Länder und Gemeinden nicht ermöglichen läßt, ist bejonoers veshaib |a)merdlicy, weil hiervon eine Ve- vöikerungsjcyicyt hort beiroffen wird, die als -träger eines |orgfaltig jur seine bejonbereii Ausgaben vor- geblldeien und zum Dienst am Voltsganzen erzogenen Lerussbeamtenlums auch in kriechen Jahren die stärkste und zuverlässigste Stutze des Staates nxir und sich auch noch in der Heil eines systematischen Bernicylungstampfes gegen den Gedanken des Eigentums das Gefuht für den Werl der bürgerlichen L>ekbstandigkeit für Staat und Wirtschaft erhallen Halle. Es wird vielfach eingewandl, datz durch diese zeilweije Senkung der Beamtengehaller die Kaufkraft einer wichtigen Konsumentenscylchl erheblich beschränkt wird, das ist gewiß nicht unrichtig, aber es ist doch andererseits zu bedenken, daß bei einem Verzicht auf diefe Streichung an den Perfonal- ausguben der öffentlichen Haushalte das verbleibende Defizit durch >2teuerhohungen hätte gedeckt werden 'nü||en, die natürlich gleichfalls sich m einem Konsumruckgang ausgewirtt hätten, daneben aber die Absicht des Sanierungsprogramms, Ankurbelung der Wirt|chaft zur Behebung der Arbeitslosigkeit, zunichte gemacht hätten. Man vergesse doch auch nicht, daß ja nicht allein den Beamten schwere Opfer zu- gemutet werden. Auch die Wirtschaft, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber, werden durch die außerhalb des Sanierungsprogramms auf Grund der Notverordnung verfügte erneute Beitragserhöhung zur Arbeitslosenversicherung wiederum schwer belastet. Das war notwendig, um den Reichshaushalt von dem Faktor ständiger Unsicherheit zu befreien und auf stabile Grundlagen zu stellen. Zwingend wird nun aber auch eine Reform der Arbeitslosenversicherung, die sich nicht darauf beschränkt, kleine Schönheitsfehler zu beseitigen, sondern wirklich durchgreift.
Der Finanzplan des Reichskabinetts erhält feine besondere Bedeutung dadurch, daß er sich a u f b r e i Jahre, in einzelnen Teilen sogar auf fünf Jahre, erstreckt, was, wie oben schon gesagt, burch die Einrichtung des Schuldentilgungsfonds notwendig wurde. Aber in dieser Zeit sollen nach dem Willen der Regierung keine Ausgaben über d i e Ltatsansätze des Finanzplans hinaus pewilligt werden und etwaige Ueberschüsse aus aesseren Steuereingängen zu Steuersenkun- ß e n benutzt werden. Auch wir halten diese ge, jetzliche Bindung der Ausgaben und der Verwendung der Ueberschüsse zu Steuersenkungen über einen längeren Zeitraum als das laufende Ttatsjahr für dringend notwendig, wenn die Wirtschaft sich erholen und kräftigen soll. Es ist auch er- 'orderlich, für die öffentliche Finanzwirtschaft einen festen Rahmen zu schaffen, in dem die große Re- wrmarbeit, die doch erst mit diesem Sanierungsplan beginnt, mit Erfolg durchgeführt werden kann,
Wir haben ts schon mehrfach beklagt, daß der Reichskanzler, obwohl ein Mann des in Fragen der Taktik so überaus geschickten Zentrums, über der Vertiefung in die sachliche Arbeit, für die er ein außergewöhnliches Maß von Fachkenntnis mitbringt, die psychologische Seite der ihm gestellten Äusgabe allzu leicht vergißt. Es muß doch auch ihm begreiflich sein, daß die schweren Opfer, die er mit der Durchführung seines Finanzpro- gramms erneut vom deutschen Volke verlangt, eher hingenommen und williger getragen werden, wenn er ihm das große Ziel zeigt, auf das er hinsteuert. Die Kritik, die fein Programm gefunden hat, wird ihm ja schon zu verstehen gegeben haben, daß mit Sachlichkeit allein, mit dem Appell an den Verstand und an den Geldbeutel nicht ein Feldzug geführt werden kann. Das Volk will sehen, warum es zahlen und entbehren soll, es will wissen, was auf dem Spiel stehl und was gewonnen werden soll. Warum denn kaum ein Hinweis auf die als Folge der Ausgabensenkungen und Gehaltskürzungen zu erwartende und nachdrücklich anzustrebende Preis- senkung? Hat man die Bemühungen um eine Lockerung der Kartellbindungen bereits aufgegeben? Sollte etwa die Reichsbahn, -bie ihre hohen Tarife bislang mit den hohen Personalausgaben begründete, nach der auch für sie geltenden Gehaltskürzung, nicht einen Abbau der Tarife vornehmen können, deren Höhe eine Senkung der Preise nicht unwesentlich hemmt? Warum kaum ein Wort über die Derwaltungs- und Reichsreform? Das Werk der Reichsregierung muß ein Torso bleiben, wenn sie sich nicht endlich mit Energie an diese Probleme heranwagt. Durch Vereinfachung der Verwaltung, die in den drei Jahren der Erholungspause eingefädelt werden muß, können erhebliche und dauernde Ersparnisie gemacht werden. Die Neugliederung des Reiches aber muß endlich klare politische Derhältnisie schaffen, die ein Nebeneinander- und vielfach sogar Gegeneinanderregieren der verschiedenen Instanzen in Reich und Ländern in Zukunft unmöglich machen und eine starke, einheitliche politische Führung gewährleisten. Warum schließlich kein Wort über das letzte Ziel aller innerpolitischen Reformarbeit, bie Re vision unserer Tri^- b u 11 a ft e n? Warum sagt man dem Volke nicht, daß die Opfer verlangt werden müssen, um uns die finanzielle Rüstung zu schaffen, die uns allein in» standletzt, bie Revision des Poungplanes und eine Herabsetzung der im Haag übernommenen Tribut» Verpflichtungen mit einiger Aussicht auf Erfolg zu fordern? Jeder Deutsche wird finanzielle Opfer bringen, wenn er weiß, daß sie nicht nutzlos sind, daß sie nicht, wie bisher in dem bodenlosen Faß verschwinden, sondern der Regierung die Waffe schmieden sollen, mit der sie die Revision durchsetzen will. Aber wir können nicht wieder unsere Forderung auf Revision anmelden, auf die Gefahr hin, daß unsere Staatsfinanzen durch ein paar Pariser Börsenmanöver an den Rand der Katastrophe gebracht werden. Herrn Hilferdings Nieder- läge im Haag sollte uns doch Lehre genug fein, erst einmal im eignen Hause nach unseren Kräften Ord- nung zu schaffen, »bevor wir hoffen können, unsere Ansprüche auf Revision durchzusetzen. Auf diesen Ent- scheidungskampf mit unseren Tributgläubigern uns oorzubereiten, istdasZiel unserer Anstrengungen Das Volk erwartet von feiner Führung, daß ihm dieses Ziel auch gezeigt werde, um dessenwillen es sich lohnt, die Opfer auf sich zu nehmen, die der Sanierungsplan der Reichsregierung von -ihm fordert.
Die Beamtenbesoldung.
Eine Entschließung des Gießener Ortskartells desTeutschenBeamtenbundes
Der Deutsche Beamtenbund, Ortskartell Gießen, bittet um Veröffentlichung nachstehender Stellung-' nähme zur Gehaltskürzung: „Der Geschäfts- führende Vorstand muß aus dem jetzt bekanntgewordenen Wirtschafts- und Finanzplan der Reichs- regierung entnehmen, daß wiederum die Beamtenschaft in besonders starkem Maße bei der Sanierung der Finanzen von Reick, Ländern und Gemeinden herangezogen werden soll. Die Gesamtauswirkung aller Maßnahmen ist ohne gründliche
Prüfung und ohne Kenntnis der Einzelvorlagen noch nicht völlig zu übersehen: es muß aber schon jetzt mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß die neuerdings beabsichtigte Belastung für die wirtschaftlich ohnehin geschwächte Beamtenschaft eine weitere empfindliche Erschwerung ihrer Lage bedeutet und für weite Schichten der Beamten ^unerträglich wird. Zudem enthält der Plan keinerlei Vorschläge, durch die die von der Reichsregierung selbst programmatisch verkündete und von allen Sei
ten für notwendig und möglich gehal tene Preissenkung gesichert wird. Der Vorstand wird alle geeignet erscheinenden Maßnahmen ergreifen, um die der Beamtenschaft drohende Belastung und die gegen die Länder-, Gemeinde- und Körperschaftsbeamten geplanten Sondergesetze abzuwehren. Er erwartet dabei die tatkräftige Unter» stutzung der gesamten Beamtenschaft.
gez.: Althaus. Neumann Weith."
Oie Beisetzung des Prinzen Leopold von Bayern.
Oer Reichspräsident bei der Trauer feier.
Ff
1
erzbischof von München-Freising, Dr. v.
Faul-
Trauergäste wurden dem Reichspräsiden, t e n von der Menge stürmische Huldigun» gen dargebracht.
Kardinal-Erzbischof Dr. von Faulhaber segnet den Sarg vor der St. Michaels-Hofkirche.
wo bereits vorher Reichspräsident von Hindenburg in Begleitung des bayerischen Mi- nifterpräfibenten Dr. Held, des Landtagspräsidenten Stang und Angehörigen des Hauses Wittelsbach Platz genommen hatte. Der Bayerische Landtag und der Münchener Stadtrat mit Oberbürgermeister Scharnagl an der Spitze waren zahlreich vertreten. Der Sarg wurde auf den geschmückten Katafalk gehoben, während die Abordnungen der Inhaber-Regimenter zu beiden Seiten des Katafalks mit gezogenem Säbel Aufstellung nahmen. Dompfarrer Fischer würdigte das Leben und Wirken des Verstorbenen. Nach Beendigung der geistlichen Feier, die von Kardinal von Faulhaber zelebriert wurde, wurde der Sarg in die Gruft gebracht. Drei Ehrensalven der Infanterie und der Artillerie ertönten, die Fahnen der Inhaber-Regimenter senkten sich über der Gruft. Das Lied vom Guten Kameraden grüßte den Feldherrn, dessen fieben ganz der Armee gehört hatte. — Bei der Abfahrt der
des früheren Kaisers, ferner die Generalität der deutschen und österreichischen Armee mit den Generalen von Below und Graf Bothmer. Die Reichswehr war vertreten durch den Chef der Heeresleitung, Generaloberst Heye, und den Landeskomandanten von Bayern. Dem Zuge folgten bann zahlreiche militärische Vereine und die Abordnungen der Regimenter, bereit Inhaber der Verstorbene war.
Gegen 10.30 Uhr langte die Spitze des Trauerzuges anderst. Michaels- Hof k i r ch e an. Am großen Portal wurde die sterbliche Hülle vom Kardinal-
München. 3. Oft. (TU.) Unter Anteilnahme fast der gesamten Bevölkerung Münchens erfolgte heute vormittag die feierliche Bei- s e tz u n g des verstorbenen Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Schwarze Fahnen wehten, ferner sah man zahlreiche weiß» blaue und schwarz-weiß-rote Fahnen auf Halbmast. Ueberall in den Straßen standen ungeheure Menschenmengen. Um 9 Uhr begann in der Leopvldstraße vor dem Trauerhaus, dem Palais des Prinzen Leopold, die militärische Trauerparade. Dann setzte sich langsam der Trauerzug in Bewegung. In den Lüften kreiste ein Flugzeug, das mit schwarzen Fahnen verhängt war. Der Zug selbst bot ein in München schon lange nicht mehr erlebtes militärisches Schauspiel. Berittene Reichswehr eröffnete die lange Reihe des Trauergefolges. Dann rollten Artilleriewagen vorüber. Das Musikkorps lieh den Trauermarsch erschallen.
Im Parademarsch mit aufgepflanzten Seitengewehren marschierten die Reichswehrtruppen vorüber. Hierauf folgten die Geistlichkeit. Dann wurde das Kissen mit den Orden des Verstorbenen getragen. Auf einer Lafette stand der Sarg, in den bayerischen Farben ausgeschlagen, mit Helm und Degen des Heerführers. Im Trauergefolge sah man die nächsten An- verwandten des Prinzen, Kronzrinz Rupprecht von Bayern, die Prinzen Konrad und Albrecht, die Erzherzöge Josef August, Josef Franz, Franz Salvator, Hubert und Theodor, den Prinzen Adalbert von Preußen als Vertreter
Haber, eingeholt. Sechs Offiziere der Reichswehr trugen den Sarg an das Ehrenspalier der Reichswehr und den Fahnen der alten Armee zum Chor,
Dem Andenken Gtrefemanns.
Enthüllung des Grabsteins in Berlin.
Berlin, 3.Okt. (WTB.) Aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages Dr. Strefemanns fand auf dem alten fiouisenstädtifchen Friedhof zu Berlin eine Feier zur E n t h ü l l u n g des von Prof Hugo Lederer entworfenen Denkmals statt. Aus mächtigen grauen Quadern gefügt, umrahmt eine schlichte, entfernt an bie Form eines griechischen Architraos gemahnenbe hohe Wanb bie geräumige
Minister Wirth spricht am Sarkophag.
großen Gustav ©trefemann entgegen. Das ist das Zeichen des großen Staatsmannes des deutschen Volkes gewesen, daß er in der kurzen Spanne, die ihm der Herrgott zu wirken gab, folgerecht gehandelt hat, folgerecht aus dem Wunsche eines stürmischen Herzens heraus unter den Bedingungen, die uns in diesen Zeitläuften das Geschick gegeben hat. Und so hat
Die Trauergemeinde vor dem Grabmal.
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Grabstätte, in bereu Mitte ein Sarkophag aus gleichem Material ruht. Nur ein Wort: „Strese- mann" in einfachen vergolbeten Buchstaben hebt sich von bem Denkmal ab, bas schone alte Bäume überragen.
Die Feier, bie vom Chorgesang bes Akabemischen Sangerchors unter Leitung von Kittel umrahmt war, unb bei beren Beginn um bie zwölfte Stunbe bie alte Fnebhofsglocke läutete, in beren Klang bie flocken aller umliegenben Kirchen mit ihrem Geläut einfielen, vereinten um das Grab bie Familie de? Verstorbenen, bie Spitzen der Reichs- und fianberdehorben unb eine Anzahl gelabener Gäste Reichsminister Dr. Wirth hielt eine Rebe, in der u. a. folgendes sagte:
Aus Professor Hugo Lederers Hand nehmen wir mit Dank und Anerkennung das Grabmal des
er auf der Höhe des Ruhrabwehrkampfes jenen Weg gefunden, um auS den Wirren jener Tage das deutsche Volk herauszuführen. So hat er konsequent die Politik der Verständigung, die Politik der Versöhnung mit allen unseren ehemaligen Kriegsgegnern fortgeführt, bis zu dem Tage, der chm nicht vergönnt war, wo die Friedensglocken am deutschen Rhein die Freiheit verendeten. Diese Folgerichtigkeit ist es, die wir unserem deutschen Volk als Erbe unseres großen ©trefemann in dieser Feierstunde wünschen möchten. Der Herr Reichs- Präsident, der Reichskanzler und die Reichsregierung sowie die Sttfter dieses Denkmals widmen in dieser Feierstunde dem Andenken des großen Toten den verdienten Lorbeer.
Eine Trauerfeier des Völkerbundes.
Ehrende Worte des Präsidenten Tituleseu.
Genf, 3. Oft. (WTB.) Der Präsident der Dölkerbundsversammlung Titulescu unterbrach heute mittag die Beratungen, um ©trefemann folgende Worte des Gedenkens zu widmen: Es ist heute ein Jahr vergangen, seit Dr. ©trese- mann Deutschland und dem Völkerbund durch den Tod entrissen wurde, ©trefemann besaß eine seltene Gabe, er war Mensch. In allen öffentlichen und privaten Erörterungen hat er. ohne jemals die Interessen seines Landes außer Acht zu lassen, die Fähigkeit besessen, die Auffassung der anderen zu verstehen. Man konnte mit ihm nicht nur verhandeln, man konnte mit ih m sprechen. Deshalb hatten wir für ihn mehr als Bewunderung, mehr als Achtung, nämlich Liebe. Ja, wir haben ihn geliebt. Daß er nicht mehr unter uns weilt, darin liegt der tiefe Schmerz, den wir alle empfinden. Je mehr die Zeit vergeht, um so mehr wird die Rachwelt das Urteil seiner Zeitgenossen bestätigen: Er war em großer Deutscher, ein großer Bürger derWelt.
Entsprechend der Aufforderung des-L)räsiden- ten, „öen ehrlichen Diener Deutschlands und des Völkerbundes durch einen Augenblick der Sammlung zu ehren", erhoben sich die Delegierten von ihren Plätzen. Im Olamen der deutschen Delegation sprach Graf Bernstorff dem Präsidenten und der Versammlung Dank aus. Wir alle, so fügte der Graf hinzu, können sein Andenken am besten ehren, wenn wir seine Arbeit im gleichen Geiste der internationalen Verständigung fortsetzen, die feinen Flamen unsterblich gemacht hat.
In der deutsch-lutherischen Kirche fand ein Gedenkgottesdienst statt. Der Pfarrer der deutschen Gemeinde Pastor Fiedler würdigte die Verdienste ©trefemann^ um seine Ration und um die Gemeinschaft der Völker. Außer den noch hier weilenden Mitgliedern der deutschen Delegatton, sowie zahlreichen Vertretern der Genfer deutschen Kolonie waren u. a. der Präsident der Völkerbunds Vers ammlung Titulescu, der Generalsekretär des Völkerbundes Sir Eric D r u m * mvnd, Untergeneralsekretär ©ugimura, im Auftrage der französischen Delegatton der französische Generalkoni ul, die Mitglieder der österreichischen und der ungarischen Delegatton, sowie die Berliner Gesandten von Chile, Kuba und Litauen erschienen.
Das Urteil im Leipziger Hochverratsprozeß.
Die angeklagten Offiziere zu 1% Jahren Festung und Dienstentlassung verurteilt.
c e i p z i g, 4. vkt. (ÖIB. Zunksprnch.) 3m Hochverratsprozeß gegen die Ulmer Reichswehroffiziere verkündete der Vorsitzende, Reichsgerichtsrat Dr. Baumgarten, folgendes Urteil: Die Angeklagten werden wegen gemeinschaftlicher Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens nach § 86 Strafgesetzbuches je zu einer Festungshaft von 1 3ahr und 6 Monaten kostenpflichtig verurteilt. Auf die erkannte Strafe werden je 6 Monate 3 Wochen der Untersuchungshaft angerechnet. Scheringer wird von der in der Hauptoer- Handlung erhobenen Anklage, durch Veröffentlichung eines Zeitungsartikels ein vergehen gegen § 92 des rMlitöcstrafgefehbuches begangen zu haben, fteige- fprochen. Gegen Scheringer und Lubin wird auf Dienstentlassung erkannt.
Das Uniformverbot in München.
Protest der Nationalsozialisten.
Münche n, 3. Oft. (TTl.) Wegen der Aufrechterhaltung des Tlnisormverbots anläßlich der Beisetzung des Prinzen Leopold von Bayern ist es nicht nur zu einem Konflikt zwischen Stahlhelm und Polizeidirektion gekommen. Die Leitung der RSDAP. erlaßt im „Völkischen Beobachter" folgende Erklärung:
„Ein kleiner Polizeibeamter hat sich angemaßt, zu verbieten, daß Kämpfer des Weltkrieges ihrem alten Generalfeldmarschall, dem Prinzen Leopold, das Ehrengeleite in der Kleidung geben, in der sie den Kampf um ein neues ehrenhaftes Deutschland führen. Die Rationalsozialisttsche Deutsche Arbeiterpartei hat sich in diesem Falle mit dem Stahlhelm solidarisch erklärt. Dank der neuerlichen Brüskierung des nationalen Münchens ist die größte nationale Partei Deutschlands im Trauergefolge einer der ehrwürdigsten Gestalten größter deutscher Qtergangeritjeit nicht vertreten.“
In einem Schreiben an den Oberbürgermeister Scharnagel hat die nationalsozialistische Stadtratsfraktion die Aufrechterhaltung des Uniform- Verbots bei der Beteiligung am Trauerzug als eine Provokation bezeichnet. Im „Völkischen Beobachter" heißt es, im bayerischen Innenministerium habe man auf Vorhalt erwidert, man könne deshalb keine Ausnahme von dem TInifvrmverbot machen, weil dann bei der Beerdigung eines Sozialdemokraten auch dem Reichsbanner erlaubt werden müsse, in Uniform aufzuziehen.
Der 11. Reichssronlsoldalenlaq.
Seldte spricht in «oblenz über die politische Aufgabe des Stahlhelms
Koblenz, 3. Oft. (TTl.) Als Auftakt des 11. Reichsfrontsoldatentages fand am Freitagabend eine öffentliche Kundgebung in der Stadthalle statt. Der erste Bundesführer des Stahlhelms, Franz Seldte, behandelte nach Dankcs- toorten an die Rheinländer die Ziele des Stahlhelms. Der Stahlhelm wolle mithelfen, die Volfsgemeinschaft herbeizuführen. Er wolle helfen, daß derStolzaufdie Ration und das Selbstvertrauen wiedererwachen, daß das deutsche Volk es ablehne, Objekt der anderen Völker zu sein, daß im deutschen Volke und vor allem in der deutschen Jugend der W e h r w i l l e sich wieder hebe. Die Frontsoldaten, die den Krieg kennen, wünschen den Frieden und wünschen feinen neuen Krieg. Sie wünschen nur eines: politische Freiheit und deutschen Lebensraum. Bei allen natto- nalen Menschen herrsche Freude über den Ruck nach rechts. Der Stahlhelm begrüße diesen Ruck.


