Ausgabe 
4.6.1930
 
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Hausen- die volkstümlichen Spiele für Schwimmer behandelt hatten, hielt im Institut für Leibes- Übungen dessen Direktor, Prof. Dr. Iaeck einen interessanten Lichtbildervortrag überNatürlicher Schwimmunterricht" und außerdem einen Film- VortragPraktische Lebensrettung". Das von dem Vortragenden auf Grund wissenschaftlicher Erfahrung empfohlene Lehrverfahren wurde dann praktisch erprobt bei den weiteren Hebungen im Luisabcck).

Der vom neuen Kreisschwimmwart Stürmer mit großer Sachkenntnis geleitete Lehrgang, dem auch Vertreter der staatlichen unld städtischen Behörden beiwohnten, darf als ein Erfolg für die Sache des Turnerschwimmens gebucht werden.

V. f. B.

Die D. f. D.-Liga gegen die Pokalmannschaft des Jußballsportvereins Frankfurt 1:1 (1:0).

In der Vorschau am Freitag war gesagt worden, datz die V. f. B.-Mannschaft gegen das überragende Können der Gäste nicht aufkommen könne und mit einer klaren Niederlage rechnen müsse. Wie das Resultat zeigt, war diese Vor­aussage falsch: die Platzelf lag bis wenige Mi­nuten vor Schluß in Führung und hätte bei etwas taktisch klügerem Spiel das Treffen ge­winnen können. Was sie jedoch erneut gezeigt hat, ist die Unbeständigkeit ihrer Leistungen in der letzten Zeit. Nachdem sic am Samstag vor acht Tagen V. f. N. Offenbach verdient mit 1:0 schlug, ließ sie sich in Frankfurt vonOlympia 07 ebenfalls mit 5:1 überfahren, um nun wieder gegen die Pokalmannschaft (Ligareserve) des Fuh- oallsportvereins Frankfurt ein ehrenvolles 1:1 zu erringen. Dieses Ergebnis bedeutet zweifellos einen großen Achtungserfolg für die V. f. Ber da man berücksichtigen muß, daß die Gäste seit fast einem Iahr alle Spiele bis auf eine einzige Ausnahme (ein Hnentschieden) gewannen, dabei aber stets gute Mannschaften, z. T. sogar der De- zirksliga, zum Gegner hatten und auch hier in außerordentlich starker Aufstellung antraten. Ohne weiteres muh zugegeben werden, daß Frankfurt das bessere Spiel zeigte. Ihre Ball­technik war ausgefeilter, ihr Zuspiel genauer und ihr Stellungsspiel durchdachter. Ganz ausgeprägt und hervorragend war ihr Kopfspiel. Damit soll nicht gesagt werden, daß die Einheimischen in allen diesen Punkten schlecht gewesen wären. Im Gegenteil, ihre Leistung auf diesen Gebieten muß sogar als recht gut bezeichnet werden (anders wäre auch das Zustandekommen des 1:1 nicht denkbar): sie verstand aber das, was ihr rein spielerisch den Gästen gegenüber fehlte, durch vermehrten Kampseseifer und Siegeswillen aus­zugleichen. Dies gelang ihr sogar so gut, daß sie bei etwas besserem Verständnis des Sturmes für taktische Notwendigkeiten trotz der spiele­rischen äleberlegenheit des Fußballsportvereins mit knapper Tordifferenz hätte gewinnen können. Das Spiel begann mit einem Kombinations­angriff Frankfurts, den Gießen sofort erwiderte. Beiderseits zeigte man präzises Zuspiel. Das anfänglich etwas lahme Tempo wurde flotter. Bei wechselseitigen Angriffen hatte einmal die eine, einmal die andere Partei eine Chanec, die aber verpaßt wurde. Frankfurts Angriffe waren häufiger, sie wurden systemvoller vorgetragen, ' blieben aber erfolglos, da seine Stürmer zu ungenau schossen. Nachdem das Spiel sich län­gere Zeit größtenteils im Mittelfeld abgewickelt hatte, gewann der Gegner wieder etwas an Boden, vermochte aber nichts zu erzielen als eine zweite Ecke. Gießen läßt sich nicht aus dem Konzept bringen, sondern kam in schneidigen An­griffen mehrmals in bedrohliche Nähe des Frank­furter Tores, bis es ihm gelang, zum Füh­rungstor einzuschietzen. Die Gästeelf versuchte mit Macht auszugleichen, fand aber ein kaum über­windbares Hmdernis in dem g'länzend aufge­legten V. f. D.-Tormann. Halbzeit 1:0 für V. f. B. Auch nach dem Wechsel war Fußballsportverein leicht überlegen, konnte aber trotzdem nicht zum

Erfolg kommen, da sich die Hintermannschaft des Platzvereins glänzend schlug. Andererseits hielt der Gastgeber das Spiel stets offen und kam in schnellen-Angriffen nach vorne. Bei etwas mehr Glück und geschickterer Taktik hätte er das Resultat verbessern können, erzwang aber nur hintereinander zwei Ecken. Dasselbe machte Frankfurt bei einer anschließenden Drangperiode, um aber dann doch noch etwas später, drei Minuten vor Schluß, den wohlverdienten Aus­gleich zu erzielen. Beiden Mannschaften gebührt für die gezeigten Leistungen ein Gesamtlob.

Die dritte Mannschaft traf bei den Pokalspielen des Sportvereins Garbenteich auf die erste Daubringens, gegen die sie nach Ablauf der regulären Spielzeit und der Ver­längerung 0:0 spielte. Nachdem sie durch das Los zuerst als Sieger erklärt worden war, wurde die Auslosung aus nicht anzuerkennenden Gründen wiederholt, wobei sie aus der Kon­kurrenz ausgeschieden wurde.

Spiewereinigung 1900 Gießen.

ö. Die ganze Spielausbeute des Sonntags bestand in einem Freundschaftstreffen1 9 0 0 Ligareserve gegenGermania" Mar­burg Ligareserve. Die Gäste kamen zu einem hohen 4:0-Sieg (Halbzeit 1:0), der den Leistungen nach entschieden zu hoch ausgefallen ist. Beiderseits wurde wenig geboten: es ist an der Zeit, daß die Mannschaften durch die Fuß­ballsommerpause, die am 15. Iuni beginnt, zur Ruhe kommen. 1900 spielte mit einem Ersah- MitteNäufer, darunter litt das ganze System. Die beiden Außenstürmer verletzten sich bald, und der Rechtsaußen schied von der Pause ab ganz aus, so daß der Platzverein nur noch zehn Spieler im Feld hatte, die mit Ausnahme der drei Schlußleute recht lustlos weiterspielten. An zwei Treffern war der sonst recht gute Torwart nicht schuldlos. 1900 war in der ersten Spiel­hälfte, Marburg in der zweiten überlegen.

1. Jugend: Diese weilte zum Rückspiel gegen die 1. Iugend des V. f. B. in Friedberg und errang dort einen schönen 4:0«Sieg. 1900 hatte seine Mannschaft umgestellt und war dem Gegner in Technik und Schnelligkeit bedeutend überlegen. Der Mittelläufer ragte besonders her­vor. Zwei Ecken verwandelte er durch Kopfball zu Toren, der H. R. erzielte nach geschickter Täuschung ein Tor, auherdem gelang es dem r. L., einen Fernschuß erfolgreich anzubringen. Im allgemeinen kann man mit dem Spiel der 1. Iugend zufrieden sein.

3. Iugend: Wenn sie auch dem Gast, der Garbenheimer Iugend, überlegen war und bis zur Halbzeit 1:1 spielte, so mußte sie sich doch zum Schluß mit 3:1 geschlagen bekennen. Der Sturm muh nicht nur kombinieren können, sondern auch Tore schiehen, andernfalls nutzt ihm alle Fuhballkunst nichts.

Fußball der höheren Schulen.

Realghmnasium-Gymnasium (kombiniert) gegen Augustinerschule Friedberg 1:0.

Das Treffen wurde in Friedberg ausgetragen und endete mit obigem Resultat für die Ver­einigten. Die erste Halbzeit gehörte den Giehe- nern, die bei etwas mehr Schuhfreudigkeit des Sturmes mehrere Tore hätten vorlegen können. Cs wurde zuviel kombiniert, so dah die Fried­berger Hintermannschaft stets noch im letzten Moment retten konnte. Nach der Pause machte sich eine Heberlegenheit der Augustinerschüler bemerkbar, die in der letzten Viertelstunde fast drückend wurde, aber infolge der glänzenden Abwehr der Gießener den Friedbergern keinen Torerfolg einbrachte.

O S. B -Staffeltag.

ö. Die Ausschreibung zu dem Staffeltag der Gruppe Gießen WetzlarWeil- I bürg schien bei den Vereinen keinen besonde­ren Anklang gefunden zu haben, denn außer I

dem Veranstalter, Sp.Vg. 1900 Drehen, waren nur noch V. s. D. Gießen und D. f. L. Wetzlar vertreten. Bedauerlich war es, dah die in der Klasse der Aktiven angesetzte Schwell­staffel (100, 200, 300, 800, 1500, 300, 200, 100 Meter) nur von den drei Mannschaften der Sp. Vg. 1900 bestritten wurde, während V. f. B. Gießen und V. f. L. Wetzlar dem Start voll­kommen fernblieben. Das Rennen nahm aber trotzdem einen schönen Verlauf, wofür einmal das gut durchgebildete Läufermaterial der 1900er, zum anderen die geschickte Verteilung der Kräfte auf die drei Staffeln sorgten. Die in den Jahr­gängen 1912 bis 1914 einschl. zusammengesahte Jugendklasse A hatte eine 4 X 100-Meter- und eine Olympische Staffel (800, 200, 200, 400 Me­ter) zu bestreiten. Sicherer Sieger wurde in bei­den Läufen 19008 erste Mannschaft vor dem V.f. B. Gießen und 19008 zweiter Garnitur. Beachtlich ist die von der Siegermannschaft (Koch H.. Felsing, Guthardt, Schickedanz) erlau­fene Zeit von 47,6 Sekunden in der 4 X 100-Me- ter-Staffel. In der Olympischen Staffel zeich­neten für den Sieg verantwortlich: Mootz, Schicke­danz, Koch ll. und Guthardt.

Dre Jugendlichen de8 Jahrgangs 1915 und jünger maßen ihre Kräfte in einer 10 X 50 -Me­ter-Staffel. Auch hier behielten die Spielvereini­gungsleute in der Aufstellung: Oppenheimer, Schmitz, Kühne, Bergmann, Wiedmeyer, Do- narius, Herbert, Salzberg, Volk und Goß das bessere Ende vor dem V.f.D. Gießen. Mit all­gemeiner Spannung sah man der Frauenstaffel entgegen, deren Distanzen auf 50, 50, 50, 50, 800, 100, 100, 100, 100 Meter festgelegt waren. Die favorisierte Staffel des V. f. L. Wetzlar lieh sich den Sieg nicht entgehen, der in erster Linie ein Verdienst der 800-Meter-Läuferin ist. Hm den zweiten Platz entspann sich ein harter Kampf zwischen den beiden Gießener Vereinen. Da sich 1900 s Vertreterin über 800 Meter überraschen­derweise kaum etwas von der V. f. D.-Mittel- \ strecklerin ab nehm en lieh, fiel es den Sprinterin­nen nachher nicht mehr allzu schwer, die Leute vom Waldsportplatz auf den dritten Platz zu verweisen.

Handball der Sp.-Vg. 1900.

Io. Alsfeld I 1900 I 3:6.

Die Spielvereinigungsleute, die mit einer stark verjüngten Mannschaft nach Alsfeld gefahren waren, hatten dort einen äußerst schweren Stand. Der Plahverein führte bei Seitenwechsel 3:2. Dann kamen die 1900er immer besser auf und stellten den Sieg sicher. Ihre Hintermannschaft, insbesondere der Torwart, arbeitete recht zu­verlässig. Im Sturm ist die produktive Arbeit des Innentrios lobend zu erwähnen.

Handball im Tv. Staufenberg.

Am Sonntag weilten die erste und die Jugend- mannschaft in Beuern zu einem fälligen Rück­spiel. In den ersten zehn Minuten verteiltes Spiel. Mit einem Rückhandwurf ging Staufen­berg plötzlich in Führung. Das Spiel nahm nun dauernd an Härte zu und hatte bald den Charak­ter eines Punktspieles. Bis kurz vor Halbzeit konnte Staufenberg auf 3:0 erhöhen. Wegen Hnfajrneh eines Spielers pfiff dann der Schieds­richter. der sonst gut leitete, das Spiel ab.

Die Iugendmannschaft mutzte sich trotz dauern­der Heberlegenheit mit 1: 0 für Beuern ge­schlagen bekennen.

Radsport im Lahugau.

Am Sonntag fand die 10 0 - Kilometer- Zuverlässigkeitsfahrt des Lahn­gaues i m B. D. R. mit Start und Ziel Wetz­lar statt. Dem Stratzenfahrwart Kehr (Gie­ßen) stellten sich 20 Fahrer zum Einzelstart. Die Strecke führte über Herborn, Dillenburg, Man­deln, Banfe und zurück. Gleich am Anfang wurden durchweg gute Zeiten gefahren. Beson­ders erwähnt sei die Zeit des noch jungen Wtzh-

larer Keiner, der die Strecke mit ihren Stei­gungen und Kurven in 3:03,15 Stunden durch­eilte. Auch Preis und Deibel (Gießen) fuh­ren eine gute Zeit. Nachstehend bringen wir die Ergebnisse der Sieger der A-, B- und Sen.-Klasse.

A -Klasse : 1. Hch. Preis, Germania, Gie­ßen, 2:59,33 Stunden: 2. Aug. Deibel, 1885, Gießen, 3:03,10; 3. H. Dender, 1887, Wetzlar, 3:05,40; 4. W. Bolz, Germania, Gießen, 3:06,29; 5. W. Bosum, 1891, Marburg, 3:14 Stunden.

B - Klasse : 1. F. Keiner, 1887, Wetzlar, 3:03,15 Stunden; 2. H. Müller, 1887, Wetzlar, 3:07,48; 3. K. Hildesheim jr Lollar, 3:09,14; 4. F. Zimmermann, 1887, Wetzlar, 3:14,05; 5. R. Ringleb, Lollar, 3:14,13; 6. K. Muhl, 1885, Gießen, 3:15,17 Stunden.

Sen. -Klasse: K. Hildes heim sen., Lol­lar, 3:53 Stunden.

Arbeiter-Tum- und Gpoktbund.

Gießen I Wieseck Ib 5:1.

Wieseck Ib war am Sonntag im rückständigen Serienspiel auf dem Trieb zu Gast. Während die Einheimischen in kompletter Aufstellung antraten, sah man die Gäste mit Ersatz sich dem Unparteiischen stellen. Vom Anstoß setzte flottes Spiel ein, in dem auf beiden Seiten gute Leistungen geboten wurden. Gießen gelang es bald in Führung zu gehen, dem aber Wieseck bis Halbzeit den Ausgleich entgegen­setzte. Nach Seitenwechsel ging Gießen mehr aus sich heraus und war etwas überlegen. Ein Elfmeter brachte ihm abermals die Führung, dem nach kur­zer Zeit der dritte Treffer folgte. Wieseck lieferte jedoch weiter ein gutes Spiel. Ein abermals ge­gebener Elfmeter brachte Gießen das vierte Tor. Wieseck spielte jetzt nur noch mit zehn Mann, hielt sich aber trotzdem gut, so daß die Einheimischen nur noch einmal erfolgreich sein konnten und so das Schlußresultat 5:1 herstellten.

Großen-Linden I Gießen Ib 1:1.

Gießen Ib war in Großen-Linden, um ein rück­ständiges Serienspiel auszutragen. Grotzen-Lin- den, das auf eigenem Platze immer gute Spiele lieferte, enttäuschte sehr, die Gäste dagegen zeigen von Spiel zu Spiel bessere Leistungen. In einem schönen, flotten Spiele konnte Grotzen-Linden hie Führung übernehmen. Cs dauerte aber nicht lange und die Gäste erzielten den Ausgleich. Trotzdem auf beiden Seiten nun alles hergegeben wurde, gelang es keiner Partei, zu einem wei­teren Erfolg zu kommen, so daß man sich mit dem Unentschiedenen 1:1 trennte.

Naunheim I Wieseck I 5:2.

Wiesecks Erste trat am Sonntag in Naunheim an. Die Einheimischen erschienen in veränderter Aufstellung, während die Gäste es vorzogen, mit nur zehn Mann, darunter reichlichem Ersatz, ohne Torhüter anzutreten. Nach schönem Angriff kam Naunheim zum Führungstor, dem Wieseck bis Halbzeit den Ausgleich entgegensetzte. Halb­zeit 1:1. Nach Seitenwechsel verlor Wieseck durch eine alte Verletzung seinen Rechtsaußen. Naun­heim kam abermals zur Führung, dem die Gäste aber wieder den Ausgleich entgegensetzten. Trotz aller Anstrengungen hielt Wieseck vorerst dieses Resultat, fiel jedoch gegen Schluß des Spieles etwas ab. Nun gelang es Naunheim, noch drei­mal erfolgreich zu sein.

Daubringen Oppenrod 2:1.

In Daubringen standen sich beide Mannschaften zum fälligen Serienspiel gegenüber. Während Oppenrod komplett antrat, spielte Daubringen mit drei Mann Ersatz. Oppenrod entwickelte eia flottes Spiel, während Daubringen sich nicht finden konnte, nur der Torhüter war auf seinem Posten. Trotzdem gelang es Oppenrod in der 10. Minute, in Führung zu gehen. Halbzeit 0:1. Nach Halbzeit nahm das Spiel an Härte zu. Daubringen lieh seinen Gegner nicht aus seiner Spielhälfte herauskommen und erzielte Ecke auf Ecke. Der Tormann Oppenrods war auf der Höhe, doch gelang es Daubringen in der zweiten Hälfte, zweimal erfolgreich zu sein und das Spiel für sich zu entscheiden.

Konstanze.

Vornan von Karl Heinz Voigt.

Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Das sind die Elfen", sagte er mit verhal­tener Stimme und konnte den Blick von der vor ihm Sitzenden nicht losreihen.

Der Wind wurde stärker. Schon hatte er so viel Kraft einzelne schwache Aestchen zum Tanzen zu bringen. Das Boot schaukelte. Die Schilfruten schwankten. Irgendwo klang der Schrei einer Eule.

Wir wollen aussteigen", sagte Iulia frierend, und Lothar legte das Boot an den Pfahl.

Cs war sehr viel Bewegung im Park. Ein Raunen und Flüstern lief durch das Geäst.

Dann stiegen sie die Stufen zum obersten Stockwerk hinauf. Sie traten in das Gemach, das neben dem Turm lag. Hier war ein Duft von Blumen. Lothar hatte köstliche Orchideen und Rosen hierher bringen lassen. Er liebte dieses Gemach vor allen.

Julia nahm die weihe glänzende Perücke vom Haupt. Nun quoll die Fülle ihres roten Haares hervor. Sie entledigte sich ihres Mantels und lieh sich in einen Sessel fallen. Sie war er­müdet und schloh die Augen.

Nun werde ich sie fragen", dachte Lothar Emmerstorff, aber kein Wort kam über seine Lippen. Weshalb sprach er denn nicht? War diese Minute noch nicht die rechte?

Er setzte sich still ihr gegenüber und nun ge­wahrte er, daß sie eingeschlafen war.

Er zündete sich eine Zigarette an und träumte vor sich hin. Er überdachte das Fest. Auf Einzelheiten konnte er sich kaum entsinnen. Nur eines drängte sich in der Erinnerung an diese letzten Stunden in den Vordergrund: Julia.

Wie hatte sie geglänzt an diesem Abend! Vielleicht hätte ich ihr die ganze Freude am Feste verdorben, wenn ich ihr meine Dörsen- verluste erzählt hätte", dachte er und begann über die Möglichkeit zu sinnen, seine starken (Verluste wieder auszugleichen. Das einzige, was er noch besah, war diese Frau und dieses Haus. Sein Blick berührte Julia. Hatte sie diesen Blick empfunden? Sie erwachte. Sie blickte erstaunt um sich und in ihrem Lächeln war eine Bitte um Verzeihung.

Ich träumte soeben von dir", sagte sie mit einer flachen Stimme und schielte ihn an.Du nahmst meinen Kopf in beide Hände und küßtest mich aufs Haar."

Ich tue es", sagte er und erhob sich. Er kam zu ihr und grub seine Lippen in ihr duftendes Haar.

Es war das erstemal, daß Iulia fühlte, daß seine Küsse sie verbrannten, wie die glühenden Tropfen feurigen Metalls.

Zwischen den Aesten des Parkes wurde der Himmel grau. Ein Sturm hatte sich erhoben, peitschte die Zweige der Bäume und rüttelte an den gutverschlofsenen Fenstern des Hauses. Der Teich im Park hatte richtige kleine Wellen, und die verlassenen leeren Kähne schaukelten, datz die Seile knarrten.

Der Wind kreiselte um das Haus, verfing sich in den Fassaden und Türmchen, sprang von da in die Kronen der Bäume des Parkes und voll­führte einen tollen Wirbeltanz. Dann fiel der Wind ins taufeuchte Gras und schwieg eine ge­raume Zeit. Endlich erhob er sich wieder, wie ein grohes rasendes Tier, trieb die Wolken am Himmel dahin, stürzte sich abermals auf das Dach der Villa und ritt auf dem First wie der wilde Jäger.

Lothar und Julia fuhren auf. Ein klagender Schrei gellte durchs Haus, mischte sich mit der winselnden Musik des Sturms und bildete eine grelle Disharmonie.

Ein Kratzen an der Tür. Schon sprang sie auf. Katja wankte mit todbleichem Gesicht herein. Ein paar abgerissene Stimmen huschten von unten in das Turmgemach.

Was ist geschehen?"

Julia warf sich den Abendmantel um. Sie starrte mit großen Augen entsetzt auf die ver­ängstigte Russin.

Vor dem kleinen Fenster des Gemachs zog die Nacht ihre Schleier weg, machte der herauf­kriechenden Dämmerung, die sich schnell lich­tete, Platz.

Katjas Augen glühten. Sie deutete nach unten.

Feuer!"

Im nächsten Moment roch Lothar bereits den Brand. Schon eilten ein paar Bedienstete herbei.

Katja war von dem Personal die einzige, die in der Villa wohnte. Die übrige Dienerschaft war in den Nebengebäuden untergebracht.

Die Holztäfelung der untersten Räume stand in hellen Flammen. Das Feuer fand Nahrung an Gardinen und Möbelstücken. Die Teppichs und Läufer auf den Treppen und an den Wänden brannten lichterloh.

Iulia drängte sich an Lothar wie ein ge­ängstigtes Tier. Er fühlte ihren zitternden Kör­per.

Nun bin ich ein armer Mann", empfand Lothar und beobachtete dann, wie Julia in wahnwitzi­ger Angst lauter gleichgültige Dinge an sich raffte und wieder fortwarf.

Ludwig Warburg!" dachte Emmerstorff und wagte nicht, den Gedanken auszusprechen, aber er hatte die seltsame Empfindung, als denke Julia das gleiche.

Wir müssen die Geheimtreppe erreichen", rief

Lothar und drängte Julia nach dem Nebenzim­mer, in das die Wendeltreppe mündete.

Er riß die Tapetentür auf. Sein Blut erstarrte. Er wich zurück und raffte Julia mit sich. Gierige Flammen leckten nach ihm. Die ganze Treppe war ein Flammenmeer. Der hölzerne Einbau des engen Stiegenhauses lohte als eine einzige Flamme. Der Sturm, der von unten her durch eine wahrscheinlich offenftehende Tür blies, fachte das Feuer in dem engen Raume wie ein guter Blasebalg zu elementarer Gewalt an.

Lothar erkannte, daß durch diesen Flammen­herd das ganze Haus vernichtet werden würde.

Wo ist Katja?" weinte Julia, indem sie sich hilfesuchend umsah und nichts als beißenden Rauch erblickte.

Lothar schrie ein paar Befehle hinunter. Man hatte die Feuerwehr alarmiert. Es war ihm, als höre er irgendwo in der Ferne das Heran­rücken der Löschzüge.

Wir müssen den Weg über die große Treppe nehmen", rief Lothar und zog Julia mit sich. Auch hier hatten sich die Flammen zu drohenden, geifernden Zungen verdichtet. Ein starker, wei­ßer Qualm hatte sich entwickelt und schraubte sich schwerfällig an den Wänden hoch.

Lothar selbst wäre es vielleicht möglich ge­wesen, hindurchzukommen, aber Julia!?

Sie weinte und hielt seinen Ann umkrampft. Er schüttelte sie ab. Da traf ihn ein entsetzter Blick. Sie war ihm hinderlich. Er durfte nicht nachgeben. Er hörte fic wimmern und betteln. Mit jeder Minute wurde der Qualm stärker.

Lothar wars einen Blick hinter sich. Er über­legte kurz. .

Die Fenster lagen zu hoch, als daß sre unbe­schadet den Sprung wagen konnten. Schon knallte rrgendwo eine Glasscheibe. Es war, als ginge ein Schuß los.

Da nahm er die zitternde Julia kurz ent­schlossen auf seine Arme. Sprungweise gelangte er mit ihr über die schwelenden Stufen.

Im Erdgeschoß lohte das Mobiliar und die Holztäfelung der Wände in steiler Flamme. Das Parkett glimmte.

Lothar trug Julia mitten durch das Feuer hindurch. Er mußte sie fürs erste in den Neben­gebäuden in Sicherheit bringen.

Schon traten die mittlerweile angekommenen Löschzüge in Tätigkeit.

Der Sturm verbündete sich mit den Flammen.

Er spottete der menschlichen Ohnmacht.

9.

Mit zartem weiblichen Instinkt hatte Konstanze Peters neue Verstimmung erkannt. Cs bestand kein Zweifel mehr für sie. Peters Llnglück be­stand in seiner wirtschaftlichen Lage. Sie würde ihm helfen, so gut sie konnte.

Nur noch sehr selten, bat er sie einmal, bei ihr zu bleiben Meistens geschah es dann, daß er zum Pinsel griff und ihn gleich daraus wieder fortlegte.

Seine Haltung war eine andere geworden. Seine Kleidung war ohne Sorgfalt und jenes blitzartige Zuc^n lief öfter denn je über sein Gesicht.

Du solltest versuchen, dieErlösung" zu ver­kaufen", riet sie ihm eines Tages und ihre Augen waren voller Mitleid.

Ich habe das Bild auf die Ausstellung von Rappoldy gegeben", entgegnete er bitter.Kein Mensch lauft heute Bilder. Die Malerei ist ein brotloses Handwerk."

Du darfst nicht so sprechen", tadelte sie.Die Kunst ist etwas Göttliches."

Wenige Tage spater trat sie mit einem Lachen, das Wärme und Licht brachte, in sein Atelier.

Eine sehr gute Botschaft! Peter! Ich habe einen Interessenten für dieErlösung". Du mußt das Bild sofort von Rappoldy zurück- holcn. Morgen wird der Käufer Herkommen. Er will das Bild sehen."

Peter erbleichte. Es sah aus, als sei sein Gesicht mit Schweiß bedeckt, und seine Hände machten zerstreute, planlose Bewegungen. Eine dumpfe Ahnung umrauschte Konstanze.

Ich habe das Bild mit viertausend Mark an- gesetzt. Er kennt es schon vom Schaufenster der Kunsthandlung Bieberach her. Er wird es kaufen. Peter."

Seine Lippen wurden noch trotziger:Ich habe das Bild verkauft", stammelte er und eine heiße Scham stieg in ihm auf. Er konnte sie nicht anblicken und er fühlte, daß er schlecht war und diese Frau ihn nicht mehr achten durfte.

Er sah nicht, wie sie zusammenzucktc und sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten.

Du hast mich also belogen", sagte sie schwach und mit traurigstem Tone.

Nun kam etwas wie das Verlangen einer wilden Selbstanklage in dem Manne auf. Seine Worte überstürzten sich. Es war das Bekenntnis eines reuevollen Sünders.

Ich habe mein Bild unser Bild Kon- stanze dahingegeben für einige hundert Mark. Schon vor längerer Zeit. Mein Bericht von der Ausstellung bei Rappoldy war Unwahrheit. Ich wagte anfänglich nicht, dir die Wahrheit zu sagen. Ich brauchte ja Geld, wenn ich leben wollte. Konstanze! -- Ich hatte mein letztes verspielt. So, nun weißt du es. Nun kennst du meine Leidenschaft. Ich bin Spieler. Ich bin ein armseliger, verachtungswürdiger Spieler. Ich bin ohne Ehre und ohne Halt. Du allein du du, meine Konstanze, kannst mich be­wahren vor dem Untergang, vor dem Letzten."

(Fortsetzung folgt.)