungen Dem WanDel Des Körpers angepaht fein; im Alter von 50 Jahren können nicht in gleicher Weife körperliche Hebungen betrieben werben wie in Der Jugend.

Der Bewegungstrieb läßt ungefähr mit 30 Jahren nach. Eine Grenze läßt sich nicht genau

Wer Auskunft sucht über Die einzelnen Hebungen, Die für Mädchen und Frauen in Frage kommen, fei auf Der Verfasserin instruk­tives BuchAufgaben unD MethoDe Des MäDchen- unD Frauen turne ns" ver­wiesen, Dem wir Den vorstehenDen Abschnitt mit Genehmigung des Verlages Quelle & Meyer in Leipzig entnehmen. (95 Seiten kart. 2,60 Mk.. in Leinenband 3,40 Mk.)

feststellen. Es gibt Frauen, Die ihren Bewe- gungstrieb schon in Diesem Alter vollstänDig haben verkümmern lassen, währenD anDcre noch einen starken Bewegungstrieb haben. Das sind Diejenigen, Die in ihrer Jugend Die FreuDe an Der Bewegung als notwendigen, lebenserhalten­den Bestandteil ihres Lebens erfaßt haben.

Welche Leibesiwungen kommen für die Frau in Betracht?

Sie wird zunächst Diejenigen treiben, Die sie in früheren Jahren gepflegt hat: Schlittschuh­laufen, Tennis, Dodeln, Wandern, Schwimmen, Turnen. Aber sie kann auch ruhig den Mut aufbringen, neue Hebungszweige zu erlernen, z. B. Skiläufen körperliche Schulung voraus­gesetzt.

Die persönliche Leistungshöhe ist durchweg mit 25 Jahren erreicht. Es läßt Dann in erster Linie nach Die Fähigkeit für SchnelligkeitsÜbungen, WährenD Die Dauerkraft oft noch lange erhalten bleibt. Wettschwimmen, -rudern, Wettläufe sind einzuschränken, bzw. ist Die Wegstrecke allmählich zu verkürzen. JnfolgeDessen sinD auch Spiele mit anftrengcnDen Läufen, wie Schlag- unD Handball ungeeignet.

Wir haben es bei Den Frauen betreffs Des Hebungsbedürfnlsscs unD Des Menschenmaterials mit einer größeren Mannigfaltigkeit zu tun als bei Den Männern, was eine Erschwerung Des Hebungsbetriebes bedeutet. Es find zu unter­scheiden:

1. Unverheiratete Frauen, Die feit ihrer Ju­genD ohne Unterbrechung Leibesübungen ge­trieben haben.

2. Hngcschultc berufstätige Frauen.

3. Turnerisch geschulte verheiratete Frauen.

4. Hngeschulte verheiratete Frauen.

Die Zahl Der ersten Grupe ist allerdings klein. Da früher in Den meisten Turnvereinen Die Tur­nerinnen frühzeitig zualt zum Turnen wurDen infolge eines Betriebes, Der Die Geräteübungen stark in Den VorDergrunD stellte. Berufsschäden werden sich bei diesen Frauen infolge ihres Durchgeübten Körpers weniger bemerkbar machen. Es gilt Die Freude an Der Bewegung unD Die körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, sowie Erholung für Die Berufsarbeit zu schaffen. Die Sprungfähigkeit läßt nach, WährenD Die Wurf­fähigkeit länger erhalten bleibt.

Viel größer ist Das Heer Der beruflich Tätigen, Die körperlich ungeschult finD unD bei Denen sich infolge starker einseitiger Berufsarbeit körper­liche unD seelische SchäDen einstellen. Die Be­rufsarbeit nutzt zwar Den Menschen wirtschaft­lich aus, bilDet ihn aber nicht aus, fonDern nutzt ihn nur ab. Heben unD Tragen schwerer Lasten kann bei ungenügcnDen Körperkräften zu Zer­rungen, Brüchen unD Verlagerungen innerer Or­gane führen. KrampfaDern. Plattfüße stellen sich vielfach ein bei stehenden Berufen: bei Kellne­rinnen, Verkäuferinnen, Plätterinnen. SchäDigun- gen Der Atmungs- unD VerDauungsorgane finD Die Folge fitzender Lebensweise: in Bureaus mit schlechter Luft, aber auch in manchen Indu­strien mit großer Staubentwicklung oder feuchter

Eine einzige Stecknadelfabrik in Birmingham stellt jährlich viele Milliarden Stecknadeln her.

Untere Sicherheitsnadel hat vielleicht ein noch höheres Alter als die Metallnähnadel. Sie ist entstanden aus der Fibel, Fibula, Spange oder Haftel, im Mittelalter auch Kleidernadel ge­nannt, Die schon bei allen alten Vollem bekannt war. Die Fibel oder Haftel hat besonders in Der Geschichte des Frauenschmuckes eine lange Ge­schichte, ja die Fibel war feit der Bronzezeit Der mit am stärksten hervortretende Schmuck der Frauen bei allen Völkern. Für die vor­geschichtliche Zeit gilt die Fibel als das beste Auskunftsmittel bei der Feststellung von Zeit­folgen, und so hat man die Fibel oder Haftel auch die Münze der prähistorischen Zeit genannt. Wie für spätere Perioden die Münzen Auskunft über Die Zeit geben, fo hieß es, sich für Die vor­geschichtliche Zeit mehr an Die aufgefundenen Fibeln halten. In Der Bronzezeit wurden natur­gemäß meistens Fibeln aus Bronze hergestellt. Dann kamen solche aus Eisen auf, ober es wurden beide Metalle verwandt. Frauen a us der vorneh­men Welt trugen schon in der Zeit vor den Dömem Fibeln aus Gold und Silber, ebenso wurden sie aus Bernstein hergestellt. Doch ver- fchiedenartiger als das Material, aus dem sie angefertigt wurden, waren die Formen und Großen. Meistens hatten allerdings diese alten Fibeln einen größeren Umfang als unsere jetzi­gen Sicherheitsnadeln, es gab jedoch auch kleinere. Es gab Hafteln, Die glatt und schmal waren, andere liefen breit aus und zeigten auf Der Oberfläche mancherlei Verzierungen, sie trugen als Ausschmückung Scheiben und Platten, es gab ein», zwei- und dreigliedrige Fibeln. Erst als im Mittelalter die enganliegenden Kleider auf­kamen, hatte die Fibel oder Kleidemadel chre Daseinsberechtigung zum größten Teil verloren und verschwand nun auch als Zierstück am Frauenkleid.

Woher Der Fingerhut stammt und wann er aufgekommen ift, Dürfte kaum genau festzustellen fein. Schon Walther von der Vogel» weide, der um das Jahr 1230 starb, dichtete über einen Fingerhut, Der an Der schönsten Hand Der schönsten Aau steckt, welche je ein Trouba- Dour schauen Dürfte. Ein Gedicht über Den Fingerhut stammt auch von Hans Sachs. Das Wort Fingerhut kommt weiter bereits in einem Wörterbuch aus der Mitte dcS 14. Jahr­hunderts vor. Um diese Zeit gibt eS In Dürn­

berg auch schon das Gewerbe des Fingerhuters, des Handwerkers, Der Die Fingerhüte gewerbs­mäßig herstellt. Dieses Handwerk scheint sich im 14. und 15. Jahrhundert ziemlich au?gebreitet zu haben, mußte jedoch dann zurückaedrängt werden, als eine Maschine zum Pressen der Fingerhüte erfunden worden war.

Montessori oder Fröbel?

Oie neue und die alte Methode.

In einem Kreis junger berufstätiger Mütter, Die ihre KinDer fremDer Aufsicht überlassen müs­sen, würbe jüngst bei Der Besprechung Der Kinder» gärten, Die in Der StaDt vorhanDen waren. Die Frage aufgeworfen: Montessori oDer Fro- bei? Aatürlich herrschte eine allgemeine Begei­sterung für Das System Der italienischen Aerztin unD Pädagogin. unD Fröbel tourDc von Den mei­sten: alszu unmodern" abgelehnt. Zum Glück war auch eine ältere Frau mitten unter Den so überaus moDcmcn Müttern, Die sich theoretisch unD praktisch mit Den beiden Dichtungen befaßt hatte. Sie hielt einen kleinen Vortrag über die beiden erzieherischen Methoden, und siehe Da Derveraltete" Fröbel schnitt gegenüber Der Ita­lienerin gar nicht schlecht ab. Warum will man, fo fragte Die Sprecherin, mit Dem alten Fröbel- linDergarten brechen? Fröbels ErziehungslDeen finD keineswegs unmoDem, Daß wir nur Den neuen Lehren Dr. Maria Montessoris lauschen müssen. Fröbels 3D een finD nicht veraltet, sonst hätte sich nicht aus chnen zum OroßteU Der mo- Derne Arbeitsschulgebanke entwickelt: neu finD nur Form unD Mittel, mit Denen sie zum Ziele gelangen wollen.

Besucht Der Laie eine Montessorischule, Dann ist er auf Den ersten Blick für Diese Anstalt be­geistert. Ein großer, sonniger Raum mit Hellen WänDen, weiß lackierten Tischchen, Stühlchen, Blumentischen, Kasten, Abwaschtischen, Wasch­tischen samt Zubehör (alles in Der Größe für Die KinDer pasfenD) unD in Diesem Daum eine KinDerschar mit Abstauben, Abwaschen, Tisch- Decken usw. beschäftigt ein wahres Haus Der KinDer. Dazu kommen noch rhythmische Hebungen zur Musik, bei Der Die Kinder gewöhnlich recht graziöse Bewegungen ausführen Das ist alles, was Der Laie beobachtet, unD er ist Davon be» greijlicherwelse entzückt.

Hitze. Hnzw eckmäßiges Arbellen bei Den Ar- beitabetoegungen führt zu ermüDenden, kräfte* verfchwendcnden Verkrampfungen. Dazu treten vielfach infolge Der einseitigen, fast Den ganzen Tag ausfüllenben Berufsarbeit seelische Störun­gen in Den verschiedenen Stadien.

Das Hebungsbedürfnis ist bei den Frauen je nach Den beruflichen Verhältnissen natürlich ver­schieben. Mau könnte ihm nur ganz gerecht werben, inbem man bic verschiebenen Berufs* gruppen zu Turnabtellungen zusammenfaßte, bzw. wenn in ben Betrieben während Der Arbeitszeit Entspannungspausen mit entsprechenden gym­nastischen Hebungen eingeschaltet würden, wozu Dann Das Erlernen Der richtigen Arbeitsbewe­gungen kommen müßte.

Da Die Entspannungspausen in Den Betrieben vorläufig noch wenig Aussicht auf Einführung haben, müssen Die Turnvereine es als ihre Auf­gabe ansehen. Abteilungen für berufstätige Frauen einzurichten. Diese in Den Jungmädchen­abteilungen turnen au lassen, empfiehlt sich kei­neswegs, Da man ihnen hier nicht gerecht tocr­Den kann.

Aufgaben Dieser Abteilungen sind: erholend zu wirken, Freude auszulösen, für kräftige Durch­blutung und Tiefatmung zu sorgen, schwache Muskeln zu kräftigen, überflüssige Anspannungen vermeiden zu lernen, sich körperlich zu ent­spannen und das Körper- und Bewegungsgefühl auszubilden. Dieses ist meistens bei Den Frauen sehr mangelhaft. Die Frauen müssen wieder lernen, bewegun^sgeseh'ich zu arbeiten, leine Kraft unrationell zu vergeuden und müssen diese Er­kenntnis auf die Berufsarbeit anwenden lernen. Sie müssen lernen, mit kleinstem Kraftaufwand zu arbeiten und für jede Arbeitsbewegung Die beste Bcwcgungsform zu finben. Der Betrieb muß freuDvoll fein unD sich zunächst auf einfache Hebungen beschränken. Dabei muß möglichst auf Die Bedürfnisse Rücksicht genommen werden. Auch wenn eine gewisse körperliche Schulung erreicht ist, würden schwierige Hebungen, auch in Form von gymnastischen Hebungen, zu viel Dervenkraft beanspruchen und also keine richtige Erholung nach Der anftrengcnDen Berufsarbeit fein.

Auch Die Hausfrauenarbeit ist eine Berufs­arbeit, Die keineswegs Die Frau allseitig Durch- bilDet unD sie vor körperlichen BeschwerDen be­wahrt.

Oie Speisekammer als Tischleindeckdich.

Don Anne-Marie Mampel.

Qm städtischen Haushalt spielt Die Speisekammer zumeist eine nebensächliche Rolle. Man stellt in chr die Reste des täglichen Mahles ab und hält in be« fcheidenftem Maße vorrätig, was der laufende Ge­brauch erfordert. Kommen unerwartete Gäste, oder hat es die vielbeschäftigte Herrin des Hauses ver­absäumt, vor Ladenschluß das Nötige einzuholen, ist die Verlegenheit groß, und eben jene sonst vernach- läfsigte Speisekammer muß mit ihren kärglichen Be­ständen aushelfen. Dabei sollte gerade sie im mo­dernen, auf Zweckmäßigkeit und geringsten Zeitver­lust aufgebauten Hausbetrieb ein Tischleindeckdich sein, das es zu jeder Stunde ermöglicht, ohne grö­ßere Vorbereitung ein schmackhaftes Mahl zu ser­vieren.

Suppen, Vorgerichte, falte Platten, Fleisch- und Gemüsegänge, süße Speisen, Bäckereien und Obst all dieses kann die geschickte Hausfrau mit Hilfe einer richtig bestellten Speisekammer jederzeit auf den Tisch bringen. Mag der Gatte Dann mit heim- bringen, wen er will, mag unangesagter Besuch von außerhalb eintreffen er ist stets willkommen; fehlt es schließlich einmal an Zeit oder Lust, sich länger mit dem Kochen zu beschäftigen, so wird auch das, da es an leckeren Dingen trotzdem nicht gebricht, den häuslichen Frieden keineswegs gefährden.

Der Pädagoge fragt er ft: Womit beschäftigen sich Die Kinder außerdem, wie sieht dieses Bc- fchäftigungsmatcrial aus und wie toirD cs ver- tocuDet? Das Montcssorimatcrial Dient einerseits zur Weckung unD Hebung Der Sinne, anderer­seits zur Forberung Der Geschicklichkeit beim An- unD AusklciDen usw. Dabei werden Die zwei Hauptprinzipien Der MontcssorirnethoDcn hoch- gehalten: Die Frecheit und Die Sclbsttätigkcit. Diese Freiheit besteht in Der Wahl Der Beschäs» tigungsmittel, in Der Beschäftigungs- oDer Spiel- Dauer, in Der Wahl Der Sviclgcsährten. Aber von Dieser Freiheit toirD nach unserer Meinung zu viel Wesen gemacht. Auch Der Fröbel-Kinder- garten ist keine Zwangsanstalt. auch im Fröbcl» Kinbcrgartcn toirD Diese Freiheit Den Kindern gewährt, Denn Die moDernc Kinergärtnerin baut ihre Erziehungsarbeit auf Der Beobachtung Der KinDer auf, unD Das ist nur möglich, wenn sie Die KinDer zwanglos spielen läßt. Gewiß führen Die Montessori-Kinder Die Hebungen mit Dem Material mit Geschicklichkeit aus. Hnb Doch fehlt bei Dieser Selbsttätigkeit Das Wichtigste Die schasfenDc Arbeit, unD Darin liegt Der Haupt­mangel, Die Einseitigkeit Der MethoDe.

Hier aber liegt wohl Der größte unD grund­sätzlichste Hn ter schieb zwischen Montessori und Fröbel. Er sagt und diese Erkenntnis ist ihm Richtschnur für feine Erziehungsmethode gewor­den:Der Mensch ist ein schaffendes Wesen. Er erkennt nur das vollkommen, er kann nur das vollkommen erkennen, was er Darzustellen im- ftanDe ist. Das Dar stell en, Wicbergeben von Erlebtem, Gesehenem. Das Kombinieren und Sclbstschasfen muß alfo angebahnt werben, unD Davon ist in Der MethoDe Montessori keine ReDe. Fröbel wählt Das Material so, Daß es anregt, schöpferische Kräfte weckt. Dazu geben Die Fröbelschcn Beschäftigungen wie: Bauen, Zeichnen (WicDergeben von gewonnenen Ein- Drüden oDer Darstellen von Erzählungen), Aus» schneiben, MoDcllicrcn reichlich Gelegenheit. Wohl finD etliche Der Fröbelschcn Spielgaben veraltet; Diese finD aber bereits ausgeschieden. Zu erwägen wäre, ob nicht an ihre Stelle einige Montesfori- beschäftigungsmittel gesetzt werben konnten. Heber* Haupt scheint bie Streitfrage vielleicht ba- hin lösbar, bie beiben Mcthobenzu ver­schmelzen, von jeber bas zu nehmen, was Dem StanDe Der moDernen Kinderforschung und der Vorstufe bet Arbeitsschule am besten ent­spricht. A.