Einzelbild herunterladen

Mittelweg, die Tür gerade gegenüber dem Prä­sidium.

Wenn Sie daran sein sollten, eine Rede zu halten, so kümmern Sie sich um nichts, besonders nicht um die Zwischenrufe Ihrer Gegner. Ihre Rededauer ist freilich leider beschränkt Sie dürfen nur eine Stunde lang reden, aber wo- nigstens brauchen Sie nicht Ihre Taschenuhr neben sich zu legen, um Ihren wirksamen Schluß und Abgang nicht zu verpassen. Denn der Herr Rcichstagspräsident ist so liebenswürdig, Sie dieser Mühe zu entheben: Auf dem Rednerpult sind Verkehrssignale angebracht, und ein gelbes Licht bedeutet:Achtung noch fünf Minuten!", ein rotes:Halt, stop, cs ist alle!" Da ist also bestens vorgesorgt.

vorsichtig sollten Sie nur in bezug auf gewagte Bemerkungen sein, weil sonst der Präsident Sie zur Ordnung ruft.

Ein oder zwei Ordnungsrufe pro Rede können Sie getrost riskieren, ohne daß Ihnen etwas passiert: kritisch wird die Sache erst mit dem dritten Ordnungsruf, weil dann (nach § 91 der Reichstags-Geschäftsordnung) der Präsident über Sie den Ausschluß von den Sitzungen bis zu dreißig Tagen verhängen kann. Lind wenn Sie nicht sofort den Saal verlassen, verlängert sich diese Strafzeit um nochmals dreißig Tage, auto­matisch sogar. Das ist sehr unangenehm: denn es trifft Sie höchst empfindlich an der Geldbörse und an der Freifahrtkarte. Für solche Aus- schlußzeiten bekommen Sie keine Diäten, und Sie müssen die Fahrkarte abgeben. Das wäre doch peinlich! Abgesehen davon, daß Sie nicht nur das Recht haben, auf allen Staats­und Privatbahnen Deutschlands und auch auf allen Dampfschiffen umsonst und in jeder be­liebigen Klasse zu fahren, werden Ihnen auch, wenn Sie in der Wahl Ihres Wohnsitzes vor­sichtig genug waren und mindestens vierhundert Kilometer von der Rcichshauptstadt entfernt wohnen, zwei Drittel Ihrer Schlafwagenkosten erseht und dreiviertel Ihrer Flugzeugreisen.

Da haben Sie übrigens auch wieder einen Beweis dafür, wie man sich um Ihr persönliches Wohlergehen forgt: denn erstens ist Ihnen ja bekannt, daß in ledern Schnellzug noch bis zur Abfahrt Betten für die Abgeordneten freigehalten werden, so daß Sie sich noch in letzter Minute entscheiden können, ob Die bequem reisen wollen: zweitens genügt im Falle des Reisens ein kurzes Avis an das Reichstags­bureau, und schon ist die Platz- oder Bettkarte für Sie reserviert.

Selbst wie Sie die Diäten ausgezahlt wün­schen, ob in bar oder durch Lleberweisung auf Bank- oder Postscheckkonto, können Sie ganz noch freiem Gutdünken bestimmen, auch Sonbcr- wünsche werden hier gern berücksichtigt. Sie brau­chen also keine Angst zu haben, daß Sie sich am LIlttmo an der ReichStagskasse anstellen müssen.

Auch für die sonstigen Rotwendigkeiten des täglichen Lebens ist bestens Vorsorge getroffen: im Erdgeschoß, in der nordwestlichen Ecke, be­findet sich ein Turnsaal mit verschiedenen Turngeräten, insbesondere mit medico-mechani- schen Apparaten für körperliche Hebungen, At­mungsgymnastik (Reden!), elektrische Massage usw. Die unmittelbar anschließende Barbier- stube sorgt für Beseitigung der Bartstoppeln, und last not least im Baderaum erfrischt das Wannenbad und stellt den ganzen Menschen wieder her.

Aber im Wannenbad stutzte ich, denn hier scheint sogar die Allmacht eines M. d. R. zu enden. Kurz und bündig hängt nämlich hier des Bademeisters Llkas:Die bestellten Bäder müssen pünktlich zur verabredeten Zeit abgenommen wer­den. Andernfalls wird zugunsten anderer Be­werber darüber verfügt."

Aus -er pwvinzialhauptstadt.

Gießen, den 4. Ottober 1930.

Sonnige Herbsttage.

Wenn ein Freund in die Fremde geht und wir vor dem Abschied noch kurze Zeit zusammensitzen, dann werden wir diese Stunden oder Minuten später nie vergessen. Jedes Wort wird in uns nach­klingen, jede Miene des Freundes wird sich fest ein­prägen. Es wird bei solchem Abschied meistens wenig gesprochen, Wehmut und Trennungsschmerz verschleiern die Augen, die Stimme. Was sollte man auch noch viel sagen? Ist der Augenblick doch so ernst, fast feierlich, daß man Nebensächlichkeiten, von denen ja die Gespräche oft so erfüllt sind, gor nicht berühren mag.

Merkwürdigerweise schaut der Blick beim Abschied immer mehr in die Vergangenheit, als in die Zu- kunft. Schöne Stunden, lustige Streiche werden noch einmal erwähnt, dunkle, von Trauer und Trübsal überschattete Tage sind vergessen. Man will dem Freunde die letzten Augenblicke so froh und leicht machen, wie es eben geht. Und dann blickt man sich noch einmal in die Augen, drückt sich die Hände, und ist allein.

Kommt der erste Brief aus der neuen Welt, steht mit einem Male wieder die Abschiedsstunde vor unferm Auge. Dieses Bild des Freundes bleibt, bleibt auch in den nächsten Jahren.

Geht es uns bei diesen letzten Sonnentagen des Herbstes nicht gerade so? Empfinden wir nicht auch, daß hier Abschied genommen wird, Abschied für viele Monate, Trennung von Sonnenschein und Wärme? Auch jetzt sind es Tage der Rückschau. Unsere Gedanken fliegen zurück, strahlende Sommer- tage, die ja in diesem Jahre so selten waren, er­stehen aufs neue. Wie gern läßt man sich von der Oktobersonne täuschen, und doch hängen drüben an ber ^erfe schon lange die weißen Marienfäden, dos Abschiedszeichen des Sommers. Eine wehmütige Stimmung legt sich leise auf unser Gemüt.

Aber wie dankbar genießen wir die besonnten Herbsttage! Wir nehmen sie hin wie ein Geschenk das uns überraschend in den Schoß fiel und so dop- pelte Freude verursacht. Wir lassen die Schönheit der Natur noch einmal stark und frisch auf uns wirken. Wohl liegt uns noch der Klang von Sicheln und Sensen in den Ohren, wohl sehen wir noch wie die reife Frucht hinsank unter der Hand der Schnitterin und nur noch kahle Stoppeln von der Schönheit des Getreidefeldes erzählten. Aber schon hat der Herbst auch hier seine weichen Farben auf­getragen. Ueberall sproßt neues Grün, wo nicht der Landmann die Erde umgepflügt hot. Die Natur tat ihr großes Werk, still und ergeben. Nun, nachdem der Segen geborgen, verlöscht sie langsam, und feierliche Stille zieht über das Land.

Am Feldwege aber, am Ackerrain, blühen noch Wegwarte, Rainfarn und Schafgarbe. Die letzten Blüten, sie sammeln wie Hohlspiegel die Sonnen­strahlen ein und geben sie verstärkt zurück. Aber die

schönsten Blumen deuten dos End« an. Wir holen die letzten Rosen im Garten, noch sind es Knospen, im Zimmer erst öffnen sie sich.

Am innigsten feiert unsere Jugend den Sonnen- lag draußen. Der Wind hat sich gelegt, dos Drachen­steigen ist zu Ende. Dafür locken die. Brombeeren am Waldrand, die reifen Haselnüsse wollen gepflückt sein. Gaben uns die Obstbäume in diesem Jahr nur wenig Früchte, die hellen Knabenaugen sehen doch noch hier und da einzelne hängen. Und wie gut schmecken diese gestoppelten Slepfe'l!

Noch vollbrachtem Werk, nach dem Spiel, liegen sie da, die Mädchen und Buben, am Waldessaum, auf dem weichen Moospolster und schauen hinauf noch dem tiefblauen Himmel. Sie fühlen unbewußt, daß es die letzten schönen Tage sind. Aber unbeküm­mert und unbeschwert über Abschied und Sommers Ende genießen sie voll und ganz die Licht burdj- flossenen Stunden.

Drüben im Feld pflügt ein Bauersmann. Er legt in die Furchen den neuen Samen für dos kommende Jahr, voll Hoffnung und Freudigk'.it. Genau so sind unsere Kinder: Sie sinnen und trauern nicht müßig über Vergangenes: sie nehmen die Zeit, wie sie kommt, sie handeln. Das trockene Kartoffelstroh wird zusommengetragen, bald leuchtet ein Feuer auf. Schwer legt sich der weiße Rauch auf die Erde, vermischt sich am Abend mit den aufsteigenden Herbstnebeln, während die Feuerchen langsam ver­glühen. Die Kinder aber ziehen singend leuchtende Laubespracht aus dem Walde in den Händen, nach Hause.

Auch der Landmann macht Feierabend. Sein Tagewerk ist vollbracht. Er senkte die goldene Frucht in die Erde. Und sie wird, trotz Winter­

Seuer in der Marburger Straße.

Heute, Samstagmorgen, brach im Anwesen des Gutspächters Faber (früher Gottmann) in der Marburger Straße 65 Feuer aus. Ein Knecht glaubte gegen VslO Hhr im Stallgebäude ein Zischen bemerkt zu haben. Er ging der Ursache nach und bemerkte Flammen, die sich mit großer Geschwindigkeit ausbreite­ten. Gleich darauf wurde die Feuerwehr alar­miert. Das Vieh, das sich im Stalle befand, wurde in Sicherheit gebracht. Auch einige landwirtschaftliche Geräte konnten geborgen wer­den. Die großen Stroh- und Heuvor­räte auf dem Stallboden wurden sofort vom Feuer erfaßt, das im Ru hell aufloderte und den Dachboden angriff. Es dauerte nicht allzulange, da ragten bereits die brennen­den Balken ins Freie. Die Feuerwehr, die we­nige Minuten nach der Alarmierung an der Brandstelle erschien, ging dem Feuer mit viel Wasser zu Leibe, ohne indessen verhindern zu können, daß der Dach st uhl von den Flam­men völlig vernichtet wurde.

Die Feuerwehr drang auch in das Innere des Gebäudes vor und versuchte, der brennenden Strohmassen Herr zu werden. Der beizende Rauch erschwerte die Arbeit allerdings sehr. Als ein glücklicher Umstand ist es §u bezeichnen, daß das Stallgebäude völlig ge­trennt von den anderen Wirtschafts­gebäuden liegt, eine weitere Gefahr also nicht bestand. Aus diesem Grunde konnte man auch auf eine Alarmierung der Freiwilligen Feuer­wehr verzichten. Da die Strohmassen immer wieder aufflammten, war an die Erhaltung irgend­

Seit gestern erscheint als Winterausgabe der

T aschen-Fahrplan

des Gießener Anzeigers

mit sämtlichen Eisenbahnverbindungen Oberhessens und der benachbarten preußischen Bezirke,sowie mit dem zuständigen Post-und Privat-Kraftwagenverkehr

als kostenlose Sondergabe

stürme und Kälte, einst im Frühjahr grün und frisch aus dem Boden hcrvorsprießen.

Das ist unser Zukunftsglaube, der auch diese be­sonnten Herbsttage vergoldet und uns den Abschied vorn Sommer leicht macht. G. U.

Verlegung der Siadipost in Sicht.

Die Postverwaltung hat, um für die Stadt- Post günstigere RaumverhÄltnisse zu schaffen, die Räume des bisherigen Cafe Ern st Ludwig an der Ecke Reuenbäue und Reuenweg gemietet. Cs müssen dort zunächst gewisse LImbauarbeiten für die Zwecke der Post vorgenommen werden, übet deren zeitlichen Beginn zur Zeit noch nichts bestimmt ist. Das MietverHältnis der Post mit dem Besitzer des gegenwärtigen Stadtpostgebäu­des in der Schulstraße laust noch bis zum 1. Okto­ber 1931. Es wird damit zu rechnen sein, daß voraussichtlich im Spätsommer des nächsten Iah- rcs die Verlegung der Stadtpost nach dem neuen Heim durchgeführt wird.

Krastpostlinien Krofdorf und Wißmar.

Der ab 5. Oktober geltende Winterfahrplon für die Kraftpostlinien steht nunmehr endgültig fest. Gegen den bisherigen Fahrplan treten auf der

Linie GießenKrofdorf folgende Änderungen «in: Richtung G ie ße n Krofdorf: Der Wagen täglich ab Gießen 8.25 Uhr fährt über LaunsdachWißmar und trifft in Krofdorf erst um 9.00 Uhr ein. (Bisher 8.45 Uhr.) Eine Fahrpreiserhöhung tritt dadurch nicht ein. Die Fahrten ab Gießen werktags 12.25, Sonntags 12.35 sind in den täglich fahrenden Wagen 12.30 ab Gie­ßen, 12.50 Uhr an Krofdorf zusammengelegt worden. Richtung Krofdorf-Gießen: Diese Fahrt wird jetzt m 17 Minuten zurückgelegt, so daß die Wagen dieser Richtung jetzt 3 Minuten früher in Gießen eintreffen. Der bisher täglich um 9.00 in Krofdorf abgehende Wagen fährt jetzt 9.05, der um 13.05 bisher, jetzt 12.55 Uhr. Mittags hat man dadurch Anschluß an den auf der Eisenbahnlinie LollarWetzlar um 13.02 auf Haltestelle Krofdorf- Gleiberg nach Wetzlar abgehenden Zug. Werktags morgens kann man auch ab 6.50 Krofdorf mit dem über Wißmar und Launsbach nach Gießen gehenden Wagen, Gießen an 7.25 Uhr fahren, desgleichen Sonntags mittags ab Krofdorf 11.50 über Wißmar und Launsbach, Ankunft Gießen 12.25 Uhr.

Die Linie GießenLaunsbachWißmar hat nunmehr folgende Fahtten: Richtung von Gießen: Werktags Gießen ab 6.20 über Krof­dorf (umsteigen), an Wißmar 7.00, an Launsbach 7.10 Uhr: der Wagen fährt weiter nach Gießen. Täglich ab 8.25 Gießen, an Launsbach 8.41, an Wißmar 8.51: der Wagen fährt weiter nach Krof­dorf. Werktags ab Gießen 12.30, an Launsbach 12.46, an Wißmar 12.56. Täglich ab Gießen 17.35, an Launsbach 17.51, an Wißmar 18.01 Uhr: der Wagen fährt weiter nach Krofdorf. Richtung nach Gießen: Werktags mit dem 6.50 von Krofdorf kommenden Wagen ab Wißmar 7.00, ab Launsbach 7.10, Ankunft Gießen 7.25 Uhr. Täglich 8,-y Launs- bad), 8.51 ab Wißmar mit dem Wagen nach Krof- dsu'f (umsteigen), 9.05 nach Gießen. Sonntags 12.00 ab Wißmar, 12.10 ab Launsbach mit dem von Krof- darf kommenden, daselbst 11.50 abfahrenden Wagen, an Gießen 12.25 Uhr. Werktags 13.00 ab Wißmar, niO ab Launsbach, an Gießen 13.25 Uhr. Täglich ab Launsbach 17.51, ab Wißmar 18.01 mit dein Wagen nach Krofdorf, dort umfteigen, 18.25 Uhr nach Gießen. Für die mit dem Umfteigen über Krof- borf verbundenen Fahrten gilt derselbe Fahrpreis,

?l b,rctkn Fahrten Wißmar, Launsbach nach Gießen.

®er. und Absahrtsort in

Gießen ist jeweils der Bahnhof.

eines Teiles des Gebäudes nicht zu denken. Der Sachschaden ist nicht unbedeutend, zum großen Teil jedoch durch Versicherung gedeckt. Die Feuerwehr befand sich bei Redaktionsschluh noch in boller Tätigkeit.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 170, Kochbutter von 130 an, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Bohnen 15 bis 20, Sinter-Kohl­rabi 6 bis 8, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 31/» bis 4 (der Zentner 2,80 bis 3 Mk.), Falläpfel 8 bis 10, Aepfel 20 bis 35, Dirnen 15 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Preißelbeeren 45 bis 50, ZWetschen 20 bis 25, Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110, Rüsse 40 bis 60 Pf. das Pfund: Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 14, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 10 bis 30, Endivien 10 bis 15, Ober- Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stuck; Radieschen Bd. 10 bis 15 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Ge­sangvereinHeiterkeit": Abendunterhaltung und Ball, 20 Uhr, in der Turnhalle. Artilleristen- Verein: Versammlung, 20.30 Uhr, imHessischen Hof". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Pat und Patachon als Modekönige." Astoria-Lichtfpiele: Die Jagd nach der Million".

Tageskalender für Sonntag. Stadt­theater:Weekend im Paradies", 18 bis 20.15 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Pat und Pata­chon als Modekönige". Astoria-Lichtfpiele:Die Jagd nach der Million".

Das Stadttheater Gießen bringt, wie man uns schreibt, morgen als erste Fremden­vorstellung der diesjährigen Winterspielzeit zum letztenmal den erfolgreichen und heiteren Schwank Weekend im Paradies" von Arnold und Vach. Das Stück wurde im vorigen Winter mit großem Beifall ausgenommen.Weekend im Paradies" behandelt bte Geschichte eines Wochenendhotels. In Berlin hat das Stück mehr als 300, in Wien mehr als 100 Aufführungen erlebt. Die Haupt­rolle des Rcgierungsrates Dittchen spielt Hein­rich Hub, der auch die Spielleitung hat. Die Rolle der Tutti spielt Fräulein Leutholf, die sich mit dieser Rolle erstmalig dem Gießener Publikum vorstellen wird. Die übrigen Mitwir- den sind die Damen: Doering, Iahn, Koch, Jüng­ling, Wielander: die Herren: Bruck, Fassott, Hauer, Linkmann, Vieren, Ritter, Schelcher, Volck, Wahlen, Wesener, Zingel. Die Vorstellung beginnt um 18 Llhr und endet um 20.15 Uhr. 21m Dienstag erstmalige Wiederholung des mit großem Beifall aufgenommenen Schauspiels von Zuckmayer:Schinderhannes". Leitung: der In­tendant.Die Prinzessin und der Eintänzer", Lustspiel in fünf Bildern von Engel und Grün­wald, gelangt am Mittwoch zum erstenmal zur Aufführung. Restroh kommt am Freitag zu Wort mit einer Posse mit Gesang und Musik: Einen Iux will er sich machen". Am kom­menden Sonntag, 12. Oktober, Gastspiel des Deut­schen Künstlertheaters mit Leopold ine Konstantin. Zur Aufführung kommt Maughams Komödie Wasserscheu".

Märchenspiel. Man schreibt uns: Morgen, Sonntag, 16 Uhr wird im Katholi­schen Vereinshaus ein Märchenspiel aufgeführt: DaS tapfere Schneiderlein". Damit alle Kinder

kommen können, kostet der Eintritt nur 20 Pf. Man beachte die gestrige Airzeige.

*

** Der Straßendurchbruch an der D a rn m st r a ß e ist gegenwärtig wieder rege im Gange. Zur Zeit wird das Haus hinter dem früheren Laden des Metzgermeisters Hofmann niedergelegt, anschließend wird dann wohl auch bald mit der Exi­stenz der übrigen in dem Abbruchsbereich stehenden Gebäud: Schluß gemacht werden. Das Straßenbild wird nach der Beseitigung dieses Engpasses zweifel­los stark gewinnen.

** Straßensperrung, mitgeteilt vorn Ober­hessischen Automobil-Club EV. (A.v.D.), Gießen: Die Straße Kirchhain Hersfeld wird ab Chausseehaus bis zur Kreisgrenze MarburgKirch­hain bis auf weiteres gesperrt. Die Umleitung nach Kirchhain erfolgt für den Verkehr aus Richtung Frankfurt über MarburgSchützenpfuhlbrücke KleinseelheimKirchhain und umgekehrt: für den Verkehr aus Richtung Frankenberg und Biedenkopf über ChausseehausBürgelnGinseldorfSauer- bochKleinseelheimKirchhain und umgekehrt.

Die städtische Kunstsammlung im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist mor­gen, Sonntag, von 11 bis 13 Uhr bei freiem Ein­tritt geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Er­wachsener Zutritt. -z-

** D ie Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zu kleinen Preisen geöffnet.

**ZahlreicheSonder?üae verkehrten aus Anlaß des Stahlhelmtages am Rhein in unserem Bahnhof. Bisher wurden 15 Züge abgefertigt. Im Laufe des Heuthen Tages sind noch zwei Transports zu erwarten. Die Züge kamen mit Ausnahme eines Zuges, der über Siegen von Oldenburg kam, durch­weg aus der Richtung Kassel. Der Rücktransport der Stahlhelmer wird bereits morgen, Sonntag, gegen Abend einsetzen und erst während der Nacht vom 7. zum 8. Oktober abgeschlossen werden können.

** AkademischeKurse für Kaufleute und Gewerbetreibende veranstaltet die hiesige Industrie- und Handelskammer in Ge­meinschaft mit der Gießener Hochschulgesellschaft auch in diesem Jahre wieder. Der Arbeitsplan umfaßt einen volkswirtschaftlichen und einen rechtswissenschaftlichen Kursus. Außerdem ist ein Einzelvortrag von U nivers i tsprofess or Dr. Götze überDas deutsche Märchen" vorgesehen. Interessenten seien auf die heutige Anzeige be­sonders hingewiesen.

** Eine Bekanntmachung über die Erhöhung der Beiträge zur Arbeits­losenversicherung befindet sich im An­zeigenteil unserer heutigen Ausgabe. Interessen­ten seien besonders darauf aufmerksam gemacht.

** Gendarm eriepersonalie. Mit Wir­kung ab 1. Oktober wurde der Gendarmeriemeister Peter Steinmann zu Alsfeld zum Gendar­meriekommissar ernannt.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

* Odenhausen, 4. Oft. Am Sonntag, 5. Ok­tober, feiert Herr P. Peter III. von hier sein 25. Iubiläum als Polizeidiener. Der Iubilar steht im 72. Lebensjahr und ist als pflichttreuer Be­amter allgemein bekannt und geachtet. Gegen­wärtig wird für die neuerbauten Häuser an der Bahnhofstraße die Wasserleitung gelegt. Für die Durchführung der Erdarbeiten wurden Arbeitslose herangezogen. Da vor einiger Zeit auch elektrische Lichtleitungen installiert wur­den, sind die Wünsche der Anwohner nun erfüllt.

Kreis Friedberg.

2$ Bad-Rauheim, 4. Oft. Bei Crdar- beiten in der Gabelsberger Sttaße stieß man heute wieder auf einen wertvollen Fund aus der jüngeren Eifenzeit. Man fand wohlerhalten eine größere Schüssel aus schwarzem Ton, Lanzenspihen und Messer. Der Fundort gehört dem bekannten FundgebietAm Sichler" an, wo Professor Helmke (Gießen) schon vor Jahren eine größere keltisch-germanische Sied­lung nachgewiesen hat.

MSR. Vilbel, 2. Oft. Die gestrige stark be­suchte Gemeinderatssihung hatte sich mit der Klärung der Frage zu beschäftigen, was lebens­wichtiger ist, eine Realschule oder die O m - nibusverbindungmit Frankfurt. Bei­des, Realschule und Omnibus, sind nämlich Zu­schußbetriebe, nur kostet die Schule die Stadt etwa 14 000 Mark, während der Omnibusbetrieb sich mit etwa 6000 Mark begnügt. In der Ver- samrnlung prallten die Gegensätze scharf aufein­ander. Die sozialdemokratische Mehrheit des Ge­meinderats geht angesichts der drohenden Er­höhung der kommunalen Aufwendungen ernsthaft mit dem Gedanken um, die Realschule aufzulösen. Die vier Volksschulen müßten vorerst genügen, umsomehr, als unter den rund 100 Schülern der Realschule mehr als ein Drittel Auswärtige feien. Rach längerer Debatte wurde die Frage der Weiterexistenz der Realschule zurückgestellt.

Kreis Schotten.

§ II l r i ch st e i n, 3. Oft. Für den von hier scheidenden Oberamtsrichter Bachmann und seine Familie fand im Saale der Gastwirtschaft Gustav Groh eine gut besuchte Abschieds- feier statt, die vom Zweigverein des Vogels­berger Höhen-Clubs veranstaltet wurde. In An­sprachen von Tierarzt Meiski und Dr. med. Bruchhäuser wurden die Verdienste des Scheidenden eingehend gewürdigt, die dieser sich durch seine rege Mitarbeit um den Zweig-, wig um den Gesamtverein des V. H. C. er gehört als juristischer Beirat dem Gesamtvorstand an erworben hat. Bürgermeister Appel überreichte auf Beschluß des Gemeinderats, der in seiner Mehrheit ebenfalls der Feier beiwohnte, eine künstlerisch ausgeführte Hindenburgbüste als Er­innerungsgabe der Gemeinde, wie auch Tierarzt Meiski eine Gabe des V.H. C. überreicht hatte. In warmen, herzlichen Worten hob er hierbei hervor, wie Oberamtsrichter Bach­mann in den fast elf Jahren seines Hierseins eng mit der Bevölkerung seines Bezirks, vor, allem mit der Ulrichsteins verwachsen sei und ihre Interessen stets nachdrücklich vertreten habe, so daß ihn und seine Familie die besten Wünsche der gesamten Bevölkerung in seinen neuen Wir­kungskreis, nach Gießen, begleiten. Rach altem Herkommen verabschiedete sich der Scheidende noch besonders von den Standesbeamten und Orts- gerichtsvorstehern des Gerichtsbezirks LIlrichstein, wobei ebenfalls in schöner Weise zum Ausdruck kam, wie sehr er sich in seiner langen Ulrich­steiner Amtszeit die Wertschätzung und das Der- trauen der Bevölkerung zu erringen gewußt hat«

Sprechstunden der Stedattion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.