Ausgabe 
4.10.1930
 
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Aus aller Welt.

Schweres Eisenbahnunglück in Paris.

In der Nähe des Bahnhofs St. Lazare fuhr der nach Nantes ausfahrende vollbesetzte Personenzug auf einen aus noch nicht geklärter Ursache auf demselben Gleis haltenden Zug auf. Die Maschine und die beiden ersten Wagen des rammenden Zuges wurden stark beschädigt. Die Reisenden stürzten sich in ihrer Erregung, teils um sich über die Ursache des Zusammenstotzes zu unterrichten, teils um sich in Sicherheit zu bringen, trotz der Warnrufe des Zugpersonals auf das Geleih, In diesem Augenblick fuhr einelektrischerZug, der auf dem Bahn­hof St. Lazare laden wollte, ein. Die auf dem Ge­leis versammelten Reisenden wurden von ihm erfaßt. Hierbei sind 5 Personen getötet und 30 verletzt worden.

Ein Passagier aus dem Flugzeug gesprungen.

Nach der Landung des Flugzeuges der Strecke HamburgHannover auf dem Flughafen Hannover berichtete der Passagier Raedle, daß gegen 12.10 Uhr ein zweiter Passagier Pipler in offenbar selbstmörderischer Absicht aus dem Flugzeug gesprungen sei. Beide Passa­giere hatten nebeneinander gesehen, und Raedle habe interessiert aus dem Fenster die Landschaft betrachtet, bis er einen scharfen Luftzug verspürt habe. In diesem Augenblick habe er gesehen, wie sich Pipler hinaus­stürzte, ohne daß er ihn daran hindern konnte. Die völlig zerschmetterte Leiche ift in der Rahe von Svttorf im Kre se Harbur aufgefunden worden. Rach den zurückgelassenen Papieren des

Toten handelt eS sich um einen Chauffeur aus Schlesien, der seinen Wohnsitz in Hamburg hatte, und seit einigen Wochen stellungslos war. Cc hatte im Mai 1929 seine Frau durch ein Straßenbahnunglück verloren. Er gab darauf seine kleine Tochter an Verwandte und wan­derte nach Kanada aus, von wo er Pfingsten d. I. zurückkehrte. Obgleich er in Ham­burg zeitweise Arbeit fand, war er verzweifelt, da es ihm nicht gelang, festen Fuß zu fassen.

Geheimnisvolle vombenexplosion in einem Postwagen.

Als am Hauptpostamt in London, in dem dos Sortieren der Postsache.n vorgenommen wird, aus Irland kommende Briefsäcke und Pa­kete von einem Postwagen abgeladen wurden, er­folgte plötzlich eine Explosion, durch die der Wagen zerstört wurde. Zwei Postbeamte wurden verletzt. Die Beamten der Londoner Geheimpolizei sind der Ansicht, daß die Explosion in dem Post- auto durch eine mit Pulver gefüllte eiserne Bombe herbeiaeführt worden sei. Die Sendung stammte aus Belfast in Irland. Der Be­zirk, für den das Paket bestimmt war, ist sehr groß und umschließt das Regierungsoiertel und auch den Buckingham-Palast.

Furtwängler dirigiert nicht in Prag.

Wilhelm Furtwängler hat auf Grund der bekannten Zwischenfälle und Kundgebungen gegen die deutsche Kultur seine Zusage zum Konzert mit dem Berliner Philharmonischen Or­chester, das am 9. Oktober in Prag stattfinden sollte, zurückgezogen.

Es sei jedoch notwendig, daß außerhalb der wechselnden Parteien wie ein Fels im Sturm eine starke nationale unabhängige Macht ftcfj«. Dies sei und bleibe das Ziel und die AuUabe des Stahlhelms.

Auf einem Presfeempfang erklärte Veldte ferner: Der Ausgang des Krieges ist durch em innerpolitisches Ereignis ohne unseren Willen und ohne daß die Frontsoldaten hätten emgreifen können, entscheidend beeinflußt worden. Wir haben in den ersten Jahren versucht, neben der Abwehr des bolschewistischen Chaos uns auf den Kampf für unsere außenpolitischen Ziele zu be­schränken: doch haben wir erkannt, daß die Vor­aussetzungen für die erfolgreiche Durchfüh­rung dieses Kampfes zunächst einmal au f dem Gebiet der Innenpolitik geschaffen werden müssen. Der heutige Zustand partei­politischer Zerrissenheit und Verbissenheit legt die Kräfte des deutschen Volkes, die im gemeinsamen Kampf nach außen gerichtet sem sollten, nach innen. Dieser Zustand ist dringend der Ab- änderung bedürftig. So, wie bisher, parlamentiert und gewurstelt worden ist, geht es nicht mehr weiter, wenn Deutschland wieder frei und un­abhängig werden soll. Es kommt darauf an, daß nunmehr einmal wirklich und auch national regiert wird. Wir sind aus hei­ligster in persönlichem Erleben erworbener Ueber- zeugung fanatische Vertreter des Staatsgedankens, aber wir wolleß, daß der Staat auch wirklich Staat ist und nicht, wie erst kürzlich ein demokratischer Minister sagte, ein Haufe von Interessentenvertreter. Für Deutschland wollen wir die innere und äußere Befreiung.

Kleine politische Nachrichten.

Die Parlament.Ichen Arbeiten in Hessen setzen wieder ein. Der Finanzausschuß wird für den 14. Oktober zu einer wahrscheinlich ein­wöchigen Tagung zusammenberufen. Auch der Gesehgebungsausschuß wird gegen Ende Oktober zu einer zweitägigen Tagung zusammentreten.

Der Herr Reichspräsident hat dem bisherigen deutschen Botschafter in London, Dr. S t h a m e r, anläßlich seines Aebertritts in den Ruhestand ein Schreiben zugehcn lassen, in dem es u. a. heißt: In schwerer Zeit haben Sie den Londoner Posten angetreten und dort auf meinen be­sonderen Wunsch fast elf Iahre aus­gehalten. Auf die erzielten Erfolge können Sie mit Stolz und Befriedigung zurückblicken. Ich hoffe, daß es Ihnen nach dieser aufreibenden Zeit jetzt vergönnt sein wird, im Kreis« der Ihren viele schöne Iahre in Ihrer Vaterstadt Hamburg zu verleben.

Der Preußische Staatsrat nahm einen Antrag der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft an, worin das Staatsministerium ersucht wird, die Ver­handlungen mit dem tschechischen Schuhkönig Bata einzustellen und das in Frage stehende Gelände dem Staatsbesitz zu erhalten. Ein Ver­treter des Staatsministeriums erklärte, daß die Staatsregierung entschlossen sei, den Vertrag mit Bata abzuschliehen, da ausländische Arbeiter überhaupt nicht und Angestellte nur im ersten Iahr in sehr beschränkter Anzahl hereingelassen werden dürfen.

Finanzplan und Parlament

Dolle Bewegungsfreiheit.

Wird eine baldige Vertagung des Reichstags möglich?

Berlin, 3. Okt. (TU. Funkspruch.) In Regie- rungskreisen wird die Entschließung der sozialdemo­kratischen Reichstagsfraktion verhältnismäßig gün- ft i g beurteilt. Man glaubt, zu der Annahme be­rechtigt zu (ein, daß die Mehrheit der sozialdemo­kratischen Reichstagsfraktion entschlossen sei, den gegen die Notverordnungen geführten Auf­hebungsanträgen, die alsbald im Parla­ment eingebracht werden dürften, ihre Z u st i m - mung zu versagen. Weitergehende politische Rückschlüsse gestattet die sozialdemokratische Ent­schließung jedoch auch nach Auffassung führender politischer Kreise des Regierungslagers nicht. Die Entschließung ist offenbar dazu bestimmt, der So­zialdemokratie ihre volle taktische Be­wegungsfreiheit im Reichstag gegenüber der Haltung des rechten Flügels der Regierungspar­teien und der Rechtsopposition zu wahren. Man sieht deshalb in dem Reichskanzler nahestehenden Kreisen den weiteren Aeußerungcn sowohl des Landvolkes wie der Wirtschaftspartei mit Interesse entgegen.

Bon unterrichteter Seite erfährt das WTB. über die Stimmung, die in der sozialdemokratischen Sitzung zum Ausdruck kam, daß man nicht daran denkt gleich nach Zusammentritt des Reichstages an einen Sturz der Regierung mitzuwirken. Man geht dabei offenbar von dem Gedanken aus, daß angesichts der augenblicklichen Unmöglichkeit, eine parlamentarische Mehrheit für irgendeine andere Regierung herbeizuführen, niemand weiß, was auf eine Regierung Brün in g fol­gen würde. Die Sozialdemokratie würde also zwar die Aufhebung gewisser Bestim­mungen der Notverordnung fordern, habe sich aber auch bereits Verhandlungsbrücken gebaut, so wird denn die Entschließung im ganzen dahin interpretiert, daß sich die Möglichkeit zu einer T o - lerierung des Kabinetts durch die Sozial­demokratie wenigstens für die erste Zeit biete.

Die Frage wird nun sein, ob die Sozialdemo- tratic auch damit einverstanden ist, daß der Reichstag sehr schnell wieder ver­tagt wird. Die ersten Sitzungen des neuge­wählten Parlaments werden mit geschäftsord­nungsmäßigen Dingen genügend angefüllt sein. Der Reichstag wird dann vor allem die Er­mächtigung für den lleberbrückungskre- d i t und das sicher zu erwartende Mißtrau­ensvotum zu erledigen haben. Wenn es dann noch gelingt, eine Einigung über die Rotverordnung herbeizuführen, so würde gegen Ende der ersten Parlamentswoche die Frage der Vertagung akut werden. In un­

terrichteten Kreisen nimmt man an, daß auch hierüber in den Unterhaltungen des Kanzlers mit den Fraktionsführern bereits gespro­chen worden ist. Es wird darauf ankommen, ob die Sozialdemokraten oder wenigstens der größte Teil ihrer Fraktion für die Vertagung zu gewinnen sind. Dabei ist nicht zu übersäen, daß die Führung in der sozialdemokratischen Fraktion sich heute zwar stark durchgesetzt hat, daß die Entschließung aber offenbar nicht ein­stimmig angenommen worden ist und auch nichts über das Stimmverhältnis mitgeteilt wird. Es läßt sich also im Augenblick noch nicht fest­stellen, wie stark die Minderheit in der Frak­tion ist.

Oie Meinung der preffe.

Berlin, 4. Okt. (Tel.-Un.) Di« Entschließung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wird von den Berliner Blättern verschieden beurteilt. Die Germania" ist der Auffassung, daß die Ent­schließung, die an sich schon schweren parlamenta­rische Verhältnisse wenigstens nicht schwieriger gemacht hab« und bi« Hoffnung zulasse, einen glatten Weg zu finden. DerB ö r s e n - C o u r i e r" (dem.) sagt, die Entschließung bemüh« sich, Mög­lichkeiten positiver Mitarbeit wenigstens nicht kurz­weg auszuschließen. Gleichwohl seien auch noch jetzt die Zugeständnisse an den Klassen- k a m p f g e i st so groß, daß man kaum eine Brücke zu der Erkenntnis der Staatsnotwendigkeiten sehe. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" (oolksp.) bezeichnet es als interessant, baß bie Ent­schließung kein« ernsthaften Einwendun­gen gegen das Regierungsprogramm vorbringe. Was die Sozialdemokratie aber oorlege, sei eine Halbheit, die sich aus der gesamt­politischen Lage erkläre. DieBörsenzei­tung" (kons.) stellt fest, daß sich die von den So- zialdemokraten aufgestellten Forderungen mit der Gesamttendenz des Regierungsprogramms nicht vereinbaren liehen. DieDeutsche Tages­zeitung" (Landvolk) sieht in der Entschließung eine entschiedene Absage an bie Regierung Brüning und eine Drohung mit ber pro- letarischen F a u st. Das Blatt würde es unter tiefen Umständen nicht verstehen, wenn sich der Kanzler mit solchen Partnern in weitere Verhand­lungen einließe. DieVofsische Zeitung" (dem.) spricht von Sünden der Sozialdemokraten, die zwar durch di« Entschließung nicht wieder gut gemacht würden, es bestehe aber die Hoffnung, baß in der nächsten Zukunft Fehler vermieden werden. Der Wortlaut lasse keinen anderen Schluß zu, als den, das Kabinett Brüning gewähren zu lassen, wenn es sich innerhalb der Grenzen der Verfassung bewege und bas Recht des Parlamentes respektiere.

Das Präsidium des Zentralkomitees der H. d. S. S. R. hat Leo C h i n t s ch u k zum Bot­schafter der Sowjetunion in Berlin er­nannt. Chintschuk entstammt einer bürgerlichen Familie. Vor dem Kriege war er fünf Iahre lang in Iakutsk verbannt. 1917 wurde er Vor­sitzender des Moskauer Arbeiter- und Soldaten­rates. 1919 trat er in die Kommunistische Partei ein und bekleidete mehrere bedeutende wirtschaft­liche Aemter.

Der Schweizerische Rationalrat be­schloß, dem Volk eine Revision des Artikels 12 der Bundesverfassung zur Abstimmung vor­zulegen. Danach wird den Mitgliedern der Eid­genössischen Regierung, des Parlaments, kanto­naler Parlamente und Regierungen die An­nahme von ausländischen Orden, Aus - zeichnungen, Pensionen und Geschenken oder das Tragen von Auszeichnungen verboten, falls sie ihre öffentlichen Aemter behalten wollen.

Der König und die Königin von Italien haben ihre Zustimmung zu der Verlobung ihrer Tochter, der Prinzessin G i o v a n n a, mit König Boris von Bulgarien erteilt.

Vie Wetterlage.

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Wette wo rausjage.

Durch bie neue Islanbstörung, beren Bereich sich schon über bie britischen Inseln unb ben Kontinent erstreckt, wirb ber Hohe Druck abgeschwächt, unb fein Einfluß geht bem Ende zu. Die Winde drehen nach Süden und bringen Warmluft über Deutschland. Da­durch werden sich sowohl bie Temperaturgegensätze ausgleichen, als auch allgemeine Erwärmung ein- setzen. Gleichzeitig nimmt bie Bewölkung zu, und Nieberschläge sinb zu erwarten.

Aussichten für Sonntag: Nebliges und wolkiges Wetter, roärmer Ausgleich der Tempera­turen zwischen Tag und Nacht, zeitweise Regen.

AussichtenfürMontag: Mildes und meist wolkiges Wetter mit Neigung zu einzelnen Nieder- schlügen.

König Georg von England

sagte, als er noch Prinz von Wales war, anläßlich eines von einer Kommission abgegebenen Gutachtens folgendes aus:

Da sich bei dieser Untersuchung herausgestellt hat, daß sogar die weltberühmtesten Handelshäuser das Inserieren unmöglich, auch nicht für kurze Zeit, entbehren können, ohne daß ihr Absatz zurückgeht, ist es auch klar, daß es für unsere Industrie notwendig st, für sie als Ganzes regelmäßig Reklamezu machen!

Erfahrene Hausfrauen braten mit der ausgiebigen Rama!

Warum? Weil der Braten mit Rama ohne großen Aufwand köstlich gerät Gleich beim Anbraten merken Sie, wie ergiebig Rama ist und wie wunderschön sie bräunt Und dannsie spritzt gar nicht infolge Ihres außerordentlichen Fett­reichtums. Mischen Sie Rama Margarine keine anderen Fette bell Lassen Sie ihr das reine, frische Aroma, das den Braten so besonders wohlschmeckend und lecker macht so daß er Ihrer Kochkunst zur Ehre gereicht

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