Ausgabe 
5.3.1930
 
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die zuständige Stelle des Reiches vollkommen versagt hat, nämlich das von Herrn Severing geleitete Reichsinnenministerium.

Es ist natürlich nichts als eine leere Ausrede, wenn der Reichsinnenminister jetzt erklärt, er werde zu gegebener Zeit das Problem in An- griff nehmen, wenn nämlich nicht die Gefahr be­stehe, daß er für seine Reformvorschläge keine zureichenden Mehrheiten findet. Wenn man dar­auf warten wollte, daß eine Mehrheit sich dem Minister anbietet, um dieses eben­so notwendige wie schwierige Reformwerk durch- zusühren, dann wird Deutschland vorher an sei­nen verfassungsrechtlichen Llnzulänglichkcllen zu­grundegehen. Cs entspricht nicht der Füh­reraufgabe, die der Reichsinnenminister gerade in dieser Frage hat, zu warten, bis andere Leute die Aufgabe gelöst haben. Auf der Passivseite der Bilanz einer fast zweijährigen Regierungstätigkeit des gegenwärtigen Kabinetts figuriert das Versagen in der Frage der Reichs­reform mit an erster Stelle. Denn dieses Pro­blem ist nun einmal die Schlüsselfrage jeder produktiven deutschen Innenpolitik über­haupt. Das erkannt zu haben ist das Verdienst des Lutherbundes, das von Professor Hellpach hervorgehoben worden ist. Dem nicht Rech­nung getragen zu haben, ist der schwere Vorwurf, der gegen den zuständigen Reichsinnenminister Severing erhoben werden muh.

Oer Kurs bleibt der alte.

Der neue Innenminister m Preußen.

Berlin, 5. März. (CRV.) Der preußische Minister des 3nnern, Prof. Dr. W a e n t i g , gewährte einem Vertreter des Sozialdemokrati­schen Pressedienstes eine Unterredung, in der er sich über seine künftigen politischen Absichten äußerte. Der Kurs, führte Dr. Waentig aus, der im preußischen Innenministe­rium unter meinen Amtsvorgängern Seve­ring und G r z e s i n s k i gesteuert wurde, wird nach wie vor gehalten. Vornehmste Aufgaben des preußischen Ministers des 3nnern sind die Sicherung und Festigung der Republik, der Schutz der demokratischen Verfassung. Es wird mein Be­streben sein, die republikanische Per­sonalpolitik, die Demokratisierung der Verwaltung, die Severing und Grze- sinski so erfolgreich begonnen und fortgeführt haben, mit allem Rachdruck weiter zu fördern.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 4. März. (WHP.) Der Fi­nanzausschuß setzte seine Beratungen des Etats bei Kapitel III (Siedlun gswesen) fort.Das Kapitel schließt mit 459 984 Mk. Einnahmen und 444 900 Mk. Ausgaben. Das Kapitel wurde ge­nehmigt. Außerdem fand Annahme ein demo­kratischer Antrag, der die Vergütung der Amts Vorsteher der Forstämter für die Mitversorgung der Landamtsmanngeschäfte von 1 5 0 0 a uf 6 0 0 M k. herabseh t. Bei Kapitel Kameralgüter unter Bauverwal­tung liegt ein Antrag vor, die Regierung möge die Grundsätze darlcgen, nach denen die Mieten für staatliche Dien st - und Mietwoh­nungen berechnet werden. Das Kapitel ent­hält unter den 981 000 Mk. Einnahmen an Mieten 756 000 Mk. Die Regierung erklärt, daß sie mit dem Ausschuß der gleichen Meinung sei, daß der wirkliche Wert der Wohnungen ermittelt und auch bezahlt werden müsse. Ka­pitel V (DraunkohlenwerkeLudwigs-Hoffnung", Wölfersheim und Weckesheim, die am 1. Januar cm die Preußen-Elektra übergegangen sind), wird genehmigt. Kapitel VI Salzwerk, Badeanstalt und Tiefbauamt Dad-Rauheim wird schließ­lich noch verabschiedet. Hier sind an Einnahmen die seitherige Ablieferung von 330 000 Mk. an die Hauptstaatskasfe und außerdem eine außer­ordentliche einmalige Ablieferung von. 300 000 Mk. vorgesehen.

Schuh der Arbeitsfreiheit in Oesterreich.

Wien, 4. März. (WTB.) Der Iustizaus- schuh des Rationalrates trat in die Bera­tung des Gesetzes zum Schuh der Ar­beitsfreiheit, des sogenannten Anti- terrorges ehes, ein. Der Berichterstatter legte im Einvernehmen mit der Regierung eine Reihe von Abänderungsanträgen vor, die eigentlich eine vollständig neue Vorlage bedeuten. 2m wesentlichen wird bestimmt, daß Kollek­tivverträge, die auf die Zugehörigkeit der Angestellten und Arbeiter eines Betriebes z u bestimmten Berufsvereinigungen bezugnehmen, nichtig sind, weiter, daß der Arbeitgeber keine Lohnabzüge zu - gunsten von Vereins-, Gewerk­schafts- oder Parteibeiträgen vor­nehmen darf. Die Sozialdemokraten stehen vor­läufig diesen Anträgen ablehnend gegenüber.

Fast eine Million Arbeitsloser in Japan.

London, 3. März. (£U) Die Arbeitslosigkeit xn Japan steigt beträchtlich an und wird in aller Kürze die erste Million erreicht haben. Die schlechte Lage in allen Geschäftszweigen ist außerordentlich groß und die Zahl von Schlie­ßungen von Fabriken und Geschäften nimmt stän- okg zu. Don den Arbeiterorganisationen find bereits eine große Anzahl von Plänen ausgear- bextet und der Regierung zugeleitet worden, um auf dem Wege von Rotstandsarbeiten die Arbeitslosigkeit zu verringern. Die Regierung hat gleichzeitig einen Plan für die Einführung ferner Arbeitslosenversicherung in Dorbe^itung. Mit dem bevorstehenden Ab- schluß der Wiederaufbauarbeiten in Tokio, die der Beseitigung der Erdbebenschäden des Zahres 1923 gelten, werden mehrere hundert­tausend Arbeiter beschäftigung los. Die endgül- tlge Beendigung der Wiederaufbauarbeiten ist für den 24. März vorgesehen.

Aus aller Welt.

Lin Stadloerordueler als Vraudstifler verhaftet.

3n Gladbeck brach im Keller des Ar­beitsamtes Feuer aus. Vom Karneval Heim- kehrende bemerkten die Flammen und alarmierten die Feuerwehr, die das Feuer löschte. 3n der vergangenen Woche hatte es in den Bureau- räumen des Arbeitsamtes gebrannt. Der Fuß-

Die Sochwafferkalastwphe in Süd-Frankreich.

Hundert Todesopfer.

Äicle Städte von jeglichem Verkehr avflcichnltten.

Paris, 4. März. (WTB.) Die aus den lieber« schwemmungsaebieten eingetroffenen Nachrichten las­sen nur annähernd erkennen, wieviele Personen bei der Katastrophe ums Leben gekommen sind und mit welchen Sachschäden zu rechnen ist. Einige Blätter beziffern die Zahl der Toten auf 100, eine Bestätigung hierfür liegt allerdings bisher nicht vor. Nur die Zahl der Opfer einzelner Ortschaften ist bekannt. So sind in (Taftres (Departement Tarn) drei Personen ertrunken. Die Stadt selbst steht vollkommen unter Wasser; sieben Häuser sind eingestürzt. Aus M a z a m e t im gleichen De« partement wird ein Toter gemeldet. Die hier ge­legenen zahlreichen Fabriken können nicht arbeiten. Der durch das Wasser angerichtete Schaden wird auf 20 Millonen veranschlagt. Auch die Ortschaft C a huzac hat einen Toten zu beklagen. Am schwersten dürfte die Stadt St. S u l p i c e mitgenommen sein, in der nicht weniger als 21 Häuser ein« gestürzt sind. Die Eisenbahn st recken Albi- Toulouse und AlbiCastres sind unterbrochen. Der Canal du Midi ist über seine Ufer getreten. Zwi­schen Narbonne und Cacassonne liegt jeder Ver­kehr still. 3n Besseres stürzten 15 Häuser ein. Auch die Eisenbahnverbindungen Toulouse- Languedoc und ToulouseNarbonne sind unterbro­chen, ebenso die Strecken ToulouseCette und Tou­louseBordeaux; jede telefonische und telegraphische Verbindung zwischen diesen beiden Städten ist un­terbrochen. Im Laufe der vergangenen Nacht ist in Moifsac ein Damm gebrochen. Das zwei Stadtteile überflutende Wasser hat w e i t e r e Men­schenleben gefordert. In den vom Wasser

bedrohten und nach und nach einstürzenden Häusern befinden sich noch Bewohner. Die unermüdlich durch­geführten Rettungsarbeiten gehen nur langsam vor­wärts.

Oie Garonne steigt weiter.

Kriische Lage in Montauban.

Paris, 5. März. (WTB. Funkspruch.) Wäh­rend die Rachrichten aus dem Lleberschwem- mungsgebiet einen leichten Rückgang des Hochwassers des Tarn angaben, steigt die Garonne noch weiter. Rach einer Ha- vasmeldung aus Toulouse gelang es gestern, über die Lage in Dillemur näheres zu er­fahren. Die erst vor drei 3ahren gebaute 100 Meter breite Drücke ist durch die Trümmer der beiden oberhalb dieser Stelle gelegenen und vom Hochwasser weggespülten Brücke z e r st ö r t wor­den. Das Elektrizitätswerk ist vollkom­men überschwemmt. Der dort angerichtete Schaden wird auf vier Millionen Franken ge­schäht. Ungefähr 25 Häuser sind eingestürzt. Die Behörden haben Flugzeuge angefordert, die das Lleberschwemmungsgebiet zur Ausklärung für die Rettungsarbeiten überfliegen sollen. Die Rettungsarbeiten werden sehr erschwert, da nicht genügend Boote zur Verfügung stehen. Der Tarn selbst ist etwa 1 Meter zu- rückgegangen. 3n Montauban befinden sich 60 Personen seit 30 Stunden auf den Dächern und erwarten die Rettung, aber die Strömung ist so stark, daß man ihnen noch nicht Hilfe bringen konnte. Die Stadt selbst ist immer noch von jeglichem Ver­kehr abgeschnitten. Der Strom geht nur sehr langsam zurück.

Vor einer neuen kommunistischen Aktion am 6. März.

Die Kommunistische Partei befindet sich, wie schon früher, so auch jetzt nach ben fehlgeschla­genen Aktionen der jüngsten Zeit, in einer star­ken Krisis. Massenhaft wenden ihr bisher treue Funktionäre den Rücken. Sie stellen peinliche Fragen an die Parteileitung, aus denen hervor­geht, daß diese langsam sehend werdenden Kom­munisten genau erkennen, welcher verbrecherische agitatorische Unfug mit ihnen getrieben worden ist. Sie zerfetzen das ganze Lügengebilde der Massenaktionen". Die Partei selbst befindet sich in einer schweren finanziellen Krisis. Sie hat den größten Teil ihres immobilen Besitzes ver­ramschen müssen. Sie braucht also unbedingt ein neues Zugmittel, um sich das ram­ponierte Ansehen bei den Massen wieder zu erwerben.

Von Moskau, wo Thälmann zum persönlichen Defehlsempfang geweilt hat, ist der Auftrag gekommen, am 6. März wieder einmal nach dem Muster des verunglückten 1. Februar eine Hun- gerdemonstration au veranstalten. Man will Geheimbefehle gefunden haben, aus denen hervorgeht, daß bei dieser Gelegenheit noch ernstere Zusammenstöße mit der Polizei provo­ziert werden sollen. Es ist das Schicksal aller solcher vorher angesagten Revolten, daß sie ins Wasser fallen. Deshalb kann man auch diesmal wiederum Voraussagen, daß gerade an diesem Tage nidjt viel passieren wird. Die Or­gane der staatlichen Macht werden zweifellos genügen, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuer­halten oder bald wieder herzustellen. Rachher werden die sozialdemokratischen 3nnenminister große Anklagereden gegen die Kommunisten hal­ten, und wenn es wirklich blutige Köpfe geben sollte, werden die Berliner Asphaltpolitiker sich daran machen, nach den Schuldigen innerhalb der Polizei zu suchen. Dieses unerfreuliche Schau­spiel haben wir nun schon mehrere Male erlebt.

Wenn man aber weiterblickt, dann sollte man sich mit dieser Abwehrtaktik nicht begnügen. Sie ist etwas zu ärmlich, um als Staatspolitik ge­wertet zu werden. Denn der Grund dafür, daß es den Kommunisten immer wieder gelingt, irre­geleitete Massen zu Teilaktionen zu bewegen, liegt doch in unseren unglaublichen wirtschaftlichen Verhältnissen. Es ist kein Wunder, daß die Massen heute von einer gewissen Verzweiflung gepackt werden. Richts wirkt demoralisierender als eine lang andauernde Arbeitslosigkeit. Wenn man aber das psychologische Verständnis für diese Vorgänge aufbringt, dann muß man sich um so mehr zu der Forderung bekennen, endlich einmal Schluß zu machen mit diesem System der Hilflosigkeit und Unzulänglichkeit, das Deutsch­land von Krisis zu Krisis schleudert und das auf dem besten Wege ist, die gesunden Grund­lagen der deutschen Wirtschaft zu untergraben.

Wiederherstellung der Staatsautorität gegenüber den aufruhrlustigen Elementen auf der einen Seite, Wiederher st ellung einer gesunden wirtschaftlichen Grundlage furunsere nationale Produktion auf der anderen Seite, das sind die Forderungen einer positiven staatsbürgerlichen Politik, die in dieser Lage erhoben werden müssen. Die Proben des strikten Gegenteils, die wir in diesen letzten Wochen von Regierung und Reichstag erhalten haben, berechtigen auf die Lange der Zeit zu den schlimmsten Befürchtungen. Der Geist des Aufruhrs kann in einem Staate nur dann so frech sein Haupt erheben, wenn die staatliche Au­torität sich selbst jeden Tag aufs Neue schädigt. Sie zu kräftigen ist die erste und dringendste Aufgabe, damit endlich dem Volke wieder der Gedanke aus­getrieben wird, als sei der Staat nichts weiter als die Beute der verschiedenen miteinander ringenden Interessentengruppen. Die zweite Notwendigkeit aber ist die Wiedergewinnung einer gesunden Finanz­

und Wirtschaftsgrundlage, damit der deutsche Ar- beiter, soweit es in unserer bedrängten Lage heute überhaupt möglich ist, wieder Arbeit und Brot erhält. Die Zugkraft der radikalen Agitation aber wird in dem Maße Nachlassen, in dem es ge­lingt, den Staat wieder auf gesunde Grundlagen zu stellen.

NeueHungermärsche".

Die Besetz le der Moskauer Zentrale.

Berlin, 4. März. (L7lB.) Am Montagabend hat eine Sitzung der kommuni st lfchen Parteifunftionäre stattgefunden. Aus Anord­nung des europäischen Sekretariats der Roten Ge- roerF|d)aftsinternationale, der Kommunistischen 3u- gendinlernationale und des Westeuropäischen Bu­reaus der Komintern hat auch die Berliner Partei­leitung für den 6. März Hungermärsche aus derAmgebungDertinsnachderReichs- Hauptstadt angeordnet. Gleichzeitig sollen auch innerhalb Berlins unter Umgehung des Demonstra­tionsverbotes derartige Hungermärsche und Umzüge stattfinden, die sich auf die g r ö h e r e n B e t r i e b e und die Arbeitslosennachweise konzentrie­ren sollen, wo Parteifunktionäre an ihre Genossen Ansprachen halten werden. Für diese Märsche ist ein genauer plan ausgearbeitet worden, der sich im übrigen mit den Demonstrationen vom 1. Fe­bruar deckt. Das Demonstrationsverbot soll in der Weise umgangen werden, daß auf ein oerab- rebetes Zeichen in allen Teilen Berlins größere und kleinere Ansammlungen sich bilden, die dann wiederum auf ein verabredetes Zeichen sich in Marsch sehen sollen. Durch diese Taktik soll er­reicht werden, daß die Polizei hierdurch Über­rascht und mürbe genta cht wird und nicht einheitlich vorgehen kann. Die Polizei hat ihre Maß­nahmen getroffen. Für den 6. Mär; ist für die poli- 3ei die große Alarmstufe angeordnet worden, nach der sich alle Offiziere und Mannschaften in den Ka­sernen aufzuhalten haben. 3n den Rachmittagsstun­den wird bereits ein starker Patrouillendienst auf der Straße einfetjen.

OieRote Fahne".

Die richtige Auslage wird gerichtlich festgestellt.

Berlin, 4. März. (Priv.-Tel.) Die Kommu­nistische Partei und ihr Zentralorgan, die Rote Fahne, haben verschiedentlich im Kampf mit den Sozialdemokraten Angaben über die Auf­lage der Roten Fahne gebracht, die jetzt durch ein sehr interessantes Gerichtsurteil auf ihren wahren Sachverhalt zurückgeführt worden sind. 2lus Anlaß eines Prozesses wegen arglistiger Täuschung eines 3nserenten nahm das Gericht in sein Urteil eine Feststellung über die Abon­nentenzahl der Roten Fahne und über ihre Auslage^ mit auf, die nach kommunistischen An­gaben über 100000 liegen soll und damit die größten deutschen Tageszeitungen erreichen würde. Tatsächlich ist gerichtsnotarisch festgestellt worden, daß die Abonnentenzahl der Roten Fahne nochnicht einmal 20000 erregt, und daß die Gesamtauflage des Blattes ein­schließlich der Auslandexemplare höchstens 25 000 beträgt. Da der Vertreter der Roten Fahne die Feststellung in Kauf genommen hat, dürfte er­wiesen sein, daß die gerichtlichen Feststellungen auch von der Roten Fahne nicht widerlegt wer­den können. DaS Märchen mit der Auflage von 100 000 Exemplaren ist nüchtern und gründlich zerstört worden.

boden und die Dureaumobel waren mit Pe­troleum übergossen und angezündet worden. Auch diesmal liegt wieder Brand­stiftung vor. Unter dem Verdacht, das Feuer angelegt zu haben, wurde der sozialdemokratische Stadtverordnete und Angestellte des Arbeits­amtes Prell festgenommen.

Die deutsche Universität Prag.

Der akademische Senat und das Professoren­kollegium der deutschen Universität in Prag werden sich in einer feierlichen Kundgebung gegen die durch das tschechische Universitätsgesetz geforderte Schädigung der Prager deutschen Uni*

versität, der durch Aberkennung des RamensKarl-Ferdinand-Unive rfi- t ä t" ihre fast 600jührige historische Tradition genommen worden ist. Der auf den Gründer der Universität, Kaiser Karl IV., zurück- gehende RameKarls-Universität" wurde auf die Prager tschechische Universität übertragen. Diese ideelle Schädigung ent­spricht, wie in der Kundgebung hervorgehoben wird, in keiner Weise der historischen Forschung, welche in beiden Prager Universitäten, sowohl in der tschechischen wie in der deutschen, die natürlichen Fortsetzerinnen der ursprünglichen

Karls-Universität sieht. Auch die tschechischen Historiker standen bis zum 3ahre 1918 auf diesem Standpunkt. Das betreffende Universllätsgesetz ist von einer gesetzgebenden Körperschaft im 3 ahre 1920 beschlossen worden, in welcher die Deutschen der Tschechoslowakei überhaupt noch nicht vertreten waren und daher keine Ver­wahrung einlegen konnten. Heute, nach zehn 3ahren, appellieren der Rektor und der akademische Senat an die Regierung und daS Parlament, das Universitätsgeseh im Sinne der historischen Wahrheit abzuändern.

Gefängnisrevolte In Lille.

3m Zuchthaus von Lille haben 65 Straf­gefangene einen Massenausbruch versucht. 3m Arbeitssaal überfielen sie den wachhabenden Beamten und raubten fein Schlüssel­bund. Die Tür war aber von außen verriegelt. Der Posten auf dem Korridor schlug Alarm, wodurch der von langer Hand vorbereitete Ver­such vereitelt wurde. Rur dem Rädelsführer des Ausbruchsversuchs gelang es, in dem all­gemeinen Durcheinander zu fliehen.- Er war bereits über zwei Mauern geklettert, als er in eine unter Starkstrom stehende Drahtsperre ge­riet. Schwerverletzt wurde er ins Gefängnislaza­rett eingeliefert.

Dänische Auszeichnung für einen deutschen Flieger.

Die Königlich Dänische Aeronautische Ge­sellschaft hat beschlossen, dem deutschen Flieger Freiherrn o. König-Warthausen, der mit einem Sportflugzeug um die Welt geflogen ist, feine höchste Auszeichnung, eine goldene Plakette, zu verleihen.

Flammentod eines Fabrikbesitzers.

Der Besitzer der chemischen Fabrik Otto Reeh & Co. in Wesel ist bei einem Schaden­feuer in den Dureauräumen der Sirma in den Flammen umgekommen. Reeh scheint versucht zu haben, den Ofen mit einer leichtentzündbaren Flüssigkeit ingang zu bringen, wobei eine Ex­plosion eintrat. Der Brand konnte in kurzer Zeit gelöscht werden. Als man in die Räume einbrang, fand man d i e Leiche des Firmen­inhabers völlig verkohlt vor dem Ofen. Das Gebäude, eine ehemalige Kaserne, ist durch den Brand nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.

Autounglück auf der Fahrt zur Trauung.

Auf der Fahrt zur Trauung stieß bei Rotten­dorf (Franken) ein Automobil, in dem sich der 23jährige Kellner Hermann Röll von Dettelbach mit seiner jungen Frau, seiner Schwiegermutter und einem Trauzeugen befand, bei starkem Re­bel mit einem auf der falschen Straßen­seite entgegenkommenden Personenkraftwagen so heftig zusammen, daß der Drautwagen völlig demoliert wurde. Alle vier 3n- faffen und der Chauffeur wurden durch Glas­splitter und Prellungen mehr oder minder schwer verletzt. Auch der Besitzer des anderen Wa­gens erlitt Verletzungen. Rur fein Chauffeur, der durch seine Fahrlässigkeit den Unfall verur­sacht hatte, kam mit heiler Haut davon.

Lin Geisteskranker in der Schulstube.

In höchster Gefahr schwebten die Kinder einer Schule in dem Städtchen Wolfoille in Neu­schottland (Kanada). Ein mit einem Revolver be­waffneter 59jähriger Geisteskranker, der in die Schule eingebrungen war, führte dort wirre Reden und erklärte, er sei von Gott beauftragt, sämtliche Kinder zu erschießen. Glück­licherweise war ihm seine Nichte, die ebenfalls einen Revolver bei sich hatte, nachgeschlichen und schoß ihn nieder, bevor er Unheil anrichten konnte. Der Geisteskranke liegt jetzt unter polizei­licher Bewachung im Krankenhaus.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Warmlustwelle von Westen her hat sich über ganz Deutschland durchgesetzt und frostfreies Wetter verursacht. Das Hochdruckgebiet verlagert sich weiter nach Süden, und an der Rückseite der Baltikum- störung bringt Kaltluft südwärts vor. Sie wirb sich zunächst hier bei uns auf bis Temperaturen aus- wirken und ferner etwas wechselhaftes Wetter Her­vorrufen, wobei einzelne Niederschläge nicht aus­geschlossen sind.

Wettervoraussage für Donners­tag: Wechselnd wolkig, allmählich wieder küh­ler, vereinzelte Riederschläge.

Witterungsaussichten für Frei­tag: Meist wolkiges Wetter, Temperaturen schwankend, mit Reizung xu Aiede-fchlägen.

Lufttemperaturen am 4. März: mittags 11,3 Grad Celsius, abends 6,8 Grad; am 5. März: morgens 4,7 Grad. Maximum 11,5 Grab, Minimum 2,8 Grab. Grbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. März: abenbs 4,2 Grab; am 5. März: morgens 2,1 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 4i Stun- ben.