sich eine ehrliche Freundschaft entwickeln knnte. nicht entgegen. Allerdings muß hierbei von dem Prinzip der Gleichberechtigung auSgegan- flen werben. Ein Unterdrücker wird n i e mit seinem Unterdrückten ehrlich Kameradschaft schließen, und nur ehrliche Kameradschaft hat Wert. In diesem Sinne erhebe leb mein GlaL und trinke auf Ihr Wohl, mein sehr ver- ehrter General, und auf da- Wohl der durch Sie repräsentierten französischen Armee.
Aus aller Well.
Nelcholagung der Hotelbesitzer.
Zur Wintertagung des Rcichsverbandcs der deut- scheu Hotels. Restaurants und verwandten Betriebe traten etwa 100 Bertretcr des Gewerbes aus allen Tellen Deutschlands in Berlin zusammen. Der Syndikus des Verbandes, Dr. Knapmann, machte der Regierung den Vorwurf, sie habe die Schank- verzehrsteuer cingosührt unter dem Druck des Reichssinanzministers und seines preußischen Kölle» gen als eine untragbare, undurchführbare, unmoralische und unsoziale S o n d e r ft c u e r, die nichts weiter sei als eine erhöhte Umsatzsteuer von unbeschränktem Ausmaße. Der Reichsverbandvpräsident Abgeordneter Nolte führte aus, er habe mit dem Reichskanzler wiederholt verhandelt, der nicht für diese Steuer sei. Aber der Rcichsfinanzminifter wolle aur diese Steuer nicht verzichten.
Eine eingehende Aussprache entwickelte sich über die Frage, wie das Publikum besser als bisher auf die Schönheiten der deutschen Kurorte hinge- wiesen werden könne. Allgemein bemängelt wurde die Haltung der Neichsbahngesellschaft, deren lar if poHtit den Reiseverkehr in Deutschland geradezu erschwere. In einer weiteren Entschließung wird festaestellt, daß die deutschen Sallonbetriebe weitgehend der stark gesunkenen Kaufkraft des Pu- blikums Rechnung getragen haben.
Revtfionvanlrag im Frenkel-Prozeß?
Gegen da« Urteil gegen den früheren Dor- nlmct Amtsvorsteher Frenzei werden ine Verteidiger Revision beim Reichsgericht anmelden. Rechtsanwalt Dr. Drandt will vor allen Dingen darum ersuchen, den Prozeß nicht wieder nach Potsdam zurückzuverweisen, sallS der Revision stattgegeben werden sollle, sondern den Fall nach Berlin zu verlegen, um ihn der „Potsdamer Atmosphäre" zu entrücken. Wit einer Entscheidung des Reichsgerichts kann man frühestens im März rechnen.
Großfeuer in einer Berliner Schuhfabrik.
In einer Schuhfabrck in der Kirschenstraße im Zentrum Berlins brach ein Brand auS, der rasch so bedvvhliche Formen annahm, daß acht Löschzüge zu seiner Bekämpfung eingesetzt werden mußten. Besonder- schwierig gestaltete sich die Arbeit der Feuerwehr dadurch, daß in den Räumen über der Fabrik sich noch M e n - scheu befanden, die schleunigst in Sicherheit gebracht werden mußten. ES gelang auch, die sechs Gingeschlossenen Über zwei mechanische Leitern auS der Gefahrenzone zu bringen. Infolge des Brande- entstand in dem von Fuhrwerken dicht belebten Viertel um die Zentralmarkthalle eine beträchtliche Ve rkehr-- ft o ck u n g.
Straßenbahnerstreik In Chemnitz.
In einem Streit zwischen dem Rat der Stadt Ehemnih und den Straßenbahnern wegen der Einführung der 40-S t unden-Wvche hatten die Straßenbahner ein Ultimatum gestellt, die au-gesprochenen Kündigungen zurückzunehmen. Der Rat beschloß, das Ultimatum ab- zu lehnen. Um 20 Uhr wurde in einer • Belegschaft-Versammlung der Straßenbahner mit erdrückender Mehrheit beschlossen, sofort in ben Streikzu treten. Die mit arbeitswilligen Straßenbahnern besetzten Straßenbahnwagen toaren an den verschiedensten Stellen der Stadt Sabotageakten deS streikenden Personal« auSge- seht. Als Material wurden außer Holzpfählen um geworfene Lastwagen, z. T. belaßen, verwendet Teilweise wurden die Schienen mit Holz und Steinen verkeilt oder durch loSgerisseno Gitterzäune versperrt. An einer Stelle ist versucht worden, einen Straßenbahnwagen umzuwerfen. Außerdem sind Wagen an verschiedenen Stellen der Stadt mit Steinen beworfen worden. Dine Anzahl Personen wurde f e st g e n o m m e n, darunter die beiden kommunistischen Führer de« Betriebsrats Raumann und Schubert. Auch wurde teilweise vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht.
Gießener Gtadttheater.
(Gastspiel der Wiener Exl-Bühne: „Erde" von Karl Schünherr.
Schönherr, SchullehrerSsohn auS Tirol, heut 63- jährig, kam von der Medizin zur Dichtkunst... und In seinen Schauspielen vom bodenständigen Dauerndrama zum aktuellen Zeitstück. Seine großen Dühnensiege heißen „Glaube und Heimat" (1911) und „Der WeibSteusel" (1914); wohl das reifste und innerlich geschlossenste seiner Werke ist die .Erde", eine Komödie de« Lebens vom Jahre 1907.
•
„Erde" hat weder die hinreißende und auswühlende, historisch beglaubigte Fabel der gegen- resormatoriscyen Volkstragödie noch die vehemente Spannung und die fabelhafte Bühnentech- nik de« bäuerlichen Totentänze-... aber ihre drei Akte sind gewachsen, auS dem Vollen geschöpft und au« blutwarmer Wirklichkeit geboren, sie werden von echten Menschen bewegt, au« einem unverwüstlich gesunden Lebensgesühl gespeist... und vor allem -- man mag c« drehen und wenden, wie man will, man mag die Achseln zucken, unt> e« mag einem da- alle« „nicht liegen* —: hier ist einmal eine der wahrhaften und echten Komödien, mit denen, wenn wir un« recht besinnen, unsere Literatur nicht gerade im Ueberfluß gesegnet ist.
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®« ist mit der sogenannten Schollenverbunden- fjelt und dem hinlänglich bekannten Erdgeruch von leher viel Unfug und Mißbrauch getrieben worden in unserer Literaturkritik. Hier, wie un« scheint, stehen diese oft bespöttelten und schon einigermaßen verbrauchten und abgeschlisfenen De- grisse einmal mit Fug und Recht und treffen In« Wesentliche und Lharakterlstisck)e de« Schauspiel« ... daS noch so tief Im Raturallsmus steckt, daß eS mehr Zustände, mehr nationale und seelische Landschaftsschilderung gibt al« dramatische Auseinandersetzung, mehr epischen BildauSschnitt al« abgeschlossene Entwicklung.
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Obwohl e« ein starke« und stellenweise fast unheimlich wirksame« Theaterstück ist, und obwohl der elflenilld)e Stern dieser Fadel auch wiederum
Al« gegen Mittag einDemonstrativn-zug streikender Straßenbahner und Arbeitsloser durch die Zschoppauer Straße kam, kreuzte ein Straßenbahnwagen feinen Weg. Hetzer forderten die menge auf, den Wagen umzustürzen, dieStraßen- bahner herauSzuholen und zu verprügeln. Im Moment des Angriffs der Menge kam ein Poli- zelauto dazu. Die Polizeibeamten schützten den Wagen und konnten die Massen zurückdrängen. Da« Betriebsamt der Städtischen Straßenbahn hält auch in den Rachmittagsstunden mit Hilfe de« arbeitswilligen Personal« den Ltraßenbahn- velk.hr in beschränktem Umfange aufrecht.
Line antikatholische Kundgebung In Liverpool.
In Liverpool kam es zu antikatholischen Kund- gedungen. Eine 200 Personen zählende Menschen- menge hinderte den Erzbischof daran, sich zum Notre-Dame-Kloster zu begeben, wo eine Preisverteilung stattflnden sollte. Die Fenster des Klosters wurden durch Steinwürfe zerstört. Einige Zeit später verhinderte eine große Menschenmenge die Beförderung von Mobiliar von Dem alten nach einem neuen Presbyterium. Sie griff Den Führer des Lastwagens tätlich an und zwang ihn schließlich, unverrichteter Sache davonzu-
fahren. Der Gemeindepriester wurde mit Steinen beworfen. Als die Polizei erschien, zer- ftreutf sich die Menge.
Ein Flugzeug In eine filubergruppe gestürzt.
In Eh ipewyan (Kanada) stürzte ein Flugzeug, da« zu einem kurzen Uebungsslug ausge- stlegen war, au« geringer Höhe ab und fiel in eine Gruppe spielender Kinder. Bier Kinder wurden auf der Stelle getötet und vier andere lebensgefährlich verletzt. Der Führer und der Begleiter der Maschine kamen ohne Verletzungen davon.
23er(iner Börse.
Berlin, 3. Dez. (WTB. Funkspruch.) Mit Rück- sicht auf bte Unsicherheit in der innerpolitischen Situation und in Erwartung der heutigen Wieder- erösfnung des Reichstages übte die Spekulation im Fruhverkehr Zurückhaltung. Kurse waren noch nicht zu hören, und eine Tendenz war nicht erkennbar. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,55 zu 123,57, London gegen Mailand 92,68, Lon- don gegen Spanien 43,20, London gegen Kabel 4,855750, London gegen Berlin 20,3625, Kabel gegen Berlin 4,1940.
Oie Winterbeihilfe in Hessen.
Stürmische Beratungen im Hessischen Landtag.
Darmstadt, 2. Dez. (WTB.) Das Plenum des Hessischen Landtage« trat nach fünfmonatigen Ferien zusammen. Die Tribünen sind überfüllt. Vor dem Hause haben sich viele Erwerbslose angesammelt. Die Regierung ist vollzählig erschienen.
Da« Haus gedenkt stehend deS verstorbenen Abg. Guß mann (Ldbd.). Präsident Delp begrüßt al« Rachsolger den Aog. Bürgermeister Arras sowie die an Stelle de« In den Reichstag abgewanderten Abg. Ritzel eingetretene Aog. Frau Steinhäuser (Soz.) und beglückwünscht den Abg. Raab (Soz.) zu seinem 2-jährigen Jubiläum al« Abgeordneter de- Landtages.
Winterbeihilfe.
Abg. Widmann erstattet Bericht über die Ausschußverhandlungen zu den Anträgen der Parteien auf Gewährung von Winterbei- hl l s e n und die von der Regierung geplanten Notstandsarbeiten, wofür 2 Millionen Mark vorgesehen sind.
Abg. (Salm (Komm. Opposition) erklärt, Hessen lasse wie daS Reich die Erwerbslosigkeit ansteigen, ohne etwa« grundlegend Positives zu tun. Mit den unzureichenden RotstandLarbeiten ist nicht geholfen. Wir fordern die Vierzigstundenwoche in allen staatlichen Betrieben. Mit der tropfenweisen Fürsorge treibt man Dchindluder mit den Arbeitslosen. (Beifall auf der Tribüne.) Die Arbeiterschaft, die seit Jahren Disziplin bewiesen hat, wird da« Drüningpro- gramm nicht ohne Widerstand hinnehmen. Der industriefreundliche Adolf Hitler wird den Arbeitslosen nie helfen dürfen und können. Rur der Sturz de« System« tann Hilfe bringen. (Händeklatschen auf der Tribüne, was vom Präsidenten gerügt wird.)
Aba. Dchäser (K.) kritisiert da« Verhalten der Sozialdemokraten. Wenn der jetzige Staat die arbeitswilligen Volksgenossen verhungern läßt, ist er reif zum Sturz.
ArbeitSm nister Karell
weist die Behauptungen der beiden Vorredner zurück. Es ist eine Frechheit, wenn ein Kommunist angesichts des Zusammenbruchs des Systems in Rußland und des Skandal- prozessesRamsin uns Vorlesungen halten will. Wir unterstützen grundsätzlich die Regierung Brüning, in der wir d i e letzte Hilfe erblicken legen das Chaos, das Kommunisten und Faschisten ür ihre Zwecke anstreben. Wir mußten In Hessen eftftellcn, daß 9 0 Prozent aller Betriebe n u r 4 0 S t u n b c n und wenigerarbeiten, daß also die Arbeitszeitverkürzung praktisch schon b e st e h t. Betriebsstillegungen werden von mir nur unter Einhaltung der sechs Wochen Sperrfrist genehmigt. Kein Land hat, wie bisher Hessen, Winterbeihilfen gegeben, kein Land
hat wie Hessen ein 15-Millionen-Arbeitsbeschaf- sungsprogramm durchgeführt, das auf 20 Fahre hinaus das Land mit 400 000 Mark belastet. Für die Winterbeihilfe stehen jetzt noch 280 000 Mark zur Verfügung.
Am 31. Oktober 1930 betrug die Zahl der Wohl- fahrtserwerbslofen
in Offenbach 4261 mit einem Wochenaufwand von 72 000 Mark:
in Worms 1638 mit einem Wochenaufwand von 29 500 Mark:
in Neu-Isenburg 279 mit einem Wochenaufwand von 5700 Mark:
in Klein-Steinheim 76 mit einem Wochenaufwand von 1400 Mark:
Auf 1000 Einwohner entfielen Wohlfahrtser- werbslofe im Land 14,1, in Offenbach 53,3, in Worms 34,1, in Neu-Isenburg 22,5, in Klein-Stein- heim 23,1. Wir appellieren dringend an das Reich, Den ganz besonders schwer belasteten hessischen Gemeinden endlich zu Helsen. Bei der Preissenkung wollen wir eine Nachprüfung der bisherigen Kalkulationen und eine Verkleinerung der 23er- dienstspanne erreichen. Die Kartelle und Syndikate werden vorn Zwang nicht verschont bleiben, wenn sie nicht endlich mitgehen. Wer eine Herabsetzung Des Lebensstandards der Massen fordert, darf s e I b ft nicht mit aufreizendem Lebenswandel vor- angehen. Die hessische Regierung wird in den nach- ften Tagen die Bevölkerung aufrufen, gerade in der jetzigen Notzeit In verstärktem Maße religiöse und charltative Wohltätigkeit von Mensch zu Mensch zu üben. Die hessische Regierung sorgt mit aller Energie dafür, im Rahmen ihrer Zuständigkeit den in Not geratenen Volks- teilen zu helfen. (Ein Tribünenbesucher wird wegen des Zwischenrufes „Ihr sorgt nur für euch!" aus- gewiesen^
Aba. A <f t (DKP.) fordert in betoegten Worten die Annahme fernes Antrages auf Weihnachtsbeihilfe für Kleinrentner.
Abg. © a Int (Komm. Opp.) beantragt, die Regierung möge mit einer K om m i s s i v n d e r G r- werbslosen „au« ganz Hessen" sofort Verhandlungen aufnehmen, was bei den übrigen Parteien keine ausreichende Unterstützung findet. — (Pfui-Rufe und großer Lärm auf den Tribünen. Vizepräsident Blank läßt aus diesem Grunde dieTribünenräumen,) Tie Sitzui g wird auf zehn Minuten unterbrochen. Rach Wiederaufnahme der Sitzung folgen persönliche Erklärungen.
Abg. Wolf (VRP.) erklärt, seine Fraktion habe dein kommunistischen Antrag nicht $uge- stimmt, well man sich habe überzeugen müssen, daß die Deputation der Erwerbslosen nur au« Kommunisten bestanden hätte.
Aba. Kaul (Soz.) stimmt dem zu und bezeichnet als die berechtigten Vertreter der Erwerbslosen die
auf eine ganz elementare Dramatik hinweist. denn es geht hier nicht nur um Grund und Boden, um Besitz und Scholle, um die ererbte und zäh verteidigte heimatliche Erde — sondern c« geht auch um die alten und immer wieder „aktuellen" Gegensätze, Zwiespälte und Kämpfe zwischen den Geschlechtern und zwischen den Generationen.
Da ist der 70jährige Grutzbauer, der nicht sterben tollt, obwohl nicht nur sein Sohn sondern auch alle andern auf dem Hof darauf warten, daß er in die Grube fährt und Platz macht für die Jüngeren. Da ist der Sohn, der nicht zum Dauern taugt, ein Unmündiger mit seinen 46 Jahren, nicht zur Herrschaft über den Hof und auch nicht zur Heirat. Da sind die beiden alternden Mägde, die Mena und Trine, die in erbitterter, eifersüchtiger Feindschaft um den Platz der Bäuerin und um den Besitz deS ManneS kämpfen. Da ist das Totenweib, dem zu wenig Leute ft erben In der Gemeinde, und der Dorfschreiner, der dem alten Grutz in aller Seelenruhe da« Maß nimmt zu einem bequemen „Gewand" für die letzte Reise.
•
Den Winter über liegt der Alte, von einem Hufschlag seines Pferde« getroffen, siech, und der Sohn zimmert schon die Wiege, voreilig hosfend auf die Hochzeit mit der Mena. Aber wie der Frühling kommt, steht der Alte, ihnen allen zum Trotz, wieder auf — die Erde trägt ihn noch — und hackt in überquellendem, neuem Kraftgefühl mit der Axt den ihm liebevoll angemessenen Sarg In Trümmer. Zerschlägt den eigenen Sarg und die kleinen und großen Hoffnungen der andern um ihn herum auf dem Grutzhos.
Da« ist von einer erstaunlichen Wirkung auf dem Theater ... aber c« ist auch zu werten als ein ganz naiver, nahirßaftcr Ausbruch deS starken und gesunden Lebensgefühls, daS die Menschen diese« BauerndramaS bewegt. Gin symbolischer Aktschluß, der nicht« Peinliche« und trotz der auSholendeu Geste nichts Krainpfhafte« an sich hat. Das wirkt so ursprünglich und un- versälfcht wie jede der primitiven und oft ver- blüfsenb ungeschminkten, unsentimentalen und geradezu Beu taten LebenSLußerungen in diesem
Stück: eS paßt zu der Robustheit seiner Menschen, zu ihrem grimmigen Humor und auch zu ihrer verbissenen Sehnsucht nach einem kleinen, vermeintlichen, erträumten oder leibhaftigen Glück.
So steht dieses Drama da als ein Stück Wirklichkeit, ein Stück zwischen Leben und Tod, zwischen Wiege und Sarg ... und der Abstand zwischen Komödie und Tragödie liegt allein vn der Lösung.
•
Und zwischen den Bauernsttmmen klingt in ein Paar Szenen die Stimme des kleinen Landarztes in bilsloser Wut über die Ohnmacht seiner bescheidenen Kunst, üb-r die „verfluchte Medizin" — Stimme des Dichters unter den rauhen Reden seiner Geschöpfe, au« eigner Erkenntnis und bitterer Erfahrung. Und in diesen knappen Worten scheint schon ein wenig von jener Problematik in Schönherrs „eigentlichem" Beruf andeutend vorweggenommen zu fein, die dann in den Mittelpunkt späterer Dramen gerückt unb zu anklägerischer Fragestellung zugespltzt worden ist.
•
Die Ausführung der bäuerlichen ‘Dramen Schönherrs scheitert viels ach am Dialekt, ohne den sie fo wenig zu leben vermögen wie Hauptmanns schlesische und Zuckmayers rheinhessische Schauspiele. Die Exl-Bühne vom Wiener Raimund-Theater gehört zu den tatkräftigsten Wea- bcecitern der Tiroler Bauerndramatik. WaS die hiesige Aufführung angeht, die von Oberspielleiter Eduard Köck in Szene gesetzt war, so stand sie im Riveau des Ensembles erheblich über der Gesamtleistung der Dreher-Bühne, ohne freilich die großartig kompakte Geschlossenheit im Spiel der Thoma-Truppe völlig zu erreichen.
Köck ist auch ein Eharokterdarsteller von beachtlichem Rang: fein „alter Grutz" war eine runde und saftige Gestaltung au« einem Guß: die zähe und unverwüstliche Vitalität, die wild- gesunde Lebensfreude des greifen Erdmenschen und bäuerlichen Patriarchen war überzeugend und ohne fälschende Krastmeierci anschaulich gemacht. — Die Rolle der Mena, in der schon ein wenig der spätere „Weibsteufel" sich ankündigt, wurde von Anna S j> l mit breiten, festen Strichen angelegt und umrissen, ^«gearbeitete Leistungen boten auch Ferdinand Ex l (Hannes) und Minü
Gewerkschaftsvertreter aller Richtungen, mit denen man stets in Verbindung stehe.
Abg. (Balm (Komm. Opv.) bedauert die Haltung des Ministers Korell, der fofort hätte Verhandlungen aufnehmen sollen.
Aba. Dr. Werner (Rats.) schließt sich dieser Auffassung an, da die Rot der Erwerbslosen ungeheuer groß sei. (Lebhafte Zwischenrufe der Korn- muniften und Sozialdemokraten.)
Abg. Böhm (Dntl.) erklärt seine Bereitwilligkeit zu Verhandlungen mit der Deputation.
Minister Korell weist darauf hin, daß da» Arbeitsministerium mit den berufenen Vertretern der arbeitslosen Werktätigen tagtäglich Konferenzen abhalte und Sonderabordnungen stets empfange. Besprechungen mit wilden Deputationen lasse er s l ch nicht oufoktroieren.
Abg. Sumps (Komm.) wirft dem Dizepräslden- ten Blank Schiebung in der Handhabung der Geschäfte vor, wird zweimal zur Ordnung gerufen und zieht sich beim dritten Ordnungsruf wegen der Be- Zeichnung, die Haltung des Plenums fei eine Schwei- neret, Verlust der Redeerlaubnis zu.
Die Sitzung wird bann zur Weiterberatung der Anträge auf Winterbeihilfe auf Mittwoch vertagt.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Durch die Stabilisierung und den weiteren Ausbau des hohen Druckes hat sich ein sehr umfangreiche« Hochdruckgebiet geblldet. dessen Bereich sich Über da« europäische Festland erstreckt. Sein Kern liegt östlich von Deutschland mit Barometerständen von 780 Millimeter. Die entstandene anttzyklonale Wetterlage hält in ten nächsten Tagen an, so daß unter dem weiteren Einfluß absinkender Luft bis auf lokal begrenzte Frühnebel und Dunstbildungen abgesehen, meist klare« und heiteres Wetter herrscht. Dabei verschärft sich der Frost und auch tagsüber dürsten die Temperaturen den Rullpunkt kaum überfteigen.
Aussichten für Donnerstag: Stellenweise morgen« neblig oder dunstig, sonst klar und tagsüber heiter, Zunahme des Froste«, trocken.
Ausslchtenfür Freitag: Fortdauer de« trockenen Wetters mit Frost.
Lufttemperaturen am 2. Dezember: mittags 6,5 Grad Celsius, abends 2,1 Grad: am 3. Dezember: morgens — 1,5 Grad. Maximum 6,7 Grad, Minimum — 1,6 Grad. — Erdtempcraturen in 10 cm Tiefe am 2. Dezember: abends 4,3 Orat); am 3. Dezember: morgens 2 Grad Celsius. — Sonnenschein- douer 1% Stunden.
Gstöttner-Auer (Trine). — Von den Chargen nennen wir ßubtotg Auer (Eishof- bauer), Han« Kratzer (Roßknecht), Anna Z ö t s ch (Totenweibele) und Franz Ludwig (Arzt). -
Gute« Stück, tüchtige Ausführung: beide« fei gern bestätigt und anerkannt: die« kann jedoch die bescheidene Anmerkung zum Schluß nicht hindern, daß wir mit diesem brüten Gastspiel (innerhalb weniger Wochen) nun für« erste genug Bauerntheater gehabt haben. hth.
Wie war's in Kairo?
Man wird es künfttg nicht mehr nötig ßabeit, wirklich in Aegypten gewesen zu fein, um sozusagen aus Kairo kommen zu können, — einige Phantasie allerdings vorausgesetzt. Und die französischen Spießer, die in Paris ebenso wie anderswo vor ihren lieben Rachbarn mit ihren Reiseerlebnissen prahlen wollen, brauchen nur die Place de l'Opöra zu besuchen, um die sichtbarsten Anzeichen ihrer Weitgereistheit „mitzu- bringen". Denn dort steht ein Mann, Pardon, ein Herr, schick gekleidet, redegewandt, saft mondän und bietet — Hotelmarken feil. Für einige Frank kann man sich die Marken aller größeren Hotel- aller fünf Kontinente kaufen, die dann, auf die Koffer geklebt, den besten Beweis für das Globetrottertum seines Besitzers sind. Und der Mann hat einen riesenhaften Absatz. — Zunächst versuchte die Polizei einzuschreiten. Er wurde unter DetrugSanklage gestellt. Was erklärte der Mann da? E r sei nicht der Betrüger. Er spekuliere nur auf den Snobismus im Menschen und müsse im übrigen seine ehrliche '21 r- beit leisten. Denn galube man etwa, daß die zahlreichen Hotels aller Weltteile ihm die Kosferzettel umsonst liefern? Gr sei also nur Zwischenhändler, wie jeder andere. Betrügi'r seien sie. die anderen, die mehr vortäuschen, als sie sind, die den Schein allzu hoch einschätzen. Ob denn daS Geschäft ginge, wurde er gefragt. O ja, er habe sich schon ein kleines Kapitälchen -usammengespart. ilnb et finde noch immer Dumme... Die Verteidigung be« Mannes im* vonierte, und er wurde freig:sprochen. Und seitdem nimmt die Zahl der „weitgereisten" Franzosen mit jedem Tage zu.


