Konsumverein Gießen und Ltmgegend.
Unter der Leitung des Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Fr. Vetters, fand gestern im ®c- werkfchaftshaus die ordentliche Vertreterversammlung des Konsum Vereins Gießen und Umgegend statt.
Sekretär Huber trug zunächst den Ve Visionsbericht für das Geschäf tsjahr 192 8/2 9 vor. Aach diesem hat der Derbandsrevi- for in mehrtägiger Dauer eine Prüfung der Bücher, der Kasse und sonstigen Einrichtungen des Vereins vorgenommen. Die Prüfung gab zu Beanstandungen keinerlei Anlas), die Revisions- bemcrkungen über die Führung des Vereins lauten günstig.
Geschäftsführer Diener erstattete darauf den Geschäftsbericht für 1 92 9 30 und führte an Hanv von Zisfernmaterial aus, das) es trol) der ungünstigen Wirtschaftslage und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit und Einnahmemin-- derung vieler Mitglieder möglich sei, den Gesamt- umsah von 3 157 118 Mark zu steigern, wodurch die zur Zeit hohen Unkosten gesenkt würden. Ueber den Geschäftsbericht haben wir am Samstag auszugsweise schon berichtet.
Den Kassenbericht erstattete der Kassierer 3. Günderoth. Vach Bekanntgabe der einzelnen Posten der Bilanz, die in Aktiva und Passiva je mit 1 523 419,68 Mark abschließt, und der Gewinn- und Verlustrechnung (Doll und Haben je 471 181.66 Markj bezeichnete der Kassierer das finanzielle Ergebnis als nicht befriedigend. Er unterbreitete der Vertretorver- sammlung folgende Vorschlägen 1. die Verteilung der Erübrigung von 5954,36 Mark wie folgt vorzunehmen: Veservefbnds 3000 Mart, Pen- sionsfonds 2000 Mark, zur Verfügung der Verwaltung sind 954,36 Mark zu stellen: 2. die Verteilung der V ü ck v e r g ü tu n g von 152 984,08 Mark (5 v. H.) an die Mitglieder: 3. die Höhe der aufzunehmenden Spareinlagen auf eine Million Mark festzusehen.
Der Vorsitzende deö Aufsichtsrats, Fr. Vetters, gab den Bericht des Aufsichtsrats und machte die Vertreterversammlung mit dem Re« sultat der Rechnungsprüfung für 1929 30. die Bücher, Kasse und Belege in bester Ordnung befunden habe, bekannt.
Die Aussprache war sehr ausgiebig. Geschäftsführer Diener ging in seinem Schlußwort auf die vorgebrachten Wünsche und Anregungen ein und sagte deren Erfüllung nach Möglichkeit zu.
Die Abstimmung ergab die einmütige Entlastung der Gesamtverwaltung. Die Verteilung der Erübrigung, der Rückvergütung, und die Höhe der aufzunehmenden Spareinlagen wurden nach den Vorschlägen der Verwaltung genehmigt.
Die Wahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat ergaben die einstimmige Wiederwahl der ousscheidenden Mitglieder Gg. Deck mann (Vorstand), Ernst Laudenbach, Hans Horst und Frau Meier (Aufsichtsrat).
Konzert in der Zohanneskirche.
Zn der Zohanneskirche fand am Freitagabend ein Wohltätigkeitskonzert statt, dessen matc rüller Ertrag zum Vesten der hiesigen neuerbauten Krippe bestimmt war. Zur Mitwirkung hatten sich Frau Gertrud Weyl, Organist 5) a b i ch t und die Kapelle unseres Bataillons unter der bewährten Leitung von Obermusikmetster W. L ö b e r für die gute Sache zur Verfügung gestellt.
Die Orgel unter der verständnisvoll nachschaffen den Hand des verdienstvollen Organisten Habicht leitete den Abend ein und führte die Zuhörer in das Reich der kirchlichen Musik. Eine überaus eindrucks, volle Ouvertüre „Ein feste Burg ist unser Gott" (O^Ricolei) in der wuchtigen Wiedergabe durch das Blasorchester, liest die ganze Schönheit jener Melodie und zugleich die gläubige Kraft, die ihr innewohnt, offenbar werden. Frau Gertrud Weyl sang das Arioso aus einer Kantate von G. F. Händel und erfreute die Zuhörer nicht nur durch die vollkommene MWMNM
ZRoman von Hans Friedrich.
Urheber-Rechts! ih durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa.
21 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Run blieb ihr nichts anderes übrig, als zuzugreifen. Sie überzählte das Geld flüchtig und tauschte sechs Hundertmarkscheine dagegen ein. mehr als die Hälfte ihrer Reisekasse.
„Uebervorteilen Sie mich auch nicht?" fragte sie beifällig, gewollt streng.
Er legte beteuernd die Hand auf die Stelle, wo er sein Herz vermutete.
„Ich bitte Sie, GnädigsteI Vichts würde mir ferner liegen, als um eines kleinen Vorteils willen eine schöne Frau zu betrügen."
Damit hatte er Irma Hansens Sympathie völlig erobert.
„Liebenswerter Mensch, wie man ihn selten trifft!" anerkannte sie bei sich. Eigentlich schade, bast er an der Grenze schon ausstieg. Sie stellte es sich so schön vor, ihn für einige Tage als Reisebegleiter zu haben. Jedenfalls konnte man sich mit ihm sehen lassen.
3m weiteren Verlauf des Gesprächs gab er ihr Auskunft, wo sie in Innsbruck wohnen könne. Die ersten Hotels waren für sie gerade flut genug.
„Ursprünglich wollte ich an die See", gestand Irma wahrheitsgetreu. „Da kenne ich mich aus. Vur auf die Veranlassung meines Mannes habe ich mich noch in letzter Stunde für das Hochgebirge entschieden." Das war Lüge, die leichtfertig von dem Munde der Schönen ging.
,Die werden Ihren Entschluß nicht bereuen. Tirol wird Sie gefangen nehmen, damit verspreche ich nicht zuviell" Er sagte das mit einem eigentümlichen Lächeln, das Irma nicht vergessen würde.
Und bei sich dachte sie abenteuerlustig: „Du schöner Eicerone, bevor ich noch über die Grenze flehe, hast du mich bereits gesangen genommenI"
Da waren sie schon, nach vorangegangenem kurzen Aufenthalt in Garmisch-Partenkirchen, in Mittenwald angelangt.
„Ich bebaute unendlich, mich jetzt schon verabschieden zu müssen." Ueber sein hübsches Film- gesicht breitete sich etwas von echter Kümmernis.
Auch der Frau ging der Abschied nahe. In Garmisch war ein junge« Paar zngestiegen, das mehr Augen für sich, als für die Landschaft hatte. Verliebtheit steckt an. Das fühlte die Blondine.
Für Sekunden lag ihre Hand in der de« Mannes. Da wurde ein Entschluß geboren, der einer kühnen Aufsorderung verzweifelt ähnlich sah.
Huberius-Tag!
Von Or. Ludwig Roth.
„Am dritten Vovember Trotz Wintersturm und Gis Soll jeder ziehn zu Holze, Der um das Weidwerk weiß."
Jeder Weidmann sucht sich für diesen „höchsten Feiertag" der Jägerei frei zu machen. Wie herrlich ist eine genau vorbereitete, weidmännisch durchgesührte „Hubertus-Jagd" vom erstenHorn- gruß am frühen Morgen bis zum Verblasen der Strecke, bis zum Halali und Horrido am späten Abend! Der Tag steht im Zeichen Sankt Hube r t i, so soll des Schutzpatrons der Jagd und der Jägerei an seinem Ehrentage gedacht werden!
Hubertus, eigentlich Hugu-Bert, der durch Verstand (Hug) Glänzende (Bert), war in der Zeit von 700 bis 727 Bischof von Lüttich. Er war der Sohn des Herzogs Bertrand von Guienne und lebte zuerst am Hofe des fränkischen Königs Theodorich, später beiPipin vonHeristal. Vach dem Verlust seiner schönen Gemahlin Floritana hatte sich der von Lebenslust überschäumende Herzogssohn, der ein leidenschaftlicher Jäger war, von der Welt zurückgezogen, war nach Rom gepilgert und vom Papst Sergius I. zum Bischof von Tongern geweiht worden. Zu Ehren seines Vorgängers Lamprecht erbaute Hubertus eine Kathedrale in Lüttich, wohin er auch seinen Bischofssitz verlegte. Er starb am 30. Mai 727, und sein Körper, der 743 noch fast ganz unversehrt war, wurde 825 nach der Abtei Andain gcbracht, welche davon den Vamen Saint Hubert erhielt.
Vach der Sage hat Hubertus vor seiner Bekehrung gejagt am heiligen Karfreitag, um den der Ernst des Kreuzestodes des Heilands webt, ein Tag besonderer Weihe, tote uns bffc Gralssage und Parzival lehrt. Ist bes Heilands Todestag — der ..allerheiligste" Karfreitag doch der Tag der großen Ruhe!
„So jammervoll klagt fein Wild
Lind gewiß gar nicht am heiligsten Morgen heut" hören wir im Parzival Gurnemanz sprechen! Am höchsten „Schmerzenstage" soll der Mensch die Kreatur und „Halm und Blumen auf den Auen" schonen, sagt Parzival, denn
„Karsreitagszauber umschwebt den düstren Tag der Trauer".
Lind an diesem „Llnschuldstage der Vatur" jagt Hubertus. Dem wilden Jäger stellt sich im Ar- dennerwald nach scharser Jagd ein weißer Edelhirsch, zwischen dessen mächtigem Geweih ein Kruzifix im Strahlenkranz ihm erscheint. Die Armbrust entsinkt der sicheren Hand, die wehrhaften Rüden flüchten ^u ihrem Herrn, der in jäher Ergriffenheit erschüttert niedersinkt und in andächtigem Gebet verharrt. In dieser Stunde gelobt Hubertus, bem Weibwerk zu entsagen und sich dem Dienst des Herrn zu weihen. Er wurde Einsiedler und baute eine Kapelle an der Stelle, da ihm der Hirsch mit dem Bilde des Gekreuzigten erschienen war. Weit drang der Ruf seiner Heiligkeit und seiner Wunderkraft. Er hatte der Legende nach die Kraft, Besessene und von Tollwut Befallene zu heilen: als Pilger wallte er zur Ewigen Stabt, wo ihn Papst Sergius zum Bischof weihte. Die Stola brachten Engel vom Himmel und Petrus selbst übergab ihm einen goldenen
Schlüssel. Beiden, sowohl der Stola, wie dem Schlüssel, wurde besondere Heilkraft zugeschrieben. Hubertus, der bekehrte Jägersmann, wurde so auf ewig gerettet.
Die Stätte der Bekehrung des heiligen Hubertus ist der Ardenner-Wald, wo er in einer kleinen „Cella" (Zelle) bei Audagium, bem späteren „Andain" sich religiösen Hebungen bis zu seiner Pilgerfahrt nach Rom hinggb. Eigenartig ist, daß wir in dem Grenzgebiet auch die ältesten Spuren einer Iagdgöttin finden, deren Vamen wir leider nicht mehr wissen: der Bischof Gregor von Tours erzählt in seinen zehn Büchern fränkischer Geschichte, daß ein Diakonus Vulfelaich bei Trier ein Bild der „Diana" gesunden habe, welche das abergläubische Volk abgöttisch verehrte. Hierüber ergrimmte Vulfelaich und er predigte gegen das Dianenbild mit dem Erfolge, daß er seine Zuhörer dazu begeisterte, das Bild der „Diana" mit Stricken umzustürzen und zu zermalmen. Diese Zerstörung der deutschen Diana muß etwa im Jahre 585 erfolgt sein. Der römische Schriftsteller Arrian, der bald nach Ta- citus — in der Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christi Geburt — starb, berichtet uns von einer „Artemis" (Iagdgöttin) der Kelten und von den ®ebräud)cn ihrer Verehrung. Es scheint sich, da in diesen Jagdgebieten sich keltische und germanische Sitten verwischen, um dieselbe Göttin gehandelt zu haben. An Ihrem Iahresfeste wurde ein Festschmaus von den Jagdgenossen gehalten, der Göttin das zum Schmaus bestimmte Wild feierlich geopfert. Auch der Hunde wurde gedacht: sie wurden am Festtage bekränzt und besonders gut verpflegt. Leider ist uns weiteres nicht erhalten geblieben: wir.kennen weder den Vamen der keltischen, noch der germanischen Vaturgottheit, der die Jagd heilig war.
Die Feier des Hubertustages ist trotz aller historischen Kritik geblieben! Im Jahre 1724 berichtet uns Fleming im „Vollkommenen teutschen Jäger": „HubertuS'Tag ist das Fest des allgemeinen Jagd- Patrons Huberti. Da soll ein jeder rechtschaffene Jäger sich auf die Jagd begeben, es wäre beim, daß er durch Eis, Kälte ober einen starken Platzregen bavon abgehalten würbe... boch sollen die Freunde von der Jägerei an diesem besonders feierlichen Tage keinen um sich leiden, welcher wider die Iagdregeln das Wild mutwillig verderbt ... Wenn man den größten Teil des Tages mit Jagen zugebracht, so sollen die Jäger wieder auf einem dazu bestellten Platze zusammenkommen und jeder berichten, was er ausgerichtet, auch sowohl seine glücklichen wie unglücklichen Zufälle erzählen und sich sodann in dem nächsten, dem besten Iagdhause lustig machen."
Im Anklange an die keltischen und germanischen Feiern zu Ehren der „Diana Arduenna" wird heutigentags der Abend dem Gedächtnis des Schutzheiligen der Jagd gewidmet:
„Laßt uns die Dccher leeren Vach guter alter Weis', Zu Sanct Huberti Ehren Änd zu des Weidwerks Preis!"
Allen Jüngern Sanct Huberti und allen Freunden der Jagd und Jägerei zum Hubertustage: „We idmannshei l!"
Art ihres Vortrags, durch die einfache, klare und unmanierierte Wiedergabe, sondern bejonders auch durch ihre schmiegsame, modulationsfähige, in den oberen und unteren Lagen gleich gut beherrschte Stimme. Nicht weniger eindrucksvoll gab die Sängerin Schuberts „Dem Unendlichen . Das O r - ch e st e r untermalte in sorgfältiger Begleitung die gesanglichen Darbietungen. Eine Sarabande von Joh. Seb. Bach, erfüllt von der zutiefst veranserten
„Ich werde die nächsten acht Tage im Hotel „Tirol" wohnen", sagte Irma leise.
Der Mann erfaßte die Situation augenblicklich.
„Wenn es Ihnen angenehm ist, komme ich mal rüber." Seine Augen tparen dabei beredter als seine Zunge.
Die Blonde nickte unmerklich. Dann stieg der Fremde aus, und die Paß- und Zollkontrolle betrat bas Abteil
* . *
Am selben Abenb in Innsbruck.
Inna Hansen aus Dresben hatte in einem Speiselokal an ber Maria-Theresia-Straße vorzüglich gegessen, bazu ein Viertel „Spezial" getrunken. Der lebhafte Betrieb gefiel ihr außerordentlich. Sie war kein Freund ber Einsamkeit. Lind nicht einmal dachte sie an Peter, wie er ihre plötzliche Abreise ausgenommen habe. Dafür kreisten ihre ruhelosen Gedanken um den bewußten Herrn aus Mittenwald.
Die schöne, ein wenig üppige Blondine lächelte versonnen in ihr Glas. Endlich mal ein kleines, erregendes Abenteuer. Sie gehörte nun einmal au den Frauen, die sich ohne männliche Führung steuerlos fühlen. Dagegen war nichts zu machen.
Ob er kommen würbe, wie er in Aussicht gestellt hatte? Lind wann?
Irma fühlte sich von einer prickelnden Lln- gebulb ergriffen. Plötzlich gefiel es ihr nicht mehr unter der Schar ber Speisenden. Sie winkte ben Zählkellner heran, gab ihm eine Hundertschillingnote zum Wechseln.
Wie umständlich der Mann war! Lind mit welcher Linverschämtheit er |ie anstarrteI
Es dauerte geraume Zeit, bis er wieder auf- tauchte. Er hatte angeblich nicht so viel Kleingeld bei sich, um sofort abzurechnen.
„Bevor ich mich schlafen lege, gehe ich erst noch in ein Konzertcafe und trinke einen Mokka", hatte sich Inna Hansen so schön ausgedacht.
Es sollte anders kommen.
Der Kellner flüsterte ihr etwas ins Ohr: Ein Herr erwarte sie draußen, sie möchte sich dringend hinausverfügen.
Freude machte das Frauenherz höher schlagen. Wäre es möglich, daß ber nette Llnbekannte so rasch schon —
2n der Eile vergaß sie, sich das Geld auf die Hundertschillingnote herausgeben zu lassen. Sie hätte es auch nicht bekommen, wie sich gleich herausstellte.
Was sich nun ereignete, würde Irma Hansen, ihr Lebtag nicht vergessen. Sie stürzte aus allen Himmeln.
Draußen stand ein Polizist, der sagte sehr höflich, sehr bestimmt, daß sie ihn leider auf das nächste Polizeirevier begleiten müsse.
Entsetztes: „Warum?"
„Weil Sie im Besitze falschen Gelbes sind." „Ich? -- Lim Gottes willen — wieso?"
Religiosität des genialen Meisters, wiedergegeben von einem Violincello (Grenadier Schubert) und dem Orchester, hielt die Zuhörer in andächtigem Lauschen gebannt. „Festesjubel" nach Worten eines Psalms ließ die Kirche zu klein erscheinen für die Fülle und Wucht der Töne, die jene Darbietung brachte. Ein Largo für Streichorchester und Orgel, ein Religioso für eine Violine (Feldwebel W a ° nitze k) und Orchester vermittelte durch die hervor-
Das würde sich Herausstellen. Der Mann hatte ein Herz aus Stein. Da half kein Bitten, fein Flehen, kein Drohen. Irma Hansen, die Gattin des angesehenen Dresdener Motorenindustriellen, mußte wegen dringenden Falschmünzerverbachtes mit zur Wache und von da zum Polizeipräsidium. Sie konnte dabei noch von Glück reden, daß es ohne Aufsehen abging.
Lind nun stellte sich unter dem Drucke eines hochnotpeinlichen Verhörs alles heraus: Die gutgläubige Blondine war einem gewiegten Hochstapler und Falschmünzer, nach dem bereits gefahndet wurde, in die Hände gefallen. Sämtliche zehn Hunbertschillingnoten erwiesen sich als gefälscht.
„Es handelt sich nicht einmal um besonders gute Falsifikate. Der Schwindler bleibt seinem einträglichen Prinzip getreu, sich nur an Frauen und Mädchen heranzumachen, bei denen er vor- aussetzt, daß sie das österreichische Geld nicht genau kennen", sagte ber Kommissar.
Die Festgenommene war bleich geworden. Die gemalten Lippen standen wie eine fremde Blüte in bem weißen Frauengesicht.
„Der Herr aus Mittenwald — ein Schwindler und gemeiner Betrüger?" Vur diese Worte vermochte sie zu wiederholen in .Unglauben und Ziveifel.
2a, sechshundert Mark hatte sie heute verloren. Das war schlimm. Lind doch wog das nichts gegen die riesenhafte Enttäuschung: Sich in bem hübschen, liebenswerten Kavalier gründlich geirrt zu haben, von ihm als Ausbeutungsobjekt mißbraucht worden zu feinI
„Wir glauben den Angaben Ihres Reisepasses vollständig, gnädige Frau. Ihr Signalement, das Sie von bem Verbrecher geben, deckt sich übereinstimmend mit ben Berichten anderer Betrogener, die dem Schwindler an der Salzburger Grenze ins Garn gingen. Trotzdem müssen wir Sie bitten, bis zum Eintreffen der telegraphisch erbetenen Personalauskunft Ihr Hotel nicht zu verlassen."
Irmas Augen rundeten sich, wurden starr und weit.
„Wie lange soll das dauern?" '
„Dis morgen früh nur. 3m übrigen dürfen Sie versichert sein, daß die Angelegenheit so diskret wie nur möglich behandelt wird."
Die Blonde atmete erleichtert auf. Oh, da stand wenigstens zu hoffen, daß ihr Mann nichts von bem peinlichen Zwischenfall erfuhr. Insgeheim schämte sie sich jetzt vor Peter. Vielleicht fürchtete sie auch seinen Spott ...
Plötzli-ch entdeckte sie ihren Scharfsinn.
„Dec Fremde hat mir in Aussicht gestellt, mich in meinem Hotel zu besuchen. Wenn er kommt, können Die ihn sofort verhaften. Bitte, stellen Sie Ihre Beamten am Bahnhof auf."
Der Kommissar lächelte belustigt.
ragende Interpretation, besonders des Religiosos, einen bleibenden Eindruck. Ein „Gesang aus dem 16 Jahrhundert" beschloß das reichhaltige und von sorgfältiger Hand ausgewählte Programm. Erfüllt von den Klängen der weltweiten und den Menschen dem Alltag entrückenden Musik, machten sich wohl die meisten der Zuhörer auf den Heimweg.
Taten für Dienstag, 4. November.
Sonnenaufgang 6.57 LIhr: Sonnenuntergang 16.30 LIhr. — Mondaufgang 15.45 Llhr; Monduntergang 4.29 LIhr.
1847: der Komponist Mendelssohn-Bartholdy geboren; — 1891: der Dichter Klabund (Alfreo Henschke) geboren.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Licht- spielhaus Bahnhofstraße: „Unter ben Dächern von Paris". — Astoria-Lichtspiele: „Achtung, Falsch- münzer!" und „Der Geisterzug".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, einmaliges Gastspiel Harry Liedtkes mit seinem Berliner Ensemble. Zur Aufführung gelangt ein-TÄauspiel von Oskar Wilde: „Ein idealer Gatte". In diesem Werk wird Harry Liedtke die Rolle spielen, die sein eigentliches Fachgebiet ist. Dem Gießener Publikum dürfte mit diesem Gastspiel Gelegenheit geboten fein, einen beliebten Helden der Leinwand auch einmal auf der Sprechbühne zu sehen. Die Vorstellung ist außer Abonnement. — Am Mittwoch unter Spielleitung Karl Volcks Erstaufführung des Lustspiels „Geschäft mit Amerika" von Frank und Hirschfeld.
— Von der Volkshochschule wird uns geschrieben: Aus vielfachen Wunsch haben wir uns entschlossen, den Kurs „Kameradschaftsehe?", der mit anderen stark interessierenden Kursen <>u- sammenfällt, von Mittwoch auf Dienstag <,u verlegen. Der erste Abend findet demnach Dienstag, 4. Vovember, 20 LIhr, in der Llniversität, Hörsaal 45, statt. (Siehe heutige Anzeige.)
*
•* Militärpersonalie. Oberstleutnant Schellmann beim Stabe des Inf.-Regt. 15 in Kassel wurde mit Wirkung vorn 1. Vovember ab zum Oberst befördert.
** Justizpersonalie. Ernannt wurde der Amtsgerichtsdirektor bei dem Amtsgericht Bad-Nau- heim, Georg H a u s m a n n , zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provipz Rheinhessen und gleichzeitig zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht in Mainz.
** Reformationsfeiern in Oberhessen. Ebenso wie in Gießen, fanden auch in vielen Orten Oberhessens Desormationsfeiern statt. Der Freitag wurde erstmalig als kirchlicher Fei- ertag begangen und vereinigte die Gemeindemit- glieder in den Kirchen zu Gottesdiensten. Diese waren durchweg sehr gut besucht und erhielten durch Predigten und Vorträge Über das Werk der Reformation und über den Sinn des evangelischen Bekenntnisses ihre besondere Note. Musikalische Darbietungen, Vorträge der Kirchenchöre, zum Teil Festspiele historischen Charakters, das alles trug dazu bei, dem Tag die festliche Stimmung zu geben und zugleich die Erinnerung an das große Werk des Relormators Martin Luther im Geiste lebendig werden zu lassen. In verschiedenen Gemeinden wurden auch auf den Charakter des Tages abgestimmte Abendunterhaltungen abgehalten, die ebenfalls außerordentlichen Anklang fanden. Bei der großen Menge der bei uns eingegangenen Berichte über die Feiern in den einzelnen Orten müssen wir uns darauf beschränken, in dieser Form der überall naturgemäß gleichartigen Feiern zu gedenken.
" D e r M i lch p r e i s ka m p f, der seit kurzem zwischen einem Teil der Landwirte und ber Milchhändlerschaft im Gange ist, hat im Verlaufe der letzten Tage zu einem starken Preiswettbewerb nach unten geführt. Während man noch vor 8 Tagen in der Stadt beim Milchhändler -28 Pfennige je Liter Milch bezahlen mutzte, sank dieser Preis, unter der Einwirkung der Konkur-
„Der Mensch wird sich hüten, sein Versprechen wahrzumachen. Trotzdem wird natürlich noch in dieser Stunde alles geschehen, um ihn dingfest $u machen. Vielleicht haben unsere Kollegen lenseits der Grenze Glück, ihn diesmal zu fassen."
Irma Hänfen bedauerte: „Wenn ich mir nur wenigstens seinen Vamen gemerkt hätte!"
Der Beamte schüttelte resigniert den Kopf.
„Würde nicht viel helfen. Der Kerl hat Ihnen bestimmt ein Pseudonym genannt. Noch jedesmal trat er mit dem Wechsel des Schauplatzes unter einem anderen Vamen auf.
Vorläufig hatte sich dieser peinliche Fall erledigt. Irma durfte in ihr Hotel gehen. Die wußte, daß sie diese Nacht unter dem „Schuh" der Kriminalpolizei schlafen würde... Sicherlich wurde sie bis wm Eintreffen der Dresdner De- stätigung unauffällig bewacht. So viel konnte sie sich denken.
Aber Schlaf fand sie nicht in dieser ersten Nacht, die sie in Tirols Landeshauptstadt verbrachte. Die Tränen traten ihr in die Augen, wenn sie an die Schlechtigkeit ber Menschen dachte.
Pfui, dieser Apoll von Mittenwald ein Verbrecher ! Wie man sich in den Menschen irren kann! Wie hatte er gesagt?
„Tirol wird Sie gefangen nehmen!"
Jetzt wußte sie, wie er das meinte, dieser ge- .rissene Betrüger. Seine Worte hatten einen zweideutigen Sinn.
Die schöne Frau verkrampfte die Hände in die Kissen und sehnte ben Morgen herbei.
19.
Mitten in Schuberts Rosarnunden-Ouvertüre hätte Franz Strobl, der verrückte Kerl, beinahe den Dogen beiseitegelegt und wäre auf den suchend durch die Tischreihen schlendernden Ludwig Schwaihofer zugeeilt.
Verwünscht! Die Ouvertüre zog sich noch seitenlang hin!
Schwaihofer war Strobls Freund, noch von München her, wo der Herrgottsgeiger ein halbes Jahr lang von einem Lokal ins andere zog und nirgends länger aushielt als acht Tage. Als es keine Kneipe mehr gab, in der er nicht schon gespielt hatte, war er in die Provinz gegangen. Solch ein launenhafter Mensch war der Strobl.
Es ist nicht sehr angenehm, einen Freund zu feben, dem man ein ganzes Herz voll zu erzählen hat, und doch nicht los zu können von der 'Beschäftigung. Aber auch ber Schubert Franzi bat seine Ouvertüren mit einem Ende versehen, ilnb kaum war der letzte Akkord verklungen, als Strobl die Geige auch schon weglegte und auf das Opfer feiner Mitteilsamkeit zu stürzte.
Drude Gutenberg ließ die Hände von den Tasten gleiten und sah sich nach Weißkual um.
„Was ist denn mit dem Franzi los? Er hat ja die Tempi ganz schauderhaft überhastet."
(Fortsetzung folgt.)


