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Ätzung zusammen, an der sämtliche der Frak­tion angehörenden Minister teilnahmen und in der über den gegenwärtigen Stand der Ver­handlungen über die Regelung der finan- zlellen Fragen Bericht erstattet wurde. Es wurden keine Beschlüsse gefaßt, doch herrschte volle Einmütigkeit darüber, daß d i c Verabschiedung des Bounggesetzes nicht durch innerpolitifche Streitig­keiten verzögert werden darf, und daß für die schwebenden Finanzfragcn eine Lösung gefunden werden muh, die sowohl der Auf­rechterhaltung der sozialen Insti­tutionen, insbesondere der Arbeitslosenver­sicherung. in dem bisherigen Umfang Gewähr leiste, als auch dem Gedanken eines Opfers der Besitzenden für die Sa­nierung der Finanzen trägt."

DerAeichsbundderhöherenVeamten gegen einseitige Besteuerung.

Berlin, 3. März. (ERB.) Der Vorstand des Reichsbundes der höheren Be­amten hat in seiner gestrigen Sitzung eine Entschließung gefaßt, die sich mit der Frage des Rotopfers beschäftigt, und in der es heißt: Die Beamtenschaft kann keinen Rechtsgrund dafür anerkennen, daß sie zur Deckung dieses oder eines anderen Teiles der allgemeinen Haus­haltsausgaben einseitig herangezogen wird. Sie ist um so weniger in der Lage, die sich ergebende Belastung allein zu tragen, als ihre Bezüge seit Jahrzehnten hinter der allge­meinen Lohnentwickelung zurückgeblieben sind, und durch die Gehaltsregelung von 1927 nur ein Teil dieses Zurückbleibens aufgeholt worden ist. Einem allgemeinen, das ganze Volk treffenden Rotopfer wird sich die höhere Beamtenschaft selbstverständlich nicht verschlie­ßen. Sie lehnt aber eine einseitige - l a st u n g zu ihren Hngunften als eine Son - derbe st euerung ab. Die Entschließung wurde heute vormittag dem Reichskanzler über­reicht.

SieVesleuemngi>ertotenHalid"

w ünsche örr Städte an das Reichs- sinanzministerium.

Berlin, 3. März. Die Spitzenorganisation der größeren deutschen Gemeinden, der Deutsche Städte tag, ist in der letzten Zeit wiederholt im Reichsfinanzministerium vorstellig geworden, um eine Klärung der bisher unklaren Berhältnisse hin­sichtlich der G r u n d e r w c r b s st e u e r derto­ten Hand" zu erzielen. Es ist ihm aber bis jetzt nicht gelungen, eine Regelung im Sinne der Städte zu erzielen, die Bemühungen sollen jedoch fortgesetzt werden, nachdem vor allem die Stadt Berlin den Reichsfinanzminster um Erfüllung ihrer Wünsche eindringlichst gebeten hat. Durch eine gesetzliche Re­gelung vom Dezember 1928 ist die Erhebung der Grunderwerbsstcuer von der sogenanntentoten Hand", die zum erstenmal am 1. Januar 1929 fällig war, bis zum 1. Januar 1931 ausgesetzt wor­den. Die Kommunen müssen also auf diese ihnen zu- stehende Steuerquelle verzichten. Dabei kommen aber relativ hohe 'Summen in Frage, und da die Finanzen der Kommunen in hohem Maße notlei­dend sind, werden sie zur Ausnutzung der letzten nur iraendwie verfügbaren Steuerquellen gezwun­gen. Auch der Reichsrat hat gegenüber den Wünschen der Kommunen ein gewisses Entgegen- lommen gezeigt, indem er die Reichsregierung ge­boten hat, die endgültige Regelung möglichst noch vor dem Ende des laufenden Haushaltsjahres zu bestimmen, damit die Gemeinden bei der Aufstellung des kommenden Etats einen klaren Ueberblick über ihre Steuerquellen gewinnen können.

Oer $all Siefert in Weimar

Weimar, 3. März. (WTB.) Der Ober­studiendirektor S i e f e r t ist durch Verfügung des thüringischen Volksbildungsministeriums in seine Rechte als Direktor des Wilhelm-Ernst- Gymnasiums in Weimar wiederern gesetzt worden. Das von ihm selbst beantragte Dis-

Prinz Karneval am Rhein.

Von Liesbet Dill.

'Rachdruck verboten.

Winddurchfegte Straßen, in denen man schon in der Frühe des Februarsonntags kleine Rot­käppchen aus den Türen kommen sieht, ver­folgt von Bauernjungens in blauen Blusen, weißer Zipfelmütze, die Schweinsblase am Stock schwingend. Kleine Rokokodamen, die in ihren ausgeschnittenen, geblümten Kleidern zu frieren scheinen, trippeln auf rosa Stöckelschuhen einher mit gepuderten Locken und Schönheitspfläster­chen. Vergnügte Clowns, weißgeschminkt, mit rotem Wund und schwarzen Pompons auf den weißen, luftigen Anzügen, fahren. Lieder sin­gend, durch die Straßen; in den Häusern duftet es nach Pfannkuchen und Kreppeln. Nachmittags um zwei Uhr ordnet sich der Fastnachtszug. Wochenlang vorher fanden die Rarrensihungen der Vereine stakt, die alle Aamen tragen, z. B. M'r sin nit so" oderWir wollen's mal ris- Zieren" usw., und in denender Redner auf der Bütt" eine große Rolle spielt. 3m ersten Wagen sitzt die Prinzessin Karneval auf ihrem Thron, lächelnd, dick, geschminkt, mit Fächer und Feder­hut. Ratürlich steckt ein Herr unter der Maske. Dann folgt der Zug Musikkapellen, die plakat­geschmückten Wagen allerlei aktuelle städtische uird politische Zustände werden karikiert, die Steuerbehörde hergenommen, die Stadtväter, ne­benher trottet die Jugend, johlend, das Heer von Schornsteinfegern, Engeln, Tirolern, Elsässer- Bauernmädchen, Teufeln uird Dominos, singend, lochend, kreischend. Heute ist Fastnacht! Musik und Maskengewühl, alle Fenster sind beseht Bunte Serpentinschlangen fliegen durch die Luft, Konfetti regnet auf die Köpfe der Zuschauer.' Abends beginnen die Maskenbälle, die Redouten, und die Köchin näht sich bis Mitternacht Karten auf das rote Kleid. Sie geht als Zigeunerin oder Polln mit Schwanenpelz am Samtkleid

Fastnacht am Rhein, an der Saar, der Mosel - überall das gleiche Treiben, dieselbe über­schäumende Lustigkeit, dieselben Masken, die­selben Scherze, derselbe Humor, der nie ver­siegt bei einem, der mit Rheinwasser getauft ist. 3n dieser Luft sind die Rheinländer aus­gewachsen. Mit zwei Jahren schon wird ihnen zu Fastnacht die Rarrenkappe aufgefeht: den Mädchen die Rotkäppchenhaube, den Buben die Bauernmütze oder der Mama eine Krone aus Goldpapier, und der Flachsbart für den Vater hängt das ganze Jahr im Schrank, wie sein

ziplinarversahren nimmt jedoch seinen Fortgang.

Amerika wird ungeduldig.

Ein Appell an die Z-lottcnkonferenz.

R e u y o r k. 2. März. (Reuter). Heute wurde an die amerikanische Delegation in London tele­graphisch ein Aufruf gesandt, die Seerüstun­gen nicht nur zu begrenzen, sondern zu ver­mindern. Der Ausruf ist von 12 000 hervor­ragenden Persönlichkeiten unterzeichnet, darunter den Präsidenten von mehr als 200 der größten Universitäten und Hochschulen, den Gouverneu­ren von acht Staaten und einer Anzahl bekannter Geschäftsleute und Geistlicher. Der Aufruf ist ein Echo der wenig optimistisch lau­tenden Meldung von der Londoner Konferenz. Die Unterschriften wurden in­nerhalb 72 Stunden gesammelt.

In einer von London durch Funkspruch nach Amerika übertragenen Rede äußerte gestern der ameritanische Marineminister Adams: Die Vereinigten Staaten wünschen eine Flotte, die nicht größer ist, als es die nationale Si­cherheit erfordert. Wenn der Rüstungswett­bewerb in Kreuzern, Zerstörern und Untersee­booten andauern würde, dann würde es zweifel­los eine ständig zunehmende Zahl von unan­genehmen Zwischenfällen geben, und unsere Flotte

würde unter dem Einfluß krampfhaf­ter Gereiztheit aufgebaut werden.

Die Moskauer Gemeinde gegen den Metropoliten Sergius.

Protest geizen die sowjetfreundliche Er­klärung des orthodoxen stirchenfürftcn.

Berlin, 4. März. (TU.) In einer Mos­kauer Kirche kam es zu Ausschreitungen der Gemeinde gegen den Metropoli - t en Sergius, der bekanntlich kürzlich in Er­klärungen der in- und ausländischen Presse die Sowjets gegen den Vorwurf christenfeindlichen Vorgehens verteidigt hat. Als der Metropolit vor dem Altar trat, um die Messe zu lesen, fing die Menge an zu pfeifen und den Geist­lichen mit Rufen wieVerräter".Ju­das".F e i g l i n g" zu überschütten. Der Lärm war so groß, daß Sergius nicht mehr zelebrieren konnte und. um seine tobende Gemeinde zu be­schwichtigen. mitten unter sie trat. Aber die er­regten Gläubigen zerrten ihn an seinen Gewän­dern. bespülten ihn und versuchten, das Pa­triarchenkreuz von seiner Brust zu reißen. Ser­gius blieb nichts anderes übrig, als d i e K i r ch e S u verlassen. Ein Gottesdienst in einer an­deren Kirche, den der Metropolit abhalten wollte, wurde von der Gemeinde boykottiert.

Das neue französische Kabinett.

Keine Endlösung.

Herr Tardieu hat also wirklich sein Wort wahrgemacht und in verhältnismäßig kurzer Zeit ein Kabinett auf die Deine gestellt. Aber sehr viel Freude wird er an dem gelungenen Werk nicht empfinden. Was er zustande gebracht hat, ist bestenfalls ein Verlegenheitsministerium, er hat die Krise überkleistert, aber nicht gelöst. And auch dieser Rotbehelf ist nur zu­stande gekommen, indem er neue Ministerien schuf, nur um einzelne Aeverläufer zum Zwecke des Stimmenfangs nach links hin unterbringen zu können. So hat er ein Kabinett von 34 Mitgliedern, selbst für Frankreich, wo man an derartige Scherze gewöhnt ist, eine un­gewöhnliche Zahl. Wenn er damit vor die Kam­mer tritt, kann er zunächst wahrscheinlich auf eine kleine Mehrheit rechnen. Aber die große Frage war doch, ob es ihm gelang, seinen Frie­den mit den Radikalsozialen zu machen, und das ist ihm trotz alles Liebeswerbens miß­glückt.

Richt ohne eigene Schuld. Er hat patriotische Töne angeschlagen, hat den Präsidenten der Re- publik höchst persönlich mobil gemacht, um den Radikalsozialisten den Ernst der Lage innen- wie außenpolitisch klar zu machen und ihnen einen Waffenstillstand vorgeschlagen. Das Angebot sah nicht einmal schlecht aus. Er wollte ihnen vier wichtige Ministerien anvertrauen, wollte sich auch mit der Rolle eines geschäfts­führenden Ministeriums begnügen, das zurück- treten sollte, sobald die brennendsten politischen Fragen gelöst seien. Chautemps und Daladier haben aber abgelehnt, mit dem Erfolge, daß Herr Tardieu öffentlich ihre nationale Verant­wortungslosigkeit beklagte. Das ist doch Schau­spielerei. Denn schließlich hat Herr Tardieu acht Tage vorher Chautemps gegenüber d a s g l e i ch e getan. Auch Chautemps wollte ein Konzentra­tionskabinett bilden, das ihm Tardieu ziel­bewußt kaputt geschlagen hat; nur weil er f e I b ft dec Mann sein wollte, der über den toten Punkt hinweghalf, um dann, wenn erst einmal die Tagesfragen bereinigt waren, wieder der ge­gebene Anwärter für ein Dauerministerium zu sein. Daß die Radikalsozialen keine Neigung verspürten, ihm zu dieser Rolle zu verhelfen, kann man ihnen eigentlich nicht übel nehmen. Sie haben zwar den Waffenstillstand bewilligen wollen, aber nicht Herrn Tardieu, sondern einem

anderen Ministerpräsidenten. der dann ruhig Herrn Tardieu in sein Kabinett nehmen konnte.

Aber gerade das wollte der ehrgeizige Tardieu nicht, so ist es im wesentlichen seine Schuld, wenn eine vernünftige Lösung nicht zustande kam. Er kann sich sogar bei Herrn Briand dafür bedan­ken, daß er überhaupt sein Kabinett bilden konnte, bei demselben Briand, den er bisher zielbewußt ausschaltete, der aus dem Haag sogar wütend abreiste, weil Tardieu ihn ganz an die Wand quetschte. Auch Frankreich kommt also aus den Krisen nicht heraus. Tardieus stärkste Stühe ist eine gewisse Krisenmüdigkeit des Parlaments und der Oesfentlichleit. Aber die erbitterte Feind­schaft einer Minderheit von mindestens 250 Stim­men ist ihm sicher, und dagegen anzuregieren mit einer Mehrheit von vielleicht 30 Stimmen, die bei den lockeren französischen Fraktionsver­hältnissen von Tag zu Tag umschlagen kann, dieses Kunststück wird selbst Herr Tardieu auf die Dauer nicht fertig bringen.

TardMs Regierungsprogramm

or dem Kampf mit der Kammer.

Paris, 3. Mär;. (WTV ) Ministerpräsident Tar­dieu wird morgen einem Kabinettsrat die am Mitt­woch zu verlesende Regierungserklärung unterbreiten, die sich im wesentlichen auf den Grund­sätzen aufbauen wird, die in feinem Angebot für den Abschluß eines Burgfriedens enthalten waren. 3m übrigen gedenkt Tardieu seinem Mini­sterium einen im wesentlichen wirtschaftlichen und finanzielle^ Charakter zu geben. Zu diesem Zweck werde er sich bemühen, nicht nur ein Programm der Steuerermäßigung durchzu- sühren, sondern auch eine völlige Abände­rung des Steuersystems in Angriff zu neh­men. Das Finanzministerium dürfe nicht mehr eine verschanzte Festung sein; es müsse ein Organismus fein, der in enger Fühlungnahme mit den übrigen Ministerien arbeitet.

Die französische Abordnung für die Londoner Flottenkonferen; wird Paris voraussichtlich am Donnerstag verlassen. Tardieu selbst wird wahrscheinlich er st 48 Stunden später abreisen und nur wenige Tage in London bleiben. Tardieu scheint sich darüber klar geworden

Pelz ... Einmal im Jahre Narr sein! Der Rheinländer muß es. Und wie er vergnügt ist, wie sich seine Fastnacht äußert, das macht man ihm nicht nach, weder in München, wo der Humor derber, brutaler, und Karneval äußer­licher verläuft; und erst recht nicht in Berlin, wo der Witz schärfer, beißender ist. Der Rhein­länder verletzt nicht; er wird in seinem Scherz nie persönlich, er machk sich über alles gern lustig, vor allem aber auch gern über sich selbst. Der rheinische Fasching ist leichter, eleganter, selbstverständlicher als der Karneval im übrigen Deutschland; er ist ein natürliches Kind rheini­sche Luft, während er nach Süddeutschland nur künstlich verpflanzt ist. Der Süddeutsche ist steifer, zurückhaltender, schwerblütiger als der Rhein­länder, der eigentlich nichts ganz ernst nimmt, nicht einmal sich selbst, unb der deshalb so fleißig arbeitet, um sich Mittel zu einem Leben ZU verschaffen, das ihmSpaß macht".

Ob etwasSpaß" macht oder nicht, ist aus­schlaggebend .. .

3n Süddeutschland spielt Fastnacht kaum eine Rolle. Cs gab in Städten, wie Karlsruhe, Stutt­gart, wohl Maskenbälle und Maskenumzüge, Maskensitzungen, aber ihre Gründer und Leiter sind fast immer Rheinländer, der Süddeutsch: sieht lächelnd dein bunten Trubel zu ... Mün­chens Karneval ist künstlerischer, die Kostüm: origineller, die Ausschmückungen des Saales, das Drum und Dran, das äußere Bild, der Rah­men des Karnevals ist hier wichtiger. Fasching in München ist ein Erlebnis aber . .. zu Hause ist Fastnacht nur am Rhein.

Wann entstand Karneval, wann wurde er geboren? Genau weih man es nicht. Er ist schon uralt. Er kommt schon im Mittelalter bor. Auf alten Kupferstichen sieht man die Rarren und Rärrinnen miteinander in den engen Gassen tanzen. Vom 6. Januar, dem Fest der Hei­ligen Drei Könige, das durch einen Ball gefeiert wurde, beginnt die vierzigtägige Fastenzeit und dauert bis zum Aschermittwoch, wo ..zur Er­weckung der Buße" den Katholiken Aschentreu;e aus die Stirn gezeichnet werden von Priester­hand.

Die rheinischen Damen gehen vom Ball in bie Messe; das hängt eng zusammen: Karneval und Beichte. Es geschahen auch üble Dinge unter der Maske an Fastnacht: Morde und Totschlag im Gedränge. Ich erinnere mich einer großen Gerichtsverhandlung in meiner saarlän­dischen Heimat, wo ein Nebenbuhler dem Mann seiner Geliebten Fastnachtdienstag um Mitter­nacht auf lauerte und ihn niederschlug, und eines

rätselhaften Mordes an einem Offizier, geschehen zu Metz, wo der Mörder im Maskentrubel un­erkannt entkam.

Fastnacht lebt in den Herzen der Rheinländer wie das Weihnachtsfest. Wie jeder Deutsche fei­nen Lannenbaum haben muß. so will der Rhein­länder sich Fastnacht maskieren und amüsieren. Fastnacht in den Garnisonen, wie Metz und Trier, war berühmt. Dort waren die Deutschen zusammengeströmt aus allen Gauen, und in die Grenzgarnisonen, die Kasernen, in jedes Kasino 3?g Fastnacht ein, wenn der Februar zu Ende ging. Durch die beschneiten, kalten Straßen ras­selten die Krümperwagen mit vermummten Ge­stalten, die Kasinos waren erleuchtet, es reg­nete Konfetti, es wurde musiziert und getanzt, die Drehorgeln klangen auf der Straße, die Pferde trugen Blumen am Ohr und die Hunde kleine Narrenkappen und Hütchen. An den Höfen ist Karneval nie recht heimisch geworden; denn er verträgt keinen Zwang, keine Halseisen und keine Zeremonien, keine spanische Etikette.

Die kahlen Bäume der Alleen in Mainz und Wiesbaden waren buntbestreut mit Konfetti. Straßen, Bahnen, die Regenschirme, alles war von weißem Papierregen übergossen; üon den Resten wehten grüne und rote Papierschlangen, alle Lokale waren buntbestreut, die Köpfe der Kellner waren von Papierschlangen umzingelt, das Konfetti flog wie Schnee durch die Lust überrieselte die Köpfe der Männer und die Busen der Damen, man tanzte in knöcheltiefem, papiere- nem Schnee, und in den nebligen Gassen priesen bie kleinen Jtalienerknaben ihre Ware singend an:Konfetti, Konfetti, schön, süß und billig!

Am grauen Morgen, wenn die Straßenkehrer eben mit ihren Besen tarnen und die weiß­gekleideten Däckerjungen die Brötchen austrugen, fuhren die Schlitten mit den Rkasken heim. Es gab Leute, die Karneval durchfeierten, die fünf­mal am Abend ihr Kostüm wechselten; sie schlie­fen in ihren Dominos, lebten nur auf, um sich au schminken, zu maskieren und weiterzutanzen. Man rechnete am Rhein: Das Kind kommt nach Fastnacht zur Schule, meine Schwester heiratet noch vor Fastnacht, wir ziehen in der Fastnacht­woche um. Für Rorddeutschland hat der Fasching fast keine Bedeutung. Die Kostümbälle finden ohne Larven statt; man stellt sich vor, man ist korrekt, vernünftig, steif und zeremoniös. Der Rheinländer aber zieht mit seinem Fastnacht- Neid einen anderen Menschen an, den lustigen Narren mit der klirrenden Kappe, der losen Pritsche. Er feiert Karneval von Sonntagabend bis Mittwoch nach Fastnacht, dem Aschermitt-

zu fein, daß er durch längere Abwesenheit von der Hauptstadt zum Schaden feines Kabinetts den Kontakt mit der Kammer verlieren würde. Er erklärte, daß er sich in Zukunft darauf beschränken werde, wöchentlich einen ober zwei Tage am verhckndlungstifch in London zu ver­bringen.

Auf Grund der Lage sieht derWatin" vor­aus, baß die erste Begegnung zwischen der neuen Regierung unb der Kammer z u einem hef­tigen Zusammenprall führen werde. Im Lager der Opposition werde man nicht verfehlen, die Ernüchterung gewisser Persönlichkeiten auszu­nützen, um eine große Anstrengung zu unter­nehmen. Der mögliche Ausgleich sei eben nicht geschaffen worben. Mehr als je sei man auf Kampf eingestellt und die Sozialisten kün­digten bereits die Absicht an, gegen Briand Stellung zu nehmen, der bisher eine Persönlich­keit gewesen sei, die außerhalb der Kontroverse stand. Es sei jedoch sicher, daß das Kabinett Tardieu am Mittwoch in der Kammer eine aus­reichende Mehrheit erhalten werde, um nützliche Arbeit leisten zu können. - Daladiers La Re- publique sieht Schwierigkeiten für das Kabinett Tardieu deshalb voraus, weil Briand nur zögernd unb ohne Begeisterung seine Zu­stimmung. in das Kabinett einzutreten, gegeben habe. Das Thermometer stehe eben auf Kampf. Die Radikalen würden einen höflichen, aber entschlossenen Kampf gegen die 34 Ex­zellenzen des neuen Kabinetts führen. Kampf lautet selbstverständlich auch die Parole des Füh­rers der Sozialisten Leon Blum, die dieser heute imPopulaire' ausgibt. Diejenigen, so schreibt er, die gestern das Kabinett Chautemps gestürzt haben, lediglich' aus dem Grunde, weil es die Unterstützung der sozialistischen Stimmen gefunden hat, haben deutlich gezeigt, was sie morgen, wenn sie an der Regierung sind, zu unternehmen gedenken. Es geht eben zum Kamps. Wir sind dazu bereit. Er macht uns keine Angst. Wir haben schon andere Kämpfe durchgefochten.

Aus aller Welt.

Schwere Lleherschwemmungs» katastrophe in Süd-Frankreich.

Paris, 4. März. (WTB. Funkspruch.) Süd- westfrantreich, und zwar das Departement Tarn et Garonne mit der Stadt Montauban ist von einer schweren Überschwemmungskatastrophe heimgeiucht worden, die auch noch weiter nach Osten in das Flußgebiet des Aube unb der Garonne über gegriffen hat. Die Ueberschwem- mung des Tarn hat außerordentliche Ausmaße angenommen. Die Stadt Montauban ist von allen Seiten von jedem Verkehr a b - geschnitten. In mehreren Stadtvierteln sind Häuser ein gestürzt. Etwa 10 Soldaten, die bei den Rektungs- und Bergungsarbeiten init- gewirkt haben, fehlten beim Appell. Zeugen wollen gesehen haben, wie zwei von ihnen bei den Rettungsarbeiten ertranken. Die.Stadt Montauban hat zur Zeit weder Trink was­ser, noch Gas, noch elektrischenStro in. Ein Rettungsboot zerschellte an einer Mauer, einer der Insassen ertrank. Infolge der krillschen Lage sollen die Behörden sogar eine vorläufige Aussetzung der Rettungsarbeiten angeordnet haben, um nicht weitere Menschenleben aufs Spiel zu sehen. Ein Automobil ist. als es eine Brücke in der Nähe von Montauban passierte, infolge des plötzlichen Einsturzes der Brücke Don den Fluten verschlungen worden. Auch die bei Toulouse gelegene Ortschaft Dillemur am Tarn ist außerordentlich schwer heimgesucht worden. Sie ist ebenfalls vollkommen vom Ver­kehr abgeschnitten. 600 Arbeiter sitzen in einer Fabrik, die überschwemmt ist, fest. Aus den Straßen in der Nähe von Toulouse steht das Wasser teilweise bis zu fünf Meter hoch. Zwei Hängebrücken find weggeschwemmt worden. Die Regengüsse halten an und bic Flut steigt weiter. Zahlreiche Häuser sind bereits ein- gestürzt. Um 11 Uhr nachts war die telephonische

woch. Mit diesem Tage erlischt die rheinische Geselligkeit. In der Bußezeit bis Ostern tanzt man nicht mehr und feiert man keine Feste.

Fastnacht ist volkstümlich in Italien und am Rhein. Das Herz des Karnevals ist Köln.

Hochschulnackrichten. '

Die Ernennung des ordentlichen Professors D. Emil B a 11 a von der ünioerfität Leipzig zum ordentlichen Professor für Altes Testament an der Universität Marburg als Nachfolger von Professor G. Hölscher ist erfolgt. - Der durch den Weggang von Professor Franz Beyerle an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl des deutschen bürgerlichen Rechts ist dem außerordentlichen Professor Dr. Erich Mo­litor in Leipzig angeboten worden. Zur Wiederbesehung des an der Medizinischen Aka­demie in Düsseldorf erledigten Lehrstuhls der Pharmakologie ist ein Rus an Professor Dr. Fritz Külz, Direktor des Pharmakologischen Instituts in Kiel ergangen. Der durch den Rücktritt des Geh. Rats David Hilbert an der Göttinger Universität erledigte Lehrstuhl der Mathematik ist Professor Dr. Hermann Weyl in Zürich angeboten worden. Der Göttin­ger Professor Lic. theoL Otto Piper hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der systematischen Theologie in der evangelisch-theologischen Fa­kultät der Universität Münster als Nachfolger von Professor K. Barth erhalten.

Zwei erledigte Ordinariate der Pharmakologie sollen wieder besetzt werden. Der durch die Eme­ritierung von Pros. A. Gürber au der Qli a r - bürget Universität erledigte pharmakologische Lehrstuhl ist Professor Dr. Fritz Külz in Kiel angeboten worden, während zur Wiederbesehung des durch den Weggang von Prof. W. Heubner an der Medizinischen Akademie in Düsse l- b o r f sreigewordenen Lehrstuhls der Pharma­kologie ein Ruf an Pros. Dr. Adolf Jarisch m Innsbruck ergangen ist. Der durch den Weggang von Pros. R. Harder an der Universi­tät Königsberg erledigte Lehrstuhl der klassi­schen Philologie ist Professor Dr. Paul Maas in Berlin angeboten worden. Dem ordent­lichen Professor Dr. Friedrich K l i n g n c r in H a m bürg ist ein Lehrstuhl für klassische Phi­lologie in Leipzig angeboten worden. An ber Technischen Hochschule in Dar in st a d t ist der Privatdozent für Psychotechnik Dr -Jng. Er­win Brainesfetd zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor ernannt worden.

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