Technik und Kriminalistik.
Don Or. Hellmut Thomasius.
Der technische Fortschritt hat es manchmal sehr schwer. Gegen Widerstände aller Art. gegen Bedenklichkeiten, gegen Unverstand, gegen Neid, Mißgunst und noch vieles andere muh er sich durchsetzen. Die Geschichte mancher technischer Neuerungen liest sich wie ein Roman. Vieles, das nicht durchdringen konnte und manchmal vielleicht nicht das Schlechteste, geriet in Der- oessenheit. Was aber auch immer die Technik Neues bringen möge, in bestimmten Kreisen kann sie immer auf Verständnis rechnen. Dor allem in den Kreisen der Verbrecher und dann in den Kreisen derer, die sich den Kampf gegen dos Verbrechen zur Lebensaufgabe gemacht haben. Hier gibt es keine wirtschaftlichen Erwägungen, kein langes Besinnen. Es gilt nur die Frage, ob das, was die Technik schuf, in einem oder anderem Sinne nützt. 3ft diese Frage zu bejahen, so wird der Fortschritt sogleich entweder von der Verbrecherwelt oder von ihren Feinden ausgenommen.
Aus diesem forschen Zugreisen heraus sind die 'Verbrecher mit den sinnreichsten Schutzmah- rcgeln fertig geworden. Sie öffnen Stahlkammern, sie stehlen Autos, die in der mannigfachsten Art gesichert sind. Bei ihnen findet man die neuesten Werkzeuge, die heißesten Flammeri, wunderbare Einrichtungen, um den elektrischen Strom ihren Zwecken dienstbar zu machen, sehr gut wirkende Vorrichtungen, um ihn da rasch und ohne Aufsehen auszuschalten, wo er stört. Der Verbrecher von heute ist meist auch ein guter Techniker.
Er muh es fein, erwachst ihm doch in der Polizei, tm gerichtlichen Chemiker, tm Untersuchungsrichter und in den Kreisen der Techniker selbst ein ebenbürtiger, oft ein überlegener Gegner. Auch hier wird jede Neuerung sofort aus- genüht. Als das Flugzeug noch nicht der Allgemeinheit zugängig war, wurde es bereits von der Polizei verwendet. Der Bildfunk, der drahtlose Verkehr und noch vieles andere wurden ohne Zögern in den Dienst "der Derbrecherjagd gestellt. Vielleicht nirgends wird in einem Umfange mit den modernsten Hilfsmitteln der Technik gearbeitet wie gerade hier. Dieser Kampf ist noch nicht beendet und wird niemals ein Ende finden.
bringt die schöpferische Technik doch stets Neues hervor. Auch ist die Kriminalistik wieder dabei, den Kreis der Einrichtungen zu erweitern, deren sie sich bedient. Der Tonfilm ist erschienen. Er beginnt eben erst sich einzuführen, seinen Weg über die Welt anzutreten. Aber schon hat man ihn daraufhin geprüft, was er für das Verbrechen zu bedeuten hat. Es ist kaum anzunehmen, daß sich die Verbrechen seiner bedienen werden — aber immerhin kann man nicht wissen, was die Zukunft bringen wird. Vielleicht erlebt man auch hier noch Heber« raschungen. Aber die Polizei hat bereits erkannt, daß ihr das tönende Filmband zu Helsen vermag. Die Stimme des Menschen ändert sich, wenn er erwachsen ist, im allgemeinen ebensowenig wie die Papillarlinien seines Daumens. Abdrücke dieser Linien liegen hn Archiv. Sie können erst dann nützen, wenn man die zugehörige Person hat. 2s ist unmöglich, sie dem Gedächtnis einzuprägen. Der Klang einer Stimme haftet besser. Er kann vielleicht allein, vielleicht in Verbindung mit anderen Merkmalen zur Erkennung beitragen. Klingt irgendwo die kennzeichnende Stimme des Verbrechers an das Ohr des geübten Kriminalisten, lo wird er aufmerksam toerben. Zusammen mit dem Fingerabdruck wird die Stimme zu einem weiteren Merkmal für die Feststellung der Persönlichkeit.
Aus allen diesen Gründen hat man jetzt bei der Polizeibehörde von Philadelphia erfolgreiche Versuche mit der Tonfilmkamera gemacht. Don den Derbrechern stellt man nicht nur einen Fingerabdruck her. Es wird auch ihre Stimme aufgenommen. Das Filmband kann vervielfältigt und an andere Polizeibehörden weitergegeben werden. Außerdem aber kommt es nur allzuoft vor, daß Derbrecher ihr Geständnis widerrufen. Deshalb hält man auch dieses auf dem Tonfilm fest. Sie können diesem Beweis gegenüber nicht behaupten, daß es ihnen erpreßt wurde oder daß ihre Aussagen falsch beurkundet ober nicht richtig verstand en worden seien. Der Tonfilm bildet einen Beweis, gegen den es kein Leugnen gibt.
3m übrigen läßt sich auch die gewöhnliche Kamera im Kampfe gegen das Verbrechertum verwenden. Bereits früher hat man Einrichtungen durchgebildet, bei denen eine Dlihlich tauf - nahme des Einbrechers gemacht wird. Sie be-
Nr. 129 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Mittwoch. 4. Juni (950
Aus Natur und Technik.
Wie fliegt man ohne Mlor?
Don Max Asche«-.
3m Außeninstitut der Technischen Hochschule zu Berlin sprach kürzlich Kand.-3ng. Robert Kronfeld von der Technischen Hochschule in Darmstadt über feine neuesten Segclslug- erfahrungen. Der Dortragende ist der 3nhaber der Höhenwelthöchstleistung von 2000 Meter und der Langstreckenhöchstleistung von 150 Kilometer im motorlosen Flug. Er wurde dementsprechend zu Beginn und am Schluß, aber auch während seines Dortrages, nach Hochschulfitte durch lebhaftes Trampeln gefeiert.
Die Frage, warum man die Flugzeuge überhaupt noch mit Motoren ausstaltet, wenn man doch auf so große Entfernungen ohne Motor fliegen kann, wie es beispielsweise dem Dortragenden gelungen ist, tritt immer wieder an mich heran. Dazu ist folgendes zu sagen: Wenn ein Flugzeug in der Luft schwebte, ohne sich flegen diese Lust zu verschieben, so würde es ab« lürzen wie eine bleierne Ente. Hm sich in der Luft halten zu können, muß es in dieser Lust Vorwärtsgleiten. Da es sich dabei in der Lust reibt und auch den Stirnwiderstand überwinden muft. so wird dabei Energie verbraucht. Diese Energie liefert beim motorischen Flug der in daS Flugzeug eingebaute Motor, beim motorlosen Flug der Höhenverlust, also das, was man die ..Anziehungskraft der Erde" nennt; man kann eben im motorlosen Flugzeug nur dadurch Vorwärtsgleiten. daß man etwas „bergab“ fliegt; es ist schließlich das gleiche wie bei einem Wagen, der auf einer ebenen Straße auch nicht von selbst fährt, wohl aber auf einer abfallenden abwärts rollt.
Ss ist also ohne weiteres klar, daß man mit einem motorlosen Flugzeug GleiHlüge machen kann, wie z.B. Hdet von der Zugspitze ins Tal geschwebt ist. Darum aber handelt es sich beim Segelflug nicht, wenigstens nicht allein. Beim Segelslug will man ja möglichst lange fliegen, möglichst große Strecken zurücklegen und möglichst große Höhen erreichen. Wie kann man das nun, wenn ein motorloses Flugzeug nur „bergab“ gleiten kann?
Hm dies zu verstehen, müssen wir uns klarmachen, daß sich dieses „bergab“ nur auf die Lust bezieht, aber nicht auf die Erde. Wenn man also z. B. in einem Luftstrom flieat, der von der Erde aus stärker aussteigt als das Flugzeug beim Dergabfliegen an Höhe — in bezug auf diese Luft — verliert, so gewinnt es in bezug auf die Erde um so viel an Höhe, als der aufwärtsgehende Luftstrom schneller ist als das Sinken des Flugzeugs. Solche aufwärtsgehenden Luftströmungen hat man z. B. an Berghängen, gegen die die Luft aus der Ebene wagerecht anströmt und dann am Hang entlang aussteigen muß. um Über ihn hinwegzukommen. Wenn man also über einen solchen Hang bei entsprechendem Wind hin und her fliegt, so kann man in bezug auf die Erde an Höhe gewinnen. Die Kunst der Segelflieger besteht nut darin, mit möglichst geringem Höhenverlust — immer in bezug auf die Luft - möglichst lange in der Lust zu bleiben. Natürlich gehört dazu auch ein Flugzeug, das auf möglichst geringen Höhen- verlust gezüchtet ist; nach den Angaben Kron« selds beträgt bei den besten jetzigen Segelflugzeugen der Höhenverlust rechnerisch etwa einen Meter auf 30 Meter Flugstrecke; in Wirklichkeit kommt man auf einen Meter bei 20 Meter Flugstrecke oder etwas mehr, also auf 23, auch 24 Meter.
Wenn bann der Flieger auf diese Weise eine möglichst große Höhe über der Erde erreicht hat, so kann er natürlich einen Gleitflug machen, also von dem Hang Wegsliegen. Kronfeld schilderte sehr anschaulich, wie man im Berg' oder Hügelland immer wieder Hänge ausnuhen kann, um sich von neuem hochtragen zu lassen, die bis da
hin verlorene Höhe wieder zu ersetzen und immer wieder von einem höheren Punkt aus einen weiteren Gleitslug anzusehen. Er schilderte dabei, wie auch die großen Vögel diesen Aufwind bei ihren Segelflügen auSnuhen, ja wie ihm kreisende Dögel sogar bet seinen Flügen manchmal geradezu alS Wegweiser zum Auffinden des Aufwindes gedient haben. Natürlich können diese Dögel schon kleinere Aufwindbezirke ausnuhen, weil sie erheblich kleiner sind als ein Segelflugzeug und dementsprechend auch lleinere Kreise beschreiben können, ohne aus dem Bereich der aufwärtsströmenden Luft zu kommen.
Gattz besonders interessant waren aber die Schilderungen Kronfelds, wie er sich gewissermaßen an Haufettwolken anhängt. Unter solchen Wolken herrscht gewöhnlich ein auswärtsstrebender Luftstrom, so daß man beim Fliegen mit einem Segelflugzeug unter ihnen emporgetragen wird. Man kann also dann durch Hin und Hcr« fliegen oder Kreisen unter diesen Wolken große Strecken zurückleaen. 3n manchen Fällen ist Kronfeld sogar absichtlich in die Wolken hinein- geflogen, obwohl das Dlindsliegen im Nebel außerordentlich schwierig und gefährlich ist, da der Flieger dabei leicht das Gefühl dafür verliert, ob sein Flugzeug wagerecht liegt, was oben und waS unten ist. Er ist auf diese Weise auch durch die Wolken nach oben hindurchgestoßen und ist von dort weitergetragen worden. Auch vor der Front von Gewitterwolken pflegt die Luft aufwärtszustreben, so daß diese Luftströmungen ebenfalls xur Erzielung eines Höhen« gewinns gegen die Erde ausgenuht werden können. Die größte Schwierigkeit bietet es, den Hebergang vom Fliegen im Aufwind über den
Derghang in den auswärtsgebenden ßuftftrom unter und vor den genannten Wolken zu finden
Kronfeld, der mit fast zu großer Bescheidenheit sprach und immer die Verdienste.und Erfolge anderer in ben Vordergrund stellte, betonte auch die Wichtigkeit der Segelsliegerei für die Schärfung des Gefühls der Motorflieger, und sicher können diese von den Segelfliegern manches lernen. Entbehrlich freilich wird der Motor im Flugzeug durch die Segelfliegerei nicht werden, denn im Verkehrsflugzeug will man ja nicht über einem Hang bin unterfliegen und auch nicht dahin, wohin zufällig die Wolken ziehen, sondern man will unabhängig von den Luftströmungen ein bestimmtes, sernliegendeS Ziel ohne Umwege und ohne Zeitverlust erreichen. Das aber wird man mit dem Segelflugzeug niemals können. Damit soll aber nichts gegen die Segelfliegerei gesagt werden, denn ihre Bedeutung zum Erkennen und zur Ausnutzung gerade der Feinheiten des Fliegens und der Flugzeuge auch beim motorischen Flug kann gar nicht hoch genug eingeschaht werden. Daß sie nebenbei ein Sport ist, der Kopf und Körper, technisches Können. Wind- und Wetterkunde, Entschlußfähigkeit. Zähigkeit und Mut. den Einsatz des Lebens für einen Gedanken wie kaum ein anderer Sport schult und prüft, dies allein schon würde den wahrhaft edlen Sport des Segelfliegens über die meisten anderen Sportarten erheben und ihm Daieinsberechtigung geben. Diese Eigenschaften, die sichtlich in dem Vortragenden verkörpert sind, waren es wohl auch, die ihm neben der Güte seines Vortrages den lebhaften Beifall der zahlreich vertretenen studentischen 3ugend eintrugen, und das ist gut so.
auf die Fernleitung gegeben, gelangen in die Empfangsinaschine, die natürlich genau wie die Sendemaschine aufgebaut ist, und bringen dort, ebenfalls mit einer Wählschienenanordnung, den betreffenden Schreibhebel zum Anschlag.
Die Fernschreibmaschine kann auf allen Fernmeldeleitungen arbeiten. Die Postverwaltung vermietet für diese Zwecke Leitungen, und zwar sowohl innerhalb des Stadtgebietes tote auch Fernleitungen zwischen verschiedenen Städten. Der Mietpreis beträgt nur einen Bruchteil des Mietpreises für Leitungen zum Fernspvechen.
Fernschreibmaschine.
Oie Kernschreibmaschine.
Don Ingenieur Walter Zaelel.
Die Benutzung des Telegraphen im Geschäftsleben ist in den letzten 3ahren stark zurück« gegangen, während der Fernsprechverkehr gewaltig zugenommen hat. Der Grund dafür liegt vor allem darin, daß die Verwendung des Telegraphen für den Geschäftsverkehr in der gegenwärtigen Betriebsform zu langsam arbeitet und zu umständlich ist. Während man am Fernsprecher verhandeln, auf Fragen gleich antworten, etwaige Schwierigkeiten beseitigen kann usw.. sind bei telegraphischer Verständigung für die gleiche Sache mehrere — häufig kostspielige — Telegramme nötig, deren Absendung und Zustellung verhältnismäßig lange dauert.
Daß die Neigung, den Fernsprecher auch für Gespräche von Stadt zu Stadt zu benutzen, so stark zugenommen hat, ist vor allem auf die technischen Verbesserungen zurückzuführen. Beispielsweise ist das Kabelnetz gegenwärtig so leistungsfähig, daß das Herstellen von Verbindungen selbst bei großen Entfernungen nur kurze Zeit dauert und die Verständigung durchweg sehr gut ist. Für bestimmte Zwecke ist der Telegraph natürlich immer noch unentbehrlich. Dies gilt beispielsweise für die Hebermittlung von umfangreichen Zahlenzusammenstellungen, wie Börsenkurse usw., ferner für solche Verhandlungen. bei denen das Vorhandensein schriftlicher Unterlagen notwendig oder von Vorteil i.st.
Neuerdings erscheint in der Fernschreibmaschine ein Hilfsmittel für den Nachrichtenverkehr. das im gewissen Sinne die Vorteile des Telegraphen und des Fernsprechers vereinigt. Sie erledigt nämlich wie der Telegraph die Nachrichtenübermittlung auf schriftlichem Wege, läßt sich aber wie der Fernsprecher überall ausstellen, auch von jedermann bedienen und ermöglicht wie der Fernsprecher Verhandlungen in Rede und Gegenrede. Die Bedienung der Fernschreibmaschine unterscheidet sich in nichts von der einer der üblichen Schreibmaschinen. Bei der Fernschreibmaschine sind die Tasten an
geordnet wie bei der genormten Schreibmaschine; zum Anschlägen der Tasten ist keine größere Kraft nötig als bei der gewöhnlichen Schreibmaschine. Cs lassen sich sieben Tasten in der Sekunde anschlagen, also eine Zahl, die selbst von einer geübten Schreiberin selten erreicht wird.
Die Nachrichtenübermittlung mit der Fern- schreibmaschine geschieht so: An beiden durch eine Leitung verbundenen Maschinen werden zur verabredeten Zeit die vom Netz gespeisten Antriebsmotoren eingeschaltet. Beide Maschinen können auch mit Hilfe einer besonderen Zusaheinrichtung von der Sendemaschine allein eingeschaltet werden. Man schreibt nun auf der Sendemaschine den zu übertragenden Wortlaut, der dann auf Der Empfangsinaschine erscheint, jedoch zur Ucbcr- wachung auch auf der Sendemaschine mitgeschrieben wird. Man sieht, ähnlich wie bei den heute allgemein gebräuchlichen Schreibmaschinen mit sichtbarer Schrift, duf Der Sendemaschine jeden einzelnen Buchstaben unmittelbar nach dem Anschlag. so daß Verbesserungen gleich vorgenommen Werden können. Die Vmpfangsmaschine kann natürlich ohne weiteres auch zum Absenden von Nachrichten benutzt werden. Die Schrift erscheint auf einem Papierstreisen, der nach dem Abdruck eines Zeichens um dessen Breite weiterbewegt wird; es gibt aber auch schon Fernschreibmaschi- nen, die wie eine gewöhnliche Schreibmaschine aus ein Blatt Papier schreiben. Die Schrift wird ähnlich wie bei Der Schreibmaschine durch Den Anschlag von Buchstaben auf ein Farbband her« vorgerusen. Das Farbband wird selbsttätig weiter- und nach seinem Ablauf umgeschaltet. Der Aufbau der Fernschreibmaschine ist sehr Übersichtlich, jeder Bestandteil ist leicht zugänglich, so daß die 3nstandhaltung durch jeden Schreibmaschinenmechaniker erfolgen kann.
Heber die Wirkungsweise soll nur soviel gesagt werden, daß jedes Zeichen durch eine Schienenanordnung in fünf Stromreize verschiedener Richtung zerlegt wird. Diese Stromreize werden
Del guter Ausnutzung der Leitungen ist die Wirtschaftlichkeit sichergestellt. Die zukünftige Organisation des Cigennachrichtenverkehrs mit Fernschreibmaschinen ist so gedacht, daß vor allem solche Unternehmen, Die zwischen ihren in verschiedenen Städten befindlichen Zweigniederlassungen einen lebhaften Geschäftsverkehr haben. diesen mit der Fernschreibmaschine erledigen können. Zu diesem Zwecke sind auch bereits Vermittlungseinrichtungen entwickelt worden, die es ähnlich wie beim Fernsprecher ermöglichen, jede Femschreibmaschine mit jeder anderen zu verbinden. Fernschreibmaschinen sind ferner zur gleichzeitigen Nachrichtenübermittlung von einer Stelle aus an zahlreiche Empfänger gut geeignet. Der Aufbau der Anlage wird zu solchen Zwecken so vorgenommen, daß nur eine Maschine als Sender arbeitet, während die übrigen Maschinen lediglich Empfänger sind. Für dte Zwecke der Polizei und Feuerwehr werden solche 3cm- schreibmaschinenanlagen schon mehrfach benutzt. 3ede Wache erhält eine Femschreibmaschine, die mit sämtlichen anderen Maschinen in Verbindung treten kann. Wichtig ist für solche Anlagen, daß z. B. Alarmnachrichten gleichzeitig an alle Empfänger gegeben werden können, sowie daß alle Befehle in einbutiger Form schriftlich vorliegen.
Die weitere Entwicklung Der Fernschrelb- maschine wird wohl dahin gehen, daß jeder, der es wünscht, neben seinem Fernsprecher eine solche Maschine stehen hat, mit der er jedem anderen Fernschreibmaschinenbesitzer Nachrichten zukommeir lassen kann, auch wenn dieser nicht zu Hause ist. Ebenso kann man bann selbst in Abwesenheit Nachrichten empfangen, die man vorsindet, wenn man nach Hause kommt. Die Verbindungen kann man sich wie beim Selbstanschlußfernsprecher mit der Fingerscheibe selbst Herstellen; diese Möglichkeit ist von zwei Firmen auf der letzten: Leipziger Technischen Messe bereits gezeigt worden. Vielleicht wird also die Femschreibmaschine unseren Driefverkehr erheblich verändern: Wir werden eben unsere Briefe in späterer Zeit nicht mehr bei uns schreiben und sie dem Empfänger zusenden, wir werden sie vielmehr bei unS und beim Empfänger gleichzeitig schreiben.
stehen meist aus einem verborgenen elektrischen Kontakt. Berührt ihn der Verbrecher zufällig, so flammt ein Blitzlicht auf. eine auf die Gegend um den Kontakt herum eingestellte photographische Kamera macht eine Aufnahme. Bei diesem Verfahren ist es aber nicht immer sicher, daß man ein brauchbares Bild des Eindringlings erhält. Es ist möglich, daß er sich gerade bückt oder der Kamera seinen Rücken zuüreht. Eine Filmkamera, die nicht ein einziges Bild her« ftellt, sondern eine ganze Reihe, die also einige Zeit hindurch läuft, wird wohl eher Bilder bringen. die sich verwerten lassen. Sie wird den Einbrecher von verschiedenen Seiten zeigen. Einen Anfang zur Erreichung dieses Zieles bildet eine eigenartige Einrichtung. Die man an verschiedenen Feuermeldern der Stadt Neuyork angebracht hat. Hier wird die Feuerwehr im 3ihre ungefähr siebentausendmal mutwilligerweise alarmiert. Von vier Alarmen erweist sich durchschnittlich einer als falsch. Hm diesem Hnsug zu steuern, hat man an verschiedenen Feuermeldern oben einen stählernen Arm angebracht, an dessen Ende eine Filmkamera befestigt ist. 3hr Objektiv ist ein- für allemal derart eingestellt, daß jeder, der den Melder benutzt, in einer ganzen Reihe von Dildcrn ausgenommen wird. Die Kamera läuft vollkommen geräuschlos. Die läßt sich also auch für andere Zwecke verwenden, bei denen es sich Darum handelt, ein Bild bestimmter kriminalistischer Dorgänge und der Dabei beteiligten Personen zu erhalten. Die Brauchbarkeit Dieses Dersahrens wird noch besonders dadurch erhöht, daß Die Entwicklung deS Films in fünfzehn Minuten beendet ist und daß nach dieser Zeit bereits die ersten Bilder an Die verschiedenen Polizeistellen verschickt werden können.
Bei fast allen Derbrechen spielt das Auto eine große Rolle. Diebe und Mörder kommen jetzt nicht mehr, wie man es in alten Romanen lesen konnte, in einen Mantel gehüllt an geschlichen. Sie fahren im Auto vor und benützen auch zur Flucht den Kraftwagen. Daß sie sich hüten werden, bei ihren abenteuerlichen Fahrten die richtige Nummer zu führen, bedarf keiner weiteren Ausführungen. Die Nummer stellt also gerade beim Verbrechen ein schlechtes Erkennungszeichen Dar. Selbst wenn es gelungen ist, sie festzustellen, zeigt es sich nachher meist, daß sie gefälscht war.
Aber jede- Auto führt ein anbered Erkennungszeichen mit, das sich nicht fälschen und nicht tilgen läßt. Ein Erkennungszeichen, daS gewissermaßen den Fingerabdruck des KrastwagenS bildet. Wie eS auf der ganzca Welt wohl kaum zwei Daumen gibt, deren Papillarlinien sich vollkommen gleichen, so wird es auch wohl kaum zwei Lust reifen geben, Die einander in jeder Einzelheit entsprechen. Mögen sie auch in der gleichen Fabrik hergestellt worden sein und mögen sie für das bloße Auge keine Hnterschiede darbieten, unter der Lupe und unter dem Mikroskop treten zahlreiche Merkmale auf, an denen sich der Pneumatik erkennen läßt. Da gibt es kleine haarfeine Risse und Sprünge, Da gibt es winzige Spalten. Hier hat ein kantiger Stein eine Spur Der Gummimasse weg- aerissen, dort ist aus einem anderen Grunde ein kleiner Eindruck entstanden. Da aber jedes Auto vier Reisen besitzt, so ergibt sich bei genügend sorgfältiger Beobachtung meist hinreichend Stoff, um dieses Auto wieder feststellen zu können.
3n Los Angeles hat man deshalb den Autoreifen und den Spuren eine besondere Aufmerksamkeit zugewendet. die sie hinterlassen. Wird irgendwo ein Verbrechen begangen, so sucht man im Staube der Straße und sonst auf ihrer Oberfläche, ob sich nicht irgendwelche Reisenspuren entdecken lassen. Das wird in vielen Fällen, insbesondere bei Regenwetter, im Sand, in weichem Erdreich der Fall fein. Diese Spuren werden photographiert. Hierauf werden die nach Bedarf auch vergrößerten Photographien einer sorgfältigen Prüfung unter der Lupe oder unter dem Mikroskop unterworfen. Die Prüfung erstreckt sich nicht nur auf das Suchen nach kennzeichnenden Merkmalen, es werden auch Messungen der verschiedensten Art borgenommen. Die Breite und Tiefe der einzelnen Rillen wird festgestellt, ihre Entfernung voneinander und mancherlei sonstiges. Auf diese Weise entsteht ein Steckbrief des Autos, der weiter verbreitet wird. Die Polizeibehörde von Los Angeles besitzt jetzt bereits 450 derartiger Steckbriefe von Reifen an 2lutos, die bei Verbrechen eine Rolle spielten. ES ist auch bereits in einer ganzen Reihe von Fällen gelungen, die Diebe auf Grund diese« Steckbriefe zu ermitteln und sie sogar zu einem Geständnis zu bringen.


