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Abstimmung einen Schachzug getan, der das ganze, seit vielen Monaten aufgebaute Spiel über den Haufen geworfen habe. In­dem er die Negierung gezwungen habe, die Erklärung abzugeben, noch vor der Oster- pause die von ihr versprochenen Agrarmaßnah- men dem Reichstag vorzulegen, zugleich aber in rücksichtsloser Weise Charakter und Ziele des Kabinetts Brüning vor der Oeffentlichkeit klar­stellte, habe er verhindert, daß, wie bei der Dawesabstimmung, die Deutschnationale Partei zersplitterte. Er habe sich nicht beiseiteschieben lassen, sondern das Kabinett so­zusagen unter Aufsicht genommen. Der Minister Schiele bekomme eine Rückendeckung, die es ihm gestatte, ganz anders als bisher auf Klä­rung zu dringen. Als die deutschnationale Reichstagsfraktion unter der Führung Hugen- bergs durch die geschlossene Ablehnung des sozial­demokratischen Scheinmist trauensantrages dem Kabinett Brüning die befristete Möglichkeit ge­geben habe, seine landwirtschaftlichen Derspre- chungen in Laten umzusetzen, sei das große po­litische Spiel zerschlagen gewesen' den deut­schen Bauern aus der nationalen Front heraus- zuködern.

(Stimmen des Auslands

Die Pariser Presse zur Abstimmung im Reichstag.

Paris, 4. April. (WTB. Funkspruch.) Die gestrige Abstimmung über die Misttrauensan- träge im Reichstag wird fast von der gesamten bürgerlichen Presse als ein eindrucksvoller Sieg des Kabinetts Brüning bezeich­net. So schreibt «Matin", der deutsche Bürger­block Hobe einen großen Erfolg davongetrogen dadurch, dah er die letzten, Hugenberg kreuze- bliebenen Reserven gezwungen habe, ihre Oppo­sition aufzugeben und produktive Archeit zu leisten.3ournal meint, die Regierungs­mehrheit, die alle Erwartungen übertroffen habe, sei auf die energische Haltung des Reichskanzlers zurückzuführen, der es abgelehnt habe, sich in eine Diskussion mit den Rationalisten einzulassen. Die Börse sei gestern sehr fest gewesen. Alle wirtschaftlichen und indu­striellen Organisationen Deutschlands sprächen sich eine nach der andern zugunsten des Reichs­kanzlers aus. Das «Echo de Paris" erklärt, Reichskanzler Brüning habe jetzt die Möglich­keit, mit parlamentarischen Mitteln zu regieren; nichtsdestoweniger bleibe die Drohung der Rcichs- tagsauflvsung bestehen. «Bolonts"" sagt, man habe seit langem nicht mehr in einem Parlament eine so energische und freimütige Sprache gehört. Der neue Reichskanzler schöpfe diese Energie wohl erstens aus dem Bewußt­sein, dah er eine gute Sache vertrete und ferner aus dem B er trauen, das ihm der Reichspräsident bewiesen habe. «Oeuvre" fürchtet, dah der Erfolg des Kabinetts Brüning von kurzer Dauer sein werde, da das Kabinett nur dank der Llnterstühung der Deutschnationalen oder vermöge des Wohl­wollens der Sozialdemokraten leben könne. Die sozialistische Presse, namentlich der «Popu- laire", vertritt den Standpunkt, daß man in Deutschland nicht gegen die Sozialdemokraten regieren könne.

Zia'ieni/cher Glückwunsch für Brüning

Rom, 4. April. (WTB. Funkspruch.) P o - Polo di Roma veröffentlicht unter der Heber- schrift «Glückwunsch" einen längeren Artikel zu der Ablehnung der Mißlrauensanträge ge en das Kabinett Brüning, in dem das Blatt in erster Linie darauf hinweist, dah Brüning die deut­sche Landwirtschaft wieder zu Ehren brin­gen wolle. Es spricht schließlich den Wunsch aus, idah in Deutschland durch diese Maßnahmen wieder bessere wirtschaftliche Ver­hältnisse ein treten werden.

Ein letzter Versuch

Rückzug der kommunistischen Agrarpolitik in Nutzland.

Moskau, 3. April. (WTB.) Das Zentral­komitee der Kommunistischen Partei veröffent­licht einen Beschluß, wonach das Zentralexekutiv­komitee und der Rat der Volks.ommissare den Kolleklivwirts^aften eine Reihe von Ver -> günftigungen gewähren, die die Lage die­ser Wirtschaften und ihrer Mitglieder ver­bessern sollen. Den Kollektivwirtschaften wer­den im laufenden Fahre Kredite in Höhe von 500 Millionen Rubel gesichert. Lseberfällige Schulden für Kredite, die auf die Kollektiv­wirtschaften entfallen, sowie überfällige Schul­den, die die Kollektivwirtschaften von den ihnen beigetretenen Bauern übernahmen, werden bis zum Schluß des Wirtschafts ahres gestundet, wobei diese Schulden in Raten entsprechend dem Eingang der Einnahmen aus Ackerbau und Vieh­zucht zu tilgen sind. Sämtliche Geldstra­fen, auch gerichtliche Geldbußen, die wegen Rlchtentrichtung landwi.tschaftlicher 2lbgaben usw. den den Kollektivwirtschaften beigetretenen Bauern bis 1. April 1930 auferlegt wurden, wer- ben erlassen. Sämtliche Beiträge an Kreditgenossenschaften und Kon'um- genosjenschaften sind lediglich freiwillig zu entrichten. Tie Abzahlung der Schulden für das in den Besitz der Kollektivwirtschaften ubergegangene eingezogene Kulakeneigentum wird den Kollektivwirtschaften überlassen. Das pri­vate Eigentum der Kollektivwirtschaftsmit­glieder an Arbeits- und Schlachtvieh sowie das Einkommen aus individueller Ar­beit werden durch *die neuen Maßnahmen 1d e ! t g e ö_e n b g e sch ü tz t und gefördert.

Die Moskauer Regierung befindet sich in gro­ßer Sorge, weil sich einwandfrei herausgestellt hat, dan die E r n t e e r t r ä g n i ss e im kom­menden Herbst so weit hinter den Voranschlägen Zurückbleiben werden daß mit einer Er - n a b r u n g g f a t a ft r d $ e gerechnet werden muß. Im letzten Augenblick wird nun versucht mit der Landwirtschaft Frieden zu schließen und sie zu bewegen, noch nachträglich die Aussaat­flächen zu vergrößern. Am schlimmsten scheint es in dieser Beziehung in den sogenannten Kolek- tivwirtschaftenzu stehen, in die die Bauern hineingepreßt worden sind. Die meisten dieser Wirtschaften befinden sich in einer äußerst schlech­ten Lage. Es fehlt an Maschinen, es fehlt an Bi eh, außerdem darf nicht übersehen werden, daß in diesen Sowjetbetrieben sich niemand überan­strengt, so daß schon hier sich so ziemlich keine Hoffnung der'Moskauer Regierung erfüllen wird. Man will den Kollektivwirtschaften jetzt einen Anreiz durch Steuerbefreiung geben. Darüber

Der Äat des MrWastsniiniflenMS verabschiedet

Aufhebung des Gewerbemuseums in Darmstadt beschlossen.

WHP. Darmstadt, 3. April. Der Finanz­ausschuß des Hessischen Landtages beriet die restlichen Kapitel des Haushalts des Ministe­riums für Arbeit und Wirtschaft zu Ende. Ohne wesentliche Aussprache wurden die gewerblichen Kapitel 86, Reichsversicherung (103 050 Mark Einnahmen, 370 492 Mark Ausgaben), und 87, Schlichtungswesen (34 100 Mark Ausgaben), an­genommen.

Kapitel 88: Arbeitsnachweis, Wohlfahrtspflege mit 3 574 500 Mark ergab eine längere Aus­sprache. Die zahlreichen kommunistischen Anträge wurden sämtlich abgelehnt. Annahme fand ein Zentrumsantrag für verstärkten Schutz äl­terer Arbeitnehmer bei der Reichs­regierung vorstellig zu werden. Der Ablehnung verfiel der volksparteiliche Antrag, die Zuschüsse des Staates zu den Ausgaben der Gemeinden und Gemeindeverbände für Fürsorgezwecke nach einem einheitlichen Prozentsatz zu gewähren. 'Bei Stimmenthaltung des Zentrums wird mit den sozialdemokratischen Stimmen deren Antrag an­genommen, bei der Reichsregierung dahin tior# stellig zu werden, daß alle Personen und Körperschaften mit laufendem Ein­kommen oder Vermögen die zur Ein­kommens-, Körperschafts- und Vermögenssteuer veranlagt sind, aber keine Arbeitslosen­versicherung bezahlen (freie Berufe, Reichs-, Staats- und Kommunalbeamte) z u d e - ren Leistung herangezogen werden sollen. Mit 8 zu 4 Stimmen angenommen wird der sozialdemokratische Antrag, alle über 60 Fahre alten, erwerbsunfähig gewordenen Per­sonen, die trotz wirtschaftlicher Lebensführung auf die öffentliche Fürsorge angewiesen sind, den Kleinrentnern gleichzustellen. Auf eine volksparteiliche Anfrage wird von Regierungs- se'ite erklärt, daß die Verteilung der Mittel für die gemeinnützigen Rechtsauskunfts­stellen durch eine Kommission des Landtags' erfolgt sei. Allerdings sei diese Kommission nicht

vom Landtage gewählt worden. Ein volkspartei­licher Antrag, in diese Kommission auch Dartreter der Rlchtregierungsparteien hinzuzu- ziehen, wird abgelehnt.

Kapitel 89, L a n d e s k r e d i t k a s s e, mit 18 000 Mk. Einnahmen und Ausgaben wird nach kurzer Aussprache genehmigt. Bei Kapitel 90, Bergbau, mit 2010 Mk. Einnahmen und 30 292 Mk. Ausgaben wird angeregt, dieses Ka­pitel mit der Geologischen Landesan- stakt zusammenzulegen, da der Oberbergrat ja gleichzeitig Direktor des Landeseichamtes fei. Von Der Regierung wird eine entsprechende Prü- fiuig zugesagt. Bei Kapitel 93, Gewerbe­aufsicht, mit 169130 Mk. Ausgaben teilt die Regierung mit, daß das Wormser (Seteetbe- aufsichtsamt aufgegeben und Mainz angegliedert werden soll. Das Kapitel wird ebenso wie Ka­pitel 94, Dampskefselprüfung, mit 217 000 Mk. Einnahmen und 126 787 Mk. Ausgaben und Ka­pitel 95, Eichwesen, mit 365 800 Mk. Einnahmen und 235 607 Mk. Ausgaben genehmigt unter Llblehnung kommunistischer Anträge.

Kapitel 96: Gewerbemuseum und Bibliothek veranlaßt eine längere Aussprache über die Frage der Aufhebung dieses Fnstituts, für die sich der Minister einsetzt. Der volksparteiliche Ver­treter seht sich energisch für die Erhaltung ein. Man besitze hier ein vorbildliches Gewerbe­museum, um das sich andere Städte reihen wür­den, während man hier eine ausgezeichnete Ein­richtung aufgeben wolle, um rund 24 000 Mk. zu sparen. Auch der Vertreter der Volksrecht­partei tritt für die Erhaltung ein. Das Kapitel wird gegen die Stimmen der Volkspartei und der Volksrechtpartei genehmigt und damit die Ein- gaben für Erhaltung des Fnstituts für erledigt erklärt. Schließlich werden noch Kapitel 97, Chemische Prüfungsstation für die Gewerbe, 69 410 Mk. Einnahmen und Ausgaben, sowie Kapitel 99, Kunstgewerbliche und Gewerbliche Zwecke usw., 32 550 Mk. Ausgaben, verabschiedet.

hinaus soll es aber den Dauern wieder frei» stehen, die Sammelgüter zu verlassen und ihre eigenen Aecker zu bewirtschaften. Damit hat die Moskauer Regierung vox den Dauern den Rückzug auf breitester Front angetre­ten, das Chaos in der russischen Landwirtschaft wird sich aber dadurch nicht mehr besei­tigen lassen, weil die Zerstörungen schon zu to ei t um sich gegriffen haben.

Oie Religionsverfolßung?« in Rußland.

Englands diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion.

London, 2. April. (TU.) Der Erzbischof von Canterbury hielt im Oherhaus eine Rede, in der er sich eingehend gegen die religiösen Ver­folgungen in Rußland wandte. Er erflü.te, daß die Sowjets sich gegen jede Gotteslehre wenden. Alle Kirchen würden als Feinde des normalen Aufbaus bezeichnet. Ihm lagen Berichte vor, wonach 1929 395 Kirchen und 78 Klöster, 50 Synagogen und 38 Moscheen geschlossen worden seien. Nach weiteren Angaben sei damit zu rechnen, daß außerdem noch mehrere hundert Kirchen geschlossen worden seien. Aus religiösen Gründen seien 71 Per- fönen erschossen und 112 Personen z u Gefängnis st rasen verurteilt worden. Es sei kein Zweifel darüber, daß eine britische Ver­tretung in Moskau von Vorteil sei und daß man auch einen Vertreter der Sowjets in London sehen müsse. Aber diese Vorteile entbänden die britische Regierung nicht ihrer Verantwortung. Früher oder später würde die britische Regierung gezwungen sein, der Sowjetregierung mitzuteilen, daß diese auf die Stimmung in Großbritannien Rücksicht nehmen müße, "falls die diplomati­schen Beziehungen zufriedenstellend bleiben sollten. Sn der Religionsfrage sei man in England wohl einer Ansicht.

Lord Parmoor erklärte für die Regierung, daß die Regierung nicht die Absicht habe, wegen der Kirchenfrage die Beziehungen zu Ruß­land zu verschlechtern. Es sei überaus schwer, abzu- sthen, welche Wirkungen eine Einmischung der bri­tischen Regierung in die Religionsfrage mit sich bringen würde. Er sei im übrigen der Ansicht, daß der in Rußland geübte Terror in den letzten Jahren nicht sch'immer sei als in den letzten zehn Jahren überhaupt. Discount Brentford betonte für die Konservativen, daß die Regierung doch wohl in der Lage sein würde, freund schaftliche Vor­stellungen bei der russischen Regierung im Sinne des Erzb.schoss von Canterbury zu erheben. Der liberale Führer Lord Buckmaster, führte aus, daß er mit dem Erzbischof übereirftimme; er bezeichnete es als wünschenswert, daß E: g'and er­klärte, daß es die Vorgänge in Rußland verabscheue. Der Erzbischof von Canterbury betonte, er hoffe, daß freundschaftliche Vorstellungen zum mindesten eine gewisse Wirkung auf Sowjet- rußland ausüben würden.

D e überalterte Flotlentonfe enz

Keine Aussicht ans ein Ergebnis.

London, 4. April. (CAB. FunJpruch.) Die Flottcnkonserenz gerät immer mehr in eine Atmo­sphäre der Gereiztheit und brr Verstimmung. Man hat den Eindruck, dah jeder der Teilnehmer nur darauf wartet, daß der andere den Vorwand zum Abbruch der längst geschei- ' terten Konferenz liefert, daß aber keiner dieses Odium auf sich nehmen möche, und so die Kon­ferenz nicht leben und nicht sterben kann. Englands Entgegenkommen gegenüber den französischen Paktwünschen sollte die Konferenz, auf die Macdonald so große Hoffnungen gesetzt hatte, retten. Aber eine ehrliche Formel, die den Franzosen militärische ünterftü*)ung gesichert und den Engländern keine neuen Verpflichtungen auferlegt hätten, ließ sich natürlich auch auf dem Wege derFnterpretierung" des Art. 16 der Dölkerbundssahung nicht finden und über­dies stellte sich heraus, dah die französische Delegation jetzt, wo man auf die Sicherheits- frage eingeht, plötzlich keinen Zusammen- h a n g zwischen ihr und der Flottenabrüstung anerkennen wollte.

Damit ist auch für England jedes Fnteresse cm weiteren Verhandlungen mit Frankreich ge­schwunden, und es ist wohl kein Zufall, dah

Driand, der im Laufe des gestrigen Tages mit Henderson zusammenzukominen hoffte, zu seiner Enttäuschung hören mußte, daß der britische Außenminister durch ägyptische Ver­handlungen z u sehr in Anspruch ge­nommen sei und nicht eine halbe Stunde er­übrigen könne. Daraufhin wurde auch bei der französischen Delegation der Pessimismus zur offiziellen Stimmung, und man ließ durch Per- tinax im «Daily Telegraph" erklären, daß Driand es für das Beste halten würde, wenn die Kon­ferenz unbedingt vor Ostern abge­schlossen würde, da eine allzu lancse Fort­setzung unerwünschte Folgen zeitigen würde.

Einige dieser Folgen seien bereits in einev sehr beklagenswerten Verschärfung der französisch-italienischen Beziehun­gen sichtbar. Diese Verschärfung ist tatsächlich fast das einzige, was mit Sicherheit als Ergeb­nis der Konferenz feststeht, denn das Streben nach einem Mittelmeerpakt auf französischer, und die Forderung nach Parität auf italienischer Seite fjaben das ganze Mißtrauen. das die «lateini­schen Schwestern" gegeneinander hegen, vor aller Oeffentlichkeit enthüllt. Fedenfalls ist es ein Er­folg der Abgesandten Mussolinis, die gleichfalls schon zum Aufbruch rüsten, eine moralische Fso- lierung Ftaliens in London verhindert zu haben.

Aufgeklärter politischer Mord in Aauen.

Rauen, 3. April. Am 12. August 1928 wurde der landwirtschaftliche Verwalter Hans Mal- cher, Angehöriger des Stahlhelms, auf öcr Chaussee RauenWustermark mit vielen Stichwunden aufgesunden, denen er am Tage vorauf im Rau euer Krankenhaus erlag. Die damals angeslellten Ermittlungen verliefen zu­nächst ergebnislos. Fetzt ist es gelungen, die Ar­beiter Karl Scharf- Dyrotz, Voigt und Otto Harnack, beide aus Wustermark, und Har- w a n s k i aus Staaken, die sämtlich dem Roten Frontkämpferbund angehörten, als Tä­ter zu ermitteln. Sie haben nach eingehenden Vernehmungen gestanden, aus politischer Rache einem Angehörigen des Stahlhelms auf- gelauert und dabei Hans Malcher er­stochen zu haben. Sie sind ins Polizeigesängnis Rauen eingeliesert worden.

Der Schweriner Fememord vor dem chö ericht.

, Leipzig, 3. April. (WTB.) Das Reichsgericht hat das freisprechende Urteil des Schwurgerichts Schwerin, vor dem sich der Leutnant zur See a. D. Richard Eckermann wegen Anstiftung zum Mord an dem vermeintlichen Spion der Schwarzen Reichswehr, Beyer, zu verantworten halte, auf­gehoben und die Sache an das Schwurge­richt R o st o ck z u r ü ck v e r w i e s e n. In der Urteilsbegründung wird ausgcfährt, von einem rechtswidrigen Angriff Beyers am Tatort zur Zeit der Tat könne nicht die Rede fein. Es fei nicht erwiesen, daß Beyer am Tatort selbst im Be­sitz militärischer Geheimnisse gewesen sei, ebenso­wenig, daß er unter den damaligen Verhältnissen Geheimnisse an andere zu verraten im Begriffe war. Der Angeklagte könne sich auch nicht darauf be­rufen, daß die Tötung des B. wegen einer künftig drohenden Gefahr gerechtfertigt gewesen fei. Der Freispruch sei somit nicht zu halten.

Aus alter Wett.

Cosima Wagners letzte Fahrt.

Bayreuth, 3. April. (WTB.) Aus nah und fern waren heute die Freunde des Hauses Wagner herbeigekommen, um Cosima Wagner das letzte Geleit zu geben. Die Mitglieder der Familie Wagner, die nächsten Freunde des Hauses und die geladenen Gäste versammelten sich gegen 10 Ahr in der Musikhalle der V i l l a W a h n s r i e d, wo die Leichenfeier statt­fand. Sodann wurde der Sarg von Polizeibeam­ten nach dem bereitstehenden Leichenwagen ge­tragen. Die Straßen, die der Zug passierte, waren von Tausenden von Menschen umsäumt. Der Sarg wurde dann von einem Auto des Coburger Krematoriums übernommen. Die Men» schenmenge entblößte ihr Haupt und nahm so stummen Abschied von der Ehrenbürgerin der

Stadt. Fm Coburger Krematorium fanfr dann die Einäscherung statt. Als nächste Familienangehörige waren SiegfriedWag- ner mit Gattin und seinem Sohn Wie­land zugegen. Erschienen waren ferner u. a.: der Fürst zu Hohenlohe-Langenburg mit Familie, Vertretungen des Königs Fer­dinand von Bulgarien, der herzoglichen Familie von Sachsen Koburg-Gotha. der Regierungspräsident von Oberfranken Dr. v. Strößenreuther, Oberbürgermeister Preu, Bay­reuth, und Rechtsrat Dehler für die Stadt Co­burg. Dem Wunsche der Verstorbenen entsprechend wurde die Feier mit dem vom Chor des Landes- theaters Koburg gelungenen Pilgerchor aus Tannhäuser eingeleitet, worauf Stadtrat P i- st o r i u s. Coburg, die Gedächtnisrede hielt. Pro­fessor du Moulin»Eckard t, München, feierte die Verstorbene als Trägerin der deutschen Kul­tur und des deutschen nationalen Empfindens. Regierungspräsident v. Strößenreuther legte im Auftrage des bayerischen Kultusministers, Ober­bürgermeister Preu im Ramen der Stadt Bay­reuth. deren Ehrenbürgerin die Verstorbene war, Kränze nieder. Mit dem vom Bochröder-Qr^ - tett des Landestheaters gespickte»-Karfrei­tags-Zauber aus Parsival endete die Feier.

Die Kaiserin von Abessinien gestorben.

Addis Abeba, 4.April. (WTB. Funkspruch.) Am Mittwoch ist die Kaiserin Judith von Abessinien im Alter von 54 Jahren gestorben. (Seit einigen Jahren hat der Ras Tafari, ein entfernter Vetter der Verstorbenen, die Regierung geführt. Er ist im Jahre 1891 geboren und wurde 1928 zum Regenten und Negus erklärt. Der neue Kaiser hat feinen Wohnsitz nach Guebbi verlegt, wo die unter seinem Befehl stehenden Truppen zusam­mengezogen sind. Bisher herrscht im Lande Ruhe.

Explosionen in aller wett.

Fn dem 25 Kilometer von Philadelphia ent­fernten Orte Devon ereignete sich in den An­lagen der Pennsylvania Fireworks Company eine Reihe von Explosionen, durch die zehn Per­sonen getötet und fünfzig Personen verletzt wur­den. Die Explosion, die auf viele Meilen ver­spürt wurde, hat großen Schaden verursacht. Der Luftdruck war so stark, daß in der unmittelbaren Umgegenb des Änglücksortes Automobile einfach weggeschleudert wurden. Der Be­völkerung bemächtigte sich eine gewaltige Auf­regung. Die Einwohner eilten aus ihren Häu­sern auf die Straße hinaus, wo sie die Luft voll Rauchwolken und Trümmern fanden.

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In Neuyork, auf dem unteren Broadway zwischen der 28. und 30. Straße, erfolgte i n b e n unterirdischen Kabelleitungen eine schwere Explosion, durch die das Straßenpflaster weithin aufgerissen und die anliegenden Gebäude stark erschüttert wurden. Mehrere Passanten wurden verletzt. Von der Polizei wurde sofort die Räu­mung aller Häuser in b^r Gegend der Ex­plosion, in der auch mehrere Theater liegen, angeordnet. Die Räumung der Gefahrzone geschah, da befürchtet wurde, daß entweichende Gase in die Untergeschosse der Häuser eindringen und weitere Explosionen verursachen würden. Im Finanzdistrikt zeitigte es Verwirrung, da infolge der Explosion etwa 4000 Telephonleitungen, darunter auch die Privatlinien der 2/caflerftuben zur Fondsbörse lahm- - gelegt waren.

Die Wetterlage.

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^Zetteroo raussage.

Die Einwirkung von kontinentaler Kallluft des nördlichen Hochdruckcgebietes und Warmluft des westlichen Tiefs verursachen über Deutschland wol­kiges, im südlichen Teile des Reiches mildes und sonst kühles Wetter mit vielfachen Niederschlägen, welche teils als Schnee auftreten. Die Luftdruck- ge^ensätze haben sich seit gestern wesentlich ver­schärft, namentlich die westliche Störung hat sich weiter vertieft und sich zu einem Sturmwirbel mit Barometerständen von 735 mm entwickelt. Die Wet­terlage, welche von dem weiteren Zusammentreffen von Kalt- und Warmluft bei stärkerer Einwirkung des neuen Wirbels abhängt, wird sich veränderlich gestalten. Bewölkung und zeitweise Niederschläge treten auf und die Temperaturen steigen dabei spa­ter an.

Voraussage für Samstag: Kühles, wolkiges Wetter, später mild, teiltoeife Nieder­schläge, lebhaft wechselnde Luftbewegung.

Lufttemperaturen am 3. April: mittags 7,7 Grad Celsius, abends 6,2 Grad; am 4. April: morgens 2,2 Grad. Maximum 13,1 Grad, Minimum 1,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. April: abends 9,1 Grad: am 4. April: morgens 6,4 Grad Celsius. Niederschlag 1,6 mm. Sonnenscheindauer stunden.

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